Meinung: Digitalisierung VI

Lasst sie laufen!

Warum der Diebstahl geistigen Eigentums nicht verfolgt werden sollte. Von Klaus Wrede, Geschäftsführer des Fachverlags Symposion.

Klaus Wrede © Werner Gabriel

Man hat das Gefühl, dass einige Verlage digitale Inhalte am liebsten vermarkten würden, ohne sie verbreiten zu müssen. Denn jede Verbreitung kann zu Missbrauch führen. Und geradezu reflexhaft wird unerlaubte Nutzung verfolgt oder erschwert.
Dabei ist wohl jeder Verleger einmal mit dem lobenswerten Ziel angetreten, wichtige Inhalte möglichst weit zu verbreiten. Es muss diesem Verleger doch ein ungutes Gefühl geben, wenn er feststellt, dass er nun fast mehr Sorge dafür trägt, die Verbreitung seiner Inhalte zu verhindern, als diese zu fördern.
Dieser Verleger sollte folgende Thesen überdenken:
Die ungeregelte Verbreitung elektronischer Dokumente juristisch verhindern zu wollen ist offensichtlich aussichtslos.
DRM ist nutzerunfreundlich und als Konzept vermutlich schon gescheitert (siehe Musikindustrie).
Grundsätzlich ist jede Restrik-tion des Teilens von Wissen gerade für eine Gesellschaft problematisch, die vom Wissen abhängt.
Verlage werden nicht gegen die neuen Marktbedingungen Geld verdienen, sondern nur mit ihnen.
Unter neuen Bedingungen müssen Verleger neue Lösungen finden, das ist ihre Kernaufgabe. Wenn eine original PDF-Datei nicht mehr wert sein kann als ihre Kopie, dann muss sie eben in eine Umgebung gesetzt werden, die den Nutzer begeistert, etwa weil diese seinen Workflow perfekt unterstützt. Dann wird klar, dass ein Verzeichnis voll isolierter Downloads nur ein Haufen Restmüll ist, der auf der Festplatte herumgammelt. Verlage können solche erstaunlichen neuen Nutzerumgebungen entwickeln, und einige tun dies bereits. Damit erreichen sie Schutz durch Innovation, statt durch Gesetze und DRM.
Aber soll man denn die unerlaubte Verbreitung von Inhalten gar nicht verfolgen? Ich meine: nein. Man sollte jede gängige Verbreitungsform nicht nur dulden, sondern möglichst legalisieren und fördern.
Diese Lösung klingt radikal, ist aber marktkonform. Denn die kostenlose Verbreitung von Inhalten – und darum geht es eigentlich – findet ja ohnehin massenhaft statt und ist sowohl für Nutzer als auch für Anbieter offensichtlich sinnvoll.
Es macht dagegen keinen Sinn, auf Informationsschätzen zu hocken, wenn ringsum immer mehr Information produziert und kostenlos angeboten wird. Vielleicht nicht so gut, vielleicht nicht so umfassend und nicht so verlässlich – aber doch ausreichend für viele Nutzer.
Ich glaube, dass gerade im Markt der digitalen Produkte genauer unterschieden werden muss zwischen dem ideellen Wert eines Inhalts und seinem wirtschaftlichen Wert. Der ideelle Wert mag noch so hoch sein, nur wenn er verwertet wird, manifestiert sich auch der kommerzielle Wert.
Stellen Sie sich einen Bauern vor, der es gewohnt war, einen Sack Kartoffeln für zehn Euro zu verkaufen. Plötzlich stürzen die Preise ab, weil ausländische Bauern den Markt überschwemmen. Der Bauer sagt sich: »Das sitze ich aus!« Nach einem Jahr geht er in den Keller und stellt fest, dass seine Kartoffeln verfault sind. Hätte er damals mal besser einen Reibekuchenstand aufgemacht.
Natürlich ist es einfach, einen solchen Appell zu formulieren und schwierig, in der Praxis Entscheidungen zu fällen, die erfolgreich sind oder wenigstens keinen Schaden anrichten. Kein Verleger kann einfach losstürmen. Das ist sicher richtig.
Sicher richtig ist aber auch, dass man der dramatischen Veränderung des Marktes mit ängstlichen Schritten nicht lange wird folgen können

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37 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Von Bauern und Kartoffeln verstehe ich was. Und deshalb kann ich Ihnen sagen: wenn der heimische Markt von ausländischen Kartoffeln überschwemmt wird und man dann die Kartoffel frei gibt, sie also kostenlos verbreitet, weil man mit der Veredelung, dem Reibekuchenbraten sein Geld machen will, dann wird der Markt plötzlich nicht mehr mit Kartoffeln überschwemmt, weil ja die ausländischen Exporteure auch keine dummen Bauern sind: die liefern dann eben nicht mehr. Bauernschläue. Der Bauer, der vom Feld an die Pfanne gewechselt hat, steht dann etwas blöde da.

    Vielleicht ergibt sich aber im Kartoffeldruck ein anderes Bild, das weiter trägt: Der Bauer pflanzt die Kartoffel und wartet auf die Ernte. Und zu unserer großen Überraschung reifen die Knollen heran, ohne dass ein großer Zaun um den Acker gezogen wird. Jeder könnte kommen und klauen. Und der eine oder andere tuts sicher auch. Nie im Leben kämen die Bauern aber auf die Idee, die Kartoffel frei zu geben, bloß weil sie sie nicht technisch schützen können. Gesetze, Anstand und ein kleines Maß an sozialer Kontrolle schrecken ab, so dass der Kartoffelklau in einem kalkulierbaren und erträglichen Umfang bleibt. Und preisgünstige, attraktive Angebote, Convenience für den Kunden, der reife, gewaschene Kartoffeln im praktischen Sack im Supermarkt bekommt, ohne mit der Hacke Nachts aufs Feld schleichen zu müssen.

    Merke: aus einem pragmatischen Ordnungsrahmen und einem attraktiven Angebot kann ein Jahrhunderte währender Markt werden. Und: ohne Ordnungsrahmen keine Kartoffeln.

  • Wolf-Dieter Sonnenburg

    Wolf-Dieter Sonnenburg

    Es wäre interessant zu erfahren wie denn der Fachverlag von Herrn Wrede mit dem Problem umgeht. Lässt es ihn wirklich gleichgültig, weil ja ohnehin nicht verhinderbar, wenn die Erzeugnisse seines Hauses im Netz frei zugänglich sind?

