Medien
24.09.2009Kommentar zum Thema Urheberrecht
"Die digitale (Buch-)Welt braucht eine breite Kampagne zum Schutz geistigen Eigentums"
Während sich in Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern Verleger über das von der französischen Nationalversammlung verabschiedete Gesetz gegen Raubkopierer (Loi Hadopi) freuen, wenden sich die deutschen Medien kurz vor der Wahl der Piratenpartei zu. Vergleiche zu den Grünen werden angestellt: Die hätten auch erst ein Schmuddelimage gehabt und sich dann zu einer etablierten politischen Kraft gemausert. Eine ähnliche Entwicklung könnte die Piratenpartei als Bewegung meist gut ausgebildeter, IT-affiner Digital Natives nehmen, lautet eine Hypothese. Ein bis zwei Prozent Stimmen werden den Befürwortern des bedingungslosen Open Access bei den Wahlen zum Bundestag zugetraut.Die mediale Faszination, die von den Internet-Freibeutern auszugehen scheint, zwingt zur Auseinandersetzung. Das französische Gesetz über Internetsperren ist ein wichtiger Schritt, um das hemmungslose Raubkopieren einzudämmen und für Abschreckung zu sorgen. Doch mit Sanktionen und verschärften Gesetzen allein ist es nicht getan, wie das Thema Gewaltprävention zeigt: Es muss sich in den Köpfen etwas verändern, damit nicht bereitwillig jeder Download-Button angeklickt wird, der den User im Netz anlächelt. Die digitale (Buch-)Welt braucht eine breite Kampagne zum Schutz geistigen Eigentums, die das Bewusstsein für den Wert kreativer Leistungen stärkt, und zugleich viel Fantasie für neue Geschäftsmodelle, die den Piratensumpf austrocknen.
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1. Sir Francis Drake 25.09.2009 14:56h
Liebe Leute,
man darf ja gewiss mal im Furor tief in die Tasten haun, aber manchmal muss man dann auch die Realitätsklingel drücken: Raubkopierer - hemmungslos - Gewaltprävention...? Geht's noch pompöser? Darf man nüchtern anmerken, dass unser bürgerliches Recht aus guten Gründen Rechtsgüter unterschiedlich gewichtet, und nicht jeden Verstoß auf eine Stufe mit Mord & Totschlag stellt?
Abgesehen davon, dass so mancher Pirat im späteren Verlauf der Geschichte geadelt worden ist...
Bitte um Rückkehr zu Augenmaß und Vernunft.
Sir Francis Drake
2. LISA! Sprachreisen 28.09.2009 17:49h http://blog.lisa-sprachreisen.de/
Es ist erstaunlich zu sehen wie hysterisch der Buchmarkt auf das Vertriebsmedium Internet reagiert. Da ist von Internet-Freibeutern die Rede und es wird vergessen, dass damit so gut wie alle Buchkunden im Alter zwischen 16 und 25 Jahren gemeint sind und es wird vergessen dass diese Zielgruppe sehr wohl im Internet als auch im Buchmarkt viel Geld ausgibt, (I-Phone Apps, Klingeltöne, in Japan Handy-Kurzgeschichten), vorausgesetzt die Angebote dafür sind modern und interessant. In Deutschland hat noch kein Verlag ein solch interessantes Angebot auf den Markt gebracht, noch kein Verlag versucht, seine Bücher in ordentlicher Form kostenlos online und gleichzeitig zum Kauf anzubieten, noch kein Verlag es geschafft, seinen Onlinecontent zu monetarisieren. Bits und Bytes werden sich langfristig nicht schützen lassen und frei im Netz kursieren. Der Buchmarkt muss aufpassen vor lauter Hysterie den Markt nicht zu verschlafen. Sonst sind die Internetgründer von Heute die Verlage von Morgen.
3. hermannhermann007 28.09.2009 18:22h
@ Drake,
auch mancher Mörder ist später geadelt worden, dies sollte doch wohl kein Argument sein, Herr Störtebeker ist jämerlich auf dem Richtblock verreckt, dies nur nebenbei. Ich verstehe nicht, was so toll sein soll, wenn immer weniger gehaltvolle Inhalte in das Netz gelangen, weil keiner mehr Arbeit, Intelligenz und Verantwortung mangesl Verdienstaussichten übernehmen will. wir haben dann das Netz der pubertiertenden Kiddie Blogs, der psychotischen Maniacs, s. Youtube o.ä. Toll, so ein vermülltes Netz, viel spaß, das kann langfristig dem Buch nur von großem Nutzen sein.
