Antiquariat

26.07.2008Antiquariat

Frankfurter Oxfam-Buchladen nennt Zahlen

Konkurrenz für den Antiquariatsbuchhandel? Eine Million Euro Umsatz erwirtschafteten die 30 deutschen Oxfam-Secondhandläden 2007 mit gebrauchten und antiquarischen Büchern. Der Shopleiter des Frankfurter Oxfam-Buchladen nennt weitere Zahlen.

Nach einem Bericht in der Regionalausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von heute werden in dem von Karl-Heinz Sevenich ehrenamtlich geleiteten Oxfam-Buchladen in der Frankfurter Innenstadt jeden Tag zwischen 300 und 400 Bücher verkauft. Dem stünden 1.000 bis 3.000 Buchspenden pro Woche gegenüber. Alle drei Wochen werde das Sortiment des Ladens ausgetauscht. Nicht verkaufte Bücher wanderten in den Keller; was bei "Kellerverkäufen" auch mit einem Rabatt von 50 Prozent nicht weggehe, lande schließlich für drei Euro je Zentner auf dem Flohmarkt.
Als "Schmerzgrenze" bei "besonders wertvollen Werken, wie beispielsweise kunstvoll gestalteten Sonderausgaben und Antiquitäten" nennt Sevenich 100 Euro. Unter den 90 Prozent Stammkunden des Buchladens seien viele "Sammler", von denen manche bis zu 200 Euro pro Woche für Bücher ausgäben.
Das ehrenamtliche Mitarbeiterteam bestehe aus 45 Personen, darunter viele Rentner, die älteste Mitarbeiterin sei 79 Jahre alt. "Allerdings sei eine gewisse Fitness erforderlich, weil auch Bücherkisten bewegt werden müssten."

Der Frankfurter Oxfam-Buchladen wurde vor neun Jahren eröffnet; inzwischen gibt es fünf solcher spezialisierten Läden in Deutschland (in Frankfurt am Main, Darmstadt, Stuttgart, München und Berlin).

Mehr zum Thema

Artikelservice

Anzeige

24 Kommentar/e

1. Jörg Jahn-Meyer 26.07.2008 17:31h www.the-book-buchhandlung.de

1.000.000 geteilt durch 30 macht 33.333 Euro pro Laden. Pro Tag werde 300 Bücher verkauft. Bei 200 geöffneten Tagen sind das etwa 60.000 Bücher. Also kostet jedes Buch im Verkauf nur 55 Cent. Pro Woche werden 1000 bis 3000 Bücher gespendet. Das ist fast soviel wie verkauft wird.
Irgendwas stimmt an dem Rechenbeispiel nicht.
Nun bin ich nicht Antiquar. Vielleicht hab ich fachlich was übersehen.

Ein schönes Wochenende wünscht

Jörg Jahn-Meyer

2. Redaktion Antiquariat 26.07.2008 17:43h www.boersenblatt.net/antiquariat

Ich verstehe es so: es gibt 30 Oxfam-Secondhandläden in Deutschland, fünf davon bieten fast ausschließlich Bücher an (der FAZ-Artikel erwähnt noch CDs und Schallplatten). Es gibt in Frankfurt den Buchladen in der Innenstadt, außerdem einen allgemeinen Oxfam-Shop im Stadtteil Bornheim, in dem man alles Mögliche findet (z. B. gebrauchte Kleidung). In den Buchläden wird also vermutlich deutlich mehr als 33.000 Euro Umsatz im Jahr erzielt.

3. Jörg Jahn-Meyer 26.07.2008 17:45h www.the-book-buchhandlung.de

Dann würde das rechnerisch Sinn machen und auch plausibel erscheinen.

Ein schönes Wochenende an die Redaktion

Jörg Jahn-Meyer

4. Peter Mulzer 26.07.2008 19:45h

MIt tiefem Aufatmen registriere ich, daß die beim OXFAM-Thema bisher hier üblichen, teils gekränkten, teils gehässigen Kommentare ausgeblieben sind.

In diesem Sinne bitte ich die Kollegen, OXFAM nicht als "Bedrohung" anzusehen, sondern als L e h r- bzw. L e r n beispiel. Unsere Unterlassungssünden, Arbeitsfehler und gesammelten Kurzsichtigkeiten lassen sich am OXFAM-Beispiel gut durchexerzieren.

In der Südwestecke ist uns das Phänomen bestens vertraut unter dem ehrwürdigen Namen "Brockenhaus" - seit 100 Jahren eine Bücheradresse etwa in Basel, Zürich und Bern, die sich mit den Antiquariaten gut vertragen hat. Für mich sind das frühe Kindheitserinnerungen - "kruschten" im Brockenhaus in Kleinbasel - welche Wonne!

