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Seiteneinstellung: Showküche mit ProficharakterSeiteneinstellung: Showküche mit Proficharakter© Werner Gabriel

Tischdeko: Nicht schlemmen, sondern schmökernTischdeko: Nicht schlemmen, sondern schmökern© Werner Gabriel

Norweger mit Bocuse-Goldmedaille: Koch Geir SkeieNorweger mit Bocuse-Goldmedaille: Koch Geir Skeie© Guido Heyn

16.10.2009Frankfurter Buchmesse

Gourmet Gallery: Das große Kochen

Was heißt Dill auf norwegisch – und wie wird Kochen zum subversiven Akt? Wer die neue Gourmet Gallery auf der Frankfurter Buchmesse besucht, weiß mehr. Kostenproben aus der Showküche, die optisch ziemlich kühl daherkommt, in der es aber stündlich heiß hergeht.

Wunderkinder gibt es immer wieder – offenbar auch beim Kochen. Der Norweger Geir Skeie war gerade mal 13 Jahre alt, als er sich vornahm, eines Tages den französischen Kochwettbewerb »Bocuse d’or« zu gewinnen. 16 Jahre später hat er es geschafft. Im vergangenen Winter konnte er die begehrte Goldmedaille mit nach Norwegen nehmen – bislang der vierte Preis für das skandinavische Land. Eine schöne Geschichte, auch fürs Kochbuch.

Skeie hat sie aufgeschrieben und in seiner Heimat in Zusammenarbeit mit einem Designunternehmen veröffentlicht, natürlich mit seinen Rezepten. Jetzt hat er einen kleinen Stand in der Gourmet Gallery der Frankfurter Buchmesse, um Lizenzpartner für das Buch zu begeistern. Und auf diese Weise seinen Namen in die Welt zu tragen. Höchstpersönlich hält der Koch in der kleinen Nische neben der Showküche Stellung. Kochen tut er auch: Heute gab es, als Stärkung zum Ausklang eines langen Messetages, ein Drei-Gänge-Menü, von dem die Gäste kosten durften – typisch skandinavisch mit Blumenkohlsuppe, Graved Lachs und Apfel-Sahne-Dessert. Das Publikum lernt: Norwegische Küche ist frisch und pur. Und Dill heißt auch im hohen Norden einfach nur Dill. 

Hochkonzentriert und streng fachlich gibt Skeie seine Küchengeheimnisse preis. Bei Sarah Wiener dagegen, immer für einen frechen Spruch zu haben, ist Kochen eine Frage der politischen Haltung. In der Gourmet Gallery steht die TV-Köchin mal ausnahmsweise nicht am Herd, sondern sitzt locker mit den Füßen baumelnd auf der Showküchen-Zeile in Halle 5 – um von einer gewissen Höhe herab gegen die Marktmacht vorgefertigter Industrieware zu wettern: »Selber Kochen ist auch ein subversiver Akt des kritischen Bürgers«. Agitation statt Animation. Ober beides zugleich.

Auch Lafer, Lichter und Gewürzpapst Ingo Holland sind an den fünf Messetagen in der Gourmet Gallery zu Gast. Mit fünf bis sechs Veranstaltungen pro Tag wird einiges geboten, direkt vor der Showküche kommt dabei fast Popkonzert-Feeling auf: Leicht wummernde Bässe, bevor das große Kochen beginnt, über der Küchenzeile aus Edelstahl ein Gerüst mit Scheinwerfern, rechts und links von der Bühne zwei große Bildschirme. Damit man dem Koch auch wirklich in den Topf gucken kann.

So weit, so appetitlich. Ein lilafarbener Teppich, modisch auf der Höhe der Zeit, führt den Besucher durch den gesamten Gourmet-Bereich in Halle 5.0, der allerdings noch ein paar Zutaten gebrauchen könnte, um wirklich zur Genussmeile zu werden. Mit einem eigenen Stand zeigen die Gebrüder Kornmayer Flagge – und der drei Jahre junge Verlag Stories & Friends, der Kurzgeschichten kulinarisch verpackt, mit passendem Papptäschchen und einem Nonbook als Begleiter.

Die 60 anderen Verlage auf der Ausstellerliste dagegen präsentieren ihre Titel und Vorschauen nur in weißen Standmodulen, die sich nüchtern an der Wand entlangreihen. Die Gourmet Gallery, der ein wenig die Nachbarschaft zu den Publikumsmagneten in Halle 3 und 4 fehlt, war erst im Sommer aus der Taufe gehoben worden – für die meisten Kochbuchspezialisten zu kurzfristig, um sich noch einzubuchen. Immer gut besetzt sind dagegen die Bänke vor der Showküche. Dafür sorgt schon der verheißungsvolle Duft, der durch die Halle zieht. Vielleicht wird im nächsten Jahr ja noch etwas üppiger aufgetischt - und etwas dekorativer angerichtet. 

 

 

 

 

cro

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