Antiquariat

20.06.2008Online-Buchhandel

Interview mit Abebooks-Chef Hannes Blum

Michael Lieberman veröffentlicht in seinem Weblog "Book Patrol" ein langes Interview mit Hannes Blum, dem CEO von Abebooks.

Thema sind unter anderem die grundsätzlichen strategischen Fragen, die sich angesichts des Erwerbs des Homepage-Dienstleistungsunternehmens Chrislands durch Abebooks stellen (wir berichteten im April). Weitere Gebiete, die in dem Interview angeschnitten werden: die Seite LibraryThing, Umsatzrückgänge im Online-Handel, das neue Abebooks-Preismodell und – die Zukunft des Online-Antiquariatshandels in den kommenden fünf, zehn Jahren.
Blums Antworten sind recht aufschlussreich und interessant, zum Beispiel äußert er auf Liebermans Frage, ob der Chrislands-Erwerb nicht eine teilweise Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell von Abebooks bedeute: "Booksellers realize that they have to offer books for sale through as many different 'channels' as possible. Before the internet, that meant auctions, book fairs and catalogs as well as bricks and mortar bookstores. Today, the same rule applies and we accept that sellers are going to sell through other online marketplaces and also develop their own retail websites. We understand this and accept this."

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38 Kommentar/e

1. Christoph Schäfer 20.06.2008 13:05h www.heineantiquariat.de

> We want a first-time buyer to become a regular
> customer so they will buy from AbeBooks for life.

... und das ist genau der Irrtum, dem nicht nur abebooks unterliegt, die Bücher, unsere Bücher werden nicht "von", sondern "über" abebooks etc. gekauft.

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Schäfer

2. Peter Mulzer 20.06.2008 15:30h

Eine völlig absurde Meinung. Die rauhe Alltagswelt des Käufers antiquarischer Bücher sieht anders aus.

Gewiß, der vorwiegend bibliophil interessierte, der altmodische und der auf Ware im höheren Preisniveau spezialisierte Kunde wird sehr auf die Herkunft des Buchs achten, mitunter sogar zuerst auf der Webseite "seiner" vertrauten und altgewohnten Antiquariate nachsehen.

Aber das sind

*verschwindende Ausnahmen*.

Geschätzte 90 - 95 % aller Käufer tun absolut nichts anderes als in d e r Bücherdatenbank, die sie kennen, nachzusehen. Es ist die Bücherdatenbank und n u r sie, die im Netz an die Stelle der einzelnen Antiquare getreten ist.

Ich weiß, daß Herr Schäfer zu dem unentwegten Fähnlein der Antiquare gehört, die da meint, über ihren guten (oder auch weniger guten) Namen verkaufen zu können. Das mag im Einzelfall auch gelingen.

Solche Ausnahmen haben aber absolut nichts damit zu tun, daß heute die Datenbank im Gehirn und noch mehr im Gefühl der Altbuchkäufer d i e Verkaufsebene darstellt. Wer diese brandgefährliche Entwicklung leugnet, der wird die Quittung spätestens dann bekommen, wenn die Bücherdatenbanken regionalen Monopolcharakter bekommen - unser ZVAB hat ihn längst - und dann die Daumenschrauben anziehen.

Wo wären wir, wenn nicht das ZVAB im deutschen Sprachbereich das Kartellamt zu fürchten hätte wie der Teufel das Weihwasser?

In diesem Zusammenhang warne ich dringend davor, sich weiter auf Spielereien mit "internationaler Kooperation" und ähnlichem Unfug einzulassen. Da mag Herr Biester wieder schwärmen von altitalienischer Fachliteratur, die die sächsischen Fachhhochschulen in Massen kaufen, mag Herr Schäfer seinen lustigen Träumen von - fürchterlich schlecht organisierten - "Kooperationen" mit allerlei fremdsprachigen Datenbanken nachhängen - alles ändert nichts daran:

Der deutsche Sprachbereich ist datenbankmäßig - vom Hochpreisniveau, den die ILAB-Datenbank längst abdeckt, einmal abgesehen - v ö l l i g abgeschottet vom Rest der Welt. Und dort hockt die Krake ZVAB - - und dann lange keiner mehr.

Es ist ebenso rührend wie peinlich, wenn nachgerade alle Datenbanken des Auslands mit biederem Ernst hier durchgehechelt werden - sie haben in aller Regel wenig bis gar nichts zu tun mit unseren eigenen deutschen Problemen,. Die einzige, von der wir was lernen könnten, wäre Tomfolio.

...

Ab und zu macht es doch Spaß, die absurde Welt des Börsenblatts, Abteilung Antiquariat, kritisch zu hinterfragen. Besonders wenn sich dann die alten Tanten unseres Gewerbes, anstatt auf Farbfotos als Denkmäler ihrer Denkfaulheit dekorativ herumzustehen, aufregen und empören können.

3. Redaktion Antiquariat 20.06.2008 15:40h www.boersenblatt.net/antiquariat

Hier war's mal wieder recht arg!

4. Peter Mulzer 20.06.2008 16:37h

Man würde die Diskussionen weitaus besser formal in den Griff bekommen, wenn nicht Rundum-Dampfplaudereien zur Lage geschrieben werden müßten, sondern zu den einzelnen Sachfragen des aktuellen Antiquariats diskutiert werden könnte.

Nicht nur mich bringen solche allzu allgemeinen Fragen zum gelegentlichen Ausrasten - auch die werten Kollegen schreiben dazu meist nur allgemeines oder (ganz fürchterlich:) humoristisches Blabla.

Beides bringt es eigentlich nicht. Wir haben eine Anzahl ganz konkreter Einzelfragen, die wir auch einzeln und themenbezogen behandeln sollten.

Vornedran:

Wie verbessern wir generell (für Schweizer: gesamthaft) den Absatz unserer alten Bücher?

Warum bestellen welche Nutzer wie und was für alte Bücher? Welche Hindernisse bestehen? Was ist, wiederum ganz generell, Verkaufsförderung für alte Bücher heute?

Und dann gleich anschließend in der Wichtigkeit die ZVAB-Frage.

Natürlich glauben wir alle, darüber gut Bescheid zu wissen. bei näherem Hinsehen aber ist gerade in diesen allgemeinen Fragen eine Expertendiskussion dringend angesagt.

Dann beleidigt auch niemand andere Leute, weil es um das Durchdenken gemeinsamer Anliegen geht.

5. RF Meyer 20.06.2008 16:43h www.meyerbuch.com

Nun, Plattformen nehmen sich wichtig, das ist das eine, selbst Prolibri z.B. schreibt in seiner Anzeige auf Ebay:
„Ihr Antiquariat online
Antiquarische Bücher, Graphik, Landkarten, Autographen, Noten
www.prolibri.de“
und verwendet nicht den Plural ‚Antiquariate’, der der Sache angemessener wäre, denn die Plattform ist ja nunmal kein Antiquariat.
Was soll der Kunde, der bloß sein Buch erwerben möchte, denken?

Und so mag es dem Käufer überhaupt ziemlich gleichgültig bleiben, was Antiquare so treiben, solange er das gewünschte Buch in ordentlichem Zustand erhält – ebenso von wem er es erhält, solange nur die Maschinerie, die sein Bestellvorgang auf der Plattform auslöst hat, zu einem passablen Ergebnis führt.
Und letztlich sind es unsere Profilierungsprobleme, unsere allein, etwas neurotisch vielleicht, eventuell sogar bisweilen sachlich berechtigt, aber – aus anderer Sicht betrachtet – eben auch selbstgeschaffen: niemand hat uns dazu gezwungen, auf Plattformen anzubieten, nur unsere Gier nach Verkäufen.

Gruß, Rainer Friedrich Meyer

6. Peter Mulzer 20.06.2008 16:56h

...wenn es nun aber eine gemeinsame, demokratisch bestimmte Datenbank der Antiquare als selbstverständliche, neutrale Dienstleistungs-Einrichtung geben würde - absolut offen für alle Antiquare, auf strikter Selbstkostenbasis, soweit sanft lenkend - etwa in Qualitätsfragen ist das unumgänglich - demokratisch verwaltet qua Abstimmung aller Antiquare...

...dann, so meine ich, würde jeder Antiquar dieses neutrale Dienstleistungs-Gehäuse benutzen, ohne irgendwelche Imagesorgen zu haben.

Allerdings löst das noch nicht unsere ganz großen Absatzfragen. Aber es ist, in unserem abgeschotteten deutschen Sprach- und Lesebereich, an der Zeit, diese Einrichtung zu schaffen.

Soweit, so gut - also ein runderneuertes allgemeines Datenbankgebilde, eine Art neuerstandener Super-Quack.

Was aber sind die Kernfragen unserer Absatzförderung?