Auf den Weihnachtsmärkten, wohl der schönste der Schweiz ist neben der Uni in Basel, stehen sie sowieso Stand an Stand, Antiquariate und Brockenhaus, da muß man gute Nachbarschaft halten.

5. Peter Mulzer 26.07.2008 21:28h

Sie sind ja so dynamisch jung
Federnden Schrittes mit Chic und Schwung
Den Feldherrnblick im Pressebild
Oder klug ästhetisch mild -

Und wir Alten, wo bleibt unser Recht?
Ist der Methusalem immer schlecht -
Faltige Greise mit krächzender Stimme,
Blöder Trotz mit Starrsinn und Grimme,

Titelaufnahmen geklaut und geschustert,
Alte Verdienste selbstlobend geplustert,
Bücher voll Staub und der Kragen desgleichen,
Uralte Brille am Saufkopf, dem bleichen,

Nie bei der Sache, weil traumverloren,
Krude Ideen, kaum je ausgegoren,
Dreck unter Nägeln und schiefe Sohlen,
Auto vorgestern vom Schrottplatz zu holen...

Ab in die Altpapiermühle, und Hei!
Gleich noch den Greis in die Abdeckerei.
Dieses fleißig und möglichst schnell
Wünscht sich unser Tinkerbell.

6. Wolfgang Höfs 26.07.2008 21:54h

@7
ich würde mich schämen unter diesem Namen zu schreiben und noch mehr unter dem einer Comic-Figur.
_____________________________________________
Aber nun zum Thema zurück:

Vielleicht fehlt es den Aktivisten von Oxfam einfach nur am Problembewusstsein für Ihr Handeln. Wer sich die Oxfam-Arbeit in der Dritten Welt ansieht, kann bei vielen Projekten nur Respekt zollen. Da werden Kaffeebauern in der Vermarktung ihrer Produkte geschult und unterstützt, damit diese endlich gerechte Preise für Ihre Ware und Arbeit erhalten. Man betreibt Lobbyarbeit bei EU und UNO und ist führend in der Erstellung von Berichten und Studien zum Elend in der Welt.

Leider ist der Oxfamblick einseitig, sicher historisch bedingt aus der britischen Kolonialpolitik und aus der persönlichen Situation der Akteure die von oben weit in die Welt blicken können, aber das was sich zu ihren Füssen abspielt nicht mehr erkennen.

Vielleicht merken Sie es wirklich nicht, dass genau das Verhalten, das sie bei internationalen Großkonzernen in der dritten Welt kritisieren, der Maßstab für das eigene Handeln vor der eigenen Haustür ist. Sie werden es bis heute nicht gemerkt haben, dass auch in der westlichen Welt Menschen mit dem Handel von gebrauchten Waren ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht verdient haben, die alleinerziehende Mutter mit ihrem Kindersecondhandshop, der Trödler mit Gebrauchtmöbeln, oder der Gebrauchtbuchhändler und Antiquar. Alles Menschen in gesellschaftlichen Randgruppen, die man als weltgewandter Gutmensch nicht mehr wahrnimmt, mit denen man in der Regel auch keinen Kontakt hat.

Man hat nur seine eigene Vision in der man sich verwirklichen kann, man will die Welt retten, aber nicht den Nächsten. Dann kann man auch mal so einfach mit gespendeten Geld, mit gespendete Waren und mit hochmotivierten Menschen, die nicht mehr für ihren Unterhalt arbeiten müssen, in den Wettbewerb mit diesen Menschen treten. Sollen die doch einfach in die soziale Hängematte fallen, die Ziele von Oxfam sind so globalpolitisch und sozial, da müssen können auch andere mal Opfer bringen.

Da wird schnell in bester Lage ein Laden angemietet (muss ja keiner so genau kalkulieren), Flyer mit der Bitte nach Sach- und Bücherspenden (aber bitte das schwarze, gelbe oder braune glücklich lachende Kind auf den Umschlag) unter die gutverdienende Klientel gestreut, es ist ja so einfach, ohne auf etwas verzichten zu müssen Gutes zu tun, Motto: ""Wir machen Überflüssiges flüssig!" und schon läuft die Gelddruckmaschine. Da wird nicht mal geschaut, was mit den Menschen passiert, die bisher von diesem Geschäft lebten - Scheiß egal es ist ja ein guter Zweck!
Oxfam zerstört mit seinen Läden Existenzen, ruiniert mit seinen marktfernen Billigpreisen ganze Branchen. Oxfam benimmt sich bei uns, wie ein westl. Großkonzern in der Dritten Welt, einfach asozial.

