Antiquariat
24.07.2009Bibliotheken
Universität Augsburg erhält "Bibliothek der verbrannten Bücher"
Die 'Bibliothek der verbrannten Bücher' (Büchersammlung Georg P. Salzmann) wird künftig als Ensemble in der Universitätsbibliothek Augsburg aufgestellt sein: Heute haben der Sammler Georg P. Salzmann, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Alois Loidl (Vizepräsident der Universität Augsburg) und der Vorsitzende des Vereins Patenschaften für verbrannte Bücher Wolfram P. Kastner den Vertrag über den Ankauf der Büchersammlung unterzeichnet.
"Ich freue mich, dass die Sammlung Salzmann ihren Platz nun in der Universitätsbibliothek Augsburg gefunden hat", betonte Wissenschaftsminister Heubisch anlässlich der Vertragsunterzeichnung. "Als einmalige Quellensammlung, die einen repräsentativen Überblick über die in der NS-Zeit geächtete deutschsprachige Literatur bietet, ist sie sowohl für Forschung, Lehre und Studium als auch die politische Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Mein Dank gilt dem Sammler Georg P. Salzmann und allen, die dazu beigetragen haben, dieses Zeitzeugnis für Wissenschaft und Öffentlichkeit in Bayern zu erhalten und zugänglich zu machen."
Georg P. Salzmann: "Mit der Übernahme meiner 'Bibliothek der verbrannten Bücher' durch die Universitätsbibliothek Augsburg ist ein weiterer Schritt getan, dass es den Nazis über 60 Jahre nach ihrem ruhmlosen Ende nicht doch noch gelingen könnte, den besten Teil der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts aus dem Gedächtnis der Deutschen zu tilgen. Dafür bedanke ich mich bei allen, die mitgeholfen haben, diese Bibliothek aufzubauen und zu bewahren."
"Die Sammlung Salzmann hat bei uns eine große Zukunft vor sich", sagte Ulrich Hohoff, Direktor der Universitätsbibliothek Augsburg. "Sie passt hervorragend zu unserem Bestand […]."
Finanziert wird der lange umstrittene Ankauf durch die Universität und die Stadt Augsburg, die Bayerische Landesstiftung, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Landeszentrale für politische Bildung, Georg Haindl als privaten Mäzen sowie den Verein Patenschaften für verbrannte Bücher.
Die 'Bibliothek der verbrannten Bücher' umfasst eine Sammlung von rund 12.000 Bänden, die Georg P. Salzmann in privater Initiative in mehr als 30 Jahren systematisch aufgebaut hat. Sie konzentriert sich auf das Werk jener Autorinnen und Autoren, deren Bücher bei den Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 vernichtet wurden und während der NS-Zeit verboten waren. Es handelt sich nach Auskunft des Bayerischen Wissenschaftsministeriums um die weltweit umfangreichste Sammlung zu diesem Thema.

1. Gregor 24.07.2009 15:07h
Es wäre gut gewesen, wenn Sie auch den Kaufpreis genannt hätten. H. Salzmann wollte € 400.000,-und die Stadt München nur € 100.000,-- bezahlen.
Danke.
Gruß Gregor
2. Rainer Zimmer-Winkel 24.07.2009 17:40h
.. die Pressemitteilung der Universität Augsburg (siehe: http://idw-online.de/pages/de/news327317) gibt selbst als Kaufsumnme € 410.000 an...
rzw
3. Redaktion Antiquariat 24.07.2009 18:09h http://www.boersenblatt.net/template/b4_tpl_antiquariat/
Danke für den Nachtrag!
4. Harald Kraft 24.07.2009 20:57h
Ich freue mich, dass die ,Bibliohek der
verbrannten Bücher` von Georg P. Salzmann
durch einen Ankaufsvertrag in die
Universitätsbibliothek Augsburg
eingegliedert werden kann.
Damit bleibt diese Sammlung als Ganzes
erhalten und wird somit der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Auch ein wissen-
schaftliches Arbeiten für Forschungs-
zwecke ist somit gewährleistet.
Ein Dank gilt auch in erster Linie
dem Ltd. Bibliotheksdirektor der
UB Augsburg, Herrn Dr. Ulrich Hohoff,
für sein Engagement um diese in
ihrem Gesamtbestand einzigartige
Sammlung.
Dem Buchsammler Georg P. Salzmann
danke ich für seinen jahrelangen
selbstlosen persönlichen Einsatz für
seine Buchsammlung.
Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München
5. H. Erlemann 25.07.2009 19:24h
Herrn Georg P. Salzmann kenne ich jetzt seit sicherlich 30 Jahren als unermüdlichen "Spürhund" mit Schnuppernase, der zur Komplettierung seiner Sammlung unermüdlich tätig war, keinen Weg scheute, um seltene Ausgaben der "Verbotenen und verbrannten Dichter" aufzuspüren. Da hat er auf Vollständigkeit der Werke zahlreicher Autoren in Erstausgaben hin gesammelt und auch seltene Ephemera aufgestöbert.
Die Diskussionen um einen realistischen Preis der Sammlung in den letzten Jahren waren nicht nett, teils entwürdigend, weil die Sammlerleistung nebst Aufwand unberücksichtig blieb. Ich muß da nicht unbedingt an die Diskussionen in "Die Zeit" und "FAZ" erinnern. Der ehemalige Vorstoß des "ZVAB" war Werbung, nicht mehr.
Exil: Das "Deutsche Exilarchiv, Frankfurt", sitzt auf einem Müll von nachgebundenen Bibliotheks-Privateinbänden, die sogenannten "Ossis" in der DNB, Leipzig, auf Prachteinbänden mit Schutzumschlägen, weil wegen der Devisenbeschränkungen auf Klasse statt auf Masse gesetzt wurde. Der jetzt wieder belebte Kulturstreit Berlin-München hat mit dem aktuellen Standort Augsburg einen neuen Partner ins Spiel gebracht. München fördert und verteilt, Berlin sieht sich als Weltstadt und innovatives Forum. Da habe ich meine Bedenken. Wunschdenken muß nicht der Realität entsprechen.
Jedenfalls möchte ich Herrn G. P. Salzmann herzlich zum jetzt in Erfüllung gegangenen Wunschtraum zurufen: "Alles in einer Hand": Felicitas!