21.10.2009
KommentarThalia: Höchstens die halbe Wahrheit
In keinem Gespräch blieb die Frage "Haste schon gelesen?" ungestellt. Und selten fehlte die Freude darüber, dass "endlich wer die Wahrheit aufgeschrieben hat". Es war höchstens die halbe.
Zur Busch-Karikatur nur so viel: Natürlich denkt man auf der Ebene des Topmanagements stärker ans Wirtschaftsgut als an das Kulturgut Buch. Kreativer als die kulturpessimistische Klage darüber wäre die These, dass die vermeintliche Herzenskälte überhaupt erst eine Bedingung der Möglichkeit für den breiten Erfolg guter Bücher erfüllt. Thalia hat – nicht nur zu Hause – das Verkaufen professionalisiert.
Im Gespräch mit seinen Lieferanten weckt der Filialist den Sinn für Äquivalenzen: Druck auf die Verlage, aber auch Druck auf den verkäuferischen Selbstanspruch. Man verhandelt immer traurigere Preise und verabredet immer erfreulichere Gegenleistungen.
Der Ehrgeiz des Geschäfts mag allerdings den Blick vernebeln für den fairen Deal, der nicht nur das Gleichgewicht von Geben und Nehmen, sondern auch Belastungsgrenzen der Partner beachtet. Deshalb konnten in die Zeitung solche Alarmwörter wie "Erpressung" und gar "Entwürdigung" hineingeraten.
Hier erhebt sich nun Einspruch einer Branche, die stilistisch wie ideell stets mehr war als eine Kaufmannsgemeinde. Auf diesen Reflex bleibt zum Glück Verlass. Die anderen wären entbehrlich.
Hier der Artikel der "Süddeutschen Zeitung".






63 Kommentar/e
so ähnlich habe ich das auch empfunden!
scheinwerte wie haben, schnelligkeit, zeitersparnis , freiheit etc immer noch hereinfallen, werden firmen wie thalia immer gross und grösser werden . Deren
ceo's, manger und chefs hat hat michael ende in
seinem wunderbaren buch momo sehr gut als graue männer beschrieben, in seinem buch verschwinden diese irgendwann wieder -eigentlich
liegt es nur an uns........
Beide Unternehmen planen ja ebenfalls diverse digitale Buchprojekte, von welchen eBooks nur eines ist.
Ob das für Thalia "gut ausgeht" ist die Frage....
So verhandelt Google z.B. nicht, sondern kauft oder macht kaputt!
Lieber Herr Casimir, können Sie dem bereitwilligen Leser vielleicht noch einmal in einfachen Worten erklären, was genau Sie sagen möchten?
Vielen Dank!
Die 'Seite Drei' ist nach wie vor eine der maßgeblichen journalistischen Größen. Meine Meinung.
Wenn etwas eine kuriose Fußnote ist, dann Ihr Kommentar.
Was wollen Sie den Lesern eigentlich mitteilen ?
Ich habe den Eindruck ,es ist Ihnen unangenehm, daß eine angesehene Zeitung wie die SZ Klartext über Thalia schreibt, wo doch dieser Konzern ein wichtiges Mitglied im Börsenverein ist.
Was genau wollten Sie mit diesem Kommentar bewerkstelligen? Habe den Artikel 3 mal gelesen und jedesmal blinkten mehr Fragezeichen auf.
Ich bitte also ebenfalls um Aufklärung.
Mit freundlichen Grüßen,
Sarah Reul
Mir scheint auch, als gehe es hier vielmehr darum, sich mit Thalia gut zu stellen. Einen ganz ähnlichen Gedanken rief z.B. auch der Artikel "Leuchten am Büchersternhimmel" von Torsten Casimir im Börsenblatt Nr.42 auf Seite 10 hervor.
Hier schreibt Herr Casimir über Megaseller, höhere Umsätze und Co. Neben den üblichen Verdächtigen wie Dan Brown und Frank Schätzing ist hier auch Reif Larsen mit dem Zusatz "Thalia-Buch des Monats" zu finden. Nun, das ist natürlich eine ganz besondere Ehre zum "Thalia-Buch des Monats" 'gekürt' zu werden, wenn der jeweilige Verlag dafür immense Summen zahlen muss. Was genau möchten Herr Casimir, denn eigentlich mit diesem Zusatz sagen? Gut möglich, dass sich das Buch von Reif Larsen nicht schlecht verkauft, aber "Thalia-Buch des Monats" ist nun wirklich keine "Auszeichnung", die höhere Verkaufszahlen begründet oder irgendetwas über die Qualität des Buches aussagt.