    "Man sollte jede gängige Verbreitungsform nicht nur dulden, sondern möglichst legalisieren und fördern. " schreibt Herr Wrede. Das klingt vom Nutzer aus gesehen toll!
    Die Frage ist wie lange kann sich ein Unternehmen, das von seinem Ertrag lebt, diese von ihm propagierte Verbreitungsform - für lau - leisten? Und fördern heißt doch wohl aktiv unterstützen, oder?

    "Es macht dagegen keinen Sinn, auf Informationsschätzen zu hocken, wenn ringsum immer mehr Information produziert und kostenlos angeboten wird. Vielleicht nicht so gut, vielleicht nicht so umfassend und nicht so verlässlich – aber doch ausreichend für viele Nutzer."

    "Aber doch ausreichend für viele Nutzer" - das spricht für sich!

    Das heißt Qualität soll genauso behandelt werden wie der Info-Müll aus vielen Netz-Angeboten!?




  • Thomas C. Cubasch

    Thomas C. Cubasch

    Warum Erfinder, Künstler, Graphiker, Architekten etc. noch immer die Mühen und Zahlungen auf sich nehmen, um Ideen, Entwürfe, Forschungsergebnisse etc. rechtlich schützen zu lassen, leuchtet unter dem Titel "Lasst sie laufen" natürlich niemandem mehr ein. Es kann also höchstens noch ein paar Jahre dauern, bis alle Patentämter zugesperrt haben werden. Oder irre ich mich da? Oder irrt nicht doch der Verfasser des im Newsletter wiedergegebenen Beitrags?

  • GT

    GT

    Ohne Ordnungsrahmen keine Kartoffeln, das ist sicher richtig. Jedoch entsteht ein solcher Rahmen nicht aus dem nichts und sicher nicht nur aus Vertrauen in die Menschen, sonder auch aus den harten Strafen, mit denen Kartoffeldiebstahl geahndet wurde.

    Niemand hat doch davon gesprochen, Kartoffeln kostenlos anzubieten. Es geht doch eher arum, statt einfach nur Kartoffeln zu vermarkten - die ja jeder günstig bekommt - die Kartoffel zu veredeln. Denn veredelte Kartoffeln überfluten eben nicht den Markt und können daher Käufer finden, die von der normalen, öden Kartoffeln genug haben.

    Ich kann Herrn Wrede also nur zustimmen. Der Buchhandel setzt sich schon lange durch Service von den Mitbewerbern ab - wieso sollte das für Verlage nicht funktionieren?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Ich lese in Herrn Wredes Text ganz klar: gebt sie frei! und: Man soll die illegale Verbreitung nicht weiter verfolgen, fragt er. Und gibt die Antwort selbst: Nein, man soll diese Verbreitung sogar legalisieren und fördern.

    Wenn meine Bücher von Jedermann kopiert und verbreitet werden dürfen, dann ist der Marktpreis dafür Null, also ist das schon gleichbedeutend mit der Forderung, den Inhalt kostenlos anzubieten.

    Herr Wrede (falls ich ihn richtig verstehe) schlägt vor, die Veredelung so weit zu treiben, dass das Produkt dadurch so attraktiv wird, dass wieder dafür bezahlt wird.
    Ich habe da noch ein Verständnisproblem: auf Seiten des Handels kann ich das verstehen: einfache, bequeme Besorgung, hohe Transparenz über das Angebot, Beratung usw., das rechtfertigt eine bestimmte Zahlungsbereitschaft.
    Aber die verlegerische Veredelung steckt ja schon im Produkt drin. Das muss ich ja in einer Branchenzeitschrift nicht erläutern (oder für Laien einfach mal bei www.was-verlage-leisten.de nachsehen). Und diese Veredelung am Text, an der Typografie, der Ausstattung etc, die muss ja nach Herrn Wredes "lasst sie laufen" gleich kostenlos mitverschenkt werden. Welche Veredelung des Produktes bleibt dann noch, die ein Verlag leisten kann und die nicht bei einer Legalisierung des Inhalteklaus gleich mitverschenkt werden?

    Eine technische Leseumgebung, also eine Software oder Hardware, in der das Lesen der Inhalte besondere Freude macht? Das ist als ob man der Musikindustrie sagt: gebt die Musik frei und verdient am Verkauf von Lautsprecherboxen.

    Aber wenn ich nun Lautsprecherboxen mache, wie kann ich sicherstellen, dass es auch weiterhin Musik dafür gibt? Nach Herrn Wredes Konzept sollen wir an Lautsprecherboxen reich werden und dann aus verlegerischem Ethos das Geld in tolle Musik investieren und diese kostenlos verbreiten.

    Ein gewagter Vorschlag, finde ich...

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Sehr geehrter Herr Ulmer,
    der Titel "Gebt sie frei" stammt von der Redaktion. Ich würde eher sagen "Verfolgt sie nicht".
    Ihre Vorstellung, dass die verlegerische Veredelung bereits im Produkt steckt, greift nach meiner Überzeugung in dieser heraufziehenden digitalen Welt zu kurz.

    Wenn man die Kernaufgabe des Verlegers in der optimalen Verbreitung von Information sehen will, dann muss das heute mehr bedeuten als gut lektorierte Texte und ein ansprechendes Layout. Verlage müssen die digitalen Möglichkeiten mehr nutzen, um die Arbeit des Kunden mit der Information besser zu unterstützen. Solche Lösungen sind viel schwieriger zu kopieren, als einfacher Text in traditioneller Veredelungsform.

    Unsere Aufgabe ist nicht die Produktion von Hardware - aber eben auch nicht die Verhinderung der Verbreitung von Information.

  • Dr. Klaus Graf

    Dr. Klaus Graf

    Ich unterstütze die Position von Herrn Wrede voll und ganz.

    Wissenschaftlich begründet wird sie von Rainer Kuhlen:
    http://www.kuhlen.name/MATERIALIEN/RK2008_ONLINE/f iles/HI48_Kuhlen_Urheberrecht.pdf

    Kriminalisierung der potentiellen Kunden löst keine Probleme, sie schafft welche.

