Interview

"Kultur gibt es bald nur noch im Netz"

Seit heute ist litColony im Netz. Zum Start des Literatur-Portals, bei dem auch Elke Heidenreich künftig für das Lesen trommeln wird, sprach boersenblatt.net mit litColony-Macher Werner Köhler. VON SABINE SCHWIETERT

Werner Köhler

Werner Köhler © Stefan Worring

Sie sind Erfolg gewöhnt. Zur litCologne kamen zuletzt 65.000 Besucher. Warum jetzt litColony? Köhler: Neun Tage im Frühjahr für die Literatur zu trommeln, war uns zu wenig. Unser Bedürfnis, Bücher ins rechte Licht zu rücken, wollte mehr, nämlich 365 Tage. Glauben Sie, das Konzept der litCologne lässt sich aufs Internet übertragen? Köhler: Wir haben bewiesen: Das Interesse für Literatur ist riesengroß. Nur scheint niemand daraus etwas ableiten zu wollen, wie nicht zuletzt die Absetzung der ZDF-Sendung »Lesen!« gezeigt hat. Ihr Portal will die Literaturvermittlung im Bewegtbild retten? Köhler: litColony will zeigen, wie lebendig, wie intensiv und auch konfrontativ die Literatur ist, und das in allen Formen. Das Fernsehen ist ein Auslaufmodell. Ich bin überzeugt, dass Kulturvermittlung schon bald ausschließlich im Internet stattfindet. Und das wird kein Nischenprodukt sein. Machen Elke Heidenreich & Co. bei Ihnen mit? Köhler: Roger Willemsen ist dabei, Christine Westermann und viele andere. Wir besitzen ein ergiebiges Adressbuch. Und natürlich wird sich auch unsere Freundin Elke Heidenreich bei uns einbringen. Eine Kooperation mit dem WDR erlaubt uns außerdem, ARD-Filme, die sich mit Literatur beschäftigen, ins Netz zu stellen. Kölner Klüngel also … Köhler: Von wegen. Das sind Kontakte, die wir über acht Jahre aufgebaut haben. United Writers heißt ab sofort die Devise. Sie werden staunen, wie viele namhafte Autoren wir gewinnen konnten, auch aus dem Ausland. Und wer zahlt? Köhler: Unsere Haupteinnahmequelle ist Werbung, die als solche in jedem Fall sauber gekennzeichnet ist. Wie haben die Verlage reagiert? Köhler: Begeistert. Einige Verlage müssen ihren Vertrauensvorschuss allerdings noch in solidarische Aktion ummünzen … Der Buchverkauf spielt als Einnahmequelle keine Rolle? Köhler: Das werden wir sehen, zunächst erfüllt er eine reine Servicefunktion. Wir sind mit einem individuell gestalteten Shop an Libri.de angeschlossen. 19 Jahre lang waren Sie bei der Mayerschen Buchhandlung. Jetzt machen Sie mit litColony dem Sortiment Konkurrenz. Köhler: Nein. Wir sehen uns nicht in erster Linie als Verkaufsplattform. Das Internet ist frei zugänglich. Von unseren Inhalten kann auch der Handel profitieren, er muss es nur wollen. Sie schreiben selber. Bleibt dafür noch Zeit? Köhler: Zu wenig, aber immerhin: Im Sommer erscheint mein dritter »Crinelli«-Krimi bei Kiepenheuer & Witsch.

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5 Kommentar/e

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  • Wolf-Dieter Sonnenburg

    Wolf-Dieter Sonnenburg

    Schön das es weitergeht! Aber der Nutzerkreis wie bei LESEN wird sich verschieben. Ob das zum Vorteil der Branche gereicht bleibt abzuwarten. Vermutlich werden eine Menge älterer Leser, die keinen Internetzugang bzw. keine Elektronik-Affinität haben, außen vor bleiben. Sollte mich freuen, wenn es anders kommt.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Sehe ich auch so Herr Sonnenburg,
    man sitzt am PC und schaut sich Frau Heidenreich an und im nächsten Fenster geht die amazon-Bestellung raus.

  • Subkultur, auf der Straße die Klampfe bearbeitend, Lyrik auf Beton sprühend

    Subkultur, auf der Straße die Klampfe bearbeitend, Lyrik auf Beton sprühend

    @ boersenblatt.net-Redaktion:

    So, so, "Kultur gibt es bald nur noch im Netz"?
    DAS hat Herr Köhler so nicht gesagt. Jedenfalls haben Sie es so nicht im Interview wiedergegeben.
    Ihre Überschrift über dem Artikel bedeutet, dass Kultur bald außerhalb des Internets nicht mehr stattfindet.
    Mit Verlaub, das halte ich für Quatsch.
    Die Schlagzeile ist zwar ein Eyecatcher, aber ärgerlich. Für meinen Geschmack kein guter journalistischer Stil. Soll man sich hier etwa auch "seine Meinung BILDen"? Bitte nicht! Nix für ungut!

    @Werner Köhler:
    Glückwunsch zum Platform Launch.
    Dass das TV in der heutigen Form irgendwann tot sein wird, mag ja noch angehen, aber der Rest wird sich zeigen. Auch die riskanten Formen der Börsenspekulation wurde vor gar nicht so langer Zeit sehr vollmundig als das Nonplusultra der Geldanlage propagiert.
    Oder was ist von den Zukunftsentwürfen der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, ach was Jahrtausend geworden?
    Atomkraftwerke im Meer (wegen des Kühlwassers)?
    O.K., die U-Boote waren damals nicht gemeint!
    Überall Magnetschienenbahnen für den ÖPNV? Na, ja ....
    Eigentlich müssten wir ja auch schon Marskolonien haben.
    Der Wahrheitsgehalt einer jeden Prognose muss sich am Grad des Eintreffens derselben messen lassen, oder?

    Schönes Wochenende allen

  • immer noch die Subkultur

    immer noch die Subkultur

    Natürlich muss es heißen:
    "Oder was ist AUS den Zukunftsentwürfen der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, ach was Jahrtausend geworden?"
    Tja, das sind die Tücken der modernen Technik. So ein kleines Blogfenster ist nicht gerade geeignet, die Übersicht über Texte zu behalten. ;-)

  • Subkultur

    Subkultur

    einen hätte ich noch für die Apologeten der schönen neuen Welt:
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/1/0,3672,74888 97,00.html

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