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Torsten CasimirTorsten Casimir© Werner Gabriel

21.10.2009Kommentar

Thalia: Höchstens die halbe Wahrheit

Als kuriose Fußnote wird in den Annalen der Buchmesse ein Text des Jahrgangs 2009 auf­bewahrt bleiben. Gedruckt wurde er auf der einst bedeutenden "Seite Drei" der "SZ". Weil in ihm stand, dass Thalia-Chef Busch eine nichtlesende Mischung­ aus Matthias Sammer und Daniel Craig sei und sein seelen­loser Laden Lieferanten mit brutalen Rabatten kujoniere, wurde der Text zum Thema Nr. 1 der Messe. Ein Kommentar von Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir.

In keinem Gespräch blieb die Frage "Haste schon gelesen?" ungestellt. Und selten fehlte die Freude darüber, dass "endlich wer die Wahrheit aufgeschrieben hat". Es war höchstens die halbe.
Zur Busch-Karikatur nur so viel: Natürlich denkt man auf der Ebene des Topmanagements stärker ans Wirtschaftsgut als an das Kulturgut Buch. Kreativer als die kulturpessimistische Klage darüber wäre die These, dass die vermeintliche Herzenskälte überhaupt erst eine Bedingung der Möglichkeit für den breiten Erfolg guter Bücher erfüllt. Thalia hat – nicht nur zu Hause – das Verkaufen professionalisiert.
Im Gespräch mit seinen Lieferanten weckt der Filialist den Sinn für Äqui­valenzen: Druck auf die Verlage, aber auch Druck auf den verkäuferischen Selbstanspruch. Man verhandelt immer traurigere Preise und verabredet immer erfreu­lichere Gegenleistungen.
Der Ehrgeiz des Geschäfts mag aller­dings den Blick vernebeln für den fairen Deal, der nicht nur das Gleichgewicht von Geben und Nehmen, sondern auch Belastungsgrenzen der Partner beachtet. Deshalb konnten in die Zeitung solche Alarmwörter wie "Erpressung" und gar "Entwürdigung" hineingeraten.
Hier erhebt sich nun Einspruch einer Branche, die stilistisch wie ideell stets mehr war als eine Kaufmanns­gemeinde. Auf diesen Reflex bleibt zum Glück Verlass. Die anderen wären entbehrlich.

 

Hier der Artikel der "Süddeutschen Zeitung".

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63 Kommentar/e

1. Stefan Weidle 21.10.2009 12:32h www.weidle-verlag.de

Wahrscheinlich liegt's an meiner geistigen Beschränktheit, aber ich habe diesen Kommentar schlicht nicht verstanden, auch wenn ich das Kant-Zitat noch erkennen konnte. Mir kommt's so vor, als sollte da mit unverständlichem Gewaber ein guter Anzeigenkunde bei Laune gehalten werden -- Herr Busch, so das Kalkül, versteht den Text vielleicht noch weniger als ich.

2. bücherfrau 21.10.2009 12:45h

Danke Herr Weidle,
so ähnlich habe ich das auch empfunden!

3. rainer ritzel 21.10.2009 13:11h

solange wir auf die von der wirtschaft vorgegebenen
scheinwerte wie haben, schnelligkeit, zeitersparnis , freiheit etc immer noch hereinfallen, werden firmen wie thalia immer gross und grösser werden . Deren
ceo's, manger und chefs hat hat michael ende in
seinem wunderbaren buch momo sehr gut als graue männer beschrieben, in seinem buch verschwinden diese irgendwann wieder -eigentlich
liegt es nur an uns........

4. Buchwatz 21.10.2009 13:16h

Interessant wird es, wenn Thalia bei voranschreitender Digitalisierung der Buchwelt (also z.B. Zunahme der Marktanteile für das eBook) gegen die richtig großen Brocken wie Amazon oder auch Google antreten muß.
Beide Unternehmen planen ja ebenfalls diverse digitale Buchprojekte, von welchen eBooks nur eines ist.
Ob das für Thalia "gut ausgeht" ist die Frage....
So verhandelt Google z.B. nicht, sondern kauft oder macht kaputt!

5. Amelie 21.10.2009 14:16h

Also ich habe Herrn Casimir's Kommentar zu Beginn noch verstanden, aber das Ende ist total nebulös.
Lieber Herr Casimir, können Sie dem bereitwilligen Leser vielleicht noch einmal in einfachen Worten erklären, was genau Sie sagen möchten?
Vielen Dank!

6. Leser 21.10.2009 14:44h

Ich bitte auch um Aufklärung, was der nebulöse Kommentar eigentlich besagen will.

7. Niko 21.10.2009 14:48h

Kurios ist keineswegs der wichtige Artikel in der SZ - der spricht nur aus, was wir alle längst wissen. Kurios ist der Kommentar, der nur schlecht zu verbergen vermag, worum es eigentlich geht.

8. Mitglied des Börsenverein 21.10.2009 14:55h

Wessen Interessen vertritt Herr Casimir? Meine nicht,

9. Mario Max 21.10.2009 14:57h

Herr Casimir, Sie kommentieren. In Ordnung. Sie kommentieren eine Reportage des mehrfach ausgezeichneten Journalisten Birk Meinhardt (Zitat Wikipedia: "Für seine Arbeit 'Alle sind wir da, bis auf Erich Honecka' in der SZ wurde er 1999 mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. 2001 erhielt er erneut einen Egon-Erwin-Kisch-Preis für die Arbeit 'Vom Glück, das rechte Wort zu treffen', gleichfalls in der SZ". Der Titel dieser letztgenannten Arbeit scheint mir auch Ihren Kommentar zu treffen: Ihre Worte verstehe ich nämlich nicht. Sie sind schlicht unglücklich gewählt, weil unverständlich.
Die 'Seite Drei' ist nach wie vor eine der maßgeblichen journalistischen Größen. Meine Meinung.

10. Aspöck Hubert 21.10.2009 15:12h

Sehr geehrter Herr Casimir !

Wenn etwas eine kuriose Fußnote ist, dann Ihr Kommentar.
Was wollen Sie den Lesern eigentlich mitteilen ?
Ich habe den Eindruck ,es ist Ihnen unangenehm, daß eine angesehene Zeitung wie die SZ Klartext über Thalia schreibt, wo doch dieser Konzern ein wichtiges Mitglied im Börsenverein ist.

11. Annette Schüren 21.10.2009 15:13h www.schueren-verlag.de

Peinlich, peinlich Herr Casimir

12. Buchhändler 21.10.2009 15:16h

erbärmlicher und lächerlicher geht es wirklich nicht mehr: thalia macht mit seinem gehabe seit jahren die vielfalt der buchhandelslandschaft kaputt und der boersenverein versucht mit einem völlig inhaltsleeren artikel für diese kette position zu beziehen. und außer thalia selbst wird wohl kein (selbstständiger) buchhändler einspruch gegen den artikel in der sz erheben.

