Interview: Claudia Lux

… dass man uns umwirbt und lockt

Die Präsidentin des Weltverbandes der Bibliotheken fordert die Verleger auf, ihr Geschäft für die digitale Zeit zu überprüfen. Offensives Denken sei gefragt. VON INTERVIEW: TORSTEN CASIMIR

Claudia Lux: Direktorin der ZLB

Claudia Lux: Direktorin der ZLB © Zentral- und Landesbibliotheken Berlin

Wie beurteilen Sie die Rechtslage im Streit um die digitalen Lehrbuchangebote in Darmstadt?
Lux: Weil ich keine Juristin bin, beurteile ich Rechtslagen schon mal gar nicht. Mir scheint aber, dass die Auseinandersetzung hier an der falschen Stelle geführt wird.

Was wäre die richtige Stelle?
Lux: Wichtiger als die Klärung, ob hier gegen geltendes Recht verstoßen worden ist, wäre eine Beschäftigung mit der Zukunft. Die Frage, um die wir Bibliotheken uns mit den Verlagen gemeinsam kümmern sollten, lautet: Wie muss ein Ur­heberrecht für die digitale Zeit aussehen? Haben alte Vorstellungen da wirklich noch Bestand?

Wie können denn die Geschäfte zum Beispiel mit Lehrbüchern in der digitalen Zeit aussehen?
Lux: Ich bin ja nicht verantwortlich für die Geschäfte, die die Verlage machen. Das müssen die schon selbst beantworten. Aber gemeinsam sollten wir uns fragen: Was ist eigentlich das Neue in einer digitalen Welt?

Dann frage ich das jetzt mal Sie.
Lux: Unsere Kunden wollen heute viel schneller als früher den direkten Zugriff auf Inhalte haben. Sie wollen dafür nichts bezahlen. Und sie wollen dafür nicht mehr unbedingt in die Bibliothek kommen. Diesem Anspruch haben wir uns zu stellen. Die notwendigen Investitionen dafür haben die Bibliotheken nie gescheut.

Free Culture – dann können die Verleger doch einpacken.
Lux: Das ist mir viel zu defensiv gedacht. Aber es ist eine typische Reaktion. Ich habe bisher nur wenige Verleger getroffen, die in der Lage sind, große Schritte auf die­se neue Welt zuzugehen.

Wer macht es schon?
Lux: Springer zum Beispiel. Die haben im vergangenen Jahr den Ausschnitt ihrer Snippet Views bei Google Book Search deutlich vergrößert. Und was sie feststellen konnten war, dass sie damit die Erlöse gesteigert statt geschmälert haben.

Dennoch: Ein Verleger, der bisher mit Lehrbüchern Geld verdient, darf es doch beunruhigend finden, wenn die Nutzung solcher Werke plötzlich geschieht, ohne dass noch Geld fließt.
Lux: Wenn ich das Business-Modell für die digitale Zeit hätte, würde ich sofort einen Verlag gründen. Was mich gegenwärtig irritiert, ist, dass kaum jemand ernsthaft an neuen Geschäftsmodellen arbeitet. Man kann aber nicht die alten Modelle der Verleger in die neue Zeit hinüberretten­.

Was erwarten Sie von Verlagen, deren Kundin Sie ja sind?
Lux: Dass man uns wie Kunden behandelt. Umwirbt. Mit attraktiven und innovativen Angeboten lockt. Wir machen unseren Job ja auch nicht zum Privatvergnügen, sondern um die Gesellschaft weiterzubringen. Das sind, dachte ich, Werte, die wir mit unseren Verlegern teilen.

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49 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Jörg Weinreich

    Jörg Weinreich

    "Lux: Unsere Kunden wollen heute viel schneller als früher den direkten Zugriff auf Inhalte haben. Sie wollen dafür nichts bezahlen."
    Liebe Frau Lux,
    man muss doch nicht alles machen, was Menschen wünschen, es könnte ja auch falsch sein. Wenn heute schon Musik kostenlos sein soll, wo bleibt da der Anreiz, eine Band zu gründen u. Aufnahmen zu machen? Da steckt viel Arbeit und Zeit drin. Ebenso verhält es sich mit Büchern.
    Bei Ihren zweifelhaften Aussagen hätte ich große Lust, aus dem Bibliotheksverband auszutreten.

  • Stefan Scholz

    Stefan Scholz

    Frau Lux sollte von ihrem hohen Ross, von dem aus sie arrogant argumentiert, einmal in die Niederungen der alltäglichen Verlagspraxis absteigen und konkrete Vorschläge machen. Das wäre schon ein erster Schritt, vielleicht nicht gleich die Gesellschaft, aber die Medienlandschaft weiterzubringen.

  • Ralph Kohlheyer

    Ralph Kohlheyer

    "Lux: Wie muss ein Urheberrecht für die digitale Zeit aussehen?"
    Muss man eigentlich immer etwas neues schaffen, wenn man Probleme damit hat. Das Urheberrecht ist ein Recht, dass analog dem Patentrecht seit vielen vielen Jahren existiert und dabei das geistige Eigentum schützen soll.
    Wie wäre es sonst, wenn jetzt jeder x-beliebige seinen eigenen Opel nachbauen kann ohne Rücksicht auf bestehende Patente nehmen zu müssen.
    Was in anderen Bereichen noch selbstverständlich ist, sollte auch für das Buch (und seine Unterarten) gelten. Es ist schon problematisch genug, dass mit Hinblick auf die "Informationsgesellschaft" das Urheberrecht "angepasst" wurde ... Sind wir doch einmal ehrlich: Es geschah doch daher, weil die öffentliche Hand den Institutionen nicht mehr das benötigte Geld zur Verfügung stellen kann. Natürlich kann die Buchpreisbindung von den Verlagen auch zum Eigennutz benutzt werden .. Ich kenne jedoch wenige Verlage mit einem Umsatz-Gewinn-Verhältnis, wie es in anderen Branchen üblich und selbstverständlich ist.

    Genauso wird es wohl schwierig sein, ein Geschäftsmodell zu finden, das allen gerecht wird und das alle auch tatsächlich umsetzen.

    Ich erinnere daran, dass auch bereits früher ohne Skrupel Bücher (Kopiervorlagen) nicht nur von denjenigen kopiert wurden, die das Buch und damit das Recht zur Vervielfältigung erworben haben. Jetzt ist es legal geworden und es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis die wichtigsten Bücher nur noch mit den eigenen Druckkosten als Aufwendungen bezogen werrden können.
    Aber diese Diskussion haben wir ja schon.

    Ralph Kohlheyer

    P.S. Ob der Umsatz bei Springer wirklich dauerhaft steigt? Wir verkaufen fast kaum noch deren Lehrbücher, warum auch? Und soll nicht auch Springer verkauft werden?

  • krämer

    krämer

    "und sie wollen dafür nichts bezahlen".

    Die monetäre Entgeltung ist nicht nur ein Austausch von Leistungen, sondern der Preis zeigt den Wert der Ware an.
    Wenn schon, dann könnte das nur funktionieren in einem Austausch-System mit altruistischer Einstellung, wo der Allgemeinheit Leistungen bereit gestellt werden, im Vertrauen darauf, von woanders, also nicht im direkten Tausch, die Lebensmittel zu erhalten.
    Aber ich kann mir in so einer Gemeinschaft von Altruististen nicht so recht diejenigen vorstellen, die etwas umsonst haben wollen.
    Allenfalls geht es darum, statt des direkten Gegentausches andere Leistungskreisläufe zu etablieren, oder, falls sie schon bestehen, zu würdigen und bei der Verrechnung berücksichtigen.

  • Erwin Hiemer

    Erwin Hiemer

    Ich habe es schon immer so gesehen, dass geraden bei den Volksbüchereien der Kunde, der brav sein Buch kauft die Ausleiher der Bibliotheken finanziert. Denn eigentlich müsste der Preis, den eine Bibliothek bezahlt doch viel höher sein, weil die Anzahl der Leser pro Buch wesentlich höher ist. Das haben die Hersteller von Software sofort eingeführt! Beispiel: Sogar das VLB wird nach Anzahl der Arbeitsplätze berechnet und nicht nach Anzahl der verkauften Scheiben. Und jetzt soll auf einmal ALLES umsonst sein? Auch geistige Inhalte kosten nun mal Geld. Ohne Profit wird nichts produziert. Also wird es dann auch bald nichts mehr zum Ausleihen geben. Oder?

  • krämer

    krämer

    Dem Vorredner stimme ich voll zu, und zu dem, was sagte:
    Ich habe nicht gesagt, "umsonst benötigen", sondern ich habe gesagt, in Wiederholung des vermeintlichen: "umsonst haben wollen.".
    Das ist ein großer Unterschied, ein sehr großer.
    Für diejenigen, die etwas umsonst wirklich benötigen, muß es freilich von anderer Seite Schenkungen geben.

    Für Egoisten, die ihren persönlichen Mehrwert maximieren wollen mit Surfen auf der Umsonst-Schiene, und nicht die damit gewonnenen Werte nur verwenden, für ihren Dienst für die Allgemeinheit, für diese Sorte Menschen, die nur nehmen, und nicht geben (oder es wenistens versuchen, sich bemühen), muß es weiterhin ein Reglement geben, zumindest en gros, im Einzelfall kann auch sogar das Hineingeben in ein Faß ohne Boden, aus dem nichts zurückkommt, menschlich gesehen, ok sein, aber in der Regel, so funktioniert unser Zusammenleben: auf einen Input muß ein Output erfolgen.
    Die über diese Gegenseitigkeit hinausschwafeln, das sind gewöhnlich diejenigen, die nicht die Ressourcen kennen, die sie existieren lassen, Schmarotzer also, die keine Wahrnehmung haben, wem sie die Leistungen, die sie selbst erbringen können (umsonst, ha, ha,), ei, umsonst, erbringen, können, hoppla, woher kommt das Vermögen, umsonst zu geben, zu schenken, es kommt von denjenigen, die gaben, und nicht von denjenigen, die meinen, bei dem momentan noch vollen Topf, wo auch ein eitel eigener Beitrag drin ist, die zu bedienen, die umsonst was wollen, konsumieren, und eigene Bereitschaft, etwas zu leisten nicht kennen.
    Das heißt, die Bedienung von denjenigen, die umsonst was weg schlemmern wollen, die wird etabliert von denjenigen, die aus solcher Durchschlauung sich einen Profit versprechen. "UMSONST", das ist Ideologie derjenigen, die mit der Lancierung solchen Schwachsinns auf CASH hoffen, oder, bei Organisationen, auch öffentlich-rechtliche, auf Weiterexistenz, nakter Egoismus also, und keineswegs ein vermeintliches altruistisches Geben und Nehmen, das sich über das marktwirtschaftliche Alltaggeschehen erheben würde.