Ich würde mich freuen, an dieser Stelle eine Erwiderung von OXFAM Deutschland hier zu lesen. Wenn nicht, werden wir die Sache bald in und vor Oxfam-Fillialen diskutieren und dann helfen Hochglanzbroschüren über einen gerechten Kaffeepreis nicht mehr weiter. Dann geht es um den gerechten Buchpreis.

7. Redaktion Antiquariat 26.07.2008 22:35h

Schade, dass die Diskussion über ein wichtiges Thema (Oxfam) schon wieder in persönlichen Angriffen unterzugehen droht.

8. Redaktion Antiquariat 26.07.2008 22:47h

Es gibt keine "Verflechtungen" mit dem "Höfs-Verein". Was wir aber auf dieser Seite nicht zulassen (und das haben wir mehrfach ausdrücklich angekündigt) sind rein persönliche Herabwürdigungen ohne jeden Sinn und Verstand. Und wir lassen uns immer noch viel bieten hier, was nur entfernt an eine sachliche Auseinandersetzung unter Branchenteilnehmern und Interessierten erinnert!

9. Peter Mulzer 26.07.2008 23:36h

...Daran ist nichts herabwürdigend - es ist nur etwas komisch. Da ich auch nicht recht wußte, wie ich auf diese Anfrage (sie hat mit dem Thema wenig zu tun) reagieren sollte, hatte ich mit einem kleinen Gedicht geantwortet. Motto: Wenn ich mich selbst auf die Schippe nehme, können es andere nicht mehr tun.

Herrn Höfs werde ich, wenn ich mir nur erst zu später Stunde einen guten Kaffee gebraut habe, subito antworten.

10. Peter Mulzer 27.07.2008 00:10h

Lieber Kollege Höfs,

zunächst möchte ich den advocatus diaboli spielen und Sie an einen Satz erinnern, der von Ihnen stammen könnte:

Die *Marktwirtschaft regelt alles. Jede Ware hat in der Marktwirtschaft den (höchstmöglichen) Preis, den die Kunden *akzeptieren.

Wir sind uns einig darin, daß OXFAM unterstützt werden muß in seiner grundsätzlichen Arbeit. Mir geht es auch nicht anders - ich bin in Frankreich in ständiger Verbindung mit dem Werk von Abbé Pierre, und als man mir unlängst eine schöne alte Karl-May-Serie angeboten hatte, zu 2 Euro das Stück, habe ich 10 Euro gezahlt, die waren heilfroh und ich konnte immer noch einen guten Gewinn machen. Hätte ich die Frères Emmaus betrogen, würde ich mich nicht wohl gefühlt haben. Privatleute mit viel Geld - da tut man das schon mal. Die Frères Emmaus ausnutzen: Nein. - Also brauchen wir nicht über OXFAM selbst reden - das ist eine gute Sache.

So, und nun ein paar Thesen - die Sachlage ist so komplex, daß sie sich systematisch nicht darstellen läßt.

1)
Viele Kollegen geben sich mit Billigbüchern nicht ab, siehe die Diskussion zwischen Köllen am schönen Rhein und Freiburg vor einigen Tagen. Ich kann das verstehen, zumal die Rechnung mit Billigware ohne einige kreative Ideen tatsächlich meistens nicht aufgeht.

Die Beschäftigung mit Billigbüchern - und die reichen bis etwa 10 Euro ZVAB-Mittelpreis - lohnt sich dann, wenn ich sie als *werbende Dienstleistung sehe (für den Absatz und Ankauf besserer Bücher), (jetzt immer "und/oder" wenn ich der s e h r lobenswerten Meinung bin, daß ich zwar nix dran verdiene, aber mehrere Arbeitspätze finanziere damit (sehen Sie Wölki herantraben?), wenn ich Billigbücher als Weg zum Aufbau eines späterhin "besseren" Antiquariats sehe, wenn ich (so geht es mir) auch nur von fern etwas seltenere, aber billige Bücher nicht wegwerfen oder fortgeben k a n n, sondern sie lagern m u ß (sowas wie Waschzwang wahrscheinlich, eine Art Tick).

Immer noch "und/oder", jetzt wirds spannend, wenn ich ein Konzept entwickeln kann, auch mit Billigbüchern noch richtig Geld zu machen (jetzt ist Wölki zur Tür hereingekommen. Moin, moin, Kollege Wölki). Die Ideen davon bekomme ich vor allem - - von der Amazon-Logistik. Dazu ein andermal mehr.

2)
Wenn sich die Kollegen mit Billigbüchern nicht abgeben, dann sind sie selber schuld am Aufkommen von OXFAM und ich möchte kein Gejammere hören. Würden sie sich mit billigen Titeln abgeben (von Liebesromanen, Readers Digest und überholten Jura-Fachbüchern reden wir nicht - es gibt einen Müll-Bodensatz, aber der ist relativ klein), dann könnten sie zum Beispiel pauschale Übernahmeverträge mit der örtlichen OXFAM abschließen - alle Titel von OXFAM sofort zum örtlichen Antiquariats-Vertragspartner, der sucht sich ca. 2/3 aus und zahlt eine (nicht hohe) Pauschale dafür.

