Meinung: E-Books

Das Geschäft der Profis

Der Autor Markus Albers hat vor einer Woche auf boersenblatt.net erklärt, warum er sein neues Buch selbst verlegt - als E-Book. Der Berliner Verleger Jörg Sundermeier begründet jetzt in seiner Erwiderung, warum professionelle Verlage notwendig sind.

Jörg Sundermeier leitet den Verbrecher Verlag in Berlin

Jörg Sundermeier leitet den Verbrecher Verlag in Berlin © Cordula Giese

Brauchen Autoren für jedes Buch einen Verlag?«, fragte Markus Albers vergangene Woche an dieser Stelle. Die Antwort fiel ihm leicht: Nein. Und er hat recht. Den Verlag brauchten Autoren noch nie. Der Selbstverlag ist so alt wie der Buchdruck.
Wie die Kolleginnen und Kollegen aus den Verlagen wissen, sollte allerdings auch nicht jedes Buch gemacht werden. Die Erwägungen sind dabei nicht nur ökonomische. Auch wenn ökonomischer Erfolg heute leider als Nachweis für die Güte eines Buches gilt. Allerdings nicht allein. Manch ein Buch hätte nicht nur ökonomisch keine Chance gehabt, es ist eben einfach schlecht. So mancher gute Autor hat schon ein schlechtes Buch geschrieben, und es war der Verlag, der ihn davon abbrachte, es veröffentlichen zu wollen. Das Buch hätte dem Ruf des Autors geschadet.
Manch ein Autor lässt sich jedoch nicht abbringen von einer Veröffentlichung. Dann machen sie und er es eben selbst: ein Book on Demand, eine Copyshop-Auf­la-
ge, im Internet oder bei einem jener Bezahlverlage, vor denen an dieser Stelle auch schon mal gewarnt wurde. Das E-Book hat den Vorteil, dass nun kein Papier mehr verschwendet werden muss, um jemandes Ausführungen über die heilende Kraft von Marzipankartoffeln in die Welt zu bringen.
Markus Albers bringt ein konkretes Beispiel für die Überflüssigkeit der Verlage: sein eigenes Buch, »Meconomy«, er hat es selbst herausgebracht. Das Buch ist ein gutes Buch, eines, das tatsächlich veröffentlicht werden sollte. Albers schreibt: »Ich habe für Lektorat, Cover, Korrektur, Satz und Website Profis engagiert. Ich trage das unternehmerische Risiko, habe mit Textunes und Sony starke Vertriebs- und Marketingpartner gefunden.« Er hat somit seinen eigenen Kleinverlag gegründet, mit Lektorat, Herstellung, Vertrieb, Marketing – das E-Book nämlich ist, auch wenn es nicht mit der Post verschickt wird, am Ende doch ein Buch.
Der Albers-Kleinverlag nun wird für Lektorat, Korrektur, Gestaltung und Website zahlen, ganz so, wie es ein großer Verlag tut. Da es Profis waren, die ihm zur Seite standen, wird dies etwas kosten. Von dem Geld also, das ihm die Vertriebspartner am Abrechnungstag überweisen, geht eine ganze Menge ab, es sei denn, Albers beutet schamlos aus. Doch das nehme ich nicht an. Dann aber ist zu fragen, ob er mit seinem eigenen Verlag wirklich mehr verdient, als mit den sieben bis zehn Prozent vom Nettoerlös, die ihm ein »normaler« Verlag eingeräumt hätte.
Selbst wenn sein Kleinverlag kein weiteres Werk mehr herausbringt – ein Nicht- oder gar Anti-Verlag ist er nicht. Der Albers-Kleinverlag allerdings müht sich heftig um etwas, was viele andere Verlage automatisch mitbringen: Erfahrung, Renommee, Marktmacht – das, was eine gute Marke ausmacht. Das, was die Verlage den Autoren ebenso einbringen, was die Lesungen besser bezahlt sein lässt, optimale Wahrnehmung der Nebenrechte ermöglicht, etc.
Wir wissen: das ist nicht immer so, und manch gute Autorin wird »geparkt«, manch ein guter Autor in den Nebenrechten unzureichend vertreten. Doch Schlampereien stellen die Verlagsarbeit als solche nicht infrage.
Seit Ökonomie Lifestyle geworden ist, ist jeder sein eigener Volkswirt. Für makroökonomische Fragen mag das ja angehen, vieles, was die Politik empfiehlt, sieht auch der Stammtisch so. Bei mikroökonomischen Fragen sollte man es sich jedoch nicht zu leicht machen, vorschnelle Schlüsse sind hier sehr schnell als solche überführt. Man schafft Verlage nicht ab, indem man seinen eigenen gründet. b

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4 Kommentar/e

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  • Buchboy

    Buchboy

    das in zukunft immer mehr autoren selbst publizieren wird den verlagen zwar ein stück vom kuchen wegnehmen, sich aber auf einem gewissen niveau einpendeln.
    wichtiger für verlage ist, sich schnell auf elektronische publikationsformen und deren vertrieb einzustellen. noch spielen e-books auf dem deutschen markt keine bedeutende rolle, in 5-10 jahren wird dies jedoch gänzlich anders sein.
    die vertriebswege für gedruckte bücher werden kleiner, die gewinnspannen weniger. noch bestellen viele kleine sortimente fleißig (gedruckte)bücher direkt oder über barsortiment. doch viele von diesen werden in den nächsten jahren vom markt verschwinden. übrig bleiben die großen (amazon und co.). diese werden sich weg von (reinen) buchhandlungen hin zu vollsortimentern im segement medien entwicklen. bücher (vor allem gedruckte) werden dann nur ein produkt unter vielen sein.
    deshalb gilt es, eine vertriebs- und preisstrategie für e-books zu entwickeln, die diesem umstand gerecht wird.