  • Grubel

    Grubel

    Das BrandEins Magazin ist denke ich ein gutes Beispiel wie es sehr gut funktioniert. Auf deren Website veröffentlichen sie alle Artikel der vergangenen Ausgaben, bis auf die Aktuelle (erscheint Monatlich).
    Und trotz dieses wunderbaren Angebots, welches soweit ich weiß, von Anfang an bestand, habe ich ein Abo seit mehreren Jahren.
    Der Unterschied auf dem Klo das iphone zum lesen der Artikel oder die gedruckte Ausgabe in den Händen zu halten ist schon beachtlich.
    Als den wichtigsten Aspekt in Herrn Wredes Argumentation erachte ich aber den der Wissensgesellschaft.
    Jeder sollte sich aus allen erdenklichen Quellen Wissen aneignen können. Und dafür nicht bei jedem zweiten Artikel über den Bezahlbutton stolpern. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen werden mit Steuergeldern finanziert, warum bitte dann nochmal dafür Zahlen?
    Wie soll diese Welt noch zu retten sein, wenn unserer einziger Ausweg klügere Menschen sind?
    Mit einem Preisschild am Wissen selbst, wird dieses aber für viele Menschen unerschwinglich.
    Ich glaube wenn wir, der Staat, aufhören würden Dinosaurieren wie Opel Geld in den Hintern zu blasen und stattdessen den Forschenden, Kreativen usw. (nicht den ganzen Verwertungsheinis dazwischen!) ermöglichen vom publizieren zu Leben, dann kann es nur besser werden.

  • seth

    seth

    Die Frage lautet doch ehr, wie verdiene ich Geld mit meinem Produckt obwohl es frei zugänglich ist.

    Eine Möglickeit wäre es, das Geld vor dem Veröffentlichen einzunehmen, da gibt es ein Copycan-system das sich ganz gut machen soll.

    Nutze ich also meine Publikationen um meinen Ruf und damit die Nachfrage nach meinen Werken, zu steigern (Also einfach Werbung), kann ich damit auch Geld verdienen.
    In der Musikindustie hört man diese in Form von Radioübertragungen und musikalischen Televisonsangeboten, die man ja auch Aufzeichnen kann.
    Ist es logisch den Vertrieb von ohnehin veröffentlichten Werken strafbar zu machen obwohl es keinen kommerziellen Nutzen für die "Kriminellen" hat?

    Auch ein Problem mit den neuen Medien ist das man anscheinend von einem Warenaustausch ausgeht, was schlicht falsch ist.
    Auf dem digitalen Pflaster wird immer Kopiert, selbst eine E-mail ist nach dem absenden eine Kopie. Nur der Inhalt bleibt Original nicht aber das Medium, also die entsprechende Datei.

    mfg
    Seth

  • Petra van Cronenburg

    Petra van Cronenburg

    Dummdreiste Frage einer Kartoffelschnitzerin: Warum lese ich landauf landab nur vom fröhlichen Verteilen geistigen Eigentums - aber nie die Meinungen derer, die es schöpfen? Ist das Ende der Nahrungskette, der Autor, so unerheblich im Verteilungskampf geworden?

    Stellen Sie sich einen Schöpfer von Kartoffeln vor, der irgendwann den Bauern mit der Verschenkmentalität ausschaltet. Weil er genauso gut seine Kartoffeln selbst vom Himmel regnen lassen kann. Wozu brauchen wir in diesem Szenario noch Verlage?

  • Thomas

    Thomas

    Als Verbraucher kann ich das Ansinnen nur unterstützen. Es ist doch so:

    Hätte die Musikindustrie bereits vor zehn Jahren, als das "illegale Filesharing" rund um Napster, Kazaa & Co. gerade begann, aktiv mit einer Plattform wie iTunes oder heute Amazon Downloads gegengesteuert, anstatt zunächst in Schockstarre zu verfallen und dann die eigene Kundschaft über Jahre zu kriminalisieren und per Kampagne zu "Verbrechern" abzustempeln, dann ginge es ihnen heute sicher nicht so schlecht wie sie es nun beklagt.

    Denn es ist doch so: es wird immer Leute geben, der man ihre Kostenlos-Mentalität nicht austreiben kann. Sehr wohl gibt es aber eine Mehrzahl an Menschen, die bereit ist für gute Produkte auch faire Preise zu zahlen. Wenn die (Rahmen-) Bedingungen stimmen.

  • Klopfer

    Klopfer

    "Verlage müssen die digitalen Möglichkeiten mehr nutzen, um die Arbeit des Kunden mit der Information besser zu unterstützen."
    Das ist ja wunderbar für Fachbücher, aber ein großer Teil der Buchveröffentlichungen wird nun mal nicht für die Arbeit benutzt. Ich als Autor sehe bei dieser ganzen Sache nicht, wie ich mit meiner Arbeit Geld verdienen soll, wenn alle meine Texte frei durchs Netz schwirren. Und da kann auch ein Verleger auf einer Webseite noch so süße Worte dafür finden: Er würde sich höchstwahrscheinlich trotzdem dreimal länger überlegen, ob er mein Buch verlegt, wenn es schon im Netz verfügbar ist. Von höherer Bekanntheit allein kann ich auch nicht meine Miete bezahlen. Ich kann auch nicht einfach aus meinen Texten einen Reibekuchen machen. Nicht jeder Autor ist ein begnadeter Vorleser oder kann mit Merchandise Verluste ausgleichen. Bei einem Schreiner würde auch keiner denken: "Ach, der sollte seine Stühle verschenken und Werbung in seiner Werkstatt aufhängen; die sehen ja auch genug Leute, wenn die kommen, um ihre kostenlosen Stühle abzuholen."

  • Das

    Das

    Herr Wrede, ihre Meinung find ich im Grunde gut aber ich denke, das Kartoffel-Beispiel ist nicht gut gewählt. Denn wenn man eine vom Feld klaut ist sie weg, im Internet wird "geistiges Eigntum" jedoch nicht "geklaut" sondern kopiert/vervielfältigt. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Nutzer nehmen quasi die Position eines Verlegers ein, verlangen dabei aber kein Geld. Darüber hinaus gibt es viele "neue" Autoren, meist anonym und in der Qualität von schlecht bis genial. Jeder Nutzer kann sich selbstständig Informationen beschaffen (die er sucht/findet) ohne von Preisen/Geld/Zeit beeinflusst zu sein.
    Das WWW ist die neue Bibliothek und daran müssen sich viele erst gewöhnen. Ich teile ihre Meinung, dass Unternehmen neue Wege einschlagen müssen (statt harmlose Menschen zu kriminalisieren) um ihre Produkte gewinnbringend an die Kunden zu vermitteln.
    Manchmal muss den Keller entrümpeln, alte Dinge beseitigen werden um Platz für Neues zu schaffen. Heute trauert keiner mehr um das Reisemittel Postkutsche, man setzt sich in den Zug, ins Auto oder fliegt. Man kann den Fortschritt nicht aufhalten, daher sollte man ihn nutzen.