13. Sarah Reul 21.10.2009 15:23h http://www.zimtfisch.net

Kann mich meinen Vor-Kommentatoren nur anschließen.

Was genau wollten Sie mit diesem Kommentar bewerkstelligen? Habe den Artikel 3 mal gelesen und jedesmal blinkten mehr Fragezeichen auf.

Ich bitte also ebenfalls um Aufklärung.

Mit freundlichen Grüßen,

Sarah Reul

14. Jonas Plöger 21.10.2009 15:30h www.buecherwelten.de

Si tacuisses,....

15. Daniela Möhrke 21.10.2009 15:33h http://buchbegegnungen.blog.de/

Mir geht es hier wie den anderen Kommentatoren. Den Artikel in der SZ habe ich natürlich auch gelesen und letztendlich so empfunden, als würde nur mal aufgeschrieben, was sowieso schon 'jeder' (in der Branche) weiß. Sicher ist nicht in Ordnung, was Thalia macht.

Mir scheint auch, als gehe es hier vielmehr darum, sich mit Thalia gut zu stellen. Einen ganz ähnlichen Gedanken rief z.B. auch der Artikel "Leuchten am Büchersternhimmel" von Torsten Casimir im Börsenblatt Nr.42 auf Seite 10 hervor.

Hier schreibt Herr Casimir über Megaseller, höhere Umsätze und Co. Neben den üblichen Verdächtigen wie Dan Brown und Frank Schätzing ist hier auch Reif Larsen mit dem Zusatz "Thalia-Buch des Monats" zu finden. Nun, das ist natürlich eine ganz besondere Ehre zum "Thalia-Buch des Monats" 'gekürt' zu werden, wenn der jeweilige Verlag dafür immense Summen zahlen muss. Was genau möchten Herr Casimir, denn eigentlich mit diesem Zusatz sagen? Gut möglich, dass sich das Buch von Reif Larsen nicht schlecht verkauft, aber "Thalia-Buch des Monats" ist nun wirklich keine "Auszeichnung", die höhere Verkaufszahlen begründet oder irgendetwas über die Qualität des Buches aussagt.

16. Laudan 21.10.2009 15:41h

Auch ich empfinde Casimirs Kommentar als primär peinlich fürs Börsenblatt. Einzig denkbares Motiv ist devote Politik gegenüber der Marktmacht, oder? Aber was für ein linkischer und stümperhafter Versuch, mit neoliberaler Jovialität vom Tisch zu wischen, was eine Mehrheit als geradezu befreiende Klarheit des Beim-Namen-Nennens erlebt - endlich wird die Verheizung jeder kulturellen Vielfalt durch Mafiapraktiken ökonomistischer Gigakonzerne mal offen thematisiert. Lauter bitte! Und dürfen wir auch bald etwas über die Knebelpraktiken von Amazon lesen? Das würde mir ebenfalls das Herz wärmen.

17. Matthias Ulmer 21.10.2009 15:50h

Das war schon ein bisschen um die Ecke gedacht. Aber sooo schwer verständlich finde ich den Kommentar dann doch nicht. Meine Übersetzung:

1. Der SZ-Artikel war Messethema mit dem immer wiederkehrenden Tenor: endlich spricht mal jemand die Wahrheit aus. Herr Casimir kann dem nur halb folgen.
2. Die persönliche Kritik an Herrn Busch findet er überflüsssig. Die Gegenüberstellung von Kultur- und Kommerzmenschen ist sinnlos.
3. Eine Berechtigung für das harte Vorgehen von Thalia sieht Herr Casimir in einem Äquivalenzprinzip: Thalia fordert viel von den Verlagen, bietet aber auch viel.
4. Die Grenze überschreitet Thalia dagegen, wenn die Äquivalenz überschritten wird, wenn die Forderungen gegenüber den Verlagen an einen Punkt kommen, wo sie zur Überforderung werden.
5. Hier wird die Fairness im marktwirtschaftlichen Miteinander verlassen.
6. Und erfreut zeigt sich Casimir darüber, dass an diesem Punkt die Buchbranche reagiert, dass sie die Fairness noch immer über das rein kaufmännische Handeln setzt.
7. Dass diese Reaktion, dieser Reflex aus der Branche kommt, das findet Herr Casimir wichtig. Die übrigen Reflexe, die im Artikel ausgebreitet werden sind überflüssig.

18. Hubert Aspöck 21.10.2009 16:08h

Danke für Ihren Erklärungsversuch, Herr Ulmer.

Aber vielleicht findet es Herr Casimir auch der Mühe wert, seinen Kommentar zu erläutern und auf die zahlreichen Stellungnahmen zu antworten.

19. Stefan Weidle 21.10.2009 16:15h www.weidle-verlag.de

Herr Casimir konnte dem Artikel ja nur halb folgen, wie wir jetzt wissen, also konnte er sich gar nicht genauer ausdrücken! Vielen Dank für die Interpretation.

20. buechernarr 21.10.2009 16:18h

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, Herrn Busch einmal bei einem Vortrag an der Uni Mainz zu erleben. Ihm war das Buch, wie er sagte "sch..egal". Ob er Parfüm oder Literatur verkaufe, interessiere ihn nicht. Am Ende saß er in der ersten Reihe, völlig desinteressiert an den anderen Vortragenden und, na ja, das verschweige ich lieber... buechernarr

21. Franz wanner 21.10.2009 16:27h

die Kommentierung des Kommentars offenbart die Trefflichkeit des Grundkommentars. Natürlich hätte Herr Casimir es auch weniger freundlich ausdrücken können: Im Spagat zwischen Kulturgut und Handelsware zerbröselt der ewig alte Konsenz zwischen Verlag und Händler in der Buchbranche.
Diese Tatsache wird reflexartig bestritten. Punkt.
Die Tatsache selber wäre schon einer genaueren Betrachtung wert. Aber es bleibt doch Tatsache, daß ein erheblicher Teil der angebotenen Bücher nur höchstens den Kulturwertstatus im Rang jeder beliebigen Sitzgruppe oder eines Haushaltgeräts haben und folglich schlichtes Handelgut sind. In geilen Geizzeiten soll dieses Handelsgut möglichst komfortabel und günstig vermarktet werden. Die Besonderheit ist doch lediglich, daß der "Endverbraucher" nicht die Preisabstimmung mit seinem Bestellverhalten vornimmt, sondern in der Rabattschlacht zwischen Händler und Verlag vollzogen wird. Und dazwischen wird noch obendrein mit Supersonderausgaben zum FastNullTarif manipuliert... Entsprechend sinken die Margen bei wirklich allen Beteiligten, vollzieht sich eine Marktbündelung und die Buchkäufer werden an digitales Verbrauchsgut oder Billigstprodukte gewöhnt. Kulturgut wird damit entwertet. "Bewahren" ist heute teurer als ein Neukauf und heutiger Bestseller morgen schon Ramsch.
Und jetzt kann die Entrüstung erneut einsetzen und über diverse Formen der Mischfinanzierung referiert werden. ich lächle da heiter und gelassen...

