Antiquariat
04.09.2008Antiquariat
Varia Antiquaria
Was wir so hören (Fortsetzung folgt):In knapp zwei Wochen wird Detlef Thursch (abooks.de, Düsseldorf) den Katalog zur 4. Frankfurter Antiquariatsmesse vom 15. bis 19. Oktober verschicken. Eine Neuerung: der Katalog ist erstmals mit einem Gemeinschaftsanhang versehen, in dem einige der Frankfurter Aussteller Ausschnitte ihres Angebots gewissermaßen außerhalb des Messerahmens und zur sofortigen Bestellung präsentieren. Der Kataloggesamtumfang steigt dadurch auf stolze 380 Seiten.
An der Frankfurter Antiquariatsmesse selbst, die am 15. Oktober um 13 Uhr eröffnet wird (Achtung, auch das ist neu!), nehmen in diesem Jahr 82 Aussteller aus dem In- und Ausland teil. Die Eröffnungsrede hält Jürgen Horbach, Vorstand der VEMAG Verlags- und Mediengesellschaft AG in Köln und Schatzmeister des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Anfang Oktober, rechtzeitig zur 4. Frankfurter Antiquariatsmesse, erscheint ein "Gemeinschaftskatalog Antiquariate im Börsenverein", an dem sich 16 Mitgliedsantiquariate beteiligen. Der Katalog wird auf Anforderung kostenlos verschickt (Bestellungen: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Geschäftsstelle Arbeitsgemeinschaft Antiquariat, Großer Hirschgraben 17–21, 60311 Frankfurt am Main, Tel. 069/1306-469 oder -353, Fax 069/1306-394, antiquariat@mvb-online.de) und an einem Infostand auf der Frankfurter Antiquariatsmesse verteilt. Alle Bezieher der Zeitschrift 'Aus dem Antiquariat' erhalten den Katalog als Beilage zum Oktober-Heft (10. Oktober).
Wolfgang Braecklein (Berlin) kündigt in einem viersprachigen Prospekt an, in den kommenden beiden Jahren die umfangreiche und außergewöhnliche Bibliothek des verstorbenen Düsseldorfer Sammlers Dr. F. Georg Miller in fünf Katalogen anzubieten. Der erste Katalog mit deutscher Literatur und illustrierten Büchern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts und zwei Textbeiträgen von F. Georg Miller (über Karl Philipp Moritz) und Jan Philipp Reemtsma (Einleitung zur Wieland-Abteilung) erscheint Anfang 2009 zur 48. Stuttgarter Antiquariatsmesse. Die gesamte Katalogreihe kann gegen eine Schutzgebühr angefordert werden (60 Euro, Nicht-Euro-Länder 80 Euro). Einzelkataloge kosten 15 Euro (20 Euro für Besteller aus Nicht-Euro-Ländern).
Eine weitere, auf drei Bände angelegte Katalogserie wird das Heinrich Heine Antiquariat Lustenberger & Schäfer (Düsseldorf) unter dem Titel "Das Buch als Gesamtkunstwerk. Deutsche Bibliophilie 1899 bis 1929" herausbringen. Der erste Band der Serie ("Walter Gerlach, 1892–1982, Meister der Einbandkunst – 'MdE': 150 bibliophile Drucke in signierten Meistereinbänden" liegt zur Frankfurter Antiquariatsmesse vor, an der das Heinrich Heine Antiquariat wie in den Vorjahren teilnimmt. Die Folgebände ("Illustrierte Bücher und Mappenwerke", "Pressendrucke und Vorzugsausgaben") erscheinen 2009 und 2010. Der letzte Katalogband wird Gesamtregister nach Autoren, Buchbindern, Künstlern, Verlagen und Pressen enthalten. An verbindliche Vorbesteller werden die Kataloge zum Selbstkostenpreis zuzüglich der Versandkosten abgegeben.
Last but not least eine Information in eigener Sache, vielleicht ist die Neuerung einigen boersenblatt.net-Leserinnen und -Lesern bereits aufgefallen: am vergangenen Montag haben wir ein Antiquariatsadressen-Suchfeld in die Navigation unserer Seite integriert. Verzeichnet sind momentan etwa 300 Adressen, darunter die Kontaktdaten der in dieser Meldung genannten Firmen Thursch, Braecklein und Heinrich Heine. Die Suche kann über diesen Link auch direkt angesteuert werden:

1. Peter Mulzer, Buchantiquar 04.09.2008 12:06h
Mit leisem Lächeln sehe ich, daß die Antiquare zur Zeit ihr Heil in der Echternacher Springprozession suchen - zwei vor, eins zurück. Allenthalben sprießen Kataloge aus dem Boden, je größer je besser - - als hätten sich unsere Kunden bis hin zur tatterigsten Klosterschwester aus Niederdingharting nicht längst auf EDV umgestellt, als wären für sie elektronische Medien für alles, was mit Buchbestellung zusammenhängt, nicht zur Selbstverständlichkeit geworden.