  • Matthias Libera

    Matthias Libera

    Bemerkenswert: Da hält es eine Vertreterin des Öffentlichen Dienstes für nebensächlich, ob eine von ihr goutierte Praxis gegen geltendes Recht verstößt und verlangt als gut und regelmäßig besoldete Beamtin, dass Wirtschaftsunternehmen ihre Ware verschenken sollen, weil doch - potztausend! - niemand freiwillg etwas bezahlen möchte - BWL a la Schilda ...
    Aber vielleicht sind das ja nur Ablenkungsmanöver: Wenn Kunden (Leser), alles schneller im Zugriff haben wollen, nichts dafür bezahlen wollen und noch nicht mal mehr in die Bibliothek kommen mögen: Ei, wer braucht denn dann noch Bibliotheken? - Hier zeichnet sich für Verlage doch ein interessantes Zukunftsmodell ab, oder?

  • André Pleintinger

    André Pleintinger

    Frau Lux hat vielleicht vergessen, dass Verlage sich nicht nur um die Zufriedenstellung der Bibliotheken kümmern müssen, sondern zudem einen weiteren Kunden haben: die Autorin bzw. den Autor!
    Dieser Kunde will seine Rechte geschützt wissen und erwartet diese Leistung vom Verlag!

  • krämer

    krämer

    Genau. Wozu noch Bibliotheken. Das Altgut gehört in die Archive, Musseen und Fachinstitute. Und das neue in digital umsonst im Internet publik. Bibliotheken braucht es nicht da mehr, sehr richtig, völlig überfüssige Dinosaurier, Bremsen des Fortschritts hin zum "digitalen Informationszeitalter", hin zum UMSONST, schon peinlich, daß sich Sprecher/innen der Bibliotheken zu sowas versteigen.
    Wenn die Bibliotheken in Zukunft eine Funktion, einen Wert, eine Aufgabe haben werden: Wird die Aufgaber UMSONST geleistet werden können. Kann die Bibliothek, die das "UMSONST" auf ihre Flagge schreibt, umsonst existieren, und nicht vielmehr durch die Leistungen, intern und durch Zuwendungen von außen.
    Mit diesem albernen "UMSONST" stimmt etwas nicht, und das kommt von diffusen indirekten Zuwendungen, die nicht anerkannt werden, auf der Internet-Seite aber auch von Illusion, es lasse sich alles durch Werbung finanzieren. Klar, ein Anzeigenblatt, das die Anzeiger finanzieren, das ist dann gerne umsonst: "Unsere Kunden wollen die Zeitung umsonst." Ha, ha.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ 1 - 9

    „Wenn heute schon Musik kostenlos sein soll, wo bleibt da der Anreiz, eine Band zu gründen u. Aufnahmen zu machen?“ frägt Jörg Weinreich (1). Musik zu schreiben, Musik aufzuführen, Lyrik und Prosa zu verfassen, der Anreiz dafür also ist die Bezahlung? Je höher ein Kunstwerk taxiert wird, desto wervoller ist es? Ein Totenkopf, mit 8601 Diamanten besetzt, wurde vor kurzem für 75 Millionen Euro verkauft, wieviel hat J. S. Bach an Tantiemen für seine Dorische Fuge, wieviel hat Franz Kafka einst für „Die Verwandlung“ bekommen, als die Erzählung 1915 in der Reihe „Der jüngste Tag“ erschien?

    Wem „gehört“ Kunst? Wem „gehören“ die „Wahlverwandtschaften“? Wem die „Kreutzer-Sonate“? Wem gehört „Guernica“?

    Wer von Ihnen verlegt ein gutes Buch? Ein Buch, wie es The Folio Society in London illustrieren, setzen, drucken und binden läßt? Wer von Ihnen schafft Kunstwerke des Buchdrucks und der Buchbinderei?

    Reden Sie bitte nicht von Werten, denn Sie sind keine Künstler. Sie sind Krämer. Jedenfalls hören Sie sich so an. Alle miteinander. Aber wenn wir den Briefwechsel von Künstlern mit ihren Verlegern bedenken: viel hat sich nicht geändert. Was ein Trost.

  • krämer

    krämer

    Naja, so ganz falsch ist das nicht. Ich kann nicht für andere sprechen, aber den Händler interessiert gewöhnlich mehr der Mehrwert als der Wert seiner Ware, also das, was in der Kasse übrig bleibt.
    Aber schließlich muß man existieren.
    J.S. Bach hatte ja übrigens zu einem Gutteil Auftragswerke geschaffen, um seine Familie zu ernähren.
    Aber jetzt wollen wir mal friedlich sein, und bei Gelegenheit des Festes uns vielleicht erinnern an die Geschichte der Vertreibung der Händler aus dem Tempel durch Jesus, ob uns das was sagen kann.

  • Irmgard Meier

    Irmgard Meier

    Meine Güte,
    die Frau Lux will nichts bezahlen. Und "die notwendigen Investitionen haben die Bibliotheken nie gescheut" - ja, ist das nicht ein Brüller? Das haben die Bibliotheken sicher alles selbst erwirtschaftet, und nie nicht - ganz bestimmt nicht, ehrlich nicht! - Steuergelder, die unter anderem von den Verlagen kommen, verwendet. Und ihr Gehalt "erwirtschaftet" Frau Lux offensichtlich auch alleine - wahrscheinlich mit solchen Comedy-Interviews wie oben. Warum gründet Frau Lux denn nicht einen Verlag - wo sie doch schon das Business-Modell der Zukunft gefunden hat - ALLES UMSONST. Ach was, ein Unternehmen, ähm, eine ganze Welt!, wo sie gleich UMSONST wohnen und UMSONST essen und sich UMSONST kleiden kann. Und natürlich UMSONST Kunstwerke von bleibendem Wert schafft. Und weder Gewerbe- noch Umsatzsteuer zahlen muss, weil ja ALLES UMSONST ist. Interessant ist doch, was die Position der Präsidentschaft des Weltverbandes der Bibliotheken an Voraussetzungen erfordert - ich werde mich sofort bewerben. Schilda at its best.

    @11) Soweit ich weiß, hat auch Mozart für Geld komponiert, die anderen sicher auch? Von Irgendwas mussten sie leben. Was den Wert doch nicht schmälert.

    @1 Lieber Herr Weinreich, bitte nicht austreten, Posten übernehmen!

    Und ich stelle hiermit nicht die Funktion der Bibliotheken an sich in Frage, um das klarzustellen!


    Irmgard Meier
    Kreuzauer Buchhandlung

  • Markus Groß

    Markus Groß

    @12 Liebe Frau Meier, ich stimme Ihnen ja so zu .. ich habe mich über das Interview der Frau Lux, die uns in all ihrer Arroganz und vom Steuerzahler alimentiert die Welt erklären will sehr geärgert. Mit Rechtsfragen will sie sich nicht belasten, versteht gar nicht warum das die Verlage kümmert. Über Zukunft will sie sprechen, lehnt es aber gleich ab die Situation der Verlage auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Die Kunden der Bibliotheken wollen alles kostenlos und möglichst nicht mal mehr in die Bibliothek kommen. Na, da ist die Frage wozu es eine Frau Lux dann noch braucht. Wo wird die arme Frau nur ihr warmes Büroplätzchen finden? Dreist, dass ausgerechnet Frau Lux von Werten spricht.

    Ich will auch mal Ansprüche stellen: Ich will nen Porsche ..sofort .. geliefert bekommen, und Feinkost Käfer muß ne Filiale nebenan aufmachen, natürlich damit ich dort umsonst einkaufen kann. Dem Anspruch haben sich diese Firmen gefälligst zu stellen ;)

    Dem Weltverbandes der Bibliotheken kann man zu seiner Präsidentin nicht gratulieren. Danke dem Börsenblatt, dass sie uns manchmal solche verspäteten Aprilscherze präsentiert.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Die Werte-Debatte ist so alt wie das Bewußtsein, ein Künstler zu sein, bzw. künstlerisch tätig zu sein. Woran bemißt sich der Wert künstlerischer Arbeit? Was ist wertvolle und wertlose Kunst? Ist das eine ästhetische und/oder eine materielle Frage?

    Ich meine, daß weder es ein Kunstwerk schmälert, wenn es um Geld geschaffen wurde (vgl. Mozart), noch es schmälert, wenn es nicht um Geld geschaffen wurde. Der materielle Wert eines Gegenstandes hat keinen realen, d. h. zwingend notwendigen Bezug zum ideellen Wert eines Gegenstandes, wie der Hype der letzten Jahre auf dem Kunstmarkt deutlich vor Augen führte.

    Die gesamte „Kostenlos“- und „Umsonst“-Debatte ist keine Debatte, die in der (digitalen) Welt des Internets die Bedeutung hat, der Sie sie in der dinglichen Welt zu Recht oder Unrecht beimessen. „Open Source“ und „open access“ sind Teil der Internet-Kultur, im Internet ist der Grundsatz „was nichts kostet, ist nichts wert“ weitgehend bedeutungslos. Schon die gesamten Strukturen des weltweiten Netzes sind für Sie, für mich, für alle kostenlos nutzbar. Sie und ich zahlen als Privatleute den Zugang zum Netz, aber nicht das Netz selbst. Eines die Wissensgesellschaft revolutionierenden Projekte, Wikipedia ist kostenlos für den Nutzer, viele gerade hochkarätige Wissenschaftler aus dem angelsächsischen Raum arbeiten als Autoren daran kostenlos mit, viele Artikel sind in Umfang und Qualität inzwischen jedem gedruckten Lexikon überlegen.

