Medien

Sebastian Ritscher, Literaturagentur MohrbooksSebastian Ritscher, Literaturagentur Mohrbooks© Stéphanie Lavallée

Thomas Carl Schwoerer, Campus VerlagThomas Carl Schwoerer, Campus Verlag© Angeliak Zinzow

Peter S. Fritz, Literaturagentur Paul & Peter FritzPeter S. Fritz, Literaturagentur Paul & Peter Fritz© Niklaus Stauss

Elisabeth Ruge, Berlin VerlagElisabeth Ruge, Berlin Verlag© Berlin Verlag

29.01.2009Round Table zu E-Books

"Preise nah am Hardcover"

E-Books sollten nicht unter Wert verkauft werden. In Zürich diskutierten die Verleger Elisabeth Ruge und Thomas Carl Schwoerer mit den Agenten Peter S. Fritz und Sebastian Ritscher über Kopierschutz, Marktchancen, Preisgestaltung, Preisbindung und Autorenhonorare.

Gibt es in der Frage Kopierschutz für E-Books zwischen literarischen Agenten und Verlagen einen Konsens?

Peter S. Fritz: Wir haben in Zürich im Arbeitskreis Kopierschutz darüber gesprochen, wobei hier bereits verschiedene Ansichten zutage traten. Als Vertreter der Autoren sind wir für einen wirkungsvollen Kopierschutz, das Wasserzeichen überzeugt uns nicht wirklich. Andererseits sehen auch wir die berechtigten Einwände, welche die höhere Kundenfreundlichkeit des Wasserzeichens zu bedenken geben.

Thomas Carl Schwoerer: Die Verschlüsselung als Form des Kopierschutzes hat zunehmend ausgedient, weil sie kundenunfreundlich ist für alle, die über kein ausgeprägtes technisches Verständnis verfügen. Die Beschwerden unserer Kunden sprechen hier eine klare Sprache. Wir müssen kundenfreundliche Lösungen anbieten, wenn dieser Markt wachsen soll und wir nicht die Fehler der Musikindustrie wiederholen wollen. Im Übrigen sind Verlagsdateien von E-Books kaum auf Tauschbörsen anzutreffen. Dort finden sich hingegen viele illegal eingescannte Bücher, und gegen diesen Missbrauch muss auf der Grundlage des Urheberrechtsgesetzes vorgegangen werden.

Sebastian Ritscher: Im Zweifelsfall muss das Interesse des Urhebers an einer kontrollierbaren Verbreitung seines geistigen Eigentums höher zu bewerten sein als die Anwenderfreundlichkeit. Es zeichnet sich ab, dass weniger Formate für eBooks im Einsatz sein werden als im Musikbereich. Damit lassen sich auch Kopierschutzsysteme wesentlich einfacher standardisieren und zuverlässiger betreiben. Wir halten die erkennbare Hürde, welche aktive Schutzsysteme bei jedem eventuellen Kopiervorgang bieten, für psychologisch wirkungsvoller als das Wasserzeichen, dass als Hinweis nicht einmal so abschreckend wirkt wie die Hinweise auf einer Zigarettenschachtel. An erster Stelle aber sollte eine Publikumskampagne stehen, welche für die Notwendigkeit solcher Schutzsysteme um Verständnis wirbt. Dass es sinnvoll ist, das Unrechtsbewusstsein anzusprechen, zeigen die Erfahrungen der Verlage mit sehr maßvollen Abmahnungen, wie sie der AK Kopierschutz empfielt: Es gibt praktisch keine Wiederholungstäter.

Elisabeth Ruge: Übertriebene Kopierschutzmaßnahmen schrecken den Leser doch eher ab, als dass sie helfen. Sie sind oft unnötig kompliziert und bremsen die Entwicklungen auf dem Markt. Wir müssen den Lesern attraktive Angebote machen, wie es sie bei den Audio-Inhalten mittlerweile gibt. Damit wird auch die Bereitschaft vorhanden sein, für E-Books zu zahlen.

Wieviel? Was dürfen und was müssen E-Books kosten?

