Antiquariat
29.07.2008Ausstellungen
Marcus Behmer in Berlin
Gegründet wurde die Galerie von Daniel Buchholz 1986 in Köln, im Hinterhaus des Antiquariats seines Vaters. Nun tritt neben die mittlerweile zwei Galerieräume in Köln die neue Niederlassung in Berlin: eröffnet wird sie mit einer Ausstellung “Marcus Behmer. 1879–1958“. Marcus Behmer arbeitete als autodidaktisch gebildeter Buchgestalter für Kesslers Cranach Presse und vor allem für den Insel-Verlag und entwickelte bis zum Ersten Weltkrieg einen eigenständigen, hochpräzisen Radierstil. In den 1920er Jahren spürt er die Folgen der Krise der Buchkunst, im ‘Dritten Reich‘ wird der schwule Künstler zwei Jahre inhaftiert und in der Bundesrepublik bleibt er trotz zahlreicher Ausstellungen relativ unbekannt.Die unverkäuflichen Exponate stammen meist aus dem Besitz von Daniel Buchholz, der im Kölner Antiquariat seines Vaters auf Behmer gestoßen war und ihn später systematisch zu sammeln begann. Hinzu kommen Leihgaben aus der Sammlung Sternweiler im Schwulen Museum (Berlin), dem Städelschen Kunstinstitut (Frankfurt am Main), dem Klingspor-Museum in Offenbach, der Berlinischen Galerie und dem Antiquariat Marcus Haucke (Berlin). Zu sehen sind Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen, Drucke, illustrierte Bücher, Fotos, Briefe und Manuskripte.
“Marcus Behmer. 1879–1958“, 24. Juli – 2. September, Galerie Daniel Buchholz, Fasanenstr. 30, 10719 Berlin
Öffnungszeiten: Do und Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr

1. Peter Mulzer 29.07.2008 12:06h
Wer sich nun ein paar der netten Bildchen von Behmer ansehen möchte, stößt alsbald auf eine Barbarei, für die Kollege Thursch mitverantwortlich zeichnet - die widerliche Abstempelung der verkauften Bildwerke durch die Leitung der Leipziger Antiquariatsmesse.
Sehen Sie sich das einfach mal an:
http://www.antiquariat-querido.de/images/angebote/2008_leipzig/Voltaire_verk.jpg
Das ist widerlich, stillos und gewährt tiefe Einblicke in die Seele der beteiligten Kollegen, Abteilung "Kunstverständnis". Ich würde den werten Kollegen zum Ausgleich auch gern diesen Stempel verpassen...wo, sagt die Redaktion.
Also, so geht das nicht, und wenn Kollege Thursch, den wir sehr schätzen, dafür nicht selbst zuständig war, so hätte ers doch verhindern müssen.
2. Roman Heuberger 29.07.2008 12:43h
Das Widerliche Herr Mulzer sind Sie selbst, da es Ihnen offenbar Vergnügen bereitet, in jeder Suppe, die uns die Redaktion vorsetzt, etwas zu finden und sei es nur scheinbar, und das Sie in einem Schreibstil kommentieren, der mich ganz fatal an die hetzerische Sprache eines Blättchens erinnert, das es gottlob seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gibt. Mit Verlaub, Ihre systematischen ständigen Stänkereien gegen fast alles, über das hier berichtet wird, geht zumindest mir ganz gewaltig auf den Keks.
Roman Heuberger
3. Peter Mulzer 29.07.2008 12:45h
ad 1)
1)
Bei dieser Gelegenheit möchte ich, gerade auch aus meiner Ebay-Erfahrung, bei Behmer anknüpfen an das Thema "Homosexualität im Antiquariat". Nein, nicht was Sie jetzt denken - dazu könnte ich ganze "Personallisten mit Anmerkungen" schreiben, würde mir aber äußerst unfair vorkommen dabei. Es geht mir vielmehr um die glänzende, manchmal geradezu erschreckend gute Verkaufbarkeit älterer homosexueller Titel.
Einige Gründe, die jeder von uns schnell zu Hand hat, sind bei näherem Hinsehen nicht unbedingt stichhaltig. Natürlich wurde in der Zeit der braunen - und notabene der anschießenden schwarzen - Barbarei, in der NS-Zeit also und im Adenauerdeutschland der 50er Jahre, ängstlich alles vernichtet, was den Besitzer noch nach seinem Tod in den Ruch der Strafbarkeit bringen konnte. Aber dem stand und steht gegenüber die notorische Sammelleidenschaft vieler Homosexueller.