    Preis und Qualität sind im Internet nicht mehr in einem direkt proportionalen Verhältnis aneinander gekoppelt. Eine der Grundlagen des funktionierenden Internets ist die Idee des „Gemeinguts“. Wir alle nehmen allein schon mit unseren Kommentaren und Diskussionen an diesem Gedanken teil, denn wir investieren Zeit und unsere Ideen – und das völlig kostenlos. Warum zahlt mir das „Börsenblatt“, warum nicht der „Börsenverein“ Geld für meine Kommentare? Will ich überhaupt Geld dafür?

    Darum ist auch die Vorstellung vom Urheberrecht im Internet auch nicht dieselbe wie sie in der dinglichen Welt gängig ist. Eher vergleichen läßt der Umgang mit dem Copyright oder dem Urheberrecht in der digitalen Welt mit dem Umgang mit geistigem Eigentum in den Wissenschaften: Wissenschaftler nutzen fremdes geistiges Eigentum, um eigenes geistiges Eigentum zu schaffen, sie verbessern, modifizieren fremdes geistiges Eigentum und schaffen damit Neues. Aber sie geben die Quellen ihrer Inspiration an, sie respektieren fremde Leistung, indem sie wissenschaftlich zitieren, ihre Quellen offenlegen. Nicht der Umstand, daß fremde Leistung – immer ja kostenlos – genutzt wird, ist ein Verstoß gegen wissenschaftliche Regeln, sondern die Nutzung ohne Quellenangabe. Ein Plagiat ist nicht die Nutzung fremden geistigen Eigentums, sondern die Lüge, fremdes geistiges Eigentum sei eigenes geistiges Eigentum. „Wer hat’s erfunden?“ frägt der Ricola-Mann und kneift einem anderen in die Nase. Das ist der Umgang mit geistigem Eigentum und Urheberrechten in den Wissenschaften und im Internet.

    Zudem spielt in der „scientific community“ die Aufmerksamkeit für die eigenen und fremden Arbeit eine sehr, sehr, sehr große Rolle. Der sog. „impact factor“ besagt, wie häufig ein Autor und seine Arbeit zitiert werden, d. h. Grundlage von Diskussionen und Forschungen sind. Zahle ich als Wissenschaftler einem Kollegen Tantieme, wenn ich aus seinen Forschungen zitiere, also seine Forschungen zur Grundlage machen? Wir er mich verklagen, weil ich seine Leistungen kostenlos genutzt habe? Schmälert meine kostenlose Nutzung seine Leistung, macht „kostenlos“ hier „wertlos“?

    Im Gegenteil! Je öfter ein Wissenschaftler zitiert wird, seine Arbeit zur Grundlage anderer Arbeit gemacht wird, desto höher steigt sein Ansehen, desto bekannter und bedeutungsvoller – im positiven wie negativen vielleicht – ist er. Darum ist er an einer massenhaften und barrierefreien Verbreitung interessiert. Was Umsatzzahlen im Buchhandel sind, ist der „impact factor“ in den Wissenschaften – und im Internet.

    Das Internet ist aus den Wissenschaften heraus entstanden und die „Kostenlos“-Mentalität der Wissenschaften, ihre Ideen und ihr geistiges Eigentum barrierefrei, also kostenfrei anderen Menschen zur Verfügung, zur Diskussion und Weiterentwicklung zu stellen, dieser Umgang mit geistigem Eigentum ist darum auch Teil der Mentalität des Internets.
    Die Verlage – und Autoren – als Verbreiter und Schaffer von Wissen und idiellen wie materiellen Werten sollten in ihrem eigenen Interesse (und wir Wissenschaftler und Internet-Nutzer sagen es ihnen gerne noch ein 104’545’783tes Mal) diese Mentalität berücksichtigen. Denn das Internet als Verbreitungsmedium hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet, wie er umfassender und grundlegender auch für die Welt der Dinge nicht sein könnte. Entweder haben Künstler und Impressarii daran teil oder nicht.

    Das ist es, was auch Claudia Lux Ihnen zu vermitteln versucht.

  • Dr. Klaus Graf

    Dr. Klaus Graf

    Dr. Losehand hat absolut Recht.

    Zum 100.000 Mal: Wenn es außer Stammtischparolen etwas Hieb- und Stichfestes zum Thema "Open Access schadet den Verkaufszahlen" gibt, sollte das in den Tag monograph_open_access auf delicious, wo über 40 Links das Gegenteil plausibel machen:

    http://delicious.com/Klausgraf/monograph_open_acce ss

  • krämer

    krämer

    Aber muß man nicht zwischen einem freien, kostenlosen Austausch von Wissen, zu dem alle Teilnehmer etwas beitragen, und der Bereitstellung von Wissen, für Konsumenten, die selbst keinen Input in dieses System machen, unterscheiden.
    Die Nutzer von Bibliotkeken nehmen eine Dienstleistung in Anspruch, und ich kann nicht erkennen, weshalb sie dafür nicht bezahlen sollten, noch, wie ohne solche Finanzierung, ob direkt oder indirekt (über Steuergelder z.B.), diese Dienstleistungen weiter angeboten werden können.
    Der durchschnittliche Student ist ja gar nicht wissenschaftlich produktiv, sondern lernt für seine Ausbildung eines späteren Berufes, nimmt also nur etwas, und gibt nichts zurück. Dem werden dann ja kostenlose Leistungen gegenüber stehen müssen, von Lehrenden, also z.B. diejenigen, die Lehrbücher schreiben. Es handelt sich dabei um Schenkungen, und diese Schenkungen mögen innerhalb des Wissenschaftssystems sich gegenseitig ausgleichen, aber es geht ja heraus in die Gesellschaft insgesamt, das Wissenschaftssystem bedient die Gesellschaft mit kostenlosen Wissen.
    Das kann niemals funktionieren, ohne daß die Gesellschaft der Wissenschaft Ressourcen zur Verfügung stellt, die woanders erwirtschaftet wurden.
    Gegen so eine pauschale Budgetierung spricht aber doch vieles, und die traditionelle Verrechnung von Leistungen hat schon was für sich. Und was überhaupt nicht zu verstehen ist, warum ein bisher funktionierendes System von Autorenschaft, Verlagen und Buchhandlungen, sowie Bibliotheken, so stark unter Druck geraten soll, nur weil Wissenschaftler und Künstler philosophische Überlegungen anstellen, Wissensgut müsse Kollektivgut sein (im Interesse des Fortschritts, oder zwecks Einsparung gesamtgesellschaftlicher Kosten?). Ich befürchte, ganz andere Interessen stehen dahinter, die diesen Trend in die "digitale Informationsgesellschaft" vorantreiben, und es sind nicht zuletzt ökonomische.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ 16, Krämer:

    "Der durchschnittliche Student ist ja gar nicht wissenschaftlich produktiv, sondern lernt für seine Ausbildung eines späteren Berufes, nimmt also nur etwas, und gibt nichts zurück."

    Schlagen Sie nach unter "Generationenvertrag"; eine Volkswirtschaft und eine soziale Gemeinschaft funktioniert nicht nach der 1:1-Regel. Wer nur gibt, weil er bekommt, ist ein Unmensch, ein "animal asociale".

    Das ist aber nicht der Punkt. Nochmal: Das Internet und die aus ihr erwachsende digitale Wissensgesellschaft <i>funktioniert anders</i>. Das heißt: Sie hat andere Regeln, sie finanziert sich anders, Werte sind andere und werden anders geschaffen.

    Denn natürlich kann man im und mit dem Internet - viel - Geld verdienen. Aber man kann nicht <i>gegen</i> das Internet und seine Regeln, seine Usancen und seine Mentalität Geld verdienen.

    Natürlich kann man im und mit dem Internet Geld verdienen, warum auch nicht? Aber anders. Denn man kann nicht im Internet <i>gegen</i> das Internet und seine Mentalität Geld verdienen.

    Die Finanzierung der digitalen Wissensgesellschaft wird auch durch einen Transfer von Mitteln aus der analogen Welt erfolgen. Darum sagen wir den Verlagen ja immer wieder: Neues Denken! Neue Konzepte! Neue Wege!

    Davon wird bspw. The Folio Society nicht betroffen sein, weil es für deren Bücher keine vollwertige digitale Version geben kann. Folio macht gute "Dinge", deren Wert nicht der Text ist, denn alle Bücher kann man auch als billiges Taschenbuch bekommen.

    Wo aber nicht das "Ding an sich", sondern der Text, das "geistige - immaterielle - Eigentum" im Vordergrund steht, dort wird es Eingang in die digitale Welt finden.

    Es wird immer ein Bedürfnis nach "guten" Dingen geben, nach guten Büchern, Schallplatten und Erlebnissen, die nicht "aus der Konserve" stammen.
    Dafür gelten die überkommenen Regeln. Aber nur dafür.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Werte Doctores Losehand und Graf,

    das internet ist aus dem Militär heraus entstanden und es ist noch nie kostenlos gewesen. Ich muss nämlich Hardware und software und Verbindungsentgelte etc beschaffen und wie Sie vielleicht gemerkt haben gibt es unzählige Möglichkeiten im Internet Geld zu verdienen, genauso wie in der realen Welt. Das Internet als Grund anzuführen warum Bücher kostenlos und beliebig nutzbar sein sollten ist nicht überzeugend.

    Zudem ist wissenschaftliche Literatur nie kostenlos gewesen. Ich habe jedenfalls im Laufe meines Lebens eine Menge Geld dafür bezahlt und nicht nur die reinen Herstellungskosten bezahlt, sondern Autorenhonorare, Kapitalverzinungen der Eigentümer der Verlage und vieles mehr.