22. Manfred Queisser 21.10.2009 16:37h

Einfach nur peinlich - welche Art von "Neusprech" ist denn die aufmontierte Sprache von Herrn Casimir ?
Warum muß Herr Ulmer übersetzen und erklären ?
Der Artikel von Birk Meinhardt beschreibt sehr deutlich die Mechanismen von Marktmacht im Buchhandel im Jahre 2009, das ist nicht kurios, sondern für viele Marktteilnehmer sehr bitter.

23. leseratte 21.10.2009 16:41h

zu buechernarr:

....und hielt ab und an ein kleines Nickerchen. "
War es das was Sie verschweigen wolten )
In der Tat ist dies ab und an der Fall. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man länger mit ihm zusammen arbeitet, lernt man es zu ignorieren.
In der Tat ist es so, dass Herrn Busch das Buch als Kulturgut gleichgültig ist, er wurde auch nicht als Bewahrer dessen eingestellt. Er ist ein Kaufmann und Controller,leider aber auch nur das.
Der Artikel in der SZ zeigt Aspekte des Tuns und Verhaltens auf , aber bis zum Gesamtbild fehlt noch viel, wenn auch wenig positives.

24. Peter Bramböck 21.10.2009 17:09h

In der Tat: Si tacuisses, Casimirus...
Klar, dass der Chefredakteur eines Verbandsorgans sein Mitglied schützen muss, aber doch nicht so! Oder besteht da wirklich eine wirtschaftliche Abhängigkeit, wie sie einige der obigen Kommentare andeuten? Ich erinnere mich nämlich noch gut, wie in den frühen Achtzigerjahren der legendäre Chefredakteur Hanns-Lothar Schütz stets im Doppelpack mit seiner ebenso legendären Anzeigenleiterin Etta Nolte zu Verlagsbesuchen erschien - jedenfalls in dem Haus, für das ich damals als Programmleiter tätig war.
Übrigens: Wie angenehm, dass man bei der täglichen SZ-Lektüre nicht mit jenem Niveau konfrontiert wird, mit dem sich der Vorspann samt seinem Seitenhieb auf die "Seite Drei" begnügt...

25. Beate Laufer-Johannes 21.10.2009 17:15h

Seit langem ärgert mich schon die äußerst wohlwollende Berichterstattung über Thalia im Börsenblatt - aber dass der Konzern jetzt auch noch in den Genuß eines verschwurbelten Rechtfertigungskommentars kommt, das ist wirklich peinlich!

26. Gruene Nase 21.10.2009 17:20h

Kapier's auch nicht. Bin aber auch kein Chefredakteur.

27. Rudolf Döhr 21.10.2009 17:23h

Ich kann mich kurz fassen, denn erfreulicherweise haben doch so viele Buchhändler die Tragweite des Kommentars von Herrn Casimir verstanden, ironischerweise genau diejenigen, die ihre Kommentare im Tenor: "Ich habe nicht verstanden..." eingeleitet haben. Und dann noch das in die Bresche springen des Herrn Ulmer... Angst und Bang' kann einem werden, wie immer, wenn knallharte Interessenpolitik hinter angeblicher Logik versteckt werden soll. Aber Herr Casimir und einige andere Verbandsfunktionäre werden die Mehrheit dieser Kommentare sicherlich als "Reflex" abtun können und auch dafür wieder schöne literarische und philosophische Belege anführen können. Mit wem sind wir in diesem Verband verbandelt?

28. dieganzewahrheit 21.10.2009 17:24h


dieganzewahrheit

Ja, auch im Börsenblatt gibt's immer wieder Erhellendes zur (mindestens halben) Wahrheit zu lesen:
Besonders verständlich und ungewohnt deutlich (doch in der Zwischenzeit offensichtlich z.T. "überholt" war bereits im Mai 2008 - wer erinnert sich noch? - das "Schlüsselloch-Gespräch" mit den drei anonymen Informanten (daran beteiligt war u.a. auch Torsten Casimir)
"Konditionen - Die Dinge beim Namen nennen"
www.boersenblatt.net/188910/

Es bedarf noch vieler weiterer publizierter, kommentierter und diskutierter DritterSeiten, Extras, Dossiers, Titelgeschichten, Blogs, Talks (auf allen Kanälen, in diversen Netzen, quer durch die Medien), um die teilweise katastrophalen Entwicklungen innerhalb "unserer" Branche (und davon deckt - wie wiederum "alle wissen" - "Busch-Thalia" noch nicht mal die Hälfte ab) hinaus zu tragen in die (kritische?) Öffentlichkeit, dabei den Rahmen von Insider-Kommentar-Foren kräftig sprengend.

Zeit wird's!

29. Glanz & Elend 21.10.2009 17:29h www.glanzundelend.de

Na da bin ich aber foh, daß ich diesmal nicht wieder der einzige bin, dem Herrn Casimirs nahzu unverblümtes Lobbygeschwätz auf die Nerven geht. Stilistisch & inhaltlich peinlich für das Börsenblatt. Und man muß sich fragen, welche Interessen hier eigentlich vertreten werden.
Falls Thalia irgendwann mal einen Pressesprecher braucht, wüßte ich jemanden.
H. Debes

