Meinung

Warum Twitter bei Verlagen und Buchhandlungen nicht funktionieren wird

Zu unserem gestrigen Interview mit Twitter-Experte Benedikt Köhler erreichte uns ein Beitrag von Wolfgang Tischer von literaturcafe.de.

Wolfgang Tischer

Wolfgang Tischer © privat

Eine neue Sau wird von den PR- und Marketingberatern durchs digitale Dorf getrieben: Twitter! War vor zwei Jahren Second Life noch das Nonplusultra, um neue Kunden zu gewinnen und nicht vollkommen von der modernen Welt, ja der Zukunft schlechthin abgeschnitten zu sein, so ist es nun Twitter. Und davor war es das Bloggen, das speziell für Verlage und Buchhändler ein tolles, neues und unmittelbares Instrument darstellen würde, um zu hören, was der Kunde wirklich will. Und jetzt also ist Twitter der neue Hype. Twitter, so erzählt ein PR-Experte dem Börsenblatt, sei ein »neuer Weg der Zielgruppenansprache«, ein »guter Ausgangspunkt für Word-of-Mouth-Kampagnen« und schlechthin der hippe Kanal, um einen »echten Dialog« mit dem Kunden zu führen. Viele Buchhändler und Antiquare waren offenbar jahrelang in dem Irrglauben, dass sie dies im eigenen Laden tun würden. Twitter, sei ein sogenannter Micro-Blogging-Dienst, definieren es die Experten. Und Micro bedeutet hier: noch schneller und noch besser als Bloggen. Denn eine Twitter-Nachricht, die Sie in die Welt hinausschicken, ist maximal 140 Zeichen lang. Twittern ist einfach und simpel. In wenigen Sekunden haben Sie sich unter twitter.com ein Profil angelegt und es kann losgehen. Sie tippen Ihre Nachricht in ein Textfeld ein, und mit jedem Buchstaben zählt ein Zähler daneben die 140 Zeichen runter. Spätestens bei 0 ist Schluss. Mit Druck auf die Enter-Taste schicken Sie Ihre Nachricht in die Welt hinaus. Wenn Sie sich nun fragen, wer das lesen soll, so sind wir bei einer anderen wichtigen Twitter-Komponente: den Followern. Übersetzen Sie es mit »Leser«, »Fans«, »Jünger« oder »Gläubige« - oder mit »Freunde«. Follower, das sind die, die sich für das interessieren, was Sie schreiben. Menschen, die an Ihren Gedanken und Tätigkeiten teilhaben wollen, die sich bei Ihnen so im Laufe des Tages ansammeln. Denn natürlich können Sie Twitter-Nachrichten - sogenannte Tweets - nicht nur über die Website twitter.com, sondern auch über Firefox-Plugins oder spezielle Programme wie TweetDeck aussenden. Und selbstverständlich auch direkt von unterwegs per iPhone und Handy. Wenn also der Bratwurstverkäufer in der Mittagspause unfreundlich zu Ihnen war, dann twittern Sie das doch gleich, um Ihre Follower darüber zu informieren. Diese werden Ihnen antworten, Sie wohltuend bemitleiden, Ihnen erzählen, dass man in der Mittagspause ohnehin besser einen Döner isst - oder einfach schweigen. Wer Twitter nutzt, ist nie allein. Ich weiß: Seit mindestens zwei Absätzen wollen Sie fragen, wen solche Nichtigkeiten denn interessieren und dass Ihr Leben so unbedeutend sei, dass sich schlichtweg niemand dafür interessieren wird. Täuschen Sie sich nicht! Twitter ist faszinierend. Das erschließt sich jedoch erst dann, wenn Sie es tatsächlich machen. Eine Kommunikation über maximal 140-Zeichen-Sätze zu führen, hat durchaus ihren Reiz. Ironie kann beispielsweise problematisch sein und ungeheuer missverstanden werden. Und wenn Sie einem Follower antworten, machen Sie diesen auch für all Ihre anderen Follower sichtbar. Das führt dazu, dass Sie vielleicht ein paar Follower auch dorthin vermitteln. Es ist interessant zu sehen, wer hier wem antwortet und wer