Darüber zu diskutieren fände ich auch recht spannnd.

7. Roman Heuberger 21.06.2008 20:48h

"Was aber sind die Kernfragen unserer Absatzförderung?"
(aus dem vorhergehenden Veitrag N° 6)

Eine meiner Kernfragen ist folgende: wie soll man den enormen Preisverfall antiquarischer/gebrauchter Bücher, in einigen Fällen auch die Preistreiberei in den Griff bekommen?

Roman Heuberger

8. Peter Mulzer 21.06.2008 21:13h

Ja, unbedingt.

Man könnte die Frage noch grundsätzlicher angehen. Wenn wir uns in den Leser, den Käufer n e u e r Bücher hineinversetzen, uns also mit einem großen Schmetterlingsnetz vor die Tür einer Neubuchhandlung stellen und einige Exemplare solcher Neubuch-Kunden einfangen - - w a s bitte ist es, das sie daran hindert, nicht auch einmal, öfter, regelmäßig unsere a l t e n Bücher übers Internet oder im Laden zu kaufen?

Will sagen, nicht unsere "alten" Antiquariatskunden bearbeiten und hinterfragen, sondern (alter Kliemann, auf dein Wohl ein Viertel Aldi-Rotwein) NEUE KÄUFERSCHICHTEN auftun.

Da kommen wir übrigens hurtig zum grundsätzlichen Versandproblem und (ZVAB bitte weghören) zum fürchterlichen Scheitern, zur abgrundtief verpaßten Chance, zum lächerlichen und peinlichen Desaster des "Antiquaria"-Programms.

Also es gibt viele Punkte. Schönen Abend noch nach Köln!

9. Roman Heuberger 21.06.2008 23:06h

Das beantwortet leider meine Frage nicht.

Fakt ist, 80% aller auf den Plattformen angebotenen Bücher bewegen sich preislich weiterhin nach unten. Etliche Anbieter haben schon das Handtuch geschmissen. Die alte Regel, ein gut erhaltenes relativ neues Buch kostet im Antiquariat ca. 50-60% vom ehemaligen Ladenpreis, gilt bereits seit Jahren nicht mehr.

Es geht schlicht und einfach darum, daß einer der Hauptgründe für den völlig aus dem Ruder gelaufenen Internet-Markt mit antiquarischen/gebrauchten Büchern das systematische Unterbieten der Preise ist. Bis hin zur betriebswirtschaftlichen Unsinnigkeit.

Die großen Plattformen, z.B. ZVAB und Abe haben kein Interesse, sich dieses Themas anzunehmen, sie leben schließlich von diesem System. Noch.

Die Anbieter berufen sich auf ihre händlerische Freiheit und können anbieten, zu welchen Preisen auch immer. Noch.

Obwohl alle Beteiligten um diese Problematik wissen, geschieht nichts.

Also, was wäre zeitnah zu tun?

10. Peter Mulzer 21.06.2008 23:42h

...ohne Organisation: Gar nichts.

Und mit: Gefühlsmäßig wäre ich für ein entsprechend verändertes und angepaßtes System der

*Buchpreisbindung auch für antiquarische Titel.

Diese Aufgabe könnte die zentrale Datenbank der Antiquare, falls es für den abgeschotteten deutschen Sprachraum eine solche geben würde, übernehmen. Sie würde Richtpreise veröffentlichen, ausgehend von einem guten (nicht sehr guten) Erhaltungszustand.

Jedes MItglied der Berufsorganisation würde eine Vereinbarung unterzeichnen, daß es die Richtpreise sowohl im Laden als auch im Netz einhalten wird.

Eine gewählte Kommission setzt Richtpreise immer dann fest, wenn ein Titel mehr als 3 x in der Datenbank steht. Man wird einfach vom mittleren Preis der drei schon bestehenden Angebote ausgehen, hochgerechnet auf einen guten, nicht sehr guten Zustand.

Das wäre ein Weg, juristisch nicht einfach, aber gangbar. Es gibt aber noch weitere Wege. Richtpreise in *irgendeiner Form* aber müssen her, ich bin ganz Ihrer Meinung.

Niemand kann uns zwingen, es zu unterlassen, der Unterbieterei zumindest unter Kollegen intern ein Ende zu bereiten.

Weiterhin guten Abend!

11. rabenschwarz 22.06.2008 01:57h

Hallo Roman,
das Problem sind nicht fallende Preise, fallende Preise sind strukturelle Folgen einer durch das Internet bewirkten Veränderung.
Die Beschreibung der Ursachen ist vielfach geschehen, die unendliche permanente Verfügbarkeit einer nicht unbedingt größer gewordenen Zahl an Büchern, größer geworden ist die Zahl der Anbieter, sie ist größer geworden durch die Vereinfachung des Anbietens von Büchern , durch technische Hilfsmittel, durch inhaltliche Entwertung erworbenen Erfahrungswissens, gewichten und bepreisen kann letztendlich jeder durch wenig Recherche-Leistung im Netz.
Die Zahl der Anbieter ist größer geworden aufgrund ökonomischer Zwänge, die Nischen-Suche vor- unter- oder nach Harz4, die Austrocknung sozialer Einrichtungen und deren Zwang Nebenerwerbsquellen zu erschließen , kaum eine Behinderten-Einrichtung verkauft freiwillig Bücher oder Trödel, sie benötigen Geldquellen, die ihnen weg gekürzt wurden. Dieser Prozess verselbständigt sich, eine Art Kettenbrief-Situation, beim privaten Kleinanbieter und bei Unterstützungs-Einrichtungen für wen auch immer.
Gleichzeitig verschwindet für den Buchkäufer jedwede Struktur, er sieht diesen für ihn nur noch anonymen Bücherberg der da heißt Schwapp oder ähnlich , er sieht nicht mehr den einzelnen Händler, es interessiert den Käufer – zumindest in der Mehrzahl -nicht der Hintergrund des Anbieters, sei es ein professioneller Händler, ein Teilzeitanbieter oder Verein zur Hilfe für-..., er identifiziert des Angebot Buch mit dem Portal.

Ein Ladengeschäft, ein Versandantiquariat hat eine begrenzte Fläche, man traf und trifft eine Auswahl, man entsorgte, man lagerte , aber es war eben auch immer nur eine begrenzte Zahl an Büchern verfügbar. Das Netz kennt solche Beschränkungen nicht, es fordert strukturell immer neue Anbieter, damit die Gewinne der Datenbanken steigen, wir werden diesen Zyklus nicht durch brechen können, es erinnert fatal an diese Bücherdörfer, wer einmal in Hay-on-Way (ich habe die Schreibweise vergessen)war, weiß, durch welche Berge an „Müll“ man sich wühlen muss, um etwas Spannendes zu finden, diese Bücherdörfer haben auch viel Platz für wenig Miete.....

Fallende Preise aufgrund eines zahlenmäßig hohen Angebotes gibt es im Netz an vielen Stellen, nicht nur bei Büchern.

Die Antiquare, wir, wir haben Fehler gemacht , an vielen Stellen, und wir machen immer weiter Fehler. Wir haben den Fehler gemacht, uns am Vertriebsweg Internet zu berauschen ohne die Konsequenzen zu durchdenken, wir haben den Fehler gemacht , Berge an Büchern abzustoßen, an soziale Einrichtungen, soziale Vereine, wir haben „Oxfam“ stark gemacht, wir haben bis heute keine inhaltliche Strategie im Umgang mit unverkäuflichen oder nicht „geliebten“ Büchern entwickelt, vielleicht ist es dazu in der Zwischenzeit zu spät. Und natürlich haben die Antiquare den Fehler gemacht, sich nicht selbständig, schlagkräftig zu organisieren , wozu auch, der Chefkoch des Ritz-Carlten verbrüdert sich auch nicht mit dem Hamburger-Brater von Mac-D., (nein Heidi, das ist nicht die gleiche Diskussion).

Selbstkritisch gesehen hinken die Antiquare der Entwicklung hinterher, das Netz wirbelt die Strukturen schnell durcheinander, alle Reaktionen sind vermutlich viel zu langsame Versuche.
Antiquare sind viel zu sehr Objekt, sie sind Anhängsel, sie überlassen das Netz den Techniker, sie geben sich der Besonderheit des Selbständigen hin, sie kriechen unter das Sortimenter-Dach des Börsenvereins und werden doch nicht war genommen, sie schreiben auf Seiten, die sich mit „Heidis“ schmücken, damit alles „so schön bunt bleibt“ und angeklickt wird, sie regen sich über Server-Ausfälle beim Schwapp auf und haben noch nicht begriffen, dass sie durch die Entwicklung entwertet werden, nicht durch heiß gelaufene Festplatten.

