Antiquariat
10.11.2008Online-Buchhandel
ZVAB-Buchhändlerprogramm Antiquaria jetzt auch in der Schweiz verfügbar
Das Angebot im Barsortiment von circa 900.000 Büchern kann mit dem Zugriff auf die Antiquaria-Datenbank "auf über zehn Millionen Titel erweitert werden", so das ZVAB in einer Pressemitteilung. Dieser zusätzliche Service bietet Buchhandlungen eine weitere Chance, Kunden langfristig zu binden. Mittels einer frei einstellbaren Gewinnspanne können sie über Antiquaria zudem zusätzlichen Umsatz generieren. Gleichzeitig können nun auch Antiquare aus der Schweiz, die Mitglied beim ZVAB sind, ihre Titel zusätzlich über Antiquaria anbieten.Bereits über 3.000 Buchhandlungen in Deutschland und Österreich nehmen nach Auskunft des ZVAB an Antiquaria teil. Seit der Einführung im Jahr 2002 steigen die Bestellungen stetig. Derzeit werden im Durchschnitt täglich circa 400 Titel über Antiquaria bestellt.

1. Roman Heuberger 10.11.2008 23:46h www.antiquariat-heuberger.de
Eine grandiose Idee! Der gebeutelte EU-Antiquar, der bereits ein nervöses Hautjucken kriegt, wenn ihm eine Bestellung aus der Schweiz in den virtuellen Briefkasten flattert, bekommt nun aller Voraussicht nach weitere Reizungen. Gehen wir doch einfach mal vom Porto aus: ein Paket bis 5 Kilo kostet in EU 17 Euro. In die Schweiz aber 30 Euro. Das kann Spaß geben. Dann ist in den meisten Fällen die Rechnungsbegleichung aus der Schweiz trotz IBAN + BIC nachwievor unverhältnißmäßig teuer.
Um was bitte will eine Schweizer Buchhandlung einem Kunden einen 20 Euro Titel von 2 Kilo Gewicht verkaufen, der mit Versand bereits 50 Euro kostet? Und wegen seines Formats nicht als "Presse und Buch International" verschickt werden kann?
Die Realität ist:: aus Deutschland kriege ich hin und wieder Bestellungen via Antiquaria. Österreich ist zwar schon eine Weile dabei, aus dem Land meiner Vorfahren habe ich allerdings noch nie eine Bestellung über diese Schiene erhalten. Aus der Schweiz werden es wohl noch weniger werden.
Ganz am Rande sei noch erwähnt, daß die Zahlungsmoral von Buchhandlungen generell, und da macht Antiquaria keine Ausnahme, oft recht zu wünschen übrig läßt. Dies soll selbstverständlioch keine Generalverurteilung sein, vielleicht bin ich nur ein bedauerlicher Einzelfall.
Ich glaube, mit dieser neuen Aktion möchte sich das ZVAB noch ein wenig internationaler gebärden, obwohl es genau weiß, daß der Erfolg eher mager sein wird. Oder die Tutzinger glauben wirklich daran. Dann müsste ich dorten allerdings einen gewissen Verlust zur Realität des Alltagsgeschäftes eines Antiquariats feststellen.
Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß ich eine hübsche Anzahl von Sammlern aus der Schweiz habe, denen ich gerne meine Bücher verkaufe. Die kommen zumeist allerdings direkt in meinen Laden. Und was die mir oft über das Internet und die Außenseitersituation der Schweiz berichten, ist nicht sehr schön. Für mich in diesen Fällen allerdings schon. Weil ich die Stutz' direkt einsammle.
Liebes ZVAB, hätts der uf d'Zündschnuer grägnet? Mach doch keis Büro uuf!
2. Redaktion Antiquariat 11.11.2008 09:25h
Herr Heuberger, herzlichen Dank für den Kommentar. Ich bin weit davon entfernt, mich hier detailliert zum Antiquaria-Programm äußern zu wollen, möchte aber wenigstens zwei Beobachtungen festhalten, weil ich Ihre Darstellung zu negativ finde: nicht wenige Kollegen in der Schweiz unterhalten offenbar ein Konto in Deutschland, das fiel mir zuletzt eben bei einem Antiquariat in Stans auf. Manche haben sogar eine "Poststelle" hierzulande. Und zum Stichwort "Zahlungsmoral von Buchhandlungen": es gibt seit Jahrzehnten eine Möglichkeit, den Geschäftsverkehr zwischen buchhändlerischen Unternehmen zu erleichtern und zuverlässiger zu gestalten, nur wird die meines Wissens selten genutzt. Das 'Problem' liegt hier aber hauptsächlich auf der Seite der Antiquariate...
3. Bücher-Fritz 11.11.2008 10:18h
meine Antiquaria Bestellungen pro Monat: ca. 0,5 Stück!
ZVAB Bestellungen der letzten 4 Wochen: unter 60 Stück
Ebay Bestellungen der letzten 4 Wochen: 497 Stück mit ca. 10.000,- € Umsatz
Ebay Einstellungen mit der Shop-Sonderaktion.
Anzahl der Artikel auf ZVAB + Ebay gleich.
4. Alexander Ehlert 11.11.2008 20:14h
Wieder eine zvab Neuerung die niemand wirklich braucht und kaum oder keinen Umsatz bringen wird. Wenn sich die Konkurrenzplattformen (amazon, ebay etc.) umsatzmässig in der Zukunft weiter so entwickeln, dann wird es ganz schwer für das zvab.
5. Günther Hildebrandt 11.11.2008 21:52h
Das glaube ich nicht. Amazon und Ebay sind für einen wichtigen Teil des antiquarischen Handels wohl keine Konkurrenz, im Falle von ebay: keine Konkurrenz mehr. Amazon-Marketplace bedroht meines Erachtens vielleicht das untere Segment, nach meinen Erfahrungen wird der Versand aber häufig sehr unprofessionell durchgeführt, auch an den Zustandsbeschreibungen haperts, da wird man sehen müssen, ob das Antiquariatsgeschäft wirklich in der von Amazon eingeschlagenen Weise standardisierbar ist.
Das zvab hat sich mittlerweile eine Position erarbeitet, die vielleicht nicht mehr groß steigerbar ist, aber auch nicht zusammenrechen wird. Wenn die hohen und durch nichts zu rechtfertigenden Gehälter vor allem des VV irgendwann angepaßt werden und nicht viele Ressourcen - obendrein zum falschen Zeitpunkt - in Investmentbanking vergeudet wird (Stichwort: Aktienrückkauf), wird die Bilanz vielleicht auch wieder etwas besser aussehen. VIELLEICHT wird das zvab - ähnlich den Marktführern im Onlinebanking - eines Tages auch in Zusammenarbeit mit einzelnen teilnehmenden Antiquaren in physische Präsenz am einen oder anderen geeigneten Standort investieren oder andere Ideen haben, aber weitergehen wird es dort vermutlich noch lange.
6. Günther Hildebrandt 11.11.2008 21:54h
Ich entschuldige mich für einige Tipfehler.