Die etwas peinliche, ziemlich hektische Hype des Katalogemachens steht einem in Ehren ergrauten Berufsstand schlecht an - wir sollten es besser wissen. Zur Erinnerung: Ein flüchtig eingescannter 200er-Scan mit zwei Seiten aus einem schönen Buch (Arbeitszeit mit Korrektur: 2 Minuten, Kosten Null) wirkt auf dem Bildschirm des Kunden um ein Mehrfaches besser als das teuer produzierte Farbbild des Katalogs.
Unsere Kunden w o l l e n Bilderwelten vorgesetzt bekommen, und zwar virtuell, in Sekundenschnelle auf den Bildschirm abrufbar. Sie pfeifen auf verstaubte Kataloge.
Die gegenwärtige Hype mit der "Renaissance der Kataloge" ist allein in den Köpfen mehr oder weniger hirnloser, törichter Kollegen entstanden. Auf der Kundenseite wäre die Entscheidung: hier Bilderwelten im Netz - dort herkömmliche Kataloge sehr schnell getroffen.
2. Peter Mulzer, Buchantiquar 04.09.2008 14:41h
Nein - den Kollegen sei N a c h d e n k e n gewünscht.
Man nehme zur Kenntnis, was alle anderen Berufe längst wissen:
Gute Präsentation ist, von Ausnahmefällen, heute nur im Internet möglich. Die v i s u e l l e n Ansprüche sind sehr groß. Die Antiquare denken wohl, "nostalgische" Bedürfnisse mit ihren Papierkatalogprojekten befriedigen zu sollen. Aber das ist Unfug.
Die Buße für solche Torheiten wird fürchterlich sein - Amazon und Co. bauen ***visuelle Welten auf, ***Klick-Erlebnisse.
O Antiquar, es sei dir ja zugegeben: Ideal ist immer das Greif- bzw. Griff-Erlebnis, also locke den Kunden auf die Messe oder in den Laden.
Du tust das mit den visuellen Mitteln des Netzes. Nicht mit Papierprodukten aus der Bleisatzzeit.
Und, lieber Koll. Paulitz: Versuchen Sie mal, Probleme zu durchdenken. Mäkeleien an journalistischen Formalien bringens doch nicht.
Die Frage: Katalog oder Netzangebot reicht tief in die Käuferpsychologie hinein, auch in unsere praktische Arbeitstechnik! Sie sollten das nicht schnodderig abtun. Das sind zu überdenkende Grundfragen.
3. Peter Mulzer 04.09.2008 14:45h
Zeile 3: "von Ausnahmefällen a b g e s e h e n"
4. Roman Heuberger 05.09.2008 00:28h www.antiquariat-heuberger.de
Der individuelle und andauernde Kontakt zwischen Antiquar und Sammler ist immens wichtig. Der kann natürlich auch über das Internet erfolgen. Ist aber die Ausnahme. In der Regel ist es so, daß das Internet dem Antiquar Einmalbesteller beschert und das wars dann auch. Das ist aber Alltagsgeschäft.
Das Kataloggeschäft hingegen ist die mehr oder weniger regelmäßige Begegnung mit Sammlern, die oft viele Jahre andauert und nachwievor sowohl dem Antiquar als auch dem Kunden eine vertrauensvolle Basis beschert. Was im Alltagslebend des Internets heute nicht mehr so selbstverständlich ist.
Die "Renaissance" gedruckter Kataloge in letzter Zeit und auch in Zukunft (ich beteilige mich aus gutem Grund selbst daran) wird entschieden zeigen, daß die Lust am antiquarischen Buch durch das Blättern mehr angeregt wird als durch das ewige Anklicken und Durchscrollen am Bildschirm. Das wird ja nun allmählich wirklich bereits langweilig.
