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Preisbindung: Neuer Anlauf bei Paragraf 6© Tobias Bohm

Preisbindung: Neuer Anlauf bei Paragraf 6© Tobias Bohm

19.06.2009Buchtage Berlin 2009

Preisbindung: Neuer Anlauf bei Paragraf 6

Der Börsenverein will einen zweiten Versuch machen, Paragraf 6, Absatz 1 des Preisbindungsgesetzes in einer Branchenempfehlung zu präzisieren. Ein entsprechender Antrag ist heute von der Hauptversammlung verabschiedet worden.

Die Gesetzes-Passage regelt, dass Verlage ihre Rabatte nicht allein am Umsatz ausrichten dürfen, den ein Händler erzielt. "Wir halten eine Präzisierung, wie Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels auch, für längst überfällig", so Buchhändler Hartwig Bögeholz in der Begründung des Antrags, den er gemeinsam mit seinen Kollegen Uwe Fischer, Lutz Herberg und Johanna Röhrl gestellt hat.

Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang erinnerte daran, dass der Börsenverein kurz nach Verabschiedung des Preisbindungsgesetzes schon einmal einen solchen Anlauf genommen habe. Damals sei eine deutlichere Handlungsempfehlung an der Hürde Kartellamt gescheitert. "Aber: Neues Spiel, neues Glück."

Der Antrag wurde mit 23 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen angenommen. Der Text im Wortlaut:

"Die Hauptversammlung beauftragt den Vorstand des Börsenvereins, unverzüglich eine konkretisierende Interpretation des § 6 Abs. 1 BuchPrG zu erarbeiten, die den Gesetzeswortlaut nicht nur verdeutlicht, sondern dessen „anspruchsbegründenden Inhalt“ (wie es der Preissbindungstreuhänder Dieter Wallenfels formuliert) in klare Empfehlungen an die Branche umsetzt. Vor allem dieser Passus des Gesetzes muss eine konkretisierende Interpretation erfahren:
„Verlage müssen bei der Festsetzung ihrer Verkaufspreise und sonstigen Verkaufskonditionen gegenüber Händlern den von kleineren Buchhandlungen erbrachten Beitrag zur flächendeckenden Versorgung mit Büchern sowie ihren buchhändlerischen Service angemessen berücksichtigen. Sie dürfen ihre Rabatte nicht allein an dem mit einem Händler erzielten Umsatz ausrichten.“

Weitere Anträge:

Die vier Buchhändler haben noch weitere Anträge gestellt.

  • Ebenfalls angenommen wurde der dritte Antrag: Der Vorstand soll die Durchführung einer "Zukunftsstudie" prüfen, die als Entscheidungsgrundlage für die wirtschaftlichen Perspektiven von Buch- und Medienhandlungen dienen soll.
  • Unterstützt wurde außerdem der Appell, dass die Verlage so schnell wie möglich alle Titel auf libreka! einstellen sollen, möglichst viele Buchhandlungen mit einem "akzeptablen Geschäftsmodell" einzubeziehen sind.
  • Abgelehnt wurde dagegen der Vorstoß, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die ein neues Modell für eine Beitragsreform erarbeitet - mit dem Ziel, die untere und mittleren Beitragsgruppen zu entlasten. Ein Gegenargument von vielen, die auf der Hauptversammlung geäußert wurden: Der Börsenverein habe gerade erst eine Beitragsreform hinter sich gebracht.

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1 Kommentar/e

1. wolfgang Sich 24.06.2009 17:33h www.sich-verlag.de

Neues Spiel-neues Glück?
Paragraf 6, Absatz 1 des Preisbindungsgesetzes in einer Branchenempfehlung zu präzisieren ist dringend erforderlich.
Ich denke, es hat nichts mit dem Glück allein zu tun! Die Buchhändler leben weil es Verlage gibt. Der Verlag überlebt nur mit den Buchhändlern, insofern ist eine angemesserne Rabattstaffel legetim. Vorausgesetzt sie betreiben einen traditionellen Buchhandel.
Sofern das Kartellamt keine Handlung sieht, können die Verlage etwas tun. Vielleicht sollten die Verlagshäuser ihre Vertriebstrategie überdenken?
Für uns ist der Entschluss gereift, diesen Internethändlern (alleiniger Geschäftszweck Internethandel) kein Buch mehr zu liefern. Bemühungen mit Amazon haben ergeben, sie lassen keine Rabattverhandlungen zu. Ist gar nicht vorgesehen lt. einer Antwortvariante. Wir sind ein kleiner Verlag und fallen nicht ins Umsatzgewicht? Nach 6 monatiger Phase ist klar, dass wir relativ gut Bücher losgeworden sind. Im Sinne des Wortes! Lediglich nur losgeworden mit dem Blick auf die Buchkalkulation.
Jedenfalls haben unsere Autoren sich dieser Auffassung angeschlossen.
Auch die Buchhändler können etwas beitragen. Mehr Kundenfreundlichkeit und etwas beweglicher werden. Vielleicht auch mal Fragen: Wie können sie die Verlage dazu bewegen den Vertriebsweg BuchFACHhandel einzuhalten.
„Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass wir entweder alle miteinander und unseren Büchern sterben werden oder lernen, miteinander ein Konzept zu entwickeln; wenn wir miteinander leben sollen, müssen wir handeln.“
( in der Ableitung, Zitat von Eleanor Roosevelt)

Freundliche Lesegrüße
Wolfgang Sich

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