30. tinius 21.10.2009 17:39h http://readingease.wordpress.com

Ich bin inzwischen nur noch Leser und Freizeit - Rezensent, früher einmal war ich Buchhändler. Und bin froh, in der sich verändernden Buchhandelslandschaft nicht mehr nach einer Arbeitsstelle suchen zu müssen. Die zunehmende "Industrialisierung" im stationären Buchhandel und die damit verbundene Umstrukturierung in der Verlagsbranche lassen von meinen beruflichen und kulturellen Idealen nicht wirklich viel übrig. Es ist für mich eben nicht egal, ob ich Weiße Ware, Jeans oder Bücher verkaufe, es ist nicht einmal egal, ob ich das eine oder andere kaufe. Filialisten und ihre Selbstbedienungsbestrebungen bereiten dem traditionellen Buchhandel ein unvermeidliches Ende, Beratungskompetenz, Bestellservice geraten in Nischen, die mit Ubiquität wenig zu tun haben. Das Tagesgeschäft wird immer trend - und novitätenabhängiger, backlists sind Luxus, kleine Verlage - und damit ein guter Teil der Literaturkultur - werden abgehängt, da Ketten und Internetriesen Konditionen zu bestimmen versuchen, die deren Überleben hochgradig gefährden. Ein literaturaffiner Kunde kann Beratungskompetenz durch Eigeninformation notfalls ersetzen, das Internet bietet genügend Möglichkeiten, seine Stellung aber als Minderheit in einem an anderen Interessen ausgerichteten Markt wird er nicht behaupten können, denn das Aussortieren kleinerer Verlagsproduktionen aus den großen onlineshops und Kettenbetrieben und damit dann auch aus den Barsortimenten läuft schneller und brutaler ab, als man sich das eingestehen mag. Und als Präsenzbestand in kleinen Buchhandlungen sind sie aus wirtschaftlichen Gründen nur unter gro0en Schwierigkeiten zu halten. Aber auch hier laufen ja die Prediger der "Industrialisierung" als Betriebsberater durch die Läden, wenn nicht schon der Unwille von Banken und Vermietern engstmögliche Grenzen in der Sortimentsgestaltung setzt. Es ist nicht der Untergang der Kultur - aber deren Verarmung, die nicht nur zu befürchten ist, sondern längst spürbar eingesetzt hat - überall spürbar vom Kunden bis in die Verlage. Das kann man vermutlich nur resigniert hinnehmen, aber daß der Chefredakteur eines der wichtigsten Branchenpublikationen dem das - reichlich klausuliert und verquast - Wort redet, ist traurig.

31. klarheit 21.10.2009 17:57h -

Börsenblatt und Buchreport : Das Grab schaufelt man sich selbst... Achtung: Amazon, Goggle, Apple, Thalia, E-Books werden kaum zu Hilfe eilen!

32. Aurel 21.10.2009 18:01h

Lobbyistengeschwätz trifft es ziemlich gut

Ich denke wir unabhängigen kleineren und mittleren Buchhändler und Verleger müssen uns klarer gegen die Thalias etc positionieren.

Aber auch gegen diese Supermärkte, die zB gerade den Dan Brown hundertfach anbieten - das schnelle Geld eben mitnehmen aber sich ansonsten um Bücher kaum kümmern
sind ein Ärgernis. Was wäre denn, wenn unabhängige Buchläden mal konzertiert Plakatwände vor entsprechenden Supermärkten anmieten würden (kostet ca 200-300 euro für 10 Tage und kann online erfolgen) und klar und sehr deutlich gegen diese Praxis Stellung bezögen UND die Kunden auf den eigenen Laden hinweisen. Wenn das 100 Läden vor 100 Supermärkten täten ... macht wer mit?
Markus Groß
Aurel Buchladen Daun

33. Andi 21.10.2009 18:03h

Wann wird eigentlich endlich eingesehen, dass der Kunde zu Thalia vielleicht auch wegen der großen Auswahl, der Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter kommt.
Man muß sich nur einige der Kommentare hier durchlesen, so unfreundlich treten die Herrschaften dann wahrscheinlich auch in Ihren hochkulturellen kleinen Buchhandlungen auch auf....

34. Evelyn Tremble 21.10.2009 18:07h

Das soll Ihr Kommentar zum "Thema Nr. 1 der Messe" gewesen sein, Herr Chefredakteur? Ganze 186 kümmerliche und unbesonnene Worte? Den hochnotpeinlichen Vorspann habe ich nicht mitgezählt.
Danke jedoch für die vielen lieben Leserbriefe, welche diese Ihrige sinnt-entleerte und fragmentarische Rumlaviererei als ebenso verstörend empfanden wie mein durch Ihre Zeilen „kujoniertes“ Buchhändlerseelchen. Am besten setzen Sie, Herr Casimir, sich einfach noch einmal hin und denken über die ganze Sache gut nach, um dann einen würdigen Kommentar zu der aktuellen Lage im fast komplett zentralisierten und thematisch gleich geschalteten deutschen Filialbuchhandel zu schreiben. Sie dürfen Thalia ruhig als Beispiel nehmen, die DBH geht auch, der SZ Seite 3 Artikel tut's als Referenz. Bin gespannt, Trommelwirbel.

35. Andi 21.10.2009 18:07h

Lieber Aurel,

Deine Buchhandlung muß ja wirklich toll sein,

wenn Du einen Supermarkt trotz Preisbindung als Konkurrenz empfindest....

36. Meinrad 21.10.2009 18:14h -

Wenns einige unangenehme Kommentare gibt – gehts mit dem Artikel schnell in den Keller...

37. Stefan Weidle 21.10.2009 18:44h www.weidle-verlag.de

@Andi: Es geht hier nicht im geringsten um bzw. gar gegen die Mitarbeiter in Thalia-Filialen! Ein paar von diesen treffen sich gar in ihrer Freizeit mit Vertretern von Independent-Verlagen, um etwas über die Programme zu hören, was sie während ihrer Arbeitszeit in der Regel nicht dürfen. Und ich habe genügend Vorträge in Buchhändlerschulen gehalten, um zu wissen, daß die Auszubildenden mit großem Engagement bei der Sache sind und sich wirklich für Literatur interessieren. Die meisten aber würden lieber in einer anderen Art des Buchhandels arbeiten. Nein, es geht um die Geschäftsstrategie, die ein reiner Verdrängungswettbewerb ist, der den durch das Preisbindungsgesetz gewährleisteten Schutz des Kulturguts Buch aushöhlt. Was wir wirklich brauchen, ist eine staatliche Förderung des unabhängigen Buchhandels, wie es ihn in Frankreich seit kurzem gibt. Er könnte analog der Förderung der Programmkinos gestaltet werden. Die tun ja auch nichts anderes, als jenseits der großen Kinoketten das Kulturgut Film am Leben zu halten.

38. Esther Giese 21.10.2009 18:53h

Würden sich alle Verlage verweigern, könnten die Filialisten auch nicht erpressen und man könnte die Rabatte gerechter verteilen.

39. Beefie 21.10.2009 21:15h

@Esther: das ist zwar richtig, aber da muss dann nur einer nicht mitspielen, und schon ... Gegen Thalia wird man so schnell nichts machen können. Aber es ist gut, dass bestimmte Auswüchse dieser m.E. in jeder Hinsicht kulturlosen und darob verachtungswürdigen (Entschuldigung, Herr Casimir, schon wieder ein "Alarmwort" ...) Geschäftspolitik des Herrn Busch in die Öffentlichkeit kommen: z.B. dass das "Thalia Buch des Monats" keine Auszeichnung ist, sondern ein gekaufter Titel. Das muss einfach viel mehr Menschen klar werden, ebenso wie die verbrecherische Rabattpolitik.

