08.07.2009
Kopierschutz bei E-Books
Restriktive Kopierschutzsysteme, also Systeme, die die Vervielfältigung der zu schützenden Information technisch verhindern sollten, funktionieren nicht. Sie haben noch nie funktioniert. Nicht bei CDs, nicht bei DVDs, Nicht bei Blu-Ray. Es dauerte bisher nie sehr lange, bis die "gerippten" Daten in den entsprechenden Tauschbörsen auftauchten. Es gibt keine Gründe, anzunehmen, dass dies bei E-Books nennenswert anders funktionieren wird. Im Grunde sind E-Books sogar aufgrund ihres weit geringeren Datenvolumens noch wesentlich gefährdeter, illegal kopiert zu werden, weil die Übertragung übers Netz viel schneller geht.
Eine schwerwiegende Folge der Kopierschutzbestrebungen der Musik- und Filmindustrie ist, dass ehrliche Kunden sich oft als Gegner behandelt vorkommen, weil allzu gründliche Kopierschutzmaßnahmen den Käufer bei der Benutzung seines Produkts behindern. Wenn Kunden wahrnehmen, dass die illegalen Kopien dem legalen Original überlegen sind, was sie oft genug sind, hat der Hersteller im Grunde schon verloren. Heute kopieren harmlose, ehrliche Filmliebhaber ihre DVDs mit illegaler Software und entfernen den Kopierschutz, weil ihr Abspielgerät sonst nicht damit zurechtkäme. Das sorgt für eine gesellschaftliche Akzeptanz illegaler Kopien, die weit gefährlicher ist als die ein oder andere Raubkopie.
Auch wenn seit Kurzem ein restriktiver Kopierschutz angeboten wird, den Ronald Schild sehr kritisch betrachtet, verfolgt Libreka an sich einen Mittelweg. Digitale Wasserzeichen, wie sie bei Libreka bevorzugt zum Einsatz kommen, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die Benutzung der Datei wird durch das Wasserzeichen zunächst nicht behindert. Wasserzeichen sind natürlich – wie alle anderen Maßnahmen auch – technisch zu entfernen und verhindern die Kopie an sich nicht, sollen aber ein Gefühl der Angst bei demjenigen auslösen, der seine Datei weitergibt. Das ist wiederum keine gute Idee, zumal wenn man sie mit so markigen Worten begleitet, wie das Herr Skipis getan hat. Ein ängstlicher Kunde kauft nicht. Zumal, wenn er eine (illegale) Version bekommen könnte, die garantiert keine Informationen über ihn beinhaltet.
Warum ist es dann für den ehrlichen Kunden überhaupt ein Problem, ein Buch mit Wasserzeichen zu haben? Soll er halt nicht Raubkopieren! Dass man Bücher in privatem Rahmen herleiht, ist gängige Praxis und auch in Ordnung. Bei digitalen Büchern führt das herleihen zwangsläufig zu einer Kopie. Anders ist das Buch ja gar nicht zu bewegen. Wer dabei nicht sicher sein kann, was über ihn in der Datei steht und unter Umständen irgendwann im Netz landet, ist erstens verunsichert und zweitens geneigt, das Wasserzeichen zu entfernen oder gleich von vornherein eine illegale Version zu verwenden, die entweder kein, oder doch jedenfalls nicht sein Wasserzeichen trägt.
Besser wäre es, den Namen des Käufers nur im Klartext ins Buch einzutragen und das auch an die Käufer zu vermitteln. Natürlich kann man diesen Hinweis noch ein Stück schneller und einfacher entfernen, aber die größte Zahl der Käufer würde wohl auch dies nicht bewerkstelligen. Richtig präsentiert könnte diese Namensnennung im Gegensatz zum unsichtbaren Wasserzeichen auch als ein digitales Exlibris begriffen werden.
