Antiquariat

01.11.2009Umfrage

Erwartungen an den Antiquariatsbuchhandel

Der Kunde ist "König" und bestimmt die Richtung – aber wissen Antiquariate eigentlich, was Büchersammler und Gelegenheitskäufer antiquarischer Bücher vom Antiquariatsbuchhandel erwarten? Eine Umfrage der Redaktion Antiquariat.

Wie soll eine Buch- bzw. Katalogbeschreibung idealer Weise aussehen? Wie soll die Kommunikation zwischen Kunden und Antiquariaten ablaufen? Wie soll die Vermittlung von Informationen aussehen? Schauen Kunden auf Antiquariats-Homepages oder meist nur auf die bekannten Plattformen? Werden Bücher mittels der großen Suchmaschinen gesucht? Wünschen Kunden gedruckte Angebote, also Listen und Antiquariatskataloge, oder lieber elektronische Newsletter und individuelle Ansprache? Möchten Kunden ihre Büchersuchlisten an Antiquariate weitergeben, um nicht selbst im Internet oder anderswo suchen zu müssen?
Diese Umfrage der Redaktion Antiquariat in Frankfurt am Main richtet sich an private und institutionelle Sammler und (Gelegenheits-)Käufer antiquarischer Bücher allgemein. Antworten bitte als Kommentar oder per E-Mail mit dem Betreff "Erwartungen an den Antiquariatsbuchhandel" an: antiquariat@mvb-online.de

Wir sind für jeden Hinweis dankbar! Die Antworten werden von uns anonymisiert. Eine Veröffentlichung der anonymisierten Ergebnisse ist geplant.

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3 Kommentar/e

1. Bücherliebhaber 01.11.2009 19:51h

Ich muss nicht unbedingt als König behandelt werden. Mir reicht der Status "Gast" und wenn mein Gastgeber, in dem Fall der Antiquar, mir genauso respektvoll entgegentritt, wie ich das von ihm erwarte, steht einem erfolgreichen Kauf nix im Wege.

Katalogbeschreibungen sollten leicht verständlich sein. Diverse Abkürzungen, die erst nachgeschlagen werden müssen schrecken dabei eher ab und in Zeiten der heutigen Speichermediengrößen ist es auch nicht mehr nötig, das gesamte Buch oder den Zustand desselben nur in einer für den erfahrenen Antiquar verständlichen Sprache zu beschreiben.

Ich persönlich schaue nur bei Eurobuch und auf ZVAB nach meinen Büchern. Damit wird ein Großteil der gebrauchten Bücher im Netz durchsucht. Wer dort nicht gelistet ist, will entweder nix verkaufen oder hat ein spezielles Angebot.

In den heutigen Zeiten des größten SPAM Aufkommens stellt man seine E-Mail Adresse immer zögerlicher für Newsletter zur Verfügung. Alternativ könnte die Benachrichtigung via RSS-Feed erfolgen.

Sammler, die sich einigermaßen sicher im Netz und in der Bücherwelt bewegen, sind nicht abhängig davon, ihre Büchersuchlisten an Antiquariate weiterzugeben. Schon allein der finanzielle Aspekt spricht dagegen, sich vollends auf die Beschaffung via Antiquariat zu verlassen.

Noch eine Sache, die mich in den letzten Jahren ziemlich gestört hat. Wenn ich z.B. beim ZVAB ein Buch bestelle, bekomme ich bei 6 von 10 Anfragen nur eine Stornierung des bestellen Exemplares, meistens mit dem Hinweis, dass das Buch schon über eine andere Plattform verkauft wurde. Ich würde mich freuen, wenn die Antiquariate ihre Bücherlisten auf dem aktuellstem Stand halten, auch wenn das bei mehreren tausend eingestellten Exemplaren nicht immer leicht möglich ist. Die Kunden kommen aber gern zurück, wenn eine Bestellung ordnungsgemäß ausgeführt wird.