40. Mohammed Chang 21.10.2009 21:43h

Verzeiht, aber wer wundert sich noch über die blasse Kommentarkultur beim Börsenblatt. Trocken und in kurzer scheinbarer Objektivität die Meldungen, dies ist auch nicht anders zu verlangen. Gesichtslos und feige in den Kommentaren. Wer mir die Frage beantworten kann, wofür die Redakteure des Börsenblattes einstehen, der wird auch den Text dort oben verstehen. Diejenigen, die den Sinn und die subjektive Bewertung des Themas nicht erkennen, wissen dafür um so mehr um die Verwicklungen des Börsenblattes in finanzielle Abhängigkeiten innerhalb der Branche und dort bei denen die zahlen und bestimmen können. Da bleibt nur eines, die meinungsbildungsversuchenden sog. Kommentare ignorieren und die Nachrichten unter Vorbehalt konsumieren. Dieses Börsenblatt vertritt keines der Ideale, die aus den meisten der bisherigen Kommentaren sprechen. Und so schärft der obige Kommentar die Äquivalenz der börsenblattlichen Kommentarkultur: Kein Anspruch an Positionierung und Rückgrat sowie eine gewisse Ignoranz gegenüber einer ganzen Branche. Also noch mal. Erwarten Sie bitte nicht so viel, am Besten gar nichts. Dies ist kein Spiegel der Branche...

41. Markus Pfeffer 21.10.2009 22:01h

Wie schnell ein Artikel, der durchaus ein bisschen Recht hat, dabei aber keine neuen Erkenntnisse bringt, durch seine reißerische Sprache zum Manifest einer ganzen Branche wird, die nach wie vor den Hass auf "die Großen" zu ihrem Leitbild erkoren hat. Kein Wunder, wenn sich so viele Buchhändler nach wie vor vehement gegen das zweite Wort in ihrer Berufsbezeichnung wehren.

Und schade, dass Herrn Casimirs "Deeskalation" prompt als Verrat an der Sachen des Guten, Schönen und Wahren gesehen wird.

42. Jörg Jahn-Meyer 21.10.2009 22:37h

Meine lieben kleinen Buchhändlerinnen und Buchhändler,
nun wollen wir doch nicht über die Elite herziehen, die uns täglich mit den neuesten Klatsch- und Tratschinformationen aus der einseitig dominierten Bücherwelt versorgt herziehen.
Schließlich bescheren die Muse und Dodenhubel, wie auch die großen Verlage, dem „Blättle“ ihre Anzeigeneinnahmen. Kinders, da darf man nicht meckern. Das geht einfach nicht!
Früher…. da war ich mal Rebell, da hab ich hier mal geschrieben was mich bewegt. Heute? Heute bin ich frei! Da könnte ich es umso mehr! Die Lust ist mir vergangen…
Die kleinen Zwerge da unten mucken immer noch nicht auf und beschauen sich die dreifaltigen Ikonen von unten.
„Wir lieben Bücher“ les und las ich hier und dort. Es hätte auch: „Wir lieben Parfüm“, „Wir lieben Bohrmaschinen“ oder „Wir lieben Vanilleeis“ heißen können. büchernarr hat da schon sehr sehr recht.
Ich les hier immer wieder, wer wessen Interessen vertritt und wer nicht. Die Interessen des kleinen Buchhändlers werden allenfalls geduldet. Es wird über süße und anmutige Kaffee-Ecken bei Suse`s Bücherstube berichtet, und wie schön alle bei der Potter-Nacht geschminkt waren. Hat ja auch was Heimeliges.
Ferner ist es doch schön, wenn man am Mittwoch morgen den fertigen Print in der eigenen Hauspost hat, die Gazette aufschlägt und sich dann gleich auf der zweiten oder dritten Seite sieht. Wie heißt es doch in dem Märchen, welches mir gerade nicht einfällt? „Spieglein, Spieglein ander Wand….“
Man hat was gesagt, fordert das Fußvolk zum Ungemach heraus und hat wieder Klicks auf seiner Seite. My bookbabies…. : That`s the way love goes!!!!
Und dann geht es los! Dann kommen die Ratten wieder aus ihren Löchern und klagen über all die Unsäglichkeiten die so auftreten.
Hm…. spielt man vielleicht mit euch? Mir ist es seit Monaten vergangen hier zu meckern. Ich multipliziere die Problematiken unter den Menschen die um uns herum sind. Ich zeige auf, was Ihnen verloren gehen wird. Zeigt euren Kundinnen und Kunden auch einen Einblick hinter die Vorhänge der „Maschinerie“. Sagt Ihnen wer zu wem gehört und wer vom wem finanziert wird und wer von wem abhängig ist.
Und dann wird das Herz des Kunden sprechen. Nörgeln über das Vordergründige ist nicht angesagt, aber Hintergrundinformationen sind wirkungsvoller.
Oh.. da gab es mal ein Lied: „Video killed the radio star“…. wie wahr, wie wahr…
Zudem interessiert es die Gewerkschaft, die einen ja vertreten soll in keinster Weise, das ein kleines „Töchterchen“ von ihr, das „atemberaubende“ Werk von Frau Müller kostenlos zum Download anbietet um das nächste „Fetischkind“ den Ebook-Reader in seinem Sterben zu animieren. Das dem Buchhandel jedoch dadurch Printpotential entgeht, steht wohl außer Frage. Buch Krawuttke von nebenan wird keine Downloads anbieten, das steht für allemal fest. Aber die Plattformen werden es. Ja, vor allem DIE Plattform!
So wurde ein „firmeneigenes“ Subjekt geschaffen, welches von Monat zu Monat gegen die Mitgliedsklientel arbeiten wird….
„Wart`s nur ab Henry Higgins….“
Eines bleibt fest zu stellen: In den von mir oben gelesenen Kommentaren, offenbaren sich sämtliche Schattierungen des „Gesamtübels“
Es ist wie ein „Brockhaus“ des buchhändlerischen Schmerzes und der buchhändlerischen Resignation. Die Frage ist: „Wer liebt hier wen?“
Alles bleibt beim Alten wenn aus der obersten Sakristei immer wieder der Segen „Thali et Halff“ gegeben wird.

43. Ex-Thalia 21.10.2009 23:22h

Ich habe beide Seiten kennengelernt, Thalia und den kleinen, freien Buchhandel. Der SZ-Artikel hat vllt. dem "normalen" Buchkäufer die Augen ein stück weit geöffnet, für den Insider barg er kaum eine Neuigkeit. Casimirs Kommentar spiegelt nur die Haltung des Börsenblatt: Etwas schwammige Äußerungen zu Thalia, keine direkte Anklage oder Liebesbekundung. Da erkennt man doch die Tragweite eines Herrn Buschs: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

44. Torsten Casimir 21.10.2009 23:51h

Verehrte, liebe Diskutanten,

zurück aus einem privaten Offline-Tag, lese ich eben Ihre zahlreichen Beiträge. Überwiegend halten Sie nichts von meinen Ansichten in Sachen SZ-Bericht und Thalia. Damit sollte man als Kommentator leben können.