Die OXFAM-Leute sind ja keine Spinner. Zuerst schauen sie ins ZVAB, und hocherfreut denken sie, daß da Cash zu verdienen sei. Dann probieren sie ihre Titel bei Ebay aus - und fallen rückwärts vom Stuhl vor Schreck. Denn bei Ebay sind, wer wüßte das aus schmerzlicher Erfahrung besser als ich, die härtesten und schärfsten Kenner zugange. Es gibt keinen ehrlicheren und brutaleren Markt für alte Bücher. Meistens geht - gar nichts.

3)
An vielen Orten und in mancher Region sind einzelne Buchantiquare quasi allein oder doch ganz überwiegend "zuständig". Ich habe hier schon öfter gefordert, daß der regional zuständige Antiquar grundsätzlich a l l e Nachlässe versuchen soll aufzukaufen. Jene widerliche, arrogante und dumme Sorte von Kollegen, die kaum mehr Hausbesuche oder längere Fahrten macht, die sich zu schade ist, regional zu inserieren und die unter einem Wiegendruck es nicht schafft, den Hintern nicht vom Sessel zu kriegen - - denen geschieht OXFAM gerade recht, denen wünsche ich hundert bunte OXFAMS.

Es ist also in mehrerer Hinsicht auch ein Problem unserer Arbeitsweise als Antiquar.

Das ist nun aber erst der Anfang der damit zusammenhängenden Fragen.

Erstmal gibt es jetzt Kaffee.

11. Peter Mulzer 27.07.2008 00:53h

@10

"Und wir lassen uns immer noch viel bieten hier, was nur entfernt an eine sachliche Auseinandersetzung unter Branchenteilnehmern und Interessierten erinnert!"

Bekanntlich bin ich weder mit der formalen Struktur (Kommentare statt echtes Forum) noch mit der Grundhaltung von börsenblatt.net allzu heftig einverstanden.

Aber man muß Herrn Biester schon zugestehen, daß er die Zensurfrage recht gut löst. T e i l - Zensurierungen wären besser, aber das macht viel Mühe, und außerdem geht es gewaltig an die Nerven.

Ich weiß, wovon ich rede.

12. Peter Mulzer 27.07.2008 01:53h

Lieber Kollege Höfs,

wissen Sie, weshalb ich Ihre Webseite so innig liebhabe?

Ich darf zitieren:

"Register der deutschsprachigen Antiquariate"
"Antiquariate in Basel-Stadt:"
"Basel-Stadt"
"Kein Antiquariat gefunden."

Da ich in dieser Stadt mein Gewerbe gelernt hatte, mochte ich Ihre Auskunft nicht so recht glauben. Tatsächlich erfahren wir über tel.search.ch, daß es deren 25 gibt:

"1 - 10 von 25 Einträgen"
Second Hand, Antiquariat, ...
Albert Thomi
Antiquariat
Mörsbergerstrasse 50, 4057 Basel/BS
061 692 69 25

Second Hand, Antiquariat, ...
Annemarie Pfister
Bücher & Antiquariat
Petersgraben 18, 4051 Basel/BS
061 261 75 02

Second Hand, Antiquariat, ...
Buch-& Kunstantiquariat Basilisk
Kohlenberg 4, 4051 Basel/BS
061 281 71 55

Second Hand, Antiquariat, ...
Buchantiquariat Hupfer & Bieri
St. Alban-Berg 2a, 4052 Basel/BS
061 272 33 21

undsoweiter undsofort... Gottseidank - sie sind noch alle da, trotz Herrn Höfs.

Nun schreibe ich das nicht, um Sie zu ärgern. Sondern um Sie zu bitten, sich auf dieser Seite

http://tel.search.ch/result.html?name=&misc=an tiquariat&strasse=&ort=basel&kanton=&a mp;tel=

einmal exemplarisch anzusehen, wie das läuft. Eines der kleineren "Brockenhäuser" dort, also OXFAM auf schweizerisch, inseriert - beim Aufruf von " A n t i q u a r i a t " notabene - äußerst aggressiv und fröhlich am Anfang der Antiquariatsliste rechts oben:

"Second Hand, Basel
BROCKENHAUS LAZARUS / Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz BL
Verkauf, Räumungen, Sperrgutabfuhr, Umzüge, Kleintransporte
www.jugendsozialwerk.ch "

(und sitzt dazu noch in Baselland (BL), was angesichts der Stadtbasler Mentalität sehr verwundern muß, aber das führt jetzt zu weit).

