Sortiment
Dieter Wallenfels© Jürgen Bauer
Michael Fürtjes© Andreas Woitschützke
Christian Riethmüller© Horst Rudel
Dietrich zu Klampen© Martin Steiner
Stefan Könemann© Werner Gabriel
Klaus-Peter Winters© Tobias Bohm
22.10.2009Umfrage
Thalia-Artikel in der "SZ": Ein Weckruf - oder völlig daneben?
Dieter Wallenfels, Preisbindungstreuhänder
"Der Artikel spricht die Rabattspreizung ja sehr ungeniert an. Alle Akteure mit Marktmacht lassen hier die Muskeln spielen, der eine diplomatischer, der andere ruppiger. Ich hoffe, dass die Verlage jetzt eher dazu bereit sind, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, Regeln zu finden, die diese Aus-wüchse beschneiden. Und dass dieses Umdenken auch die AG voranbringt, die beim Börsenverein gerade eine Konkretisierung der Vorgaben des Preisbindungsgesetzes zu den Konditionen erarbeitet – immer mit dem Ziel des Gesetzes im Blick: Erhalt der Vielfalt im Buchhandel."
Michael Fürtjes, LG Buch
"In vier Wochen ist der Beitrag vermutlich vergessen. Thalia wird die Geschäftspolitik nicht ändern, der Kunde weiter dort einkaufen. Anzunehmen, dass Verlage sich jetzt auf eine gemeinsame Strategie verständigen, wäre naiv. Dazu haben sie jahrelang Zeit und Gelegenheit gehabt. Wenn ein solcher Text ohne Folgen bleibt, sagt auch das etwas aus über unsere Branche, über die Wirkkraft des ge-schriebenen Wortes. Die Zuspitzung auf Herrn Busch finde ich fragwürdig. Das The-ma verlangt keine Stilisierung eines Antihelden, sondern intelligente Ideen jenseits festgefahrener Fronten."
Christian Riethmüller, Osiander
"Ich finde diesen Artikel eine bodenlose Frechheit. Wenn die Schwierigkeiten der Branche auf ein einziges Unternehmen, ja auf eine einzelne Person redu-ziert werden, wird die Problematik vollkommen verkannt. Was uns zu schaffen macht, sind der Strukturwandel und die Digitalisierung. Es sind auch Unternehmen wie Google, E-Bay, Amazon & Co., die mit uns in starken Wettbewerb getreten sind. Nicht allein Thalia. Ich hoffe nicht, dass der Buchhandel jetzt den Fehler macht, sich zu freuen."
Dietrich zu Klampen, zu Klampen Verlag
"Der Text macht anschaulich, was wir nicht nur wissen, sondern auch spüren – in diesem Jahr besonders hart. Die Übermacht der Filia-listen führt dazu, dass Bücher kleinerer Ver-lage nicht mehr vor-gestellt werden dürfen und den Kunden nicht mehr gezeigt werden. Dieser Artikel ist wie ein Weckruf. Mancher Verlag wird aus süßen Träumen gerissen angesichts der harten Realität."
Lorenz Borsche, eBuch
"Ich hoffe. Bislang wurde ja nicht öffentlich darüber gesprochen, nun aber hat jeder Verlag gemerkt, dass er nicht der einzige ist, der sich hohen Konditionenforderungen ausgesetzt sieht. Mein Vorschlag: Verlage sollten sich eine gemeinsame Haltung zu eigen machen und, jeder für sich, sagen: Bei 50 Prozent Rabatt ist Schluss! Und wenn 50 Verlage zusammengekommen sind, sollten sie es in einer Anzeige im Börsenblatt kundtun."
Stefan Könemann, Könemann
"Natürlich wird der Text Folgen haben. Wenn ein solches Medium etwas dokumentiert, dann kann man sicher sein, dass viele Entscheider den Text lesen. Der Imageschaden für Thalia dürfte deshalb nicht unerheblich sein, sowohl außerhalb als auch innerhalb der Branche. Dass das Management langfristig von seiner Linie abweicht, damit rechne ich aber nicht."
Elisabeth Ruge, Berlin Verlag
"Ich hoffe, dass wieder mehr miteinander ge- und besprochen wird."