  • M. Winkelmann

    M. Winkelmann

    @Klopfer (13): Gerade in der Belletristik ist doch der Vorteil des kommerziellen, geduckten Werkes unübersehbar. Es will doch niemand einen Roman am Bildschirm lesen. Und gerade als unbekannter Autor sollten Sie doch geradezu jubilieren, wenn wirklich plötzlich tausende Ihr Werk lesen würden. Sind Sie nicht sogar enttäuscht, dass es Ihre Werke nicht online gibt?

    Es gab bereits einige Experimente (Paulo Coehlo sei genannt), die zeigen, dass die Verkäufe durch die freie Veröffentlichung sogar steigen.

    Bei Fachbüchern ist das etwas anders, aber selbst dort kaufe ich die guten Bücher gerne, selbst wenn ich sie vorab im Internet gesehen habe oder sehen könnte (Feynman z. B.).

  • Any

    Any

    Der Beitrag geht meines Erachtens zumindest an einem Teil der Realität vorbei. Verbreitung bedeutet eben auch die Verbreitung in eine Vielzahl unterschiedlicher Umgebungen hinein. Eine Schnittstelle zu liefern, die sich pauschal in den "Workflow" des Nutzers integriert ist für einen Verlag heute unmöglich. Erfolge in diesem Bereich basieren auf einem Gefälle zwischen Verlag und den Nutzern, welches die Bereitschaft der Nutzer steigert - man könnte auch sagen, "sie zwingt" - ihre Nutzungsgewohnheiten auf das Angebot des Verlags einzustellen und sich mit größtenteils mangelhaften Strukturen abzufinden. Ab einem gewissen Professionalisierungsgrad ist man dazu nicht mehr bereit. Den genannten Ordner voller Downloads hat wohl jeder irgendwann auf der Festplatte. Der ahnungslose Anwender, davon geht Herr Wrede aus, kapituliert vor diesem Haufen "digitalen Müll" und begibt sich brav wieder unter die Fittiche des Verlages, gibt sich mit dessen Benutzerinteraktion zufrieden. Soweit die Theorie. Hingegen ist gerade dieser Ordner eine Herausforderung für andere Branchen und alles andere als Müll. Irgendwann und sicher in zunehmendem Maße (z.B. durch Beobachtung des Marktes für digitale Bildarchivierung) kommt der Anwender auf die Idee, in seinen eigenen Workflow zu investieren. Das beginnt mit einer einfachen Desktopsuchmaschine und geht bis zu ausgefeilter Semantiksoftware. Das geistige Eigentum ist darin nur noch das eingespeiste Rohmaterial und es fließt ungehindert in diesen Prozess, wenn es nicht geschützt wird.

  • Kand.in.Sky

    Kand.in.Sky

    Vor Jahren verfolgte und verlor die Musikindustrie viele ihrer Kunden. Mittlerweile versuchen sie die Kurve zu kriegen, mit Downloadangeboten für alle, teils ohne Abspielschutz ("Kopierschutz"), mit Service. Im Jahre 2009 ging auch endlich AMAZON in DE an den Start, andere Anbieter zogen nach und verbannten den Abspielschutz endgültig. 10 Jahre zu spät aber immerhin. Auch auf CDs ist Abspielschutz aus der Mode gekommen, war aber vor 5 Jahren noch das Mittel der Wahl.
    Wie gesagt, mit entsprechenden Folgen.
    Auch Tonbänder und Cassetten hatte man als Umsatzvernichter im Auge. Radiostationen wurde diktiert in die Titel zu sprechen um hemisches Aufnehmen zu erschweren.

    Auch andere wetterten gegen die böse Konkurrenz: die Filmindustrie gegen Videorecorder, wovon sie Jahre später beim Videothekenboom nichts mehr wissen wollte, und Jahre zuvor gegen das Fernsehen ("keinen Meter Film dem Fernsehen" und ähnlich lustige Sprüche selbsternannter Experten - heute reden diese über das "Internet"). Und natürlich wetterten Dekaden davor die Pferdekutschenfahrer gegen das böse Auto. Die Autoindustrie konterte dagegen mit Statistiken, dass in Jahrzehnten alle Strassen mit Pferdedung verstopft seien.

    Wie wir alle wissen war alles vergeblich.

    Vielleicht - aber nur vielleicht! - ist der Buchhandel etwas klüger. Zu wünschen wäre es.

    Ansonsten, Vorbilder wie man's nicht machen sollte gibt es genug.

    Achja, könnte man bitte irgendwer dafür sorgen das Burda & Co. ihre Klappe halten? Ich wäre sonst genötigt Schmerzensgeld zu verlangen wenn ich deren Verbalmissetaten ertragen muss.

    Sie haben doch sicherlich da einen besseren Draht als ich.
    Dankeschön.

    #k.

  • J. S.

    J. S.

    @Klopfer
    Wenn Ihre Werke im Internet frei erhältlich sind (im Sinne von kostenfrei), dann verdienen Sie damit kein Geld. Das stimmt!
    Aber was ist Ihnen lieber? Dass Sie auf Ihren Werken sitzen bleiben, weil der Absatz ziemlich gering ist, oder dass Ihr Werk zumindest von Tausenden online gelesen wird (dann halt kostenfrei)?
    Mit letzterem können Sie immerhin Ihren Bekanntheitsgrad steigern. Und dann klappt es vielleicht mit späteren Werken damit auch Geld zu verdienen.
    Daher sollten Sie die Macht des Internets nicht unterschätzen.

    Aber eins möchte ich in diesem Zusammenhang loswerden. Manche "Künstler" scheinen Ihre Kunst nur auszuüben, um damit Geld zu machen.

    Ich war auch Künstler. Ich habe aber nicht Werke geschaffen, weil ich geldgeil war oder davon leben wollte. Ich habe Werke geschaffen, weil ich die Lust dazu hatte, weil ich Spaß daran hatte, weil ich es der Kunst wegen gemacht habe.
    Und das war alles noch vor Napster und Co.

    Aber lassen wir das lieber. Es wird nie Konsens geben. Dafür sind einfach zu viele Leute dabei, die sich um ihr Geld gebracht fühlen.

  • Avantgarde

    Avantgarde

    "Aber soll man denn die unerlaubte Verbreitung von Inhalten gar nicht verfolgen? Ich meine: nein. Man sollte jede gängige Verbreitungsform nicht nur dulden, sondern möglichst legalisieren und fördern."

    Interessant. Würde Herr Wrede also auch Raubdrucke von Produktionen seines Verlages fördern?

  • Kand.in.Sky

    Kand.in.Sky

    @18Avantgarde
    Nein, nicht fördern. Genausowenig wie StAw Strafaten die wegen geringer Schuld nicht verfolgt werden, begehen/forcieren.