    Es gibt überhaupt gar keinen Grund, warum in Zukunft nicht für wissenschaftliche Publikationen wie bisher auch Geld bezahlt werden soll. Es mag immer Autoren geben, die kostenlos arbeiten möchten - das sei ihnen unbenommen. Es wird Organisationen geben, die wissenschaftliche Literatur kostenfrei zugänglich machen - wunderbar. Solange es aber Autoren gibt, die für Ihre Arbeiten bezahlt werden wollen, Übersetzer, die honoriert gehören und Verlage die ihre Kosten und gewinne erwirtschaften müssen, mit all den beteiligten Mitarbeitern in Druck, Versand etc etc ... solange wird die Welt nicht so werden, wie die Doctores es sich erträumen. Auch wenn Sie es mir zum 4535677x erzählen wollen wird es nicht wahr. Dass ich hier wie Sie meine Meinung als Gemeingut äußere, ist meine (und Ihre und des Börsenblattes) freie Entscheidung. Ich kann mich auch dagegen entscheiden, mich zu äußern, oder dies durch eine Publikation tun, für die derjenige, der sie lesen (oder downloaden oder anhören) möchte, bezahlen muß. Die Entscheidung, ob ich KOSTENLOS meine Meinung kundtue (oder mein Sachbuch veröffentliche etc.) und ob der Zugang zu meinen Texten (oder Bildern etc) KOSTENFREI ist oder nicht, diese Entscheidung liegt GANZ ALLEIN bei mir - bzw. bei mir und dem verlag, dem ich meine Werke anvertraue. Da können Sie und Frau Lux gerne auf 70 goldenen Eseln siebenmal um Daun herumreiten: Die alleinige Entscheidung darüber, ob Sie zahlen nmüssen liegt bei mir als Autor bzw. beim Verlag. ... und das ist auch gut so.

    Das ist auch die Rechtslage - auch wenn das einer Frau Lux offenbar Wurscht ist.

    Jetzt können Sie natürlich die Rechtslage politisch zu verändern versuchen. Sie können das Urheberrecht abschaffen oder verändern, Sie können staatlich alimentierte Wissenschaftler zwingen, ihre Werke kostenlos zu publizieren ...all das wird nur leider dem Grundgesetz nicht entsprechen. Das Eigentum (und das Bundesverfassungsgericht hat das geistige Eigentum darunter gefaßt) ist grundgesetzlich geschützt. Ja, werden Sie sagen, aber Eigentum verpflichtet ... aber ganz sicher nicht dazu, dass ich die von mir erarbeiteten Werke kostenlos zu Ihrer und Frau Luxen's sowie Jedermanns Verfügung stellen muß.

    Was Sie - zugespitzt - verlangen ist die Enteignung von Autoren und Wissenschaftlern und Verlagen.

    Da werden Sie sich aber ne ganz neue Gesellschaftsordnung stricken müssen ...

    Frohe Ostern
    Markus Groß

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Werter Herr Groß,

    a) das CERN, an dem Tim Berners-Lee gearbeitet hat, ist keine militärische Einrichtung;
    b) nichts von dem, was Sie schreiben, ist falsch (mit Ausnahme von a), aber auch nichts richtig. Sie schreiben - und denken wohl auch - haargenau an der Sache vorbei. Vor allem verwechseln Sie permanent geistiges und materielles Eigentum. Geistiges Eigentum kann man stehlen (Plagiat), aber nicht ent-eignen.

    Nebenbei will Sie und andere niemand zu etwas verpflichten und zu etwas zwingen. Wir meinen's gut mit Ihnen, weil wir - die gelahrten doctores - sagen, wie's draußen ist und noch werden wird. Das Darwin-Jahr bietet sich zu Analogie-Schlüssen an.

    Frohe Ostern,
    Joachim Losehand

  • krämer

    krämer

    Aber das mit dem militärischen Ursprung stimmt schon, so ist mir das auch bekannt. Das UNIX, und sein damaliges rudimentäres Internet sind militärisch motivierte Entwicklungen.
    Danach gab es als revolutionierende Erfindungen den PC von IBM und den Web-Browser (Tim Berners-Lee bzw Netscape.) Ingenieurleistungen, Erfindungen die die Welt verändert haben, was aber unterschieden werden muß von der Discussion-Fraktion der Wissenschaftler, die nur davon profitieren, und die aber auch nicht gleichgesetzt werden können mit der von Losehand postulierten "digitalen Informationsgesellschaft", mit dem freien Zugang zum Wissen, das die Welt produziert, als wenn dies aus technischen Erfindungen von allein automatisch folgen würde. Es sind in erster Linie ökonomische Zwänge, die die Entwicklung vorantreiben, Verteilungskämpfe gewissermaßen, und es mag richtig sein, auf die doctores zu hören, was für einen Trend sie voraussehen, aber gewiß nicht über die Anerkennung ihrer Ideologie, wie die Wissensproduktion zu steuern sei. Steuerung muß es geben, und hoffentlich zugunsten des Gemeinwesens, und die Gewalt der technischen Entwicklung zwingt natürlich zu Anpassungen, was nur den einzelnen betrifft, den Bürger, der Vorteile oder Nachteile hat, oder der Unternehmung, die von der Entwicklung profitieren kann, oder nicht.

  • Rainer Moritz

    Rainer Moritz

    Ein köstliches Interview, das Frau Lux da gibt. Ich möchte auch für viele Dinge nichts bezahlen - leider interessiert das in der Regel niemanden. Vielleicht sollte Frau Lux ihren bequemen Argumentationskosten einmal überdenken.

  • Frankobs

    Frankobs

    Dass Frau Lux so krude und verblendet argumentieren kann, liegt einem Umstand geschuldet: Im Gegensatz zu den sie hofierenden Verlagen müssen sie und Bibliotheken sich nicht im Fahrwasser der freien Märkte behaupten. Wer Geld vom Staat bekommt, kann sich gewiss bequem zurücklehnen. Er sollte indes nicht glauben, per se die besseren Argumente zu haben. Frau Lux sollte über folgendes These nachdenken: Sollte vieles frei verfügbar sein, wer braucht dann noch Bibliotheken?

  • gefährliches Halbwissen

    gefährliches Halbwissen

    Sehr geehrter Herr Dr. Losehand,

    zu Ihrer Antwort a)
    Tim Berners-Lee hat nicht DAS INTERNET entwickelt, sondern legendlich HTML.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    ^ich bedauere, wenn offenbar Verwirrung dadurch entstanden ist, daß ich dem derzeitigen und auch hier im Börsenblatt üblichen Sprachgebrauch folgte und „world wide web“ und „Internet“ synonym bzw. totum pro parte gebraucht habe.

    Sie werden mir zustimmen, daß wir nicht das ARPA-NET des US-Militärs, sondern „das web“ (www, w3) von T B-L heute als Grundlage der digitalen Informationsgesellschaft betrachten können bzw. müssen.

    -

    Aber eine interessantere Frage wurde des öfteren gestellt: „Wer braucht (dann) noch Bibliotheken?“

    Die Frage zeigt, wie sehr manche in der analogen Welt der Dinge verhaftet sind. Denn wenn man die Aufgaben einer Bibliothek grundsätzlich formuliert, dann sind Bibliotheken: Wissensspeicher. Bibliotheken sammeln, bewahren und stellen Wissen der bzw. einer Öffentlichkeit zur Verfügung. In Bibliotheken werden schon seit langen nicht nur dingliche Bücher, sondern auch dingliche Musik- und Bildträger gesammelt und verfügbar gemacht.

    Bibliotheken sind die „open access“-Repositorien der analogen Welt. Dort ist alles frei verfügbar. Sie stellen auch die Infrastruktur für die Sammlung, Bewahrung und Bereitstellung von Wissen zur Verfügung. Genauso wie die Gebäude einer Bibliothek errichtet und unterhalten werden wollen, genauso müssen die digitalen Repositorien, die ja auf dinglichen Servern liegen, errichtet, erweitert, gewartet, betreut werden. Und die Dokumente, die in den Repositorien liegen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Verleger, wir sollten die Aufforderung von Frau Lux ernst nehmen: welches Modell können wir anbieten?

    Die Leser wollen alles schneller haben, kostenlos. Und sie wollen dafür nicht in die Bibliothek kommen. Hmm. Bitter.

    Ein zentraler Server mit allen lieferbaren Inhalten, dazu noch die Münchner Stabi von Google eingescannt, bibliothekarsherz, was willst Du mehr?

    Alle Studenten bekommen für ihre Studiengebühren den kostenlosen Zugang auf alle Inhalte. Der jeweilige Betrag wird von der Uni direkt an den Betreiber des Servers überwiesen, der ihn nach Nutzung auf die Verlage verteilt, die dann ihre Autoren honorieren.

    Andere Nutzer können das Angebot abonnieren, für bestimmte Gruppen übernimmt der Staat die Gebühr.

    Er hat ja dann eine Menge Geld übrig, da die von Frau Lux angekündigte Investitionsfreudigkeit unnötig ist und bis auf ganz wenige Spezialsammlungen die meisten Bibliotheken nicht mehr Genraucut werden. Einige Informationsberater, die Lesern beibringen, wie man im Internet sucht und findet, die kann jede Schule, Uni oder Kommune brauchen. Aber die riesigen Budgets für Infrastruktur, Personal und Anschaffungen benötigt man nicht mehr. Das Geld könnte für Bildung an den Schulen eingesetzt werden.

    Liebe Frau Lux, sieht so das Geschäftsmodell aus, das Ihnen vorschwebt? Sie erwarten, dass wir Verleger um Sie werben und sie locken? Ich fürchte, seit der Causa Darmstadt sieht unser werben so aus.

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Zu 24.
    Sehr gehrter Herr M. A. Dr. Losehand,

    ich möchte mich bei Ihnen sehr bedanken,
    dass Sie sich für die Bibliotheken und ihre
    Aufgaben einsetzen.