wem nicht. Und wichtig ist der Blick auf den Twitter-Tacho, dem Follower-Zähler. Wie viele folgen mir? Einige begrüßen jeden Follower per Tweet persönlich. Andere haben, wie der britische Autor und Schauspieler Stephen Fry, über 125.000 Follower. Dagegen ist der deutsche Follower-König Sascha Lobo mit knapp 5.000 ein Zwerg. Gut, kommen wir jetzt zu Ihrer zweiten Frage, die Ihnen unter den Nägeln brennt: Wenn Twitter also offenbar wirklich so toll ist, wie es die Marketing und PR-Experten sagen, warum trägt dieser Artikel dann die Überschrift, dass Twitter bei Verlagen und Buchhandlungen nicht funktionieren würde? Zunächst: Ich beziehe mich auf Buchverlage. Außer Acht lassen muss man die vielen Twitter-Feeds der Zeitungsverlage und Online-Medien, beispielsweise den des SPIEGEL Online. Hier werden nur über eine technische Schnittstelle die Überschriften und Links der Online-Artikel in den Feed gekippt. Das mag je nach Interessenslage interessant sein, ist aber kein echtes Twittern, da hier jede Persönlichkeit hinter dem Twitter-Account fehlt. Daher wäre es für einen Buchverlag wenig sinnvoll, über Twitter auf alle seine Neuerscheinungen hinzuweisen oder Pressemeldungen zu verlinken. Eine »Tweet-and-forget«-Lösung wird hier nicht funktionieren. Twittern erfordert Persönlichkeit und Persönliches. Twittern lässt sich nicht verordnen oder anordnen. Schon gar nicht von PR- und Marketingberatern. Twitter wird bei Verlagen genauso wenig funktionieren wie Blogs. Ein Verlag »an sich« kann nicht twittern oder bloggen. Twittern oder bloggen können nur einzelne engagierte Verlagsmitarbeiterinnen oder -mitarbeiter, sofern diese mit Leidenschaft und ohne Zwänge agieren dürfen. Allein das immer wieder gehörte Argument »Das ist ja schön und gut, aber wie soll ich während meiner Arbeitszeit auch noch dafür Zeit finden?« ist ein Signal, dass es an dieser Leidenschaft fehlt. Denn für Leidenschaften findet man immer Zeit. Es gibt natürlich gute Beispiele von twitternden Verlagen, Antiquaren und Autoren, doch dahinter steckt in fast allen Fällen immer nur eine Einzelperson, die im Namen des Verlags oder der Buchhandlung twittert. Umgekehrt funktioniert es also nur, wenn es solche Personen im Verlag oder in der Buchhandlung gibt. Doch die machen sich leider im Unternehmen nicht immer beliebt und melden sich daher nicht immer freiwillig. Was soll man denken, wenn die- oder derjenige während der Marketingsitzung oder Vertreterkonferenz an seinem iPhone herumspielt? »Das twitterst du doch jetzt etwa nicht, oder?« Schnell wird man zum verdächtigen Subjekt in den eigenen Reihen und so schwindet die Motivation. Und per Twitter über die Kunden lästern, wie es im Blog »Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn« geschieht, wird man sicherlich nicht unter dem Namen der Buchhandlung machen können. So ist die neue Offenheit gegenüber dem Kunden nun auch nicht zu verstehen. Immer schon konnte ich mir spannende Verlags-Blogs vorstellen. Und ich kann mir auch tolle Twitter-Feeds aus Verlagshäusern vorstellen. Doch die oben genannten Gründe führen dazu, dass ich sie leider in freier Online-Wildbahn noch nicht gesehen habe. Den Hund sollte man nicht zum Jagen tragen und Verlage nicht zum Twittern. Wolfgang Tischer ist der Gründer und Herausgeber von literaturcafe.de, einer Website, die sich seit 1996 mit Literatur und ihren Machern beschäftigt. Er berät Verlage bei ihren Online-Aktivitäten und twittert unter www.twitter.com/literaturcafe

