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02.07.2009DBH

Hugendubel und Buch Habel: Stellenabbau verzögert sich

Ende Juni sollte die Kündigungswelle bei den DBH-Töchtern Hugendubel und Buch Habel anrollen, doch der Terminplan lässt sich offenbar nicht halten: Laut Hugendubel-Gesamtbetriebsratschef Uwe Kramm sind die Gespräche über einen Interessenausgleich ins Stocken geraten.

"Uns fehlen noch immer Daten von der Geschäftsleitung", erklärt Kramm; ein Hugendubel-Sprecher rechnet mit einer "Verzögerung von zwei bis drei Wochen".

Wie viele Mitarbeiter in welchen Filialen letztlich gehen müssen: Kramm zufolge steht das noch nicht fest – weder für Hugendubel noch für Buch Habel. Grund: Bevor auch nur eine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen werden kann, müssen die Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich beendet sein. Erste Spitzengespräche zwischen der Geschäftsleitung und den jeweiligen Betriebsräten werden nach Börsenblatt-Informationen aber noch in dieser Woche stattfinden.

Insgesamt sollen, so der aktuelle Stand, etwa 600 von etwa 1.500 Mitarbeitern gehen – 400 allein bei Hugendubel. Diese Zahl ergibt sich aus betriebsbedingten Kündigungen (laut Geschäftsleitung bei Hugendubel 179 und bei Buch Habel 106) und Aufhebungsverträgen; zusätzlich ist offenbar geplant, befristete Verträge nicht zu verlängern. Bisher sei bei Hugendubel „nur eine Personalmaßnahme umgesetzt“ worden, so Kramm: Die Kündigung der Ausbildungsverträge mit Beginn im Herbst; um wie viele es dabei geht, könne er aber nicht sagen.

Unbestätigten Informationen zufolge sind von Kündigungen unter anderen betroffen:

- in Berlin: ca. ein Drittel der etwa 200 Hugendubel-Beschäftigen (sieben Filialen),
- in Frankfurt am Main: ca. ein Viertel von rund 100 Hugendubel-Angestellten (zwei Filialen),
- in München:  ca. 50 der rund 500 Hugendubel-Mitarbeiter (neun Filialen).

Buch Habel soll die Kündigungswelle noch härter treffen. Hier liegt bereits der Anteil der Mitarbeiter, den eine betriebsbedingte Kündigung droht, bei rund einem Drittel (106 von 335 Stellen). Nach Börsenblatt-Recherchen sollen in einzelnen der 17 Filialen etwa die Hälfte der Angestellten gehen – etwa in der Mainzer Filiale am Brand (22 von 49 Mitarbeiter). Wie Verdi-Sekretär Horst Gobrecht berichtet, stünden in Viernheim – wo seit längerem über Kürzungen nachgedacht wird – neun Entlassungen an.

Was den Interessenausgleich und die Gespräche über einen Sozialplan bei Buch Habel aus Sicht der Mitarbeiter besonders schwierig machen könnte: Bislang gibt es lediglich in vier von 17 Filialen einen Betriebsrat – wir berichtet sind das die Filialen in Krefeld, Viernheim und die beiden Häuser in Mainz. Aufgrund der anstehenden Probleme, schwenken zahlreiche Mitarbeiter nun um: Laut Verdi-Sekretär Gobrecht wollen jetzt auch die Mitarbeiter in vier weiteren Filialen einen Betriebsrat gründen (Darmstadt, Konstanz, Neu-Isenburg, Wiesbaden).

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8 Kommentar/e

1. BRs-liebling 02.07.2009 20:56h BRs-liebling

nur richtig so: gründet einen BR und setzt euch zur wehr.
das ist doch alles nicht mehr normal!

2. Trio 02.07.2009 21:25h Trio

Genau und macht euch damit unkündbar und sichert euren job damit die kollegen gehen müssen.

3. HUG 03.07.2009 10:30h HUG

Hallo?! Wie soll ich das denn verstehen??
Heutzutage geht ohne Betriebsrat nichts mehr! Sonst denken die Arbeitgeber, sie können mit einem machen was sie wollen!

4. Marginales Interesse 03.07.2009 15:19h Marginales Interesse

Was alles trotz Betriebsräten gehen wird, davon werden wir alle uns in den kommenden Monaten überzeugen können! Und ob das viel sein wird, außer den unkündbaren BR die Jobs zu sichern, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden! Auf die Qualifikation der Bleibenden kommt es bei den sozial verträglichen Entlassungskriterien ohnehin nicht mehr an.
Auch Buchhändler sind schließlich erwachsene Menschen, da nehme jede ihr Schicksal selbst in die Hand, anstatt auf die große Einigung zu hoffen!