    Mein Gott, wie kommt man eigentlich mit dem bisschen zur Schau gestellten Spatzenhirn lebend über den Tag?!?


    #k.

  • Avantgarde

    Avantgarde

    "Mein Gott, wie kommt man eigentlich mit dem bisschen zur Schau gestellten Spatzenhirn lebend über den Tag?!?"

    Keine Ahnung, würden Sie mich aufklären?

  • Avantgarde

    Avantgarde

    Tatsache ist, dass wir momentan einen dramatischen Umbruch erleben, und sollten elektronische Reader zur gängigen Verbreitungsform von Literatur werden, wird jeder Verlag vor einem gewaltigen Propblem stehen, selbst wenn er sich weigert, seine Produktionen in elektronischer Form zu liefern.

    Denn einen 250-Seiten-Roman kann jedermann in einer Stunde scannen und durch ein OCR-Programm laufen lassen. Die unkontrollierte Verteilung ließe sich gar nicht verhindern.

    Insofern hat Herr Wrede natürlich recht. Verlage (und Autoren) müssen in der Lage sein, zusätzlich etwas zu liefern, was man nicht einfach kostenlos vervielfältigen und verbreiten kann.

    Kleine feine Klassiklabels vertreiben ihre CDs mit anspruchsvollen Booklets und liebevoller Aufmachung. Das bezahlen Kunden, die diese Musik wirklich schätzen, auch dann, wenn es die MP3 in der Tauschbörse gibt.

    Gleichzeitig ergeben sich für Autoren auch neue Chancen. Bedenkt man, dass ein Autor vom Ladenpreis eines Buchs (abzgl. Mwst.) meist nicht mehr sieht als zwischen 5 und 10%, dann ist bei cleverem Eigenvertrieb durchaus mehr drin. Je preiswerter ein gut gemachtes PDF ist, desto höher die Chance, dass es auch bezahlt wird.

    Dazu ist es erforderlich, dass wirklich kinderleichte, praktische und sichere Bezahlsysteme für Mikrozahlungen im Web etabliert werden. Allein wegen der Bequemlichkeit bezahlen die meisten gerne zwei Euro für ein elektronisches Buch, statt sonstwo nach einer kostenlosen Kopie zu suchen.

    Der Autor kann Zusatzleistungen anbieten... bei bestimmten Themen schnelle Aktualisierungen etc. Da käme keine Tauschbörse mit.

    Wie gesagt, es gibt Risiken und Chancen. Nur "alles kostenlos" wird nicht funktionieren.

  • Horus

    Horus

    Warum wird dieses Thema so konträr diskutiert? Vermutlich weil man aneinander vorbei denkt.Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Bauern. Wenn ich den Autor richtig verstehe, so spricht er sich dafür aus, dass die Kartoffeln des Bauern sich selber verbreiten dürfen. Er sieht es quasi als kostenlose Werbung für sie sonstige bäuerlich angebotene kostenpflichtige Dienstleistung an. So sehen es, wenn ich es richtig verstanden habe, auch einige Kommentatoren hier. "Ich habe Werke geschaffen, weil ich die Lust dazu hatte..."
    Nur was ist, wenn die Kartoffelesser jetzt zu der Überzeugung kommen, das jegliche bäuerlichen Erzeugnisse und Dienstleistungen kostenlos nutzbar sind? OK, es kann funktionieren, wenn alle ihre Waren und Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung stellen.

  • Frank

    Frank

    Ein absolut richtiger Schritt. Und nein, nicht jeder Inhalt soll kostenlos rumfliegen. Hinter einem Buch steht ein schöpferischer Akt. Sich ein Buch (mit seinem schönen Duft und seinem Platz im Regal) zu kaufen bleibt also weiter in Mode und hat ein ganz anderes Flair als eine billige Kopie. (1:1 Kopien zum Verkauf!!! sollten Verboten bleiben).

    Genauso mit Zeitschriften. Keiner Macht sich die Mühe die Informationen seiner Lieblingszeitschrift selber zusammen zu suchen und kauft sie sich lieber. (Oder wie erklärt ihr euch das es immernoch TV Zeitschriften wo es doch ettliche Online Angebote gibt).

    Es geht auch nicht um kostenlose Kartoffeln. Denn es geht nur um größtmöglich freies Wissen.

    Das schließt aber Patente nicht komplett aus. Ein Patent auf eine technische Innovation ist weiterhin wichtig. Patente auf Design (Ohne technische Verbesserung) hingegen.. bzw Patente auf eine blose Idee (Software) sollten nicht legitim sein. Auch hier würde bloses kopieren einer Software und der Vertrieb unter eigenem Namen immernoch unter Strafe stehen.

    Allerbestes Beispiel: Open Air Konzerte. Warum kaufen sich immernoch Tausende Leute Karten wenn sie die Musik genausogut von außerhalb des Geländes hören können. Wir sehen, der Mensch verhält sich nicht immer rational...

    Also Herr Wrede, toller Ansatz aber wahrscheinlich aus Platzmangel nicht komplett zuende gedacht ;)

  • barbara

    barbara

    Hallo Frank

    Wenn sich Leute ein Buch kaufen oder an ein Konzert gehen, so bezahlen sie zwar gerne - aber nicht den Inhalt, der auch digital verfügbar wäre, sondern die ganz besondere Aufbereitung des Inhalts. Ein Lifekonzert ist nun mal nicht dasselbe als eine Aneinanderreihung von mp3s, die man auf dem ipod hört, und das Bad in der Menge ist nicht dasselbe, wie sehnsüchtig am Zaun zu stehen.... und ich kann mir auch vorstellen, dass ein auf CD gebrannter Lifemitschnitt mit nettem Deckblatt und Autogramm der Band exklusiv für jene, die da waren, ihre Abnehmer finden würden. :-)

    Der Vergleich mit den Kartoffeln finde ich allerdings nicht passend, Kartoffeln sind schliesslich nicht Inhalte, die per Mausklick in sekundenschnelle tausend mal vervielfacht werden können. Und ein Bauer kann ein und dieselbe Kartoffen nicht tausend Mal verkaufen und dafür Geld einnehmen...

    grüsse, barbara

  • Eule

    Eule

    Aus Autorensicht:
    Das derzeitige Urheberrecht führt dazu, dass ich mein geistiges Eigentum nur verbreiten kann, wenn ich jegliche Verfügung darüber abgebe - das Copyright mit allen Nutzungsrechten geht an den Verlag, dem ich damit ausgeliefert bin. Ich muss es hinnehmen, dass das Werk von dümmlicher Pharmawerbung zerstückelt wird, darf meine eigenen Erkenntnisse nicht im Unterricht nutzen.

