Thema LERNHILFEN 2010

Verlagsempfehlungen zum Thema Lernhilfen 2010

Strategien für Bildungsverlage© fotolia

27.01.2010Lernhilfen

Strategien für Bildungsverlage

Verlage kämpfen verstärkt um ihre Marktanteile – und versuchen möglichst das komplette Portfolio bereitzuhalten, also von der Vorschule bis zum Abitur die ganze Palette an Schulfächern abzudecken.

Insbesondere die Altersstufe Vor- und Grundschule wird intensiv umworben. Der Duden-­Verlag (Bibliographisches Institut) hat es vorgemacht: Als vor einigen Jahren Unterrichtsmaterialien und Lernhilfen aus dem Hause Duden neu auf den Markt kamen, haben sie in kurzer Zeit einen erheblichen Marktanteil im Grundschul-Segment erobert.

In der Sekundarstufe ist das Angebot noch einmal differenzierter zu sehen, es gibt mehr Fächer, mehr Jahrgangsstufen – und mehr Schüler. Die Schulformen variieren und die Lehrpläne der Bundesländer weichen stärker voneinander ab, als das in der Grundschule der Fall ist. Die Folge: ein ungeheuer breites Angebot an Lernhilfen und prüfungsvorbereitenden Materialien.

Produktvielfalt nimmt zu

Die Verbraucher profitieren zweifellos von der Vielfalt, können sich in den unterschiedlichen Designs und Umfängen der Lernhilfen das Passende aussuchen. Die Preise bewegen sich auf einem für den Kunden akzeptablen Niveau, was angesichts der Konkurrenz auch so bleiben dürfte. Der Nachteil: Der Markt für Lernhilfen ist kaum noch zu überblicken – die Produktvielfalt nimmt immer weiter zu.

Die zweite Strategie im Verteilungskampf lautet: mit neuen Produkten dem veränderten Lebensrhythmus junger Menschen gerecht werden. Ein Trend geht hin zu tragbaren Geräten. "Lerne überall", lautet die Devise. Jugendliche nutzen einen Medienmix, konzentrieren sich beim Lernen nicht ausschließlich auf das Buch – auch wenn das Buch in der deutschen Bildungslandschaft immer noch das Leitmedium ist.
Handy und iPod, MP3-Player und Nintendo schicken sich an, dem stationären PC mit Internet-Anschluss den Rang abzulaufen, zumal das Web inzwischen auch mobil verfügbar ist. Lernplattformen wie Scoyo versuchen, sich neben den Printmedien zu etablieren. Kinder und Jugendliche gehen unvereingenommen und ganz selbstverständlich mit den unterschiedlichen Geräten um, nutzen den gesamten verfügbaren Medienmix.

Digitale Karteikästen

Einen Schub im Lernhilfe-Markt könnte auch die aktuelle Begeisterung für das Konzept "phase-6" mit sich bringen. Die Software, entwickelt von der Schweizer Phase-6 AG, setzt auf das Lernen nach dem Karteikastenprinzip – und ist bundesweit im Einsatz. Nach Angaben des Unternehmens haben bereits 3 000 deutsche Schulen "angebissen": Lehrer empfehlen Eltern und Schülern Phase-6 als Lernhilfe. Seit August 2008 sind auch Verlage mit im Boot: Sie haben das System lizenziert und bieten nun speziell formatierte Lerneinheiten an – darunter Cornelsen, Klett und Langenscheidt.

Liegen sie damit richtig? Ulrich Glowalla vom Fachbereich Psychologie an der Universität Gießen meint: ja. Forschungsergebnisse würden den Wert dieser Lernform bestätigen, sagt er. "Karteikastensysteme und Karteikastenprogramme sind eine sehr effiziente Form, um sich faktisches Wissen einzuprägen."

Fazit: Es gibt keinen Grund zum Schwarzsehen. Eltern jedenfalls lassen sich die Bildung ihrer Zöglinge durchaus etwas kosten – immerhin investierten sie 2008 trotz Wirtschaftskrise zwischen 0,9 und 1,2 Milliarden Euro in Nachhilfe-Angebote. Das schätzt das Forschungs­institut für Bildungs- und Sozialökonomie.
Dorothea Leiser, Redakteurin beim Mentor Verlag (Langenscheidt-Gruppe), bleibt deshalb zuversichtlich. "Wenn ich sehe, wie viel Geld da ausgegeben wird, dann sehe ich auch eine Chance für den Handel und die Lernhilfe-Verlage – das Potenzial ist da."

Harald Fette

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