Karl-Peter Winters, Verlag Dr. Otto Schmidt
"Die Grenzen der Preisbindung müssen von allen eingehalten werden, und es darf nicht sein, dass sich einzelne Branchenteilnehmer direkte oder indirekte Vorteile verschaffen, die mit der Preisbindung nicht vereinbar sind. Ich teile zudem die Sorge vieler Verlage, dass die Konzentration im Handel auf Dauer ein Problem für sie ist. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass ein flott und hämisch geschriebener Artikel wie der der ›Süddeutschen Zeitung‹ der Ernsthaftigkeit der Sache nicht förderlich ist."
Klaus-Peter Stegen, Oetinger
"Der mit geschlossenem Visier durchgeführte und dazu noch persönliche Angriff ist stillos, polarisierend und dabei absolut einseitig. Der Artikel bringt aber auch ein Branchenproblem zur Sprache: die Schmerzgrenzen der Verlage. Dabei geht es aber nicht um Thalia, sondern um die Konditionengestaltung und ihre Auswirkung. Wenn überhaupt, müsste es ein Hearing geben, bei dem Verlage überlegen, wie man mit dem Problem umgehen kann. Dass Verlage aber zu einer gemeinsamen Haltung finden können, wage ich zu bezweifeln."
Klaus Kluge, Lübbe
"Thalia ist der größte Buchhändler. Da liegt es auf der Hand, dass er mit hohen Erwartungen an die Lieferanten herantritt. Man darf die Diskussion nicht auf die Frage der Grundkonditionen verengen, sondern muss zugleich die Leistungen sehen, die Thalia erbringt. Für Lübbe kann ich nur sagen: Die Ziele, die wir hinsichtlich Marktanteil und Umsatz haben, werden von Thalia mitgetragen. Natürlich sind die Rabatterwartungen hoch, aber die Leistungsbereitschaft ist es auch. Kritisch wäre, wenn unsere Deckungsbeiträge ins Negative rutschen würden – dann hätten wir Gesprächsbedarf. Als Problem für uns könnten sich zentrale Warenlager beim Kunden entwickeln, wo eine Rechnungstellung erst erfolgt, wenn der Kunde unsere Bücher von dort aus in seine Filialen bringt. Da haben wir hohe Aufwände, zumal wenn die Zahl solcher Lager noch zunimmt."
- 22.10.2009
- Kommentare: Thalia: Höchtens die halbe Wahrheit
- 21.10.2009
- Kommentar: Thalia: Höchstens die halbe Wahrheit



1. Daniel Lehmann 22.10.2009 14:54h
Mit Bezug zum letzten Kommentar, aber auch als Fazit zum Ganzen: ich höre immer Leistungsbereitschaft, Leistungsbereitschaft - kann mir mal jemand erklären worin die bei den Filialisten besteht, abgesehen vielleicht von mehr Kosteneffizienz in puncto Verwaltung? Schon mal dort einkaufen gegangen? Schon mal die Tiefen der Staffelung ausgelotet? Das sind doch alles die allfälligen "Entscheider"-Worthülsenfrüchte, die man uns tagtäglich verfüttert. - Im übrigen ist es unvermeidbar, daß in dieser Debatte, sagen wir faute de mieux: Ökonomen und Idealisten dauernd aneinander geraten.
Es ist aber schon viel gewonnen, wenn man endlich mal wieder von dem nachgerade fetischisierten E-book, das uns allen Wunder welch neue Segnungen an superduper Geschäftsmodellen bringen soll, auf die aktuelle Situation aller Verlage und des unabhängigen Buchhandels schaut.
- Was ist eigentlich aus der wirklich guten Idee von Herrn Groothuis, ich glaube vom letzten Jahr, geworden, mehr für das Buch als solches zu tun, in Form einer konzertierten Kampagne? Daß Lesen sexy ist, muß man den Leuten wieder vermitteln. Und daß Bücher ihren Preis haben müssen, wenn was Ordentliches bei rauskommen soll, das verlohnt, zwischen zwei Buchdeckel gebunden zu werden. Und daß man Duftöle und andere Mätzchen besser im Fachgeschäft und nicht beim Buchhändler kauft.
2. hegel 22.10.2009 15:47h
Leistungsbereitschaft in puncto Kosteneffizienz ist aber nun mal ein Knackpunkt im verbreitenden Buchhandel. Effizienz heißt hier selbstverständlich Berechenbarkeit. Und die hat immer zwei Seiten...
3. Franz wanner 22.10.2009 16:09h
Die Entrüstung ist tatsächlich überall, nun auch bei den Verlagen...