    Gewinn ist mit wissenschaftlichen Publiktionen eh nicht zu erwirtschaften.
    ----

    Als Konsumentin:
    Die Verfügbarkeit digitaler Versionen hält mich bestimmt nicht vom Kauf eines (Lese-)Buches ab. Anderes gilt für Nachschlagwerke - hier nutze ich ausschließlich die digitale Version.

  • sven

    sven

    Der Vergleich mit den Kartoffeln hinkt, wie auch schon angemerkt wurde.

    Man muss es sich anders vorstellen: Stellt euch vor, Tante Erna hat in ihrem Garten 5 qm Platz, und züchtet dort Kartoffeln. Und nun könnte sie, um bspw. die Armut in ihrem Viertel zu bekämpfen, die Kartoffeln so oft ohne Aufwand vervielfältigen, wie sie möchte, es gibt keinerlei Grenzen, alle werden satt, die was essen wollen.

    Dass jetzt der industrielle Großbauer natürlich Probleme kriegt, liegt auf der Hand.

    Frage 1: Welches Modell ist für die Gesellschaft sinnvoller - Tante Erna, die den Menschen hilft, oder der Großbauer, der Geld verdienen will (was er in diesem Fall nicht müsste, da auch er kostenlose Kartoffeln abhaben könnte)?

    Frage 2: Warum sollte man mit allen möglichen Gesetzen, Kriminalisierung des privaten Beetes, Verteilen von Kartoffeln oder womöglich gar eine Kartoffelabgabe versuchen, den Großbesitzer zu schützen? Es gibt nun mal Berufe, die aussterben. Die Rauchzeichen-Menschen gibt's nicht mehr, Medizinmänner sind auch eher unüblich geworden, die Pferdekutschenhersteller haben sich auch stark dezimiert. Die Postboten nehmen stark ab, sind aber noch nicht auf die Idee gekommen, sich mit einer Unterschriftenliste bei Frau Merkel auszuheulen.

  • Patrick

    Patrick

    ich finde der Vergleich mit dem Konzert und der mp3 Sammlung trifft wohl am Besten, was Herr Wrede mit 'Veredelung' meint. Es geht bei dem Konzert ja auch nicht 'nur' um die Lieder, sondern um das gesamte Erlebnis das drumherum stattfindet, von der Vorfreude angefangen über die Stimmung im Konzertsaal vor während und nach dem Konzert bis über die Zusatzangebote vor Ort, von T-Shirs der Band über ggf Getränke etc. Die Musik, die Stücke an sich geraten da fast schon zur 'Nebensache', die man sich ja auch auf dem mp3 Player kostenlos hätte anhören können.
    Die Verlage haben also die Aufgabe der Konzertveranstalter, sie müssen Leben aussen rum bauen.

  • Düsi

    Düsi

    Das eigentliche Problem ist doch, dass in einem völlig neuen Markt versucht wird die alten Preise beizubehalten. Während früher der Druck eines Brockhaus vermutlich hunderte von Mark gekostet hat kostet heute die digitale Vervielfältigung einige Cent, mit Datenträger und Booklet vielleicht maximal 1 oder 2 Euro. Im Onlinevertrieb entfällt zusätzlich noch das Risiko unverkäuflicher zu hoher Auflagen. Gegen total überhöhte Preise wehrt sich der Markt in Form der Masse der Kunden durch Kopieren, Kaufenthaltung oder Eigeninitiative wie Wikipedia. Genause wie die Leute bei Tomatenpreise von 30 Euro pro kg wieder selber anpflanzen würden bzw. ohne schlechtes Gewissen die Tomaten des Gärtners pflücken würden die zu Nahe an der Strasse hängen. Ich bin überzeugt, dass nach einer für viele Verleger schmerzhaften Preisanpassung der Ware an ihren Wert wieder ein attraktiver Markt für gekaufte Medienprodukte entsteht sowohl für Verkäufer als auch Käufer.

  • Digital Farmer

    Digital Farmer

    Sehr schöner Artikel hat mir gut gefallen. Gerade das sich Verlage damit auseinandersetzen finde ich spannend, denn die Musikindustrie (oder auch Film) scheint dies ja nicht zu tun, sondern schlicht auf Repression zu setzen. Das aber dies nichts bringt, weiss jeder der mal durch einen Supermarkt gegangen ist.
    Was die Unterhaltungs- und Wissensindustrie nicht sieht ist, dass durchaus Leute bereit sind für Qualität zu zahlen. Nicht umsonst wachsen die Umsätze im Vinylbereich wieder, zwar nicht gigantisch, aber immerhin wachsen sie. Betritt man den Bereich der klassischen U Bereich, wird man feststellen, dass dort die Preise steigen, während die Qualität immer weiter zurück geht. Wer will kann ja mal in den nächsten Elektrogroßhandel gehen und sich dort die neueste Bravo HIts o.ä. anschauen. Wer ist schon bereit, soviel Geld für ein Stück Plastik zu bezahlen? Und schon garnicht für eins, dass die Halbwertzeit von Milch unterschreitet. Man bombadiert uns mit Tonnen von schlechten Filmen und Musik, die kaum gesehen/gehört schon wieder vergessen sind. Ist es da wirklich überraschend, dass die Menschen sich so etwas kostenlos beschaffen? Ich meine nein. Vielleicht führt das massive kostenlose downloaden irgendwann auch bei Unsympathen wie Dieter Stein und Konsorten zum umdenken, mehr auf Qualität, auf Bonusfeatures zu setzen, als auf Massenschrott, den nach 2 Wochen niemand mehr hören oder sehen will. Schön wäre es allemal, denn kein Download kann die schöne Platte mit liebevollem Artwork und dem Geruch von Pappe, Vinyl etc. ersetzen. Um mal dieses Beispiel zu nehmen. Viele Künstler denken ja schon um und passen sich an die neuen Marktbedingungen an, dass die Labels das nicht tun (zumindest die Major) ist ihr Problem, that´s capitalism baby. Vielleicht kommt ja mal eine Zeit, in denen Leute wie Stein und Konsorten überflüssig werden. Schon heute macht die Branche mehr Umsatz mit Merchandise und Konzerten, dass wird in der Zukunft nicht anders sein.
    Schließlich würde heute auch keiner mehr auf die Idee kommen, ein Auto auf den Markt zu werfen, dass den Komfort, die Sicherheit und den Verbrauch eines Wagens der 70er Jahre hat und sich dann wundern, dass die Leute kein Interesse an dem Produkt haben.