So wird natürlich nicht verhindert, dass viele E-Books in Tauschbörsen landen werden. Dazu sind andere Maßnahmen aber auch nicht geeignet. Was eine derartige, dezente Erinnerung des Kunden an die Tatsache, dass dies sein persönliches Buch ist, erreichen kann, ist, dass er eine gewisse Schwelle wahrnimmt ohne sich gegängelt zu fühlen. Das, zusammen mit etwas moderateren Preisen, könnte dazu führen, dass die gewohnheitsmäßige Quelle für E-Books der Händler bleibt und der Nutzer nicht zur Tauschbörse abwandert. Kunden von einem „Laden“ abzuwerben, der kostenlos ist, wird kaum jemals gelingen, sei dieser Laden illegal oder nicht.


1. Kai Weber 08.07.2009 16:23h
Ich vergleiche selbst gerne die eCommerce-Geschäftsmodelle der Musikindustrie mit denen der Buchbranche und sehe tatsächlich gewisse Gemeinsamkeiten. In Ihrem ersten Abschnitt zu "gerippten" Daten haben Sie mit dem Vergleich allerdings Recht, denn die technischen Unterschiede zwischen Musik und E-Buch sind doch größer:
Bei einer DRM-geschützten Musikdatei brauche ich nur eine Aufnahmesoftware (z.B. das kostenlose Programm Audacity) dazu zu bringen, das, was auf meinem Computer abgespielt wird, mitzuschneiden, und schon habe ich den Kopierschutz ausgehebelt. Bei DRM-geschützten E-Books ist es hingegen nicht möglich, z.B. die Druckausgabe einer Datei in eine neue PDF-Datei umzuleiten. (Selbstverständlich muss mal wieder angemerkt werden, dass der Hacker so ziemlich alles umgehen kann, aber ich behandle hier die Frage, ob Otto-Normal-VerbraucherIn das auch schafft oder nicht.)
Nicht ganz richtig ist auch die nicht hinterfragte Verbindung vom "Knacken des DRM" hin zum Verteilen von Dateien in Filesharing-Netzwerken. Schon jetzt sind viele e-Books in Filesharing-Netzen zu haben, obwohl es davon noch nie ein E-Book gegeben hat. Sprich: Diese Dateien wurden von einer Buchausgabe eingescannt und mit OCR-Software weiterverarbeitet. Ähnlich dürfte es im Musikbereich aussehen: Die illegal eingestellten Dateien basieren i.d.R. nicht auf legalen digitalen Downloads, sondern wurden vom physischen Datenträger CD (teilweise auch noch von LP) "gerippt".
Ihrer verallgemeinerten Diskussion fehlt außerdem noch die Unterscheidung verschiedener Produkt-Arten und Kundengruppen. Z.B. finde ich ein hartes DRM-System im Schul- und Lehrbuchmarkt absolut notwendig, da hier die Kunden stark vernetzt sind (da sie sich täglich im Klassen- oder Seminarraum treffen) und zugleich alle dasselbe Buch benötigen. Hier wär der Verkauf von ungeschützten Dateien für Verlage tödlich.
2. Kai Weber 08.07.2009 16:24h
Entschuldigen Sie den Fehler, im ersten Absatz habe ich ein "nicht" vergessen. Ich meinte natürlich, dass Sie mit Ihrem Vergleich von DRM-geschützten Musikdaten und DRM-geschützten Buchinhalten nicht Recht haben.
3. Nikolaus Weichselbaumer 09.07.2009 11:41h
Lieber Herr Weber,
grundsätzlich werden DRM-Maßnahmen immer auf zwei Wegen umgangen. Einerseits auf dem von Ihnen beschriebenen die analoge Ausgabe des Inhalts abzugreifen und ohne DRM wieder zu speichern. Die andere Möglichkeit ist es die DRM-geschützte Datei direkt auszulesen.
Letzteres ist nicht trivial und sicherlich "Hacker"-Territorium, wird aber regelmäßig in Form kleiner Tools auch Otto Normalverbraucher zugänglich gemacht. Ich werde hier natürlich nicht dazu verlinken, aber das gibt es für PDFs genauso wie für MP3s und die Verwendung dieser Tools erfordert kaum Computerkenntnisse, die über das öffnen einer Datei hinausgehen.
