Antiquariat
10.09.2008Antiquariat
"Schutzumschlag fehlt"
Diese nicht unwichtige praktische Frage entnehmen wir dem Geizmonster-Forum: "Ich hatte eine Mail von einem Kunden, der moniert, dass bei seinem Buch der Schutzumschlag fehlt, was nicht in der Beschreibung angegeben war. Vermutlich hofft er auf einen kleinen Nachlass. Bei Amazon gebe ich immer an, wenn ein Schutzumschlag fehlt. Bei ZVAB erwähne ich den Schutzumschlag, wenn er vorhanden ist. Es wäre ja zumindest bei den alten Büchern etwas doof, immer schreiben zu müssen, dass kein Schutzumschlag vorhanden ist."In der noch lieferbaren Neuarbeitung des "Wendt" (Der Antiquariatsbuchhandel. Eine Fachkunde für Antiquare und Büchersammler. Vierte, von Gerhard Gruber neu bearbeitete Auflage. Stuttgart 2003) findet sich zu dieser Frage nichts Explizites (oder haben wir etwas übersehen?); vielleicht ist der Autor seinerzeit davon ausgegangen, gerade bei "alten Büchern" gehöre es zu den Selbstverständlichkeiten des professionellen Antiquariatshandels, über alle fehlenden Buchbestandteile zu informieren ("Defekte und Mängel, aber auch positive Eigenschaften eines Buchs sind stets genau anzugeben", S. 114)?

1. Wolfgang Höfs 10.09.2008 18:41h
Für mich ist der Schutzumschlag ein Teil der Verpackung und Werbeträger und Verkaufshilfe des Sortimentsbuchhandels, sofern vorhanden, wird er auch als vorhanden beschrieben. Sofern mir bekannt ist, dass ein Schutzumschlag vorhanden war, wird auch das Fehlen beschrieben. In vielen Fällen lässt sich jedoch das Fehlen eines Umschlages nicht Nachweisen, dann wird auch das Nichtvorhandensein dadurch dokumentiert, dass der Schutzumschlag in der Beschreibung nicht auftaucht. Das sollte für einen Käufer ausreichen.
Ein Mangel wäre für mich erst dann entstehen, wenn das Buch mit Schutzumschlag beschrieben angeboten wird, aber ohne geliefert wird. Es bleibt nur die Frage braucht der Schutzumschlag einen grünen Punkt und wenn, wer hat diesen aufzubringen und zu bezahlen.
Bei englischen Kollegen habe ich gesehen, dass dies eigene Schutzumschläge mit Werbung für das eigene Geschäft verwenden. In Zeiten in denen das Antiquariat in der Beliebigkeit der Plattformen versinkt, vielleicht ein positiver Ansatz mit seinem Unternehmen beim Kunden bleibend präsent zu sein.
2. Biester 10.09.2008 19:50h
Nr. 1:
"Schutzumschlag ein Teil der Verpackung und Werbeträger und Verkaufshilfe des Sortimentsbuchhandels": ja, ich stimme zu, aber für mich ist der Schutzumschlag darüber hinaus auch ein Teil des Buches, wenn es ursprünglich so vom Verlag ausgegeben wurde. Und wenn im konkreten Fall (ich weiß leider nicht, um welches Buch es geht) der Schutzumschlag tatsächlich fehlte? Müsste der Verkäufer dann nicht das Buch zurücknehmen oder sich vielleicht auf einen Nachlass einlassen?
In den Qualitätsrichtlinien des ZVAB steht: "Es ist gerade im Online-Handel äußerst wichtig, bei dem Kunden einen zuverlässigen und professionellen Eindruck zu hinterlassen. Der Kunde hat an Informationen über einen Titel nur, was Sie ihm an Beschreibung zur Verfügung stellen. Je mehr Informationen er über Ihr angebotenes Exemplar bekommt, desto eher wird er das Buch auch bei Ihnen kaufen. Achten Sie daher immer auf ausführliche, korrekte und vollständige Angaben zu jedem Titel."
3. Erich Hahn 10.09.2008 19:58h
Ich Alltag bekomme ich vom Käufer Nachfragen zu Vorhandensein und Zustand des Schutzumschlages.Vom Lieferanten oft die Auskunft, dieser sei wegen Überflüssigkeit oder Hässlichkeit entsorgt worden. Insofern kann ich Herrn Höfs nur zustimmen. Es kommt auf die möglichst genaue Beschreibung des Titels an.