Fritz: Bisher haben wir für Print-Bücher die Preisgestaltung den Verlagen überlassen und möchten dies auch bei E-Büchern tun. Gleichzeitig haben wir aber Bedenken, weil Verlage nach unserer Erfahrung oft kurzfristige Umsatzfeuerwerke mit Billig-Aktionen zu erreichen suchen – dies besonders im Taschenbuch-Bereich auf Kosten der eh schon unterkalkulierten Bücher. Die Frage lautet also: Was kann unternommen werden, damit die E-Bücher, welche ja geistiges Eigentum unserer Autoren transportieren, nicht zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen werden, nur damit Lesegeräte verkauft werden können?

Schwoerer: Das wichtigste Instrument dafür ist die Preisbindung für E-Books, mit der die Verlage einen hinreichend hohen Ladenpreis gegenüber den Anbietern von Lesegeräten durchsetzen können. Die Verlage sind gut beraten, möglichst hohe Ladenpreise für E-Books zu erzielen, im eigenen und im Interesse ihrer Autoren. Noch dazu könnten die Preise ihrer Print-Bücher durch Billigpreise für elektronische Inhalte unter Druck geraten, und nicht zuletzt wird bei E-Books fast die dreifache Mehrwertsteuer wie für Print-Bücher abgezogen.

Ritscher: Wer öffentliche Netzwerke als Vertriebsweg für kostbare kleine Datenmengen wie E-Books nutzen möchte, wird es sehr schwer haben. Denn dort tummeln sich schon längst Klingeltöne, Kurzfilme und die neusten Tophits zu 90 Cents das Stück – nebst riesigen illegal kopierten Datenmengen. Die Preise für E-Books müssen diesem Druck aber standhalten und nahe am Kernprodukt unserer Branche bleiben, dem gedruckten Buch. Wenn das misslingt, rentiert sich das Projekt E-Book bestenfalls fürs Silicon Valley und die Hersteller von Kupferleitungen.

Ruge: Die Preise für E-Books sollten den Wert widerspiegeln, den sie für den Leser haben. Ein Vorteil der E-Books ist beispielsweise, dass sich mit ihnen leicht Zusatzangebote verbinden lassen, und dies sollte sich dann auch auf die Preisgestaltung auswirken. Die Leser werden den Mehrwert erkennen und entsprechend dafür bezahlen. Wir müssen diese Produktvorteile allerdings auch offensiv kommunizieren, damit sie erkannt und verstanden werden.

Wie sieht denn konkret die Vorteilsliste für E-Books aus?

Fritz: Ein E-Book kann im Vergleich zur Printversion durchaus Zusatzfunktionen haben. Ich denke da zum Beispiel an Volltextsuche. Aber es gibt auch deutliche Nachteile: Etwa wird der Kunde kaum erwarten, dass er zwei oder drei Lesegeräte später das Buch noch „besitzt“ und das Verschenken der E-Books wird auch nicht reizvoll sein.

Schwoerer: Ein großer Vorteil ist die ständige Verfügbarkeit von Inhalten, egal, wo sich der Kunde gerade befindet, ein anderer – zum Beispiel beim PDF – die Möglichkeit, im Dokument zu arbeiten, Markierungen und Notizen vorzunehmen. Wir stellen solche Vorteile sowohl den Endkunden in unserem Webshop als auch den Firmenkunden dar.

Ritscher: Im Vergleich zu Online-Recherchen in dynamischen Datensystemen halte ich die Durchsuchbarkeit von statischen Daten auf isolierten Offline-Speichergeräten wie dem E-Book-Reader nicht für einen besonderen Mehrwert. Den Hauptnutzen des E-Books für den Anwender sehe ich deshalb in der einfacheren Verfügbarkeit und der höheren Mobilität. Der Charme der Lesegeräte hält sich bisher auch in engen Grenzen.

Ruge: Für uns Verlage ergibt sich noch ein weiterer Vorteil daraus, dass sich die Bücher recht einfach aktualisieren lassen und dass sie nicht remittierbar sind. Und: E-Books sind umweltfreundlich.

