Medien
29.10.2009Interview mit MVB-Geschäftsführer Ronald Schild
"Libreka! schreibt seine Erfolgsgeschichte vor allem, weil die Plattform ein Projekt der gesamten Branche ist"
Ist libreka! ein Flop, Herr Schild?
Schild: Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben binnen 24 Monaten eines der weltweit wichtigsten Digitalisierungsprojekte der Buchbranche aufgebaut, mit bisher mehr als 100 000 digitalisierten Volltexten und führend im Angebot aktueller deutschsprachiger Literatur. Libreka! trägt wesentlich zur Transformation unserer Branche bei: Noch vor anderthalb Jahren haben wir die Bücher weitgehend selbst digitalisieren müssen, um an ihre Inhalte zu gelangen. Heute sind Verlage und Buchhandlungen mit libreka! in der Lage, im digitalen Wettbewerb zu bestehen – ein Unterschied zu anderen Medienbereichen, der größer kaum sein könnte.
Die MVB als Motor der Digitalisierung?
Schild: Libreka! schreibt seine Erfolgsgeschichte vor allem, weil die Plattform ein Projekt der gesamten Branche ist. Das gibt es in der Weise in keinem anderen Land der Welt. Dieses gemeinschaftliche Bemühen findet national wie international enormen Widerhall. Auf allen großen Konferenzen wird unsere Gemeinschaftsplattform als Referenzbeispiel dafür gesehen, wie eine gesamte Branche den Sprung in die digitale Zukunft schaffen kann. Deshalb darf und sollte die ganze Buchbranche stolz auf libreka! sein.
Stolz etwa auch auf die bisherigen Verkaufszahlen?
Schild: Wir machen grundsätzlich keine Verkaufszahlen öffentlich, schließlich handelt es sich um Zahlen unserer Partnerverlage und -buchhandlungen. Aber davon ganz abgesehen, halte ich Vorwürfe wegen angeblich geringer Verkaufsperformance von libreka! in der jetzigen Marktphase für verfehlt. Der Markt ist eben erst im Begriff, sich zu entwickeln.
Immerhin gibt es in der Branche Diskussionen, seit ein anonymes Papier zu libreka! durchs Internet geistert, in dem behauptet wird, die Verkaufszahlen von E-Books lägen im Bereich nahe null. Manche sorgen sich nun um die langfristigen Erfolgsaussichten.
Schild: Noch einmal: Der E-Book-Markt wird sich in Deutschland erst noch entwickeln, das aber sehr rasch und dann sehr dynamisch. Alle, die sich auf dieses kommende Geschäft vorbereiten, verkaufen zurzeit noch nicht viel; da findet sich libreka! in bester Gesellschaft. Es geht heute darum, bekannt zu werden und die Kunden von morgen zu finden. Die Branche macht sich jetzt fit für einen zukünftigen Markt. Wie schnell der da sein wird, lehrt uns das Beispiel der USA. Dort hatten wir 2007 noch so gut wie kein E-Book-Geschäft. Aber schon heute entspricht der US-E-Book-Markt im Verhältnis zum gesamten nationalen Buchmarkt in etwa dem Anteil des Hörbuchs im deutschen Markt.
Sie halten also die Aufregung um das anonyme Papier für unbegründet?
Schild: Die MVB stellt sich jeder begründeten Kritik und ist offen für jede konstruktive Anregung. Das Papier, auf das Sie anspielen, erfüllt diesen Maßstab nicht. Es enthält möglicherweise bewusste falsche Aussagen. Wir behalten uns deshalb juristische Schritte vor.
Sie haben für libreka! viel Geld in die Hand genommen. Muss man ein neues Euro-Grab befürchten, falls der E-Book-Markt nicht bald zum Fliegen kommt?
Schild: Libreka! ist heute schon profitabel und wird es auch in Zukunft sein. Die Höhe der Einnahmen hängt natürlich von den zukünftigen E-Book-Verkäufen ab; aber wir haben Sorge dafür getragen, dass die Plattform in jeder Entwicklungsstufe wirtschaftlich betrieben werden kann.
