Medien
05.08.2009Aktuelle Studien
Ein Drittel will nichts für Online-Content bezahlen
33 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Europa will für Online-Services kein Geld ausgeben. Damit liegt der Wert für diese Altersgruppe doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Europäischen Kommission zum digitalen Wettbewerb, die gestern veröffentlicht wurde.
Für 30 Prozent aller Zahl-Verweigerer wären laut der Studie niedrigere Preise ein Argument, für Inhalte zu bezahlen. 15 bis 20 Prozent ließen sich durch eine größere Auswahl, bessere Qualität, bessere Zahlungsabwicklung und dem Recht, die gekauften Inhalte mit anderen zu teilen von einem kostenpflichtigen Angebot überzeugen.
Trotz der hohen Zahl an Kaufverweigeren sind es gerade die "Digital Natives", die den Handel mit Bezahl-Services oder Downloads vorantreiben: 10 Prozent der 16- bis 24-jährigen haben laut der Studie schon einmal für einen Dienst oder Download bezahlt. In allen Altersschichten sind es nur halb so viele.
Hoffung macht auch eine Meldung des Bundesverband der Musikindustrie: Der Umsatz mit Downloads wuchs in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 24,8% im Vergleich zum Vorjahr. Schärfster Konkurrent der legalen Downloadangebote bleibe die illegale Musikbeschaffung aus Tauschbörsen. "Auf einen legal erworbenen Song kommen immer noch rund acht illegale", heißt es in der Pressemeldung. Beim Kaufverhalten zeichnet sich eine Veänderung ab: Erstmals überstieg der Umsatz mit sogenannten Bundles (Ganze Alben oder Kompilations) erstmals die Erlöse aus dem Verkauf einzelner Musikstücke.
Die von vielen Experten erwarteten Verkaufsimpulse durch den Wegfall des Kopierschutzes (DRM) sei aber bisher ausgeblieben. Nachdem nun die Mehrzahl der Anbieter kopierschutzfreie Titel anbiete, müsse hier die Entwicklung der zweiten Jahreshälfte abgewartet werden.
sl
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1. Johannes Woll 05.08.2009 14:50h www.schweizer-degen.com
Endlich mal gute Nachrichten!
In der Schlußfolgerung heißt das, dass zwei Drittel bereit sind, für die Nutzung oder den Download von Online-Diensten wie Musik oder Videos Geld auszugeben.
Dann geht es für dei Unternehmen vorrangig um Sichtbarkeit, Usability und Verfügbarkeit.
2. Bärbel Buck 05.08.2009 15:13h
Böse Kaufverweigerer also...
Ich weiss nicht wie es Ihnen ging aber zwischen 16 und 24 musste ich mir schon überlegen, wofür ich meine begrenzten Mittel (mindestens bis 18 von den Eltern zugewiesen) verwende. Noch dazu drehte sich viel darum, sich einer bestimmten Geisteshaltung zugehörig zu zeigen und das andere (oder gleiche, wie auch immer) Geschlecht nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.
Dass man sich da genau überlegt, in welches Positionierungsgut man investiert ist heute, mit dem gestiegenen Druck was Äusserlichkeiten angeht, sicher nicht besser geworden.
Dafür spricht auch, dass bei niedrigeren Preisen die Bereitschaft zum legalen Erwerb steigt.
Die Internetpiraterie wird noch dazu mit Sicherheit auch nicht selten als Auflehnung gegen undurchsichtige und arrogante Medienindustrien angesehen.
Ich finde diese tendenziösen Artikel immer recht kontraproduktiv. Hier werden Feindbilder aufgebaut statt nach Lösungen zu suchen.
Dazu gehören neben der Preis - auch eine Imagepolitik der Medienunternehmen. Diese werden ja von der anderen Seite oft undifferenziert als die Bösewichte dargestellt, die sich an den Künstlern und deren Publikum bereichern, ohne etwas dafür zu leisten.