Aber alle Noblesse täuscht nicht über Scheinheiligkeit, sie illustriert sie nur! Man solle mehr miteinander reden, nur eben nicht so... Wozu Marktmacht, wenn man sie nicht benutzt? Und auch die Frage, ob denn der Händler das Produkt schafft oder gar den Markt? Oder gibt es bei den Verlagen kein Vertrauen in das eigene Produkt mehr? Ist Produktqualität schon nachrangig zur Allgegenwärtigkeit? Der Lebenszyklus auf wenige Tage begrenzt?
Mal so gesagt, die Preisfestsetzung und der Vertriebsweg wird vom Verlag festgelegt, der Leistungslohn für den Vertriebsweg auch. Aber vielleicht wurde endgültig Leistung von Masse ersetzt. Wenn Großabnehmer mehr Entgelt erhalten, weil höhere Stückzahl höhere Summen ergeben, ist dies o.k, wenn sie aber besseren Lohn erhalten, bezahlt dies nicht der Verlag, sondern ist ein Verzicht des kleineren Kunden... wenn auch kein freiwilliger!
Und mal ehrlich, ohne diese Zuspitzung, diesen Schlag in die Magengrube, würde niemand miteinander reden, nur verständnisvoll säuseln, die Zeiten waren schon immer hart. Ist das nun ehrlich oder lächerlich?
4. Daniel Lehmann 22.10.2009 16:13h
Und da sie die beiden Seiten ansprechen, könnten Sie das bitte näher ausführen? So ist's doch etwas orakulös-sibyllinisch.
Fragt und grüßt den hegel,
DL
5. Laudan 22.10.2009 16:53h
Ich halte es mit der Weckruf-Aussage - oder besser, der Hoffnung, dass vielleicht hier und da jemand wach wird. Der SZ-Artikel ist in meinen Augen weder polemisch noch hämisch. Er spricht nur Klartext - dabei taucht nicht mal das Wort Mafiapraktiken auf - in einer Sachlage, über die der umworbene Endkunde seit Jahren lieber im Dunkeln gelassen wird, zumindest laut dem bisherigen Kurs der Branchenmedien und Erfolgsmesser. Harmoniestreben nach dem Mythos "Qualität setzt sich immer irgendwie durch". Warenwirtschaftssysteme und Wer-Präsenz-will-muss-zahlen-Praktiken sind in unserer Branche nicht neu, aber es scheint, dass sich doch allmählich etwas breiterer Widerspruch regt. Ist der Wunsch nach einer über die Bestsellerlisten hinausgehenden, vielfältigeren Lektürepalette ein allgemeines Bedürfnis oder nur das Gejammer der weniger Erfolgreichen? Aktuell wird beklagt, dass niemand mehr Buchhändler lernen will - aber wen wundert das? Wenn unwidersprochen alles eingeht, was sich noch einen Kulturauftrag auf die Fahne schreibt, dann ist die Branche erfolgreich durchökonomisiert. Es liegt auf der Hand, dass manche der oben zitierten Herrschaften nichts dagegen hätten. Aber wer möchte in einer solchen Kulturlandschaft Kinder großziehen?
6. hegel 22.10.2009 16:59h
@Daniel Lehmann (#4)
Berechenbarkeit ist im wirtschaftlichen Sinne durchaus erstrebenswert, im inhaltlichen Sinne eher langweilig und, wenn dann Überraschungen fehlen, zum Beispiel aus Kundensicht unerfreulich.
Mein Eindruck von einigen Buchhandlungen ist, dass sie aus Unvermögen oder mangelnder Bereitschaft nicht ausreichend auf Effizienz Wert legen. (Ich mag mich täuschen.)
7. Albert Knorr 22.10.2009 20:25h http://www.albert-knorr.com
Bei all dem Gejammer über eigene Befindlichkeiten, vergessen wohl einige, wer am Ende die Zeche zu zahlen hat: die Leser.
Wenn ein neuer Brown heute 26 EUR kostet, dann ist das für den Verlag mehr als nur kostendeckend. Insofern ist die Haltung von Klaus K. (Lübbe) durchaus verständlich. Bei 50% Abzügen bleibt ihm immer noch mehr als genug.
Fraglich ist allerdings, wie preiselastisch sich die Nachfrage erweisen wird. Wenn Bücher durch die Preispolitik für breite Bevölkerungsschichten zu Luxusgütern werden, dann wird man entweder mit dem Lesen aufhören oder sich als Leser direkt an den Produzenten wenden. Ich hoffe auf Letzteres ;-)
liebe Grüße aus Wien
Albert
(der mit den Leseratten)
8. minileser 22.10.2009 23:34h
Ich habe einen Beruf gelernt: Buchhändlerin.