Und was dürfen sie nun konkret kosten?

Fritz: Unter dem regulären Taschenbuch-Preis sollten E-Books keinesfalls verkauft werden. Was wäre ein für die Verlage tolerierbarer Preisabstand des E-Books zum Hardcover?

Schwoerer: Zehn bis 15 Prozent vom Ladenpreis.

Ruge: Wenn wir akzeptieren, dass E-Books nicht unter dem regulären Taschenbuchpreis angeboten werden, dann bewegen wir uns in einer bestimmten Preisspanne. Dabei sollten wir natürlich versuchen, so nah wie möglich am Preis des Hardcovers zu bleiben – wir müssen unseren Kunden vermitteln, dass es auch bei einem E-Book primär die geistige Urheberschaft ist, die bezahlt wird.

Ist die Preisbindung bei E-Books zu halten?

Ruge: Ja, wir sollten alles dafür tun – die Preisbindung ist mehr als wünschenswert.

Schwoerer: Es muss in unserem Interesse sein, sie zu halten, um die ohnehin in den letzten Jahren stagnierenden oder sinkenden Preise gedruckter Bücher nicht noch weiter unter Druck zu bringen. Entsprechend ist das Votum des Branchenparlaments kürzlich ausgefallen, mit nur einer Gegenstimme.

Werden kleinere und größere Verlage gleichermaßen ins E-Book-Geschäft einsteigen?

Fritz: Die Erkenntnis, dass mit E-Books in absehbarer Zeit nichts verdient werden kann, auf die Verlage aber doch hohe Investitionen zukommen und ein hohes Titelvolumen das Geschäft erst tragbar macht, dürfte wohl die Verlagswelt zweiteilen. Große Verlagsgruppen können die Kosten auf ein großes Angebot von Content, also Titeln, umlegen.

Schwoerer: Unsere Antwort als mittlerer: Wir müssen auf der ganzen Klaviatur der Vertriebskanäle spielen. Wir arbeiten deshalb mit libreka! zusammen, starten das Geschäft mit den Lesegeräten gemeinsam mit dem Buchhandel, verkaufen E-Books von Fachbüchern in Zusammenarbeit etwa mit Ciando und bedienen Firmenkunden mit unserer Digitalen Bibliothek.


Ruge: Größe ist nicht alles. Mit Kreativität und der Fähigkeit, schnell und flexibel auf Entwicklungen zu reagieren, lässt sich in den kleineren und mittleren Verlagen schon einiges aufwiegen. Die Frage ist eher, was die großen Häuser tun sollten.

Die Gretchenfrage für Autoren und ihre Agenten lautet: Welchen Anteil am Profit spülen E-Books den Kreativen ins Portemonnaie?

Fritz: Von den Verlagen wird den Autoren ein Standard von 20 Prozent vom Nettoerlös (welcher mindestens 50 Prozent vom empfohlenen Endkundenpreis betragen soll) angeboten. Aufgrund der vorgelegten Kalkulationen ist das für die Agenten denkbar, wobei mit den gesammelten Erfahrungen später die Berechnungen wieder überprüft werden müssen. Ich denke an die weitere Zukunft: Sollte es mal Autoren mit fünfstelligen Verkäufen im E-Book-Bereich geben, dann wären die Stückkosten geringer und für einen solchen Autor 25 Prozent vom Nettoerlös angemessen. In absehbarer Zeit werden den Autoren bestenfalls dreistellige Summen an Honoraren gutgeschrieben. In Euro und Cent betrachtet, ist gegenwärtig der Honorarsatz zweitrangig. Wichtig für Verlage wie auch Autoren ist, dass die Verlage zunächst versuchen, dieses Geschäftsfeld zu besetzen.