1. Der SZ-Artikel war Messethema mit dem immer wiederkehrenden Tenor: endlich spricht mal jemand die Wahrheit aus. Herr Casimir kann dem nur halb folgen.
2. Die persönliche Kritik an Herrn Busch findet er überflüsssig. Die Gegenüberstellung von Kultur- und Kommerzmenschen ist sinnlos.
3. Eine Berechtigung für das harte Vorgehen von Thalia sieht Herr Casimir in einem Äquivalenzprinzip: Thalia fordert viel von den Verlagen, bietet aber auch viel.
4. Die Grenze überschreitet Thalia dagegen, wenn die Äquivalenz überschritten wird, wenn die Forderungen gegenüber den Verlagen an einen Punkt kommen, wo sie zur Überforderung werden.
5. Hier wird die Fairness im marktwirtschaftlichen Miteinander verlassen.
6. Und erfreut zeigt sich Casimir darüber, dass an diesem Punkt die Buchbranche reagiert, dass sie die Fairness noch immer über das rein kaufmännische Handeln setzt.
7. Dass diese Reaktion, dieser Reflex aus der Branche kommt, das findet Herr Casimir wichtig. Die übrigen Reflexe, die im Artikel ausgebreitet werden sind überflüssig.
Aber vielleicht findet es Herr Casimir auch der Mühe wert, seinen Kommentar zu erläutern und auf die zahlreichen Stellungnahmen zu antworten.
Diese Tatsache wird reflexartig bestritten. Punkt.
Die Tatsache selber wäre schon einer genaueren Betrachtung wert. Aber es bleibt doch Tatsache, daß ein erheblicher Teil der angebotenen Bücher nur höchstens den Kulturwertstatus im Rang jeder beliebigen Sitzgruppe oder eines Haushaltgeräts haben und folglich schlichtes Handelgut sind. In geilen Geizzeiten soll dieses Handelsgut möglichst komfortabel und günstig vermarktet werden. Die Besonderheit ist doch lediglich, daß der "Endverbraucher" nicht die Preisabstimmung mit seinem Bestellverhalten vornimmt, sondern in der Rabattschlacht zwischen Händler und Verlag vollzogen wird. Und dazwischen wird noch obendrein mit Supersonderausgaben zum FastNullTarif manipuliert... Entsprechend sinken die Margen bei wirklich allen Beteiligten, vollzieht sich eine Marktbündelung und die Buchkäufer werden an digitales Verbrauchsgut oder Billigstprodukte gewöhnt. Kulturgut wird damit entwertet. "Bewahren" ist heute teurer als ein Neukauf und heutiger Bestseller morgen schon Ramsch.
Und jetzt kann die Entrüstung erneut einsetzen und über diverse Formen der Mischfinanzierung referiert werden. ich lächle da heiter und gelassen...
Warum muß Herr Ulmer übersetzen und erklären ?
Der Artikel von Birk Meinhardt beschreibt sehr deutlich die Mechanismen von Marktmacht im Buchhandel im Jahre 2009, das ist nicht kurios, sondern für viele Marktteilnehmer sehr bitter.
....und hielt ab und an ein kleines Nickerchen. "
War es das was Sie verschweigen wolten
In der Tat ist dies ab und an der Fall. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man länger mit ihm zusammen arbeitet, lernt man es zu ignorieren.
In der Tat ist es so, dass Herrn Busch das Buch als Kulturgut gleichgültig ist, er wurde auch nicht als Bewahrer dessen eingestellt. Er ist ein Kaufmann und Controller,leider aber auch nur das.
Der Artikel in der SZ zeigt Aspekte des Tuns und Verhaltens auf , aber bis zum Gesamtbild fehlt noch viel, wenn auch wenig positives.