Meine Chefin( kleinere Buchhandlung ) hat immer betont, das in dieser Bezeichung zwei Dinge genau benannt werden:
WAS TUE ICH? - handeln, ich bin ein Kaufmann und muss meine Kosten kalkulieren, meinen Gewinn berechnen und die für mich besten Konditionen erreichen.
Zudem noch unter der Prämisse, das hunderte andere den gleichen Endpreis haben.
MIT WAS HANDLE ICH? Mit Büchern. Unter anderem ( neben Postkarten, Spielen, Hörbüchern, ...)
Ja, Bücher sind ein Teil der Kultur in der wir leben, neben 'Zeitungen, Fernsehen, Theater, 'Internet, Kunstausstellungen...ein Teil, nicht DER Teil, der sich als einziger vor wirtschaftlichem Denken, Gewinn und Profit entsagen kann.
Von daher erstaunt es mich immer wieder, wie der simple Fakt, das ein Unternehmen, gleich wie groß, das gewinnorientiert und marktorientiert denkt im Buchhandel immer dargestellt wird wie ein monströses, verachtenswertes Wesen.
Ja, Bücher sind wunderbar und vermitteln eine Menge. Wissen, Vergnügen, Stimmungen.
Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, das wir ein Produkt verkaufen. Das wir einen kaufmännischen Beruf gelernt haben ( ich zumindest musste auch in meiner Ausbildung und später auch in liebevoll geführten Inhaberbuchhandlungen meinen Chefs eine ordentlich kalkulierte Einkaufsliste vorlegen und war froh, das ich mal Kalkulation und Buchhaltung gelernt habe ).
Es ist immer leicht, andere schlecht zu machen.
Merkwürdig wird es, wenn diese anderen erfolgreich sind.
Aber wer weiß, vielleicht irren sich die Kunden dieser erfolgreichen 'Unternehmen ja auch alle nur und wollten eigentloich woanders hin....
9. beobachter 23.10.2009 07:56h
Natürlich. Der Artikel in der SZ ist polemisch. Na und? Es ist die Aufgabe und das Recht eines Journalisten, polemisch zu sein. Der Tod des freidenkenden Journalismus ist das nichtssagende Geschwätz eines Herrn Casimir, der, um bloß nicht anzuecken, unverständliche Allgemeinplätze von sich gibt. Die Arroganz der Macht, mit der Thalia seine Rabattpolitik betreibt muß auch im Zusammenhang mit der Untergrabung der Preisbindung gesehen werden. Zur Zeit werden die Kunden bei Thalia doch mit Onlinegutscheinen zugeschüttet, was indirekt ein Verstoß gegen die Preisbindung ist. Apropos, glaubt hier einer ernsthaft, ein Konzern wie Thalia sei ernsthaft an der Preisbindung interessiert? Nach außen läßt man sich gerne als Retter des Kulturguts Buch feiern, doch Vorsicht - es ist wie im Fußball, wenn der Vereinspräsident eines Vereins sich in der Öffentlichkeit zu seinem Trainer bekennt, dann sind dessen Tage bereits gezählt.
10. Franz wanner 23.10.2009 10:03h
Wie langweilig kultiviert kann man denn noch mit Fatalismus umgehen? Realitäten festzustellen oder zu ignorieren, entheben nicht der Frage, ob etwas geändert werden muß.Ein "vielleicht" ist die jämmerliche Antwort, für die ich nicht mal Mitleid habe, sowohl "ja" wie auch "nein" sind aber völlig in Ordnung.
Meine persönliche Haltung: Die Dominanz des Preiswettbewerbs ist heute nicht zu leugnen, Qualität und Leistung vorausgesetzte Nebensächlichlichkeiten, erwartet zum Mulltarif. Wenn ich nun den Endverbraucher durch gesetzlichen Festpreis schütze (warum ist hier völlig egal), dann verlagere ich den Markt nach innen, sage ich ja zum Preiskampf in einem Markt "ohne" oder mit "fixiertem" Absatz. Dann darf ich doch gern jede individuelle Rabattübereinkunft als kartellrechtliche Absprache ansehen, als Wettbewerbsverzerrung. (Man mag mir nicht von Lager- und Logistikkosten schwafeln, denn volle oder leere Lager kosten gleich und Logistik kann berechnet werden... die Erstauflage sollte schon durchfinanziert sein oder wird verramscht) Erst wenn der Verlag einen allgemeinen Abgabepreis festschreibt, beginnt ein Qalitätswettbewerb bei den Händlern. Alles andere sind Marktmanipulationen, beabsichtigt oder nicht. Wie töricht doch, den kostenlosen Parkplatz vorm Laden als Preisbindungverstoß zu rügen, die Erlebniswelt vom Badespaß bis Kaffee oder Autorenlesungshonorar im Laden selbst aber nicht... Der Minderrabatt sponsort den Höchstrabatt.