Lösungen kann ich nicht formulieren, Heidi auch nicht, warum auch , es gibt sie doch, die Nischen, die persönlichen Lösungen, die ich-biete-auf-jeder-Plattform-an, die ich-geh'-dann-mal-zu-ebay, amazon und abe, die ich selektiere meine Bücher, ich selektiere ganz stark beim Ankauf, beim Angebot, die ich-biete-alles-zwischen-zwei-Buchdeckeln-an und schreibe „ein lesenswertes Buch“ dazu, die ich mache Messen-Märkte-Kataloge-Fotos, natürlich, all das funktioniert, eine Zeit lang, aber es ist alles nur Ausdruck einer Einzelkämpfer Mentalität, nicht eines Lösungsansatzes.
Erst wenn das letzte Buch erfasst, das letzte Buch die Datenbank erreicht hat, der letzte Kunde den Weg ins Internet gefunden hat, werden die Antiquare merken, wie überflüssig sie geworden sind.

Bildlich gesprochen, solange die Antiquare nicht bereit sind , ihre Bücher „weg-zu-schütten“, solange werden andere das Geschäft machen und den Weg bestimmen,
rabenschwarze Grüße, Reinhard Denecke

12. Björn Biester 22.06.2008 08:54h

Nr. 11:

Den Kommentar finde ich sehr gut und bedenkenswert.

Dem Satz "Antiquare schreiben auf Seiten, die sich mit 'Heidis' schmücken, damit alles 'so schön bunt bleibt' und angeklickt wird" stimme ich zwar nicht zu, aber diese Kritik müssen wir uns wohl gefallen lassen.

Zum "Sortimenter-Dach des Börsenvereins": der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist eine Interessenvertretung hauptsächlich für Verleger und Sortimentsbuchhändler, jedenfalls legt das die Mitgliederstruktur auf den ersten Blick nahe (Details siehe www.boersenverein.de). Allerdings schließt das Antiquare nicht aus, im Gegenteil. Es gibt wichtige gemeinsame Interessen (zwei Beispiele: Mehrwertsteuer, Rechtsfragen im Versandhandel), in anderen Bereichen hält niemand uns davon ab, unter dem breiten Dach des Börsenvereins spezifische Antiquariatsinteressen zu formulieren und zu vertreten. Wird das Angebot wahrgenommen? Leider nur unzureichend. Im Zweifel ziehen sich Antiquare gern auf die Position zurück, sie seien 'Individualisten'. Oder sie gründen einen nicht funktionsfähigen neuen Verein, der die Situation weiter verkompliziert, weil endgültig niemand mehr weiß, wer eigentlich Ansprechpartner für was ist. Mir ist schleierhaft, wie man so etwas erreichen will!

13. RF Meyer 22.06.2008 10:31h www.meyerbuch.com

Zu 9 & 11.

Liebe Kollegen Denecke, Heuberger & Mulzer,

der Markt bereinigt sich. Es wird niemandem gelingen, alle Händler hinüberzuretten. Und dies „alle“ als Gesamtheit von Anbietern antiquarischer Bücher etc. ist jeweils nur eine Momentaufnahme im ständigen Kommen und Gehen.

Darf ich provozierend hinzufügen: manche der Bücher, die nun so wenig nur noch wert sind, waren nie viel wert; was sich da in DM, dann in € ausdrückte, war Fiktion.
Bei den heutigen Riesenauflagen, die meist leicht verdauliche Kost transportieren, ist der Gebrauchswert nur sofort zu erreichen, dann tritt sein rapider Verfall ein, es sind Hits für den Hype, den Augenblick, zum Glück bisweilen so miserabel produziert, daß ihr Leben eh nur kurz sein wird.
Zum andern werden selbst seltenste alte Bücher und Zimelien, wenn ihr Text halbwegs brauchbar in Netz zu finden ist, als Textquelle sekundär und nur noch für den Sammler von Interesse. Seiner aber, ihn zu zeugen und am Leben zu erhalten, bedarf es des sozialen wie humanistischen Hintergrunds, der immer sparsamer von den Schulen und Universitäten verteilt wird, dessen gesellschaftlicher Stellenwert auch nicht grad hoch im Wechselkurs steht.

Lösungen:
selbstverständlich die persönlichen, von Sortimentswechsel bis Berufswechsel.
Und dann jene anderen, für eine größere Anzahl von Kollegen möglichen:
Auch dazu fällt mir auf Anhieb nur Provozierendes ein:
Es sind zuviele Plattformen, ein oder zwei würden für unseren deutschsprachigen Markt und seine Kunden genügen. Sie müssen noch nicht einmal in Besitz der Antiquare sein, wenn ihnen ein wirkmächtiger Verhandlungspartner gegenübersteht. So läppisch, wie sich die Antiquare auf n Vereine, Genossenschaften und Grüppchen verteilen, haben sie fast nicht erreicht, werden sie in Zukunft fast nichts erreichen.
Diese Vertretung sollte bei wenig Mitgliedsbeitrag und wenig Aufgabenstellung beginnen, der Rest kommt beim Gehen.
Und die Aufgabenverteilung zwischen Plattform – Verkäufe erzielen, werben, Technik auf neuesten Stand bringen – und Antiquarsvertretung – Interessen vertreten, Qualität des Angebotes sichern, fortbilden – wäre leicht zu arrangieren.

Mit freundlichen Grüßen, Rainer Friedrich Meyer

14. Björn Biester 22.06.2008 12:31h

Zu den von noname zitierten Aufnahmekriterien des Börsenvereins (siehe www.boersenverein.de/de/158446/Aufnahmekriterien/181809):

"Sortiment und Antiquariat / Nachweis über das Vorhandensein eines Ladenlokals mit den üblichen Öffnungszeiten. / Nachweis des Vorhandenseins bibliographischer Hilfsmittel. / Führung der Buchhandlung im Hauptgewerbe nach kaufmännischen Gesichtspunkten und Gewährleistung fachlicher Beratung."

Etwas weiter unten steht aber (gilt natürlich auch für den Antiquariatsbuchhandel im weitesten Sinn):

"Reise- und Versandbuchhandel / Nachweis hauptberuflicher Tätigkeit. / Nachweis über das Vorhandensein von Geschäftsräumen, in denen der Antragsteller zu den üblichen Bürozeiten erreichbar ist. / Vorlage eines Versandprospektes und Nachweis einer angemessenen Lagerhaltung. / Nachweis des Vorhandenseins einer Kundenkartei."

"Internetbuchhandel / Gestaltung der Internetseite gemäß der gesetzlichen Vorgaben. / Nachweis über das Vorhandensein bibliografischer Hilfsmittel. / Führung der Internetbuchhandlung im Hauptgewerbe nach kaufmännischen Gesichtspunkten und Gewährleistung fachlicher Beratung."

Ein Ladenlokal ist also keine Voraussetzung für die Mitgliedschaft (und Versandantiquariate gab es ja eigentlich schon immer).

15. Björn Biester 22.06.2008 13:49h

Alle Informationen zum Thema Beitritt, Beiträge, Rechte und Leistungen stehen unter www.boersenverein.de/de/portal/Mitglied_sein_und_werden/158388

Weiter kommentieren möchte das hier nicht, boersenblatt.net/antiquariat ist ja keine Seite für Börsenvereinsmitglieder, sondern richtet sich wie die Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" an alle Branchenteilnehmer.

16. RF Meyer 22.06.2008 14:15h

Ich habe nur einmal die Beiträge für Berlin/Brandenburg nachgeschlagen: das dürfte für die meisten von uns unerschwinglich bleiben, da noch höher als die des VdA. Schade.
Zu fordern ist eine Vereinigung, die nicht als erstes an Beiträge denkt, sondern ans Tun.
Vielleicht dann doch zuerst die Arbeitsgruppen?

17. Wolfgang Höfs 22.06.2008 14:19h

Zur Zeit funktioniert er doch, unser Antiquariatsmarkt. Die Bedingungen haben sich zwar geändert, für die Einen zum Vorteil, für die Anderen zum Nachteil.
Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Der Arbitragevorteil des Antiquariats (hier die regionale Preishoheit über gebrauchte Bücher) wurde durch das Aufkommen der Internetplattformen eliminiert. Der Markt ist für den Kunden preistransparenter und die Verfügbarkeit der einzelnen Titel ist enorm gestiegen. Der daraus resultierende Preisverfall und das entstehende Überangebot sind zwangsläufige systembedingte Entwicklungen. Externe Dienstleister waren schneller und vielleicht auch klüger und haben die Schnittstelle zwischen der Bündelung des Angebots und der Nachfrage des Kunden besetzt.