Einige Teilnehmer dieser Diskussion fordern mich auf, klarer als in meinem ursprünglichen Text zu sagen, was ich eigentlich sagen will. Das hätte ich hier und jetzt gern getan. Nun hat das aber Matthias Ulmer schon vor Stunden (in Kommentar Nr. 17) für mich erledigt - richtig und vollständig. (Vielen Dank, lieber Herr Ulmer, für Ihre Übersetzung!) Es ist mir, zugegeben, etwas peinlich, dass erst ein Verleger eingreifen muss, um klar zu machen, was ein Journalist sagen wollte. Nun ja, geschrieben ist geschrieben. Nächstes Mal wieder deutlicher, versprochen!

In der Sache kann ich Ihnen leider nicht entgegenkommen. Denn ich habe meine Meinung (die Sie nun bei Ulmer zur Kenntnis nehmen können) nicht - wie oben in ein paar besonders wütenden Momenten gemutmaßt wird - geschrieben, um ein großes Verbandsmitglied in Schutz zu nehmen. (Das Börsenblatt verdient übrigens kein Geld mit Thalia, im Gegenteil!) Ich habe sie auch nicht geschrieben, um demnächst bei diesem Verbandsmitglied Pressesprecher zu werden, wie ein Scherzkeks anzuregen beliebt (by the way, die haben eben erst eine ziemlich gute Pressesprecherin eingekauft).

Vielmehr möchte ich Ihnen allen vorschlagen, dass wir über die Mächtigen am Markt nicht in der gehabt ressentimentgeladenen Weise nachdenken, die sich in vielen der oben stehenden Texte abermals zu erkennen gibt.

Mein Plädoyer, seit ich für das Börsenblatt arbeite, nimmt schon langsam die Gestalt einer Endlosschleife an: Leute, lernt von dem, was die hoch professionalisierten Betriebe am Markt gut machen! Das ist für die eigene Sache erheblich vorteilhafter, als zu schimpfen über das, was die Großen schlecht (oder jedenfalls unsympathisch) machen.

Sie alle haben auf Dauer nichts von einem Fachblatt (nicht einmal von einem, das manch einer noch zuerst als Organ des Verbandes sehen möchten), das nur die Erwartungen bedient. Wir könnten es uns beim Börsenblatt durchaus etwas bequemer machen, indem wir Kommentare wie jetzt den meinigen, die absehbar erhebliche Proteste provozieren, unaufgeschrieben ließen. "Si tacuisses", wie mir oben jemand ins Stammbuch schreibt. (Dabei bin ich gar kein Philosoph, kann also auch keiner bleiben wollen.)

Aber das brächte die Branche keine Deut über das Dampfablassen hinaus. Wut mag gesund sein, eine Strategie ist sie nicht. Man fühlt sich nach gehabter Wut für ein paar Stunden besser, aber am nächsten Morgen ist die Erleichterung schon wieder weg, die Probleme hingegen sind geblieben. Wir beim Börsenblatt sind dazu da, uns in der Nähe der Probleme aufzuhalten. An Gesinnungspublizistik mangelt es auch ohne unser Zutun nicht. Die Anregung einiger, aus Anlass der nun stattfindenden Debatte mal wieder und möglichst konkret den Themenkreis Marktmacht, Konditionenschraube etc. zu betreten, will ich gern aufgreifen.

Der Bericht der Süddeutschen Zeitung zeichnet ein Bild vom Thalia-Buchhandel, das jedem, der sich die Bereitschaft hinzuschauen erhalten hat, grotesk unzutreffend erscheinen muss. Ob Busch nun liest oder nicht - so what!? Hauptsache, seine Buchhändler lesen, und ich kenne einige von ihnen, die das mit großer Leidenschaft tun. An der Spitze solch eines großen Handelsunternehmens ist möglicherweise ein zur Illusionslosigkeit begabter Manager, der die Herausforderungen des Handels etwas abstrakter sieht, effektiver als ein Herzblutleser und Kulturüberzeugungstäter. Niemand, der das zu denken sich erdreistet, ignoriert deshalb gleich den wesentlichen Unterschied zwischen Schokoriegeln und Atemschaukeln.

Zurück zum corpus delicti: Viel, viel besser wird die Geschichte des preisgekrönten SZ-Reporters in ihrer zweiten Hälfte, in der es um die Konditionen und, mehr noch, um das Benehmen eines Marktteilnehmers geht, der vor lauter Macht bisweilen den guten Ton vermissen lässt und die Fairness. Auch das steht, wenngleich offenbar zu undeutlich, in meinem Kommentar.

So. Jetzt ist es viel zu lang und viel zu ausführlich um meine Schreiberei gegangen. Um sie geht es aber in Wahrheit nicht. Stattdessen geht es um die Zukunftsfrage, ob unsere Branche dem Filialbuchhandel neben noblen Werthaltungen auch eine Handelsprofessionalität entgegensetzen kann, die dem besorgniserregenden Strukturwandel Einhalt gebietet. Falls nicht, würde übrigens nicht nur, aber auch das Börsenblatt in Schwierigkeiten kommen.

Aber ich würde selbst dann nicht Thalia-Pressesprecher, auch das sei versprochen!

45. Jörg Jahn-Meyer 22.10.2009 01:12h

@ 44.

---„Mein Plädoyer, seit ich für das Börsenblatt arbeite, nimmt schon langsam die Gestalt einer Endlosschleife an: Leute, lernt von dem, was die hoch professionalisierten Betriebe am Markt gut machen!“---

…die hochprofessionalisierten Betriebe haben auch andere Konditionen und andere „Hofeinfahrten“. Und… wenn hochprofessionalisierte Betriebe bestehen? Wer sind dann die anderen???

---„Es ist mir, zugegeben, etwas peinlich, dass erst ein Verleger eingreifen muss, um klar zu machen, was ein Journalist sagen wollte. Nun ja, geschrieben ist geschrieben. Nächstes Mal wieder deutlicher, versprochen!“---

Das sollte wirklich peinlich sein!

---„Das Börsenblatt verdient übrigens kein Geld mit Thalia, im Gegenteil“---

Das Gegenteil würde bedeuten, das die Muse mit Böbla Miese macht

---„Vielmehr möchte ich Ihnen allen vorschlagen, dass wir über die Mächtigen am Markt nicht in der gehabt ressentimentgeladenen Weise nachdenken, die sich in vielen der oben stehenden Texte abermals zu erkennen gibt.“---

Robin Hood, Robin Hood reitet durch die Lande. Voller Stolz und Übermut folgt ihm seine Bande. Es fuerchten ihn die Boesen, die Guten sind ihm gut! Robin Hood, Robin Hood, Robin Hood

---„Man fühlt sich nach gehabter Wut für ein paar Stunden besser, aber am nächsten Morgen ist die Erleichterung schon wieder weg, die Probleme hingegen sind geblieben.“---

Die Ursache jedoch auch!