Wird aber das Buch für wenige Großmengenabnahmen durchfinanziert, wird es praktisch verramscht, der einzelne leser interessiert nicht.
Lassen wir doch die parfümierte Selbstgefälligkeit. Umsatz und Gewinn machen den Erfolg, und wenn die nicht stimmen, dann wenigstens der Tod des Wettbewerbers.
11. Marcus Kullmann 23.10.2009 10:03h www.editionkullmann.de
Die Macht der Großen ist die Schwäche der Kleinen!
Diese Regel gilt auch im Buchhandel.
Mag man den SZ Artikel und den Kommentar des Herrn Casimir bewerten wie man will, Konditionengeschacher, Druck auf Kleine etc. sind so neu nicht und hat es schon immer gegeben, mögen auch die "Auswüchse" heutzutage andere Formen annehmen.
Doch statt zu jammern sollte man sich, als Kleiner, fragen, was zu tun ist!
Um sich in Zukunft seinen Anteil am Markt, und der Markt ist in Zeiten des Internets nicht nur Deutschland, Österreich und die Schweiz sondern auch der Rest der Welt, sichern zu können, müssen die Kleinen gemeinsam agieren.
Frei nach der Devise - Gemeinsam sind wir stark...
Als "Kleiner" wünsche ich mir die Zusammenarbeit mit anderen Kleinen, um Dinge anzustoßen, die ich allein nicht bewältigen kann.
Sei es ein gemneinsames Portal im Internet, auf dem die Betreiber ihre Produkte in einem Webshop anbieten. Sei es gemeinsames Marketing, sei es eine gemeinsame Auslieferung und so weiter uns so fort...
Letztlich bietet die Zusammenarbeit mit anderen für jeden Einzelnen auch ein Stück Unabhängigkeit gegenüber den Großen im Markt. Schließlich verteilen sich die Kosten auf mehrere Köpfe und das Ziel ist definiert - am Markt bestehen zu können!
12. Aurel 23.10.2009 10:38h
Effizienz??? Klar... ja, als Buchhändler muss ich Kosten kalkulieren etc. denn ich bin Kaufmann ...
aber die Effizienz der Thalias und Edekas wie sieht die denn aus?? Arbeiten da Menschen die sich auskennen, die Entscheidungen treffen können, die begründet Empfehlen können, die vergriffene Bücher besorgen können etc etc ... teilweise oder gar nicht ... das spart Geld. Preisdruck auf Verlage: spart Geld. Natürlich ist es effizienter, (fast) ausschließlich (Edeka) Dan Browns und ähnliche Bestseller in hohen Mengen zu verticken bzw. mainstream Bücher die sich mit hohem Durchsatz umsetzen lassen vorrangig anzubieten,als sich im Einzelnen mit den Büchern auseinanderzusetzen, die man im Laden anbietet, sich eigene Gedanken über das Profil seines Ladens zu machen etc .. das macht mehr Mühe und hat höhere Kapitalbindung bzw. Kreditkosten zur Folge und kostet somit Geld. Effizient im betriebsiwrtschaftlichen Sinne ist es sicherlich nicht, dass ich deinen Haufen Bücher führe weil ich sie für notwendig, spannend oder kontrovers halte ... und das will ich weiter ausbauen ..