    In den bisherigen Kommentaren hat es mich
    etwas verwundert, dass eigentlich niemand
    für die Bibliotheken als eine über die
    Jahrhunderte doch gewachsene
    Institution eingetreten ist.
    Man kann nicht jetzt nur wegen den Trends
    des Kopiererns, Einscannens und der
    Digitalisierung einen ganzen Berufsstand
    in Frage stellen und dann letztendlich
    konsequenterweise die Bibliotheken
    alle zumachen.
    Jeder hat seinen Stick auf dem die Texte
    gespeichert sind und ist glücklich damit.
    Alle Texte wären dann frei zugänglich,
    kostenlos herunterzuladen und das
    Urheberrecht wäre außer Kraft gesetzt,
    weil jeder machen kann was er will.
    Also eine grenzenlose und noch dazu
    kostenlose Freiheit würde sich da auftun.
    Wo bleibt aber letztendlich der Sinn des
    Forschens und geistigen Tuns?
    Wenn alles kopierbar und einscannbar
    wird, wo ist da die eigene Idee
    zum Entdecken und Forschen?
    Große Wissenschaftler vergangener
    Zeiten hatten nicht diese Möglichkeiten
    von heute und haben trotzdem das
    Weltbild in entscheidender Weise
    verändert.
    Es kommt in unserer viel zu hektischen
    und unruhigen Zeit auf den richtigen
    und notwendigen Maßstab an, der
    doch auch einen gewissen Rahmen
    im Vervielfältigen von Texten geben
    sollte.
    Schriftsteller und Verleger haben
    im ,Heidelberger Appell` zum Schutz
    des Urheberrechts aufgerufen.
    Es wäre z. B. zu überlegen, ob nicht die
    Vervielfältigung eines Werkes im
    Urheberrecht neu definiert werden sollte?
    Bibliotheken müssen auch in der Zukunft
    für das Sammeln, Bewahren und das
    Bereitstellen von Wissen vorhanden sein.
    Bibliotheken sind aber außerdem auch
    ein Ort der Kommunikation, so u. a. in
    Ausstellungen zur Sichtbarmachung ihrer
    alten Buchbestände, z. B. der kostbaren
    Handschriften. Zudem stehen den
    Studenten und Studentinnen oft viele
    Leseplätze in den Bibliotheken zur
    Verfügung.
    Durch Freundlichkeit gegenüber den
    Benutzern und eine Zuverlässigkeit
    können die Bibliotheken in ihrem
    Profil gewinnen.
    In der Zukunft ist sicher auch ein
    Handeln nach den Grundsätzen
    der Vernunft wichtig.
    Es wäre fatal, wenn die weitere
    Forschung nur vom Digitalisieren,
    Einscannen und Kopieren von
    Texten abhängen würde?
    Das eigene und kreative Denken
    und neue Ideen sind in der Forschung,
    der Entwicklung in Naturwissenschaften
    und Technik und in allen Wissenschafts-
    gebieten gefragt.
    Gewiss werden da auch Texte und
    Unterlagen von früheren Forschungs-
    ergebnissen benötigt.
    Das Ganze sollte aber irgendwie in
    einer gewissen Struktur ablaufen.
    Leider unterliegen wir Menschen oft
    dem ,Nachmachprinzip`, d. h. wenn
    jemand etwas macht, dann mache ich
    es nach.
    Eine Prüfung, ob etwas falsch und
    richtig ist, gibt es oftmals nicht mehr.
    Die Bibliotheken können und dürfen
    sich den zukünftigen Aufgaben nicht
    sperren.
    So gibt es die Schienen der weiteren
    Bucherwerbung und schließlich auch
    der Digitalisierung.
    Beide Wege sind zu gehen.

    Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München

  • Frankobs

    Frankobs

    @ Herr Losehand: Trotz Ihrer sehr ausführlichen Thesen vermag sich sich mir ein Gedanke nicht entziehen: Sie plädieren für OA-Lager, grob gesprochen. Jeder hat auf alles Zugriff. Schon und gut, außer einem Server, auf dem der Zugriff stattfindet, ist nicht mehr nötig.
    Sie schreiben: "Die Finanzierung der digitalen Wissensgesellschaft wird auch durch einen Transfer von Mitteln aus der analogen Welt erfolgen. Darum sagen wir den Verlagen ja immer wieder: Neues Denken! Neue Konzepte! Neue Wege!" Auch diese schöne Idee dürfte sich nur jemand leisten können, der von den Ausschüttungen öffentlicher Töpfe lebt.
    @Herr Kraft Sie schreiben "Das Ganze sollte aber irgendwie in einer gewissen Struktur ablaufen." und "Man kann nicht jetzt nur wegen den Trends
    des Kopiererns, Einscannens und der
    Digitalisierung einen ganzen Berufsstand
    in Frage stellen und dann letztendlich
    konsequenterweise die Bibliotheken
    alle zumachen." Da frage ich Sie: Warum eigentlich nicht? Folge ich der Argumentation des von Ihnen gelobten Herr Losehand kann ich konsequent argumentieren: Warum bedürfen Wissensspeicher den Archivare? Ist Wissen frei verfügbar, könnte sich per Selektion ohne Weizen von Spreu bzw. Wahrheit von Fälschung trennen. Als reine Konservatoren sind die Bibliotheken obsolet, sofern die Forscher freien Zugang auf die Materialien haben (was die Konsequenz dessen wäre, was Herr Losehand und Frau Lux vorschlagen).
    Frau Lux fordert Verlage auf, sie (die Bibliotheken) zu hofieren. Es gibt, abgesehen von der zweifelhaften Position bezüglich der Urheberrechte, dabei eines zu beachten: Im Zeitalter direkter Zugriffe benötigt der Verlag nur einen direkten Partner: den Konsumenten, nicht die Bibliotheken mit Forderungswünschen.
    Noch eins: "Durch Freundlichkeit gegenüber den
    Benutzern und eine Zuverlässigkeit können die Bibliotheken in ihrem Profil gewinnen." - WIe bitte im Zeitalter der Digitalisierung? Umgekehrt: Wie profillos sind demzufolge einige der Bibliotheken längst? Ich befürchte: Mit dem Schritt, Google die Bestände digitalisieren zu lassen, haben die Bibliotheken und Archive ihre eigene Büchse der Pandora geöffnet.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ Frankobs

    Es ist meiner Meinung auch nach nur bedingt entscheidend, womit man sein Geld verdient; wichtiger ist, wieviel praktische und theoretische Erfahrungen man wo (wie ich in Verlagen, Bibliotheken und Archiven) gesammelt hat. Und wie man dann aus diesen Erfahrungen heraus beobachtete Entwicklungen beurteilt.

    Historisch interessiert, muß man natürlich zustimmen, daß bestimmte Berufe aussterben; kaum einem jungen Menschen könnte man einen IHK-Lehrgang „Nachtwächter“ oder das Studium „Hauslehrer B.A.“ nahebringen. Auch Lochkartenstanzer oder Selbstbinder werden nur noch selten gesucht. Nicht alle Berufe verschwinden jedoch, wenn sich Aufgabe und Anforderungen ändern. Es ändern sich Berufsbilder und Tätigkeitsfelder, der KFZ-Mechaniker 2009 hat mit dem KFZ-Mechaniker 1959 nicht mehr viel gemeinsam, wie auch nicht die Bibliothekare und Archivare heute mit ihren Kollegen vor fünzig Jahren.

    Ich finde diese statische Vorstellung, daß entweder alles so bleibt, wie es ist oder alles obsolet wird (= „ganz oder gar nicht“), eigenartig, weil sie so gegen jede subjektive Erfahrung und gegen jedes historisches Wissen ist. Die derzeitigen Diskussionen erinnern mich an jene Zeitenwende, in der durch den aufkommenden Buchdruck es drohte, nicht mehr Bücher in Klöstern von Hand kopieren zu müssen. Ob die Bibliothekare und Kopisten, die diversifizierten Fachkräfte in den Scriptorien ähnlich dachten, wie die Verleger heute?

  • Internaut

    Internaut

    Ich bin entsetzt, wie gering das Leseverständnis bei Menschen ausgebildet ist, deren Geschäft das Buch ist! Wo steht denn, dass Frau Lux dafür ist, das Urheberrecht zu brechen? Wo steht, dass sie nichts zahlen möchte? Bitte genau lesen, was sie sagt und nicht gleich mit Schaum vor dem Mund zuschlagen, und lieber darüber nachdenken, ob sie nicht recht hat mit ihren Gedanken!

  • Frankobs

    Frankobs

    @Internaut Es war nicht zwingend notwendig, dass Frau Lux expressic verbis ihren Gedanken des open access ausdrückte, gleichwohl: Zwischen den Zeilen lässt sich ihr Anspruch gegenüber den Verlagen sehr wohl lesen, dazu ist kein Schaum vorm Mund nötig.
    @ Herr Losehand Dass Berufe aussterben bzw. sich ihre Felder verändern, ist unbestritten. Ihre Erfahrung sei Ihnen unbenommen. Nur: Sie beurteilen die gesamte Diskussion nicht aus dem Blickwinkel, dass von Ihnen angesprochene Modelle wirtschaftlich bestehen und rechnen lassen müssen. Nichts gegen Ihren kleinen historischen Exkurs: Aber erstens ist er schief (was Wissensspeicherung und -veröffentlichung an Qualität und Quantität angeht) und zweitens führt er keinen Schritt weiter.

  • Thomas Weil

    Thomas Weil

    Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Forschung, Lehre und künstlerisches Wirken zukünftig gänzlich unbezahlt bleiben.
    Hochschuldozenten, Bibliotheksangestellte, Museumswärter, Schriftsteller und viele andere Berufsgruppen mehr, leben zukünftig gänzlich von dem Vergnügen Ihre soziale Lebenstat vollbracht zu haben. Die notwendigen Server, das Wissen der Welt zu hosten, wird uns Google.inc. gerne zur Verfügung stellen. Gibt es doch dann zukünftig nur noch eine einzige Internetadresse, die es sich lohnt für wissensgetriebene Fragestellungen anzusteuern, außer denen die der Community-Pflege geschuldet sind.
    Soviel Spitzweg war nie.

    Natürlich werden die Verlage und der verbreitende Buchhandel die Gratwanderung zwischen alten und neuen Geschäftsmodellen meistern müssen.
    Und sicher werden auch ganze Berufsgruppen verschwinden oder sich radikal wandeln (wer sucht heute noch Schriftsetzer oder Metteure), aber von einer staatlich alimentierten Stelle herab, ganze Wirtschaftszweige zu diffamierten, als unflexibel und krämerisch, finde ich schon starken Tobak.