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32 Kommentar/e

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  • Andreas

    Andreas

    Sehr schön auf den Punkt gebracht.

  • Torsten Schwarz

    Torsten Schwarz

    Also, wir probieren das grad aus und lassen unsere Bücher mal twittern. Ob es was bringt, weiß ich noch nicht. Aber es macht Spaß: twitter.com/absolit_oml

  • Plusterjunge

    Plusterjunge

    @Torsten Schwarz: 25 Tweets für ein Buch und sonst nichts. Ist das nicht zu viel des Guten?

  • Georg

    Georg

    Wer will vorher wissen ob das Sinn macht oder nicht. Bei SMS dachte auch niemand dass das überhaupt Sinn macht. Probieren geht über Studieren.

  • Michael Reuter

    Michael Reuter

    Hm. Ich bin ob der Skepsis skeptisch. Meine Vermutung ist, dass es Twitterapplikationen geben wird, die sehr wohl von Verlagen und Buchhandlungen eingesetzt werden können.

  • Bernhard Sommerfeld

    Bernhard Sommerfeld

    "dahinter steckt in fast allen Fällen immer nur eine Einzelperson, die im Namen des Verlags oder der Buchhandlung twittert" so ist es!! Andererseits gibt es hier kommunikative Gruppen wie die Bibliothekare die das Medium praktisch und sehr erfolgreich nutzen. Es kommt wirklich darauf an, *wer* sich engagiert. Ernsthafte Buchhändler haben für sowas keine Zeit... ;-D - oder ?

  • Marc

    Marc

    Mit etwas Phantasie lässt sich Twitter dennoch in Buchverlagen einsetzen. Weshalb soll z. B. der Hauptcharakter aus einer Neuerscheinung nicht twittern? Da geht es nicht um verprellte Kunden oder Mitarbeiter die sensible Informationen an die Öffentlichkeit bringen.

  • Stefan Scholz

    Stefan Scholz

    Hinter den meisten Projekten stehen Einzelpersonen, die eine strategische Marketing-Entscheidung, die personalisiert umgesetzt wird, realisiert wird. Jede Dialog-Option mit KundInnen MultiplikatorInnen ist es wert, genutzt oder zumindest ausprobiert zu werden - über den Erfolg entscheiden dann natürlich Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, Zeit- und Geldeinsatz - und auch Leidenschaft für Kommunikation.

  • Patrick Sellier

    Patrick Sellier

    wie sagte der damalige Postminister: wer braucht e-mail, wir haben ein funktionierendes Telegrammwesen ...

    Twittern kann als Infokanal sehr interessant sein - ich empfehle jedem z.B. "Netzpolitik" nicht nur im Blog, sondern auch im Twitter zu folgen.

  • H. Flor

    H. Flor

    Warum werden solche Diskussionen in der Buchbranche immer mit min. einem Jahr Verspätung geführt?

  • Flux 72

    Flux 72

    Die Buchbranche ist generell immer hinten dran. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ich sehe es wie Herr Sellier. Nutzt solche Dienste, dann entwickeln sie sich auch weiter. In fünf Jahren könnte Twitter das normalste der (Kommunikations-)Welt sein. Aber wenn man solche Innovationen immer nur skeptisch betrachtet, dann wird gerade die Buchbranche immer hinterher hinken. Schade!

  • Wolf-Dieter Sonnenburg

    Wolf-Dieter Sonnenburg

    Immer mehr Wissen und immer weniger Verstehen.
    Wer schreibt das alles, wer liest das alles?
    Welchen Beitrag leisten die Zeitgenossen, die dies Internet-Genre bedienen, noch zur Verbesserung der Realität.

    Welchen Nutzen soll es haben, wenn z.B. Harry Potter der erschrockenen Lesergemeinde per Twitter mitteilt welch eine Scheißangst er hatte, als er Voldemort gegenüberstand? Oder der Leser X der wissbegierigen Twitter-Gemeinde erzählt welchen spanischen Rotwein er bei der Lektüre von "Ich bin dann mal weg" getrunken hat und wie der im Abgang war.


  • Benedikt Köhler

    Benedikt Köhler

    Viele der Punkte sehe ich genauso. Natürlich sind es individuelle Persönlichkeiten, die hinter einem guten Twitterstream stehen. Das ist heißt doch aber nicht, dass Twitter für Verlage nicht funktionieren kann. Auch in Verlagen arbeiten Menschen, oder verstehe ich da etwas falsch? Die Tatsache, dass Sie keine interessanten Verlags- und Buchhandelstwitterer kennen, kann doch nicht Grundlage für den Schluss sein, es könne so etwas nicht geben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Medienmenschen verstanden haben, dass man mit dem Fernsehen mehr anstellen kann als Radiomanuskripte vorlesen oder Theaterstücke aufführen. Insofern bin ich optimistisch, dass auch Verlage ihre Art, mit Twitter umzugehen, entdecken werden.