Das Problem liegt woanders: Die Geschäftsmodelle von Edeka/Thalia und meinem Buchladen sind nicht vergleichbar. Edeka/Thalia wollen etwas anders als ich - sie sind Discounter die Bücher als Massenware sehen mit denen sie ihre betriebswirtschaftlichen Ziele erreichen können - daher ist es eben egal ob Parfum oder Buch
Daher muss grundsätzlich nachgedacht werden, was Thalia eigentlich im Börsenverein zu suchen hat - warum ich eigentlich den Dan Brown mir noch ins Regal stellen soll, wenn der Verlag damit am liebsten doch Discounter beliefern möchte weil er da mehr Knete verdient etc ... Ich erwarte, dass kleine und mittlere Buchläden von den Verlagen bevorzugt werden. Ich verlange früher als Edeka beliefert zu werden im Ggeenzug bin ich bereit, vorsichtiger zu ordern und schlechtere Remnissionsbedingungen in kauf zu nehmen ... bedauerlich, dass die Verlage nicht begreifen wo langfristig der Schaden für sie liegt, wenn wir hier amerikanische Verhältnisse bekommen. Oder arbeiten dort auch nur noch Betriebswirte?
Den Kunden muss man fragen was er will: ein verflachtes angebot beim discounter und zunehmend weniger auswahl ... oder echten Buchhandel wo es neben den Dan Browns eben Bücher gibt von denen der Kunde ohne den Buchändler evt.nix erfahren würde etc ...
Wenn der klassische Buchhandel für den Kunden überflüssig geworden ist oder wird, dann mache ich eben etas anderes ...aber vorher muss man den Kampf führen..gegen den Massenabsatz der Veralge und die Bevorzuigung der Dickschiffe...und gegen die Edekas und Thalias ... und Angst vor diesem Wettbewerb habe ich nicht. Warum auch.
13. Kewin Ohlandt 23.10.2009 12:29h
Ich möchte einen Punkt aus Aurels Beitrag stellvertretend für das allgemeine "Thalia-Bashing" herausziehen, den ich hier und anderswo immer wieder höre und lese und der schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit entspricht.
Es gibt auch bei den Filialisten, heißen sie nun Thalia, Mayersche oder wie auch immer, sehr wohl kompetente, freundliche und gut ausgebildete Buchhändlerinnen und Buchhändler, die ihren Job sichtlich motiviert und mit Freude ausüben. Ich glaube, dass ich mir hier als ausgebildeter Buchhändler und Verlagsvertreter aus meiner täglichen Praxis heraus ein Urteil erlauben darf, und ich halte es für falsch, wenn sich der unabhängige Buchhandel per se eine bessere Beratung attestiert.
Es gibt auf beiden Seiten hervorragende Kolleginnen und Kollegen im Buchhandel, aber es gibt eben auch auf beiden Seiten Verbesserungsbedarf.
14. Franz wanner 23.10.2009 13:33h
Herr Kullmann, mitnichten muß bleiben, was schon immer war. Mit der Rabattgestaltung schaffen sich die Verlage Ihren Wunschvertriebspartner, da dürfen sie auch nicht jammern, wenn sie diesem dann ausgeliefert sind. Die Summe der Kleinen hat nie und niemals die Gestaltungskraft der Großhändler (schon der Prozeß der Entscheidungsfindung! oder die Finanzierungssicherheit falls jemand ausscheidet) und läuft somit nur darauf hinaus, die Konditionengleichheit zu erstreiten... Aber dann wird eben in anderer Form begünstigt. Nein, es bleibt in der Hand der Verlage, nicht den Verkauf, sondern die Dienstleistung am Produkt zu honorieren...
Anders natürlich, wenn das Buch vornehmlich Handelsware ist, dann könnte der Rat auch lauten, verkauft mehr Büroartikel, implementiert Post- und Kurierdienste und während des Probelesens ist der Schuhputzer unterwegs, Massage- und Waschcenter inclusive... wäre auch o.k. Da wir in 20 Jahren die 100%-web-Affinität unserer Kunden haben werden, müssen Sie erhebliche Mittel binden, um Paroli zu bieten. Natürlich kann man sich immer was einfallen lassen, aber ist es nicht mißlich, für weniger Entgelt mehr leisten zu müssen? Wie lange wollen Sie das durchhalten? bis sie alle Kollegen im Umkreis "geschluckt" haben und selber "Erpressungsmacht" gegenüber Kunden und Verlagen?
15. Marcus Kullmann 23.10.2009 14:02h www.editionkullmann.de
mit Verlaub, Herr Wanner, das sehe ich anders!
Ich bin der Überzeugung, das viele Kleine durchaus einiges an Gestaltungskraft aufbringen können. Vielleicht stürzen sie nicht das System, aber sie können sich ihren Platz (er)schaffen.