An letzter Stelle wünsche ich mir wieder mehr Antiquariate in den Städten und Gemeinden um auch das persönliche Gespräch mit den Antiquaren/innen wieder zu entdecken und einfach nur durch in einem Raum voller Bücher zu stöbern.

Und eine kleinere Anzahl der im Inernet anbietenden Buchverkäufer wünsche ich mir auch. Leider arbeiten die Zahlen des produzierenden Buchgewerbes in den letzten Jahren und Jahrzehnten in die verkehrte Richtung. Alle 30 Sekunden wird auf dieser Welt ein Buch herausgegeben ... wer soll das bloß alles lesen. :-/

2. Harald Kraft 01.11.2009 21:51h

Ein Besuch in einem Antiquariat ist und
war für mich immer eine Überraschung.
Der erste Eindruck ist doch das
Antiquariatsschaufenster, denn da merke
ich dann, welche Art von Antiquar da
schließlich auf sich aufmerksam macht.
Der Flair und der Esprit kann in einem
Gespräch mit dem Antiquar in seinem
Geschäft beginnen.
Wenn ein Antiquar auf meine gezielten
Wünsche eingeht, ich etwas in seinen
Buchregalen suchen kann, so bin ich
schon ein glücklicher Sammler.
Ein Antiquariatsgeschäft ziehe ich
manchmal dem ZVAB vor, denn ich
schätze ja die Beziehung zum Antiquar
und auch das Suchen in seinen Büchern.
Als Sammler habe ich ja die Auswahl,
für was ich mich letztendlich entscheide.
In großen Städten, wie z. B. München,
werden Antiquariate als Ladengeschäfte
langsam seltener.
Die Mieten sind in Großstädten einfach zu
hoch. Trotz aller Nostalgie ist diese Realität
zu bedenken.
Es bleibt aber zu hoffen, dass sich das
Spektrum der Antiquariate erhält.
Nicht nur in Katalogen, sondern auch auf
Antiquariatsmessen und Flohmärkten sind
Antiquariate präsent.
Das Buch hat einen kulturellen Wert und
diesen gilt es zu erhalten.
Manchmal gibt es ab und an Nischen
zur Eröffnung eines Antiquariats.
Vor allem erfordert dies ein gutes
Fingerspitzengefühl - auch im Umgang
mit Kunden.
Mögen sich unter den Buchkäufern
wieder mehr jüngere Buchsammler und
Freunde für das alte Buch finden.

Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München

3. Roman Heuberger 01.11.2009 22:42h www.antiquariat-heuberger.de

Obwohl ich als Antiquar in der Kommentarfunktion dieses Beitrags überhaupt nichts zu suchen habe, dennoch ein Dankeschön an Harald Kraft, dessen Kommentar mir gut getan hat. Trotz der nicht zu übersehenden Vorteile des Internets im Handel mit antiquarischen Büchern bleibt für mich das begehbare Antiquariat nachwievor der eigentliche Treffpunkt von Sammler und Antiquar. Diese gemeinsamen Berührungspunkte mit dem Buch sind das eigentliche und wörtlich zu nehmen.

Außerdem sind die "Spams", die in den Laden kommen, weniger häufig, als die im täglichen virtuellen Laden. Aber selbst die in der Mittagspause den Laden durchstreifenden nur guckenden und gackerten Hühner haben zumindest einen gewissen Unterhaltungswert (sind allerdings nicht so leicht zu löschen).

Das real existierende Leben ziehe ich ohnehin dem virtuellen vor. Auch weil ich mich Dingen, die mir vielleicht nicht in den Kram passen, stellen möchte und nicht einfach wegklicken will. Die Kommunikation via Internet ist schon nützlich. Aber zum Beispiel jemandem eine runterhauen kann ich besser in der Realität. Oder ein Bussi geben. Je nachdem.

Roman Heuberger (Antiquar, der 54 Stunden in der Woche die Türen zu seinem Antiquariat geöffnet hat)

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