Zum zweiten Teil Ihrer Argumentation:
Wenn wir uns einig sind (oder wären), dass es nie mehr als eine Frage der Zeit ist, bis ein Kopierschutz umgangen wird, ist es auch für Schul- und Lehrbuchverlage Zeit- und Geldverschwendung DRM einzusetzen, da sich in jedem Seminar und in jeder Klasse einer finden wird, der in der Lage ist das DRM zu beseitigen und dann eine restriktionsfreie Version zu verteilen. Gerade bei restriktiven DRM-Maßnahmen gibt es dafür in der Gruppe auch bei Käufern des Buchs ein Interesse und diese erfahren dann auf diesem Wege dass und wie sie ja im Grunde jedes Buch kostenlos und illegal, aber ohne Restriktionen bekommen können.
Die eingescannten und per OCR aufbereiteten Bücher in Tauschbörsen halte ich für ein vorübergehendes Phänomen. Sobald sich eBooks weit genug verbreitet haben, wird das durch Kopien digitaler Quellen verdrängt werden, da die Qualität eine bessere und der Aufwand weit geringer ist. Der Vergleich mit den Kopien von Audio-CDs halte ich nicht für tragfähig, da diese einfach ein komplett ungeschützter Träger der digitalen Information sind. Aufnahmen von LPs in Tauschbörsen halte ich für eine Rarität. Nur damit aber könnte man ein gescanntes Buch sinnvoll vergleichen.
4. Matthias Ulmer 10.07.2009 14:04h
Und ewig grüßt das Murmeltier...
DRM-kann man knacken? Ja und? Es gibt kein Türschloss, keine Verriegelung, keine Alarmanlage, die verhindern kann, dass jemand in ein Haus einbricht. Soll man deshalb die Türe offen lassen?
Wir kriminalisieren mit DRM unsere Kunden? Wird denn ein Benutzer eines Hallenbads, bei dem Eingang und Garderobenschrank per Chip geregelt werden auch kriminalisiert, vom Betreiber als Verbrecher angesehen? Fühlt der Badende sich kriminalisiert?
Wir ermöglichen keinen Tausch oder kein Verleihen der geschützten Dateien? Haben Sie schon mal Ihr Windows oder Ihr Office-Paket oder Ihren Premiere-Zugang an ein paar Freunde verliehen? Kauft man mit einem E-Book ein privates Verleihrecht mit ein?
99% der Menschen begehen nicht deshalb keinen Banküberfall, weil sie erwischt werden könnten oder der Schutz der Banken so gut ist, sondern ganz einfach weil sie keine Bank überfallen wollen, weil sie nicht kriminell handeln wollen. Was soll man jetzt von Leuten halten, die darauf hinweisen, dass der Schutz der Banken nicht perfekt ist und dass deshalb Bankraub legalisiert werden sollte, weil man ihn doch nie ganz verhindern kann? Ist das angemessen? Ist das klug? Ist das das, was die Mehrheit sich wünscht? Oder ist das einfach der Versuch der Bankräuber sich ihren Job etwas leichter und gefahrloser zu machen?
5. André Duve 11.07.2009 16:07h
Lieber Herr Ullmer,
was Herr Weichselbaumer schildert ist die Realität, so und nicht anders läuft es nun mal. Egal ob Musik, Filme oder eben Bücher, wo ein Kopierschutz ist, wird er geknackt. Glauben Sie im Ernst, dass gerade bei technikaffinen Studenten oder Schülern sich irgend jemand um einen DRM-Schutz schert? Der ist schneller weg als Ihnen lieb ist, das ist nicht einmal sehr aufwändig, wie Herr Weichselbaumer sehr richtig andeutet.
Ihren arg polemischen letzten Absatz kommentiere ich logischerweise nicht, aber eines möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben:
Ja, wenn ich ein Buch kaufe, dann erwerbe ich auch gleichzeitig das Recht es jemandem zu leihen. Das habe ich schon mein ganzes Leben so gemacht (klarerweise mit Print-Büchern), sagen Sie mir einen Grund warum ich das bei E-Books nicht machen sollte.