Doch sollte man Bedenken, dass diese Entwicklung den Markt ungemein geöffnet und die Zahl der Antiquariatskunden sich im Internetzeitalter vervielfacht hat. Es sind neue Käuferschichten erschlossen worden und ich möchte hier den Gebrauchtbuchhandel mit aktuellen Titeln erwähnen, ganz neue Märkte.
Die für die Antiquariate unschönen Entwicklungen muss man hier auch aufführen, wachsende Märkte locken natürlich auch neue Anbieter an und die Akquisitionspolitik der Plattformen hat einen partnerschaftlichen Umgang zwischen den traditionellen professionell arbeitenden Anbietern und den Absatzmittlern bis heute sehr erschwert.

Auf Plattformseite rächt sich jedoch inzwischen das bisher ungebremste Wachstum im Anbieterbereich. Einerseits sinken die Margen durch den absurden Preisverfall, andererseits drohen Kundenverluste durch unseriös arbeitende Anbieter, die nicht die entsprechende Ware oder den entsprechenden Kundendienst liefern können. Der Kampf der Plattformen untereinander wird in Zukunft nur noch um Marktanteile geführt werden und mit der Werbebotschaft: "Billige Bücher im Internet" werden die Kunden kaum noch gelockt.
Ob, wie der geschätzte Kollege Meyer schreibt, ein oder zwei Plattformen reichen, möchte ich bezweifeln, denn Wettbewerb tut immer gut. Eine Plattform in eigener Hand, als Regulativ am Markt, ist jedoch aus meiner Sicht unabdingbar.

Die Arbeit von Verbänden kann die Entwicklung nur begleiten, jedoch nicht forcieren. Der Antiquariatsmarkt, so chaotisch er zur Zeit auch scheint, reguliert sich von selbst. Es gibt Kolleginnen und Kollegen die Handeln und setzen ihre Projekte, mit all ihren Schwierigkeiten und Anfeindungen in aller Stille um, andere warten wieder vergeblich auf einen Erlöser, andere wiederum, haben zu allem eine andere Meinung. Wenn es bei den Verbänden zur Zeit keine Bewegung gibt, dann kann das daran liegen, dass niemand zur Zeit das Bedürfnis hat, Rahmenbedingungen zu ändern oder bestehende Probleme als solche zu erkennen und zu lösen.
Wenn das ZVAB oder Abebooks die Preise erhöhen, mag das für den einen oder anderen beschwerlich sein, aber es ist nicht die Aufgabe eines Verbandes vertretend für seine Mitgliedsunternehmen vorstellig zu werden und günstigere Konditionen auszuhandeln. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit gilt auch für Plattformen und wenn diese ihren Service nicht mehr zum alten Preis erbringen wollen oder können, dann muss jeder einzelne seine Entscheidung treffen und entweder in den sauren Apfel beissen oder die Plattform verlassen. Sobald genügend die selbe Entscheidung zum Gehen treffen, wird der Preis sicher wieder entsprechend angepasst. Wenn jedoch der Service stimmt und die Abverkäufe gut sind, dann sollte einem ein guter Partner auch etwas wert sein.

Erst wenn das Bewusstsein da ist, selbst etwas für den Erhalt des antiquarischen Buchmarktes zu tun, dann können auch die Verbände etwas tun. Dabei sind Rechtsfragen im Internethandel oder das Fortbestehen des Mehrwertsteuerprivilegs sekundär. Primär muss es um den Erhalt bzw. der Wiederbelebung der Lesekultur gehen. Es geht um die Positionierung des Buches in der Schrankwand des Kunden als Status und Ausweis seiner Lebenskultur.

In diesem Zusammenhang vermisse ich den Aufschrei des Börsenvereins zum Thema Studiengebühren. Hier wurde einer der wichtigsten Zielgruppen des Antiquariats das Budget für Literaturbeschaffung genommen. Hier hätte der Börsenverein intervenieren können und er kann es immer noch.

18. Peter Mulzer 22.06.2008 15:25h

O Marienwunder am Sonntag Morgen - viele gute Beiträge.

Könnte nichts schaden, wenn ich meinen Standpunkt aus dem tiefen Südwesten der Republik beisteuere.

1.
Unsere unverkäufliche Bücherwalze

Das generelle Absatzproblem dürften wir am schnellsten in den Griff bekommen.

a.
Voraussetzung ist natürlich, daß aller Schrott, von Liebesromanen neueren Datums bis zu durch Neuauflagen überholten Reiseführern, ausgeschieden und dem Flohmarkt zugeführt wird.

Anmerkung: Mittelfristig werden wir um ein Ausbildungssystem nicht herumkommen. Jedes Gewerbe bemüht sich darum, im allgemeinen Interesse. Ohne eine bstimmte Grundausbildung werden sich viele gemeinsame Maßnahmen - ich denke an die dringend notwendige Einheitsklassifikation - nicht gut durchführen lassen.

Bei durchschnittlichen Ankäufen dürfte die sofort abzugebende Flohmarktware das ein gutes Drittel des Materials ausmachen. Legen Kollegen strengere Maßstäbe an, wollen sie etwa auch bessere Bertelsmann-Bildbände oder ältere, aber sehr teuer gewesene juristische Standardwerke nicht aufnehmen, so sollte es zur Aufnahme solcher Titel der unteren Mittelklasse Abgabewege an kleine Kollegen geben. Ich gehe mit dem oben geäußerten Argument einig, daß wir durch allzu großzügige Abgabe an Sozialdienste zum Teil selbst schuld sind an der Preisunterbietung.

b.
Tatsächlich könnte uns eine zentrale Datenbank "mittlere Preise bei guter Erhaltung" zur Verwendung bei jeder neuen Titelaufnahme anzeigen. Dieser "Bücher-Michel" hat Vor- und Nachteile, insbesondere beim *Ankauf*, deshalb würde man ihn - obgleich ich solche Geheimniskrämerei an und für sich hasse wie die Pest - sekretieren und nur über ein präzises Paßwortsystem zugänglich machen oder, wenn man ihn drucken würde, mit Nummernsystem und Vertragsstrafen nichtöffentlich halten. Viele Gewerbe haben solche "geheimen" Handbücher für die verschiedensten Zwecke.

c.
Die Zusammenarbeit mit den Buchhandlungen muß völlig neu organisiert werden. Der hier m.E. mögliche ungeheuer große Imagegewinn und Imagetransfer für das Antiquariat ist ja durch Antiquario, oder wie das rührend untaugliche ZVAB-Buchhandelskooperationsprogramm nun auch heißt, völlig in den Sand gesetzt und verdummt worden. Es sollte daher jetzt für den Neubuchhandel und das Antiquariat eine b r e i t e Palette der Überlegungen geben - gemeinsames Brainstorming - und dann einen völlig neuen Anlauf.

d.
Ich stimme nicht ein in den Pessimismus, der da ein kommendes, völlig verändertes Nutzungsverhalten im Internet-Zeitalter erwartet. Das hat ganz einfache technische Gründe:

Laser-Ausdrucke digitalisierter Bücher sind nach wie vor für den Normalmenschen äußerst schwierig herzustellen, sie nach dem Ausdrucken zu binden und wiederauffindbar zu beschriften ähnlich diffizil. Google hat sich durch die Urheberrechtsverbände derart jämmerlich knebeln lassen, daß sich das ganze schöne gescannte Millionen-Bücher-Potential vernünftig n i c h t nutzen läßt, von ganz alten Drucken abgesehen.

Das wird noch lang so bleiben. Bleiben wird auch die simple Zeit-Kosten-Rechnung, die der Endverbraucher vornimmt: Das über das Netz gelieferte Buch ist unter dem Strich billiger als das selbstgelaserte.

e.
Damit dieser Vorsprung aber weiterhin nutzbar bleibt, muß das Vertriebssystem vereinfacht werden. Ich komme mir schon langsam blöde vor, wieder einmal zu fordern, daß *alle* Antiquare einen gemeinsamen Carrier-Vertrag abschließen, um ein teilversichertes Büchersendungs-Paket um die 2 Eur bis 5 kg zu erreichen. Hermes steht da Gewehr bei Fzuß. Dann weiß jeder Bücherkäufer, daß er 2 Tage Lieferfrist hat, das Buch versichert reist und er für ein order mehrere Titel stets 2 Eur Transport zu zahlen hat.

f.
Zentrales Instrument der Absatzförderung ist die Reduzierung auf e i n e Datenbank. Wir denken das zu selten

***vom unerfahrenen Kunden her

durch. Er frägt entweder, wenn er gut beraten ist, Google ab. Dann erhält er, besonders seit dem neuen, in diesen Tagen eingeführten Google-Books-Konzept, eine Vielzahl von Informationen und Lieferwegen - - die aber so kompliziert sind in ihrer Vielfalt, daß er in der Regel damit nicht zurechtkommt.