Es geht mir auch nicht darum, viele Kleine zu einem Ganzen zu vereinigen um einen Gegenpol zu Branchenriesen aufzubauen, damit evtl. irgendwann die Konditionenschraube angezogen werden kann, sondern um ein Stück mehr Unabhängigkeit!
Es geht mir auch darum, Synergien zu schaffen um in einem Verbund Lösungen anzustreben, welche im Alleingang entweder gar nicht oder nur schwer umsetzbar wären.
Ein Input vieler Kleiner kann m.E. ebenso ein erfolgreicesh Ergebnis haben , wie das stramme "durchmarschieren" im Sinne von "aufkaufen der anderen" der Großen. Denn bedenken Sie eines: Die Großen wachsen im Moment nicht mehr organisch sondern i.d.R. durch Zukäufe!
16. Franz wanner 23.10.2009 14:38h
Herr Kullmann, ich gebe Ihnen absolut Recht, ohne jeden Einwand. Ich wollte einfach zuspitzen.
Markt ist das Tummelfeld von Angebot, Nachfrage und Kreativität. Wenn der Endabgabepreis festgeschrieben ist, muß das Entscheidungsmoment, wo und bei wem der Kunde kauft, außerhalb des Produktpreises liegen.
Die Gestaltung dieser Entscheidungspunkte kostet aber auch Geld. Entsprechend dem Preisbindungsgesetz entspringt dieses Geld dem Abgaberabatt. Damit haben die Verlage einen erheblichen Einfluß auf den Händlerwettbewerb.
Sehen sies dies auch anders?
17. Marcus Kullmann 23.10.2009 15:25h www.editionkullmann.de
Der feste Ladenpreis, auf den Sie anspielen Herr Wanner, ist für den Buchhandel Fluch und Segen zugleich - aber das ist ein anderes Thema.
Sie haben auch völlig Recht, das im Rahmen eines festen Produktpreises die Rabattierung für ebendieses Produkt den Händlerwettbewerb beeinflußt. Wer mehr Rabatt bekommt, verdient eben auch mehr am Verkauf - ohne Zweifel.
Doch ein wichtiges Merkmal hinsichtlich der Verlagstätigkeit bzw. des Vertriebs ist, und das wird wohl jetzt den Sortimenter aufregen, der Direktvertrieb.
Warum?
Nun: Da, wie man unzweifelhaft regelmäßig hören und sehen kann, immer mehr (unabhängige) Buchhandlungen vom Markt verschwinden (aus welchen Gründen auch immer), verschwindet auch immer wieder ein Stück mehr Vertriebskanal für die Verlage...
Nun möge man sagen: Macht nix, dafür gibt es ja die Großen, die in ihren Läden tausende Titel anbieten und die ja auch irgendwo einkaufen.
Das stimmt; doch welche Verlage sind den Schwerpunktmäßig vertreten, in den Zentrallägern?
Oder anders herum: Man versuche doch einmal, sich als kleiner Verlag im Lager DBH, Thalia, KNV oder sonstwo listen zu lassen.... ein weites Feld... von den Rabattwünschen der Damen und Herren einmal abgesehen...
Zudem: In dieser Betrachtung ist die "elektronische" Komponente einmal ausgeblendet... doch sie gewinnt an Bedeutung, und je mehr dem so ist, destso mehr rücken auch neue Vertriebskanäle in den Fokus, ohne Zentrallager etc.
Ein Stück Unabhängigkeit bedeutet m.E., sich vom Einkaufsverhalten der Großen mit allen Kosequenzen ein Stück zu lösen. Dies erfordert Mut, gewiß. Aber, wie es so schön heißt, "geteiltes Leid ist halbes Leid" und den Erfolg erringt man zusammen.
18. Daniel Lehmann 23.10.2009 17:07h
Schön, daß die Diskussion zu diesem Thema noch weiter läuft. Herr Kullmann, mit Ihrer Anregung rennen Sie bei vielen Kleinen offene Türen ein, es wäre zu wünschen, wenn Ansätze wie z.B. die Bibliotheca Selecta wieder aufgegriffen würden (Stichwort: Protal der Independents). Das erfordert aber nicht nur eine Menge Kreativtät, sondern verlangt allen Beteiligten zuerst einmal auch eine Menge zusätzlicher Arbeit ab; wäre aber sicher machbar. Nur muß darüber nachgedacht werden, wie man solch ein Portal so interessant gestaltet, daß es nicht einfach nur als zusätzliches shopwindow wahrgenommen wird, denn sonst funktioniert es wohl nicht. Ich denke, daß dort z.B. über Blogs u. ä. so interessante Diskussionen laufen wie hier und ein echter Dialog stattfindet, der nicht als Teil des Marketings instruimentalisiert werden sollte.