Trotzdem noch schönes Wochenende
André Duve
6. hermannhermann07 13.07.2009 13:00h
lieber Herr Duve,
wir sollten doch die Produkte der virtuellen (Datei (E-book ist meiner Meinung nach ein untauglicher Begtriff zur Beschreibung einer Sammlung von Einsen und Nullen)) und der realen (Buch, Book) auseinanderhalten, selbstverständlich ist es möglich physisch/reale Bücher zu vervielfältigen, Kopierläden leben davon und zahlen brav Abgaben an die VG-Wort, weiterhin muss der Urheberrechtsverletzer reales Geld, reale Zeit und reale Arbeit in seine gesetzeswidrige Tat investieren, um ein mediokres Produkt (unansehnliche, lose Blätter) zu erhalten, das normalerweise nicht mit dem Ausgangsprodukt vergleichbar, geschweige denn identisch wäre und einen meist geringen Kostenvortei bietet. Die Datei (sog. E-Book) ist ohne Einsatz von realer Zeit, realem Geld und realer Arbeit in absolut gleicher Qualität in beliebiger Menge illegal kopierbar. Insofern sind beide Welten/Produkte nicht vergleichbar und brauchen der Technik entsprechend ihren speziellen Schutz und die entsprechende Durchsetzung dieses Schutzes. Das Urheberrecht schützt nicht nur den raffgierigen Verleger, sondern auch den ehrbaren Autor, da es verhindert, dass unter seinem Namen beliebige Kopien/Fälschunmgen kursieren können und den wissbegierigen Leser, der sich keine Schadprogramme auflädt oder Fälschungen aufsitzt.
um Brecht abzuwandeln, was ist die illegale Informationserlangung (hacken) gegen die Gründung einer Tauschbörse (s. Pirat-Bay, Napster). Die Jungs von Pirate-Bay haben sich eine Goldene Nase verdient, in anderen Bereichen der organisierten Kriminalität heisst das Alageschwindel, Autoschieberbande, Mädchenhändlerring oder Drogenkartell, nur im Internet sollen illegale Taten der "Informationsfreiheit" dienen. In Deutschland kann man fast jedes Buch in einer Bibliothek lesen/ausleihen, man muss nur hingegehn(reale Arbeit).
Zum Schluß, Herr Duve, wenn Sie Ihr Buch privat verleihen, dann können Sie es nicht lesen, wenn Sie eine Datei weitergeben ist dies sehr wohl der Fall. Das Bestandsmodell der Bibliotheken basiert auf diesem Mechanismus, daher arbeiten diese gerade an Ihrer Abschaffung.
mit freundlichen Grüßen
hermannhermann007
7. Matthias Ulmer 13.07.2009 13:32h
Lieber Herr Duve,
es behauptet doch niemand, dass Herr Weichelbaumer nicht die Realität beschriebt. Ja, das stimmt. Und: ja, DRM lässt sich leicht knacken. Und? Was folgt daraus? Nichts.
Es ist aber auch nicht einfacher ein DRM zu knacken als einen Kaugummi zu stehlen, ein Fenster einzuschlagen, ein Fahrrad zu klauen etc. etc.
Mein letzter Absatz, den Sie nicht kommentieren mögen (warum eigentlich, und warum ist das logisch?), bezieht sich ja darauf: bloß weil das Klauen von Fahrrädern einfach ist, wird es doch auch nicht legalisiert. Es ist eine Frage von Erziehung, Charakter und gesetzlicher Abschreckung, die dafür sorgt, dass trotz geradezu lächerlicher Fahrradschlösser das Klauen von Fahrrädern in einem erträglichen Rahmen bleibt.
Für den Bereich E-Book im Internet fehlt es derzeit eben noch an Erziehung, Charakter und Abschreckung. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Und zu Ihrem "Recht aufs Verleihen" (das es natürlich nicht gibt): Beim E-Book dürfen Sie auch ohne Probleme das Lesegerät mit der Datei verleihen, so wie Sie beim Buch den Inhalt mit dem Papier verleihen. Da geben Sie ihr Eigentum einfach weiter. Verleihen, verschenken, verkaufen, was auch immer Sie wollen.