Alte Hasen - aber nur sie - verwenden Metamaschinen. Alle anderen ZVAB.

Im Hinblick auf n e u e Kunden, die sich im Netz nur mäßig und im Antiquariat gar nicht auskennen werden, muß eine einzige, leicht benennbare Datenbank präsentiert werden können. Alles andere wäre absatzhemmend.

2.
Edle und weniger edle Vereinigungen

Von den Antiquaren her gedacht ist die Aufteilung in unsere 4 Vereine teilweise sinnvoll. Wirklich haben typische Edelantiquare z.B. ein völlig anderes Interessensprofil als der Päckchenpacker oder das lokale Ladengeschäft. Dies ist aber auch der einzige positive Gesichtspunkt, der sich für die Beibehaltung der bisherigen Strukturen heranziehen läßt.

Indessen, das Beispiel Heidi-Mulzer lehrt es uns, es ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, die bisherigen Vereinigungen angreifen oder gar zum Zusammengehen bewegen zu wollen.

***Das geht nicht. Das geht n i e.

Also wird man die Gründung einer ganz niedrigschwelligen, allgemeinen Berufsvertretung anstreben müssen. Damit wäre die Doppel- oder Mehrfachmitgliedschaft quasi aller Antiquare erst einmal Fakt.

Nach meinem Dafürhalten bietet sich

a) im Interesse der Antiquare,

b) IM INTERESSE DER NEUKUNDEN

ein Arbeiten unter dem Dach des Börsenvereins geradezu zwingend an.

Freilich sind auch für meinen Geschmack die regulären Mitgluiedsbeiträge dort *viel* zu hoch. Da muß ein Sonderweg gefunden werden. Niedrigschwelliger Beitritt, dieser Aspekt ist viel wichtiger, als wir gemeinhin annehmen.

Hauptaufgabe der neuen Berufsvereinigung wäre

a) die Absatzförderung, vor allem durch Gewinnung bisher abseits stehender Neubuchkäufer,

b) Schaffung einer breiten Zusammenarbeit mit dem Neubuchhandel,

c) Adoption e i n e r zentralen Bücherdatenbank für den deutschen Sprachraum.

Auf zum Sonntagsspaziergang, Erholung ist angesagt.

19. Björn Biester 22.06.2008 16:04h

Ich habe gerade unter www.boersenblatt.net/209855/ einen neuen Forumseintrag geschrieben, aber als Ort der freien Diskussion scheint mir das nicht recht tauglich. Wir könnten es trotzdem ausprobieren. Für ein eigenes Forum mit Passwortschutz fehlen mir momentan die Möglichkeiten, und ich bin angesichts der Erfahrungen mit einer bekannten E-Mail-Liste für Antiquare skeptisch, ob man damit wirklich etwas erreicht.

Ansonsten empfinde ich die hier angesprochenen Fragen als sehr kniffelig. Noch eine neue Berufsvereinigung für Antiquare? Wer gründet die? Wer führt die erforderlichen Vorbereitungen durch? Wer beteiligt sich daran? Auf welche Weise wird sichergestellt, dass es dabei offen und demokratisch zugeht (und so bleibt)? Wird die Hauptarbeit ehrenamtlich geleistet?

20. RF Meyer 22.06.2008 16:13h

U.a. zu 19:

Hähäm.
Wofür, wenn nicht als Interessenvertretung gegenüber der Politik (-> MwSt etc) und den Vertriebsorganisationen (-> Schwapp, Abe etc) sollen denn (Interessen-)Vereine überhaupt gut sein? Fähnchenhissen auf dem Stammtisch?
Die sich in Nr. 19 ausdrückende Haltung kann ich noch nicht einmal einem eingefleischten Quietismus zuordnen. Die Plattformen sind da mehr auf dem laufenden, sie handeln: siehe Beitrag Nr. 14 und das Interview (Homepage-Bastelseite erworben).
Wenn wir das ‚Friß-oder-Stirb’, das uns anscheinend vorgesetzt wird, als unser Motto betrachten, dann haben wir wohl eine Stufe im Menschwerden verpaßt.
„Die Arbeit von Verbänden kann die Entwicklung nur begleiten, jedoch nicht forcieren.“ Begleiten heißt dann wie gehabt: hinterherlaufen. Forcieren hieße Kraft aufwenden, tätig werden, Ideen entwickeln.
Und daß sich ein Markt von selbst reguliert ist neoliberaler Schw...sinn, ersichtlich an der Bankenkrise – nur sind wir nicht so bedeutend, daß irgendwann die Politik einschritte wider das Antiquariatesterben.
„Sobald genügend die selbe Entscheidung zum Gehen treffen, wird der Preis sicher wieder entsprechend angepasst.“ Gehen kann man, wenn man gehen kann, sonst geht man Pleite beim gehen.

21. Peter Mulzer 22.06.2008 18:11h

Eine elegante Lösung wäre vielleicht folgende:

1.
Wir einigen uns darüber, daß *zunächst über die verschiedenen Aufgaben *diskutiert werden muß. Da jeder schon seine Lieblingsvorschläge und möglichen Auswege mitbringt, sollte das sehr anregend werden.

2.
Es kann, denke ich, ohne große Diskussion schon heute Einigkeit darüber erzielt werden, daß...

a.
...langfristig ein gemeinsamer starker Berufsverband anzustreben ist. Anders sind Datenbankfrage und Absatzförderung nicht in den Griff zu bekommen.

b.
...es in (fast) jeder Hinsicht der Idealfall wäre, wenn es gelänge, eine dem Börsenverein ähnliche Berufsvereinigung auf die Beine zu stellen.

Deshalb erscheint mir die AG im Börsenverein (sofern sie aus ihrem Tiefschlaf erwacht) oder notfalls eben auch börsenblatt.net ein geeigneter Hüter und Überwacher der Diskussion zu sein.

Als FORM der Diskussion würde ich dringend ein Parsimony-Forum anraten. Die in börsenblatt.net offenbar unumgänglich ganz einfache Aneinanderreihungsform der Beiträge ist kreuzunglücklich. Parsimony hat, wenn ichs recht weiß, über 100.000 Nutzer, dabei zahlreiche Behörden, also wirklich seriös.

Die dort übliche treppenartige Anreihung der Beiträge ist ideal gerade auch für kleinere, kürzere Statements. Dadurch wäre es auch nicht schreibfreudigen Kollegen möglich, ihre Meinung beizutragen. Auch sonst ist Parsimony, der Veteran unter den Forensystemen, ungemein brauchbar und bewährt.

Börsenblatt.net z.B. könnte das elegant einbinden in ihre Webseite. Kostet etwa 20 Euro im Jahr.

22. Redaktion Antiquariat 22.06.2008 18:23h

www.parsimony.net steht wohl vor dem Ende, wenn ich es richtig sehe; jedenfalls sind "Zur Zeit keine Neubestellungen [von Parsimony-Foren] möglich".

23. Redaktion Antiquariat 22.06.2008 18:27h

noch ein Zitat von der Seite:

"Keine Bestellungen mehr möglich. (sich ungünstig entwickelnde Gesetzeslage, z. B. staatliche Überwachung)"

24. Peter Mulzer 22.06.2008 18:55h

Sie haben Recht, wir sehen es mit Kummer! Ich bin noch ein wenig in der meta-artigen Landschaft "Foren über Foren" herumgewandert und sehe mit Interesse, daß es zahlreiche Clone gibt, zu denen die enttäuschten Parsimony-Nutzer abwandern mußten. Das ist nun Sache der Experten, ein ähnliches Forum zu finden. Meistens sind sie gratis.

Die unsägliche Kästchenwirtschaft der phbb-Foren verführt jedenfalls kaum zum sinnvollen Diskutieren. Wir brauchen "Thementreppchen", genau wie bei parsimony, also etwa (hinter jeder Zeile ein Beitrag)

Redaktion von "AdA" - Pro und Kontra
Wir lieben unseren Herrn Biester
Unerträglich: Biester hinauswerfen
Bitte nicht so grob
Umgangsformen in diesem Forum unerträglich
Mulzer raus!
Wie könnte AdA modernisiert werden?
Gar nicht - ab ins Museum
Die Arroganz der Leser
Der Leser bestimmt!
Lebt Frau Unruh eigentlich noch?
Ich bin noch da, ganz vergnügt
Der Leser ist nie arrogant, er hat das Sagen
Faule Endverbraucher

Tatsächlich war Parsimony in letzter Zeit vor allem durch rechtsradikale Nutzer unter Beschuß geraten, Nordhein-Westfalen sperrte die Server. Am Ende war die nette Dame für die über 100.000 Foren unter ihrem Dach verantwortlich, bis zur letzten Zeile. Das konnte wohl nicht gutgehen.

