Antiquariat

12.12.2008Antiquariat

ZVAB-Relaunch, Seminar in Hamburg, ein neues Antiquariat in Bremen

Der Neustart des deutschen Antiquariats-Leit-Portals sorgt für hitzige Debatten (wie auch andere Themen), eine Fortbildung in Hamburg dagegen für ungetrübt gute Laune. Jahresrückblick Antiquariat 2008: Folge 5 (Mai).

Der Komplett-Neustart des ZVAB am 1. Mai sorgt für viel Aufregung in Teilen der Branche. "Kinderkrankheiten", wie sich später herausstellt, trotz einiger längerer Ausfälle, die in den ersten Wochen zu beklagen sind.

Das "Seminar für Antiquare" gibt es bereits seit den frühen 1970er Jahren. Veranstaltungsort war stets, mit einer Ausnahme, München. In diesem Mai wird das Seminar erstmals in der Hansestadt Hamburg ausgerichtet, die Organisation obliegt einer engagierten Gruppe Hamburger Antiquarinnen und Antiquare. "Hamburg leuchtete", findet unser Berichterstatter Markus Brandis in seinem Rückblick. Das 38. "Seminar für Antiquare" kann als großer Erfolg verbucht werden. Im Mai 2009 geht es wieder nach München. 2010 vielleicht nach Berlin?

Terminverschiebung, Absage, Ausrichtung mit neuem Konzept: um die 3. Kölner Antiquariatstage gibt es im Vorfeld einigen Wirbel. Dass die Verkaufsveranstaltung schließlich am letzten Tag des Monats doch eröffnet wird – und sogar mit mehr als 30 Ausstellern aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden, verdankt sich dem Mut und Engagement von Ulrich Heider und seinen Mitstreitern.

Ebenfalls zum Monatsende eröffnen Marion Kaun und Dieter Eckert ein neues Ladengeschäft in der Bremer Innenstadt. Eckert erklärt den Schritt so: "Das ist auch eine Antwort auf die Veränderungen der Antiquariatsbranche in den letzten Jahren. Das Versandgeschäft ist schwieriger geworden, es reicht nicht aus, sich auf die Plattformen zu verlassen. Wir wollen uns mit dem Laden neue Kundenkreise erschließen." Ähnliches hört man in diesem Jahr häufiger von erfahrenen Branchenteilnehmern. Kaun war zuvor Mitarbeiterin des Hamburger Antiquariats, Eckert seit 1990 mit einem Versandantiquariat in Bremen selbständig.

Eine Personalnotiz: Bernd Naake, bislang Prokurist des Zentralantiquariats und Leiter der Versandabteilung, ist seit 1. Mai Geschäftsführer des Leipziger Zentralantiquariats. Naake vertritt die Firma künftig gemeinsam mit Georg Thaler.

"Stirbt das Stöbern?" Unter dieser Überschrift, die sich an einen von Florian Illies in der Wochenzeitung "Die Zeit“ veröffentlichten Artikel über das vermeintliche Ende des Bücherstöberns anlehnt, wird auf boersenblatt.net eine bemerkenswerte Debatte geführt. Die gefühlte Hälfte der insgesamt 94 Kommentare stammt von "Heidi" alias Peter Mulzer, Antiquar in Freiburg i. Br. Ist die Diskussion repräsentativ für die seelische Verfassung des Branchenzweigs? Wir neigen auch im Nachhinein zu einem vorsichtigen "ja".

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16 Kommentar/e

1. Idefix 12.12.2008 16:41h

Das ZVAB als Antiquariats-Leit-Portal zu bezeichnen, halte ich für ziemlich vermessen, zumal beim Relaunch vieles von Prolibri "geklaut" wurde. So z.B. das relativ zeitnahe Update der Händlerdaten, das Bearbeiten der Händlerseiten und die Optik des Bestellweges.
Auch die Buchbeschreibungen des hauseigenen Mediantis Bücherservice haben sicherlich keine Leitfunktion, es sei denn, man will die Antiquariate in den Abgrund leiten.

2. Der Säzzer 12.12.2008 18:36h

Druckfehler!
Es sollte oben heißen:
Antiquariats-Leid-Portal.