Es ist also recht viel Material auf dem Markt. Dennoch ist die Nachfrage auch heute noch so lebendig, daß ältere homosexuelle Titel im gleichen Augenblick schon verkauft sind, in dem man sie erwirbt.
Das ist nun der glatte Gegensatz zum Sachbereich "weibliche Emanzipation", der wie Blei liegt und uns noch nach Jahrzehnten durch seine Anwesenheit im Lager beglückt.
2)
Erste Adresse für älteres homosexuelles Material ist das Berliner "Schwule Museum" noch fehlt. Ich mag das Wort "schwul" nicht, es hat eine selbstbestrafende Tendenz und ist ordinär. Die Schwulen, die ich kenne, sind eigentlich alle sehr sympathisch, ich gönne ihnen eine edlere, anständigere Bezeichnung. Aber wie auch immer, das Berliner Schwule Museum gehört mit seiner Bibliothek zu den absolut zu berücksichtigenden Einrichtungen.
Im Rahmen meiner Arbeit sah ich mir die Bibliothek vor Jahren einmal näher an. Alte Bibliothekshasen und Antiquare wie ich schauen da schon sehr genau hin. Und obgleich die Trägerschaft und Grundfinanzierung - sage und singe mir vom Berliner Senat - damals noch recht instabil war, arbeiteten die Leute absolut beeindruckend. Bei aller im homosexuellen Bereich offenbar notwendigen Cliquenwirtschaft herrschte ein fairer, offener, sehr verantwortlicher Arbeitsstil. Nach den zwei Tagen dort im improvisierten Lesesaal möchte ich den Leuten, dem Material und dem Arbeitsstil ganz uneingeschränkte Anerkennung entgegenbringen. Note "1-2", das kommt selten vor...
Das Anbieten von Titeln dort ist nicht ganz einfach. Soviel ich sehe, mir fehlt vor dem Mittagessen die Zeit zum Recherchieren, sind sie noch nicht voll elektronisch im Netz erfaßbar. Auch scheint der Ankaufsetat von Fall zu Fall mobilisiert werden zu müssen, der regelmäßige Ankaufsetat für Antiquaria dürfte eher bescheiden sein.
Worum ich aber unbedingt bitten würde: Historisches homosexuelles Material kommt ja typischerweise in Form größerer B e s t ä n d e herein. Wenn die Erben das nicht zerstören konnten oder wollten, nicht in diese oder jene Kiste hineingesehen hatten, dann kriegen wir da durchaus hunderte älterer Hefte, Büchlein, Affichen usw. in die Hand. In solchen Fällen bitte ich herzlich und dringend, zuerst die Bibliothek des Schwulen Museums zu informieren. Da kann man dann durchaus auch Marktpreise erzielen.
Wer einmal diesen, zum Teil ehrenamtlichen Eifer, diese Begeisterung in Berlin gesehen hat, der wird sich gut dabei fühlen, solchen Leuten auch bevorzugt unter die Arme zu greifen. Denn natürlich sind sie, allem Emanzipationsgetöse zum Trotz, immer noch fürchterliche Außenseiter, gemobbt und verachtet.
4. Peter Mulzer 29.07.2008 13:07h
ad 2)
Lieber Kollege Heuberger,
hatte ich gesagt, Koll. Thursch sei "widerlich"? Niemals! Ich mag die Art, in der er das tapfere Leipziger Schifflein ausbessert und ihm in die Segel richtet, sehr gern, halte ihn für einen der - verzweifelt wenigen - echten Idealisten im Gewerbe und lasse auf ihn nix kommen.
Das ist doch ganz klar. Aber gerade aus dieser meiner Sympathie heraus (die sich der Kollege verbitten wird, aber das steht auf einem anderen Blatt) , also aus einer positiven Grundstimmung komme ich zu einem
*vernichtenden Urteil
über eine sich den K ü n s t e n widmende Webseite, an der Thursch verantwortlich mitgewirkt hat, wenn sich diese derartige
*ästhetische Ungeheuerlichkeiten und Barbarismen
leistet.
