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Michael Roesler-GraichenMichael Roesler-Graichen© Nicole Hoehne

22.10.2009Kommentar

libreka!: Bigottes Trauerspiel

Es gibt Branchenteilnehmer, die keine Träne vergössen oder sogar klammheimliche Freude empfänden, wenn libreka! eines Tages still und leise beer­digt würde. Auf den Kranzschleifen stünden dann allerlei bigotte Beileidsbekundungen, die noch einmal den gemeinsamen Geist beschwörten, aus dem dieses Volltextprojekt geboren wurde. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

In Wahrheit würde jedoch auch der Branchenkonsens zu Grabe getragen, der libreka! erst möglich gemacht hat. So weit der Konjunktiv. Der Indikativ lautet: Der Branchenkonsens bröckelt, und es gibt nicht nur anonyme Heckenschützen, die libreka! gezielt in Verruf bringen wollen. Kon­struktive Kritik an der Branchenplattform will niemand verhindern. Über Schwachpunkte muss gesprochen werden. Aber auch die erreichten Erfolge können sich sehen lassen.

In Vergessenheit scheint der ursprüngliche Zweck geraten zu sein, zu dem libreka! ins Leben gerufen wurde: als unabhängige Volltextplattform, die Verlagen und vor allem kleineren Buchhandlungen den Zugang in den
E-Commerce ermöglichen sollte. Neben Titelmarketing und Volltextrecherche ist die Teilhabe am E-Book-Handel dabei nur ein Element. Und jeder, der sich mit dem E-Book-Markt in Deutschland beschäftigt, weiß, wie bescheiden die Downloadzahlen und Umsätze derzeit noch sind. Man kann sich über die Doppelmoral der Branche nur wundern: Wenn es darum geht, Monopolisten wie Google oder Amazon die Stirn zu bieten, wird libreka! gern zitiert. Wenn die Plattform jedoch ihre Aktivitäten entfalten soll, werden die Büchsen gespannt.

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Schlagworte:
libreka!, Kommentar

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4 Kommentar/e

1. bezahlt? 22.10.2009 10:39h

Hört auf mit diesen dämmlichen Aussagen! Muss denn ein Brachenblatt dauernd kommentieren? In jedem Kommentar wird durch die Nennung der Grossen "Werbung für die Grossen" gemacht. Man darf sich ernsthaft fragen, ob hier ein Bezahl-System vorliegt.

2. Anne v.Bestenbostel 22.10.2009 14:47h

"anonyme Heckenschützen"? Ist das der einzige Hinweis auf den vierseitigen Brief, der seit ACHT Tagen durch die Branche geistert, und den immer noch kein einziges Branchenmagazin online gestellt hat? Sehr mutig! Wenn sich niemand zum "Libreka ungeschminkt" Artikel äußert, dann bekommt der Heckenschützen-Autor in seinem "Kritik ist unerwünscht" Punkt ja schon mal recht.

3. Thomas Holste 22.10.2009 18:19h www.holste-software.de

"In Vergessenheit geraten", bzw. meiner Ansicht nach (noch?) nicht berücksichtigt, ist auch, dem Sortiment die Integration der Volltext-Anzeige (ich sage bewusst nicht "Suche") als ergänzende Informationsmöglichkeit zu bestehenden bibliographischen Systemen wie dem VLB oder in bestehende Software-Lösungen näher zu bringen. Und auch, wenn dies in VLB-Online möglich ist; ein nicht unbedeutender Teil der Branche arbeitet eben nicht damit, sondern nutzt die verschiedensten Offline-Systeme als Basis der täglichen Arbeit. Und genau hier könnte und kann Libreka als weiterführende Informationsquelle durchaus sinnvolle Arbeit leisten.

4. Dr. Reinhilde Ruprecht 23.10.2009 10:56h www.edition-ruprecht.de

Bröckelt der Branchenkonsens? Wohl nicht – daran erinnert dieser Kommentar, vielen Dank – im Hinblick auf die Bedrohung unserer Branche durch monopolistische Strukturen bei der Verbreitung digitaler Inhalte. Wir haben deshalb als Verband zusammen mit der MVB als Wirtschaftsbetrieb des Verbands einen komfortablen finanziellen Rahmen geschaffen, in dem Libreka! entwickelt werden konnte und weiter entwickelt wird. Diese Strukturen sind nicht gefährdet, wenn Zweifel, negative Erfahrungen, Ungeduld und Kritik (von Aktualität und Angebot über ePub-Konvertierungen, iPhone, Sortimentseinbindung bis zum ausbleibenden Zahlungseingang) ausgesprochen werden. Was in „Libreka! ungeschminkt“ zusammengestellt ist, informell auf der Buchmesse ausgetauscht wurde, als Zuschrift auf Börsenblatt online hier oder anderswo steht, oder auch in Gremien des Börsenvereins besprochen wird, gefährdet den Branchenkonsens nur dann, wenn es nicht in die Diskussion eingebunden wird.

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