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Torsten CasimirTorsten Casimir© Werner Gabriel

18.06.2009Kommentar

Die "Star Alliance" sinkt zu steil

Die "Star Alliance" unter DBH-Flagge hat ihren Sinkflug eingeleitet. An Bord macht sich Unwohlsein breit. Häme wäre unangebracht. Aber Sorge ist berechtigt: In welcher Verfassung wird man landen? Ein Kommentar von Börsenblatt-Chefredakteur

Betriebswirtschaftlich haben die Großflächen einen kritischen Zustand erreicht. Die Umsätze lassen sich nicht proportional zu den Kosten steigern. Mietverträge, oft lang­fristig für sehr gute Lagen aus­gehandelt, sind schlecht oder gar nicht nachzubessern. Also bleibt bloß der Abbau von Personal.

Wie so oft – und nicht allein im Buchhandel –, wenn Krisen dik­tieren, was zu tun ist, werden die Maßnahmen nicht als Notverfahren deklariert, sondern als strategische Operationen. Da tritt die Tragi­komik einer Unternehmenskommunikation hervor, die ihre Kraft zur Klarheit verloren hat (übrigens auch das keine Spezialität unserer Branche, nur ist man hier noch sensibel­ für Sprachverluste).

ie Parole lautet diesfalls: "Mehr Selbstbedienung und Animation!" Das klingt vernünftig, birgt jedoch das Risiko der Selbstabschaffung. Die Ausdünnung von Personal gefährdet nämlich just die neu gesetzten Ziele. Backstage in großen Buchkaufhäusern werden auch künftig kundige Menschen in ausreichender Zahl erforderlich sein, die dem Buch die Bühne bereiten: die es inszenieren. Ohne professionelle Animation läuft jedes Selbstbedienungskonzept ins Leere – und der Kunde läuft über zum kleineren und mittleren Qualitätsbuchhandel. Oder gleich zu Amazon.

Wenn die "Star Alliance"-Crew ihre Zukunft mit unbeschädigtem Markenkern erreichen will, muss sie ihre Sinkrate überdenken: alles extrem steil zurzeit. Andere Große fliegen behutsamer.

Mehr zum Thema finden Sie im Börsenblatt, das heute erscheint – und jederzeit online; Fakten zur DBH Buch Handels GmbH & Co. KG hier

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5 Kommentar/e

1. Serafina 19.06.2009 22:18h Serafina

ich finde auch, dass die Geschäftsleitung sich nicht hinter wohlklingenden Plattitüden verstecken darf!

Ehrlichkeit ist angesagt und vernünftige Massnahmen - nicht so ein Flickwerk!

2. gaugola 20.06.2009 07:39h gaugola

Wer eine große Maschine fliegen will, muss ein hevorragender Pilot UND Navigator sein. Will sagen: strategische Weitsicht ist nicht jedem gegeben und bei allen Vorbehalten in Richtung Hagen muss man eingestehen: dort sitzt ein hervorragender Stratege an der Spitze.Man kann ihn mögen oder nicht, dieses Flugzeug jedoch kommt nicht so schnell ins trudeln.
Vielleicht häte der ein oder andere in der GL von DBH sich etwas mehr mit langfristigen Strategien beschäftigen sollen/müssen, zumal mit Herrn Laabs ja jemand an Bord ist, der wissen könnte, wie man an Probleme auch herangehen kann.

3. saguenay 22.06.2009 11:57h saguenay

Wir stürzen nicht ab, sondern befinden uns in einem beschleunigten Landeanflug. So kann mans auch nennen. Die Frage ist nur, wo die DBH mit ihrem throw-out-bail-out demnächst landen wird.....

Abgesehen davon ist die Einsparung von Personal eine Sache, die andere aber die, dass man nicht automatisch Umsätze generiert, indem man Mitarbeiter feuert. Dazu brauchts dann doch etwas mehr. Nebst kaufmännischer Grundlagenarbeit ein für die Kunden attraktives Konzept, und bislang ist davon nicht viel zu sehen. Vielleicht fehlt es mir einfach auch nur an Phantasie, um mir vorstellen zu können, dass die Hugendubel-Fililalen ohne Mitarbeiter gleich um einiges attraktiver für die Kunden werden. Aber vielleicht gehöre ich schlicht und einfach auch nicht zur für den Animationsbuchhandel relevanten Zielgruppe. Was solls, kauf ich halt weiter bei Amazon.

Aber immerhin bedeutet der Sinkflug des einen stets auch den Aufstieg des anderen. Denn immerhin besteht die Branche nicht nur aus Sturzkampffliegern.

4. Befehlsempfänger 28.06.2009 02:19h Befehlsempfänger

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Jürgen Möllemann?
Das war der Statthalter, der seinem Junker weismachen wollte,er könnte ganz groß rauskommen und Einfluß gewinnen,wenn er nur laut genug rausposaunte,wie wichtig und ambitioniert er sei.

Doch trotz aller Omnipräsenz auf den Marktplätzen und Bildschirmen der Republik ging es am Ende doch schief : Eine große Klappe haben und den Platzhirsch spielen allein überzeugt dann glücklicherweise doch die wenigsten.
Wie es ausging steht in den Annalen und ist heute schon nurmehr eine Fußnote der Geschichte.

Muß ich mir also Sorgen machen? Bitte Herr Höllemann, tun Sie es NICHT, ziehen Sie die Reißleine! Ich bin sicher, sie fallen ganz weich. Machen Sie sich einen schönen Tag und schalten Sie vorher auf Autopilot, dann gehts wenigstens voran und nicht mehr Zickzack durchs Bermudadreieck. Tun Sie uns und sich den Gefallen und laaben sie sich mit Ihrem Junker am Strand an einer bloody mary. Am besten auf den Virgin Islands, denn unschuldig an der Malaise sind Sie ja ganz sicher und Steuern spart man da auch noch!

Alles Gute für Sie und Ihr Team, schreiben Sie uns, wenn Sie was brauchen, Ihr Wohlergehen liegt uns sehr am Herzen, handelt es sich doch sozusagen um eine Familienangelegenheit! Der Herr sei Ihr Hirte, so wird es Ihnen an nichts mangeln.

Untertänigste Grüße

Ihr Kabinenpersonal







5. Befehlsempfänger 29.06.2009 01:09h Befehlsempfänger

P.S. : Ich dachte,Sie wären nicht mehr Feige! Also geben Sie sich einen Ruck und nehmen sich ein Beispiel. Scheitern als Chance!

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