5. falsche Richtung 07.07.2009 08:15h falsche Richtung

@marginales Interesse
schneidet Euch nicht gegenseitig die Hälse durch im SInne von BR dürfen bleiben und die Schlechten dürfen bleiben nur ich nicht. Nicht die Kollegen und nicht der Betriebsrat ist Schuld für diese Entlassungen, es ist die Geschäftsführung, die auf ganzer Linie versagt hat. Sie ist verantwortlich. Umsatz Buch in 2008, stagniert bei 0,8 Plus. Aber PLUS! Und welche Infos gibt es inzwischen zum neuen Konzept?!? Außer dem Namen, der keinem so richtig was sagen will? Ist doch alles nur Aussitzen. Wißt ihr noch, daß die Kollegen bei Weltbild ohne BR richtig bluten mußten? Und zwar mit blauem Brief im Kasten und DANN die Info, es gibt einen Simple Shop... Lest die Kommentare bei "Weltbild streicht 322 Stellen" und gründet einen BR!!!!!

6. Ehemann einer Betroffenen 10.07.2009 19:46h Ehemann einer Betroffenen

Es ist manchmal nicht zu fassen, wie naiv einige Leute immer noch sind. Man soll die Sache selbst in die Hand nehmen, die Buchhändler sind ja erwachsen. Einer alleine hat doch null Chance gegen die Rabauken der Geschäftsleitung. Wer so was schreibt, hat sich wahrscheinlich bisher den Mitgliedsbeitrag für die Gewerkschaft gespart mit dem Gedanken, die brauch ich nicht.
Seid doch froh, dass Ihr einen BR habt und dass Ver.di Euch unterstützen wird. Nur auf dieser Basis ist die Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel überhaupt erst möglich. Wenn dieser Kahlschlag bei Hugendubel abgemildert werden kann, dann nur, wenn alle zusammen halten.
Bitte merken: Nicht der BR oder ver.di wollen entlassen, sondern der Arbeitgeber, also die, die den Hals nicht vollkriegen.

7. Buchhändler-Forum DBH/Hugendubel 12.07.2009 17:08h Buchhändler-Forum DBH/Hugendubel

An alle "verantwortungsbewussten und engagierten Mitarbeiter" von Hugendubel (und allen weiteren DBH-Betrieben)

Ein bemerkenswerter Beitrag ist jetzt auf der Hugendubel-Homepage zu finden:
Seit dem 10.Juli ist dort der HodolitschBlog "Es war einmal ein Buch ... / Neues aus der BücherWelt / Buchhandel light & Bücherpäpste" online:

Unser Münchner Kollege aktualisiert darin die "Geschichte des deutschen Buchhandels" (Wittmann) auf besondere Art -
Zunächst geht es um "Bücherpäpste" (Heidenreich-Fried-Mangold) -
Danach um "Buchhandel light", über den man hier Folgendes erfährt:

"Das zweite 'Problem' ... ist das Problem der Filialisten ...
Nur noch auf Schmalspurbuchhandel zu setzen, auf 'Erlebnis' statt auf Sortimentstiefe ....
Hat die Krise ... auch die Größten der Großen erfasst ...
'Man müsse den Strukturwandel in der Buchhandelsbranche aktiv mitgestalten, um die Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Man sei sich sicher, dass man aus dieser Umbruchsituation gestärkt hervorgehen wird', heißt es da.
...
Will aber heißen:
Noch mehr 'Besser Leben', noch mehr 'Erlebniseinkauf“, noch weniger Service und noch weniger Personal.
Denn: Die Personalschraube ist mit Abstand die wirkungsvollste.
Es müssen zwar keine 5 – 6 % wie bei Aldi sein, aber unter 10 % vom Umsatz zu landen, das wäre doch schön ...
Da lässt sich doch was drehen, outsourcen, rationalisieren.
...
Für den Leser, der sich bewusst für einen Einkauf im Bücherkaufhaus entscheidet, bedeutet dies ...
Dass er nun noch länger warten, noch weniger beraten und zwei alternative Optionen in Erwägung ziehen wird:
...
01. Bei Amazon kaufen. Warum?
Das Buch ist genauso teuer oder billig wie im Laden, Userbewertungen helfen bei der Auswahl ...
Kein Gedrängel, kein Stress, keine Wartezeiten an Kasse, Service oder Information, trotzdem reinlesen mit 'Search inside the book', mal eben noch einen DVD Player mitbestellen, bequem mit Kreditkarte zahlen und kostenlos nach Hause geschickt bekommen, zwei Wochen behalten und wieder zurückschicken.
...
02. In eine 'kleine' Buchhandlung gehen. Warum?
Nicht einmal die Filialisten können 1,5 Mio. lieferbare Bücher vorrätig haben, insofern lieber in gemütlicher Kleinauswahlatmosphäre ein wenig abseits meterhoher Bestsellerstapel stöbern und bei Bedarf binnen eines Tages bestellen.
Zumal findet sich bei der Größe der meisten Ladenlokale auch relativ leicht ein kompetenter Ansprechpartner.
...
Es gibt viele Wege aus der Krise.
Aber Trends, wenn es denn überhaupt welche sind, hinterherzulaufen, war noch niemals ein innovativer Weg.
Und mit minimalem Aufwand eine maximale Rendite zu erwirtschaften schließt sich aus..."

