Verband

30.04.2009Sortimenter-Ausschuss

Schnellstens marktrelevante Titel bereitstellen

Der Sortimenter-Ausschuss befand auf seiner gestrigen Sitzung die Einbindung der Buchhandlungen bei libreka! für gut. Zum einen gibt es eine Website, bei der der Endkunde eine Buchhandlung in seinem Umkreis auswählen kann, zum anderen kann er auch direkt von der Buchhandlungswebsite E-Books bestellen. Wie Werner Ortner von Weltbild jedoch deutlich machte, müssen dringend weitere Schritte folgen:

»Jetzt sitzen die Leute mit den Lesegeräten da und haben nichts zum Lesen. Die Verlage müssen dringend Content bereitstellen.« Nach einer Diskussion forderte der Sortimenter-Ausschuss alle Verlage auf, so schnell wie möglich marktrelevante Titel und Novitäten in digitaler Form bereitzustellen. Ebenso forderte das Gremium alle Barsortimente und Verlagsauslieferungen auf, sich zu Gunsten einer breiten Anbindung des Sortiments an libreka! zu beteiligen und ihre Teilnahme insbesondere nicht von prozesstechnisch komplexen Anforderungen an Abrechnungsmodalitäten abhängig zu machen.
Schlagworte:
libreka!

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1 Kommentar/e

1. Wolfgang Lehner 30.04.2009 15:53h

"Jetzt sitzen die Leute mit den Lesegeräten da und haben nichts zum Lesen. "

Unglaubliche Vorstellung, kann ich mir bei den angeblich technikaffinen Besitzern von Lesegeräten wirklich nicht denken. Lesestoff gibt es in rauen Mengen - oder ist hier bereits das bezahlbare E-Book gemeint, 4,95 statt 27,95?
Aber wenn hier die Buchmarktexperten vorbeischauen, kann ich ja mal eine Frage los werden, die mich seit kurzem quält:
Wenn bis Ende des Jahres 5 oder 7 oder gar 10 Buchgroßhändler - von Thalia über Hugendubel, Libri, Sony bis hin zu Libreka!, Weltbild und Amazon - alle die gleichen E-Books anbieten (womöglich alle die gleichen PDF-Dateien - oder werden die jedesmal neu gemacht?) und zwangsweise alle die gleichen Preise verlangen, wie bekommt man dann Kunden in seinen Onlineshop? Beim stationären Buchhandel ist es klar: wo ein Hugendubel ist, ist meist kein Thalia nebendran, eine Kleinstadt hat in der Regel nur einen Buchladen - alles OK soweit. Aber wenn in der digitalen Welt Amazon neben Weltbild neben Sony neben Libri neben Libreka! neben KNV residiert? Wo ist der entscheidende Unterschied für den Kunden?
Bekommen wir dann bei Büchern eine Situation, wie wir sie von den Lebensmitteldiscountern schon kennen? Überall alles maximal billig, aber der eigentliche Hersteller der Produkte fast pleite. Wann werden die Buchgroßhändler anfangen, die Verlage preislich unter Druck zu setzen, wie man es aus USA bereits grummeln hört?
Bin mal gespannt was dann so alles geht. Anregungen gefällig: Wie wär's mit Exklusivverträgen mit den Verlagen? Beispiel: Der neue Telkamp erst mal ein halbes Jahr lang exklusiv nur bei Thalia im Angebot (zum entsprechenden Preis).
Oder der Händler kauft gleich den Verlag und bestimmt somit den Preis (400 Seiten bei Verlag A nur 19,90, bei Verlag B leider 22,90 - bis der dann aus der Not heraus mit 18,90 kontert). So machen es die Discounter beim Fleisch (ersetze hier Bauer durch Autor).
Oder das Buch kostet überall gleich, aber die kostenlosen "Zugaben" sind unterschiedlich wertvoll (z.B. beim Kauf von drei Harry Pottern gibt's ein Tintenherz dazu).
Und dabei sind Saturn/Mediamarkt und Vodafone und Nokia als potentielle E-Book-Lieferanten noch gar nicht in der Rechnung drin. Deren Kreativität beim Preiskampf ist ja ... nicht auszuhalten.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde E-Books eine gute Sache (vor allem bei Sachbüchern). Aber der Markt in Deutschland ist irgendwie noch nicht reif dafür. Einschränkende Regelungen einerseits und ein Festhalten an gewachsenen Strukturen andererseits (so ehrenwert dieses Verhalten auch sein mag), aber gleichzeitig keinerlei Initiative das alles neu zu ordnen. Amazon, Google und Apple werden sich nicht mit den deutschen Buchhändlern und Verlagen arrangieren, sondern ihr Ding durchziehen.
Random House macht in England gerade einen spannenden Test mit einem ganz neuen E-Book-Format für die Zukunft. Dazu braucht es natürlich eine spezielle Lesesoftware. Man kann sich viele Möglichkeiten vorstellen, wie diese letztlich unters Volk kommt. Amazon kauft Lexcycle und erwirbt sich damit das Recht, plötzlich Partner von Adobe bei der Definition des epub-Nachfolgers zu werden. Ich würde mal sagen, an einer anderen Front außerhalb Deutschlands werden gerade die Schützengräben ausgehoben, von denen aus in den nächsten Jahren ein heftiger Kampf gefochten wird - vielleicht - stellvertretend für uns alle -: der Großverlag gegen den Großhändler.

Vielleicht ist das alles aber auch gar nicht wichtig,, wenn uns demnächst die Schweinegrippe dahinrafft.

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