Klar, dass der Chefredakteur eines Verbandsorgans sein Mitglied schützen muss, aber doch nicht so! Oder besteht da wirklich eine wirtschaftliche Abhängigkeit, wie sie einige der obigen Kommentare andeuten? Ich erinnere mich nämlich noch gut, wie in den frühen Achtzigerjahren der legendäre Chefredakteur Hanns-Lothar Schütz stets im Doppelpack mit seiner ebenso legendären Anzeigenleiterin Etta Nolte zu Verlagsbesuchen erschien - jedenfalls in dem Haus, für das ich damals als Programmleiter tätig war.
Übrigens: Wie angenehm, dass man bei der täglichen SZ-Lektüre nicht mit jenem Niveau konfrontiert wird, mit dem sich der Vorspann samt seinem Seitenhieb auf die "Seite Drei" begnügt...
dieganzewahrheit
Ja, auch im Börsenblatt gibt's immer wieder Erhellendes zur (mindestens halben) Wahrheit zu lesen:
Besonders verständlich und ungewohnt deutlich (doch in der Zwischenzeit offensichtlich z.T. "überholt"
"Konditionen - Die Dinge beim Namen nennen"
www.boersenblatt.net/188910/
Es bedarf noch vieler weiterer publizierter, kommentierter und diskutierter DritterSeiten, Extras, Dossiers, Titelgeschichten, Blogs, Talks (auf allen Kanälen, in diversen Netzen, quer durch die Medien), um die teilweise katastrophalen Entwicklungen innerhalb "unserer" Branche (und davon deckt - wie wiederum "alle wissen" - "Busch-Thalia" noch nicht mal die Hälfte ab) hinaus zu tragen in die (kritische?) Öffentlichkeit, dabei den Rahmen von Insider-Kommentar-Foren kräftig sprengend.
Zeit wird's!
Falls Thalia irgendwann mal einen Pressesprecher braucht, wüßte ich jemanden.
H. Debes
Ich denke wir unabhängigen kleineren und mittleren Buchhändler und Verleger müssen uns klarer gegen die Thalias etc positionieren.
Aber auch gegen diese Supermärkte, die zB gerade den Dan Brown hundertfach anbieten - das schnelle Geld eben mitnehmen aber sich ansonsten um Bücher kaum kümmern
sind ein Ärgernis. Was wäre denn, wenn unabhängige Buchläden mal konzertiert Plakatwände vor entsprechenden Supermärkten anmieten würden (kostet ca 200-300 euro für 10 Tage und kann online erfolgen) und klar und sehr deutlich gegen diese Praxis Stellung bezögen UND die Kunden auf den eigenen Laden hinweisen. Wenn das 100 Läden vor 100 Supermärkten täten ... macht wer mit?
Markus Groß
Aurel Buchladen Daun
Man muß sich nur einige der Kommentare hier durchlesen, so unfreundlich treten die Herrschaften dann wahrscheinlich auch in Ihren hochkulturellen kleinen Buchhandlungen auch auf....
Danke jedoch für die vielen lieben Leserbriefe, welche diese Ihrige sinnt-entleerte und fragmentarische Rumlaviererei als ebenso verstörend empfanden wie mein durch Ihre Zeilen „kujoniertes“ Buchhändlerseelchen. Am besten setzen Sie, Herr Casimir, sich einfach noch einmal hin und denken über die ganze Sache gut nach, um dann einen würdigen Kommentar zu der aktuellen Lage im fast komplett zentralisierten und thematisch gleich geschalteten deutschen Filialbuchhandel zu schreiben. Sie dürfen Thalia ruhig als Beispiel nehmen, die DBH geht auch, der SZ Seite 3 Artikel tut's als Referenz. Bin gespannt, Trommelwirbel.
Deine Buchhandlung muß ja wirklich toll sein,
wenn Du einen Supermarkt trotz Preisbindung als Konkurrenz empfindest....
Und schade, dass Herrn Casimirs "Deeskalation" prompt als Verrat an der Sachen des Guten, Schönen und Wahren gesehen wird.
nun wollen wir doch nicht über die Elite herziehen, die uns täglich mit den neuesten Klatsch- und Tratschinformationen aus der einseitig dominierten Bücherwelt versorgt herziehen.
Schließlich bescheren die Muse und Dodenhubel, wie auch die großen Verlage, dem „Blättle“ ihre Anzeigeneinnahmen. Kinders, da darf man nicht meckern. Das geht einfach nicht!