Fazit: Sie haben Recht, man sollte sich Gedanken machen über eine REGELUNG des Verhältnisses zwischen den Antiquaren und den OXFAMs jeder Sorte.

Fazit 2: Werfen Sie freundlicherweise ihre Adressenliste heraus. Wozu soll die nützlich sein?

13. Wolfgang Höfs 27.07.2008 03:12h

Herr Mulzer,
vielen Dank für Ihre umfassende Kritik, die wir wie immer schätzen und auch in unsere weiteren Überlegungen einbeziehen.
Unser Angebot "Antiquariate-im-Netz.de" ist ein für Antiquariate kostenloser Service ihr eigenes Unternehmen im Internet zu präsentieren und zwar so, wie Sie es sich wünschen. Es gibt keine Pflicht sich dort einzutragen und wir können es akzeptieren, wenn Kollegen sich dort nicht präsentieren, warum auch immer.
Wenn es heute nicht interessant ist, dort aufzutauchen, dann kann es morgen schon anders sein. Aber aus dem heutigen Desinterese zu schließen, dass es Morgen nicht schon interessant sein könnte und deshalb ein schönes Projekt zu beenden, liegt uns fern.
Uns liegt viel daran die Struktur und Vielfalt des antiquarischen Buchhandels zu erhalten, denn nur die Vielfalt der Einzelnen führt zum Erhalt des Gesamten. Wir freuen uns über jeden Klick und jede Google-Suche, die in die Antiquariatsdarstellung eines Kollegen führt und dem geneigten Suchenden zeigt, dass hinter den Büchern Menschen stehen und nicht nur anonyme Plattformen.
Gott sei Dank, haben wir auch keinen messianischen Anspruch an uns selbst, um die Welt mit unseren Ideen zwangszubeglücken (übrigens ein Grund warum Sie mit ihren Ideen immer auf Unverständnis stossen werden, niemand will zu seinem Glück gezwungen werden).

14. RF Meyer 27.07.2008 08:48h

Ein gewisser Herr Höfs
hier unter Nr. 7:
„Wenn nicht, werden wir die Sache bald in und vor Oxfam-Fillialen diskutieren und dann helfen Hochglanzbroschüren über einen gerechten Kaffeepreis nicht mehr weiter. Dann geht es um den gerechten Buchpreis.“

Ein gewisser Herr Höfs (derselbe?) http://www.boersenblatt.net/209741/template/b4_tpl _antiquariat/#comments
unter Nr. 19:
„Zur Zeit funktioniert er doch, unser Antiquariatsmarkt. (...)
Die Arbeit von Verbänden kann die Entwicklung nur begleiten, jedoch nicht forcieren. Der Antiquariatsmarkt, so chaotisch er zur Zeit auch scheint, reguliert sich von selbst.“

So schnell ändern sich die Meinungen, wenn es opportun scheint.

15. Wolfgang Höfs 27.07.2008 11:56h

Genau Herr Meyer,

der Markt funktioniert. Angebot und Nachfrage, Können und Geschick des Einzelnen bestimmen den Markt. Natürlich muss der Einzelne auch etwas unternehmen, allein oder gemeinsam. Ob Jeaninne ein Preisverfallsmodell als das ihrige auserkoren hat, oder andere versuchen als Spezialisten mit alten Drucken und Inkunabeln ihr Geld zu verdienen, oder auf Genossenschaftsbasis eine Vertriebsplattform gründen, alle agieren innerhalb des Marktes und mit- und gegeneinander. Der Markt funktioniert auch, wenn er sich gegen wettbewerbsverzerrende Angebote zur Wehr setzt und hier setzt auch die Arbeit und Aufgabe von Verbänden an.
Es reicht beileibe nicht, Zitate aus dem Zusammenhang gerissen in den Ring zu werfen und zu glauben, das wäre eine Diskussion. Dort ging es um den die Art und den Organisationsgrad innerhalb der Branche und die Erwartung von Marktteilnehmern an Verbände, ohne in ihnen organisiert zu sein.

Ich schrieb damals auch:
"Wenn es bei den Verbänden zur Zeit keine Bewegung gibt, dann kann das daran liegen, dass niemand zur Zeit das Bedürfnis hat, Rahmenbedingungen zu ändern oder bestehende Probleme als solche zu erkennen und zu lösen."

Lieber Herr Meyer, vielleicht sollten Sie einfach ihre Ansprüche an sich und andere einmal überdenken. In vielen Fällen hilft das. Sich selbst am Markt anders oder neu zu positionieren, sich den Marktgegebenheiten anzupassen, seine Chancen am Markt zu sehen und zu ergreifen, sind Aufgaben des handelnden Unternehmers.