Profitabel, weil querfinanziert durch das VLB?
Schild: Die beiden Produkte lassen sich doch nicht mehr sinnvoll voneinander trennen. Die Inhalte von libreka! sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des VLB, weil Bücher in Zukunft ganz anders bibliografiert und erschließbar gemacht werden; da muss man über die Volltexte verfügen. Wir haben uns darauf vorbereitet und das VLB in den vergangenen zwei Jahren komplett runderneuert: Dort sind nun Titelmeldungen in Echtzeit möglich. Man bekommt tagesaktuelle Lieferbarkeitsinformationen zu mehr als 70 Prozent der verzeichneten Titel. Wir haben Fremdkataloge integriert.
Wie wollen Sie es erreichen, dass libreka! für Endkunden ein relevantes Portal wird? Bislang war von Marketing nichts zu sehen. Und die MVB hat Erfahrung fast nur im B-to-B-Geschäft.
Schild: In der Tat haben wir mit dem Endkunden-Marketing eben erst begonnen – und zwar aus gutem Grund. Man muss doch erst einmal etwas vernünftig hinstellen, bevor man damit beginnt, darüber zu reden und es draußen bekannt zu machen. Mit der Frankfurter Buchmesse hat aber die Endkunden-Ansprache forciert begonnen: deshalb unsere Download-Days, deshalb die Kooperation mit der »Bild«-Zeitung, deshalb in Kürze eine kostenlose iPhone-Applikation.
Was haben die Download-Days gebracht?
Schild: Wir haben E-Books in einem mittleren fünfstelligen Bereich ausgeliefert. Das Kundeninteresse war riesig. Wir haben damit belegt, wie groß heute schon die Aufmerksamkeit für libreka!, aber auch für den elektronischen Buchmarkt geworden ist.
Sind Sie zufrieden mit dem Zugriff auf libreka!, der über Partnerseiten kommt?
Schild: Sehr sogar. Mehr als ein Viertel unseres Traffics verdanken wir solchen Partnerseiten, die libreka! eingebunden haben. Das ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor für diese Plattform. Die großen Online-Buchhändler gehen da voran. Leider haben wir noch viel zu wenig kleinere Buchhändler, die uns in ihre Seite einbinden – obwohl der Service für sie nichts kostet. Da werden wir in der Vermarktung zulegen müssen.
In der Vermarktung über die Suchmaschine Google auch?
Schild: Wir werden bei Google noch nicht in der Güte gefunden, wie wir gefunden werden könnten. Libreka! taucht noch zu selten in den Trefferlisten auf. Wir sind mit Google darüber in Verhandlungen – in ziemlich zähen Verhandlungen, wie ich leider sagen muss. Ich gehe aber davon aus, dass auch für Google die Kooperation mit libreka! auf mittlere Sicht von hohem Interesse sein wird.
Zur Kritik an libreka! gehört bisweilen der Vorwurf, es gebe zu häufig Pannen und Verzögerungen im Alltagsgeschäft. Können Sie Abhilfe in Aussicht stellen?
Schild: Wir machen das größte Digitalisierungsprojekt der Branche im vollen Scheinwerferlicht der Verbands- und der Fachöffentlichkeit. Da wird natürlich alles sichtbar, auch das, was bisher nicht optimal gelingt. Wir haben zurzeit noch personelle Engpässe im Servicebereich. Das kann zu Verzögerungen in der Bearbeitung von Verlagsaufträgen führen. Allerdings haben wir inzwischen mehr als 1 200 Verlage, die wir zum Teil intensiv betreuen und beraten. Der Ausbau unseres Servicebereichs steht daher weit oben auf der Agenda. Aber auch hier müssen wir mit Augenmaß vorgehen. Die Kostenseite darf nicht explodieren, solange es der Markt noch nicht tut.
Was steht für die nächsten Monate bei libreka! an?
Schild: Wir wollen das attraktivste Angebot am Markt etablieren – deshalb werden wir gemeinsam mit der Branche diskutieren, wie wir die Kundenfreundlichkeit erhöhen können. Das betrifft die Anzahl der angebotenen E-Books, den Kopierschutz und die Preisgestaltung.