  • An den Leser

    An den Leser

    Ist es nicht schön, dass es so viele Wege Möglichkeiten Medien gibt, die es einem Menschen unserer Gesellschaft ermöglichen, den mentalen Stoff zu transportieren, den er gerne seinen Mitmenschen senden möchte? Ich klammere mal den Aspekt Verdienst aus, und natürlich sollte man sich als Schreiber davor hüten, sich ausbeuten zu lassen und horrende Summen dafür zu zahlen, dass man sich mitteilen will: das hat niemand nötig, und es gibt ja auch genügend Netzforen, in denen man seine Werke kostenfrei einstellen kann.

    Eigenveröffentlichung (on demand, Druckauftrag an Druckerei, vielleicht gar die handgebundene Handschriftlichkeit) nimmt den Verlagen nichts weg (es ist ein anderer Mitteilungskanal, eine andere Möglichkeit, Stoff zu transportieren), und Verlagsveröffentlichungen nehmen den Selbstveröffentlichern nichts weg (weil Verlage eh über ihr Kontigent hinaus nichts annehmen). Ich rede aus (bescheidener) Erfahrung, weil ich beide Wege kenne und selbst gegangen bin. Mich nervt nur (sowohl als Schreiber als auch als Leser) das markt- oder auch egobegründete Polarisieren der „Vertriebswege“. Warum nicht den Leser selbst entscheiden lassen? Traut man dem Leser so wenig zu? Schön, wenn ein Skript in einem Verlag untergebracht werden kann; schön, weil sich eine organisierte Maschinerie annehmlich um Abläufe kümmert, die von Lektorat über Margenabrechnung bis zum Marketing reichen. Aber ist das alles?

    Wenn ein Autor meint, er habe seinen Mitmenschen etwas mitzuteilen, und dies dann auf dem Selbstveröffentlichungsweg (als Papierbuch, als E-Book usw.) tut – ja, warum denn nicht? Das heißt doch nur, dass er zu dem steht, was er transportieren will. Das heißt doch nicht automatisch, dass er mit seinem Werk nicht in einem Verlag untergekommen wäre (wenn das überhaupt Gegenstand der Überlegung sein sollte).

    Der Zeitaspekt: wir rasen ja technisch-kausal immer schneller (somit stellt sich die Frage nach der Halbwertzeit von Informationen resp. wo will man hin mit dem Buch Werk Mitzuteilenden – und vor allem: wann?). Für (in meinem Fall) eines meiner Bücher hatte ich eine Verlagsveröffentlichungsmöglichkeit, deren Geburtsavision etwa zwei Jahre nach Anfrage lag. Das war mir zu lange hin. Also entschied ich mich für einen Ondemandanbieter, der für eine geringe Pauschalgebühr mein Mitzuteilendes binnen weniger Wochen presste.

    Ich kenne beides: das Verlagshinundher mit Wasinsbuchkommensollteundwasmanstreicht und die Freiheit des Selbstveröffentlichens.

    Es ist nicht das eine oder das andere: es ist beides alles vieles. Es geht (postuliere ich so) um die Mitteilungsmöglichkeiten zwischen Stoffproduzent und Leser. Es geht darum, dass es schön ist, dass man in unserer Gesellschaft die Möglichkeit hat, sich auf derlei vielfältige Möglichkeiten mitzuteilen (auch: Netzforen). Der Leser entscheidet, was er lesen will. Ich bin überzeugt, dass es den mündigen Leser gibt.


  • Markus Weber

    Markus Weber

    Lieber Herr Sundermeier,
    mit Ihrer Replik auf Markus Albers haben Sie einen wunderbar klaren Text geschrieben, der Lehrbuchqualität hat. Danke!

  • André Pleintinger

    André Pleintinger

    Nur eines sei noch hinzugefügt:
    Im Moment erhalten Projekte wie von Herrn Albers noch eine vergleichweise hohe mediale Aufmerksamkeit. Aber wie sieht es in ein paar Jahren aus? Es wird vielerlei solcher Selbstpublikationen geben, nur besteht dann die Gefahr, dass sie als eine unter vielen "untergeht". In Zukunft wird also das vorherrschende Thema die "Auffindbarkeit" des jeweiligen "Buches" sein und das vor allem im Netz. Drei Szenarien sind vorstellbar: 1. der Autor bedient sich direkt oder indirekt der Vertriebsmacht der "Big Player"; 2. der Autor besetzt "Nischen". Diese können thematischer oder aber auch lokaler Natur sein; 3. Die Verlage schaffen es, ihre Scheu und teilweise ihre Ignoranz gegenüber neuen Entwicklungen und Innovationen abzulegen und als Dienstleister zu überzeugen.

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