16. Peter Mulzer 27.07.2008 13:09h

Na schön. Die Utopisten können, wie man bei Marx und Engels sehen kann, die Gesetze des realen Marktes stets recht gut herbeten, wenn es denn notwendig sein sollte. Auch ich kann auf eine gewisse Kenntnis des Gewerbes zurückgreifen (die bis unter die Teppiche und in die Tiefkeller reicht, aber lassen wir das).

W e n n es denn so sein sollte, daß die Gesetze des Marktes auch im Antiquariat gelten sollten, d a n n werden die Preise, die die OXFAMs für ihre Bücher verlangen, sich à la longue kaum unterscheiden von denen der Antiquare. Denn warum sollten die OXFAMs Waren zu Preisen verschleudern, die spürbar billiger sind als die, die ein paar Häuser weiter nicht nur verlangt, sondern auch von den Kunden bezahlt werden?

Die Grundkosten (Gehälter) sind zwar weitaus niedriger oder sie entfallen ganz: Trotzdem wird die Ware deshalb nicht billiger sein, der Markt reguliert ja ihren Preis. Selbst wenn die OXFAMs im Ankauf nichts bezahlen müssen - der Verkauspreis ihrer angebotenen Ware reguliert sich ein.

Das gilt noch mehr im Internet-Verkauf. Die OXFAMs sind dem gleichen Mechanismus der Preisunterbietung oder aber der "Qualitäts"-Heuchelei unterworfen. Für OXFAMs wird im ZVAB keine Extrawurst gebraten.

Was bitte soll das ganze Gemosere dann eigentlich? Zwar entfallen für die OXFAMS manche Kosten - - aber deshalb gelten die Marktregeln über den allgemein anerkannten Wert einer Ware auch für sie. Und der Mehrgewinn ist ihnen doch zu gönnen.

Eine Schädigung des Antiquars, der Löhne voll bezahlt und im Ankauf nichts geschenkt bekommt, findet n i c h t statt. Über kurz oder lang tritt der OXFAM-Laden markttechnisch auf wie ein normaler Buchantiquar.

Ich habe den Verdacht, daß Kollege Höfs hier unter dem Vorwand der Bekämpfung von OXFAM in Wahrheit gegen die

***allgemeine Billigkonkurrenz

zu Felde ziehen will. Dann soll er das aber auch so sagen! Das wäre - im Internet - der Kampf gegen das Wölki-Prinzip und im realen Leben örtlich die Auseinandersetzung mit den Secondhand-Kistenschiebern und den hauptberuflichen Flohmarkt-Reisehändlern.

Daß das Antiquariat mit einem Bodensatz von angeblichen und wirklichen Privatanbietern leben kann und leben muß - das wissen wir doch, das war seit langer Zeit nicht anders. Darum kann es also nicht gehen.

Die OXFAMs aber sind, markttechnisch gesehen, nichts anderes als jene Billighuber und Kistenschieber, mit denen sich Antiquare selbstverständlich auseinanderzusetzen haben. Das ist die ganz normale Billigkonkurrenz.

Ob da OXFAM oder Hermine Müller drüber steht, ist völlig wurscht.

Der Markt, die Gesetze von Angebot und Nachfrage, von Seltenheit und Sammlerwert, regulieren das schon.

17. Johannes Conrad 27.07.2008 15:45h

Als in Frankfurt wohnender Vielleser und Sammler von Büchern stöbere ich auch regelmäßig beim hiesigen Oxfam-Buchshop. Mit Interesse und Erstaunen habe ich daher die Diskussion in diesem Forum gelesen. Gestatten sie mir als interessiertem Laien einige Bemerkungen:


- in Deutschland gibt es wohl tausende von Antiquariaten aber nur 5 (!) Oxfam-Buchshops. Diese paar Läden sollen die Existenz der etablierten Antiquare bedrohen? Fürchtet sich der Elefant vor der Maus?

- Wer z.B. in Frankfurt den Oxfam-Buchshop besucht wird feststellen, daß ca. 90% der Bücher kaum eine Chance hätte, in einem "richtigen" Antiquariat angeboten zu werden. Es handelt sich überwiegend um Unterhaltungsliteratur der letzten Jahre, meist in Taschenbuchausgaben, viele Krimis, nicht mehr ganz aktuelle Reiseführer, religiöse Werke, Bildbände, englische Taschenbücher etc. Welcher Antiquar in Frankfurt (die Verhältnisse in anderen Städte werden ähnlich sein) würde wöchentlich 1000 - 3000 dieser Bücher entgegennehmen, selbst wenn sie geschenkt wären? Alle klagen doch über volle Regale und Läger und haben tausende von Büchern im ZVAB stehen.

