Azubi-Blog

12.02.2010

In 80 Tagen durch den Verlag - Kann man diese Wette gewinnen?

Aibe-Lena BehnkeAibe-Lena Behnke© Sigrid Krebs

Aufgrund meines Abiturs wird meine Ausbildungszeit um ein Jahr auf zwei Jahre verkürzt. Anfangs habe ich darin für mich persönlich im Großen und Ganzen nur Vorteile gesehen, da ich dadurch immerhin ein ganzes Jahr spare. Im Falle eines an die Ausbildung folgenden Studiums würde das eingesparte Jahr einen vorgezogenen Berufseintritt mit sich bringen. Doch ist dieses vermeintlich gewonnene Jahr nicht doch eher ein verlorenes Jahr?

Denn innerhalb von nur zwei Jahren alle zehn Abteilungen im Verlag, vier Praktika, mehrere EDV-Schulungen sowie 18 Wochen Berufsschule unter einen Hut zu bringen, hat bei mir des Öfteren das Gefühl hervorgerufen, regelrecht durch die Abteilungen zu hetzen. Kaum hat man sich in eine Abteilung und deren Zuständigkeitsbereiche eingefügt, wartet auch schon die nächste. Meiner Meinung nach ist das sehr schade, da die Ausbildung an sich einen großartigen Einblick in die einzelnen Abteilungen und somit in die gesamte Buchbranche und mögliche Perspektiven nach der Ausbildung gewährt. Dass dieser positive Aspekt aufgrund des unglaublichen Tempos einen negativen Beigeschmack impliziert, ist bedauernswert.

Somit ist die Verkürzung der Ausbildung zwar nicht unmöglich. Aber ist sie auch wirklich effektiv? Was denkt ihr darüber? Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

3 Kommentar/e

1. G F 12.02.2010 14:07h

Ich kann Dir nur sagen, dass ich sehr glücklich war um meine drei Jahre Lehre im Verlag, da man sich so intensiv mit den Themen der Arbeitsbereiche hat auseinandersetzen können. Ob ein Jahr früher oder später der Eintritt ins Berufsleben folgt, ist doch völlig irrelevant – zumal auch das anschließende Studium Unwegbarkeiten mit sich bringen kann...(5 Jahre Regelstudienzeit sind eigentlich nicht realisierbar, wenn man wissenschaftlich arbeiten lernen will!) Mein Ausbilder hat mir zu Beginn der Lehre ausdrücklich gesagt, dass er eine Verkürzung der Lehrzeit für nicht sinnvoll hält. Nimm Dir also Zeit und frage beim ausbildenden Betrieb, was er von einer längeren Lehre hält... denn der ausbildenede Betrieb trägt keine Nachteile davon, im Gegenteil: ist man doch im dritten Lehrjahr schon so weit fortgeschritten und versiert, dass man gut strukturiert und systematisch arbeitet. Dafür braucht man meiner Meinung nach vor allem ein modernes Zeitverständnis und ein Bewusstsein für Entschleunigung. Beste Wünsche nach Seckbach.

2. Karin Schmidt-Friderichs 12.02.2010 14:50h www.typografie.de

Ich kann mich GF nur anschließen, wenngleich aus anderer Perspektive, nämlich als Verlegerin: Nutzen Sie die Zeit! Lernen und das Gelernte im Alltag umsetzen sind zwei Paar Schuhe. Grade dieses letzte Jahr, wo Sie langsam Verantwortung für Aufgaben bekommen, komplexere Arbeiten übertragen bekommen, lohnt sich und bringt gefühlt mehr als die beiden Jahre davor. Auch für das Ausblidungsunternehmen - aber das war nicht Ihre Frage ;-) Dazu stellt sich die Frage, wer Ihrer Generation diese Hektik einhaucht. Sie leben statistisch länger als alle anderen vor Ihnen, Sie bleiben (vermutlich) länger fit und dennoch versuchen wir Älteren Ihrer Generation die Eile beizubringen (oder haben Sie die in sich?), wo wir doch in der Wirtschaft Menschen brauchen, die nicht nur reproduzieren können, sondern kreativ auf gelerntem Wissen weiter denken. Das kann man dann besser, wenn man sicherer ist. Und das ist man ganz sicher nach drei Jahren eher als nach zweien... Herzliche Grüße und die besten Wünsche für Ihren weiteren Weg! Karin Schmidt-Friderichs

3. Ingeborg Gollwitzer 12.02.2010 17:48h

Wer seine Lehrzeit verkürzt, amputiert sich selbst.
Gelernt wird Wissen und Anwendung des Wissens.
Praktische Anwendung kann man sich nicht erlesen; es muss geübt werden. Beim Üben kommen zudem weitere Wissenslücken zutage, man entdeckt sie.
Wer soueverän werden will, muss seine Lehrzeit VOLL ausnutzen.

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