  • Plusterjunge

    Plusterjunge

    @:Wolf-Dieter Sonneburg: Es werden auch ganz andere Bücher gelesen, als immer nur Bestseller. Und auch von diesen Büchern z.B. aus Independent Verlagen erfährt die Twittergemeinde. Wenn mir z.B. seit 2000 Tweets ca. 400 Leser followen, die meinem Leseurteil dann durchaus vertrauen (die vielleicht auch mein Blog lesen), und ich twittere z.B. meine Begeisterung über "Schmidt liest Proust", meinen Sie nicht, es könnte zu Spontankäufen kommen? Und warum nicht mitteilen, was das für ein Augenblick ist, wenn man glücklich ist oder was man soeben im Börsenblatt für einen tollen Artikel gelesen hat. Den wollen dann Leute lesen, die das ohne besagten Tweet verpasst hätten. Es gibt auch ganz bemerkenswerte Tools für Twitter (Tweetlater, Twhirl, Tweetdeck usw.), mit denen sich Abläufe vereinfachen lassen, die den Spaß an der Sache erhöhen. Einfach Twitter ausprobieren, dann versteht man es auch. Es gab bereits zwei Twitterlesungen (in Berlin und Hamburg) und die waren ein grosser Spaß. Ich habe auf den Veranstaltungen Aphorismen von grosser literarischer Qualität gehört. Schon Hebbel hat getwittert: "Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein als ein rundes Nichts."

  • krämer

    krämer

    Die Beschränkung auf 140 Zeichen verstehe ich nicht. Und entsprechend bei einem Großteil der Twittermeldungen, die ich mir angesehen habe, verstehe ich nichts, die Aussage ist wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen verstümmelt, und nur lesbar für diejenigen, die die Information ohnehin schon haben, oder neugierig werden, weiter nachzuforschen. Die 255 der klassischen Textzeile hatte schon seinen Sinn.

  • Jürgen Fenn

    Jürgen Fenn

    "Twitter wird bei Verlagen genauso wenig funktionieren wie Blogs."

    Zwei gut funktionierende Gegenbeispiele von Buchverlagen sind: http://twitter.com/timoreilly und http://www.blog.beck.de/

  • Lars Brücher

    Lars Brücher

    Ich frage mich, warum das Thema so religiös diskutiert wird. Natürlich kann dieses Corporate Twittering nützlich sein, wenn man sich darauf einlässt, das Medium versteht oder verstehen will und beginnt, mit seiner Leserschaft zu debattieren.Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl für Trends, bekommt oft auch bei der Konkurrenz mehr mit als auf anderen Kanälen und hat, wenn man ihn behutsam benutzt, einen weiteren Kanal für seine Marketingbotschaft. Richtig ist: Dahinter muss immer eine Person oder ein klar zuzuordnendes Team stecken. Und: Verlage, die nicht twittern, gehen natürlich nicht zwingend unter, aber richtig angewendet haben twitternde Verlage anderen manchmal etwas voraus.

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    Jeder kann es machen oder sein lassen. Tatsache aber ist, dass schon einige (Buch-)Verlage twittern:
    - http://twitter.com/RandomhouseDE
    - http://twitter.com/KiWi_Verlag
    - http://twitter.com/glattauer
    - http://twitter.com/storiaverlag
    - http://twitter.com/OReilly_Verlag
    - http://twitter.com/oekotopia

    Mehr Beispiele für das Social Media Marketing der Verlage und anderer Medienunternehmen finden sich unter:
    http://sites.google.com/site/smmverlage/

  • Dieter Frieß

    Dieter Frieß

    Ein Taschenbuch mit ca. 250 Seiten Inhalt setzt sich aus ca. 70 000 Wörtern zusammen, diese wiederum aus ungefähr 380 000 Zeichen. Der Wert entspricht geschätzten 2700 Twitter Nachrichten mit maximaler Länge.
    Falls ein Mensch täglich 30 Nachrichten im Twitter liest, hat er nach 3 Monaten 'so etwas wie ein Buch' gelesen.
    Ich frage mich folgendes: Wieso stürzen sich ausgerechnet Verlage auf ein Produkt (Twitter), das dem Sinn und Zweck ihres Handelns diametral entgegengesetzt ist? Wieso soll ein Verlag Menschen zum Twittern verlocken, da es doch 3 verschleuderte Monate sind um ein Buch zu lesen?