Merke: Es gibt in der Kunst eine Atmosphäre, in der jede vermeintliche "Einzelheit" entscheidend zählt.
Setze ich in ein Art-déco-Interieur einen Nierentisch mit angebauter Stehlampe, IKA-Werk Baujahr 1958, dann z e r s t ö r e ich das gesamte Ensemble im Handumdrehen.
Darum geht es. Wenn wir uns gegenseitig nicht mehr aufmerksam machen wollen über Fehler, würde unsere Berufslandschaft traurig aussehen.
Alles andere ist eine Frage der Formulierung. Ich sage eben nicht so gern: Lieber Kollege Thursch, da gibt es eine klitzekleine Einzelheit in ihrer schönen Webseite, was ganz Nebensächliches, naja, kommt nicht so darauf an, aber vielleicht ändern Sie das mal bei Gelegenheit, im Übrigen wünsche wohl zu speisen, lieber Herr Thursch.
Das ist mein Stil nicht. Ihrer übrigens auch nicht.
Nachtrag: So recht brutal kommt die "Stempelung" heraus bei der Google-Bildersuche. Suchen Sie mal unter Behmer bei den Google-Bildern...
5. Peter Mulzer 29.07.2008 13:19h
Suche nach "Marcus Behmer", d r i t t e Bildseite rechts oben (nicht vergrößern, nicht vereinzeln - im Bilderfeld genauso stehen lassen und die Verschandelung des Bilderfelds durch Koll. Thursch bewundern!
Merken Sie jetzt, was ich mit "widerlich" meine?
http://images.google.com/images?ndsp=20&um=1&hl=en&safe=off&client=firefox-a&rls=org.mozilla:de:official&q=marcu
s+behmer&start=40&sa=N
6. Peter Mulzer 29.07.2008 13:26h
Die Börsenblatt-Technik schneidet den Link bei "Marcu" ab, und wir sehen nur eine hübsche junge Dame zum Trost.
Aber wozu gint es Tinyurl? Bitte sehr, Kellner kommt schon.
http://tinyurl.com/thursch
Nun sollte es klappen.
7. Angelika Kiel 29.07.2008 14:21h
Übersehen wurde hier wohl, daß der eigentliche Missetäter, der Kollege Frank Hermann, die Einbände immer zu stempeln scheint, wenn sie verkauft worden sind, siehe hierzu seine homepage:www.antiquariat-querido.de,
Rubrik Messeangebote
8. Frank Hermann 29.07.2008 15:24h
Eigentlich habe ich gar keine Zeit, irgendeinen Irrsinn zu kommentieren, der in Webforen in die Welt gesetzt wird, aber zumindestens ins rechte Licht rücken möchte ich folgendes:) 1: Mein lieber Ex-Partner Detlef Thursch hat mit der von mir begangenen Barbarei des virtuellen Bücherstempelns nun so absolut gar nichts zu tun so wie er nicht für die Sites der bei ihm ausstellenden Kollegen verantwortlich zeichnet. 2: Wer mit Dreck schleudert, sollte vorher prüfen, wen er beschmeisst! 3: Bedauerlich an den ausgestempelten, sprich verkauften Büchern aus meinem Messeangebot ist lediglich, dass der Stempel nicht an allen Titeln angebracht ist. Damit wäre auch das Outing erledigt, wessen Geistes Kind ich bin! Das erspart weitere unsinnige, banale und alberne Mulzerzeilen.
PS: Lieber Roman Heuberger, danke!
PS2:Liebe Angelika, gut aufgepasst!
PS3:Der Behmer ist übrigens ohne Stempel in der Ausstellung von Daniel Buchholz zu sehen!
9. HACKEPETERZWIEBEL 29.07.2008 16:04h
Wag the Dog.
Der Antiquar Marcus Haucke, Stellvertreter Behmers auf Erden, hat seit Jahren quasi eine Behmer-Dauerausstellung in seinem Laden in der Berliner Reichsstrasse. Momentan hat er mal wieder gewechselt (ja, das kann er, denn er hat ganz, ganz viele Behmer-Pretiosen) und nun zeigt er fast 100 Blätter von Marcus Behmer, davon über 50 Zeichnungen, einige noch nie ausgestellt.