3. Lobbyist 12.12.2008 21:16h

Ich muss Nr. 1 zustimmen in Sachen Benutzerführung kann man das ZVAB nicht als „Antiquariats-Leit-Portal“ bezeichnen.
Jedoch zu unterstellen, das ZVAB habe die „zeitnahe Update der Händlerdaten“ bei prolibri geklaut, grenzt schon an maßloser Selbstüberschätzung von prolibri bzw. von „Idefix“. Alle kleinen Plattformen wie z.B. antbo, buchfreund, Antikbuch24, bibloman, … haben das zeitnahe Update, hatten es auch schon lange vor prolibri. ZVAB hatte es erst jetzt mit der neuen ORACL Datenbank realisieren können, aber nicht weil sie so viel schlechter sind, sondern weil sie ganz andere Datenmengen bewältigen müssen.
Hört doch hier bitte einmal mit den übertrieben Lobbyismus für prolibri und der qiag auf, es kann keiner mehr hören.
Ich jedenfalls bleibe beim ZVAB, ich wurde zwar nicht immer am besten bedient, aber im großen und ganzen ist die Arbeit dort in Tutzingen nicht so schlecht wie sie hier immer dargestellt wird.

4. Loewenberg2008 13.12.2008 21:51h www.bibliotheksmuseum.de

Immer wieder die gleichen Reiznamen und -themen in den Redaktionsbeiträgen. Dem folgt das übliche Geplänkel, und tot ist die Idee der Brancheninformation und -diskussion.
Kann denn kein Branchenteilnehmer über seinen Tellerrand schauen? - Hat noch niemand mitbekommen das 2008 mit dem Vertrag von München unser Branchenende unterzeichnet wurde?
Münchens Unibibliothek, die Berliner Staatsbibliothek, zahllose Sammlungen, Museen und gewerbliche Firmen scannen alles, was auch für uns handelbare Ware ist. Jeder kann zukünftig weltweit werbefinanziert kostenlos, oder gegen einen Obulus, diese elektronischen Archiv-Angebote nutzen. Niemand muss weiter mit hygienisch bedenklichem Papier hantieren und die Wohnungen werden - wie jetzt allerorten bereits von der Enkelgeneration praktiziert - vollends ordentlich buchfrei.
Kolleginnen und Kollegen, ihr glaubt das nicht? Als 1999 das Internetzeitalter für unsere Branche begann, überwogen Ignoranz, Skepsis und Spott. - 2008, mit dem Start der papierlosen Buch-Zukunft, herrscht bleiernes Schweigen, und es gibt nicht einmal eine Erwähnung dieser fundamental wichtigen Fakten in unserem Branchenrückblick.
WARUM?
Ideen sind jetzt gefragt: Was uns fehlt, sind Rezepte für die sinnvolle Verwendung dieses wertvollen Rohstoffes BUCH - nach der Scan-Phase. Wie ist der Heizwert von Büchern? Was tun ... mit haptisch orientierten Antiquarinnen und Antiquaren?

5. Roman Heuberger 14.12.2008 00:17h

..und immer wieder diese pessimistische Einstellung "wer kauft noch Bücher?" - Ich sage, eine Menge Leute! Und ganz vor allem die Zielgruppe, der unterstellt wird, sie würden ihre Texte samt und sonders aus den von diversen Bibliotheken zur Verfügung gestellten Scans beziehen. Mag sein und ist für die wissenschaftliche Arbeit vieler sicher auch nützlich. Das heißt aber noch lange nicht, daß die gedruckten Original-Vorlagen unverkäuflich in den Regalen der Antiquare verstauben. Im Gegenteil!

Beispiel: mir ist es vor kurzem gelungen, eine wissenschaftliche Bibliothek zu erwerben, Schwerpunkte Philosophie, Philosophie der Antike, Philologie, Sprachwissenschaften, Arabistik, Geschichte der Medizin, Konkordanzen etc. zumeist sehr teure Publikationen von Olms, Brill, Springer, Frommann-Holzboog, Harrassowitz , de Gruyter
usw. Und diese Bücher brummen!