http://www.hugendubel.de/blogs/hodolitsch_blog/Default.aspx

Und diese kluge Argumentation geschieht ganz im Sinne der Firmenleitung Hugendubel (siehe unten):
So lasst uns die "Firmen-Philosophie" jetzt auch beim Wort nehmen!

- die folgenden Hinweise verdanken wir aufmerksamen Münchener (beste Grüße in Richtung "Süden" und "Zentrale"!) Kolleginnen und Kollegen,
die sich gerade (wie in Berlin, Frankfurt und an vielen weiteren DBH-Standorten) aktiv organisieren
(unterstützt durch Betriebsrat, Sachverständige, Gewerkschaften und Medien/Öffentlichkeit)

- gegen destruktive "Konzepte",
für einen zukunftsorientierten, arbeitsplatzerhaltenden, qualitätsvollen Buchhandel!

(Wir zitieren aus zwei Dokumenten, die beide bemerkenswerte Details enthalten):

Die Unternehmer-Maximen

"Der Unternehmer muss offen für Kritik sein.
Das Allerschlimmste, das passieren kann ist, wenn man keinen Widerspruch mehr bekommt.
Man kann ihn nicht erzwingen, aber man kann für eine offene Gesprächskultur sorgen.
...
Die Mitarbeiter ... müssen sich nur trauen, die Schlussfolgerungen, die sie aus ihren Erfahrungen ziehen, auch auszusprechen.
...
Der unternehmerische Erfolg setzt sich zusammen aus der Summe der Erfahrung seiner Mitarbeiter."

Quelle:
":unternehmen!" Der Newsletter des Deutschen Gründerpreises
Ausgabe 3 Mai 2008
Interview: Dr. Maximilian Hugendubel im Gespräch
http://www.deutscher-gruenderpreis.de/owx_1_3093_1_5_0_00000000000000.html


