Kuriosester Buchtitel

"Begegnungen mit dem Serienmörder" macht das Rennen

Unter dem Motto "Titel, Typo, Temperamente - Genie und Wahnsinn bei der Vergabe von Buchtiteln" haben BÖRSENBLATT und "Schotts Sammelsurium" soeben im BÖRSENBLATT-Café auf der Buchmesse den Preis "Der kurioseste Buchtitel des Jahres" verliehen.

Der Siegertitel aus dem Droste Verlag

Der Siegertitel aus dem Droste Verlag

Eckart von Hirschhausen mit einem der Titelfavoriten

Eckart von Hirschhausen mit einem der Titelfavoriten © Nicole Hoehne

Die »kuriose« Diskussionsrunde

Die »kuriose« Diskussionsrunde © Nicole Hoehne

Verleger Felix Droste (links) und "Welt"-Literaturchef Elmar Krekeler

Verleger Felix Droste (links) und "Welt"-Literaturchef Elmar Krekeler © Nicole Hoehne

"Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer" von Stephan Harbort (Droste Verlag) hat das Rennen gemacht. Eingereicht hatte den Titel Stefanie Pohlberg von der Buchhandlung Pohlberg in Essen. Auf dem Podium begrüßten die BÖRSENBLATT-Redakteure Sabrina Gab und Stefan Hauck den Kabarettisten Eckart von Hirschhausen, Elmar Krekeler, Feuilletonchef "Der Welt", Alexander Weber, Lektor der deutschen Ausgabe von "Schotts Sammelsurium" und Ben Schott. Bei dem Sieger-Verlag hat die Prämierung freilich gemischte Gefühle ausgelöst, will man doch mit dem Buch auf ein ernstes und auch trauriges Thema aufmerksam machen. "Viele Opfer eines Gewaltverbrechens überleben die Tat", erklärte der Autor Stephan Harbort, im Hauptberuf Kriminalhauptkommisar. Kriminologisch werde zwischen einer versuchten und einer vollendeten Tötungshandlung - anders als bei den Juristen - nicht unterschieden. Aus dieser fachsprachlichen Besonderheit erkläre sich der missverständliche Titel. Der glernte Arzt Eckart von Hirschhausen gab den Düsseldorfer Buchmachern den dringenden Rat, ihren Titel zu präzisieren. Droste macht aus der kleinen Not eine große Tugend und will mit diesem Preis die Vermarktung des Buches fördern. Erste Aktion ist eine Lesung bei Stefanie Pohlberg in Essen. 90.000 Titel erscheinen jedes Jahr, wie treffend sind die Titel? "Es hilft, wenn sie treffend sind. Nur das sind sie nicht oft", so die Meinung von Elmar Krekeler. Das ist ärgerlich, denn Titel könnten durchaus auch Interesse verhindern, so Krekeler. Die "verrückten" Titel haben es seiner Meinung nach manchmal leichter, denn sie bleiben hängen. "Titel sind eine Eintrittskarte für den Leser", sagt der Lektor Alexander Weber. Titelfindungsprozesse seien langwierig und manchmal auch sehr schmerzhaft, sagt Weber. Merkwürdig - das Wort sagt für Eckard von Hirschhausen schon alles: Er soll merkwürdig sein und man soll ihn sich merken können. Von Hirschhausen war mit seinem Buch "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" durchaus ein Anwärter auf den Preis "Der kurioseste Buchtitel". Die Medizin ist durchaus ein Fundus für sprachliche Mißverständnisse aller Art, sagt von Hirschhausen, der zu diesem Thema auch ein Buch geschrieben hat. "Was haben Sie gedacht, wenn Sie diese Titel lesen", möchte Sabrina Gab von Elmar Krekeler wissen. So komisch die Zeilen auch klingen, letztlich würden sie doch recht eindeutig die Inhalte beschreiben, so Krekeler. Schott räumt mit einigen Lügen auf, z.B. mit der, dass Amerikaner keinen Sinn für Humor hätten. Diese Frage sei mit der Nominierung von Sarah Palin geklärt. Auch die zweite Lüge, nämlich Deutsche hätten keinen Humor, entlarvt er, schließlich ließen sie von Briten den kuriosesten Buchtitel wählen. Kuriose Titel sind für Schott übrigens nicht gewollt lustige, sondern eher die unfreiwillig komischen Titel. "Die Welt" könnte offenbar einige gute Zeilen beisteuern: "Wir bei der Zeitung haben eigentlich jeden Tag einen Preis für den kuriosesten Titel verdient", sagt Krekeler. Schott jedenfalls ist mit der Auswahl zufrieden. Auch die Briten würden wohl über diese Titel lachen, meint er. Auf die Shortlist in Deutschland haben es folgende sechs Titel geschafft: - Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer (Stephan Harbort, Droste Verlag) - Gräber selbst gestalten. Individuell - Stilvoll - Pflegeleicht (Ulrike Müller-Kaspar / Manuela Prinz, Österreichischer Agrarverlag) - Wer bin ich - und wenn ja wie viele? (Richard D. Precht, Goldmann Verlag) - Landwirtschaftliche Fahrzeuge beim Gülle- und Mistfahren (Michael Schauer, Podszun Verlag) - Vom Lustgewinn beim Speisen im Freien (Ingrid Schick, CoCon Verlag) - Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot (Josef Winkler, Suhrkamp Verlag) Schott ist mit der Auswahl zufrieden. Auch die Briten würden wohl über diese Titel lachen, meint er.

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2 Kommentar/e

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  • arnimb

    arnimb

    Ich kenne bestimmt schon seit 40 Jahren den Spruch: "Bild sprach zuerst mit dem Toten". Ob der Titelerfinder des Preisträgers diesen Spruch wohl ebenfalls kannte? ;-)

  • AndreasP

    AndreasP

    Hm, ich konnte bei keinem einzigen auch nur müde lächeln. Das soll kurios sein? Jeder einzelne Max-Goldt-Titel ist "kurioser".

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