46. Katrin Ahnemann 22.10.2009 08:41h

Dass Thalia das Bücherverkaufen professionalisiert hat, ist eine Beleidigung jeden Buchhändlers.

47. Buchboy 22.10.2009 09:53h

Liebe Kollegen...
Aufregung und Empörung sind groß und auch verständlich.
Die Expansion der Großen beutelt die Branche schon seit Jahren..
Doch die Großen werden letztlich schrumpfen.... Warum das so ist?
Nun ja, die Regularien und Gesetze des Marktes gelten für Internationale Großkonzerne ebenso wie für Thalia!
D.h., wo kein Konsument kauft, da kommt kein Geld in die Kasse. Und dann? Das braucht man nicht weiter auszuführen....
Der (Buch)Einzelhandel hängt mehr denn andere Branchen an der (Kauf)Laune des Konsumenten. Und 4000 nun arbeitslose Konsumenten von Quelle und 10000 (womöglich) bald arbeitslose Konsumenten der Bahn dürften andere Probleme haben als Bücher kaufen!
Und das ist erst der Anfang. Der Handel geht eisigen Zeiten entgegen!
Dies wird auch an Thalia bzw. am Douglas Konzern nicht vorübergehen. Die Kosten (und nicht nur Personal) sind da. Und sie lassen sich nicht so schnell verscheuchen.
Vermutlich wird es Thalia wie anderen Branchengrößen ergehen. Der Druck des Marktes reguliert die Expansion, was sich letztlich in (noch)mehr Filialschließungen bemerkbar machen wird. Und im Ergebnis wird der "Große" dann doch wieder auf ein vernünftig Maß zurechtgestutzt.

48. Jane Eyre 22.10.2009 11:57h

Auch die zweite Version von Herrn Casimir bleibt doch schwammig. Was meint er mit mit hochprofessionellen Betrieben? Gegen Professionalität ist ja grundsätzlich nix einzuwenden, aber wenn das auf Kosten von anderen, wie Verlagen und Mitarbeitern geht, finde ich das ehrlich gesagt zum Kotzen. Denn nicht nur beim Bücherverkaufen ist die dummdreist-stumpfe Vereinheitlichung auf dem Vormarsch, sondern auch die Thalia-Buchhändler werden geistig durch den Fleischwolf gedreht. Was die alles für tolle Verkaufsseminare machen, Zusatzkäufe generieren oder Sprüchlein im Umgang mit den Kunden lernen müssen, da macht es dann wirklich keinen Unterschied mehr, ob man Schokolade, ein dämliches Parfüm oder einen Ratgeber verkauft. Ich finde, in den Filialen selbst spielt sich eine menschliche Tragödie ab. Menschen werden zu Robotern trainiert.

49. manfredf kessler 22.10.2009 11:58h

neulich war ich in pforzheim bei thalia, vom hohen lauten stapel bis zum stillen örtchen lieblos geführt. immer mehr menschen werden merken, dass thalia ohne liebe zum buch ist und es werden wieder neue, gepflegte buchläden mit niveau entstehen in gegenden wo thalia alles platt gemacht hatte. die sz schreibt doch nur was jeder insider längst weiss, aufregung über diesen artikel ist völlig fehl am platz.

50. glanzundelend 22.10.2009 12:04h www.glanzundelend.de

Ich darf In diesem Zusammenhang den Börsenverein zitieren:
"Der Verband und seine Aufgaben

Bücher befördern Ideen. Sie sind unverzichtbar für die Entwicklung unserer Gesellschaft und deren Ideale. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützt diese Entwicklung durch sein Engagement für den deutschen Buchmarkt und für die freie Verbreitung des geschriebenen Wortes. Mit der wirtschaftspolitischen Arbeit für das Buch ist untrennbar ein kultureller Auftrag verbunden."
... freie Verbreitung... kultureller Auftrag... so so...

51. Beate Laufer-Johannes 22.10.2009 13:45h

Thalia ist hochprofessionell? Und wir anderen wurschteln uns wohl so durch oder was?
Das Gegenteil ist der Fall: Kunden kommen zu uns "Kleinen", weil sie mit ihren zahlreichen Sonderwünschen bei den "Großen" abblitzen! Wer bestellt denn bereitwillig auch kleinste Mengen bei den exotischsten Verlagen? Doch wohl kaum Thalia, sonst müssten die Kunden nicht zu uns kommen.

52. katja splichal 22.10.2009 14:27h

Wissen Sie, Herr Casimir, dafür, dass Ihren ach so verschwurbelten, verkausulierten und auch sonst absolut daneben weil ja auch viel zu kurz geratenen Artikel niemand verstanden hat, regen sich über seinen Inhalt doch eine Menge kluger Leute auf - anyway.

Frage in die Runde, denn ich glaube geschimpft ist nun genug:
Wie kann es sein, dass in gut und gerne 5000 den casimirschen Kommentar kommentierenden Worten mit keinem (abgesehen von der Supermarktplakatwand-Aktion..) eine Diskussion eingeleitet wird, wie eine gemeinschaftliche Lösung der sich auftuenden Misere zu gestalten wäre?
Wie geht es an, dass Sie alle offensichtlich eine weitestgehend einheitliche Meinung, ein gemeinsames Problem und eine wachsende Dringlichkeit bzgl. diesem haben, eine solche Plattform aber lediglich als Kummerkasten nutzen?
Statt tatsächlich mal in Aktion zu treten stellen sich die feindlichen Diskutanten heulend an den Rand der Buddelkiste und trauern ihrer geklauten Schippe nach.
Schimpfen auf einen Kommentator ist ja auch viel einfacher, als sich den Kopf zu zerbrechen, wie Sie Ihr heiliges Buch (und all jene, die das eigentlich gar nicht verdienen) retten können.
Gerade kleinen Verlagen stehen heute ganz andere Möglichkeiten offen, z.B. das Internet zu nutzen um ihre potentiellen Leser zu erreichen und dafür (leider ist das wohl so) braucht es viele kleine Buchhandlungen dann eben nicht mehr -- ich mochte die kleine dicke Frau aus dem Laden an der Ecke auch sehr gerne, weil sie mir schon als ich noch ganz klein war imer ein Bonbon extra zugesteckt hat.. dann kam Penny, dann kam Rewe und naja - jetzt schenkt mir keiner mehr Bonbons aber das Sortiment ist ungleich größer...

Dieser Kladder mit der Vielfalt -- prima und schön, wirklich, Kulturgut und so weiter aber mal im Ernst - wie viele Neuerscheinungen pro Jahr denn noch??

Auch diese Debatte wird wieder verpuffen, weil nicht geändert sondern gemeckert wird.

