05.12.2008
AntiquariatZur Novelle der Verpackungsverordnung – Prolibri informiert
Uns liegt eine Prolibri-Händlerinformation aus Berlin von gestern Nachmittag vor. Darin heißt es unter anderem: "Uns stellt sich die Situation so dar, dass jeder Händler dafür Sorge zu tragen hat, dass die Verpackungen, die er an Verbraucher schickt, ordnungsgemäß lizensiert sind. Wir haben mit verschiedenen Dualen Systemen wegen eines Rahmenvertrages Verhandlungen geführt. Da wir Ihnen trotz in Aussicht gestellter Vermittlungsprovisionen keinen teuren Anbieter empfehlen wollen, halten wir es für die bessere Lösung, dass sich jeder selbst bei einem Anbieter anmeldet und die Lizensierung selbständig vornimmt."
Verwiesen wird explizit auf ein Informationsblatt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vom Mai 2008 (siehe den Link unten). Als drei weitere, in dem Börsenvereins-Papier nicht aufgeführte Anbieter werden von Prolibri www.zentek.de, www.verlo.org und www.redual.de genannt.
Eine konkrete Empfehlung für einen Entsorger gibt Prolibri nicht ab, allerdings werden zwei Varianten hervorgehoben: eine Anmeldung beim "Grünen Punkt" (portal.gruener-punkt.de) und eine Firmenkooperation von Bähr und Zentek (www.baehr-verpackung.de). Allerdings folgt dieser Aussage gleich eine deutliche Einschränkung: "Der Hinweis auf diese beiden Anbieter orientiert sich vor allem an den Preisen. Wir verfügen über keine konkreten Erfahrungen zu deren Leistungsfähigkeit und bitten Sie daher, selbst zu prüfen, welchem Anbieter Sie sich anschließen möchten."
Zusammenfassend geht man Prolibri immerhin davon aus, dass die anfallenden Lizenzierungsgebühren "für die meisten Antiquariate deutlich unter 80,- Euro pro Jahr bleiben". Und es bestehe Hoffnung auf Änderungen der neuen Vorschriften mindestens im Detail: "Die Erfordernisse zur Lizensierung von Verpackungen, die an Verbraucher im Ausland geschickt werden, bedürfen auch aus unserer Sicht noch der Klärung. Es besteht die Möglichkeit, sich nach den Lizensierungsbestimmungen der jeweiligen Zielländer zu erkundigen und bei den jeweiligen Dualen Systemen in den Zielländern, die Lizensierung vorschreiben, einzeln anzumelden und das Sendungsaufkommen zu lizensieren. Wir gehen davon aus, dass sich diese länderübergreifenden Vorgaben in Anbetracht des immensen Aufwandes praktisch nicht umsetzen lassen und hoffen, dass sie durch andere Regelungen ersetzt werden. Eine Empfehlung, die jetzigen Regelungen zu ignorieren, dürfen wir jedoch nicht aussprechen."
- http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/Info_zur_Verpackungsverordnung.pdf
- http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl108s0531.pdf
- http://www.prolibri.de
Tags: Verpackungsverordnung, Prolibri

3 Kommentar/e
Ich möchte die Angelegenheit für eine allgemeine Aussage zu den Kommentaren auf boersenblatt.net nutzen: genau hier sieht man deutlich, was der ursprüngliche Gedanke der Kommentarfunktion ist: Beteiligung, Information, Frage, Kritik, Diskussion, Streit, Lob usw. Trotz vieler Schwierigkeiten, die jeder regelmäßige Leser der Seite nur zu gut kennt, sollte dieser Ausgangsgedanke unbedingt im Blick bleiben (bei uns ist er es jedenfalls). Die "Großen" kritisieren und damit wahrgenommen werden? Das geht hier – und eben nicht oder nur unzulänglich mit einer E-Mail oder in einer geschlossenen Runde.
Wer`s glaubt wird selig!!!
Der Abschluß eines Vertrages mit einem der Entsorgungsunternehmen ist für Antiquare, die Bücher versenden, ab dem 1. Januar nächsten Jahres notwendig.
Das ZVAB empfahl uns in seinem ersten diesbezüglichen Rundschreiben die Firma Landbell, bei der dies für zwei Jahre 150 EUR zzgl. Mwst. kostet, wovon 25 EUR pro Jahr dann wirklich für den Zweck der Entsorgung genutzt werden, der Rest, immerhin 50 EUR für Verwaltung etc.
In seinem zweiten Rundschreiben begründete das ZVAB diese Empfehlung damit, daß Landbell noch vor der Laga-Entscheidung ein Angebot auf den Markt gebracht habe, und: „Einige Antiquare und Experten aus der Verpackungsmittelindustrie haben uns Landbell ganz besonders ans Herz gelegt.“
Auf die Idee, diese Empfehlung, ehe man sie an die – wie es so schön heißt – „Mitgliedsantiquariate“ versendet, zu prüfen, scheint in Tutzing niemand gekommen zu sein. Das ist unprofessionell.
Mit Recht kann ich von jedem, der mir etwas empfiehlt, erwarten, daß er Erfahrung gemacht, soweit möglich sogar positive Erfahrung gemacht hat, allermindestens, daß er die Alternativen geprüft hat.
Da wir Antiquare – nicht alle zumindest – nicht in Geld baden, ist die Differenz von 20 oder 36 EUR zu 75 doch beträchtlich, und eben für eine Leistung, die die meisten von uns nicht unbedingt freiwillig in Anspruch nehmen.
Das Rundschreiben Prolibris hat die Alternativen aufgezeigt, die dem ZVAB erst verspätet auffielen, und uns den Weg gewiesen, das Problem mit wenig geldlichem Aufwand anzugehen. Dafür gebührt Prolibri Dank.