Sortiment

26.03.2009Kommentar

Der geteilte Markt für Bücher

Das E-Book-Geschäft im Buchhandel könnte, bevor es richtig in Gang kommt, durch Elektronik-Fachmärkte ausgebremst werden. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

Der Friede wird nicht lange halten, der Digital-Friede, den Verlage und Gerätehersteller mit dem Sortiment gemacht haben, um es am Umsatz mit E-Books zu beteiligen. Im Gegenteil: Der Wettbewerb um die E-Book-Kunden wird in Kürze entflammen, wenn Elektronik-Fachmärkte dem Buchhandel die Kunden abspenstig machen. Sie verhandeln bereits jetzt mit Reader-Produzenten wie Sony und haben ein Interesse daran, nicht nur die Geräte, sondern auch die Inhalte zu verkaufen.

Wer im Mediamarkt einen DVD-Recorder kauft, möchte auch die Scheiben dazu. Der Multimedia-Kunde will alles aus einer Hand: CDs, Games, DVDs, iPhones – und E-Books. Alle Hoffnung auf eine ande­re Entwicklung trügt. Wenn ein Produzent wie Sony eine Anfrage der ­Metro-Gruppe für beispielsweise 100 000 Sony Reader des Typs PRS 700 auf dem Tisch hätte, würde er im Ernst Nein sagen? Aus humanitären Gründen für eine Branche, die sich an den Status Quo klammert?

Künftig werden wir es mit einem geteilten Markt für Bücher zu tun haben: Gedruckte Werke werden zu einem großen Teil im stationären Sortiment verkauft, E-Books vorwiegend via Internet und sonst im Elektronik-Fachmarkt. Verlage wie Cornelsen und Langenscheidt bereiten gerade in großem Stil mit elektronischen Wörterbüchern, Reiseführern und Bildungsmateria­lien den Einstieg in den digitalen Markt vor, weil sie die Veränderungen für die Buchbranche kommen sehen. Der Duden von morgen wird ein elektronischer, mobiler Allrounder sein – das Helferlein, das die Düsentriebs von morgen im Netz begleitet! Und die Ratgeberverlage werden es Duden gleichtun. Da hilft keine Webstuhl-Romantik!

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Schlagworte:
E-Books, Sony, Mediamarkt

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3 Kommentar/e

1. Fokko vom Selbstversorger-Blog 26.03.2009 09:54h http://selbstversorger-blog.over-blog.de/

Das ist ärgerlich für den Buchhandel. Vor allem für die kleinen Läden, was mich besonders traurig macht, denn um die ist es schade und es wird sie womöglich am härtesten treffen!
Aber warten wir erst mal ab, ob sich der Kram gegenübe richtigen Büchern überhaupt durchsetzt.

2. Sascha 30.03.2009 09:56h

Seit wann treibt Konvergenz? Schon mal in freier Wildbahn einen Fernseher mit eingebautem(!) DVD-Player gesehen? Eben.

Mediamarkt und Co. werden einen Teufel tun. Weder brauchen sie E-Books für ihrem Umsatz, noch passen sie in ihre Produktpalette. Vor allem dann nicht, wenn es tatsächlich eine Preisbindung für sie geben sollte.

3. Olivera Wahl 01.04.2009 15:22h http://www.molly-chills.com

Ich würde einen eBook-Reader eher z.B. bei Mediamarkt kaufen als in einem Buchladen, weil ich denken würde, dass man im ersten tendenziell besser technisch beraten wird. Ein eBook im stationären Handel zu kaufen, kann ich mir gar nicht vorstellen.

Ich denke, dass auch kleinere Buchläden in den nächsten Jahren nicht so viel zu befürchten haben, weil viele Leser sehr an gedruckten Büchern hängen. Das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern. In Deutschland wissen angeblich 70% der Bevölkerung nicht, was ein eBook ist und erst 2,5% haben bisher eins gekauft. Die Zahlen hören sich für mich schlüssig an.

In 2009 ist für den eBook-Markt viel passiert, aber es ist noch ein weiter Weg.

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