Was der Verfasser in Beitrag 1 mit "sekundenschnellen virtuellen Bilderwelten auf den Bildschirm" meint, weiß ich nicht, vielleicht hat er es eilig, aber mit dem Gewerbe, was ich vertrete, hat es jedenfalls nichts zu tun. Möglicherweise sieht er aber auch das Internet als den für ihn einzigen Vertriebsweg, seine eigene Ware, seien es Bücher oder chinesische Briefmarken (über 1800 Euro Zuschlag, Glückwunsch!) oder sonst irendwas, was er anzubieten hat, an den Mann zu bringen. Das ist sein gutes Recht. Allerdings möge er diesen Vertriebsweg nicht als den allein seligmachenden apostrophieren sondern auch andere, ihm vielleicht nicht genehme oder ihm nicht mögliche Wege zur Vermarktung konzedieren.
Das schnelle Geschäft in unserem Gewerbe übers Internet ist eine Einbildung. Das dauerhafte sowieso. Die erfolgreiche Zukunft in unserem Tun hängt nicht davon ab, wie sich das Internet entwickelt, sondern von uns selbst. Das Internet vermittelt keine Erfolge automatisch. Es präsentiert nur unsere eigene Leistung. Und die ist in unserem Gewerbe oft grausam. Doch dies nur am Rande.
5. Marcuse 05.09.2008 15:05h
„Tu was Du tun willst und Du bist frei!“ Wer diese Freiheit hat, braucht ja keine Propaganda & Agitation mehr. Das Sie für oder gegen den Katalog agitieren, zeigt mir wieder einmal, daß Sie (H&M) in Ihrem Ausschließlichkeitsanspruch (bei H. durch Verbaleloquenz etwas gemildert) eigentlich den gleichen Standpunkt vertreten.
Daß nicht ein einziges Ergebnis angezeigt wurde, in dieser Meldung, alles nur Anzeige der Vorhaben, der Absichten einiger Weniger war, ist ein wenig lächerlich. Absichten haben wir doch Alle. Unsere Zeit hat eine merkwürdige Wettbewerbsanschauung etabliert, hier zählt nur Beachtung und nicht, ob der Wettbewerber wirklich durchs Ziel gegangen ist oder noch geht. Diesen kleinen Vorsprung haben sie, durch die Beachtung, denen schon verschafft. Es braucht garnicht weiter gerannt zu werden, Sie können schon ihr nächstes Rennen ankündigen.
6. Peter Mulzer, Buchantiquar 05.09.2008 22:30h
Lieber Kollege Heuberger,
1.
ab und zu experimentiere ich mit Ebay. Um Mißverständnissen vorzubeugen - jedermann sei vor dem Handel mit Briefmarken ausdrücklich gewarnt. Das kann auch ich nur durch jahrzehntelange Erfahrung gestützt und mit einer Batterie hochkarätiger internationaler Handbücher bewaffnet tun. Für gängige, gute Briefmarken ist der Markt praktisch zusammengebrochen. Nochmals: Hände weg davon! Im Unter- und Mittelfeld ist das Markengeschäft nur noch für Spinner und weltfremde Masochisten zu ertragen - im oberen Bereich wirds zwar lohnend, aber auch brandgefährlich.
2.
Tja, werter Herr Heuberger, was ich von Ihrem Warenmix weiß, wären Sie der i d e a l e Hersteller jener virtueller Welten, die unsere blödsinnigen Kataloge endlich ersetzen müssen.
Im Mittelpunkt steht Ihr s e h r schneller Scanner. Vergessen Sie Pixelkamera oder Scans unter 200 dpi.
Ihre Aufgabe ist es nun, das W e s e n t l i c h e, den Kern, das Kaufargument, das Anziehende, den R e i z jeden Buches zu erfassen und in jeweils 2-3 Scans (Minestanzahl) abzubilden. Das ist eine hohe Kunst, die Instinkt für den G e h a l t und die F o r m des Objekts gleichermaßen voraussetzt. Die 2-3 Scans sind niemals delegierbar, das ist Chefsache.
Bei minimaler Titelaufnahme hat der Kunde je Katalog von etwa 1000 Titeln also
3000 gut vergrößerbare, aussagekräftige Fotos zum D u r c h b l ä t t e r n. Nichts Faszinierenderes ist denkbar!
Und nun biete ich Ihnen die Wette an, daß Zeitaufwand und Kosten für dieses Wunderwerk (das den Kunden einen Abend lang fesseln kann) nicht höher sind als bei den blödsinnigen alten Katalogen.
Kataloge d i e s e r Art sind als virtuelle Bilderwelten auch eine Hauptwaffe gegen Amazon und die Datenbankmisere überhaupt. Hier kann sich der einzelne Antiquar wieder profilieren, h i e r zeigt er, was e r kann.