03.02.2010
KommentariBooks: Verleger im Glück
Die Vorfreude ist groß. Viele deutsche Verlage können es kaum abwarten, bis die neue Apple-Wunderwaffe iPad im März in den Handel kommt. Dem neuen Multimediagerät mit integriertem Reader wird zugetraut, den Markt für E-Books deutlich zu beleben. In den Augen vieler Verleger leistet das iPad endlich das, was die Käufer von einem solchen Gerät erwarten. Und auch für die Weiterentwicklung des elektronischen Buchs selbst erwarten die Verlage Impulse: Neue Mischformen mit Video- und Audiosequenzen werden entstehen, vierfarbige Ratgeber mit Online-Anbindung, Lehrbücher mit animierten Grafiken und vieles mehr. Hinzu kommt die einfache Shop-Lösung, die Apple mit dem neuen iBook Store bietet. Sie gibt Verlagen die Chance, ihre iBooks über eine unkomplizierte, komfortable Plattform zu verkaufen – und dies zu Preisen, die Spaß machen, weil sie für einen wesentlich höheren Deckungsbeitrag sorgen. Mit dem iPad könnte zudem, das hoffen auch Zeitungsverleger, ein ganz neues Paid-Content-Zeitalter anbrechen, in dem über die freien Inhalte im Netz etwas gelassener diskutiert werden darf.
Ein bisschen Wasser muss man allerdings in den Apple-Wein gießen: Noch ist völlig unklar, wie groß der Markt für das iPad wirklich ist und ob es eine klar umrissene Zielgruppe gibt. Andere befürchten, dass sich wegen des speziellen Kopierschutzes von Apple nicht alle E-Books im offenen EPUB-Format auf dem iPad lesen lassen. Wie auch immer, Steve Jobs’ Instinkt hat selten getrogen. Und er gibt einer Branche Hoffnung, die fürchtete, von Monopolisten wie Amazon und Google aufgerieben zu werden.
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15 Kommentar/e
Die Realität wird Euch bald einholen und dann werdet Ihr noch weniger zu lachen haben als jetzt.
Schaut Euch die Musikindustrie an, statt aus deren Fehlern zu lernen, wiederholt Ihr sie.
Ich muß mich anschließen: Man fürchtet sich, von den Monopolisten Amazon und Google aufgerieben zu werden und fällt damit begeistert in die offenen Arme von Apple?
"In den Augen vieler Verleger leistet das iPad endlich das, was die Käufer von einem solchen Gerät erwarten" - nur leider ist "völlig unklar, wie groß der Markt für das iPad wirklich ist und ob es eine klar umrissene Zielgruppe gibt." Ist das jetzt Kritik an der Realitätsferne der Verleger, oder in seiner Unlogik ein Beispiel für die Realitätsferne der Verleger?
Apple hat noch nie gemacht, "was Kunden wünschen", sondern seine Ideen und technologischen Entwicklungen der lechzenden Fangemeinde aufgedrückt. Und die haben das dann gekauft oder nicht.
Das iPad ist wohl eher kein Gerät für den Massenmarkt und kein Manna vom Himmel für die Verleger. Ich empfehle, auf offene Standards und offene Geräte zu setzen. Erst die Vielfalt erschließt Märkte.
Warum sollte das "Heil der Branche" gerade von jemanden kommen, der einen proprietären Monopolismus vorlebt, von dem Amazon beim Kindle doch nur gelernt hat (ehrlich gesagt, ist der Kindle offener als das iPad sein wird)?
Ich will aber nicht schwarz sehen: Mit dem iBook Store bringt Apple in jedem Fall eine Lösung, die dem iPhone App-Bücher-Durcheinander (gibt's außer Porno noch andere Inhalte? Und wie finde ich die? <-- rhetorische Frage ...) ein Ende setzt. Das war höchste Zeit.
Eins aber noch: "zu Preisen, die Spass machen"??? Denkt mal über die Preisbindung für E-Books nach und hört auf, Eure Preise an den Printversionen festzumachen (auf welcher Basis eigentlich). Die Aufgabe liegt bei den Verlagen, nicht bei Apple oder Amazon oder sonst wem. Für 16 (20, 30 ...) Euro wird auch auf dem iPad die Masse der User keine E-Books kaufen (auf dem iPhone liegt der Durchschnittspreis pro App bei ca 3 US-Dollar).