Schwoerer: Ich befürworte sehr, dass man E-Books mit 20 Prozent vom Nettoerlös kalkuliert, weil dies Autoren einen etwas höheren Honoraranteil als im Printgeschäft garantiert, sie sogar deutlich besser stellt als im Mix zwischen Hardcover und Taschenbuch und eine einfache Lösung bietet, die ohne hohen Verhandlungsaufwand auskommt. Es versteht sich, dass für Hörbuch-Downloads ein erheblich geringerer Prozentsatz zu vereinbaren ist, der nahe bei den Honoraren für körperliche Hörbücher liegt. Klar ist auch, dass obige Honorare mit dem Vorschuss fürs Print-Buch verrechnet werden, sofern sie gleichzeitig vereinbart und nicht erst nachträglich eingeholt werden. Und klar ist schließlich ebenfalls, dass die vertraglichen Laufzeiten der körperlichen Ausgaben (Buch und Hörbuch) von den Laufzeiten der unkörperlichen Ausgaben (E-Book und Hörbuch-Download) abgekoppelt werden: Wenn also die Rechte an den körperlichen Ausgaben vor Ablauf der regulären Laufzeit zurückfallen, dann können die unkörperlichen Ausgaben dennoch bis zum Ende der Laufzeit weitervertrieben werden.

Ritscher: Nicht alle unsere Klienten werden auf das in den USA verbreitete Honorar von 25 Prozent verzichten, das ja unlängst noch bei 50 Prozent lag. Wir führen täglich Einzelgespräche mit unseren Klienten. Darin geht es nicht nur ums Honorar, sondern auch um Fragen wie die Auswirkung der ausschließlich elektronischen Lieferbarkeit auf die Lizenzdauer, die Kontrolle der Rechtegeber durch direkten Zugriff auf Vertriebsvereinbarungen, die Stückelung von Büchern in Einzelteile, Bundling mit anderen elektronischen Inhalten und so weiter. Angesichts der Vielzahl der Beteiligten und deren unterschiedlichen Meinungen steht ein Branchenstandard im Verhältnis zu amerikanischen Rechtegebern noch nicht unmittelbar bevor.

Ruge: Ich begrüße ebenfalls die Variante, bei der sich das Autorenhonorar nach dem Nettoerlös errechnet. Das gibt uns allen, sowohl den Autoren als auch den Verlagen, mehr Flexibilität und macht die Transaktionen transparenter und verständlicher.

Fritz: Anfangsinvestitionen sind in allen Branchen und Unternehmungen überproportional teuer. In die von Verlegerseite präsentierten Zahlen sind hier zum Teil ebenfalls solche Kosten eingeflossen. Es gibt aber auch Firmen in Deutschland, zum Beispiel Readbox, welche den Autoren 30 Prozent Honorar vom Erlös anbieten und imstande sind, die gängigen Formate preiswerter zu erstellen. In der Honorarfrage vertraue ich dem Wettbewerb. Unsere Erfahrung zeigt belegbar, dass Verlage mit besseren Honoraren und Vertragsbedingungen tendenziell mit tieferen Vorauszahlungen zum Abschluss kommen. Mein Wunsch heute ist, dass die Verlage Mut fassen, diesen Geschäftszweig proaktiv anzugehen.

Sind die Kostenrechnungen denn schon transparent genug?

Fritz: Wir Agenten zeigen uns da noch zögerlich – aus historischen Gründen. Bis 1914 war in Deutschland ein Autorenhonorar von 15 Prozent vom Ladenpreis Standard. Das wurde dann wegen des kriegsbedingten wirtschaftlichen Notstands auf zehn Prozent abgesenkt. Inzwischen ist der Erste Weltkrieg schon etwas länger zu Ende, aber auf die Rückkehr zu den 15 Prozent warten wir immer noch. Im Gegenteil, die Verlage versuchen seit einigen Jahren vehement, ein Anfangshonorar von 8 Prozent durchzusetzen. Angeführt werden dabei Aufgaben der Verlage, welche schon immer als Selbstverständlichkeit bestanden haben. Es bedarf also der Zusage der Verlage zu Transparenz und späterer Verhandlungsbereitschaft, welche auch von den Autoren und Agenten gefordert wird.

Können die Verlage eine solche Zusage machen?

Schwoerer: Ja, unter Berücksichtigung der Kosten des Verlags für den Ausbau seiner Online-Datenbank und der dazugehörigen Vertriebsstruktur.