Daß die von mir genannte aber auch andere wissenschaftliche Literatur oft in virtueller Form genutzt wird, liegt natürlich auch in der kostengünstigen Nutzung der Texte, das ist auch gut so, aber auch an der mangelnden Verfügbarkeit genügender gedruckter Exemplare, die ja nicht gerade häufig auf dem Markt angeboten werden. Werden sie aber angeboten, gehen sie dann auch weg wie warme Semmeln.

Das zeigt mir zumindest, daß der Bedarf, sich gute und wichtige Texte in haptischer Form zuzulegen, nachwievor da ist und auch weiterhin da sein wird.

Die Tatsache, daß unsere gesamte Branche am zusammenkrachen ist, liegt nicht so sehr am mangelnden Buchinteresse, sondern vielmehr daran, daß viele Anbieter mit ihrem zumeist beliebigen und zum Gähnen langweiligen dazu häufig noch miserabel beschriebenen Bestand am Marktinteresse völlig vorbei anbieten.

Als Antiquar weiß ich selbst genau, wie schwierig es geworden ist, ordentliche Buchbestände heranzuschaffem, das meiste, was einem im Alltag angeboten wird, kann man ohnehin millionenfach im Internat finden, ist also für die Tonne.

Doch wenn es dem Antiquar gelingt, gute Ware zu besorgen, dann geht es ihm selbst auch gut. Weil das gedruckte Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert haben wird. Und dabei wird eines entscheidend sein: die Qualität. Was sowohl Inhalte als auch Zustände betrifft.

Auch weiterhin wird gelten "ein schönes Büchel ist der Seel ein Küchel" , ich glaube, das war von Hans Sachs vor über 450 Jahren. Gilt aber auch heute noch.

Schöne Grüße
Roman Heuberger, Antiquar

6. Peter Mulzer 14.12.2008 00:33h

Auch wenn wir in den Therapievorschlägen vermutlich weit auseinanderliegen dürften, muß ich in der Diagnose dem Patriarchen vom Rhein rechtgeben: Das Scannen großer Altbestände wird dem Absatz unserer Bücher nicht nur nicht schaden, sondern ihm sogar sehr nützlich sein.

Das kömmt von daher: Die bibliographischen Kenntnisse unserer werten Kunden streben, was die I n h a l t e der ä l t e r e n Bücher angeht, gegen Null. Und wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht, die darin bestanden hätten, die Inhalte der alten Bücher irgendwie rüberzubringen. Das können wir uns jetzt nicht nur sparen, sondern weit mehr: Google nimmt es uns auf die eleganteste Weise ab.

Wenn der Kunde nun aber weiß, was drinsteht, dann bestellt er eher mehr denn weniger. Das liegt an einem Versäumnis, das auch auf mittlere Sicht niemand zu lösen gedenkt - uns fehlt der allgemeine, leicht bedienbare "Buchhersteller", worunter man sich einen häuslichen Laserdrucker denken darf, der auch klebebindet, beschneidet und Rückenetiketten anbringt.

Solang das Anfertigen von Buchkopien aus Google-Scans derart mühsam vonstatten geht wie jetzt, werden wir auch dem nichtbibliophilen Nutzer weiterhin der willkommene Lieferant auch von Gebrauchsexemplaren sein. Der Sammler will die Originale ohehin haben, und auch er lernt über Google-Scans sein Sammelgebiet oft erst so richtig kennen.

Summa summarum bleibt trotz Googlescans nicht nur alles beim alten - es wird sogar eher noch besser. Dort liegt unser Problem nicht.

