Bibliotheken

Universität Augsburg erhält "Bibliothek der verbrannten Bücher"

Der Vertrag über den Ankauf der Sammlung Georg P. Salzmann für die Universitätsbibliothek Augsburg ist heute in München unterzeichnet worden.

Die 'Bibliothek der verbrannten Bücher' (Büchersammlung Georg P. Salzmann) wird künftig als Ensemble in der Universitätsbibliothek Augsburg aufgestellt sein: Heute haben der Sammler Georg P. Salzmann, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Alois Loidl (Vizepräsident der Universität Augsburg) und der Vorsitzende des Vereins Patenschaften für verbrannte Bücher Wolfram P. Kastner den Vertrag über den Ankauf der Büchersammlung unterzeichnet.

"Ich freue mich, dass die Sammlung Salzmann ihren Platz nun in der Universitätsbibliothek Augsburg gefunden hat", betonte Wissenschaftsminister Heubisch anlässlich der Vertragsunterzeichnung. "Als einmalige Quellensammlung, die einen repräsentativen Überblick über die in der NS-Zeit geächtete deutschsprachige Literatur bietet, ist sie sowohl für Forschung, Lehre und Studium als auch die politische Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Mein Dank gilt dem Sammler Georg P. Salzmann und allen, die dazu beigetragen haben, dieses Zeitzeugnis für Wissenschaft und Öffentlichkeit in Bayern zu erhalten und zugänglich zu machen."

Georg P. Salzmann: "Mit der Übernahme meiner 'Bibliothek der verbrannten Bücher' durch die Universitätsbibliothek Augsburg ist ein weiterer Schritt getan, dass es den Nazis über 60 Jahre nach ihrem ruhmlosen Ende nicht doch noch gelingen könnte, den besten Teil der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts aus dem Gedächtnis der Deutschen zu tilgen. Dafür bedanke ich mich bei allen, die mitgeholfen haben, diese Bibliothek aufzubauen und zu bewahren."

"Die Sammlung Salzmann hat bei uns eine große Zukunft vor sich", sagte Ulrich Hohoff, Direktor der Universitätsbibliothek Augsburg. "Sie passt hervorragend zu unserem Bestand […]."

Finanziert wird der lange umstrittene Ankauf durch die Universität und die Stadt Augsburg, die Bayerische Landesstiftung, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Landeszentrale für politische Bildung, Georg Haindl als privaten Mäzen sowie den Verein Patenschaften für verbrannte Bücher.

Die 'Bibliothek der verbrannten Bücher' umfasst eine Sammlung von rund 12.000 Bänden, die Georg P. Salzmann in privater Initiative in mehr als 30 Jahren systematisch aufgebaut hat. Sie konzentriert sich auf das Werk jener Autorinnen und Autoren, deren Bücher bei den Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 vernichtet wurden und während der NS-Zeit verboten waren. Es handelt sich nach Auskunft des Bayerischen Wissenschaftsministeriums um die weltweit umfangreichste Sammlung zu diesem Thema.

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5 Kommentar/e

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  • Gregor

    Gregor

    Es wäre gut gewesen, wenn Sie auch den Kaufpreis genannt hätten. H. Salzmann wollte € 400.000,-und die Stadt München nur € 100.000,-- bezahlen.
    Danke.
    Gruß Gregor

  • Rainer Zimmer-Winkel

    Rainer Zimmer-Winkel

    .. die Pressemitteilung der Universität Augsburg (siehe: http://idw-online.de/pages/de/news327317) gibt selbst als Kaufsumnme € 410.000 an...

    rzw

  • Redaktion Antiquariat

    Redaktion Antiquariat

    Danke für den Nachtrag!

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Ich freue mich, dass die ,Bibliohek der
    verbrannten Bücher` von Georg P. Salzmann
    durch einen Ankaufsvertrag in die
    Universitätsbibliothek Augsburg
    eingegliedert werden kann.
    Damit bleibt diese Sammlung als Ganzes
    erhalten und wird somit der Öffentlichkeit
    zugänglich gemacht. Auch ein wissen-
    schaftliches Arbeiten für Forschungs-
    zwecke ist somit gewährleistet.
    Ein Dank gilt auch in erster Linie
    dem Ltd. Bibliotheksdirektor der
    UB Augsburg, Herrn Dr. Ulrich Hohoff,
    für sein Engagement um diese in
    ihrem Gesamtbestand einzigartige
    Sammlung.
    Dem Buchsammler Georg P. Salzmann
    danke ich für seinen jahrelangen
    selbstlosen persönlichen Einsatz für
    seine Buchsammlung.

    Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München

  • H. Erlemann

    H. Erlemann

    Herrn Georg P. Salzmann kenne ich jetzt seit sicherlich 30 Jahren als unermüdlichen "Spürhund" mit Schnuppernase, der zur Komplettierung seiner Sammlung unermüdlich tätig war, keinen Weg scheute, um seltene Ausgaben der "Verbotenen und verbrannten Dichter" aufzuspüren. Da hat er auf Vollständigkeit der Werke zahlreicher Autoren in Erstausgaben hin gesammelt und auch seltene Ephemera aufgestöbert.

    Die Diskussionen um einen realistischen Preis der Sammlung in den letzten Jahren waren nicht nett, teils entwürdigend, weil die Sammlerleistung nebst Aufwand unberücksichtig blieb. Ich muß da nicht unbedingt an die Diskussionen in "Die Zeit" und "FAZ" erinnern. Der ehemalige Vorstoß des "ZVAB" war Werbung, nicht mehr.

    Exil: Das "Deutsche Exilarchiv, Frankfurt", sitzt auf einem Müll von nachgebundenen Bibliotheks-Privateinbänden, die sogenannten "Ossis" in der DNB, Leipzig, auf Prachteinbänden mit Schutzumschlägen, weil wegen der Devisenbeschränkungen auf Klasse statt auf Masse gesetzt wurde. Der jetzt wieder belebte Kulturstreit Berlin-München hat mit dem aktuellen Standort Augsburg einen neuen Partner ins Spiel gebracht. München fördert und verteilt, Berlin sieht sich als Weltstadt und innovatives Forum. Da habe ich meine Bedenken. Wunschdenken muß nicht der Realität entsprechen.

    Jedenfalls möchte ich Herrn G. P. Salzmann herzlich zum jetzt in Erfüllung gegangenen Wunschtraum zurufen: "Alles in einer Hand": Felicitas!













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