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Die Preisdebatte läuft© Nicole Hoehne

11.09.2008E-Books

Die Preisdebatte läuft

Während sich die Buchbranche auf die Ankunft der neuen Lesegeräte vorbereitet, gewinnt die Diskussion um die Preisbindung von E-Books an Brisanz. Sowohl in Sortimenter- als auch in Verlegerkreisen wird derzeit intensiv darüber beraten, ob ein fester Verkaufspreis für E-Books im Sinne des Preisbindungsgesetzes unerlässlich ist oder ob Ausnahmen denkbar sind.

Campus-Verleger Thomas Carl Schwoerer plädiert dafür, E-Books schon aus Gründen des Wettbewerbs im Preis zu binden. Empfohlene Verkaufspreise für E-Books könnten zudem die Preisbindung insgesamt infrage stellen.

Martin Spencker (Thieme) hatte dagegen den freien Wettbewerb angeführt, um gegen festgelegte Preise zu argumentieren Börsenblatt 36 / 2008).


Die einen wollen feste Preise für E-Books, die anderen möchten in der Preisgestaltung freier sein.

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Schlagworte:
E-Books, Preisbindung

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7 Kommentar/e

1. Dietrich zu Klampen, Zu Klampen Verlag 11.09.2008 09:30h

Was soll denn bitteschön gegen eine Preisbindung für E-Books sprechen? Das ist eine weitere Verwertungsstufe und dafür legt man dann einen festen Preis fest. Wobei es sicher sinnvoll ist, über verschiedene Preismodelle nachzudenken, abhängig etwa davon, ob der Käufer eine Bibliothek ist oder ein einzelner Leser.

2. Werner-Christian Guggemos, ciando 11.09.2008 09:31h

Solange es einen festen Preis für Printbücher gibt, gibt es keinen sachlich nachvollziehbaren Grund, weshalb dies nicht für E-Books gelten sollte. Eine Differenzierung zwischen diesen beiden Ausgabeformaten halte ich schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht für sinnvoll – das würde nur zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Eine einheitliche Regelung wäre aber auch deshalb vorzuziehen, weil jede Ausnahme einen Rattenschwanz von Regelungsbedarf zur Folge hätte.

3. Dorothea Redeker, Vanish The Borders, Kooperations- und Innovationsmanagement, Frankfurt 11.09.2008 09:43h

Die Befürwortung einer Preisbindung für E-Books unter dem medialen Gewitter einer Einführung des Kindle und des damit angekündigten Modells ist verständlich, führt aber in die falsche Richtung – nicht nur, wie Herr Spencker ausführt, für die Verlage, sondern auch für den Buchhandel.
Um die Anforderungen der Kunden im Firmen- und Bibliotheksgeschäft abzudecken, arbeitet auch der Fachbuchhandel bereits mit Modellen, die sich aus einer Kombination von digitalen und realen Produkten, unterschiedlichen Nutzungsbedingungen sowie Dienstleistungen, beispielsweise im IT-Umfeld zusammensetzen. Die Möglichkeiten sind bei weitem nicht ausgeschöpft; insbesondere in der Zusammenstellung maßgeschneiderter Inhalte und Arbeitsumgebungen bietet sich ein neues, wirtschaftlich interessantes Potenzial. Eine Denkweise in klassischen Buchdimensionen ist mit diesem Umfeld nicht kompatibel – ein Buch ist ein gekapseltes Medium, klar abgrenzbar durch Vorder- und Rückseite, digitale Produkte sind fluid, entwickeln ihre Leistungsfähigkeit in der Verknüpfung mit anderen Elementen und sind in dieser Vernetzung gerade nicht abgrenzbar.

Auch im Endusergeschäft befinden wir uns erst am Anfang einer Entwicklung. Die ersten E-Books mögen noch einfache digitale Kopien der Printausgabe sein und eine Preisbindungsmöglichkeit suggerieren – spätestens mit dem Angebot weiterer E-Book Reader wird auch dieser Markt eine Dynamik entfalten, die den Spuren der digitalen Welt folgt; eine Preisbindung steht dann der flexiblen Ausgestaltung neuer Rahmenbedingungen entgegen.