  • Tjörn Sinzig

    Tjörn Sinzig

    Ich kann Herrn Werle nur zustimmen - und das nicht nur als Konsument, der sich tagtäglich im Internet bewegt, und sich natürlich auch völlig über die Möglichkeiten bewusst ist, kostenlos Musik, Filme und eben auch Bücher, Zwitschriften und sogar Tageszeitungen kostenlos über verschieden kanäle im netz zu bekommen.

    Doch sollten sich alle Beteiligten eines Klarmachen: die Möglichkeit der unendlichen digitalen Vervielfältigung und Verbreitung geistigen Eigentums ist eine Lebenswirklichkeit geworden, die aus dem 21. Jahrhundert nicht mehr zu entfernen sein wird. Egal, mit wie vielen Repressalien zum Beispiel die Musik- oder Computerspielindustrie reagieren - innerhalb von Tagen, meist schon Stunden sind die technischen Schutzvorrichtungen überwunden, und/oder neue Verbreitungswege im Netz gefunden worden.

    Darüber kann man jetzt lamentieren, und 98% der deutschen Bevölkerung kriminalisieren (fast jede Omi hat inzwischen schon die eine oder andere gebrannte CD im Schrank stehen), oder sich damit abfinden, und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und wer sich ein wenig mit dem Medium auseinandersetzt, erkennt schnell die Möglichkeiten, die diese Entwicklung jedem Beteiligten in dieser Liste bietet: Kulturschaffenden, Verlage/Produzenten (zum Beispiel bei der Musik), den Händlern und natürlich auch dem Endverbraucher der - zugegebenermaßen - wohl am meisten von dieser Entwicklung profitiert.

    Ich finde es immer wieder erschreckend, dass gerade Künstler der Ansicht zu sein scheinen, dass, sobald ihr Werk erst einmal kostenfrei irgendwo angeboten wird, sie keinen Cent mehr verdienen werden. Da stellt sich mir immer die Frage, wie viel diese Menschen von ihren geistigen Erzeugnissen eigentlich halten. Denn die Erfahrung der letzten 10 Jahre zeigt doch: Für Qualität ist der Kunde auch bereit, Geld auszugeben. Sowohl für die Qualität des Kunstwerkes (Retortenmusik vs. mit Herz produzierter Musik), als auch der Darreichungsform: Ja, es ist fast alles im Netz zu bekommen, aber nicht alles davon ist in einer Qualität, die man seinen Augen oder Ohren gerne zumuten will. Zudem ist dieser Content oft auch nicht sofort verfügbar, er muss erst aufwändig gesucht werden, usw.

    Es gibt also durchaus eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten für Künstler und Industrie, um weiterhin ihre Qualitätsprodukte anbieten zu können. Mit den Worten der amerikanischen Podcasterin Zadi Diaz (frei Übersetzt): "Gebt uns was wir wollen, wann wir es wollen zu einem fairen Preis - dann sind wir auch bereit, dafür zu bezahlen!"

    Und dass das funktionieren kann, dafür gibt es viele Beispiele:
    Der Autor Scott Sigler (www.scottsigler.com) konnte zum Beispiel nur einen Verlag für sich gewinnen, indem er seine Bücher kostenlos als Podcasts veröffentlichte, und sich damit eine eigene Fanbase aufbaute. Alle Bücher kann man immer noch kostenlos anhören - trotzdem stürmte er bereits schon am Veröffentlichungsdatum die Amazon Bestsellerlisten.

    Viele kleinere Künstler haben sich darauf besonnen, dass man Musik auch anders anbieten kann, als als hochglanzbedruckte Silberscheibe, in Wegwerfverpackung und einem Cover, dass nur aus dem Bild besteht (auf der Rückseite schon Werbung für andere CD's)...
    Es gibt sogar Künstler, die mit aufwändigen Digipacks deutlich höhere Preise (50€!) rechtfertigen - wobei praktisch alle Exemplare schon durch die Vorbestellungen vergriffen sind. Beispiel: www.thetalesofasp.com

    Wer es trotzdem digital will: itunes und Co. bieten längst nicht mehr nur Musik an. Auch Filme, Serien, Hörbücher und auf dem amerikanischem Markt seit neustem auch Comics - für kleines Geld zum sofort herunterladen und ansehen/-hören. Mir selbst ist es erst vor Kurzem passiert, dass ich in einem Schuhladen ein Lied hörte, welches mir gefiel. Verkäuferin nach dem Titel gefragt, iPhone gezückt, 0,99€ bezahlt - und Minuten später konnte ich den Titel bereits hören.

    Dagegen kommt keine Tauschbörse an. Und dafür sind wir Konsumenten - wie diverse Studien bestätigen - auch bereit, Geld zu bezahlen!

    Das erfordert ein drastisches, gerade radikales Umdenken aller, die auf dem klassischen Wege in diesem Sektor ihr Geld verdienen - das ist mir bewusst.

    Den Kampf gegen Windmühlen weiterhin fortzusetzen ist jedoch ebenso radikal - und ist ohnehin schon verloren!

    Insofern kann ich nur hoffen, dass dieser Artikel nicht auf taube Ohren stößt - ich zumindest bin nicht bereit. 300€ für den Sony Reader auszugeben, und darauf noch den Vollpreis für die DRM-geschützte, digitale Version eines Buches, welches ich mir in ähnlicher Qualität mit ein wenig mehr Aufwand aus dem Netz besorgen könnte. Da bleibe ich beim gedruckten Buch!

    So weit geht die Loyalität einem Künstler gegenüber bei den meisten Menschen eben auch nicht...

  • m_fiebig

    m_fiebig

    Ich persönlich glaube, dass es immer genügend Menschen geben wird, die den Wert eines gedruckten Buches zu schätzen wissen. Kleiner Tipp an die Verleger: Bücher in zwei Ausführungen verkaufen. Einmal die übliche Papierform und dann noch eine Kombination aus Papier und E-Book. Also einfach ein normales Buch nebst SD-Card mit E-Book. Für diese Kombination dann einfach 10% Preisaufschlag. Die Leute würden nur noch die Variante mit SD-Card haben wollen, weil es etwas Tolles zum Buch dazu gibt. Und selbst wenn einige Leute die SD-Card dann rumreichen würden, der Schaden wäre vermutlich trotzdem nur gering.
    Leider hat sich bisher noch kein Verleger an dieser simplen Idee versucht, stattdessen werden einfach E-Books (ohne Papier dazu) für den gleichen Preis wie ein gedrucktes Buch verkauft. Und DRM gibt es noch obendrauf.