Früher…. da war ich mal Rebell, da hab ich hier mal geschrieben was mich bewegt. Heute? Heute bin ich frei! Da könnte ich es umso mehr! Die Lust ist mir vergangen…
Die kleinen Zwerge da unten mucken immer noch nicht auf und beschauen sich die dreifaltigen Ikonen von unten.
„Wir lieben Bücher“ les und las ich hier und dort. Es hätte auch: „Wir lieben Parfüm“, „Wir lieben Bohrmaschinen“ oder „Wir lieben Vanilleeis“ heißen können. büchernarr hat da schon sehr sehr recht.
Ich les hier immer wieder, wer wessen Interessen vertritt und wer nicht. Die Interessen des kleinen Buchhändlers werden allenfalls geduldet. Es wird über süße und anmutige Kaffee-Ecken bei Suse`s Bücherstube berichtet, und wie schön alle bei der Potter-Nacht geschminkt waren. Hat ja auch was Heimeliges.
Ferner ist es doch schön, wenn man am Mittwoch morgen den fertigen Print in der eigenen Hauspost hat, die Gazette aufschlägt und sich dann gleich auf der zweiten oder dritten Seite sieht. Wie heißt es doch in dem Märchen, welches mir gerade nicht einfällt? „Spieglein, Spieglein ander Wand….“
Man hat was gesagt, fordert das Fußvolk zum Ungemach heraus und hat wieder Klicks auf seiner Seite. My bookbabies…. : That`s the way love goes!!!!
Und dann geht es los! Dann kommen die Ratten wieder aus ihren Löchern und klagen über all die Unsäglichkeiten die so auftreten.
Hm…. spielt man vielleicht mit euch? Mir ist es seit Monaten vergangen hier zu meckern. Ich multipliziere die Problematiken unter den Menschen die um uns herum sind. Ich zeige auf, was Ihnen verloren gehen wird. Zeigt euren Kundinnen und Kunden auch einen Einblick hinter die Vorhänge der „Maschinerie“. Sagt Ihnen wer zu wem gehört und wer vom wem finanziert wird und wer von wem abhängig ist.
Und dann wird das Herz des Kunden sprechen. Nörgeln über das Vordergründige ist nicht angesagt, aber Hintergrundinformationen sind wirkungsvoller.
Oh.. da gab es mal ein Lied: „Video killed the radio star“…. wie wahr, wie wahr…
Zudem interessiert es die Gewerkschaft, die einen ja vertreten soll in keinster Weise, das ein kleines „Töchterchen“ von ihr, das „atemberaubende“ Werk von Frau Müller kostenlos zum Download anbietet um das nächste „Fetischkind“ den Ebook-Reader in seinem Sterben zu animieren. Das dem Buchhandel jedoch dadurch Printpotential entgeht, steht wohl außer Frage. Buch Krawuttke von nebenan wird keine Downloads anbieten, das steht für allemal fest. Aber die Plattformen werden es. Ja, vor allem DIE Plattform!
So wurde ein „firmeneigenes“ Subjekt geschaffen, welches von Monat zu Monat gegen die Mitgliedsklientel arbeiten wird….
„Wart`s nur ab Henry Higgins….“
Eines bleibt fest zu stellen: In den von mir oben gelesenen Kommentaren, offenbaren sich sämtliche Schattierungen des „Gesamtübels“
Es ist wie ein „Brockhaus“ des buchhändlerischen Schmerzes und der buchhändlerischen Resignation. Die Frage ist: „Wer liebt hier wen?“
Alles bleibt beim Alten wenn aus der obersten Sakristei immer wieder der Segen „Thali et Halff“ gegeben wird.
zurück aus einem privaten Offline-Tag, lese ich eben Ihre zahlreichen Beiträge. Überwiegend halten Sie nichts von meinen Ansichten in Sachen SZ-Bericht und Thalia. Damit sollte man als Kommentator leben können.
Einige Teilnehmer dieser Diskussion fordern mich auf, klarer als in meinem ursprünglichen Text zu sagen, was ich eigentlich sagen will. Das hätte ich hier und jetzt gern getan. Nun hat das aber Matthias Ulmer schon vor Stunden (in Kommentar Nr. 17) für mich erledigt - richtig und vollständig. (Vielen Dank, lieber Herr Ulmer, für Ihre Übersetzung!) Es ist mir, zugegeben, etwas peinlich, dass erst ein Verleger eingreifen muss, um klar zu machen, was ein Journalist sagen wollte. Nun ja, geschrieben ist geschrieben. Nächstes Mal wieder deutlicher, versprochen!