- Oxfam-Buchshops sind nicht im ZVAB oder bei einem der anderen online-Anbieter vertreten. Der Auftritt bei eBay ist mickrig und wenig professionell, also auch hier keine echte Konkurrenz.

- Wenn ich mir die Bücher im Frankfurter Laden ansehe, scheint mir eher eine Konkurrenzsituation zum Neubuchhandel und zum Modernen Antiquariat zu bestehen, als zum "echten" Antiquariat.

- Es bleiben die 10% Bücher, die auch mancher Antiquar gerne in seinem Geschäft hätte. Und um diese bewerben sich nicht nur die Sammler unter den Käufern sondern auch die ortsansässigen Antiquare, die ich schon oft im Laden gesehen habe. Ob diese auch die Preispolitik von Oxfam "in und vor Oxfam-Filialen" diskutieren würden?

18. 7of9 27.07.2008 18:09h

"Sich selbst am Markt anders oder neu zu positionieren, sich den Marktgegebenheiten anzupassen, seine Chancen am Markt zu sehen und zu ergreifen, sind Aufgaben des handelnden Unternehmers." (aus # 19)

Für diesen Satz und seine Abwandlungen zählt mir die intergalaktische Datenbank Goorgel 18.700 Nachweise allein in Deutsch auf. Die semantische Qualität bezeichnet sie mit 0,5. Also ebenso hoch wie Werbesprache, Wortfüllsel in Politikerreden und alltägliches nebensächliches Geschwätz.
Das Äquivalent dieses Satzes in Klingonisch taucht garnicht auf; für Vulkanisch gibt es nur eine Stelle: die wortgetreue Übersetzung ins Vulkanische der Werbebroschüre einer irdischen Anlagenberatung vor dem Crash des Jahres 2010.

19. Peter Mulzer 27.07.2008 18:14h

Sie haben meine unbedingte Zustimmung, auch wenn es in anderen Gegenden, etwa in der Schweiz, mit der Qualität des Angebots etwas besser bestellt sein dürfte.

Was Sie vielleicht nicht wissen: Dieses Thema hat unter Antiquaren eine alte Tradition, es ist das "Wölki"-Phänomen, damit zusammenhängend auch die "Zentrallagerfrage" und das - freilich reale - Problem des Unterbietens der Kollegen im ZVAB.

Ich fasse das mal zusammen: Die Antiquare - übrigens aller Qualitätsrichtungen - spüren, daß ihre vermeintliche Idylle, w e n n einmal ein organisatorisch begabter Mensch sich ihres Nischengewerbes mit dem notwendigen Kapital annehmen würde, empfindlich gestört werden könnte.

Auch wenn auf den ersten Blick nichts dafür und alles dagegen spricht - es läßt sich nachweisen, daß das Antiquariat im deutschsprachigen Bereich, zentralisiert, normiert und unter Preiskontrolle, das ideale Opfer einer

*Ketten- und Großhandelsstrategie

sein würde, ähnlich wie das Verschwinden des Lebensmitteleinzelhandels alten Stils vor 40 Jahren.

Hier hinein paßt die L e g e n d e (wenig anderes ist es) von der Gefahr der OXFAM-Läden. Die Angst der Antiquare vor einem großen Zentralisten ist nur zu berechtigt - aber OXFAM wird das bestimmt nicht sein.

Da stimme ich Ihnen zu.

20. Peter Mulzer 27.07.2008 18:19h

...um Himmelswillen - meine zustimmende Antwort (23) richtet sich natürlich an Nr. 21 (Herrn Conrad).

Daß ich 7 of9 mit seinem/ihrem völlig unerträglichen Posting (22) auch nur von ferne zustiommen würde, da sei Gott vor. Wie kann man in so viel Zeilen - - ganz und gar nicht sagen?

21. 7of9 27.07.2008 18:36h

@24

Sehr verehrter Herr Mulzer,
unser Bordcomputer hat auch Ihre Beiträge alle gespeichert.
(So wie er auch die inzwischen hier fehlenden vier gespeichert hat.)
Seine Analyse ergibt einen Redundanzfaktor von 8,8 für Ihre Beiträge. (Skala von 0-10; 10 = höchste Redundanz, Wiederholung desselben Wortes)
Und einen Wert von 0,9 für die inhärente Semantik (Skala von 0-10; 10 = höchste Inhaltstufe, mathematische oder logische Formel)
Die Werte sind auf eine Nachkommastelle gerundet.
Beste Grüße, Ihre Sevenofnine.

22. Peter Mulzer 27.07.2008 18:47h

Sehr verehrte Frau /Herr Anonymus,

ein guter Freund von mir hatte Semantik studiert. Ich versichere Ihnen: In meinem ganzen unordentlichen Universitätsleben ist mir nie mehr ein so schwieriges, zugleich groteskes und eiskalt-absurdes Studienfach vor Augen gekommen.