Marcus (mit c übrigens, darauf legt er verständlicherweise großen Wert) Haucke (auch mit c - aber das ist ein anderes Thema) wurde übrigens damals in Behmers Haus in der Westend-Allee geboren und hat sein Antiquariat deshalb in Westend. Sozusagen am Genius sein Loci.
Anlässlich der sicherlich schönen, aber eben nur teporären Ausstellung von Buchholz wäre ein kleiner Hinweis darauf durchaus weiterführend gewesen.
10. Old Shoe 29.07.2008 16:19h
Zu 9.
Na endlich, beim Thema:
Es geht um den Künstler. Es geht um die Kunst, um Kunstwerke.
Und die muß man bei sich haben, mit ihnen leben, sie täglich um sich haben.
Nicht im Tresor, nicht im Netz.
Dann ist EIN kleines Stück Original wesentlich mehr als 100.000 Millionen Abbildungen, Faksimiles, Fälschungen.
11. Peter Mulzer 29.07.2008 16:38h
...von wegen. Solche Ansichten sind nun gottseidank pures Mittelalter, das war einmal. Wir Antiquare tun gut daran, uns beizeiten darauf einzustellen.
So wie die Mehrzahl unserer urheberrechtsfreien Titel demnächst im Volltext abruf- und ausdruckbar sein wird - haben wir uns strategisch darauf eingestellt? Nein! - , so ist die bildende Kunst in noch weit höherem Maß durch das Internet Gemeingut, Allgemeinbesitz geworden.
Das Internet hat uns endlich die Demokratisierung der Kunst beschert. Dem haben wir Rechnung zu tragen.
Das Geschrei und Gemosere derjenigen Kollegen, die das noch nicht wahrhaben wollen, zeigt, wie emotionsgeladen das Thema ist.
Es gilt, angesichts der Fakten nicht zu jammern, nicht zu klagen und schon gar nicht trotzig auf elitären Oberlehrergrundsätzen des 19. Jahrhunderts zu beharren - - sondern sich als Antiquar und Kunsthändler darauf einzustellen, daß wir auch Agenten der Demokratisierung zu sein haben. Ich meine nicht nur "sich einzurichten darin", sondern
*aktiv gestaltend das eigene Geschäft daraufhin auszurichten.
Wozu das Ende der Stempelungsmanie gehört. - Und noch etwas: Daß die Graphiken anderswo im Netz ungestempelt stehen, tröstet gar nicht - G o o g l e wird aufgerufen, und wer zu Anfang von Google-Images Mist baut, der kann sich nicht darauf hinausreden, "späterhin" im gleichen Google-Abruf dann ja auch ungestempelt zu stehen.
Das sind halt so die eigenen Gesetze des Internet. Es kommt uns Antiquaren zu, sie zu beherrschen (ehe sie uns beherrschen).
12. Old Shoe 29.07.2008 17:03h
"Demokratisierung"? --- Sch*** drauf.
Durchgegoogelte Verflachung meinen Sie.
Kunst und Bildung sind elitär.
Und das ist eine Elite, von der das moderne Pseudo aus Geld und Politik nur träumt.
Wer bei mir durchläuft, ohne Bücher und Kunst eines Blickes zu würdigen, hat schon verloren.
13. Peter Mulzer 29.07.2008 18:52h
Lieber alter Schuh,
ein sympathisches Kürzel, denn in alten Schuhen geht es sich am besten. Nie geb ich meine alten Schuhe her!
In diesem Sinn darf ich gern gestehen, daß die von Ihnen angestrebte ***Elitebildung auch mein gar nicht so heimliches Steckenpferd ist. Im Rahmen meiner Arbeit muß ich mich viel mit George, Thomas und Klaus Mann, mit Wyneken, St.Blasien und Salem befassen, mit Gide und (bitte festhalten) Michael Kühnen.
Allesamt ebenso fragwürdige wie hochinteressante Vertreter einer teils sehr seltsamen - immer aber faszinierenden E l i t e - Bildung.
Nun wirds aber spannend: Ich habe entdeckt, daß erst das demokratischste, egalisierendste aller Medien, nämlich das Internet mit Google, den Zugang zu genau diesen schwierigen, problematischen Eliteschichten ermöglicht.