Es lebe das Hamburger Landgericht...

25. Peter Mulzer 22.06.2008 18:59h

Leider hat die Formatierung das Wichtigste, die "Treppchen", verschluckt. Vielleicht klappts jetzt. (Hinter jeder Zeile steckt ein Link hin zum Beitrag selbst)


Redaktion von "AdA" - Pro und Kontra
.....Wir lieben unseren Herrn Biester
.....Unerträglich: Biester hinauswerfen
..........Bitte nicht so grob
...............Umgangsformen in diesem Forum unerträglich
..........Mulzer raus!
.....Wie könnte AdA modernisiert werden?
..........Gar nicht - ab ins Museum
...............Die Arroganz der Leser
....................Der Leser bestimmt!
.....Lebt Frau Unruh eigentlich noch?
..........Ich bin noch da, ganz vergnügt
.....Der Leser ist nie arrogant, er hat das Sagen
..........Faule Endverbraucher

26. Roman Heuberger 22.06.2008 20:28h

Dem Beitrag von Reinhard Denecke (N° 11) braucht im Wesentlichen nichts mehr hinzugefügt werden. Klarer geht's ja wohl nimmer. Auch ich selbst habe keine Lösung parat, wie man den völlig durcheinandergeratenen Markt kurzfristig entwirren und in normale, d.h. betriebswirtschaftlich sinnvolle und qualitativ anspruchsvollere Bahnen lenken könnte. Zum Nutz und Frommen aller.

Ein Anfang wäre tatsächlich eine gründliche "Marktbereinigung" in Form massenhaften Bücherwegschmeissens. Nicht verschenken oder in 5-Euro-Bananenkisten dem Flohmarkt zuführen, sondern dem Recycling. Dazu gehören sowohl Altbestände - und da stimme ich RFM zu - die schon zu DM-Zeiten keiner gekauft hat als auch modernes Massenmaterial, zumal in zweifelhaften Zuständen.

Wenn dies in kurzer Zeit realisiert werden würde, wäre schon etwas gewonnen. Natürlich nicht für die großen Plattformbetreiber, denen würden schon etliche Einstellgebühren entgehen. Möglicherweise tut sich ja bereits ein klein wenig in diese Richtung, weil mir die Großen in den letzten Monaten ein wenig nervös erscheinen.

Wie auch immer, letztendlich ist natürlich der Einzelne gefordert, seinen Laden selbst in Ordnung zu bringen, wie und wohin auch immer, kann nur er selbst entscheiden und wird dies auch tun.

Da kann es Standes- Interessen- und sonstige Verbände geben wie es will, einen Umsatzstagnationsausgleich oder eine Berufs-Unfähigkeits(!)-Rente zahlt wohl kein Verband.

Im Übrigen: die bereits existierenden Verbände bzw. Organisationen unseres Gewerbes genügen m.E. völlig. Ich glaube, wenn die ihre jeweiligen Aufgaben gut machen, findet jeder Antiquar sein Dach. Vorausgesetzt, er will das überhaupt.

Schöne Grüße
Roman Heuberger

27. Peter Mulzer 22.06.2008 21:05h

75 % aller Kollegen würden über Ihre Wegwerf-Ideen teils in helle Empörung, teils in schallendes Gelächter ausbrechen. Stuttgarter würden es so zusammenfassen: "Kleinvieh macht auch Mist". Und ich stelle fest, daß Ihr soziales Mitgefühl den Kollegen gegenüber, die ich zu jenen 75 % rechne, bemerkenweert unterentwickelt ist.

Abgesehen davon ist Ihr Ratschlag auch volkswirtschaftlich Unsinn. Um solche Aktionen durchführen zu können, müßten wir abschätzen können, was m o r g e n gekauft werden wird. Und fernerhin ist, wie Sie recht gut selber wissen, ein in den Datenbanken häufiger Titel oft auch häufig absetzbar, und für die Unverkäuflichkeit mancher an sich guter Bücher gibt es Gründe - - gegen die man angehen kann.

Allerdings nicht, wenn man das nicht tun möchte, was Kaminfeger, Schlachtviehhändler und Reinemachefrauen tun, wir Antiquare aber nicht: Sich zu einer machtvollen Berufsorganisation zusammenzuschließen.

Und sei es nur wegen drei Punkten: Der zentralen Datenbank, dem neuen Büchersendungs-Porto und der Kooperation mit dem Neubuchhandel.

Nochmals: Ich bewundere Ihre zwar nur indirekt geäußerte, aber dennoch kaltschnäuzige Verachtung derjenigen 990 Kollegen, die "es nicht so gut können wie Sie".

Wie wärs mal mit H e l f e n? Mit Bereinigen der lächerlich-peinlichen Struktur unserer 4 Grüppchen?

28. Roman Heuberger 22.06.2008 21:44h

Leider spricht die Realität eine andere Sprache: gerade das Internet macht es nun auch für den unerfahrenen Antiquar leicht, verkaufbare Ware von unverkäuflicher zu trennen. er hat nicht nur den unmittelbaren Preisvergleich vor Augen, sondern auch die Häufigkeit. Danach kann er sein eigenes Einstellverhalten richten. Zum Beispiel einen Titel, der bereits 27mal gelistet ist und zwar von 2 bis 12 Euro, warum sollte er noch einen 28. nachschieben und zu welchem Preis? Häufig angebotene Titel mögen wohl bestellt werden, jedoch nicht in dem Maße, wie sie nachrücken. Oft mit einem Schneeball-System vergleichbar.

Meine Faustregel: keine Bücher übernehmen, die häufiger als 4-5mal im ZVAB angeboten werden und weniger als 30 Euro kosten. Es sei denn, sowas befindet sich in größeren Buchnachlässen, dann werden die aber nicht im EK berücksichtigt.

Weitere Realität: selbst die Kistenschieber schubsen ihre Bestände mehr und mehr zum Altpapierhändler, weil sie durch das ständige Anwachsen ihrer Bestände allmählich den Überblick verlieren, an ihrer Lagergrenzen gelangt sind und merken, daß die Garagenmiete höher ist als der daraus zu erzielende Profit.

Nun Herr Mulzer, sollten Sie anderer Meinung sein, biete ich Ihnen hier in aller Öffentlichkeit an, Ihnen in den nächsten 3 Monaten minderstens 1,5 Tonnen Bücher zu schenken, ich sammle die gerne für Sie, Sie müssen das Material nur selbst abholen.

Und zum Schluß zu Ihrem vorletzten Absatz: Ihre Bewunderung nehme ich gerne entgegen, nur handelt es sich hierbei nicht um "kaltschnätzige Verachtung" gegenüber 990 Kollen, diese sind mir eigentlich völlig egal, weil von Ihnen lediglich als diffuse Menge dargestellt.

Vor ganz vielen anderen Kollegen habe ich im übrigen großen Respekt, selbst wenn die Meinungen oft auseinandergehen. Sie, Herr Mulzer, müssten dazu allerdings noch einiges leisten.

Guten Abend
Roman Heuberger

29. Roman Heuberger 22.06.2008 23:00h

Lieber Herr Paulitz,

ad1: ich weiß, mein Angebot widerspricht meinen Äußerungen in Beitrag N° 29, dennoch, Sie können sich die Bücher gerne mit Herrn Mulzer teilen, wenn Sie wollen.

ad2: ich schlage nicht auf Herrn Mulzer ein. Gewalt liegt mir nämlich völlig fern ("Make Love, nicht wahr"). Ich bin nur in vielen Dingen, die Herr Mulzer publiziert völlig anderer Meinung. Und die gebe ich eben mitunter auch von mir. Mit Verlaub.

Wobei es eigentlich immer um das selbe geht: ich spreche aus meiner mittlerweile über 30jährigen praktischen Erfahrung als gewöhnlicher Katalog- und Ladenantiquar mit insgesamt ca. 250.000 Kundenkontakten, vielleicht 30.000 Einkäufen und dem Bewegen von insgesamt ungefähr 1,5 Millionen Büchern (gottlob habe ich heute "nur" noch 40.000 Titel im Bestand, Tendenz abnehmend). Ich behaupte also, über ein wenig Erfahrung in unserem Gewerbe zu verfügen. Diese Erfahrung, vielleicht nicht immer die schlechteste, weil ich lebe ja noch, gebe ich gerne weiter.

Von Herrn Mulzer hingegen (seinen beruflichen Werdegang kenne ich garnicht) habe ich den Eindruck, daß er oft arg an der Realität unseres Berufsstandes vorbeiphantasiert, obwohl er doch häufig ebenso langjährige Erfahrung vorgibt. Nun, vielleicht lebt er in seiner eigenen Welt. Ich lebe jedenfalls in meiner. Wie Sie vermutlich auch. Daraus ergeben sich Diskussionen. Auch kontroverse. Möge jeder selbst den einen oder anderen Beitrag für sich gut heißen oder ablehnen. Von wem auch immer geschrieben.