Ritscher: Die Verlage und ihre Vertriebspartner müssen mit hoher Transparenz Vertrauen schaffen. Klare Kostenstrukturen und verständliche Abrechnungen sind dafür eine unerlässliche Voraussetzung.

Ruge: Wir haben kein Problem mit der Transparenz, aber zu bedenken ist auch, dass mit der Publikation von E-Books signifikante Vorlaufkosten verbunden sind, die sich schwerlich auf die einzelnen Titel umlegen lassen. Das muss bei den Diskussionen berücksichtigt werden.

Die Teilnehmer des Round Table:

Peter S. Fritz, Literaturagent, Paul & Peter Fritz AG, Zürich
Sebastian Ritscher, Literaturagent, Mohrbooks, Zürich
Elisabeth Ruge, Verlegerin, Berlin Verlag, Berlin
Thomas Carl Schwoerer, Verleger, Campus Verlag, Frankfurt

Der Round Table zu E-Books fand anlässlich eines Treffens des Arbeitskreises Kopierschutz in Zürich statt.

Artikelservice

Anzeige

9 Kommentar/e

1. Sebasthos 29.01.2009 18:58h

Hm...ich musste ja erstmal lachen, als ich das gelesen habe. Da hat jemand einfach nichts, aber auch überhaupt nichts aus vergleichbaren Industrien gelernt. Ich besitze selber einen Ebook-Lesegerät und habe das Teil schon seit mehreren Jahren in Verwendung. Tatsächlich schon seit bevor der Zeit, in der die Hersteller-Firma - Rocket Ebooks - pleite ging. Weil sie a) ihre Ebooks nur mit DRM anbieten wollte und b) dafür Preise nah am Hardcover verlangt hat. Wenn ich mich recht entsinne, so ungefähr 10% drunter. Nein, das ist kein Witz. Man fragt sich, ob einige der am Interview teilnehmenden die letzten Jahre auf einem anderen Planeten verbracht haben, auf der die Musikindustrie keinen Schiffbruch mit DRM-verseuchter Ware gemacht hat. Und auf dem sich die Kunden nicht verarscht gefühlt haben, als man ihnen auf elektronischem Wege zur Verfügung gestellte Musik zu Ladenpreisen (oder 10% drunter) anbieten wollte. Leutz, Ihr lernt es einfach nicht. Wenn die Menschen das Gefühl haben, beschissen zu werden, dann haben sie auch kein schlechtes Gewissen dabei, zurückzubescheissen. Und bei einem EBOOK für, sagen wir 25 Euro, oder auch nur 20 Euro, wird ganz genau das der Fall sein.
"Im Zweifelsfall muss das Interesse des Urhebers an einer kontrollierbaren Verbreitung seines geistigen Eigentums höher zu bewerten sein als die Anwenderfreundlichkeit." Danke, das erklärt alles. Auch, warum dies hier absolut das Potential hat, zu scheitern. Tja, wer nicht lernen kann und will, wird halt einfach eingehen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Ach, und nebenbei: bin inzwischen dank Palm durchaus schon beim dritten Lesegerät. Da ich aber Ebooks nur in nicht-geschütztem Format kaufe - Baen Books läßt grüßen, ebenso wie Projekt Gutenberg - ist meine Sammlung noch vollständig. Ich erwarte ja auch durchaus, dass sich meine Büchersammlung nicht verkleinert, nur weil ich alle paar Jahre umziehe - kann mir nicht vorstellen, dass ich da der einzige bin.

2. saguenay 30.01.2009 09:41h

Ich liebe diese Diskussion über e-books, ehrlich. Das ist meine persönliche Form des Dschungelcamps. Lauter Leute in mehr oder weniger schweren Geldnöten in einer ihnen völlig fremden Umgebung, ohne die leiseste Ahnung, was sie als nächstes tun sollen, und über allem die Gefahr, sich mit einer einzigen Fehlentscheidung selbst aus dem Spiel rauszukegeln.