Bärbel Buck
3. Manfred Keiper 05.08.2009 15:21h www.anderebuchhandlung.de
Ich weiß nicht, ob das gut ist zu hören, dass ein Drittel der Digital Natives sozusagen auf Diebstahl setzt. Andererseits bin ich der Meinung, dass dies das Ergebnis der Marktpolitik der entsprechenden Anbieter ist, und finde dies in der Untersuchung bestätigt:
Ein Drittel der Verweigerer akzeptiert die Preise nicht - und im Buchmarkt sind wir gerade dabei, diesen Fehler der Musikindustrie zu wiederholen. 1:1 bei Print und Digital ist kaum nachzuvollziehen. Es verhindert Verkäufe und Umsatz der bei niedrigeren Preisen und höherer Downloadzahl sich egalisieren könnte. Problem ist, dass eine solche Marktpolitik ein Förderprogramm für den illegalen Markt darstellt, Piraterie richtig lukrativ macht. Wenn die Gewohnheiten entstanden sind, kostet dies ein Vielfaches, die KundInnen zurückzuholen.
Qualität: Bei EBooks ein ungeheures Problem. Da hilft auch keine Häme Amazon gegenüber, wenn die sich mittels Löschaktionen kannibalisieren. Für schlechte Qualität will der Kunde nicht zahlen! Bei uns im Laden schaut er sich das Buch an, und nimmt dann eben ein anderes. Im Netz besteht flächendeckend das Problem mit schlechtem Support und Hotlines. Die Arroganz, mit der die Unternehmen darüber hinweggehen, ist schwer zu ertragen, die Herumjammerei über die Piraterie sind für mich da Krokodilstränen. Wenn man denn direkte und/oder reale Ansprechpartner dafür bekäme, würde ich ihnen ins Gesicht sagen: Ihr seid selbst schuld am Entstehen dieses riesigen illegalen Marktes!
3. Punkt: Bezahlsysteme
Ja, auch dies ist eine Katastrophe! Erschreckend finde ich, dass manche großen Marktteilnehmer glauben, ihr eigenes Süppchen kochen zu müssen, obwohl wir alle mit einer großen Lösung viel mehr KundInnen zu uns ziehen könnten. Aber gegenwärtig tut die Branche wohl alles, dass iTunes und andere frohlocken dürfen und lachen über uns, die wir uns damit abfinden, dass die Buchbranche nicht über 10 Mrd. Euro Gesamtumsatz hinauskommt.
So, wie das jetzt läuft, kann das auch kaum mehr werden bzw. zukünftig wohl eher weniger.
4. Andrea 06.08.2009 13:59h
Mit mangelnden Angeboten, DRM geschützten Dateien, die man nicht auf einem beliebigen Player abspielen konnte, Kopierschutzsoftware, die eine CD unbrauchbar machten, undurchsichtige, nationale Veröffentlichtungspolitik, überzogenen Preisen und Kriminalisierung ihrer Kunden hat die Musikindustrie erfolgreich ihre Kunden in illegale Tauschbörsen getrieben.
Und wenn man erst mal gelernt hat, wie schnell, einfach und billig das ist, dürfen sich die Medienanbieter jetzt schon sehr anstrengen, den Kunden begreiflich zu machen, das Kaufen für sie besser ist.
Zur Zeit versuchen sie es aber nicht Marketing, sondern mit Kriminalisierung und Drohungen - und damit lösen sie keine Angst aus, sondern in vielen Fällen gerade junger Nutzer Trotz.
Marketing, Imagekampagnen, Unrechtsbewußtsein schaffen, ohne zu Bedrohen ... das wäre nun angebracht.
Aber stattdessen setzt man auf Anwälte, Abmahnungen und Anzeigen.
Ich hoffe noch immer inständig, dass sich der Buchmarkt hier geschickter anstellt: bietet Zusatznutzen bei Kauf der Ebooks und nicht DRM, Bevormundung und Vorab-Kriminalisierung der eigenen Kunden.