  • Michael Stein

    Michael Stein

    Weil der Mensch mutmaßlich twittert UND liest. Die von Ihnen konstatierte Konkurrenzsituation ist ja nicht belegt. Die Zeit zum Twittern holt Mensch sich vielleicht nicht beim Buch, sondern beim Fernsehen oder der Körperpflege.

  • Detlef

    Detlef

    Aus den vielen Zuschriften schließe ich, dass das Thema doch irgendwie den Nerv der Leser trifft.
    Schade nur das der Inhaber des Literaturcafes, der für mich bisher immer für einen der innovativsten Vorreiter der Branche war, dem Twittern nicht mal eine Chance gibt. Lasst es uns doch einfach ausprobieren und wir sprechen in einem Jahr nochmal.

  • Aktion Störtebeker

    Aktion Störtebeker

    TRACKBACK: Interessante und kontroverse Diskussion im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, ob Verlage und Buchhändler was Sinnvolles mit Twitter anfangen können. Noch interessanter dieser Hinweis in den Kommentaren:

    Mit etwas Phantasie lässt sich Twitter dennoch in Buchverlagen einsetzen. Weshalb soll z. B. der Hauptcharakter aus einer Neuerscheinung nicht twittern?

    Den Twitterkanal <a href="http://twitter.com/stoerti">htt p://twitter.com/stoerti</a> gibt es ja bereits. Aber ob ich wirklich Kommissar Bratfisch von Rügen aus twittern lassen soll, wenn mein Regionalkrimi "Aktion Störtebeker" erschienen ist? Da müsste ich mich voll ihn ihn hineinversetzen und ziemlich viel Zeit zum Zwitschern aufbringen.

  • Torsten Schwarz

    Torsten Schwarz

    Twitter ist eine neues Medium, das auf die ganze Medien-Parallelnutzung noch obendrauf kommt. Schon heute surfen 37 Prozent der 14-19-jährigen im Internet während sie fernsehen. Trost für Verlage: Jeder vierte ab 50 Jahre liest während der Fernseher läuft.

  • Sonya

    Sonya

    Ich fühl mich mittlerweile derartig umzingelt von Ich-Hallo!-Hier!-Geschrei, dass ich nur genervt reagiere. Und mir die Produkte, die Personen merke, um sie nicht zu erwerben oder nichts von ihnen zu erwerben.
    Es grenzt doch an Verfolgung. Beispiel: "Die geheimen Tagebücher der Carla Bruni" habe ich längst als Kolumne gesehen und mich gegen ihren Konsum entschieden. Habe ich Twitter, springt es mich schon wieder an, diesmal über Kiepenheuer & Witsch. Gehe ich in eine Buchandlung, stolper ich nochmal darüber. Und wahrscheinlich wird es nicht bei einem Getwitter bleiben, sondern ein Gewitter werden: Das Tagebuch nun als Hörspiel, übrigens das Tagebuch auf der Bühne, und nun das Tagebuch sonstwie sonstwo, und nun ein Interview mit der Schweins zum Tagebuch und haben Sie schon gehört, wie viele Leute das Tagebuch gelesen haben, übrigens gibt es das Tagebuch auch dort und dort zu kaufen, jetzt das Tagebuch mit neuem Cover, ach so, die Schweins ist schwanger, und hat gerade das Tagebuch gelesen - HILFE!

  • Nopromised

    Nopromised

    @Sonya: ...und was hat das mit Twitter zu tun? Du selbst entscheidest, wem du followst. Schmeiß KiWi doch wieder raus, wenn die Werbung für ihre Bücher machen, die Dir auf den Geist gehen. Lies Lettre International, die Horen, das Schreibheft oder followe nur Deinen Freundeskreis. Alles kein Problem, dem Schund aus dem Weg zu gehen.

  • Nopromised

    Nopromised

    @krämer: Twitter: Vom Raum zum Schwarm (Teil I): "Erst wenn man ein paar anderen Twitterern “folgt”, ergibt sich die erste Anmutung potenziell sinnvollen Kommunikationsgeschehens: Auf einer eigenen Twitter-Seite (home) werden mir ausschließlich die Botschaften (Tweets) derjenigen angezeigt, die ich abonniert habe - und meine eigenen, klar."
    http://www.webwriting-magazin.de/twitter-vom-raum- zum-schwarm/

