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19.06.2009Buchtage Berlin 2009
Vortrag von Michael Heise: "Cash ist King"
Im Moment lasse die Verunsicherung bei Unternehmen und Verbrauchern wieder nach, so Heise. Investitionspläne würden aus der Schublade geholt. Außerdem habe die Wirtschaftspolitik ganz massiv auf die Krise reagiert. "Hinzu kommt, dass die Konsumlaune der Kunden durch die Preisstabilität nach wie vor gut ist".
Er habe zwar etwas nach positiven Charts für seinen Vortrag suchen müssen, räumte Heise ein. Aber eine Wende sei durchaus auszumachen, die "Maiglöckchen der Konjunktur" würden wieder sprießen, die Geschäftserwartungen der Unternehmen wieder positiver ausfallen. Das gelte auch für die Lage auf den Aktienmärkten.
Allerdings: Bremswirkung hat die Entwicklung der Rohstoffpreise, die zur Zeit schon wieder anziehen. Nicht nur deshalb ist die Frühphase der Erholung aus Heises Sicht fragil – ein wichtiger Faktor sei die Arbeitslosenquote: "Noch allerdings ist der Arbeitsmarkt erstaunlich stabil". Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes hält Heise für eine richtige Entscheidung – sie schlage eine Brücke über das tiefe Konjunkturtal.
Ein Thema, das auch die Buchhändler und Verleger interessiert: Gibt es eine Kreditklemme für Unternehmen? In den Daten zur Kreditentwicklung seien keine Engpässe zu erkennen, die Unternehmenskredite nur "sehr moderat" zurückgegangen, so Heises Fazit.
Angezogen hätten allerdings die Anforderungen an die Kreditvergabe: "Unternehmen, die eine nicht ganz so gute Bonität vorweisen können, müssen mit Zuschlägen rechnen". Im großen und ganzen funktioniere das deutsche Finanzsystem gar nicht so schlecht – auch dank der Rettungspakete der Regierung.
"Krisen sind Zäsuren, trennen zwischen Gewinnern und Verlierern", machte Heise deutlich. Die Unternehmen hätten prompt darauf reagiert, ihre Liquidität gesichert: "Cash ist in solchen Zeiten King". Nicht weniger wichtig: Die Verbesserung der Bonität und das sorgfältige Abwägen von Zinsrisiken. "Für Unternehmen, die zur Zeit gute Konditionen bekommen, ist es sicher keine schlechte Zeit, um langfristige Finanzierungen festzuzurren."
Auch die Kosten müssen in vielen Firmen runtergefahren werden: "aber mit Geschick", mahnt Heise. Sein Rat: Talente halten, Forschung und Entwicklung weiterführen, das Marketing nicht zu stark einschränken. Und: Den Kunden immer im Blick behalten. Denn auch der verhält sich in Krisenzeiten anders, kauft preiswerter ein (Stichwort: "Downtrading").
Ein Trost: Auch in einer Rezession gibt es Produkte, die gut laufen – und die der Buchbranche scheinen dazu zu gehören, wie eine Studie aus den USA zeigt: "Absolute Gewinner sind Bildungsangebote, Dinge mit emotionalem Wert".



1. Alexander Strathern 22.06.2009 12:26h München
Ich war bei dem Vortrag und letzten Endes schwer enttäuscht. Nicht nur, dass Herr Heise nicht sonderlich gut vorbereitet gewirkt hat (man hatte den Eindruck, er hält den Vortrag ständig auf unterschiedlichsten Kongressen). Er lieferte zudem überhaupt keine neuen Informationen und warf mit Allgemeinplätzen um sich, die man tagtäglich in der Zeitung lesen kann. Zu guter Letzt: Mit unserer Branche hatte das gar nichts zu tun. Dass ein so "hohes Tier" zu den Buchtagen eingeladen wird, mag der Veranstaltung zwar zu Renomee verhelfen. Wenn man jedoch überlegt, dass im Haushaltsplan an Stellen gestrichen und gekürzt wurde, wo das eher vermieden werden sollte, wäre es doch angebracht darüber nachzudenken, ob man nicht eher so einen Vortrag weglässt, sich daduch Zeit und Geld spart und (wenn es sein muß) viel eher noch eine Persönlichkeit wie Herrn Brenner einlädt, der durch Witz, Esprit und kritische Geisteshaltung (und obwohl nicht aus der Branche mit Buchbezug) äußerst positiv herausstach.