@Lisa
warum soll ein Verlag ein KOSTENLOSES Online Angebot machen? Meines Wissens macht ebay oder amazon auch recht wenige KOSTENLOSE Angebote oder der Autohändler nebenan. Das scheint mir doch ein sehr beschränktes Geschäftsmodell. Vielleicht bieten sie ja Ihren Hausrat oder Ihre Bibliothek kostenlos im Netz an, vielleicht komme ich dann vorbei und nehme mir ein paar Kochtöpfe mit.
In allen, zumindesten westlichen, Ländern gibt es seit jahrzehnten/-hunderten die Möglichkeit kostenlos an Wissen zu partizipieren, die Bibliothek. Da muss man aber erstmal den Hintern vom Bildschirm weg bewegen.
4. LISA! Sprachreisen 28.09.2009 18:57h http://blog.lisa-sprachreisen.de/
@hermannhermann007
Sehr geehrte Frau oder Herr Hermann,
die LISA! Redaktion beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Thema "kostenloses" Internet. Unsere Empfehlung kostenlose Inhalte Kunden anzubieten basiert nicht auf der politischen Einstellung "die Welt müsse kostenlos sein". Sie (die Empfehlung) basiert auf wirtschaftlichen Überlegungen. Wir gehen davon aus, dass ein komplettes Buch, zum kostenlosen Lesekonsum im Internet bereitgestellt, von dessen Leser gekauft wird, so wie wir uns z. B. immer die Bücher kaufen, die im Vorabdruck in der FAZ erscheinen. Wir sind zwar "nur" ein Sprachreiseveranstalter, wollen wir dennoch eine Wette wagen? Wir legen als "Verlag" ein Buch in gedruckter Form auf, vertreiben es über den Buchhandel und stellen es gleichzeitig kostenlos in das Internet. Wetten die Rechnung geht dennoch auf? Schlagen sie ein! : ) Viele Grüße, die LR Redaktion.
5. hermannhermann007 29.09.2009 18:00h
Sehr geehrte Frau Lisa, ich nehme an, dass Sie bei diesem Namen weiblich sind,
)
es ist ja schön, dass Sie ein FAZ-Abo haben und auch artig die empfohlenen Titel kaufen. Ihre kostenlos Kultur könnten sie doch mal den Sprachreiseanbietern anbieten, die würden sich bedanken. Es ist mir nicht verständlich, warum jemand ein Leistung, für die andere gearbeitet und investiert haben, mit der Aussicht auf Gewinn (Buch, Lied, Auto, Sprachreise) diese Leistung "freiwillig" kostenlos abgeben sollte, weil Urheberrechtsverbrecher, Autoknacker oder Schwarzfahrer die Technik dazu haben. Das ist doch nur die reine Kapitulation. wer ein Buch in der Buchhandlung klaut kommt vor Gericht, wer ein Buch im Netz klaut gründet eine Partei und stilisiert sich als Freiheitsheld. Ist doch ein widersinniges Gesellschaftsmodell.
Wenn sie Ihre Inhalte verschenken, Ihr Geschäftsmodell, wir wollen das nicht und denken, dass unsere Rechte ebenso gewürdigt werden müssen wie alle anderen auch.
Leider sind Wetten im Internet verboten.
6. LISA! Sprachreisen 29.09.2009 19:24h http://blog.lisa-sprachreisen.de/
@hermannhermann007
Sehr geehrte Frau Hermann,
ich glaube nicht, dass es einer Kapitulation gleich kommt Inhalte kostenlos anzubieten um es somit einem breiten Publikum anzubieten. Wenn das Werk erfolgreich ist wird es nach unserer Meinung so und so gekauft. Meinen Sie nicht das wäre die Chance für unbekannte Autoren sich ins Rampenlicht stellen zu können bzw. mit ihren unbekannten Werken Erfolge zu feiern?
Viele Grüße! Sophie vom LR Team
P. S. ihre Frage beantwortend: wir sind ein Redaktionsteam bestehend aus über 20 Leuten. Daher gut gemischt was Alter, Geschlecht und Einstellung betrifft. Ja, ich bin eine Frau, auch wenn ich nicht LISA heiße : )
P.P.S.: Die Buch-Wette hätte uns interessiert.