Heißt das, daß wir mit Google und dem Internet eine Art eierlegender Wollmilchsau haben? Ganz sicher! Wenn ich aber abwägen sollte, wem dabei der größte Nutzen zufällt, dann würde ich elitäre, "seltene" Randexistenzen oder meinethalben auch "Hochgipfelungen" an erster Stelle nennen.
Zwei einfache Beispiele: Die unlängst erfolgte Internet-Gesamtöffnung zweier Archive, die der ZEIT und des SPIEGEL, ermöglichen uns ganz ungeahnte, bis dato für unmöglich gehaltene, schnellste, präzisteste Aussagen gerade zu den seltensten Elitekünstlern, zu den vergessensten Literaten.
In diesem Sinne haben die Antiquare auch in Google-Bild eine V e r p f l i c h t u n g der allgemeinen Bildung gegenüber. Und wer mir den Behmer mit einem Stempel liefert, der dem alten Eiergütestempel verzweifelt ähnlich sieht, der bekommt von mir die Güteklasse 4 aufgebrummt - zum menschlichen Verzehr nicht geeignet.
Nun will ja niemand die Leipziger verzehren, aber bessern sollen sie sich.
14. Henriette van Briesen 29.07.2008 23:23h
Herr Mulzer, wenn Sie über den begnadeten Marcus Behmer von Stefan George, Thomas und Klaus Mann einen gewaltigen Bogen zum Thema Homosexualität in Literatur und Kunst spannen und dabei noch nebenbei den Neonazi Michael Kühnen als Beispiel einer faszinierenden Elite-Bildung anfügen, bloß weil der auch schwul war, ist das mehr als daneben und recht verwerflich. Da hätten Sie den Ernst Röhm auch gleich mitnennen können. Sie sind ja oft so daneben, das ist nicht mehr nachvollziehbar.
Wie übrigens letztens auch Ihre frauenfeindlichen Äußerungen. Wir Mädels haben uns schlapp gelacht über den "Möbius für ganz Arme" aus Freiburg.
Henriette
15. Peter Mulzer 30.07.2008 01:00h
Liebe Frau van Briesen,
Sie bestätigen meine traurige Beobachtung - die mir aus anderen Foren schon geläufig ist -, daß kein Mann so unhöflich und unfreundlich Postings wechseln kann, wie das Frauen offensichtlich mit Begeisterung tun.
Michael Kühnen habe ich noch gekannt und in Paris lang mit ihm gesprochen. Sie haben keinen Schimmer, über wen Sie da sprechen. Mit Röhm ist es noch schwieriger - halten zu Gnaden, er würde ein sehr geeignetes Beispiel sein, nur ist er mir für mein Generalthema zu maskulin. Von der Homosexualität der Ledermonturen, der Darkrooms und der Männertoiletten verstehe ich - - nichts.
Lassen wir das unerfreuliche Thema. Oder vielmehr zurück zum Kern: Sie halten Behmer für "begnadet". Da muß ich Ihnen nun gestehen, daß er für mein Kunstempfinden affig, geschmäcklerisch, hysterisch-stilisiert, unaufrichtig, kurzum - zu schwul ist. Frauen lieben ihn heiß und innig, kein Wunder.
Aber ich wollte Sie nicht schon wieder ärgern.
16. Antiquariat Marcus Haucke 30.07.2008 18:32h
Herrrr Mulzer, haben Sie eigentlich einen Schäferhund?
17. A.H. 30.07.2008 18:34h
Meinen Sie nicht auch?: „Eine Kunst, die nicht auf die freudigste und innigste Zustimmung der gesunden breiten Masse des Volkes rechnen kann, sondern sich nur auf kleine, teils interessierte, teils blasierte Cliquen stützt, ist unerträglich. Sie versucht das gesunde, instinktsichere Gefühl eines Volkes zu verwirren, statt es freudig zu unterstützen.“
18. Peter Mulzer 30.07.2008 18:43h
Lieber Kollege Haucke,
es ist doch nicht so furchtbar schwer zu begreifen: Wenn sich jemand mit einem Thema beschäftigt, dann tut er es doch nicht, oder jedenfalls nicht immer, weil er das Thema m a g. Ich muß das bald als Reversschild mit mir herumtragen.
Meine Kontakte mit der rechten Szene sind erstens lang her, zweitens ohne jede Anschmusung oder Anbiederung vor sich gegangen. Das war, unter anderem, das Sympathische an Kühnen - du konntest mit ihm offen diskutieren.