und: Die Unternehmens-Leitlinien

"Eine breite Schicht verantwortungsbewusster und engagierter Mitarbeiter in allen Tätigkeitsbereichen gilt als Grundvoraussetzung für dauerhaften Erfolg am Markt.
...
Zum Unternehmenserfolg trägt nicht nur die fachliche Qualifikation aller Mitarbeiter und Vorgesetzten bei, sondern mehr noch die Fähigkeit und Bereitschaft, zur Erreichung gemeinsamer Ziele auf allen Ebenen gut und fair zusammenzuarbeiten.
Dabei haben die Vorgesetzten die Aufgabe, ihre Mitarbeiter so zu führen, dass ein Höchstmaß an Arbeitsplatzzufriedenheit entsteht.
Dadurch werden das Selbstvertrauen der Mitarbeiter gefestigt und die Arbeitsergebnisse verbessert.
Führen heißt in diesem Sinne: Gemeinsam vereinbarte Ziele erreichen - Freude an der Arbeit vermitteln.
...
Die Vorstellung, dass der Mann / die Frau an der Spitze selbst alles am besten können muss, ist nicht haltbar.
Die beste Fachkraft ist er / sie in aller Regel nicht.
Führen heißt, Mitarbeiter zu motivieren und Entscheidungen zu fällen; Führen heißt nicht, alles selbst am besten zu können.
...
Der langfristige Erfolg der Buchhandlung Hugendubel hängt im wesentlichen davon ab, tüchtige Mitarbeiter für ihre Tätigkeit zu begeistern und ihr Engagement und Mitdenken zu fördern.
Leistungsgerechte Entlohnung, vielseitige Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie gegenseitiges Verständnis und faires Verhalten auf allen Ebenen sind deshalb die Grundpfeiler der Personalpolitik.
...
Ziele bieten dann den höchsten Anreiz, wenn die Mitarbeiter von ihrer Richtigkheit, Notwendigkeit und Realisierbarkeit überzeugt sind.
...
Der Vorgesetzte hat alles zu tun, um die Handlungs- und Entscheidungsfreudigkeit seiner Mitarbeiter zu fördern.
Nur durch die Beteiligung an den betrieblichen Entscheidungsprozessen lässt sich die Arbeitsplatzzufriedenheit erzielen, mit der Mitarbeiter ihre Ziele errreichen wollen und können.
...
Deshalb sind offene Informationsgespräche, die den eigenen Verantwortungsbereich hinausgehen, erwünscht.
Niemandem darf aus der fairen Übermittlung von Informationen ein Nachteil erwachsen.
...
Jeder Mitarbeiter hat das Recht, Verbesserungsvorschläge zu machen, Anregungen zu geben, neue Ideen zu verwirklichen, Kritik zu üben und sich zu beschweren.
Dieses Recht wird zur Pflicht, wenn etwas geschieht, was das Betriebsklima beeinträchtigt, die angestrebte positive Zusammenarbeit gefährdet oder die Realisierung der angestrebten Ziele in Frage stellt.
Dem Mitarbeiter darf aus einer Anregung, Beschwerde oder Kritik kein Nachteil erwachsen.
Die Furcht vor der 'Revanche' des Vorgesetzten unterdrückt Kreativität, Phantasie und Arbeitsfreude der Mitarbeiter; sie werden dann nicht mehr wagen, Kritik an bestehenden Zuständen zu üben und sich in Resignation zurückziehen.
Ein solches Verhalten schadet dem Unternehmen und gefährdet seine Innovationsfähigkeit.
Die Geschäftsleitung erwartet deshalb, dass die Führungskräfte auf Anregungen und Kritik der Mitarbeiter positiv und aufgeschlossen reagieren.
Überempfindlichkeit von Vorgesetzten deutet auf mangelnde Souveränität hin.
...
Führungskräfte auf allen Ebenen sollten immer davon ausgehen, dass Mitarbeiter mit Kritik und Anregungen bestehende Zustände verbessern wollen.
Durch unsachliches oder selbstherrliches Abkanzeln der Mitarbeiter werden gute Ideen im Keim erstickt - zum Schaden des Unternehmens.
...
Die Mitarbeiter der Buchhandlung Hugendubel sollen Freude an ihrer Arbeit haben, selbstbewusst Entscheidungen treffen und engagiert für ihr Unternehmen eintreten.
...
Wir wissen, dass auch die besten Führungs- und Verhaltensgrundsätze noch keine gute Führung garantieren.
Es kommt darauf an, wie alle Beteiligten diese Grundsätze anwenden und in die Tagesarbeit umsetzen."

Quelle:
Unternehmensgrundsätze der Buchhandlung Hugendubel

Äußerst vorbildlich, weiter so! Seid innovativ, rettet den Buchhandel!

EUER BUCHHÄNDLER - FORUM "DBH / HUGENDUBEL"

8. Quästor 13.07.2009 08:47h Quästor

Ich hoffe, die GL verfolgt die Kommentare, sonst macht die Schlacht hier ja keinen Sinn...
Jene Internezzer, die sich mal ein wenig über die Biographie von den "Oberbossen" schlau gemacht haben dürften wissen, daß es sich unternehmensberatend um "Vetternwirtschaft" handelt, was sich meines erachtens nicht sehr professionell auswirkt. Neue Konzepte mit fachkompetenten Mitarbeitern (s.o.) auszuarbeiten halte ich für eine gute Idee, die Geld und Nerven spart.
Aber bis wir dahin kommen müssen wir die Hinterbacken zusammenkneifen, zusammenhalten und kämpfen.
Wenn ein Angestellter einen Fehler macht kostet das einen Konzern vielleicht 5000 €, macht die GL einen Fehler kostet das den Konzern ein paar Millionen.
Na dann viel Spaß...

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