4. Klaus Graf 10.09.2008 19:59h http://archiv.twoday.net
Ohne Schutzumschlag ist ein Buch nicht "komplett". Wenn ich als Archivar dienstlich für Ausstellungen Bücher kaufe, tue ich dies manchmal nur aufgrund der ästhetischen Gestaltung des Schutzumschlags. Auch wenn man nicht weiss, ob ein Buch je einen Schutzumschlag besaß, sollte man "Kein Schutzumschlag" explizit vermerken.
5. Peter Mulzer, Buchantiquar 10.09.2008 20:02h
Sie haben meine volle Unterstützung: Der Schutzumschlag ist, wenn erfreulicherweise vorhanden, zu erwähnen, ansonsten informiert seine Nichterwähnung den Kunden ausreichend.
Möglicherweise wurde das Buch als "neuwertig" oder "ladenfrisch" angeboten. N u r bei solchen Grenzfällen könnte man das Fehlen allenfalls kurz notieren.
Was nicht im Wendt steht: Es gibt einen sehr ausgeprägten Typ des "Schutzumschlag-Fetischisten". Das sind oft Frauen, erfolglose Lehrer, Neurotiker, Menschen ohne innere Bindung zum Buchgehalt usw. (nicht zu verwechseln mit den ganz patenten, sympathischen Schutzumschlag-Sammlern!).
Der Schutzumschlag-Fetischist gehört zu einer schrecklichen Gilde, die ich Buch-Puristen, Buch-Phobiker nennen möchte: Sie
***fürchten jede Benutzungsspur am bzw. im Buch.
Zwei psychologische Erklärungen hätte ich:
1) Sexualangst (das Buch als reine, unberührte Jungfrau),
2) Waschzwang (unvergeßlich für jeden, der mal so einen unglücklichen Raben kennengelernt hat, sind die Bazillen-an-der-Türklinke-Puristen, die Händedruck-Verweigerer weil "unhygienisch", die Toiletten-Phobiker (fremde WCs müssen erst viertelstundenlang desinfiziert werden).
Das ist die einzige Gruppe der Büchersammler, mit der ich mich seit 30 Jahren, in Laden und Versand, immer wieder böse angelegt hatte, und zwar ziemlich ernsthaft. Sie zahlen gut und sehr schnell - trotzdem rate ich jedem Antiquar, solche Phobiker
*rigoros aus der Kundenliste zu streichen.
Sie stecken mit ihren Ängsten den Antiquar an, üben ein rechtes Terrorregime aus und belasten einen mehr, als man glauben würde.
Der Schutzumschlag-Einforderer, von dem da berichtet wird, dürfte mit Sicherheit dieser fürchterlichen Zwangsgruppe angehören.
6. Peter Mulzer 10.09.2008 20:10h
sorry, die "volle Unterstützung" in @5 meinte @1 Koll. Höfs. Ich bin zwischenzeitlich von den Beiträgen 2-4 überholt worden.
Energischer Widerspruch dagegen zu Koll. Graf. Bei älteren Büchern ist die Erwähnung des fehlenden Scxhutzumschklag eine reine Kundenbelästigung. Will ich mich in der Datenbankdurchsicht von fehlendem Schutzumschlag zum nächsten hakeln müssen? Gewiß nicht.
Werter Herr Biester, die von Ihnen zitierten "Qualitätsrichtlinien" des ZVAB sind das Musterbeispiel einer törichten Null-Information seitens der glorreichen Datenbank. In dieser allgemeinen Form ist das ein Wort zum Sonntag, nicht mehr. Ratschläge solcher Art müssen *konkretisiert* werden, sonst taugen sie nichts.
7. Peter Mulzer, Buchantiquar 10.09.2008 22:40h
@7
Natürlich hat sich Koll. Höfs da vertan mit dem Grünen Punkt", das war aber wohl klar ersichtlich. Leider geht es nicht mehr um sowas einfaches wie diesen Punkt, sondern um ein völlig sinn- und hirnloses, aber perfekt durchorganisiertes Abzocke- Instrument, dem auch der kleinste Kollege nicht entkommen kann. Mir fällt gegen diese Manie, betrieben von den Umweltschutz-Großverdienern, nichts ein. Das ist wie die GEZ - es gibt kein Entrinnen. Nur zahlen.
Gegen das "Versinken" haben allerlei Kollegen allerlei teils gute, teils weniger gute Rezepte gefunden und ausprobiert. Da sie den Kern ihrer Methoden jeweils eifersüchtig hüten, kann das Gros der Kollegen daraus aber leider nichts lernen.