  • Dr. Christiane Gaehtgens

    Dr. Christiane Gaehtgens

    @Internaut: Sie haben Recht, und ich kann Frau Lux nur nachdrücklich zustimmen, wenn sie gegen den bisher gängigen, defensiven und auf Besitzstandswahrung ausgerichteten Umgang mit dem Thema Urheberrecht argumentiert. Auf der staatlichen Seite war die Diskussion über das Thema lange von der Maxime bestimmt, ein neues Urheberrecht dürfe die Nutzung digitaler Medien nicht schwieriger machen als die von Printmedien. Sieht so die Zukunft der Informationsgesellschaft aus? Kein Mensch kann von Verlagen erwarten, dass sie ihre betriebswirtschatflichen Interessen verleugnen. Dann gäbe es bald keine Publikationen mehr, und das kann nicht im Sinne der Leser noch der Autoren sein. Aber es sollte auch niemand von Verbrauchern erwarten, dass sie ihre Nutzerinteressen entsagungsvoll an den technischen Möglichkeiten des vergangenen Jahrhunderts ausrichten - womöglich noch unterstützt durch eine restriktive Nutzungspolitik der Bibliotheken. Die würden so ihrem Auftrag, den Zugang zu Kunst, Wissenschaft und allgemeiner Information zu fördern, sicher nicht mehr gerecht und machten sich damit schnell selbst überflüssig. Neue Verlagskonzepte sind die große Herausforderung der Zukunft, auch damit hat Frau Lux Recht. Es ist unseriös, ihr (@Stefan Lose)vorzuwerfen, dass sie diese Konzepte nicht gleich ausgearbeitet mitliefert. Sie zu erarbeiten ist eine Aufgabe, die die Verlage nur in Zusammenarbeit mit den Nutzern, darunter als herausragende Repräsentanten die Experten aus den Bibliotheken, erarbeiten können. Die Musikbranche hat es auch geschafft. Sollte sich die Buchwelt wirklich vorwerfen lassen müssen, dass sie für das digitale Zeitalter keine Konzepte mehr hat? DAS wäre die eigentliche Katastrophe für alle, denen das Buch- , Bibliotheks-und Verlagswesen am Herzen liegt.

  • krämer

    krämer

    ad 31: (aber von einer staatlich alimentierten Stelle herab, ganze Wirtschaftszweige zu diffamierten, als unflexibel und krämerisch, finde ich schon starken Tobak. )

    So weitgehend hatte ich das nicht verstanden. Allgemein ist die Kritik der Kulturschaffenden am "Kassenbetrieb" schon berechtigt, und kann allzu große Fixierung auf reine Gewinnorientierung in Frage stellen. Aber der Zeitpunkt für solche Schelte ist denkbar ungünstig, wo die Branche in Schwierigkeiten ist.

    Und die Empfehlung, absehen von der Vision einer Gesellschaft, wo es aufs Rechnen nicht ankäme, war von Losehand ja gerade: *Unternehmerisch* kreativ zu reagieren, also gerade nicht wie ein Künstler oder Doctor: Sondern gewinnorientiert, mit kassenmäßigem Erfolg aus der Umbruchzeit hervorgehen, also Geschäftstüchtigkeit zu beweisen, das ist auch die Aufforderung von Frau Lux.

    In der Hoffnung, daß dann auch für die Kulturschaffenden, bzw. Vermittler wie Bibliotheken in Zukunft weiter Finanzmittel bereitgestellt werden können. Denn nicht nur die Gesellschaft braucht diese Menschen, die aus idealistischen Motiven tätig sind, sondern auch wir, die an der Umsetzung, Vermittlung, Realisierung, Finanzierung von Kulturproduktion mitarbeiten, "dran verdienen", brauchen sie, die Künstler, Autoren und Wissenschaftler, denn ohne ihre Schöpfungen würde uns die Ware, mit der wir handeln, fehlen.

    Aber gegen Autoren, die von ihren Produktionen leben wollen (bzw. müssen), die unmittelbar bezahlt werden wollen, soll man auch nichts sagen, denn die Personalunion aus Künstler/Wissenschaftler und Geschäftsmann ist ja nicht ausgeschlossen, sondern nur eine Variante einer notwendigen Beziehung.

  • Joachim Losehand

    Joachim Losehand

    @ Frankobs:

    Woher wissen Sie, daß ich nicht „aus Blickwinkel, daß [...] Modelle wirtschaftlich bestehen und [sich] rechnen lassen müssen“? Sicherlich, im www bzw. Internet gibt’s einen Haufen Schnickschnack, der klasse aussieht, supergut einschlägt, völlig blödsinnig ist und nichts einbringt. Wir sagen nur: Twitter.

    Natürlich geht es um Nachhaltigkeit, was nützt es, ein großartiges Repositorium aus dem Boden zu stampfen, das vorderhand niemanden etwas kostet (außer Nerven bei der Einrichtung), aber auch nicht das Jahr überlebt? Was nützt es einem Fachverlag, wenn er Liebhaberbücher in Schweinsleder, handgeschöpftem Bütten, handkolorierten Kupferstichen, Handpresse produziert, niemand sie kauft und das ganze Unternehmen schon vor Erscheinen des 1. Buch tot ist? Eben.

    Nur: ich bin kein Betriebswirt („Buchhalter“ hätt’ ich eigentlich gesagt, aber das klingt so abwertend nach Ärmelschoner). Ich bin Leser und Autor und Internet-Nutzer. In dieser Eigenschaft und mit meinen Erfahrungen mische ich mich unter die Diskutanten, setze mich mit an den Tisch. Damit wir gemeinsam an dem Projekt „digitale Wissensgesellschaft“ (Herr Krämer schlägt mich irgendwann mit dem Begriff) arbeiten und es voranbringen.

  • Johannes Unverzagt

    Johannes Unverzagt

    Man muss nach dem besinnungslosen Geschwätz, das Frau Lux von sich gegeben hat, ernsthaft die Frage stellen, ob sie noch weiterhin eine öffentliche Bibliothek leiten darf. Es gibt Arbeitsplätze in solchen Einrichtungen, auf denen sie ihre bildlich dokumentierte kommunikative Kompetenz zweifellos nutzbringend für die Allgemeinheit einsetzen kann, z.B. in der Ausleihe.

  • Sebastian Hohlmeier

    Sebastian Hohlmeier

    Frau Lux meint, wir sollten uns gemeinsam fragen: "Was ist eigentlich das Neue in einer digitalen Welt?" Ja, Frau Lux, machen wir das doch mal. Neu ist z.B., daß Päderasten im Internet Kinderpornos herunterladen können. Würden Sie auch in diesem Fall sagen: "Wichtiger als die Klärung, ob hier gegen geltendes Recht verstoßen worden ist, wäre eine Beschäftigung mit der Zukunft"? Gilt auch in diesem Fall Ihr Satz: "Haben alte Vorstellungen da wirklich noch Bestand?" Wollen Sie sich auch in diesem Fall dem Anspruch von Nutzern auf schnellen (!) und kostenfreien (!) Zugriff stellen? Nein?

  • Internaut

    Internaut

    @35, @36: Wer so etwas von sich gibt, hat jeden Anspruch verwirkt, ernst genommen zu werden!

  • krämer

    krämer

    Lux: Unsere Kunden wollen heute viel schneller als früher den direkten Zugriff auf Inhalte haben. Sie wollen dafür nichts bezahlen.

    Interviewer: Was erwarten Sie von Verlagen, deren Kundin Sie ja sind?

    Lux: Dass man uns wie Kunden behandelt.


    Also es geht um Kunden, und nicht um Konsumenten. Ein Kunde zahlt selbstverständlich, und die Aussage: "Sie wollen dafür nichts bezahlen" kann sich nur darauf beziehen, daß der Kunde sowieso schon zahlt, und die besondere Dienstleistung, die umsonst angeboten wird, als ein "inklusive" verstanden wird.

    Das ist etwas ganz anderes, als die grassierende Umsonst-Mentalität der Internet-NutzerInnen, die sich daran gewöhnt haben, im kostenlosen Angebot zu surfen, und keine Bereitschaft mehr zeigen, für alternative kostenpflichtige Angebote, die es ja gibt, auch nur einen einzigen Pfennig rauszurücken.

    Für die Umsonst-Angebote im Internet gilt natürlich allgemein, daß die eine Finanzierung brauchen, und, um ein Beispiel zu nennen, Spiegel-Online finanziert sich über Werbung. Das schließt nicht aus, daß auch besondere Inhalte kostenflichtig sind, allerdings mit kleinen Beträgen, ein kostenpflichtiger Artikel, z.B. die Serie über China, die kostet dann für den Download 0,60 EUR, o.ä.

    Von solchen Umsonst-Angeboten geht natürlich ein Konkurrenzdruck aus. Z.B. eine Zeitung, die keine Werbung und Anzeigen veröffentlicht, müßte einen Preis nehmen, den die Kunden verweigern würden.

    Es ist aber ganz falsch, da die Konsumenten als Kunden anzusehen, denn die Kunden sind die Werber, die über die Internet-Seite oder gedruckte Zeitung ihre Anzeigen lancieren, und dafür zahlen, und die Leser sind nicht Kunden, sondern nur Konsumenten.

    Bei den Uni-Bibliotheken sind die Kunden die Studierenden, und auch die wiss. Mitarbeiter. Sowie externe der gleichen Art. Das kann nicht in den gleichen Topf wie allgemein die Internet-Angebots-Konsumenten.

    Ob nun ein Student Studierenden-Gebühren zahlt, oder nicht, seine bzw. ihre Erwartung ist, daß das Lehrinstitut die Mittel bereitstellt (Bibliothek ist umsonst, das wurde über Jahrzehnte eingehämmert: Leiht aus, leiht aus, ist umsonst). Und so ist die Stimmungslage. Eine Raubkopie in solchen Zusammenhang kann man nicht vergleichen mit der Raubkopie eines Musik-Trallala, die Raubkopierer der Musikstücke, das sind wirklich freche Piraten, die sich mit sowas für andere Unerfreulichkeiten schadlos halten wollen (Robin Hood in Personunion)(?).

    Bei den Studierenden besteht der Unterschied, daß sie sich bereits fühlen dürfen als Teilnehmer an der Forschung und des inkrementellen Zuwachses an Weltwissen. Schließlich ist manche Studentenarbeit für den Wissensfortschritt wohl wertvoller, als gewichtig tuende Schriften von professoralen Vielschreibern. Für eine Wahrnehmung solcher wertvoller studentischer Arbeiten, die sonst untergehen, ist das vorgeschlagene Reprisorum (nicht eins, sondern jede Uni hat eines), die digitale Bereitstellung, kostenlos natürlich, zu begrüßen.

    Zu solcher Einstellung, die mit der Bereitschaft verbunden ist, selbst einen wissenschaftlichen oder auch künstlerischen Beitrag zu leisten, kann es schon akzeptiert werden, daß die Materialien, die Vorarbeiten anderer, auf deren Schultern das kommende Genie dann aufsitzt, umsonst geliefert werden sollten (aber nicht gleichbedeutend mit Nichtbezahltung der Autoren, oder Rechteinhaber).