19. franz.wanner 24.10.2009 23:09h
Entweder ich bin so jenseits des zweckmäßigen Sachverstands oder ich drücke mich unklar aus oder man will mich bewußt nicht verstehen...
Warum immer mehr unabhängige Buchhandlungen verschwinden? Tut ja nichts zur Sache?
Mit mehr Rabatt verdient man eben mehr? Ist ja nicht wichtig?
Und der Direktvertrieb ist eine heilige Kuh?
Und elektronische Varianten sollen mal ausgeblendet bleiben?
Oh , Zunft- und Gildewesen erbarme dich! Haben Sie den Mut , mal offen in die Zukunft zu schauen und das Undenkbare zu denken...
Sagen Sie mir doch mal unverkrampft, mit welchen Mitteln Sortimenter den Wettbewerb um den Endkunden so betreiben. Eben! Und deshalb verschwinden immer mehr vom Markt. Letztendlich ist das keine Frage der Kompetenz, sondern der finanziellen Leistungskraft (wenn wir mal an den besseren Durchschnitt denken)...
Die günstigeren Einkaufsbedingungen haben da wesentlichen Anteil.
Welche Motive auch immer für die Festschreibung des Endabgabepreises vorlagen, sie werden absurd, wenn nicht durch festen Nettoverlagsabgabepreis flankiert. Dann wären eben die Versandaufwendungen ein ganz anderes Feld...
Denn da gebe ich den Vorkommentatoren völlig recht, auch in den großen Häusern gibt es durchaus motivierte und kompetente Mitarbeiter, die jeden beliebigen Kunden durchaus zufriedenstellen können... die können sogar auf mehr Ressourcen zurückgreifen...
Reden wir lieber vom Schicksal und den bösen Zeiten... Man liest ja so einiges!
20. Marcus Kullmann 25.10.2009 17:26h www.editionkullmann.de
Zunächst: Meine Sicht auf den Markt ist die des Produzenten, nicht die des Händlers!
Und wenn immer mehr kleine und mittlere Buchhandlungen vom Markt verschwinden und an deren Stelle große Ketten treten, verengt sich automatisch mein Vertiebskanal. D.h., meine Produkte werden eben nicht mehr von einer Vielzahl kleinerer und mittlerer Sortimente eingekauft, da diese ja zunehmend nicht mehr existieren, sondern mir stehen große Ketten gegenüber, welche Eindeutige Kriterien haben, damit das Produkt auch eingekauft wird (die Konditionen seien hier einmal nur stellvertretend genannt).
Und diese Kriterien lassen sich aufgrund der "Marktmacht" i.d.R. auch durchsetzen!
D.h. nun für den Produzenten, entweder er macht das Spielchen der Ketten , welches im SZ Artikel trefflich beschrieben wird, mit, oder eben nicht! (sofern er es sich erlauben kann, das ruinöse Konditionenspielchen längere Zeit zu betreiben!)
Und wenn nicht, muß er andere Vertriebskanäle ausbauen bzw. erschließen, um seine Produkte abzusetzen.
Und hier ist der Direktvertrieb eine Möglichkeit, Umsatz zu generieren. Das ist aus meiner Sicht ein konkludentes (Markt)Verhalten, wo es auch nichts groß zu verstehen gibt!
21. Franz wanner 26.10.2009 10:53h
Herr Kullmann ich gebe Ihnen wieder uneingeschränkt Recht. Aber es gibt Alternativen...
Als Amazon vor einigen Jahren mit seinen Forderungen auf der Matte stand, sind die wehrfreudigen Heroen auch eingeknickt. Der einsame Einzelne wird da nicht zum David.
Wenn aber im Trott der Zeit auf den Händler in der Fläche verzichtet werden kann, gilt abzuwägen. ob die Strangulation durch den Großaufkäufer oder die online-Pflege leichter zu ertragen sind...
Anders, wenn im Verband diskutiert würde, ob nicht der feste Buchpreis durch einen festen abgabepreis flankiert werden sollte... dann könnten sich alle Beteiligten wieder voll der Qualität ihres Produkts widmen... dann würde der Preis mehr von der Qualität und nicht von der Menge bestimmt, und der Ertrag auch! Buch wäre Wert und nicht flüchtige Episode.