Medien

13.03.2009E-Book

Streitpunkt Digital Rights Management

DRM - drei Buchstaben genügten, um bei einer Diskussion zum Thema E-Book auf der Leipziger Buchmesse die Gemüter in Wallung zu bringen. Schnell zu knacken, sagen die einen. Die einzige Möglichkeit zum effektiven Rechteschutz, sagen die anderen.

Mein Buch ist dein Buch? Auch ein gedrucktes Buch wird mal ausgeliehen, keine Frage. Aber mit der Verbreitung von Büchern in elektronischer Form könnte das Weitergeben exzessiv betrieben werden, siehe Pirate Bay und Konsorten. Klar, dass Verlage Schutzmechanismen wie das DRM (Digitales Rechtemanagement) einsetzen.

Allerdings kam bei der Diskussion in Leipzig zum Thema E-Book auch heraus: Das DRM lässt sich überlisten. Die Seiten könnten per Screenshot abfotografiert werden, man läßt ein Fehlererkennungs-Programm darüberlaufen und kann das Buch so raubkopieren oder auf illegalen Tauschplattformen einstellen. 

"Zu kompliziert, als dass dies ein Benutzer machen würde", meint Mike von Thiel, der in der Schweizer Firma Graphicart eServices Bücher in E-Formate bringt. Für ihn ist klar: "Wir brauchen DRM und DRM wird auch bleiben." DRM sein ein wichtiges Statement, das dem Nutzer die Wertigkeit des Inhalts verdeutlicht.

Volker Oppmann erklärt das Rechtemanagement im Software-Kaufhaus iTunes von Apple, wo derzeit auch über 2 500 E-Books angeboten werden. Apple setzt auf ein eigenes Rechtemanagement, das die Übertragung von gekauften Inhalten auf bis zu fünf Geräten zuläßt. Dem Rechteschutz steht der Berliner, der mit seinem Startup Textunes Bücher auf iTunes einstellt, ambivalent gegenüber. Einerseits sei der Schutz wichtig, da sonst Verlag und Autoren auf der Strecke blieben. Andererseits sei er selbst auch nicht böse, wenn ein gewisser Nutzeranteil den Inhalt weitergibt. "Das macht die Inhalte noch bekannter."

Eine Alternative zum DRM ist das digitale Wasserzeichen. Es erlaubt, zusätzliche Informationen in einen digitalen Inhalt einzubetten. Diese Methode gehört zur Klasse der passiven Schutzmechanismen. Im Unterschied zu aktiven Schutzmechanismen wie dem DRM verhindert das Wasserzeichen den unerlaubten Zugriff auf Inhalte nicht. Man könnte lediglich feststellen, wer ein E-Book gekauft hat. Laut Miriam Hofheinz, Produktmanagerin Downloads bei Libri, sind 80 Prozent der Hörbücher, die man auf libri.de herunterladen kann, mit einem digitalen Wasserzeichen versehen. Und die restlichen 20 Prozent? "Das Problem ist, dass bei vielen Verlagen alte Verträge den Einsatz des digitalen Wasserzeichens nicht erlauben", so Hofheinz. 

Mehr zum Thema

Anzeige

5 Kommentar/e

1. Martin Jenny 13.03.2009 19:48h

> DRM sein ein wichtiges Statement, das dem Nutzer die Wertigkeit des Inhalts verdeutlicht.

Schon lange nicht mehr so gelacht...