Schließlich kann nicht häufig genug darauf hingewiesen werden, dass die Lasten eines potenziellen nationalen Sonderwegs der deutsche Buchhandel tragen wird, da die Geschäfte überwiegend ins Ausland verlagert werden. Auf eine Harmonisierung auf EU-Ebene zu setzen, ist angesichts von EU-Ländern, die sich im internationalen englischsprachigen Raum behaupten müssen und seit Jahren auf einen Markt ohne Preisbindung setzen, doch recht realitätsfern.

4. Mathias Schindler 11.09.2008 09:46h http://www.mathias-schindler.de

Nicht die Ausnahme der Buchpreisbindung für E-Books muss begründet werden, sondern ihre Anwendung auf selbige - und hier sieht es dünn aus, von eurem "Hamwer schon immer so gemacht" oder "wo kämen wir denn da hin".

Welche Schritte gedenkt man denn dann übrigens noch zu tun, um einen Kunden davon abzuhalten, ein E-Book (man spreche das E möglichst lange genug aus und meditiere über seine Bedeutung) im nicht buchpreisgebundenen Ausland zu kaufen - korrekter, auf einer Website, gehostet in einem marktwirtschaftlich organisierten Land?

5. Chrisb 11.09.2008 10:35h

Also eine Preisbindung für eBooks würde nun wirklich total an der Realität vorbei gehen. Dann könnte jeder ausländische Anbieter die Preise unterbieten und ein deutscher eBook Shop hätte keine Chancen mehr. eBook weren nummal nicht im Laden gehandelt sonder gobal im Internet.

6. Dr. Wolfgang P. Müller 12.09.2008 00:29h www.vdm-verlag.de

Wann hat das endlich ein Ende mit dieser überkommenen Preisbindung? Fakt ist doch, dass mehr (Preis-)wettbewerb jeder Branche, die sich dazu durchgerungen hat, am Ende gut getan hat. Wie jammerte noch die Deutsche Post, als ihr das Telefonmonopol entzogen werden sollte? Das ganze Leitungsnetz würde zusammenbrechen. Das Gegenteil war der Fall. Was bilden wir uns als Verleger und Buchhändler eigentlich ein, Artenschutz für uns zu fordern? Glauben wir allen Ernstes, unser Produkt sei so unendlich wichtig für die Menschheit, dass der Markt für uns nicht gelten dürfe? Absurd, absurd.

7. Dieter Dausien 21.09.2008 13:21h www.freiheitsplatz.de

Dieser Beitrag steht jetzt seit gut einer Woche unkommentiert im Netz - kein Wunder, bei dieser Meinungsäußerung bleibt einem erst mal die Spucke weg. Und dann fällt einem zu jedem Halbsatz ein ganzer Vortrag ein. Ich versuche, es kurz zu machen:
- Das Beispiel Telekom ist so alt wie unklug: Die Situation im Telekom-Markt war vor der Reform vom Postmonopol beherrscht. Dadurch war kein Wettbewerb möglich, der wurde erst geschaffen. Die Situation in der Buchbranche ist genau umgekehrt: Es gibt bereits auf allen Stufen eine überaus große Zahl von Wettbewerbern. Gerade diese Vielzahl gilt es zu erhalten. Der Wegfall der Preisbindung würde aber zu einer Verringerung der Zahl der Anbieter führen, also den von Herrn Müller gepriesenen Wettbewerb vermindern. Der Vergleich mit der Telefon-Privatisierung ist nicht ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen sondern von Äpfeln mit Bowlingkugeln.
- Ich erinnere mich gar nicht, dass die Post so sehr gejammert hat.
- Natürlich glauben wir, das unser Produkt so unendlich wichtig ist. Und zwar tatsächlich für die Menschheit, für wen denn sonst?
- Wir sind gar nicht der Meinung, dass für uns der Markt nicht gelten dürfe. Er gilt ja. Nur etwas weniger heftig als in anderen Brachen, und das ist auch gut so, eben wegen der für die Menschheit wichtigen Produkte.
- Als Wissenschaftsverlag mit Preisen von über 40 Euro für ein 80-Seiten-Buch haben Sie offensichtlich einen Zweig gefunden, der unter eher geringem Preiswettbewerb stattfindet. Wenn Sie als Sortimenter auf die sicheren Einnahmen aus Harry Potter, Duden & Co angewiesen wären, würden Sie sicher auch einen kleinen Schritt weiter denken.

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