In der Sache kann ich Ihnen leider nicht entgegenkommen. Denn ich habe meine Meinung (die Sie nun bei Ulmer zur Kenntnis nehmen können) nicht - wie oben in ein paar besonders wütenden Momenten gemutmaßt wird - geschrieben, um ein großes Verbandsmitglied in Schutz zu nehmen. (Das Börsenblatt verdient übrigens kein Geld mit Thalia, im Gegenteil!) Ich habe sie auch nicht geschrieben, um demnächst bei diesem Verbandsmitglied Pressesprecher zu werden, wie ein Scherzkeks anzuregen beliebt (by the way, die haben eben erst eine ziemlich gute Pressesprecherin eingekauft).
Vielmehr möchte ich Ihnen allen vorschlagen, dass wir über die Mächtigen am Markt nicht in der gehabt ressentimentgeladenen Weise nachdenken, die sich in vielen der oben stehenden Texte abermals zu erkennen gibt.
Mein Plädoyer, seit ich für das Börsenblatt arbeite, nimmt schon langsam die Gestalt einer Endlosschleife an: Leute, lernt von dem, was die hoch professionalisierten Betriebe am Markt gut machen! Das ist für die eigene Sache erheblich vorteilhafter, als zu schimpfen über das, was die Großen schlecht (oder jedenfalls unsympathisch) machen.
Sie alle haben auf Dauer nichts von einem Fachblatt (nicht einmal von einem, das manch einer noch zuerst als Organ des Verbandes sehen möchten), das nur die Erwartungen bedient. Wir könnten es uns beim Börsenblatt durchaus etwas bequemer machen, indem wir Kommentare wie jetzt den meinigen, die absehbar erhebliche Proteste provozieren, unaufgeschrieben ließen. "Si tacuisses", wie mir oben jemand ins Stammbuch schreibt. (Dabei bin ich gar kein Philosoph, kann also auch keiner bleiben wollen.)
Aber das brächte die Branche keine Deut über das Dampfablassen hinaus. Wut mag gesund sein, eine Strategie ist sie nicht. Man fühlt sich nach gehabter Wut für ein paar Stunden besser, aber am nächsten Morgen ist die Erleichterung schon wieder weg, die Probleme hingegen sind geblieben. Wir beim Börsenblatt sind dazu da, uns in der Nähe der Probleme aufzuhalten. An Gesinnungspublizistik mangelt es auch ohne unser Zutun nicht. Die Anregung einiger, aus Anlass der nun stattfindenden Debatte mal wieder und möglichst konkret den Themenkreis Marktmacht, Konditionenschraube etc. zu betreten, will ich gern aufgreifen.
Der Bericht der Süddeutschen Zeitung zeichnet ein Bild vom Thalia-Buchhandel, das jedem, der sich die Bereitschaft hinzuschauen erhalten hat, grotesk unzutreffend erscheinen muss. Ob Busch nun liest oder nicht - so what!? Hauptsache, seine Buchhändler lesen, und ich kenne einige von ihnen, die das mit großer Leidenschaft tun. An der Spitze solch eines großen Handelsunternehmens ist möglicherweise ein zur Illusionslosigkeit begabter Manager, der die Herausforderungen des Handels etwas abstrakter sieht, effektiver als ein Herzblutleser und Kulturüberzeugungstäter. Niemand, der das zu denken sich erdreistet, ignoriert deshalb gleich den wesentlichen Unterschied zwischen Schokoriegeln und Atemschaukeln.
Zurück zum corpus delicti: Viel, viel besser wird die Geschichte des preisgekrönten SZ-Reporters in ihrer zweiten Hälfte, in der es um die Konditionen und, mehr noch, um das Benehmen eines Marktteilnehmers geht, der vor lauter Macht bisweilen den guten Ton vermissen lässt und die Fairness. Auch das steht, wenngleich offenbar zu undeutlich, in meinem Kommentar.