Interview: Torsten Casimir
- 29.10.2009
- Diskussion um libreka!
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- Kommentar: libreka!: Bigottes Trauerspiel



1. Sascha A. Carlin 29.10.2009 15:18h
Mit anderen Worten: libreka! wird vom VLB durchgefüttert und verkauft keine E-Books in nennenswerten Zahlen.
Die Antwort auf die Frage nach der Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zeigt erschreckend deutlich, wie wenig Kompetenz für das Thema Internet in der libreka!-GF vorhanden ist.
"Man muss doch erst einmal etwas vernünftig hinstellen, bevor man damit beginnt, darüber zu reden und es draußen bekannt zu machen." - Nein, wir reden nicht von einer Buchhandlung auf dem Marktplatz, sondern von einer Website! Mal abgesehen von der Frage, ob libreka! in seiner jetzigen Form vernünftig ist...
Ich bitte darum, nicht mißverstanden zu werden. libreka! ist für den Börsenverein natürlich Neuland und daher sind Fehler verzeihbar. Unverzeihlich ist die Arroganz, mit der man sich die Welt schön redet -- und die Tatsache, dass man seit 2007 nicht wesentlich weiter gekommen ist.
2. Manfred Queisser 29.10.2009 16:21h
Das Thema E-Books und damit auch LIBREKA ist für die Zukunft des Publizierens und Rezipierens und damti für alle im Buchhandel und Verlagswesen, für Autoren, Auslieferer usw. genauso wichtig wie das Thema Großbuchhandlungen. Bezeichnend ist aber mit welchen Emotionen in vielen Beiträgen das Thema
Thalia usw. diskutiert wird und wie nur wenige das Thema LIBREKA! und VLB kümmert.
3. Dirk Songür 29.10.2009 16:33h http://dirk.songuer.de
Vermutung: Das Thema Libreka! und VLB wird so nicht diskutiert, weil die potentielle Zielgruppe von eBooks eher auf Amazon und den Kindle schaut und Libreka! schlichtweg nicht kennt?
4. Frank Meier 29.10.2009 17:30h http://validator.w3.org/check?uri=http%3A%2F%2Fsas cha.carlin.de%2F&charset=(detect+automatically )&doctype=Inline&group=0
@ Sascha A. Carlin: Arroganz kann ich bei der MVB und der Kommunikation im Zusammenhang mit dem libreka! Projekt nicht erkennen. Vielmehr erschreckt mich die Penetranz der notorischen Nörgler. Hier dürfen Sie sich auch gerne angesprochen fühlen. Arroganz und Selbstüberschätzung läßt sich oftmals eher bei den Kritikern feststellen. *WinkmitdemZaunpfahl*
Kleiner Hinweis - als Webentwickler (Sitewards GmbH) sollte man es zumindest schaffen seine eigene Startseite fehlerfrei zu programmieren. - 5 Errors, 1 warning(s)
5. Sascha A. Carlin 29.10.2009 19:27h
Ihnen ist schon klar, dass der Link da oben kaputt ist und nicht meine Website, oder?
6. Dennis Schmolk 29.10.2009 19:33h http://www.anouphagos.com/
Die MVB wirft dem geleakten Dokument also (bewußte) Falschaussage vor. Was ist denn nun in diesem Dokument falsch? (Dass die Verkaufszahlen so falsch nicht sein können, beweist die Verweigerung einer Antwort.) Die technischen Defizite und die benutzerunfreundliche Gestaltung kommen leider genausowenig zur Sprache wie Pläne, wie sich die Plattform libreka konsolidieren soll. Und, Herr Schild: Planen Sie wirklich eine Zusammenarbeit mit Google, wie Sie im Interview andeuten?
7. Andi 29.10.2009 21:44h
Ich habe Herrn Schild auf der Messe erlebt und empfand sein Auftreten als eine einzige Frechheit.