Wenn sich da mal einer nicht gewatlig täuscht.
Was macht derjenige, dessen Energiequelle versiegt? dessen iPad den Geist aufgibt? Setzt der sich dann auf ein Fahrrad um den Strom zu erzeugen? Hat er genug Geld um sich ein neues iPad zu kaufen?
Nee, die Elektronikverwurschtung des Buches wird nur einen Teil des Buchmarktes betreffen, und dann wird auch nur ein Teil der Interessierten auf beide Leseformen zurückgreifen, niemals nur alleine auf das iBook....
Übrigens: iBook-Reader sind so etwas von unsinnlich.... Notbehelfe.... Etwas für Roboter aber nichts für Menschen.
Einzige Chance der Verlage sind definitv nicht proprietäre Geräte von Einzelherstellern sondern offene Standards und vor allem vernünftige und nachvollziehbare Preise statt eBook-Wucher.
Viel ehrlich wäre es zu sagen "Stimmt, wir haben eigentlich keinen blassen Schimmer, was wir tun sollen und hoffen, dass Apple das für uns regelt."
Und wenn wir schon bei diesen unsäglich naiven kommentaren sind: wenn es tätsächlich zu einer digitalen Revolution kommen würde, dann würden die E-Reader verlieren, aber nicht, ohne vorher jede Menge Porzellan zu zerschlagen. Die Anbieter sind da wohl klüger und setzen eher auf eine Prozess, der eine Anpassung von Kunden, Anbietern, Gesetzen und Märketen erlaubt und so dem E-Book zumindest ein überleben in der Nische erlauben wird. Eine Revolution aufzurufen ist wirklich ausgesprochen kurzsichtig.
Aber vielleicht gibt es ja in Zukunft wieder kompetente Kommentare.
Die einen, weil hier eine Vertriebsschiene mehr entsteht, die das Buch und den Buchhandel links liegen lässt. Aber das ist ja schon Alltag.
Andere ärgern sich, weil ihre Vorstellung von freien Inhalten und offenen Modellen und nahezu kostenlosen E-Books offensichtlich nicht mehr der aktuelle Trend ist.
Die nächsten konnten Apple noch nie leiden und deshalb wissen sie schon heute, was von dem allen zu halten ist.
Und andere wiederum kämpfen gegen DRM und da ist Apple auch nicht gerade ein Verbündeter.
Der Erfolg von Apples iPhone und iTunes mit App Store deutet vielleicht eine viel grundsätzlichere Änderung im Informationsverhalten an. Möglicherweise beginnt hier wirklich das Ende des PC und das Verschwinden des Internet. Vielleicht wird der Zugriff auf Inhalte und Informationen von der Masse der Verbraucher eben doch lieber über den Convenience-Zugang eines iPad und entsprechender Apps gewählt und eben nicht über offene, chaotische und in irgend welchen Clouds sich selbst organisierende Informations-Strukturen. Das wäre dann aber auch gleichbedeutend mit dem überraschend frühzeitigen Ende der großen Revolution, die unter Begriffen wie Open Access, Abschaffung des Urheberrechts, Freemium etc. uns so intensiv beschäftigt. Und das scheint mir vor allem der Grund, warum Herrn Roesler-Graichens Kommentar so harsch kritisiert wird.
Es wäre nicht die erste große Revolution, die von der "Convenience" zur Strecke gebracht wird.
Es gibt sehr wohl genügend Leser, die bereit sind, für eBooks einen angemessenen Preis zu zahlen, wenn das eBook "offen" ist, d.h. man vergleichsweise dieselben Rechte zur Nutzung erhält wie beim gedruckten Buch.
Was wirklich kein Leser braucht, ist noch ein weiteres geschlossenes System. Auch Verleger sollten sich deutlich bewusst machen, dass sie sich mit einem geschlossenen System in direkte Abhängigkeit vom Vertrieb geben.
Profitieren wird davon in allererster Linie der Anbieter des Systems. Nicht die Anbieter des Contents.
Es gibt bestimmt reichlich potentielle eBook-Käufer. Nur solange ein digitales Devirat (keine Druck-,
Lager-, Personalkosten) soviel kostet wie eine Hardcover-Ausgabe eines Printbuches, ist es nicht die Schuld der Kunden, dass das Geschäft etwas brach liegt.