So. Jetzt ist es viel zu lang und viel zu ausführlich um meine Schreiberei gegangen. Um sie geht es aber in Wahrheit nicht. Stattdessen geht es um die Zukunftsfrage, ob unsere Branche dem Filialbuchhandel neben noblen Werthaltungen auch eine Handelsprofessionalität entgegensetzen kann, die dem besorgniserregenden Strukturwandel Einhalt gebietet. Falls nicht, würde übrigens nicht nur, aber auch das Börsenblatt in Schwierigkeiten kommen.
Aber ich würde selbst dann nicht Thalia-Pressesprecher, auch das sei versprochen!
---„Mein Plädoyer, seit ich für das Börsenblatt arbeite, nimmt schon langsam die Gestalt einer Endlosschleife an: Leute, lernt von dem, was die hoch professionalisierten Betriebe am Markt gut machen!“---
…die hochprofessionalisierten Betriebe haben auch andere Konditionen und andere „Hofeinfahrten“. Und… wenn hochprofessionalisierte Betriebe bestehen? Wer sind dann die anderen???
---„Es ist mir, zugegeben, etwas peinlich, dass erst ein Verleger eingreifen muss, um klar zu machen, was ein Journalist sagen wollte. Nun ja, geschrieben ist geschrieben. Nächstes Mal wieder deutlicher, versprochen!“---
Das sollte wirklich peinlich sein!
---„Das Börsenblatt verdient übrigens kein Geld mit Thalia, im Gegenteil“---
Das Gegenteil würde bedeuten, das die Muse mit Böbla Miese macht
---„Vielmehr möchte ich Ihnen allen vorschlagen, dass wir über die Mächtigen am Markt nicht in der gehabt ressentimentgeladenen Weise nachdenken, die sich in vielen der oben stehenden Texte abermals zu erkennen gibt.“---
Robin Hood, Robin Hood reitet durch die Lande. Voller Stolz und Übermut folgt ihm seine Bande. Es fuerchten ihn die Boesen, die Guten sind ihm gut! Robin Hood, Robin Hood, Robin Hood
---„Man fühlt sich nach gehabter Wut für ein paar Stunden besser, aber am nächsten Morgen ist die Erleichterung schon wieder weg, die Probleme hingegen sind geblieben.“---
Die Ursache jedoch auch!
Aufregung und Empörung sind groß und auch verständlich.
Die Expansion der Großen beutelt die Branche schon seit Jahren..
Doch die Großen werden letztlich schrumpfen.... Warum das so ist?
Nun ja, die Regularien und Gesetze des Marktes gelten für Internationale Großkonzerne ebenso wie für Thalia!
D.h., wo kein Konsument kauft, da kommt kein Geld in die Kasse. Und dann? Das braucht man nicht weiter auszuführen....
Der (Buch)Einzelhandel hängt mehr denn andere Branchen an der (Kauf)Laune des Konsumenten. Und 4000 nun arbeitslose Konsumenten von Quelle und 10000 (womöglich) bald arbeitslose Konsumenten der Bahn dürften andere Probleme haben als Bücher kaufen!
Und das ist erst der Anfang. Der Handel geht eisigen Zeiten entgegen!
Dies wird auch an Thalia bzw. am Douglas Konzern nicht vorübergehen. Die Kosten (und nicht nur Personal) sind da. Und sie lassen sich nicht so schnell verscheuchen.
Vermutlich wird es Thalia wie anderen Branchengrößen ergehen. Der Druck des Marktes reguliert die Expansion, was sich letztlich in (noch)mehr Filialschließungen bemerkbar machen wird. Und im Ergebnis wird der "Große" dann doch wieder auf ein vernünftig Maß zurechtgestutzt.
"Der Verband und seine Aufgaben
Bücher befördern Ideen. Sie sind unverzichtbar für die Entwicklung unserer Gesellschaft und deren Ideale. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützt diese Entwicklung durch sein Engagement für den deutschen Buchmarkt und für die freie Verbreitung des geschriebenen Wortes. Mit der wirtschaftspolitischen Arbeit für das Buch ist untrennbar ein kultureller Auftrag verbunden."
... freie Verbreitung... kultureller Auftrag... so so...
Das Gegenteil ist der Fall: Kunden kommen zu uns "Kleinen", weil sie mit ihren zahlreichen Sonderwünschen bei den "Großen" abblitzen! Wer bestellt denn bereitwillig auch kleinste Mengen bei den exotischsten Verlagen? Doch wohl kaum Thalia, sonst müssten die Kunden nicht zu uns kommen.