    Aber meine Meinung dazu ist, das sollte unterschieden von der Berufsausbildung, die die Universitäten ja auch bieten. Und warum sollte ein zukünfiger Rechtsanswalt z.B. umsonst ausgebildet werden, während in den Lehrberufen weiterhin die Ochsentour verlangt wird, ein Lehrling bzw. Ausbildende zahlt für seine/ihre Ausbildung, bekommt ein Lehrgeld, das nicht die Leistung widerspiegelt, die vom Ausbildungsbetrieb abgegriffen wird, oder zahlt nur, wie auch bei den privaten Kursen der Bildungsinstutition, auch auch die Volkshochschulen nehmen gepfefferte Kursgebühren.

    Demgegenüber ist es in keiner Weise gerechtfertigt, bei Studenten die Umsont-Mentalität zu züchten, sondern dem muß dringenst gegengesteuert werden, z.B. mit Ausleihgebühren pro Exemplar und Woche, und open-access sollte es auch nur stundenweise geben, zum Kopie-Machen, von einzelnen Abschnitten, und nicht mehr, und auch das nur mit Verrechnung, mit Gebührenpunkten, und wenn, wenn das den Studenten deutlich gemacht wird: Das ist nur für DICH jetzt DIESE Stunde, und nicht gedacht für Raubverbreitung im Internet.

    Ich glaube, es gibt ein großes Potiential, das zu vermitteln, die Raubkopierneigung abzubremsen, in Verbindung mit dem Angebot, daß die potienziellen Nutznießer solcher Raubkopien auch so eine temporäre, eventuell auch lokal eingeschränkte Stunde bekommen können, die Publikation zu sichten, und einiges an Zitaten, Literaturangaben etc. zu kopiern. Dafür gibt es sicher berechtigten Bedarf.

    Vielleicht ist dafür geeigneter, das Rechtsbewußtsein unter Studenten zu fördern, statt zu versuchen, technisch die Raubkopier-Möglichkeit zu unterbinden.

    Es ist ganz fatal, mit vermeintlicher Altruismus-Intention, einem ungesteuerten Schenkens-Wirrwarr im Internet das Wort zu geben, wahllos sowohl die Produktion der Digits, sowie die Konsumtion, frei geben zu wollen, und das zu feiern als eine neue, bessere Welt, als die Vorstufe eines kommenden "golden"-digitalen Zeitalters, als würde die Züchtung von konsumierender Umsonst-Mentalität ein Weg sein hin zu einer altruistischen Schenkungsgemeinschaft. Im Gegenteil, mit dem "Umsonst" folgt die Entwertung der Güter, ihre Verachtung.

  • Joachim Losehand

    Joachim Losehand

    @ 38, Krämer

    1) „Für eine Wahrnehmung solcher wertvoller studentischer Arbeiten, die sonst untergehen, ist das vorgeschlagene Reprisorum (nicht eins, sondern jede Uni hat eines), die digitale Bereitstellung, kostenlos natürlich, zu begrüßen.“

    Sicher wäre das zu begrüßen, allerdings sind grundsätzlich wissenschaftliche bzw. universitätseigene Repositorien nur für Arbeiten von Graduierten geöffnet. „Undergraduates“ können i.d.R. (!) nirgendwo eigenständig veröffentlichen ...

    2) „Demgegenüber ist es in keiner Weise gerechtfertigt, bei Studenten die Umsont-Mentalität zu züchten, sondern dem muß dringenst gegengesteuert werden, z.B. mit Ausleihgebühren pro Exemplar und Woche, und open-access sollte es auch nur stundenweise geben, zum Kopie-Machen, von einzelnen Abschnitten, und nicht mehr, und auch das nur mit Verrechnung, mit Gebührenpunkten, und wenn, wenn das den Studenten deutlich gemacht wird: Das ist nur für DICH jetzt DIESE Stunde, und nicht gedacht für Raubverbreitung im Internet.“

    Das ist – freundlich formuliert – nur FAQ („föllig absurder Quatsch“). Darüber müssen wir nicht einmal nachdenken, außer wir wollen etwas zum herzlich Lachen.

  • Günther Emig

    Günther Emig

    Es gibt Dinge, die muß man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen, die kann man gar nicht oft genug lesen: "Unsere Kunden [schon dieser Begriff, der doch eine Ware und einen Verkaufspreis voraussetzt], unsere Kunden wollen heute viel schneller als früher den direkten Zugriff auf Inhalte haben. Sie wollen dafür nichts bezahlen. [...] Diesem Anspruch haben wir uns zu stellen. Die notwendigen Investitionen dafür haben die Bibliotheken [richtiger wäre wohl: ihre Unterhaltsträger, noch richtiger: die Steuerzahler] nie gescheut."
    Ich kann zum wissenschaftlichen Bibliothekswesen aus eigener Erfahrung wenig beitragen, wohl aber vom Öffentlichen, wo ich zwei Jahrzehnte tätig war. Da gab es in den 1970er Jahren den Traum vom skandinavischen Bibliothekswesen, eine Art Totalversorgung bis in den letzten Winkel des Freizeitbereichs hinein. Wie das finanziert worden ist, daß das damals ein skandinavisches Steuerwesen vorausgesetzt hat, hörte man nie. Wohl aber, daß Leute ausgewandert sind, weil ihre Erträge zu 100% (!) weggesteuert worden sind.
    Dann der Informationsbegriff: Ich habe nie verstanden, wo der gesellschaftliche Nutzen liegt, wenn man möglichst am Ersterscheinungstag den oder jenen breit beworbenen Unterhaltungsroman von Grisham oder der Pilcher zur kostenlosen Ausleihe bereit halten will. Klar, niemand will zahlen, s. o. Holen wir das Geld halt aus dem Steuersäckel.
    Ich habe nie die Benutzerzahlen geglaubt, die man im Berufsstand zum Besten gegeben hat: Zwei von drei Bürgern einer Stadt seien angemeldete Benutzer. Komisch, ich bin immer nur auf 10% gekommen, wenn ich dies und jenes herausgerechnet habe - außer da, wo man beispielsweise mit kostenlosen Ausleihangeboten den kommerziellen Videotheken Konkurrenz gemacht hat.
    Ich erinnere mich, was man so alles meinte ausleihen zu müssen: angefangen bei den Dias in den 1960er Jahren, Schmalfilme, 5,25"-Disketten mit Shareware, die es für 1,50 DM auch zu kaufen gab, Heftchenromane - ja, Sie lesen richtig, Heftchenromane, weil es besser sei, man lese Heftchenromane als gar nichts.
    Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mal gelesen, daß es - war es in den Benelux-Ländern? - eine Ausleihsperre von - sagen wir: einem halben Jahr gab, bevor man neu erschienene Unterhaltungsromane in den Bibliotheken zur Ausleihe bekam. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit bei uns, dem Buchhandel zu helfen?
    Wie wäre das eigentlich, wenn man die "Ausleihrenner" (Thriller, Spielfilm-DVDs, Software...), bei denen es schwer sein dürfte, den gesellschaftlichen Nutzen, der ihre Finanzierung aus Steuergeldern rechtfertigt, überhaupt nicht mehr zur Ausleihe bereit hielte?
    Nein, ich bin wahrlich nicht gegen Bibliotheken, ich bin auch in der FDP, aber ich meine, daß auch Bibliothekare eine Verantwortung gegenüber denen haben, deren Gelder sie ausgeben. Und dazu gehört dann auch mal ein "Nein", wenn alle erwarten, daß sie unbedingt alles umsonst bekommen müssen.

  • krämer

    krämer

    Die kostenlose Ausleihe für die *Leseratten* finde ich bei den Stadtbibliotheken jedenfalls einen großen Segen, und man freut sich an der Schlange vor der Ausleihe, es gibt da auch viel Dankbarkeit von den Nutzern, obwohl es umsont ist.
    Es gibt aber auch gierige Studenten, die vorort auf Lauer gehen, weil das nötige Exemplar in der Unibliothek chronisch ausgeliehen ist, mit 2 Vormerkern, und dann auch in der Stadtbücherei, das vorhandene Exemplar belegt mit zwei Vormietern.
    Warum?
    Die kostenlose Ausleihe (für die Leseratten und Informationssucher, Materialien vom Verbraucherschutz usw. ausgenommen), führt dazu, daß den Bibliotheken kein solides Signal gegeben wird, wo der Engpaß ist. Denn die wahllose, Umsonstausleihe von diversen Büchern, es gab mal die Grenze max. 10, ist inzwischen auch aufgehoben, können auch 50 sein, die nach Haus geschleppt werden, und dort erst, zu Haus, wird die Selektion vorgenommen, anstatt daß diese Selektion vor Ort in der Bibliothek geschieht, kann den Bedarf nicht korrekt anzeigen.
    Die chronische Nichtverfügbarkeit von Titeln, die aktuell nachgefragt werden, ist auffällig, und auch das Versäumnis der Bibliotheken, für solche Titel ein Präsenzexemplar bereit zu halten, oder auch 2 oder mehr.
    Statt in diese Richtung Effizienz zu versuchen, wird die Qualität gemessen an der Zahl an Ausleihbüchern, die dann aber nicht zu Hause gelesen werden, sondern nur rumliegen, und bei der Androhung von Strafgebühren, reichlich spät zugereicht werden.
    Durch solche Praxis entsteht ein schiefes Bild des wirklichen Bedarfs.
    Bei einer, natürlich nur geringen, Gebühr, die zu entrichten ist, also Schutzgebühr, entwickelt sich ein besseres Bild, welche Titel die Bibliothek für den akuten Bedarf vorrätig halten sollte.

  • Joachim Losehand

    Joachim Losehand

    Die hier veröffentlichten einzelnen Meinung zum öffentlichen Bibliothekswesen sind auch unter gesamtgesellschaftlichen Gesichtspunkten interessant. Während „der Kapitalismus“ als (Volks-)Wirtschaftsform und Wertekanon auf dem Prüfstand steht, vor den Auswirkungen der Finanzkrise nach wie vor gewarnt wird ein Ansteigen der Arbeitslosenzahlen prognostiziert wird, feiert hier in den Kommentaren urkapitalistisches Gedankengut fröhlich weiter.