Ich werde bei derartigen Beiträgen wie dem Zurich Round Table (nicht zu verwechseln mit dem Algonquin Round Table) das Gefühl nicht los, daß hier jemand ein Rückzugsgefecht plant, bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat. Natürlich kann man jetzt einwenden, daß man aufgrund der aktuell noch recht nebulösen Situation in diesem Bereich ja ganz besonders dazu verpflichtet ist, sich den Kopf zu zerbrechen, was mich an dem Ganzen nur ein bissl stört, sind so fehlende Kleinigkeiten wie die Perspektive des Marktes oder gar des Kunden.

Bei Formulierungen wie "wir müssen unseren Kunden vermitteln" tauchen in meinen neuronalen Netzen Bilder von Verlautbarungen der Zentralgewerkschaft der Kopisten des Heiligen Römischen Reiches Dt. Nation auf, die sich dafür aussprechen, dem Kunden zu vermitteln, dass ein seelenloses massenproduziertes Produkt wie ein gedrucktes Buch nie die Qualität eines von Hand kopierten Schriftsatzes erreichen wird, geschweige denn einer schönen, reich ausgestatteten Handschrift (womit sie zweifellos Recht gehabt hätten).

Grässlich, diese technischen Innovationen, ich kann nur sagen, hätt´ der Gensfleisch was Anständiges gelernt, dann wär uns jetzt diese komplizierte e-book Geschichte erspart geblieben. Ganz privat (wir sind ja hier unter uns, d.h. das alles liest ja eh keiner) bin ich allerdings froh, dass Dinge wie "mehrspurige, nicht-schienengebundene Kraftfahrzeuge" (die sog. Selbstbeweglichen) schon vor geraumer Zeit erfunden und in den Alltag integriert wurden, denn ich bin mir nicht so sicher, ob sie unter den heutigen Voraussetzungen allzu viele Chancen hätten, den vereinten Widerstand von Droschkenkutschergewerkschaften und Pferdezüchterverbänden zu überwinden, und auf einem Pferd ins Büro zu reiten, wär bei dem Wetter wirklich kein Spaß.....

3. Jürgen Jung 30.01.2009 20:30h www.jung-crossmedia.de

Das Buch kann mit dem E-Book eine starke Partnerschaft zum nachhaltigen Nutzen der Leser und der Verlage eingehen.

Bei sich den Hardcover-Preisen annähernden E-Book-Preisen wird der Leser vor die Wahl gestellt: entweder Buch oder E-Book. Er muss fast den doppelten Preis zahlen, wenn er von Unterwegs auf seinem E-Book-Reader oder auch I-Phone einfach nur weiterlesen möchte.

Zu Hause im Buch lesen, das Buch in den Händen halten und dennoch auch in Zeiten ständig zunehmender Mobilität nicht auf Lesen verzichten zu müssen: Bruder Buch und Schwester E-Book können es schon heute ermöglichen.
Der Leser wünscht sich vielleicht ein Buch-/E-Book-Bundle. Idealerweise noch eine online verfügbare persönliche Bibliothek, in der er blättern und qualifiziert suchen kann. Dafür gibt es schon heute funktionierende Lösungen. – Wer wagt denn einmal aussagefähige Umfrage im Leserumfeld, fragt seine Kunden und stellt Ihnen die Alternativen und Möglichkeiten vor?

Niemand braucht sich davor zu fürchten, dass der Leser dann auch „Ja, ich will!“ sagt.
Seit vielen Jahren ist die Notwendigkeit effizienter Produktionsworkflows auf medienneutraler Datenbasis bekannt und mancherorts immer wieder thematisiert worden. Aufgrund der Aktualität des E-Books sehen sich jetzt auch Verlage damit in Berührung geraten, die sich dies bislang eher nicht vorstellen konnten.

In den Herstellungsprozessen steckt glücklicherweise oft noch so viel Optimierungspotenzial, dass nicht nur die Erstellung von E-Books keine Mehrkosten verursacht, sondern durch die Einführung eines XML-first-Workflows gleichzeitig auch die Kosten für die Satzherstellung sinken.