7. Christoph Schäfer 14.12.2008 01:45h www.heineantiquariat.de

Das Buch

Ums Buch ist mir nicht bange.
Das Buch hält sich schon lange.
Man kann es bei sich tragen
und überall aufschlagen.
Sofort und ohne Warten,
kann man das Lesen starten.
Im Sitzen, Stehen, Knien,
ganz ohne Batterien.
Beim Fliegen, Fahren, Gehen.
Ein Buch bleibt niemals stehen.
Beim Essen, Kochen, Würzen.
Ein Buch kann nicht abstürzen.
Die meisten ander´n Medien,
tun sich von selbst erledigen.
Kaum sind sie eingeschaltet,
heißt´s schon, sie sind veraltet.
Und nicht mehr kompatibel
"Marsch in den Abfallkübel!"
Zu Bändern, Filmen, Platten,
die wir einst gerne hatten.
Und die nur noch einen Dreck sind,
weil die Geräte weg sind
und niemals wiederkehren,
gibt´s nichts zu sehn, zu hören.
Es sei denn, man ist klüger
und hält sich gleich an Bücher,
die noch in hundert Jahren,
das sind, was sie einst waren.
Schön lesbar und beguckbar.
So stehn sie unverruckbar,
in Schränken und Regalen
und die Benutzer strahlen:
"Ha´m die sich gut gehalten!"
Das Buch wird nicht veralten.

© Robert Gernhardt

8. Peter Mulzer 14.12.2008 02:30h

Das Buch ist eine Plage,
Ein Ärger alle Tage.
Zuvörderst ist es teuer sehr,
Auch wenn ein Taschenbuch es wär.
Die Zornesader schwillt noch immer
Und mein Gebrüll wird weitaus schlimmer,
Wenn es ein Fachbuch:Hundert Euro!
Denn hohen Preis zahl, wenn auch teuro
Ein Buch ists wert. Stets daran denken
Und brav und still das Köpfchen senken,
Trittst du in eine Buchhandlung, oh,
Und warst zuvor vergnügt und froh -
Beim Lesen der geheischten Preise,
Denkst du nur eins: Was für ne Sch - - ,
Für hundert Seiten, die der Staat
Großzügig finanzieret hat,
Zahlst du 99 Euro zehn -
Oder du kannst ganz buchlos gehn.
Das Buch fällt in die Badewanne,
Ich leer darauf die Kaffeekanne,
Auch Pfeifenasche brennt ein Loch,
Die Motte zum Buchrücken kroch,
Der Dieb, husch, trägt es mir davon,
Vergessen hab ichs zweimal schon,
Verloren aus der Einkaufstüte,
Verlegt, verkramt, o meine Güte,
Wie nervt und ödet uns das Buch,
Auf, Mulzer, nun frisch auf und such!
Das Buch, es riecht nach Kellerasseln,
Die Schwindsucht macht die Lunge rasseln,
Des Vorbesitzers Sputum klebt
Im Buch, der Bücherkäfer lebt. -
Ich träume still vom Scannen hin
Blitzschnell Kopien hab ich im Sinn,
Zitate elektronisch sammeln -
Nicht Bücher, die im Rotwein gammeln,
Nicht gelbe Zettele zum Markieren,
Die gehen ab, tun sich verlieren,
Auch nicht des Vorbesitzers Stift
Und nicht des Kinds bewegte Schrift,
Nicht Onkel Ottos Kautabak,
Nicht Kuchenkrümel alt en vrac -
Auch mag ich nicht die Bücherseelen,
Die uns zur Nacht per Alptraum quälen,
Weil jene Schrift der Hand entglitten
Und endlich einer ausgelitten,
Wars Morpium, Strychnin, die Klinge - -
Du weißt es nicht, du weißt es nie,
Des Altbuchs Geister, kennst Du sie? -
O nein, frischweg das Lied ich singe
Vom reinen, neuen Google-Scan,
Den ich ganz gratis haben kann,
Das Buch - nur noch Schimäre,
Wenn Googlescan verfügbar wäre...
In diesem Sinne: Google, komm
Und mach uns frei und froh und fromm.

c) Peter Mulzer
(verzeih mir, lieber Robert)