Bis heute, nach vielen Jahren, sind mir Sprachstrukturalismus, mathematisch-semantische Methodik und Ähnliches ein G r a u s und ein G r e u e l.

Irgendwie der perfekte Holzweg, geeignet für die Abteilung der leichteren Fälle im Irrenhaus in Aurich.

Das reine Wortgeklingel, Urgrund des Absurden - eine Art Sargassosee in der Weltkarte der Wissenschaften.

23. Roxanne 27.07.2008 21:27h

Gewiss oute ich mich im Folgenden als ignorantes Naivchen, aber hier meine Sicht:
Seit ich Oxfam und Jumble Sales im Thatcher-London der 80er kennengelernt habe, kaufe ich ich dort. NAch 20 Jahren bin ich wieder in Deutschland angekommen, Oxfam ebenfalls - warum also soll ich (weder wohlhabend und schon gar nicht von schlechtem sozialem Gewissen geplagt, ich mag kein Selbstmitleid) dort nicht einkaufen?

Als Autorin freue ich mich über jeden, der meine kreative Arbeit mit 0,5 % des Nettoladenverkaufspreises honiriert. Alle anderen können gerne an mir mitverdienen, sofern sie mich fair an ihrem Gewinn beteiligen. Von Antiquariaten oder eBay habe ich noch nie einen Scheck bekommen. Und ehrlich? Wenn meine Bücher schon verscherbelt oder einfach nur weitergegeben werden, dann ist es mir lieber, der Gewinn wird gleichmäßig unter Bedürftigen aufgeteilt, als dass sich Einzelne daran erfreuen.
mfg
Ro

24. Peter Mulzer 27.07.2008 22:47h

...Gewiß, Sie haben Recht. Aber wenn ich mal den advocatus hoefsii spielen soll, würde ich Ihnen antworten:

Die Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, unser System der Marktwirtschaft zu akzeptieren. Auch wenn man es nicht liebt (ich liebe es gar nicht), muß man zugeben, daß es funktioniert. Ich zögere nicht, es weltweit und auf längere Sicht hin sogar als einen Segen, ein Patentrezept für die bessere Zukunft der 3.Welt anzusehen.

W e n n gewisse Spielregeln eingehalten werden. Ohne Einhaltung einiger Regeln funktioniert das hübsche System nicht.

Zu diesen Regeln gehört nicht "Chancengleichheit", auch nicht ein Recht auf Wahrung der Besitzstände. Aber wenn es bestimmte Formen von Verzerrungen gibt - nehmen Sie etwa das Kartellrecht oder die Preisabsprachen - , dann sollte der Staat regulierend eingreifen.

Daran in etwa denkt Kollege Hoefs. Ich habe ihm bereits geantwortet, daß der Marklt hier sehr wohl sich selbst regulieren wird, da brauchen wir kein Eingreifen oder Lenken. Und ich persönlich bin der gleichen Meinung wie Sie - wenn der einzelne Antiquar etwas verdient am Buchpreis, ist mir das wirklich nicht so "lieb" wie das, was ich über den Buchpreis einer wohltätigen Gemeinschaft zukommen lasse.

Nur muß man da sehen, daß wir Antiquare - hier ähnlich wie der kleine selbständige Neubuchhandel - nicht nur manchmal, sondern sogar recht oft im unteren Einkommenmsbereich liegen. Da relativiert sich dann das Bild, denn der kleine Ladenantiquar an der Ecke mit vier vor Hunger sich in den Schlaf weinenden Kindern ist auch ein "gerechter" Empfänger meines Geldes.

Am Rande muß ich aber ein offenes Wort reden: Ich bin ein eingefleischter, geradezu fürchterlich zorniger Feind der großen Verleger (und der Kettenbuchhandlungen). Daß sich die Autoren ein oft derart schäbiges Entlohnungssystem bieten lassen durch die gleichen Großverlage, deren Jahresgewinne Sie ja im Wirtschaftteil der Zeitungen nachlesen können, das ist mir u n b e g r e i f l i c h.

Die gleichen Verlage treiben spitzfindig und erbarmungslos Urheberrechtsgebühren ein - ich begreife das System nicht. Wäre ich Autor, würde ich sofort im S e l b s t v e r l a g schreiben und mich mit anderen Autoren zu starken Kampfverbänden zusammenschließen. Warum sind ausgerechnet die kleineren Autoren zu solchen Stiefkindern und Armenhäuslernm des gleichen Systems geworden, in dem die Großverlage nicht wissen, wohin sie mit ihren Gewinnen noch gehen sollen?

Fazit: Gründen wir ein OXFAM für unsere armen Autoren (und für die noch ärmeren Übersetzer gleich mit).

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.