8. Roman Heuberger 10.09.2008 23:32h
Der Schutzumschlag in seiner ursprünglichen Bedeutung war das, was er heißt. Nämlich das Buch zu schützen. Das waren ab ca. 1865 einfache Papierumschläge, um teilweise dekorativ ausgestattete Bücher zu umhüllen. Mitunter wurden Verfasser und Titel auf das billige Papier gedruckt. Desgleichen wurden sie für wissenschaftliche Werke, Lexika u.a. benutzt. Also reiner Schutz, kein Bestandteil des Buches oder seiner Gestaltung selbst, oft mit dem Hinweis "ohne Schutzhülle wird das Buch nicht zurückgenommen" (siehe z.B. Hans Kraemer).
Später wurde dieser Umschlag Bestandteil der insgesamt künstlerischen Buchgestaltung, aber immer noch Schutzumschlag genannt, . So ist es bis heute geblieben. Namen wie Karl Staudinger, Werner Rebhuhn. Hans Hermann Hagedorn, Willy Fleckhaus, Hannes Jähn, Imre Reiner u.v.a. nach 1945 belegen dies.
Der künstlerisch gestaltete Schutzumschlag gehört bei bestimmten Werken selbstverständlich zum Buch. Seine explizite Erwähnung bei der Buchbeschreibung nimmt sogar einen besonderen Rang ein. Beispiele dafür sind Schutzumschläge von Hans Bellmer zu Werken von Walter Serner oder Schutzumschläge von Georg Salter. Ebenso die Schutzumschläge zu den Werken von Arno Schmidt, teilweise von ihm selbst geschaffen, oder die von bedeutenden Künstlermonographien, wie z.B. das Kandinsky-WV von Roethel oder das von Yves Klein von Wember. Bauhaus-Bücher ohne OU sind schon gut zu verkaufen. Mit OU allerdings sehr gut. Und zu einem deutliche höheren Preis.
Werke, deren besonderer Marktwert durch den Schutzumschlag selbst bestimmt werden, müssen selbstverständlich einen entsprechenden Hinweis bei der Beschreibung beinhalten, wenn dieser Umschlag nicht vorhanden ist. Dieser Mangel mindert nämlich den Preis erheblich.
Bei Büchern allerdings, die eine reine Konsumfunktion haben, also als reines Lesefutter angeboten werden, ist es völlig unerheblich, ob diese Exemplare einen Schutzumschlag haben oder nicht. Diese Bücher haben den selben Rang wie Taschenbücher, die ohnehin keinen Schutzumschlag haben.
Bücher, die von ihrer Konzeption her schon keine Schutzumschläge haben, beispielsweise die meisten Produktionen der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt, benötigen in der Beschreibung keinen expliziten Hinweis auf das Fehlen des OU, weil sie niemals einen hatten.
Also, das Nichterwähnen eines möglicherweise ursprünglich vorhandenen oder auch niemals vorhandenen losen Bestandteils eines Buches ist im Normalfall völlig legitim. Im Gegensatz übrigens zu einem fehlenden fliegenden Vorsatz. Der gehört zum Buch und muß erwähnt werden, wenn er herausgerissen wurde.
Erst wenn der Schutzumschlag eine besondere Bedeutung hat, muß das Fehlen erwähnt werden. Sonst nicht. Das muß der Antiquar dann selbst von Fall zu Fall entscheiden.
Der Schutzumschlag in seiner ursprünglichen Bedeutung war das, was er heißt. Nämlich das Buch zu schützen. Das waren ab ca. 1865 einfache Papierumschläge, um teilweise dekorativ ausgestattete Bücher zu umhüllen. Mitunter wurden Verfasser und Titel auf das billige Papier gedruckt. Desgleichen wurden sie für wissenschaftliche Werke, Lexika u.a. benutzt. Also reiner Schutz, kein Bestandteil des Buches oder seiner Gestaltung selbst, oft mit dem Hinweis "ohne Schutzhülle wird das Buch nicht zurückgenommen" (siehe z.B. Hans Kraemer).
Später wurde dieser Umschlag Bestandteil der insgesamt künstlerischen Buchgestaltung, aber immer noch Schutzumschlag genannt, . So ist es bis heute geblieben. Namen wie Karl Staudinger, Werner Rebhuhn. Hans Hermann Hagedorn, Willy Fleckhaus, Hannes Jähn, Imre Reiner u.v.a. nach 1945 belegen dies.
Der künstlerisch gestaltete Schutzumschlag gehört bei bestimmten Werken selbstverständlich zum Buch. Seine explizite Erwähnung bei der Buchbeschreibung nimmt sogar einen besonderen Rang ein. Beispiele dafür sind Schutzumschläge von Hans Bellmer zu Werken von Walter Serner oder Schutzumschläge von Georg Salter. Ebenso die Schutzumschläge zu den Werken von Arno Schmidt, teilweise von ihm selbst geschaffen, oder die von bedeutenden Künstlermonographien, wie z.B. das Kandinsky-WV von Roethel oder das von Yves Klein von Wember. Bauhaus-Bücher ohne OU sind schon gut zu verkaufen. Mit OU allerdings sehr gut. Und zu einem deutliche höheren Preis.