    Für – auch akademische – Langzeitarbeitslose („das Prekariat“) sind Bibliotheken mit ihrem umfassenden Medienangebot die einzige Möglichkeit, an Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, Videos usw. zu gelangen. In den Hartz-IV-Sätzen sind m. W. rund 10 € monatlich für Zeitungen und Zeitschriften (keine Bücher!) eingeplant; öffentliche Bibliotheken erfüllen einen Bildungsauftrag, der hier offensichtlich in seiner bisherigen, auch durch den Kapitalismus geretten Form, von einigen in Frage gestellt werden will.

    Und was die Suada gegen Studenten und deren „Kostenlos-Mentalität“ angeht: Studenten HABEN SCHLICHT KEIN GELD. Wir sind nicht in den 1970er oder 1980er Jahren, als man mit einem Vordiplom Philosophie im 14. Semester geradezu ein Streber war und man im Grunde lebenslang studieren konnte. Sie müssen fertig werden, in 6 Semestern bzw. 10 Semestern. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Schlußlichtern, was die Akademiker-Quote anlangt. Akademiker gebären Akademiker und bleiben unter sich, Arbeiter gebären Arbeiter und bleiben unter sich. 2/3 meiner Studenten müssen neben dem Studium arbeiten, keiner kommt mit einem BMW auf den Campus.

    Was soll man aus den Aussagen von Buchhändlern und Verlegern hinsichtlich ihrer gesamtgesellschaftlichen, ihrer sozialen Verantwortung als Bürger dieses Landes aus den versammelten Kommentaren hier schließen? Daß sie keine Ahnung, dafür aber eine Meinung haben? Ein wenig mehr reflektive Kraft sollte man von ihnen eigentlich erwarten, angesichts der Tatsache, daß der Untergang von Verlagen und Buchhandlungen ja den des kulturellen Abendlandes einläuten wird, wie der Börsenverein so gerne behauptet.

  • frankobs

    frankobs

    @ Herr Losehand "Was soll man aus den Aussagen von Buchhändlern und Verlegern hinsichtlich ihrer gesamtgesellschaftlichen, ihrer sozialen Verantwortung als Bürger dieses Landes aus den versammelten Kommentaren hier schließen? Daß sie keine Ahnung, dafür aber eine Meinung haben? Ein wenig mehr reflektive Kraft sollte man von ihnen eigentlich erwarten, angesichts der Tatsache, daß der Untergang von Verlagen und Buchhandlungen ja den des kulturellen Abendlandes einläuten wird, wie der Börsenverein so gerne behauptet."

    Bei all unserem Dissenz zuvor: Hier stimme ich Ihnen vollkommen zu. Herr Krämers und Herrn Emigs Kommentare sind offensichtlich nicht nur nicht zweckdienlich in der Sache ("Und warum sollte ein zukünfiger Rechtsanswalt z.B. umsonst ausgebildet werden[..]" oder "Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mal gelesen, daß es - war es in den Benelux-Ländern? - eine Ausleihsperre von - sagen wir: einem halben Jahr gab, bevor man neu erschienene Unterhaltungsromane in den Bibliotheken zur Ausleihe bekam. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit bei uns, dem Buchhandel zu helfen?[...]"), sie sind angesichts ihrer Weltfremde und des tendenziösen Diktatsgedanken eines: Kommentare aus Absurdistan.

  • Friedrich Hoppe

    Friedrich Hoppe

    @ Loesehand. Sie schreiben: "Studenten HABEN SCHLICHT KEIN GELD." Das wird sich auch für die meisten nie ändern, wenn Sie sich mit Ihren Vorstellungen von "gesamtgesellschaftlicher Verantwortung" durchsetzen. Denn freie Berufe, in denen zum Beispiel Germanisten und Historiker dann noch unterkommen können, wird es zumindest im Verlagswesen nicht mehr geben. Wofür sie nur sorgen, ist die dauerhafte Proletarisierung von noch mehr Akademikern, deren gesamtgesellschaftliche Quote Ihnen dann auch noch zu niedrig ist.

  • Günther Emig

    Günther Emig

    Korrektur zu meinem Kommentar Nr. 40: da ist leider ein "nicht" ins digitale Nirwana abgetaucht – richtig ist: ich bin * nicht * in der FDP...
    Zu Kommentar Nr. 42: "öffentliche Bibliotheken erfüllen einen Bildungsauftrag". Sehe ich absolut genauso, nur worin besteht die Bildung, wenn ich den "Schakal" von Frederick Forsyth oder die "BRAVO Hits 64 - hol dir die coolsten Songs! 42 aktuelle Mega-Hits " kostenlos entleihe? Nichts gegen Unterhaltungsliteratur - wenn sie was taugt, taugt sie auch nach einem halben Jahr noch was. Wenn ich sie unbedingt am Tag ihres Erscheinens lesen will, muß das nicht unbedingt steuerfinanziert erfolgen. Bücher kann man auch kaufen.

  • Frankobs

    Frankobs

    @ Herr Emig ""BRAVO Hits 64 - hol dir die coolsten Songs! 42 aktuelle Mega-Hits " kostenlos entleihe? Nichts gegen Unterhaltungsliteratur - wenn sie was taugt, taugt sie auch nach einem halben Jahr noch was".

    Ich bin empört! Eine derartige Anmaßung ist elitär und hochgradig zynisch. Gibt es "gute und schlechte" Literatur? Und wer entscheidet das -Sie etwa? Wollen Sie ernsthaft bewusst Geschmack diktieren und andersherum: Nicht Geschmacksbefolgern vom Ausleihen ausschließen?
    War das Ihr Ernst oder nur eine plumpe, nicht durchdachte Provokation?

  • Günther Emig

    Günther Emig

    Zu Nr. 46: Vielleicht habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt. Mir geht es darum, was aus Steuergeldern finanziert wird, nicht um eine Bewertung im Sinne von gut und schlecht, schon gar nicht um eine Zensur. Von mir aus kann jemand 24 Stunden am Tag Bravo Hits 64 hören, nur möchte ich das nicht mit meinem (Steuer)Geld finanzieren müssen. Mit einem wie immer zu definierenden Bildungsauftrag hat das nämlich überhaupt nichts mehr zu tun. Die Diskussion über die Aufgabe des Staates und der öffentlichen Hände, gerade was solche Dinge betrifft, scheint mir überfällig. Und es täte dem bibliothekarischen Berufsstand gut, er würde sie von sich aus führen, bevor sie ihm in Gestalt von Etatkürzungen von außen diktiert wird.

  • krämer

    krämer

    Bei der derzeitigen Praxis ist es so: Wer zuerst kommt, schnappt sich das Buch, egal ob es wirklich benötigt wird, oder zu Haus nur auf dem Schreibtisch rumliegt.
    Sollte nicht aber an denjenigen ausgeliehen werden, der oder die das Buch am dringensten benötigt? Das kann nur über Gebühren gesteuert werden (wie gesagt, Schutzgebühren).
    Bei Büchern, die stark nachgefragt werden, und wo die Bibliothek sich nicht in der Lage sieht, zusätzliche Exemplare zu beschaffen, warum nicht bei solchen Büchern zur vorgeschlagenen Standard-Ausleihgebühr noch einen Aufschlag machen, der dem Interessierten signalisiert: Auch andere möchten dieses Buch ausleihen, also leih das nicht aus, wenns nicht nötig ist, und 4 Wochen liegt es rum auf Deinem Schreibtisch, ohne gelesen zu werden: ALLE ANDEREN WARTEN.
    Das kann ganz simpel implementiert werden, indem im OPAC die aktuelle Ausleihgebühr pro Woche drin steht, und für die Präsenzexemplare über Nacht für einen Tag, die Ausleihe auch nach Dringlichkeit mittels der Gebühren steuern. Werden damit bedürftige Studenten benachteiligt? Auch bisher gibt es die Möglichkeit, bei Bedürftigkeit sich die, zur Zeit eben nur Strafgebühren, erstatten zu lassen.
    Viel wichtiger ist die Steuerungsfunktion von Gebühren, wegkommen vom Gießkannenprinzip, und statt dessen dort fördern, wo es wirklich einen Bedarf gibt.

  • Jerzovskaja

    Jerzovskaja

    Ungläubig lese ich, wie sich Frau Lux selber abschaffen möchte. Und das bei ihrer Rente und dem hübschen Telefon, mit dem sie ihre kleine Welt steuern, ordnen und unter Kontrolle halten kann! Dabei hätte ich dagegen ja eigentlich nichts einzuwenden, wenn sie sich für überflüssig erklärt: Eine altkluge Beamtin weniger, die Ihre kurzsichtigen Weisheiten in die Welt posaunen und Dinosaurier wie Springer zum Ideal erhebt, das kann bestimmt nicht schaden.

    Dass ihr ein Lichtlein aufgehen möge, dass es zum Verwalten ihres beschaulichen Selbstbedienungsladen-Universums auch Inhalte braucht, das wünsche ich mir. Und ihr. Und allen anderen grauen Herren und Damen, die auf dem Buckel von lichteren Gestalten dermassen stolz ihre zweiteilige Garderobe ausführen.

    Die werten Ersteller von neuen Inhalte, Ideen und Herangehensweisen, die Urheber und Kulturschaffenden, die Forscher und Entwickler, die unsere Welt beleben und färben und hinterfragen, sind oft eben gerade nicht staatlich rentenversichert. Diese freigeistigen Welten, sie entstehen bevorzugt auch in Köpfen, Herzen und Bäuchen von disziplinierten Schaffern, die selten genug ein angemessenes Honorar verdienen.

    Ich wünsche mir mehr kreatives Dasein und weniger Verwalterinnen wie Frau Lux. Und wenn schon Verwalter, dann jene, die sich mittels Einstehen für die geltenden Urheberrechtsgesetze dafür einsetzen, dass mit dem Entwickeln von Visionen auch in Zukunft ein Leben in Würde geführt werden kann. Leider wird sich mein Wunsch nicht erfüllen, denn auf geschätzte 5% Forscher, Gestalter, Heiler und Wandler kommen ja leider 95% Betonpfeiler, die wissen, wie man's richtig macht auf dieser Welt. So wie sie nämlich: Zurücklehnen und vom Gegenüber kostenlos Ideen einfordern.

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