  • Corina Lange, O'Reilly Verlag

    Corina Lange, O'Reilly Verlag

    Die Frage ist doch, was Verlage mit Twitter erreichen möchten: Werbung machen oder in den Kontakt mit Kunden treten - oder auch beides. Für uns bei O'Reilly ist die direkte Kommunikation mit dem Kunden das, was v.a. interessiert. Viele Kanäle gibt es schließlich im Verlagsalltag nicht, die uns dies ermöglichen - warum sich also der Plattform verschließen, die unsere Kunden nutzen? Und es macht übrigens sehr viel Spaß, direkt ansprechbar zu sein und auch direkt teilhaben zu können :-)

    Ich sehe Twitter als ein Werkzeug, das derzeit Erfolg und Inspirationen verspricht. Wie bei allen Webplattformen kann sich das natürlich schnell ändern - dann hört man eben wieder auf. Denn im großen Gegensatz zu etwa Second Life sind die Einstiegshürden und der Aufwand, einen Twitterkanal zu starten, sehr gering.

    Daher kann ich nur empfehlen, es einfach einmal zu versuchen, notfalls auch erstmal mit einem privaten, anonymen Twitterkanal zum Kennenlernen der Kommunikation auf 140 Zeichen.

  • Olaf Reins

    Olaf Reins

    Ach, "Twittern" heißt das?

  • Katja Splichal

    Katja Splichal

    Muss schon schlimm sein, in einem oder für einen Verlag zu arbeiten und den ganzen Tag das Gefühl zu haben "nieeemanden auf der ganzen Welt interessiert, was ich hier mache". Das kanns nicht gewesen sein, finde ich, zumindest nicht zum Thema "nur was man gern macht macht man auch gut" -- dann ist auch der Kerl am Würstelstand wieder freundlicher.

  • Joachim Endeman

    Joachim Endeman

    @ # 20
    Völlig richtig! Es lassen sich gewisse Verrichtungen koordinieren, z. B. zum Topf gehen und Twittern. Das hieße dann konsequent angewendet: Topf-Twittern. Hierdurch sparte man gewiß ordentlich Zeit ein. _ Angedacht soll hier nur sein, daß eine topf-twitter-therapeutische Nutzung durchaus denkbar ist bei einem diar- und logorrhoeischen Komplex - durch Übergang des einen Phänomens ins angestammte Zentrum des anderen et vice versa, wodurch es zu ungewohnten, aber therapeutisch erwünschten Phänomenen in den eigentlichen Stammzentren kommen sollte … vielleicht hilft das.

  • krämer

    krämer

    ad 30
    Dieses Statement 30 kann so nicht zum Schluß stehen bleiben, natürlich kann es auch mal vorkommen, daß man auf dem WC twittert, aber ich sehe keinen Zusammenhang dahingehend, daß twittern irgendwie als Klo-Nummer oder so gezeichnet werden könnte. Was beim twittern mir ein Merkmal zu sein scheint, das ist die Oberflächlichkeit (auch während des Fernsehens ein Buch lesen, kann nur oberflächliches Lesen und zusehen sein), wie ja auch Schmetterlinge an jeder Blume nur kurz nippen, während der Colibri auf Grund geht. Es ist oberflächlicher, meist belangloser Austausch von Nachrichten, Sensationen, Befindlichkeiten, und demgegenüber muß geltend gemacht werden, was eine Arbeitsminute kostet: Bei angenommen 10 € pro Stunde sind das pro Twitter-Minute 20 cent, soviel kostet das an Arbeitszeit, Twitter-Meldungen abzuschicken oder zu lesen.

  • pvc

    pvc

    Ich twittere als Autorin noch im Experimentalstadium und habe dabei:
    - Wunderbare Independent Verlage kennen gelernt, die ich weder in Buchhandlungen noch im Feuilleton ausreichend sehe
    - Von Buchhändlern feine Lesetipps bekommen
    - Bücher mit Neugier kennengelernt, die in der Stapelware der Buchketten untergehen oder gar nicht eingekauft werden
    - wie sonst nirgendwo Querverschaltungen von Autoren, Verlagen UND Buchhandel erlebt.

    Meine Theorie: Es will zwar alles gekonnt sein (wie auch in der Uralt-PR von früher), aber Social Media im Mix mit einem tragfähigen Konzept können DIE Zukunft für kleinere und Independent Verlage sein. Nicht umsonst investieren auch die Verlagsriesen so heftig in Community-Bildung.

    Wer jetzt einsteigt, hat noch die Möglichkeit, relativ preiswert zu experimentieren...

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