Werke, deren besonderer Marktwert durch den Schutzumschlag selbst bestimmt werden, müssen selbstverständlich einen entsprechenden Hinweis bei der Beschreibung beinhalten, wenn dieser Umschlag nicht vorhanden ist. Dieser Mangel mindert nämlich den Preis erheblich.
Bei Büchern allerdings, die eine reine Konsumfunktion haben, also als reines Lesefutter angeboten werden, ist es völlig unerheblich, ob diese Exemplare einen Schutzumschlag haben oder nicht. Diese Bücher haben den selben Rang wie Taschenbücher, die ohnehin keinen Schutzumschlag haben.
Bücher, die von ihrer Konzeption her schon keine Schutzumschläge haben, beispielsweise die meisten Produktionen der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt, benötigen in der Beschreibung keinen expliziten Hinweis auf das Fehlen des OU, weil sie niemals einen hatten.
Also, das Nichterwähnen eines möglicherweise ursprünglich vorhandenen oder auch niemals vorhandenen losen Bestandteils eines Buches ist im Normalfall völlig legitim. Im Gegensatz übrigens zu einem fehlenden fliegenden Vorsatz. Der gehört zum Buch und muß erwähnt werden, wenn er herausgerissen wurde.
Erst wenn der Schutzumschlag eine besondere Bedeutung hat, muß das Fehlen erwähnt werden. Sonst nicht. Das muß der Antiquar dann selbst von Fall zu Fall entscheiden.
9. Roman Heuberger 10.09.2008 23:35h
Warum mein bescheidener Text nun doppelt erscheint, weiß ich nicht, ich wollte es nur einfach machen
Roman Heuberger
10. Guenther Hildebrandt 11.09.2008 10:07h
2007 brachten Erstausgaben Kafkas mit Schutzumschlag bei Hauswedell zum Teil um die 10000 mehr als ohne diesen Umschlag. Mir ist - zum Glück - kein einziger Antiquar bekannt, der seither das Fehlen des Umschlages in seine Zustandsbeschreibung aufgenommen hätte.
11. Redaktion Antiquariat 11.09.2008 10:11h
Der 'Themenstarter' schreibt übrigens im Geizmonster-Forum: "Danke für Eure Meinungen. Ich freue mich, dass ich innerhalb weniger Stunden so viele Ansichten zu dem Thema lesen konnte – auch im Börsenblatt. Dies war mein erstes Schutzumschlag-Problem in immerhin 3 Jahren ZVAB. Ich habe dem Kunden eine nette Mail geschrieben und wir haben uns auf 2 EUR Rabatt geeinigt."
12. Peter Mulzer, Buchantiquar 11.09.2008 12:26h
Kurze Anmerkung zu Koll. Heubergers - richtiger - Feststellung, der Schutzumschlag solle und müsse immer dort erwähnt werden in der Titelaufnahme, wo er einen deutlichen Preisfaktor ausmacht:
Da liegt der Hase im Pfeffer - woher bitte soll der Antiquar das wissen? Sei es, daß der Schutzumschlag da ist - nach eigenem künstlerischem Gefühl gehen? Nach Signaturen des Künstlers suchen? In den meisten Fällen bleibt nur die mühsame ZVAB-Durchsicht, in der Hoffnung, daß andere Kollegen klüger waren.
Fehlt aber der Umschlag, dann scheint mir die Sache einfacher. Man "spürt" erhebliche S p r ü n g e in den ZVAB-Bewertungen doch sehr schnell, und wenn gravierende Mängel oder Luxusausgaben usw. den Unterschied nicht ausmachen können, dann müßte es eigentlich am Schutzumschlag liegen. Mit dieser Krücke kommt man am ehesten weiter.
Jedenfalls ein interessantes Kapitel - sei es, daß das corpus delicti fehlt, sei es, daß es da ist - aber unerkannt bleibt in seiner Bedeutung.
13. Sabine Varma 12.09.2008 04:19h www.antiquarbuch.de
Die Beschreibung der Nichteigenschaften eines Buches sorgt natürlich für Klarheit, Wahrheit und Umsatz:
Kein Marmeladenfleck auf Seite 88, Seite 133 fehtt nicht, der Vorsatz ist nicht herausgerissen, der Rücken ist nicht durch Tierfraß beschädigt, das Buch wurde nicht im Aquarium gelagert und der Autor ist nicht CDU-Mitglied.