In den meisten Fällen funktioniert dies ohne wesentliche Anlauf- und Initialisierungskosten, da es schon heute Lösungen gibt, die passen.
Gleiches gilt für das Media-Asset-Management.

Auf dieser Basis kann das E-Book im Bundle mit dem Buch zu einem geringen Mehrpreis angeboten werden.

Wenn der Leser das E-Book solo erwerben möchte, sollte er den vollen Hardcover-Preis zahlen.

4. krämer 30.01.2009 21:04h

Das scheint mir richtig gesehen, die Bindung des E-Book an das Papierbuch ist wichtiger, als die Buchpreisbindung oder annähernd dran (das würde nicht funktionieren). Aber den Kombi machen, und dabei darauf achten, daß der Papierteil seine Vorzüge behält.

5. krämer 30.01.2009 21:22h

Woran ich denke, bei dem Papierteil, bei den wissenschaftlichen Sachen, oder was sonst stärker bearbeitet wird:
1. Ein stabiler, flexibler Rücken, und nicht gleich lose Seiten.
2. Größere Schrift, größerer Zeilenabstand, und breiter, SEHR breiter Rand, links und rechts.
Schluß mit Endnoten, Fußnoten gehören auf jede Seite unten. (sorry, ist so, auch wenn es die halbe Seite ausmacht.)
4. Bessere Personen- und Stichwortverzeichnisse (ist unglaublich, was da gestümpert wird.)

Der einziger Vorteil des E-Books bleibt dann noch die Suchfunktion, das Durchsuchen des Textes. Dagegen gibt es natürlich kein Mittel, aber das alleine wird nur selten dazu führen, das E-Book ohne den Papierteil zu wollen.

6. krämer 30.01.2009 21:50h

Und zu jeder Note IM Text Autor und Jahr in Klammern, ist denn das zuviel verlangt, statt eine kleine Hochzahl (sogar noch kapitelbezogen, ohne daß bei den Endnoten rücks die Seitenbegrenzungen stehen), die ich dann am Ende des Buches suche, dort steht dann oft nur ein blödes Kürzel, weiter kucken, wo ist die Information, und dann schließlich der Verweis auf das Literaturverzeichnis, sonst nichts, und da dann wenigstens hoffentlich eine korrekte bibliographische Angabe (leider nicht immer.) Wieviel Zeit hat mich das nun gekostest, die Note nachzuschlagen: 5, FÜNF Minuten habe ich am Ende des Buches rumgewurstelt, statt daß ordentlich auf jeder Seite, wo ich lese, die relevanten Informationen drauf sind.
Da gibt es wirklich viel zu verbessern, um gegen das E-Book konkurrenzfähig zu bleiben, bzw. mit den Papierauflagen die nötigen Einnahmen zu holen, das E-book gibt es dann umsonst, und so wird es ja ohnehin in der Realiät kommen.

7. krämer 30.01.2009 22:07h

Nichts gegen die bisherige Abwägung, Fußnoten, oder Endnoten, bei vielen Titeln mag es für ein Publikum passend gewesen sein, das ohnehin keine Noten möchte, das wegzuschieben. Aber in Zukunft, wenn es eine Profililierung braucht des Papierbuches, dann muß auf eine Seite alles drauf, was unmittelbar einen Leser, der sich studierend dem Text zuwendet, interessieren muß.
Und, was zu solchen Vorzügen der Papiervariante gehören wird: Schluß mit Miniformat. Din A 4 (oder zwischen Din A5 und A4). Alles kleinere ist wirklich nervig. Gerade das Großformatige, dagegen können ja kindle- und Co wenig ausrichten, mit dem Ansichtskartenformat, wer hält es länger als ne 1/4-Stunde vorm kindle aus.