2. Kopfschüttler 13.03.2009 23:48h

Liebe E-Buch- und Lesegeräte-Hersteller,
ich kann jetzt nicht anders:
<Sarkasmus ein:> DRM hat sich ja schon so wunderbar der Musikindustrie bewährt und für großen Zuspruch seitens der Konsumenten gesorgt, wie ein bekannter Hersteller eines aktuell am Markt eingeführten "Readers" sicherlich berichten kann! Es gab ja auch wegen DRM und proprietären Formaten von Anfang an bei den Zielgruppen ungebrochene Akzeptanz von Online-Music-Shops und nur weil der i-Pod so unstylish war, wurden noch größere Umsätze verhindert. Kein Kunde möchte einfache Handhabung elektronischer Inhalte. Die lieben es doch, wenn "der Computer und das Mobiltelefon machen, was sie wollen - und eben nicht, was sie sollen"!<Sarkasmus Ende> Halt, nein: <Sarkasmus ein:> Welche Musik will die E-Buch-Industrie bei ihrem Begräbnis hören? Hoffentlich einen Titel mit DRM!<Sarkasmus Ende>
Wäre ich ein junger Autor, wäre ich sehr versucht, meine Texte über MEINE eigene Website vertreiben, im SELBSTVERLAG. Bloggen, twittern , social bookmarken, bis der Arzt kommt!
Dann müsste ich auch keine Digital Rights Manager bezahlen. Alle Kohle käme bei mir an, und wenn ich wirklich gut wäre, würde das auch so funktionieren mit dem Reich-und-berühmt-Werden!
Und würde ich es wie die Musiker machen, ließe ich die Bezeichnung "Verlag" weg und böte meine Werke als Kunst an und jeder dürfte spenden, was er für angemessen hält. Ob da der Preisbindungs-Treuhänder käme?
Warum reicht kein Wasserzeichen? Das ist doch gut genug! Und wenn der Kunde das Ding dann doch ins Netz stellt, dann hilft zur Not die Vorratsdatenspeicherung. <Ups, schon wieder Sarkasmus :-P>
Noch eine Idee: Raubkopien einfach in die Preiskalkulation mit einbeziehen? Macht das etwa noch keiner?
Oder wie wäre es damit:
Marktforschung, was der Kunde will und entsprechend produzieren. Das entstehende Umsatzplus könnte die Verluste durch E-Piraten mehr als auffangen.
Was geht bloß in den Köpfen der Verantwortlichen vor? Etwa: " Ach was, der Kunde ist doch kein Partner, der mit seinem Geld Existenzen sichert, nein, nein, er darf sich glücklich wähnen, dass wir ihm nach der Zahlung erlauben, das erstandene E-Buch auf einigen Geräten zu lesen, sofern diese das Format unterstützen. Und falls sein Abspieldingens mal kaputt geht, oder gar der Verlag, der die Lizenzschlüssel verwaltet, tja ..."
Ach, noch was am Rande:
Wie wäre es, wenn die Verlage auch mal mit ihren KiBu-Lektoren redeten: Keine Piratenverherrlichung mehr! Hängt Sharky!!! Verbrennt das Totenkopf-Plaster und die Augenklappen, die Schatzkarten und -kisten!!! Man muss den Kindern doch Respekt vor dem Eigentum beibringen, sonst werden sie am Ende noch Banker. Oh, das war jetzt off topic.
P-/
Schöne Aussichten?
Schönes Wochenende!

Der Kopfschüttler

3. Michael Schmid 15.03.2009 09:27h

@Kopfschüttler sehr gut geschrieben....

Eins vergessen sollten die Verantwortlichen jedoch nicht: Die Scene wird sicher nicht ihre achso wertvollen E-Books knacken und weiter verteilen, das braucht sie auch gar nicht, denn es gibt sie schon längst.
Das Thema DRM ist im Ernstfall in 20 Sekunden Geschichte, letztlich ist das alles nur warme Luft und wir dürfen noch einmal Zeuge sein, wie eine Branche lachend in die Kreissäge springt. Ich bin zwar kein Freund von Wiederholungen (nach Musik- und Filmndustrie) aber das nenn ich ECHTES Enterainment.