  • Hajo Dreyfuß

    Hajo Dreyfuß

    Viele Menschen sind gerne bereit, für ein Buch oder eine Schallplatte einen akzeptablen Preis zu bezahlen. Die schlichte Motivation dahinter: Die Künstler sollen etwas davon haben, dass mir ihr Werk gefällt.

    Und was geschieht dann mit dem Geld? Handel und Verlag (egal, ob Text oder Ton) streichen den Löwenanteil ein, dann kommen GEMA/VG Wort, und ganz zuletzt bleibt ein kläglicher Rest für jene, die damit hatten bezahlt werden sollen. Wenn sie nicht schon vorher mit einer lächerlichen Pauschale abgespeist wurden. Bei der GEMA landet der Löwenanteil der Ausschüttung dann nicht beim Rapper, dessen Platte gekauft wurde, sondern bei den notleidenden Herren Bohlen, Grönemeyer & Co. Und bei der VG Wort ist für den Autor spätestens dann die Einnahme flöten, sobald das Buch verramscht wird: Wenn sich der Vertrieb für den Verleger nicht mehr rechnet, hilft auch hundertfache Nachfrage nicht. Und auch nicht der Wunsch der Künstler, ihre unvermarkteten Werke freizugeben.

    Unter solchen Umständen ist nicht verwunderlich, wenn sich viele "Raubkopierer" wünschen, sie wüßten die Bankverbindung ihrer "Helden". Bei jamendo.com funktioniert der "Spenden"-Button genau deswegen für alle Beteiligten zu großer Zufriedenheit.

    Von den drei- bis vierfach steuerlich subventionierten Fachzeitschreifen, die auch in digitaler Form in allem behandelt werden, als wären sie auf teurem -unkopierbarem- Papier gedruckt, brauche ich hier nicht anfangen - die verdiente Antwort heißt "Open Access" und etabliert sich gerade wegen der unersättlichen Gier der bisherigen Nutznießer in rasantem Tempo. Mit dem Erfolg, das manche wichtige neue wissenschaftliche Ideen und Erkenntnisse endlich ganzen Studiengängen zugänglich werden.

    Weder das gedruckte Wort noch die Klangscheibe sind todgeweiht, wenn Text und Ton digital kostenlos erhältlich sind. Was in Zeiten von PDF und MP3 schwindet, ist das faktische Monopol der Verlage auf die Inhalte. Und damit eine merkantil Goldene Zeit. Da kann man Krokodilstränen heulen, da kann man die Polizei rufen - oder sich zum eigenen Nutzen an dem orientieren, was Seine Majestät, der Kunde, wünscht: ein schönes Buch, eine liebevoll geleitete Scheibe, auch wenn der Künstler seit fünf Jahren "out" ist, und das auch noch zu einem akzeptablen Preis.

    Hier ist ein Gebiet, das die Liberalen gerne bewerben: Arbeit kann sich lohnen. Kleinvieh macht auch Mist. Wer diese wenigen einfachen Regeln verlernt hat, wird sich nicht mehr lange auf dem Markt halten.

    Von daher freut es mich besonders, dem Autor beizupflichten.

  • Joachim Graf

    Joachim Graf

    Wann merken die Verlage eigentlich, dass es einen Unterschied zwischen Kartoffeln und Inhalten gibt. Nachdem das Internet den Inhalt vom Medium getrennt hat bleibt nach betriebswirtschaftlicher Kalkulation für den Wert des Content eine schlichte Null übrig - wer in der Wüste Sand verkaufen will, hat eben ein Problem.

    (Er kann aber Sand reinigen. Oder wegschaufeln. Oder grün färben. Dann verkauft er Service, aber nicht Content. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.)

  • S. Sewelies

    S. Sewelies

    Wenn man schon unbedingt Äpfel (Kartoffeln) mit Birnen (Büchern) vergleichen will: Es geht doch nicht darum, dass Tante Erna ihre Kartoffeln umsonst verteilen will, sondern dass die des "Großbauern" ohne dessen Einverständnis verschenkt werden sollen. Und wer unbedingt kostenlosen Lesestoff sucht, findet schließlich schon lange genug davon - wenn dieser nicht den entsprechenden Absatz findet, scheint es mit der Qualität dann vielleicht nicht so weit her zu sein? Ich kaufe lieber weiterhin Kartoffeln mit gutem Geschmack beim "Großbauern" und verzichte auf Tante Ernas Knollen.

  • Noyer

    Noyer

    Mir würde als Mehrwert ja schon genügen, ein anständig übersetztes, lekotriertes und korrigiertes Buch lesen zu können statt der fehlerstrotzenden Textgebilde, mit denen man als passionierter Leser abgespeist wird.

  • Sey

    Sey

    Ich hätte gerne eine Funktion, mit der ich Künstlern von Liedern, die ich mag, direkt Geld überweisen kann..
    Und E-Book vs. Buch ist ein ganz anderes Feld als Musik. Ich habe sehr gute Bücher gelesen von Leuten, die sie kostenlos zur Verfügung gestellt haben, aber 1000 Seiten am Rechner zu lesen ist doch etwas völlig anderes, als ein Buch in Händen zu halten, das keinen Strom braucht, wo man Lesezeichen reinstecken kann und auch mal reinschreiben (Sakrileg, ich weiß..) und die ein bisschen Wasser vertragen können und gut riechen.. nur dass ich mich damit hauptsächlich aus Büchereichen versorge und nicht alles kaufe (zu teuer) - erstaunlich, dass der Buchhandel noch nicht versucht hat, gegen Büchereien vorzugehen..
    (Bitte entschuldigt das Chaos hier)

  • Susanne Peters

    Susanne Peters

    Also die Geister scheiden sich hier deutlich in zwei Lager. Ich finde, wenn jemand nicht will, dass seine Texte frei veröffentlicht werden, dann soll er das Recht auch bekommen.

    In diesem Momant entscheidet er sich für seinen Absatzweg seines geistigen Gedankengutes. aber wie schon von vielen berichtet, stellt sich die Frage, ob er wirklich schnell bekannt wird.

    Ich denke mir, dass man diese Plattform nutzen kann, um bekannt zu werden. Sich einen NAMEN zu machen.

    Man kann auch sein Geld mit dem zweiten Buch machen. Ich will ein richtiges Buch, was ich mir mal auch ins Regal stellen will.

    Bilckt man in die Zukunft wird sich jedoch auch hier noch viel mehr verändern.

    Aber eines Zählt:

    Was nützt es, wenn geistiges Gedankengut verkümmert und nicht in die Welt getragen wird.

    Kunst ist nur in wenigen Fällen eine brotbringende Beschäftigung.


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