8. Martin Jenny 01.02.2009 16:44h

Ich denke, hier wird übersehen, dass die Möglichkeiten des Mediums immer auf den Inhalt durchschlagen.
Bei den Fachbüchern ist das offensichtlich - Volltextsuche, sofortige Aktualisierung, integration von Quellen in den Text, kapitelweiser Kauf... Das alles bietet Mehrwert, für den Kunden, den dieser auch bezahlen wird. Dazu kommt, dass das Verhältnis von Kunde und Lieferant enger wird. Allein das schiebt das kann Raubkopien einen Riegel vorschieben und DRM erübrigen.
Bei Belletristik wird es schon schwieriger und die Vorstellung, dass ein eBook bei einer der vorgeschlagenen Preisstellungen am Markt eine Chance hat wirkt abwegig. Sie ist argumentativ schlicht nicht zu rechtfertigen nachdem die Kosten für Vertrieb fast vollständig (tut mir leid, liebe Sortimenter) und Herstellung weitgehend wegfallen.
Bei allen technischen Mängeln des Kindle ist das Vertriebsmodell von Amazon genial. Da die Bücher nur über den von Amazon kontrollierten Kanal der drahtlosen Übertragung ins Gerät gelangen und dazu noch jederzeit zentral gesperrt werde können ist Piraterie unmöglich, der Kunde ist an Gerät und Lieferanten gebunden und er freut sich sogar, dass die Titel ohne jede Mühe und an jedem beliebigen Ort überspielt werden können. Auf der anderen Seite presst Amazon die Verlage aus wie eine Zitrone. Was bleibt dem Autoren noch, nachdem sich Amazon 65% vom Verkaufspreis genommen und der Verlag seine Kosten geltend gemacht hat? Und wir stehen erst am Anfang.
Auf der anderen Seite steht die grosse Anhängerschaft der Selfpublisher mit ihrem Propheten Cory Doctorow, die ihre Inhalte liebend gerne verschenken, wenn Sie damit nur Aufmerksamkeit erreichen um vielleicht in ferner Zukunft einmal Geld zu verdienen. Scott Sigler hat vorgemacht, dass das funktionieren kann.
Falls die eBooks bei einem einstelligen Marktanteil bleiben, ist ja alles gut. Aber seien wir mal ehrlich: es wird nicht dabei bleiben. Im besten Fall bildet sich ein Parallelmarkt, der zwar etwas Leser abzieht, die gedruckten Bücher jedoch nicht tangiert.
Wahrscheinlich ist aber, dass es zu Substitutionen kommt und die Kundschaft die Nachteile der eBooks in Kauf nimmt, weil sich Vorteile zeigen, die wir heute noch nicht erahnen können. Ein schönes Beispiel sind Kunden, die lieber Taschenbücher kaufen, weil sie sie im Bett besser lesen können, da sie nicht so schwer sind, ein Argument, dass ich von mehr als einem Kunden gehört habe.
Was ist zu tun? Innovation ist von Nöten. Die Frage ist: Was nützt dem Kunden? Was wäre der bereit zu zahlen? Wie kann ich mich qualitativ (Typographie und Gestaltung dürften bei der nächsten Generation Reader wieder eine Rolle spielen) von den Selbstverlegern abheben? etc.etc...
Wenn sich die eBooks durchsetzen sind wir auf einem ganz neuen Spielfeld; Kalkulationsmuster aus dem momentanen Buchhandel oder gar aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg werden diesen Wandel nicht überstehen.

9. Ein Leser 04.03.2009 23:43h

Zitat: "Dabei sollten wir natürlich versuchen, so nah wie möglich am Preis des Hardcovers zu bleiben – wir müssen unseren Kunden vermitteln, dass es auch bei einem E-Book primär die geistige Urheberschaft ist, die bezahlt wird."

Ist das denn so? Mein Eindruck war bisher, daß der Author nur einen sehr geringen Anteil des Endverkaufspreises bekommt. Deutlich unter 10%, vermutlich eher 1-2%. Wo kann man eine seriöse Aufschlüsselung bekommen, wie sich der Erlös für ein gedrucktes Buch aufteilt?

Ich habe *gar* kein Problem, den Author zu entlohnen. Aber Kosten, die bei eBooks prinzipiell nicht anfallen (Material, Druck, Transport, Risiko daß es Altpapier wird) werde ich *nicht* zahlen. Ein eBook muß also deutlich billiger sein. Oder ich fühle mich betrogen. Und werde dann natürlich nicht kaufen.

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.