4. Martin Jenny 16.03.2009 00:14h

Es ist deprimierend, dass der Schutz der Urheberrechte und DRM in der Diskussion um eBooks regelmässig gleichgesetzt werden. Während ersteres unzweifelhaft gerechtfertigt ist, hat sich letzteres als untaugliches Mittel erwiesen. Die Argumentation, DRM sei zwar nicht perfekt, aber doch besser als gar nichts hat den Haken, dass legitimen Käufern das Leben schwer gemacht und Einkauferlebnis sowie Nutzung des Produkts madig gemacht wird. Man kann das schön in Tim Renners "Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm" (mittlerweile nur noch bei 2001 erhältlich) nachlesen: Wenn das legitime Produkt schlechter ist, als das der Piraten, so hat es keine Chance, egal wie gut es geschützt wird. Wer erwartet ernsthaft, dass Adobes DRM-Server ewig mit der aktuellen Technik kompatibel bleiben wird? Wal Mart hat es aufs Schönste bewiesen, als sie ende letzten Jahres ihre DRM-Software abschalten wollten und den Kunden empfohlen haben, die gekaufte Musik auf CD zu brennen um das eigene Schutzsystem auszuhebeln - ein Vorgehen, dass nach dem DMCA illegal ist, da der Kopierschutz umgangen wird. Eine Firma empfiehlt ihren eigenen Kunden das Gesetz zu brechen, um Musik, die sie rechtmässig erstanden haben, weiter nutzen zu können! Also ich erwarte, ein elektronisches Buch noch in zwei, fünf und zehn Jahren lesen zu können, selbst wenn der Sony Reader bis dahin Geschichte sein mag. Das ist ja auch der Reiz eines nicht-proprietären Formats wie Epub: die Übertragbarkeit auf andere Plattformen. Es wird den Verlagen nie gelingen, Kunden an sich zu binden oder auch nur eine vernünftige Backlist aufzubauen (und vom vielzitierten Long Tail zu profitieren), wenn bei jeder neuen Gerätegeneration vom Kunden erwartet wird, die Bücher, die er schon besitzt erneut kaufen zu müssen. Wäre es nicht viel besser, wenn der Kunde sich beim Verlag (oder beim Händler) registrieren könnte und jeweils die entsprechenden neuen Versionen gratis oder gegen sehr geringe Gebühr ziehen könnte? Wenn er auf dem selben Kanal Zusatzleistungen in Anspruch nehmen kann (Autoreninterviews, Leseproben, etc.) und natürlich mit Werbung versorgt wird. Überraschenderweise zeigt gerade die ältere Kundschaft Interesse am Sony Reader - diese Leute werden nicht hingehen und ihre Bücher als Torrents ins Netz stellen, aber sie werden durch drakonische Massnahmen sehr wohl abgeschreckt. Während die Adobe-Lösung ein Verhau sondergleichen ist, hat Amazon dank Whispernet einen Kopierschutz, der kaum einen regulären Kunden stört. Das ist auch der einzig gangbare Weg: entweder man hat einen Kopierschutz, der problemlos zu handhaben ist oder man lässt es bleiben. Man kann über Wasserzeichen sagen, was man will, aber zumindest ist es kein Verhinderungsmechanismus. Man könnte es sogar sehr charmant anbringen; als ExLibris nämlich: Dieses Buch gehört xxxxx.
Der Buchhandel ist gerade dabei, sich aus dem Geschäftsfeld der elektronischen Bücher herauszukatapultieren und branchenfremden wie Apple oder Amazon Tür und Tor zu öffnen und das nur, weil er weder neue Ideen entwickelt noch aus der Geschichte gelernt hat.
Schade eigentlich.

5. ebook-Freund 23.03.2009 14:07h

Die Verlage scheinen bisher elektronisches Publizieren weniger als Ergänzung denn als Konkurrenz zum "klassischen" Buch zu begreifen. Jedenfalls habe ich bisher den Eindruck, daß sie ebooks am liebsten wieder im Nebel der Geschichte verschwinden lassen möchten. Anders kann ich mir (vor allem angesichts des Beispiels der Musikindustrie) das Beharren auf möglichst restriktive und umständlich handhabbare DRM-Regelungen jedenfalls nicht erklären. Dabei gibt es (allerdings nicht in Deutschland) einen Verlag, der seit 10 Jahren und äußerst erfolgreich im e-book-Markt agiert, ohne daß dadurch der Absatz seiner gedruckten Titel gelitten hätte. Allerdings - dieser Verlag verzichtete von Anfang an komplett auf DRM.
Wenn die deutschen Verlage ähnlich erfolgreich im e-book-Markt agieren wollen, dann werden sie das ebenfalls so handhaben müssen. Und - last, but not least - die Preise für ebook-Ausgaben dürfen bestenfalls auf Taschenbuchniveau liegen. Bei besagtem Verlag (Baen Publishing) liegen die ebook-Preise sogar _deutlich_ niedriger (6 USD für ein, zeitgleich zum 25-30 USD teuren Hardcover erscheinendes, ebook) ...

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.