Bezahlt von der Branche inszenierte er sich als e-Book Lobbyist, dem der Buchhandel und damit sein Arbeitgeber egal zu sein scheint. Er sprach nur von totaler Digitalisierung, dem nahenden Ende des Buchhandels in kürzester Zeit. Und die devoten Kollegen spendeten noch Beifall, geradezu begeisterte vom Gedanken an baldige Erlösung....
Vielleicht wäre Herr Schild bei seinen Postionen doch bei seinem vorherigen Arbeitgeber "Amazon"
besser aufgehoben....
8. Frank Meier 29.10.2009 23:10h
@ Sascha A. Carlin - Lustig wie verlogen manche Kritiker hier sein können. Willkommen im Gläsernenzeitalter:
Sascha A. Carlin
http://sascha.carlin.de/
http://www.xing.com/profile/SaschaA_Carlin
http://itst.net/ hier auf der Freundesliste auch der Kommentar Dirk Songür
http://blog.meyers.de/page/3
9. Frank Meier 29.10.2009 23:16h
lol - mittlerweile den code überarbeitet. den sollte ich jetzt den screenshot posten
naja so gemein wollen wir ja nicht sein. beim nächsten mal etwas früher aufstehen g8
10. Wolfgang Lehner 30.10.2009 12:53h www.independet-text.de
Wollte eigentlich nur ein bißchen schmökern in der Mittagspause, aber so kann ich das nicht stehen lassen.
Zitat: " binnen 24 Monaten ... mit bisher mehr als 100 000 digitalisierten Volltexten" . Klingt großartig. Für Laien. Über 100.000 Bücher in 2 Jahren. Also 4100 im Monat. Oder 190 Stück pro Arbeitstag. Das heißt dann wohl, das wir in 20 Jahren die Million schaffen? Du lieber Himmel. Wir haben doch 2008 schon 94.000 neue Bücher auf den Markt geworfen! Wenn Libreka also so weiter macht, schafft man nicht mal die aktuellen Neuerscheinungen. Von der Backlist ganz zu schweigen. Und da in diesem Laden keiner an die verwaisten oder gar rechtefreien Titel denkt (welcher Verlag würde dafür bezahlen?), wird nie ein Grad von Vollständigkeit erreicht, der für professionelle Textarbeiter oder Studenten interessant ist. Dann eben lieber gleich zu Google bzw. - immer noch - in die Bibliothek. Und was die "alten" Bücher anbelangt: Mag schon sein, dass beim Lesepublikum das Thema im Moment noch keines ist (es weiß ja im Augenblick tatsächlich noch gar nichts über den Buchmarkt 2010). Aber wenn die Masse der Lesegeräte/Smartphones/Tablets demnächst mit einem kostenlosen Grundstock aus rechtefreien Titeln (locker 500.000+) daherkommen, kann es sein, dass viele damit erst mal genügend Lesestoff haben. Mir scheint auch, dass bei Libreka das Sachbuch ein bißchen schwach vertreten ist (ist ja auch ein bißchen aufwändiger bzw. die Verlage sind hier etwas zurückhaltend). Wenn das die Leistungsfähigkeit der deutschen Verlage belegen soll, kommen mir die Tränen. Eher scheint mir, dass der Glaube an Libreka nicht so groß ist, dass man sich deswegen in Unkosten stürzen möchte. Mutiges Marketing kann man bei Amazon beobachten (Dan Brown als ebook). Kampf um jeden Euro kann man bei Lübbe beobachten (kein Dan-Brown-ebook). Für die Zukunft des Buchmarktes sollen eben andere das Geld ausgeben (MVB?). Leider sind es vor allem Amazon und Google, die hier aktiv und - traurig, aber Deutschland - innovativ sind.
Mittagspause zu Ende. Muss jetzt wieder den sinkenden Umsätzen mit Printprodukten hinterherjagen.
11. Jürgen Jung 03.11.2009 22:47h http://www.formersuite.de
Die Libreka App für das iPhone ist im App Store verfügbar. Ich hatte mit einer effizienteren und anwenderfreundlicheren Umsetzung gerechnet. Aber das kann ja jeder für sich selbst bewerten.