9. Roman Heuberger 14.12.2008 13:18h

Bücher

Ein Mensch, von Büchern hart bedrängt,
An die er lang sein Herz gehängt,
Beschließt voll Tatkraft, sich zu wehren,
Eh sie kaninchenhaft sich mehren.
Sogleich, aufs äußerste ergrimmt,
Er ganze Reihn von Schmökern nimmt
Und wirft sie wüst auf einen Haufen,
Sie unbarmherzig zu verkaufen.
Der Haufen liegt, so wie er lag,
Am ersten, zweiten, dritten Tag.
Der Mensch beäugt ihn ungerührt
Und ist dann plötzlich doch verführt,
Noch einmal hinzusehn genauer -
Sieh da, der schöne Schopenhauer...
Und schlägt ihn auf und liest und liest,
Und merkt nicht, wie die Zeit verfließt...
Beschämt hat er nach Mitternacht
Ihn auf den alten Platz gebracht.
Dorthin stellt er auch eigenhändig
Den Herder, achtundzwanzigbändig.
E.T.A. Hoffmanns Neu-Entdeckung
Schützt diesen auch vor Zwangs-Vollstreckung.
Kurzum, ein Schmöker nach dem andern
Darf wieder auf die Bretter wandern.
Der Mensch, der so mit halben Taten
Beinah schon hätt den Geist verraten,
Ist nun getröstet und erheitert,
Daß die Entrümpelung gescheitert.

Eugen Roth

10. Peter Mulzer 14.12.2008 13:48h

...und wieder beginnt die Entdeckungsreise ins Internet der gescannten Titel. Welche Inseln des Wissens, bisher verborgen im Nebel schlecht erschlossener Institutsbibliotheken, verhehlt durch die Raffgier geldprotzender Menschenausbeuter, versperrt mithilfe blinder, mechanisch gehorchener Anwälte des Unrechts, eingekerkert durch eigensüchtige Verleger, die die Jahre ihres Besitz"rechts" am geistigen Erbe der Menschheit argwöhnisch abzählen bis zum letzten Tag - - welche fernen Welten des Geistes also werden wir heute wieder, Googlescan sei Dank, entdecken können?

...wundervolles Gefühl der Freiheit! Die vermoderten, eingedumpften, angeschimmelten Taler aus Dagobert Ducks Tresor werden flügge, sie erinnern sich ihrer Schwingen des Geistes, in Sekundenschnelle schenken sie sich der Menschheit wieder, streifen sie die Ketten des unsäglichen Verlags"rechts" ab, wie schön! Der arme Student im dritten Negerkral bei Timbuktu kann sie lesen, wenn er den alten Generator dreht und den Laptop seines Onkels diese Nacht ausleihen darf, der Wissenschaftler in Alma-Ata und die Klosterfrau in Hinterdingharting - o herrliche Demokatie und Freiheit des Geistes!

Wir werden dich in Zukunft h a s s e n, o Buch, Du fürchterliches Werkzeug des B e s i t z e s, des G e i z e s, der R a f f g i e r, Du scheußlichstes Gezücht des Kapitalismus, Du widerliche Sumpfblüte des römischen Besitz"rechts" - von den Anfängen her (o armer Gutenberg in Mainz und Straßburg) warst du v e r g i f t e t durch Geldnöte und Besitzquerelen.

Nun endlich bist du frei! Schande und Schmach über dich, du Buch vor Google, Dienstmagd und Lakai des Geldes. Wir wollen dich schnell vergessen. Auf zur Reise zum f r e i e n Text im Internet. Buch und Verlag - - auf den Schrotthaufen der Geschichte.

Ich freue mich.

11. Henriette van Briesen 14.12.2008 22:38h

@ 10: Herr Mulzer schreibt über Bücher wie ein verschmähter Liebhaber über Frauen. Was muß ein Mensch, der sich selbst Antiquar nennt, von Büchern enttäuscht worden sein, daß er in in derart polemischen und ideologisch völlig unsinnigen Sätzen über ein Medium herzieht, dem er sich seinen eigenen Äußerungen nach jahrzehntelang hingebungsvoll gewidmet haben will.

Es ist für eine gestandene Alt-Antiquarin wie mich ein Zeichen von Armseligkeit, daß dieser Mensch einerseits das Buch als Ausbund eines gierigen Kapitalismus hinstellt und gleichzeitig dafür eintritt, um des schnöden Profitwillens alte Gartenlauben und Stielers zu schlachten.

