Medien
31.07.2008Interview
"Internet-Angebote sind Marketing fürs Hörbuch"
Die kostenfreien Internet-Angebote der ARD-Sender vonHörspiel-Produktionen, die auf CD auch in Hörbuch-Verlagen vorliegen, Sorgen für Verärgerung bei den Verlegern. Können Sie das nachvollziehen?
Michael Loeb: Meines Erachtens gibt es dafür keinen Grund. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ergänzen sich Hörbücher und kostenfreie Internetangebote. Wenn Sie die Nutzerstrukturen und -situationen analysieren, finden Sie im Internet Menschen, die bisher gar keine Hörspiele im Radio gehört oder als Hörbuch gekauft haben und die sich nun dafür interessieren. Dies bestätigen auch viele Anfragen. Die CD hat im Vergleich zum Download einen deutlichen Mehrwert, z.B. das qualitativ hochwertige Booklet. In diesem Sinne sind Internet-Angebote eine zusätzliche Marketingmaßnahme für das Hörbuch.
Die WDR Media Group ist Mitgesellschafter im Der Audio Verlag DAV. Graben Sie sich mit Den Streaming/Download-Angeboten von Produktionen, die parallel als CD vorliegen, nicht selbst das Wasser ab?
Natürlich nicht. Ich sehe vor allem die Chance, neue Publikumsschichten auch für unsere CDs zu eröffnen. Die Branche ist im Umbruch. Der neue Verbreitungsweg Internet bietet doch vor allem Chancen. Und noch etwas: zeitsouveräne Nutzung von Radioangeboten, ohne dass sie als Hörbuch veröffentlicht worden wären, war auch vor dem Internet schon möglich und völlig legal. Sie konnten schon immer Hörfunksendungen als Privatkopie mitschneiden und beliebig oft hören. Ich gehe nicht davon aus, dass das dem
Hörbuchmarkt geschadet hat.
Auf die Kooperation mit den Verlagen wollen die Sender auch künftig nicht verzichten, oder?
Michael Loeb: Die Hörbuchverlage profitieren von ihrer Zusammenarbeit mit den Rundfunkanstalten, die künstlerisch und technisch hochwertige Hörspiele und andere Produktionen für ihre Sendungen herstellen und diese dann zum Teil an die Hörbuchverlage lizenzieren. Das wird hoffentlich auch zukünftig so sein. Sowohl für die Verlage als auch für die Rundfunkanstalten geht es doch darum, diese hochwertigen Produktionen für ein interessiertes Publikum auf möglichst vielen Wegen bekannt und zugänglich zu machen.
Wie kann der Misston in der Partnerschaft mit den Verlagen Ihrer Meinung nach bereinigt werden?
Michael Loeb: Wie immer in guten Partnerschaften: Indem wir aufeinander zugehen und gemeinsam sachlich und unter Zuhilfenahme aller Fakten Argumente und Perspektiven austauschen. Ich plädiere für eine Versachlichung der
Debatte. Die Interessen treffen sich doch da, wo wir dem Produkt Hörbuch weitere Nutzerschichten erschließen und dessen Mehrwert herausstellen.



1. Johannes Stricker 01.08.2008 15:56h
Drei Fragen an Herrn Loeb:
1) Sind die Besucher der Homepages der Radiosender tatsächlich neue Publikumsschichten- oder ist es nicht eher die sowieso sehr höraffine Zielgruppe?
2.)Wie honorieren und wie kommunizieren Sie die Wertigkeit der Leistungen der Autoren und ausübenden Künstler? Kann sich bei den Nutzern ein Gefühl für den Wert der urheberrechtlcihen Leistungen herausbilden, wenn die Werke kostenlos und weltweit zur Verfügung gestellt werden?
3.) Wie stellen Sie sicher, dass nur Rundfunkgebührenzahler die Werke herunterladen?
2. Karl Heinz Pütz 04.08.2008 15:32h www.random-house-audio.de
Mit der Einrichtung der Mediatheken haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen längst überfälligen Schritt nun endlich vollzogen. Es war immer die Aufgabe der ÖRs auf ihr Publikum zuzugehen und Angebote zu unterbreiten.
Wenn dieses Publikum sich dann eben heute im Netz befindet , muss dieses dann auch selbstverständlich das Angebot der ÖRs enthalten. Das dies kostenlos geschieht ist ebenso selbstverständlich, hat doch der Gebührenzahler schon einmal seinen Obulus für die Schaffung der Programmangebote entrichtet, völlig unabhängig davon auf welchem Weg sie ihn dann später erreichen.
Völlig absurd ist allerdings die von Michael Loeb vertretende "Doppel-Strategie", das sowohl kostenfrei gedownloaded wie auch CDs weiter im üblichen Handel erhältlich sind. Das gibt der Markt definitiv nicht her.
Die öffentlich-rechtlichen "kommerziellen Verwertungstöchter" verhandeln völlig unverantworlich, wenn sie nach wie vor bei Hörbuchverlegern und Labels den Eindruck erwecken, als wäre eine solche Doppelplatzierung am Markt wirtschaftlich zu verantworten.
Es ist nur zu wünschen, dass die öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien nach dem Karlsruher Urteil nun endlich konsequent den Weg des nicht-kommerziellen Medienanbieters gehen und auf jegliche "Marktteilnahme", d.h. auch auf Werbung oder Sponsoring verzichten.
3. Peter Eckhart Reichel 23.02.2010 15:45h www.words-and-music.de
Liebe Hörbuchverlage, dagegen gibt es ein gutes wie auch wirksames Mittel: Produziert in Eigenregie! Viele Autoren, Sprecher/Innen und Musiker werden es euch danken.