Versuch das mal mit heutigen Rechten - da bekommst du einen Golfschläger auf den Kopf.
Wogegen dann allerdings nur ein Schäferhund hilft.
19. Antiquariat Marcus Haucke 30.07.2008 19:17h
Nehmen Sie es zur Kenntnis, Herr Mulzer, mein Hausgeist Marcus Behmer, sein Motto war: „IM KLAREN FISCHEN UND DIE FOLGEN TRAGEN“, hat nichts mit Ihren brauntrüben Hünen (Kühnen) zu tun. Er war ein Opfer der Nazis, saß zwei Jahre im Zuchthaus und auch von ihm wurden, im Zuge der Kampagne gegen „Entartete Kunst“, Werke beschlagnahmt und sind wohl vernichtet worden.
Machen Sie doch mit Bananenkisten und Großlager weiter.
20. Hackepeterzwiebel 30.07.2008 19:41h
Die böse Müllerin von Zell
Zu Zell im Abteigebiet Schwarzach war vor Zeiten eine reiche und gleichermaßen böse Müllerin. Sie gab den Armen kein Stück Brot und brachte manchen durch List und Gerichtsprozesse um Hab und Gut. Die Kundschaft betrog sie durch unredliches „Mulzern“, wobei sie beim Aufwiegen zuviel Frucht für sich verrechnete. Die Elende hasste die Geistlichen, ging niemals in die Kirche und starb unversehen plötzlichen Todes.
Wegen ihrer Frevel und Missetaten musste nun die Müllerin nach ihrem Tode in der Mühle umgehen. Schließlich ließen die Leute einen Pater aus dem Kloster Schwarzach kommen, der Geister beschwören konnte. Der bannte die Müllerin in einen Sack und trug sie auf die Yburg in den Unholdengraben. Lange Zeit hörte man dort ihre Klage. Sie rief Tag und Nacht: „Ich bin die Müllerin von Zell!“ Seitdem aber der Blitz in die Burg geschlagen und den einen Turm gespalten hat, ist sie still, und man hört auch von den anderen Geistern dort nichts mehr. Zu manchen Zeiten neckt und erschrickt der Geist der Müllerin noch den nächtlichen Wanderer, besonders in guten Weinjahren, wenn der neue Wein in den Fässern zu reißen beginnt und in den Köpfen rumort.
21. Peter Mulzer 30.07.2008 19:50h
Lieber Kollege Haucke,
Postings gehen mitunter kuriose Wege. Gegen unseren Künstler Behmer sollte doch gar nix gesagt werden! Daraus, daß er nicht meinem persönlichen Kunstgeschmack entspricht, wollte ich keine Weltanschauung machen.
Manche Leute, die mit anderen diskutieren, müssen eben zur Kentnis nehmen, daß die Menschen nicht so einfach festzulegen sind, hie schwarz, dort weiß, da Nazi, dort Kommunist. Behmer hat, was sein persönliches Schicksal angeht, meine *absolute Hochachtung*.
Nun kommen Sie mal wieder von der Leiter herunter.
22. Henriette van Briesen 30.07.2008 20:06h
Herr Mulzer, artikulieren Sie Ihre Meinung je nachdem, wer Sie anspricht?
Zu mir: "Sie halten Behmer für "begnadet". Da muß ich Ihnen nun gestehen, daß er für mein Kunstempfinden affig, geschmäcklerisch, hysterisch-stilisiert, unaufrichtig, kurzum - zu schwul ist. Frauen lieben ihn heiß und innig, kein Wunder."
Zu Herrn Haucke: "Gegen unseren Künstler Behmer sollte doch gar nix gesagt werden! Daraus, daß er nicht meinem persönlichen Kunstgeschmack entspricht, wollte ich keine Weltanschauung machen."
Herr Mulzer, Sie sind ein sich windendes Gummimännchen.
Henriette
23. Peter Mulzer 30.07.2008 20:26h
Liebe Frau van Briesen,
es fällt mir sehr schwer, Ihren T o n zu ertragen, und wenn sich bei Ihnen die seltsame Angewohnheit, Ungehörigkeiten in Postings über ganz gewöhnliche Themen zu verpacken, so fortsetzen sollte, werde ich Ihnen nicht mehr antworten. Ich bin nicht Ihr Schuhabstreifer.