Für mich ein Mensch voller Widersprüche und nicht im geringsten ernst zu nehmen. Soll er sich mangels anderer Möglichkeiten in diesem Forum auslassen, seinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat er aus meiner Sicht ohnehin längst verwirkt. Und gefällt sich wohl in der Rolle des Hanswurst.

12. Peter Mulzer 14.12.2008 22:47h

Werte Frau Briesen,

Argumente waren auch früher schon nicht unbedingt Ihre Stärke. Ach Gott, wo fangen wir an?

Alte Gartenlauben und Stieler gibt es am Markt zuhauf. Sie zu schlachten ist verdienstvoll, weil dann der Endnutzer d a s Bild bekommt, das er will. Wegen der immens hohen Auflagen dieser Werke wird dabei kein Kulturgut zerstört, von dem Aufhebens zu machen wäre. dazu stehe ich, weil ich die alten Auflagenzahlen kenne.

Anders handelt der, der unersetzliches abendländisches Kulturgut auseinanderreißt.

Und wenn Sie meine Betrachtungen zum

*Warencharakter des Buchs,

zu seiner ganz exemplarischen und fürchterlichen Eingebundenheit in das Haben-, Verschachern-, Besitzenwollen, An- und Verkaufen unserer pervertierten Finanzgesellschaft nicht sehen w o l l e n, dann ist das Ihre Betriebsblindheit und Ihr Wunschdenken.

Gerade weil ich Bücher liebe, betrübt mich deren schlechte Gesellschaft neben widerlichen Geldsäcken, in die sie hineingezwungen worden sind von Anfang an.

13. Loewenberg2008 15.12.2008 00:53h www.bibliotheksmuseum.de

Lieber Kollege Heuberger, mit meinen Zeilen wollte ich nur dem Verfasser des Jahresüberblicks angesichts seiner oberflächlichen Meldeliste einen Ergänzungsvorschlag unterbreiten.
Sie präsentieren sich als optimistischer Bewahrer der Kultur- und Antiquarskultur - leider, wie auch alle anderen, mit den Argumenten der Vergangenheit bzw. Zitaten des 20. Jahrhunderts. Liebe Kollegen, wir sind im 21. Jahrhundert ! Zur Verdeutlichung meiner obigen Zeilen hier noch ein paar Anmerkungen: 1. Es gibt bereits mehrere Top-10 Bücher-Hits in Deutschland, die ausschliesslich als Print-on-Demand erschienen sind; 2. Viele wissenschaftliche Zeitschriften erscheinen bereits ausschliesslich in elektronischer Form; 3. Die E-Books sind inzwischen auch bei Bahn- und Bus-Reisenden zu sehen; 4. Angesichts knapper öffentlicher Kassen wandeln sich Archive, Sammlungen, Museen und Bibliotheken in kostengünstige, weitgehend ohne Personal arbeitende Institutionen, zu elektronischen Informationsdatenbanken.
Die Frage für uns Antiquare ist doch: Wie schnell schreitet dieser Prozess fort ? Welche Rezpte / Chancen haben wir dagegen zuhalten? Wie sieht unsere Rolle in der elektronischen Gesellschaft aus?

14. Christoph Schäfer 15.12.2008 01:10h www.heineantiquariat.de

> Wie sieht unsere Rolle in der
> elektronischen Gesellschaft aus?

Auch auf die Gefahr mich lächerlich zu machen:

wir (und die Sammler) sind die Lord-Siegelbewahrer der ORIGINALE !

... und werden es immer bleiben ...

CS

15. RF Meyer 15.12.2008 08:27h http://www.meyerbuch.com/

Herrn Herkners Ansatz oben in Nr. 13 ist durchaus bedenkenswert.

Angesichts unseres unvorbereiteten Hineinstolperns in das Netz vor einigen Jahren sollten wir uns diesmal vielleicht etwas mehr Gedanken über unsere Zukunft machen.