Nur wenn Sie es vervielfältigen, dann ist das kein Verleihen mehr.
8. André Duve 13.07.2009 17:10h
@hermannhermann07
Stimmt, wenn ich ein E-Book verleihe bedingt das eine Kopie, das habe ich nicht bedacht (oder ich gebe beides aus der Hand, Buch und Lesegerät)
Um es klarzustellen: Ich plädiere nicht für Informationsfreiheit durch Raubkopien, ich stelle nur den gewiss nicht unerheblichen finanziellen Aufwand dieser Sicherheitsmaßnahmen in Frage. Letztlich bezahlt der Kunde die Zeche, also auch ich...
@Herr Ulmer
Lieber Herr Ulmer,
ich kommentierte Ihren Absatz nicht, weil ich das Gefühl habe durch kritische Fragen auf eine Stufe mit gewohnheitsmäßigen Kriminellen gestellt zu werden.
Ich fordere keinewegs die Legalisierung von Raubkopien, ich hege vielmehr die Hoffnung, dass auch Verlage sich konstruktive Gedanken über neue Geschäftsmodelle machen und nicht auf Abschreckung setzen. Gerade diese Abschreckung führt zu solchen Experimenten wie DRM, auch Sie können mir nicht garantieren, dass es in 10 Jahren noch unterstützt wird, für den Kunden also im worst case unlesbar ist.
Ich bin davon überzeugt, dass mit diesem neuen Medium Geld zu verdienen ist. Es gibt zB. einen amerikanischen Verlag, der vertreibt seine E-Books (man möge mir den Begriff verzeihen) als Abo pro Genre. Das heisst, jede Neuerscheinung wird zu einem fixen monatlichen Preis an die Abonennten geliefert. Ob und wie das hierzulande umgesetzt werden kann, weiss ich nicht. Das ist ja auch nur eine von vielen Ideen, die durchaus erfolgreich sein können. Und genau das ist es, was ich bei jeder Diskussion vermisse, den Mut auch mal andere Wege zu gehen.
Vielmehr sehe ich zum Teil höchst dilettantische E-Books, ohne Cover, gespickt mit Zeichenfehlern, die obendrein ziemlich teuer sind. Ob das auf Ihren Verlag zutrifft, kann ich nicht beurteilen und behaupte ich auch nicht.
Liebe Grüße
André Duve
9. Matthias Ulmer 14.07.2009 10:04h
Lieber Herr Duve,
die Zahl der Geschäftsmodelle bei E-Books ist doch schon unüberschaubar groß. Vielleicht fällt das gerade wegen der Unüberschaubarkeit nicht richtig auf.
Da gibt es einmal die Dateiformate und die unterschiedlichen Reader. Verkauf über einen proprietären Shop oder ganz offen als PDF, über Downloadstationen im Handel oder den AppStore.
Dann gibt es kostenlose E-Books, E-Books mit Einheitspreis, E-Books als Beigaben zum gedruckten Buch. Es gibt Testlesen in verschiedenen Varianten. Es gibt PaperC mit kostenlosem Lesen und kostenpflichtigem Ausdruck, andere Modelle mit kostenpflichtigem Lesen und kostenlosem Ausdruck. Es gibt Leihmodelle von Thieme oder UTB die ganz unterschiedlich sind, es gibt Divibib. Und wenn Sie noch mal das Marketingpapier von Libreka aus dem Frühjahr 2008 heraus suchen, dann sehen Sie dort bereits skizziert die Modelle, die Sie ansprechen: Leihmodelle, virtuelle Regale, Novitätenservice, Flatrate-Lesen usw.
Es gibt fast nichts, was nicht gerade von irgend einem Verlag irgend wo ausprobiert wird. Der Markt ist so jung und die Reichweite noch so gering, dass zunächst mal für jedes Modell Wachstumschancen bestehen um sich zu etablieren. In ein oder zwei Jahren wird sich das dann bereinigen, erfolgreiche Angebote werden eine Anziehungskraft ausüben und Standards setzen, bis sich dann wenige Modelle durchgesetzt haben.