Frage in die Runde, denn ich glaube geschimpft ist nun genug:
Wie kann es sein, dass in gut und gerne 5000 den casimirschen Kommentar kommentierenden Worten mit keinem (abgesehen von der Supermarktplakatwand-Aktion..) eine Diskussion eingeleitet wird, wie eine gemeinschaftliche Lösung der sich auftuenden Misere zu gestalten wäre?
Wie geht es an, dass Sie alle offensichtlich eine weitestgehend einheitliche Meinung, ein gemeinsames Problem und eine wachsende Dringlichkeit bzgl. diesem haben, eine solche Plattform aber lediglich als Kummerkasten nutzen?
Statt tatsächlich mal in Aktion zu treten stellen sich die feindlichen Diskutanten heulend an den Rand der Buddelkiste und trauern ihrer geklauten Schippe nach.
Schimpfen auf einen Kommentator ist ja auch viel einfacher, als sich den Kopf zu zerbrechen, wie Sie Ihr heiliges Buch (und all jene, die das eigentlich gar nicht verdienen) retten können.
Gerade kleinen Verlagen stehen heute ganz andere Möglichkeiten offen, z.B. das Internet zu nutzen um ihre potentiellen Leser zu erreichen und dafür (leider ist das wohl so) braucht es viele kleine Buchhandlungen dann eben nicht mehr -- ich mochte die kleine dicke Frau aus dem Laden an der Ecke auch sehr gerne, weil sie mir schon als ich noch ganz klein war imer ein Bonbon extra zugesteckt hat.. dann kam Penny, dann kam Rewe und naja - jetzt schenkt mir keiner mehr Bonbons aber das Sortiment ist ungleich größer...
Dieser Kladder mit der Vielfalt -- prima und schön, wirklich, Kulturgut und so weiter aber mal im Ernst - wie viele Neuerscheinungen pro Jahr denn noch??
Auch diese Debatte wird wieder verpuffen, weil nicht geändert sondern gemeckert wird.
Ich hatte durchaus einen konkreten Vorschlag unterbreitet, nämlich die unabhängigen Buchhandlungen staatlich zu fördern, wie das in Frankreich geschieht. Als Kurt Wolff Stiftung (bin im Vorstand) habe ich diesen Vorschlag bereits einigen Politikern unterbreitet und bin auf Verständnis und Interesse gestoßen. Jeder kann sich für diese Initiative einsetzen, in der Öffentlichkeit, in seiner Buchhandlung, bei Entscheidungsträgern. Dies scheint mir der einzige Weg, die Vielfalt im Buchhandel zu erhalten. Mit dem zehntletzten unabhängigen Buchhändler nämlich stirbt der letzte unabhängige Verlag.
"Jeder kann sich für diese Initiative einsetzen, in der Öffentlichkeit, in seiner Buchhandlung, bei Entscheidungsträgern."
Das sollen die Buchhändler doch bitte tun. Organisiert und transparent.
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Kommentare drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan, Und keinen Tag soll man verpassen,
Das Mögliche soll der Entschluß
Beherzt sogleich beim Schopfe fassen.
Seine Offiziersausbildung zusammen mit Henning Kreke, heute Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding, hat offensichtlich Spuren hinterlassen.
Also hört auf zu heulen und bekommt Euren Arsch hoch!!!!! Und schiebt nicht die Schuld den kleinen Geistern beim Börsenblatt in die Schuhe.
Als konkreten Vorschlag zur allseits erwünschten Aufrechterhaltung der Vielfalt an Büchern und Buchmenschen, empfehle ich meinen Buchhandels-Kollegen, jeden Tag ein Buch eines unabhängigen Verlags beim jeweiligen Zwischenbuchhändler zu bestellen. Der sieht dann, daß die Sachen gefragt werden und wird sie auch künftig in seiner Einkaufsliste behalten, und die Kunden bekommen eine Ahnung, was es alles Gutes gibt.
Mit Peter Handke zu sprechen: "Ich bin aus der Leidensform getreten, ich bin aktiv geworden." Und dies zunächst grammatikalisch gemeinte "ich" darf man ruhig persönlich umdeuten.
Kopf hoch! Weitermachen!