Schönen Abend wünscht
Roman Heuberger

30. Peter Mulzer 22.06.2008 23:06h

Naja, wahrscheinlich hauen wir uns gegenseitig auf die Köpfe, sodaß Heuberger und Heidi-Mulzer sich am Schluß vergnügt und etwas verwirrt angucken und finden, sie seien sich nichts schuldig geblieben.

Ich komme mehr und mehr zum Ergebnis, daß es nicht sachliche, sondern

*methodische Unklarheiten

sind, mit denen wir uns das Leben schwer machen.

Abgesehen davon, daß wir nicht nach Wertuntergrenzen oder Vielfachbenennungen im ZVAB vorgehen sollten, das ist wirklich zu mechanisch, auch die verschiedenen Absatzwege, Örtlichkeiten und Kundenstrukturen mit einbeziehen müßten:

Gesetzt, die Lage wäre so, wie Sie sie darstellen, Herr Heuberger. Dann muß es doch unsere Aufgabe sein, nach Lösungswegen aus dieser Misere zu suchen!

Deshalb sage ich, wir müssen uns in der Methode einig werden. Ich sage nicht, Ihr Ansatz sei richtig oder falsch in der S a c h e, sondern ich fordere, daß wir darüber nachdenken müssen. Gemeinsam und in einem bestimmten Rahmen. Wir brachen also eine neue M e t h o d e des Diskutierens, ein Forum nach Parsimony-Art.

Dann können wir endlich unsere Argumente austauschen, Punkt für Punkt. Besonders schön wäre es, wenn es da auch Abstimmungsmöglichkeiten gäbe.

Besonders wichtig: Herr Biester sollte

*** a l l e Buchantiquare, bis hinunter zu den ganz kleinen Kollegen, ausdrücklich e i n l a d e n zur Teilnahme an der großen Diskussion über die Hauptfragen unseres Gewerbes. Dann sitzen wir wirklich zu 200 oder 300 an einem virtuellen Arbeitstisch, kommen zu Ergebnissen (und Herr Biester zu seinem Herzinfarkt, aber das wars dann wert, war es das nicht?).

31. Peter Mulzer 22.06.2008 23:23h

Sie sprechen meinen beruflichen Werdegang an. Bitte sehr, bittegleich. Nachdem Sie uns mit dem Ihrigen beglückt haben, kann ich ja nicht anders.

1. ) Langjähriges Studium (Soziologie, Kriminologie)
2. ) Arbeit als Auslandskorrespondent und in anderen journalistischen und dokumentarischen Dienstleistungen
3. ) Importhandel im Antiquariat, zunächst im Auftrag Schweizer Antiquariate, dann unabhängig
4. ) Im Verlauf von 30 Jahren drei verschiedene Antiquariats-Ladengeschäfte alleinverantwortlich betrieben, chaotisch, aber gern besucht, viele Jahre hindurch umfangreiche Fachlisten verfertigt, als erster Kollege in Freiburg elektronisch gearbeitet
5. ) Inzwischen 1,4 Millionen nachgewiesener Fahrtkilometer im Ankauf, über 8000 Ankäufe grundsätzlich und nur im Hause der Verkäufer.

Wie jeder weiß, der mit mir zu tun hat, liegt mir am Geld nichts. Deshalb sammle ich auch kein Vermögen an, wegen einer alten privaten Bürgschaftsverpflichtung in astronomischer Höhe, die mich belastet, wäre das auch völlig sinnlos. Persönlich oder geschäftlich aber bin ich noch nie jemandem etwas schuldig geblieben.

Eigentlich ganz interessant: Wir haben etwa die gleiche Erfahrungstiefe im Gewerbe. Ich aber lebe wie ein Clochard, sehe mit mäßigem Vergnügen der nächsten Mietrechnung entgegen und amüsiere die Stadt durch löchrige Strümpfe und ausgefranste Hemdkrägen. Sie dagegen erfüllen alle wohlanständigen Klischees des angesehenen Bürgers.

Nun aber genug der Auskunftei.

32. Roman Heuberger 23.06.2008 00:09h

Genau Herr Mulzer, und eben dieses "Clochard-Denken" einschließlich Ihrer löcherigen Socken, also Ihre ganz persönliche Situation projezieren Sie auf eine gesamte Branche. Das ist schade, gerade vor dem Hintergrund Ihres vermutlich für unser Gewerbe durchaus großen Fachwissens. Es nützt nur niemandem, wenn Sie sich hier hauptsächlich mit sozialen und eher praxisfremden und ideologiesierenden Einsprengseln versuchen, sich unserer Sache anzunehmen. Das mag zwar wohlmeinend sein, sprieht allerdings m.E. nur eine Randgruppe an. Möglicherweise die, welche auch löcherige Socken tragen. Das tut die Mehrheit der Antiquare, so vermute ich, allerdings nicht.
Zur guten Nacht
Roman Heuberger

33. Peter Mulzer 23.06.2008 10:20h mulzerbooks@t-online.de

Meine, wie Sie so hübsch formulieren, "Clochard-Einstellung" hat zumindest den Vorteil, daß ich über den Suppenteller unserer Eigeninteressen hinauszublicken in der Lage bin. Wer immer nur seinen eigenen Gewinn im Auge behalten muß und bestenfalls "seine" kleine Sonderorganisation zu unterstützen bereit ist, der tut sich schwer mit allgemeinen Planungen. Ein leichtes Bündel beschwingt den Wanderschritt ungemein!

Übrigens bleibt die Diskussion dort stehen, wo wir zur Erkenntnis kamen, daß es eine Reihe allgemein nützlicher und notwendiger

*Absatz-Förderungsmittel

geben könnte /sollte /müßte, über die es endlich im ausgedehnten, erweiterten Kollegenkreise sachkundig und ***themenzentriert*** zu diskutieren gilt.

Die Erschließung neuer Kundenkreise und - bitte nicht gähnen - die Frage einer zentralen Datenbank sind von großer Bedeutung für alle Antiquare. Nach wie vor sehe ich als dritten, mit dem ersten verbundenen Diskussionspunkt die engere Zusammenarbeit mit dem Neubuchhandel.

Ein offenes Wort an dieser Stelle: Ich bin gern bereit, meine Zeit - nach Clochard-Art, lieber Herr Heuberger - gratis und franko zur Verfügung zu stellen, möchte das aber dann nicht weiter tun, wenn die Diskussionspunkte mangels vernünftiger Forenstruktur untergehen müssen.

Die Redaktion steht, soweit ich das überblicke, vor der nicht einfachen Aufgabe, ein allgemeines Diskussionsforum mit Thread-Stuktur (also nicht einfach ein scheußliches Phbb-Kästchensystem) hier einzubinden und, ebenso wichtig, in einer umfassenden Einwerbeaktion a l l e 1200 Antiquare im deutschen Sprachraum einzubinden.

Wir haben in der Vergangenheit die allerbesten Erfahrungen gemacht mit Einbeziehung der schweizer und österreichischen Kollegen. Wegen der notorischen Abschottung des deutschen Sprachbereichs und der Marginalisierung des Auslandsverkaufs unserer Bücher jenseits dieser Sprachgrenzen - Edelware immer ausgenommen - sitzen sie, die CH- und AU-Antiquare, nämlich mit uns in einem Boot.

34. rabenschwarz@t-online.de 24.06.2008 19:15h



Sehr geehrter Herr Dr. Biester,

einen kleinen, kommentierten „Nachtisch aus der Hüfte“ kann ich mir nicht verkneifen, für mich sind diese 37 Kommentare ein klassischer Fall, besser ein „klassischer“ Heidi-Mulzer, Sie können kein Thema abarbeiten, ohne zahlenmäßig und oder textmengenmäßig von Mulzer zugetextet zu werden, jedwede Diskussion wird durch Menge und Masse erstickt, niemand wird sich dem aussetzen.
Die inhaltliche Entwicklung mulzerscher Texte ist ebenfalls klassisch, schlussendlich landet er bei der kabarettistischen Ausgestaltung von Foren-Diskussions-Gliederungen, mit feinsinnigen Tiefenstrukturen.
Es ist dies genau diese vermeintliche Werthaftigkeit des Freiburger Meisters der Text-Generator-Maschine, die , über Jahre ertragen, immer gleiche Konstrukte erzeugend, die zu erkennen vielen leider schwer fällt, die aber nicht belebend für eine Diskussion oder Auseinandersetzung ist, sondern erstickend!

Nein, nein, Heidis’ Mulzer darf schreiben was und wie viel er oder sie will, es liegt mir fern, jemanden den Mund zu verbieten, ernst nehmen kann ich solche Seiten allerdings nur bedingt.