Damals überließen wir uns dem erst fast unmerklichen, dann durch Umsätze beglückenden ‚Schicksal’, das uns von fremder Hand bereitet wurde; dann spürten wir, als die Provisionen anzogen und die Plattformen taten, was sie wollten, daß wir uns an einer empfindlichen Stelle ausgeliefert hatten.
Drucker für die Kataloge konnten wir wechseln, die Post hat sie ohne Murren zugestellt – doch die Datenbanken hatten nicht nur Einfluß auf unsere Umsätze, sondern gleichfalls auf unsere Ankäufe, Preise, den Stil der Beschreibungen, den Zulauf in unser Gewerbe.

So einfach, wie es sich in Nr. 14 liest, wird es sicherlich nicht, der „Lord Keeper of the Privy Seal“ ist ein Regierungsamt, wir sind weit davon entfernt, irgendwo, außer im bescheidensten Rahmen mitbestimmen zu können. So wie uns durch die Plattformen ein Teil Selbstbestimmung entzogen worden ist, so könnte es uns durchaus widerfahren, daß uns die technische wie gesellschaftliche Entwicklung einen Teil unseres Metiers selbst entzieht.

16. Peter Mulzer 15.12.2008 11:55h

Der Buchantiquar ist kein hilfloses Grashalm im Winde, das sich zu beugen hat und die Dinge nehmen muß, wie sie kommen. Er ist in der Lage, die Verhältnisse zu untersuchen und, so gut es eben geht, danach seine Maßnahmen zu gestalten.

Umreißen wir das mal knapp:

1.
Ein mehr oder weniger wichtiger Teil unserer Arbeit dient dem S a m m l e r. Vom Briefmarken- und Antiquitätensammler her kennen wir die Regeln des Sammlermarktes ja gut. Ebay ist über weite Strecken das moderne Anschauungsobjekt, um sich zu überlegen, wie man das

*Sammeln alter Bücher vom Sammlermarkt her fördern

kann - und wie nicht. Was uns fehlt, sind Sammlerinteressen für unsere derzeit ungeliebten Nischen, etwa alte Schulbücher oder alte Trivialromane, auch die mittleren Naturwissenschaften, aus den 20ern un den frühen 50ern, sollten endlich zu Sammelgebieten werden.

Dieser Sammlermarkt b l e i b t uns. Das kann man bei abnehmenden Tendenzen immer wieder ankurbeln (wir haben dazu ja unsere Berufsvertretung, nicht wahr, die das alles längst angedacht hat und gemeinsame Aktionen plant).

2.
Die beängstigenden Enwicklungen betreffen kaum den Sammlermarkt, sondern das G e b r a u c h s b u c h. Hier sollten wir uns damit abfinden, daß von Nischen besonderer und hochpreisiger Titel abgesehen, Koll. Heuberger zählte sie freudestrahlend vorgestern auf, ein radikaler Einbruch bis hinunter auf die (jetzigen bzw,. kommenden)

*Ersatzkosten für die Selbstherstellung des Buchs aus dem Netz (durch den Kunden)

herabsinken wird, d.h. unser Gebrauchtbuch darf nicht teurer sein als die Fotokopiekosten, mithin je Doppelseite 2-4 Pfennige (1-2 cents). Daraus resultiert, daß wir im Antiquariat

DAS GEBRAUCHSBUCH, von teuren und seltenen Nischen abgesehen, VERLIEREN WERDEN.

Einfach weil es sich nicht mehr lohnt, eine derart billige Ware zu handeln.

Der Ablauf ist natürlich komplizierter und es gibt viele Sonderfälle und Bedingungen, etwa eine der amerikanischen ähnliche deutsche Verlegervereinbarung mit Google, wobei das Eingreifen des Europarats wahrscheinlich ist, falls es zu solch einer Vereinbarung nicht kommen sollte - in Paris digitalisieren sie gnadenlos - , es gibt den Sonderfall der noch lieferbaren Titel, man wird abwarten müssen, ob der Vorteil der "Sofortherstellung" den Nachteil des bestenfalls klebegebundenen A4-Laserdruckbuchs aufwiegt (er tut es), und dergleichen mehr.

Unter dem Strich aber gilt es, alle Sammlermärkte zu fördern und das Gebrauchsbuch, von bestimmten Nischen und Preisgruppen abgesehen, zu verlassen.

So gesehen ist alles ganz einfach.

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