Ich finde das eine spannende Zeit und bin neugierig, welches Modell sich wie bewährt. Ich glaube niemandem, der behauptet, dass er heute schon weiß, was sich durchsetzt.
10. hermannhermann007 14.07.2009 18:14h
@ Andre Duve
Lieber Herr Duve,
es geht nicht um Geschäftsmodelle und nicht um Abschreckung.
- wie Herr Ulmer dargetan hat gibt es jede Menge Geschäftsmodelle für Content im Netz. Jeder Verlag und jeder Nutzer kann sichj das passende aussuchen, nur Nulleuro für werthaltigen Content (Inhalt) ist weder für Autoren noch Verlage, weder für Bibliotheken noch für Nutzer ein zeilführendes Geschäftsmodell. Das zeigen alleine schon die Preislisten der Autorenverbände, Textbüros, Lektorate, Übersetzer, etc . dass ein Titel bis er
physikalisch und/oder virtuell vorliegt, ohne, dass der gierige Verleger einen Cent verdient hat, schon seinen Preis hat und seine Arbeitsplätze schafft.
- Aus Abschreckung besteht im wesentlichen unser StGB und ermöglicht die wirtschaftliche und geistige Entwicklung, ich gebe z.B. keine Milliarde EUR aus, um ein neues Auto/Flugzeug/U-boot zu bauen, wenn ich weiss, dass dasselbe Produkt in einem halben Jahr zu 25% meines Preises angeboten wird, ich kaufe mir auch kein Auto, wenn ich weiss, dass es morgen nicht mehr auf dem Parkplatz steht, mangels Abschreckung. Qualifizierter Content ist nur mit Patent- und/oder Urheberrecht herstellbar. Ein urheberrechtlich und mit Abschreckung bewehrter Content gibt dem Nutzer auch Sicherheit exakt das zu bekommen, wovon er meint es zu bekommen. Warum gibt es sowenig gepanschten Wein/Sprit? Weil es Normen gibt, die zur Abschreckung durechgestzt werden. Diese ganze kriminelle Bewegung wird, wenn nicht eingeschritten wird, erstens den Bibliotheken und zweitens auch dem Staat auf die Füße fallen, da dort keine Steuern generiert werdenm was ja Grundlage der Staatsfinanzen ist. Damit zahlen nicht nur die legalen Nutzer die Zeche für einige informationsbefreite Kriminelle, sondern auch die Steuerzahler, ob Netznutzer oder nicht und am Ende die Kinder, die Schüler, Studenten, Kranken, Rentner etc., da es weniger Steuereinnahmen gibt gibt es auch weniger Geld für diese. Ich denke, wenn dies einmal im Denken des Finanzministeriums angekommen ist, dann brauchen wir uns über DRM, Wasserzeichen oder anderen Kinderkram nicht mehr zu unterhalten, dann gibt es Abschreckung.
Eine Frohe woche wünscht hermannhermann007
11. Börsenmakler ;-) 15.07.2009 16:12h
Ich denke, das Problem wäre damit gelöst, die eBooks, die ja nun auf Ebene der haptischen Qualität quasi nicht existieren, zu verbilligen. Genauso wie es genügend Menschen gibt, die bereit sind, für (wenn auch akustisch und nicht optisch) minderwertige mp3s im Apple Store 0,99 EUR zu zahlen, gibt es auch welche, die billige Fachbücher kaufen würden und dafür auf den Einband, die Handlichkeit und ausklappbare Tabellen verzichten. Wenn die Buchbranche aber zu schwach ist, eine primitive Wahrscheinlichkeitsrechnung anzustellen, ist sie selbst schuld, wenn die neuen Medien erst durch DRM geschützt werden müssen, wo sie für weniger Geld 3x häufiger gekauft werden würden ;-)
IMHO eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Und ich gehe jetzt in ein Antiquariat und hole mir einen schönen alten miefigen Schmöker!