Da ich aber ungern ein Feld einfach nur zertrampelt verlasse, versuche ich sentenzenartig ein paar Themen aufzugreifen.

- Organisierung, vorhandene Strukturen, es geht nicht darum , irgendeine Vertretung zu pushen, der Zug ist abgefahren, der Börsenverein ist zu strukturell unfähig zu reagieren, der Börsenverein ist zu teuer, die Leistungen des BV liegen im Bereich weniger übergeordneter Strukturfragen, deren Setzung die Verlage und Sortimenter vornehmen, Antiquare kommen bei dieser Themensetzung nicht vor , auch wenn sie natürlich indirekt profitieren (MwSt. / Büchersendung / Rechtsfragen ).
- Grundsätzlich ist die Haltung der Schreibenden auch schon wieder typisch: Unter welchem Dach kann ich mich verkriechen, was machen die dann für mich ,... diese Haltung ist falsch, ohne eigenes Handeln, ohne eigene eindeutige Positionen geht nichts.

Es gibt keine formulierten Lösungen, also frei nach dem alten Sponti-Motto, ich geh’ kaputt, gehst du mit, ein paar Ideen:

- Preise, die Preise fallen, warum, gut dies war beschrieben, woher bekommen Händler Informationen zur Preisgestaltung, Internetabgleich, auch dieses Arbeitsfeld wurde den Antiquaren durch software-Gestalter aus der Hand genommen, professionalisiert durch „Preisfindungs-Module“, auf die Spitze getrieben bei Amazon, dort wird sich dann um einen (1) Cent unterboten, bis der absurde Preis von 0,01 Cent erreicht ist und allen klar werden müsste , dass dieses System sich selbst erschießt.
Woher aber sollen Kollegen Ideen , Überlegungen zur Preisfindung bekommen, wo können sich all die neuen Kollegen / Händler / Einsteller zum Thema Preisfindung informieren , wo wird diese Modul-Preisfindung problematisiert und in Frage gestellt, gut es gibt den Wendt-Gruber, aber dieser Schritt ist aus Vor-Intenetzeiten, und den Strukturentwicklungen des Netzes nicht adäquat.

- Social-Sponsering , unverkäufliche und ungeliebte Bücher, die Diskussion in England um Oxfam ist verheerend, verglichen mit sozial-veräußerten Büchern leben wir im deutschen Sprachraum noch auf einer Insel der Glücklichen, aber auch diese Sozial-Verkäufe professionalisieren sich, langfristig werden– wenn nichts geschieht –solche Institutionen bestimmte Marktsegmente abdecken, und, man ,mache sich nichts vor, diese Einrichtungen werden auch in den Sammlermarkt eindringen, sie erhalten schon heute entsprechende Nachlässe und Preise ergoogln kann jeder. Die Antiquare tragen Verantwortung an dieser Entwicklung, auch schon in Vor-Internet-Zeiten, wir habe diese Institutionen durch die Weiterleitung „uninteressanter“ Bücher stark und groß gemacht, durch das Internet , bzw. durch den Strukturumbruch hat sich diese Problematik in der Verdrängung des klassischen Handel vervielfacht. Warum gibt es keine Seite auf der dieses Problem grundlegend diskutiert wird, warum entwickeln Antiquare keine Handlungsansätze, die öffentliche Problematisierung dieser Entwicklung ist mehr als überfällig, man verstehe mich nicht falsch, die meisten Einrichtungen, die diese Bücher verkaufen, machen inhaltlich eine gute Arbeit, aber ich möchte mich nicht zu deren Gunsten „abwickeln“.

Antiquare haben in der aktuellen Situation nur eine schwache Verhandlungsposition, keine Plattform wird Gespräche über Preise führen, warum auch , es gibt genug Händler, die jedwedes Buch einstellen. Antiquare müssen sich überhaupt erst wieder eine Position erarbeiten, eine von vielen mitgetragen Position, beispielhaft zu den oben genannten Punkten und vielen anderen . Gegebene Strukturen organisieren partiell, sind wenig beweglich und entsprechen nicht der lockeren Bindungsmentalität der Netzkultur. Der Netzkultur würde eine offene Seite entsprechen , eine Art open-source Projekt zur Formulierung antiquarischer Positionen, als Informationsquelle , als Auseinandersetzungsportal, als Handlungsanleitung im weitesten Sinne. Solch ein Projekt könnte irgendwann eine Art punktuellen syndikalistischen Handelns entwickeln (Träume, ich weiß) , aber etwas anderes als einen offenen , basis-getragenen Ansatz sehe ich nicht.

Dies möge genügen, und bevor sich alle Individualisten auf die Füße getreten fühlen gehe ich meine Nischen düngen,
Raabe, nicht erdverwachsen und sturmverunsichert, Grüße, R.D.(soviel Anonymität muß sein...)

35. Björn Biester 24.06.2008 19:59h

Nr. 38: Dass manche Kollegen sich auf dieser Seite nicht an Diskussionen beteiligen, weil der Umgang oft zu ruppig ist, verstehe ich. Mir wäre auch lieber, einzelne Kommentatoren würden etwas knapper schreiben und weniger massiv auftreten; aber damit kann ich mich arrangieren.

Über den Börsenverein, den ich allerdings für sehr geeignet für antiquarische Interessenvertretung halte, möchte ich hier nur ungern diskutieren, weil wir auf boersenblatt.net/antiquariat einen anderen Anspruch haben: sowohl bei den News als auch im Terminkalender und in der Antiquariatskatalog-Abteilung geht es um den ganzen Branchenzweig (inkl. Gebrauchtbuchhandel), nicht um Mitgliedschaft oder Mitgliedswerbung. Die Verbandsseite findet sich unter www.boersenverein.de.
Nur so viel: für Antiquare ist es offensichtlich schwierig, gemeinsame Positionen zu entwickeln. Häufig fehlt es schon am grundlegenden Material, mit Außenstehenden zu kommunizieren (Zahlen, Studien, gebündelte und schriftlich niedergelegte Argumente). Netzkultur und "offene Seite" ja, aber irgendeine Form von Organisation und Struktur muss es aus meiner Sicht auch geben. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sorgt wenigstens für eine gewisse Bindung und Vergleichbarkeit der Ausgangssituation, weil man eher nicht Mitglied wird, wenn man sein Geschäft nicht hauptberuflich und auf Dauer angelegt betreibt.

36. Peter Mulzer 24.06.2008 20:12h

Lieber Rabenschwarz,

zuerst machen Sie mich im Vorübergehen zur Sau - anschließend servieren Sie meine eigenen, hier seitenlang verbratenen Erkenntnisse als Neuigkeiten und unerwartete Erkenntnisse auf Ihrer Feder.

So haben wirs gern. -

Wenigstens kommen Sie auf diese Weise zu Ihrem so geliebten "kurzen" Mulzer-Posting. Weil ich angesichts von soviel Unkollegialität sprachlos bin. Als ob meine Überlegungen Ihnen keinen, aber auch wirklich keinen einzigen Anknüpfungspunkt geben könnten.

37. Loewenberg2008 25.06.2008 01:21h http://www.bibliotheksmuseum.de

Herr Biester - der Börsenverein als Heimstatt der Antiquare? Überlegen Sie sich das besser noch einmal. Allein diese Diskussionfolge sollte Sie hellwach machen: Da werden Bücherverbrennungen gefordert - am besten gleich mit Bertelsmann und Co beginnend (Frage: Sind das nicht die Hauptsponsoren des Börsenvereins?) - da werden Plattform-Schliessungen gefordert, Selektionskriterien für die Berufsausführung, das Preisdiktat einer Zentralkommission ... - Herr Biester, das sind nicht nur undemokratische Forderungen, sondern Forderungen, die gegen unsere Verfassung stehen. Das diese Stimmen aus einer Berufsgruppe ertönen, die sich zum grossen Teil etwas auf ihr Bildungs- und Kulturstandards zu gute hält, ist erschreckend. Zwei Diktaturen auf deutschem Boden liegen bereits hinter uns - ist es bereits wieder Zeit für das Exil?
Horst Herkner, Löwenberg (Brandenburg)

38. Michael Stein 25.06.2008 07:29h

Herr Herkner, die Polemik der Bücherverbrennung erscheint unpassend und ist als Metapher schief. Es macht doch einen Unterschied, ob ich ein Buch aus wirtschaftlichen Gründen entsorge, oder ob ich es rituell zerstöre, um seinen Autor zu diffamieren. Sie haben ganz unfreiwillig "Godwins Gesetz" erfüllt: Je länger ein Thread, um so wahrscheinlicher wird ein Nazi-Vergleich gezogen.

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