Was in meinen beiden Äußerungen, die Sie richtig zitieren, "gummimännchenartig" sein mag, weiß der Deubel - ich jedenfalls verstehe nicht, was Sie meinen.
Ist denn nicht ein Künstler zuallererst auch ein M e n s c h ? Ich halte gar nichts von jener modernen Kunstbetrachtung, die die vita auszuklammern pflegt und sich nur um das Kunstwerk allein kümmern mag. Das ist kalt, un-menschlich und überdies ziemlich unfruchtbar.
Machen wirs also besser und halten wir zunächst fest:
Als M e n s c h ist Behmer ein hochachtbarer, tapferer, mir sehr sympathischer, tapferer, ehrlicher Kämpfer und Individualist.
Das kann sehr gut bestehen damit, daß mir seine K u n s t etwas zu geschmäcklerisch, zu stilisiert erscheint. Trotzdem habe ich die Verhunzung seiner Bilder durch die unsäglichen, geradezu widerlichen und
*kulturschänderischen
"Eiergüteklassenstempel" angeprangert (für die sich der verantwortliche Kollege hier natürlich - - nicht entschuldigt hat. Ist mir auch egal, wenn ers nur nächstes Mal besser macht.)
So, sind wir nun einig? Leben ist das eine, Kunst das andere.
24. Marcus Haucke 31.07.2008 12:27h http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-33699.html#backToArticle=568503
Es würde mich ja eher irritieren, Herr Mulzer, wenn für Ihr Kunstempfinden Marcus Behner nicht „affig, geschmäcklerisch, hysterisch-stilisiert, unaufrichtig, kurzum - zu schwul“ wäre. Mein Verdacht ist, daß Ihre Kunstempfindungen mit denen von ad17 ziemlich konform gehen. Nichts ist mir mehr zuwider! Ihre Vermischung von Kunst und Mensch hat ja eigentlich kaum eine Vorstellung, weder von der Kunst noch von dem Menschen Marcus Behmer.
Die Körperflüssigkeiten bzw. die geschlechtlichen Präferenzen sind für die Beurteilung von Kunst für mich recht nebensächlich. Das „Feuchtgebiet“ der Kunst und des Geistes ist der Humor. Marcus Behmer hat dies vor allem, ist „begnadet“ (HvB) mit Witz und Humor. „Nicht umsonst jedoch entlehnt diese reinste Komik ihren Namen vom Flüssigen. Vor dieser edelsten aller Flüssigkeiten kann keine Größe standhalten, jede wird untergetaucht, aber nicht um verachtet, vernichtet zu werden, sondern um mit dem ganzen Strome den Himmel zu spiegeln. Manche Stockung in den Säften des geistigen Lebens, durch bittere Erfahrungen von der Nullität auch des Größten veranlaßt, die bis zum Wahnsinn führen kann, würde in Fluß gebracht, wenn der Leidende dies Geistigste aller Wasser dagegen aufbieten könnte.“ (Vischer, Vom Erhabenen und dem Komischen) Als Heidi hatten Sie ein bißchen von dieser Flüssigkeit, jetzt sind Sie schon wieder der „Große Vorsitzende“, mit Schäferhund, der doch eigentlich nur kuscheln will, es aber nicht sagt und uns dafür seine Kunstempfindungen mitteilt.
Marcus Haucke, Berlin
25. Peter Mulzer 31.07.2008 12:40h
Frei bekenne ich, daß ich mit der sogenannten "modernen Kunst" nichts anfangen kann. Da ich hauptberufliche bildende Künstler in der Familie habe, kenne ich auch den Kunstbetrieb aus der Augenhöhe des Ateliers, der Modelle und der Ölfarben.
Würden Sie mich fragen, was für mich höchste Kunst sei, würde ich ohne weiteres D ü r e r wählen. Und nach den französischen Impressionisten wäre endgültig Schluß.
Ich bin zum Teil in einer bauhaus-Umgebung aufgewachsen - darüber diskutiere ich liebend gern - - aber wohnen möchte ich damit/ darin nicht.
Sie sehen: Ich bin ganz einfach ein Banause.
Das schreibe ich nur, weil Sie anderes vermutet haben und mich direkt darauf ansprechen mögen.