Thema LERNHILFEN 2010
Verlagsempfehlungen zum Thema Lernhilfen 2010
28.01.2010Lernhilfen
Wolfang von Kalm über LÜK: "Es ist jedes Mal wie ein Katz-und-Maus-Spiel"
Das LÜK-System entstand vor mehr als 40 Jahren und hat alle Bildungs-Moden überlebt. Wie erklären Sie sich das?
Es liegt wohl daran, dass wir nie aufgehört haben, ehrgeizig zu sein. Das Kontrollgerät wurde verbessert, die Übungsmaterialien aktualisieren wir jährlich. Man könnte LÜK auch mit dem VW-Käfer vergleichen.
Der aber nicht mehr gebaut wird...
LÜK schon, und ich denke, dass das System trotz veränderter Mediennutzung gute Perspektiven hat. Die Übungen sind sehr strukturiert, man braucht keinen Strom, es gibt keine Lichteffekte, keine quälenden Geräusche. Die Freude am richtig gelegten Muster spornt Kinder einfach an. Außerdem achten wir sehr genau darauf, nicht den Anschluss an den Stand der Lernforschung zu verlieren.
Wie läuft das weltweite Geschäft?
Gut, ich habe gerade erst einen neuen Lizenznehmer in Brasilien gefunden. In diesem Jahr werden dort die ersten Hefte erscheinen, und wir liefern die Kontrollgeräte. LÜK gibt es jetzt in 19 verschiedenen Sprachen und in über 40 Ländern.
Lässt sich das Konzept denn einfach so übertragen?
Ja und nein. Jeder Lizenzpartner kann von uns Originaltitel übernehmen oder entwickelt seine eigenen Produkte. Das größte Problem, das wir im internationalen Geschäft haben, ist ohnehin ein anderes: Je bekannter und erfolgreicher ein Produkt ist, umso größer ist auch die Gefahr, dass es kopiert wird.
Was lässt sich dagegen tun?
Gegen Piraten vorzugehen bereitet viel Ärger, kostet viel Geld und Zeit. Es ist jedes Mal wie ein Katz-und-Maus-Spiel.
Inwiefern?
Die Firmen tauchen heute unter dem Namen A auf, ein halbes Jahr später haben sie den Namen B. Die Adressen, die auf den Produkten stehen, gibt es oft gar nicht – und wenn man dann die Polizei anschreibt, heißt es nur: Das ist nicht unsere Aufgabe. Man hat als Europäer, speziell im asiatischen Raum, nur mit unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand die Möglichkeit mit einer Klage einzuschreiten. Oft ist es aber so, dass die Bemühungen ins Leere gehen und nur die Kosten bleiben.
Haben Sie auch Lizenzen nach Asien verkauft?
Ja, und natürlich erwarten unsere Lizenzpartner, dass wir sie schützen. Aber das ist kaum noch möglich. Die Kosten für Anwälte, die viele Zeit, die das bindet – das kann weit über die Lizenzeinnahmen hinaus gehen. Und dann fragt man sich schon manchmal: Was soll das ganze noch...
Zurück nach Deutschland: Über welche Vertriebskanäle verkaufen Sie LÜK?
Im Spielwarenhandel, über die Warenhäuser und den Buchhandel – und zwar genau in dieser Reihenfolge.
Der Buchhandel steht an Position drei?
Leider. Früher war der Buchhandel für uns der wichtigste Bereich, doch irgendwann kippte das.
Warum?
Buchhandlungen präsentieren LÜK anders – mit der Folge, dass auch der Umsatz nicht so ist, wie er sein sollte. Es ist also eine Art Kettenreaktion, die sich da in Gang setzte. Der Buchhandel könnte mit LÜK sehr viel mehr Umsatz machen.
Was müsste anders werden?
LÜK ist ja ein Zwitter zwischen einem Spiel (Kontrollgerät) und Buch (Übungsheften). Die LÜK-Hefte selber sind relativ dünn, dass sie keinen eigenen Buchrücken haben. Wenn sie Hefte also in ein Regal stellen, sehen sie den Titel nicht, die Kunden erkennen gar nicht, dass die Buchhandlung LÜK führt. Ich sage Buchhändlern deshalb immer: Leute, ihr könnt LÜK nur gut verkaufen, wenn ihr es auch zeigt.
Das LÜK-System wurde Mitte der 1960er Jahre erfunden – von Heinz Vogel, Lehrmittelhändler in Wilhelmshaven. Anfang der 1970er kaufte der Westermann Lernspielverlag das Unternehmen. Heute gibt es mehr als 300 Lernhefte (Zielgruppe: 2-13 Jahre); weltweit existieren LÜK-Versionen in rund 40 Ländern. Der Netto-Jahresumsatz des Verlags beläuft sich auf insgesamt sieben Millionen Euro.
Wolfgang von Kalm, Jahrgang 1945, kam 1986 zum Westermann Lernspielverlag, zehn Jahre später stieg der Betriebswirt zum Geschäftsführer auf. Die Verantwortung über den Verlag hat er Anfang 2009 zwar an Cornelia Heering abgegeben, er berät das Unternehmen aber weiterhin. Gemeinsam mit seiner Frau, einer Lehrerin, lebt er in Braunschweig.
Interview: Tamara Weise
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