53. Stefan Weidle 22.10.2009 14:41h kurt-wolff-stiftung.de

@Katja Splichal
Ich hatte durchaus einen konkreten Vorschlag unterbreitet, nämlich die unabhängigen Buchhandlungen staatlich zu fördern, wie das in Frankreich geschieht. Als Kurt Wolff Stiftung (bin im Vorstand) habe ich diesen Vorschlag bereits einigen Politikern unterbreitet und bin auf Verständnis und Interesse gestoßen. Jeder kann sich für diese Initiative einsetzen, in der Öffentlichkeit, in seiner Buchhandlung, bei Entscheidungsträgern. Dies scheint mir der einzige Weg, die Vielfalt im Buchhandel zu erhalten. Mit dem zehntletzten unabhängigen Buchhändler nämlich stirbt der letzte unabhängige Verlag.

54. katja splichal 22.10.2009 14:50h

Von einer staatlichen Förderung halte ich nicht viel, ehrlich gesagt - unser Staat hat andere, wesentlichere Problem- bzw. Aufgabenstellungen als die Rettung des Buches!

"Jeder kann sich für diese Initiative einsetzen, in der Öffentlichkeit, in seiner Buchhandlung, bei Entscheidungsträgern."
Das sollen die Buchhändler doch bitte tun. Organisiert und transparent.

55. Susanne Meinel, Börsenverein - Landesverband NRW 22.10.2009 14:59h http://www.boersenverein.de/de/nordrhein_westfalen /echt_und_gut/344470

Genau da setzen wir mit unserer neuen Buchhandelskampagne "echt & gut" an, die auf der Messe präsentiert wurde. In NRW starten wir damit Anfang kommenden Jahres, andere Bundesländer werden sicher mitmachen, wenn es bei uns gut anläuft. Details unter der angegebenen URL!

56. independent-Vertreter 22.10.2009 16:12h

Natürlich kann ich meinen Namen nicht nennen, weil sonst die 10 meiner 30 vertretenen Verlage auch nicht mehr bestellt werden. Ich wurde sogar gerügt, weil ich es wagte, eine Vorschau eines "nicht gelisteten Verlages" dem Vorschauversand beizulegen. Einen arglosen Thalia-Mitarbeiter auf interessante Bücher hinzuweisen ist ja auch sehr hinterlistig und bösartig. Versehentlich könnte er bestellen....

57. Direktor 22.10.2009 16:54h

Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Kommentare drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan, Und keinen Tag soll man verpassen,
Das Mögliche soll der Entschluß
Beherzt sogleich beim Schopfe fassen.

58. Dennis Schmolk 22.10.2009 17:35h http://www.anouphagos.com/

Vielleicht führt die Debatte ja tatsächlich zu konstruktiven Folgen - etwa zur überfälligen Solidarisierung von verlagen. Und vielleicht kannman ja auch die Thalia-Konkurrenz aus dem Handel ins Boot holen. Sich über die Amoralität einer Wirtschaft oder ihrer Akteure zu echauffieren ist jedenfalls nicht konstruktiv. Der kapitalismus scheint in der Buchbranche angekommen - und vielleicht denkt man künftig auch bei den Idealisten der Branche etwas kapitalistischer, damit keine gutgemeinten Flops wie 32 verkaufte eBooks einer Onlineplattform je Monat herauskommen.

59. Pete Scholl-Lateur 23.10.2009 10:21h

Herr Busch hat mir schon vor 10 Jahren gesagt, sein Lieblingsbuch sei "Die Kunst des Krieges" von Sunzi.
Seine Offiziersausbildung zusammen mit Henning Kreke, heute Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding, hat offensichtlich Spuren hinterlassen.

60. Ärztebär 23.10.2009 23:20h

Unglaublich, was ich als selbständiger Buchhändler hier für einen Mist lesen kann...?! Wir, d.h. Verlage und Buchhandlungen sind doch längst organisiert, in einem riesen grossen Verein (mit Landesverbänden), Börsenverein genannt...?! Tja, leider hat der Verein versagt, Freund Casimir ist ja nur eine lächerliche Bestätigung...!? Und die BAG ist pleite, soviel zum Thema freie Marktwirtschaft...!? Aber der Börsenverein kann ja in Zukunft noch von den Profis (Thalia, DBH, Mayersche) lernen...?!

61. Voltaire 24.10.2009 01:16h

Laßt es mich in aller Vulgarität auf meiner Zunge zerlaufen. Ihr seid doch alle bekloppt! Es wird geredet jedoch nicht gehandelt. Man sollte, man könnte, ihr könnt nicht. Impotente Vereinsmeierei mit Großmäuligkeit gepaart, das findet man hier. Wenn ihr Euch organisieren wollt, dann tut es und findet nicht immer wieder Schlupflöcher der individuellen Verwirklichung, Ausreden aus dem persönlichen Dilemma. Ich hätte, ich könnte, ich wollte... Ich sehe nur Opfer, arme, unschuldige Lämmer, die bedingungslos zur Schlachtbank geführt werden. Und wo sind die innovativen Geister? Wo die, die Ideen gegen diesen Moloch haben? Nicht hier beim Börsenblatt um jammernd zu kommentieren. Ja, genau, auch ich bin hier richtig und zugleich falsch. Diese Gesiter haben genug zu tun.
Also hört auf zu heulen und bekommt Euren Arsch hoch!!!!! Und schiebt nicht die Schuld den kleinen Geistern beim Börsenblatt in die Schuhe.

62. aerztebaer 25.10.2009 23:58h

tja, selbst voltaire hat in nr. 61 nicht verstanden, worum es wirklich geht...traurig (ich empfehle entweder nen branchenwechsel oder aber die kugel, mein gott, wie alt bist du und hast noch immer nichts verstanden, peinlich peinlich peinlich ...?! aber mit der zeit...!?

63. Meinolf Reul 29.10.2009 15:29h http://www.monnier-beach.de

Der SZ-Artikel ist hervorragend. Selbst dann, wenn er (manchen Lesern) nichts Neues bringt, wirkt die konzentrierte Information, pünktlich zur Buchmesse lanciert, aufklärend und aufrüttelnd.
Als konkreten Vorschlag zur allseits erwünschten Aufrechterhaltung der Vielfalt an Büchern und Buchmenschen, empfehle ich meinen Buchhandels-Kollegen, jeden Tag ein Buch eines unabhängigen Verlags beim jeweiligen Zwischenbuchhändler zu bestellen. Der sieht dann, daß die Sachen gefragt werden und wird sie auch künftig in seiner Einkaufsliste behalten, und die Kunden bekommen eine Ahnung, was es alles Gutes gibt.
Mit Peter Handke zu sprechen: "Ich bin aus der Leidensform getreten, ich bin aktiv geworden." Und dies zunächst grammatikalisch gemeinte "ich" darf man ruhig persönlich umdeuten.
Kopf hoch! Weitermachen!

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