Die Eigenschaften eines Buches beschreibt man mit Top!!!
Sehr selten!!!!!! Aus Akademikerhaushalt! !!!!!!! Hat noch alle Seiten !!!!!!!! Schutzumschlag vorhanden !!!!! Nie gelesen !!!!!!!!!! Asbestfrei !!!!!! Cholesterinfrei !!!!!!!!!!!!!!!!
Garantiert vollständig !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Da weiß der Kunde aber sofort, daß dieses Exemplar von Siegfreid Lenz seine Deutschstunde das schönste von alle 1899 ist und bestellt sofort.
14. Edgar Beutler 12.09.2008 12:44h
„Schutzumschlag fehlt“ wäre eine Referenz an die veränderten Bedingungen und Umstände im Online-Verkehr. Wenn man die Erwartung des Bestellers voraussetzen kann, dass der Umschlag dabei sein würde, dann wäre es hilfreich, ein Wörtchen dazu zu schreiben, wenn er fehlt. Das betrifft die neueren Bücher, vielleicht die aus den letzten 25 Jahren, die für solche Anmerkung infrage kommen. Es gibt Bücher, die sind ohne Umschlag unbekleidet. Ich denke, jeder kennt sie. Man tut dem zur Bestellung Neigenden einen Gefallen, wenn man ihn zurückhaltend warnt: Schutzumschlag fehlt.
Es wäre ein Entgegenkommen an diejenigen, die eilig suchen. Bei den Printkatalogen haben sowohl der Antiquar als auch sein Stammkunde sich vertraut gemacht mit den Schreib- und Entziffergewohnheiten. Man kennt sich. Und man kann für die Ruhe der Auswahl sorgen. Wenn da steht Oln./OU, dann versteht man das.
Freilich; wenn der Suchende in den Onlinekatalogen unterwegs ist, herrschen andere Umstände. In der Online-Eile, der Kribbeligkeit, die einen nach einer Vielzahl von Klicks befällt, ist man schließlich für jeden Klartext dankbar. Man kennt ja denjenigen, bei dem man bestellt, zumeist nicht und weiß nicht, wie er es meint. Man macht sich, glaube ich, viel zu selten klar, mit wie viel Skepsis die Leute zwischen den Bucheinträgen herumsuchen und welche unbeantworteten Fragen sie beim Lesen der Einträge haben. Mit der Einhaltung der guten alten Regeln reicht man nicht überall hin.
Edgar Beutler
15. Peter Mulzer, Buchantiquar 13.09.2008 01:32h
Werter Kollege,
da würde ich, aus nun bald 3000 Ebay-Verkäufen, die oft mit Anfragen einhergingen, eine Gegenthese aufstellen: Unsere Kunden sind, von (rührenden) Ausnahmen abgesehen, *exzellent informiert*. Ich komme oft aus dem Staunen über das Buchwissen der Internetkäufer nicht heraus, bin auch beschämt wegen der Vielzahl von wichtigen Hinweisen, die ich erhielt und noch erhalte - als Antiquar, der es besser wissen müßte.
Die Skepsis, von der Sie sprechen, ist mir - mit der einen Ausnahme der Erhaltungszustand-Fetischisten, Buch als Jungfrau - fast nie begegnet, obgleich die Kunden mich in Hinblick auf
***meine ungeschlachten, geklauten und unvollständigen Buchbeschreibungen (keine Ironie)
als "höchst verdächtig" einschätzen müßten - eigentlich.
Wo liegt des Rätsels Lösung? Wir Antiquare erkennen doch die seltsamen, verqueren Kollegen bei der raschen ZVAB-Durchsicht sofort, an hundert kleinen Einzelheiten. Ich nehme nun an, daß die Kunden eine ähnliche *Witterung* haben. Sie sieben die unsicheren Kandidaten unter uns instinktiv aus - den Profis jeglicher Art aber vertrauen sie.
Ich bin oft ganz verwirrt durch diese Vorschußlorbeeren, die ich meist nicht verdient habe.
Fazit: Wir brauchen nicht zur Perfektion zu streben in den Titelaufnahmen. Das will der Kunde gar nicht unbedingt. Er will ein gewisses Ur- und Grundvertrauen in den "richtigen" Antiquar, und dann bestellt er.
Ich vermute, daß die meisten Netzkäufer inzwischen gewiegte "Zwischen-den-Zeilen-Leser" der Titelaufnahmen geworden sind - instinktbegabt - und sehr sachkundig.