Thema HöRBUCH / DVD 2010

Verlagsempfehlungen zum Thema Hörbuch / DVD 2010

Kleine Schippe draufgelegt

Kleine Schippe draufgelegt

Kleine Schippe draufgelegt© Ralf Dinse

15.02.2010Hörbuchmarkt 2010

Kleine Schippe draufgelegt

Ein kleines Plus, immerhin. Um 1,4 Prozent legte das Hörbuch im vergangenen Jahr laut Media Control GfK International zu – nach 1,8 Prozent im Jahr 2008. Der große Boom ist vorbei – noch reichlich Umsatzpotenzial sehen die Verlage im Vertriebsweg Sortiment.

Das Marktforschungsunternehmen erfasst dabei die Absatzwege Sortimentsbuchhandel, E-Commerce, Fach- und Verbrauchermärkte und den Tonträgerhandel; nicht berücksichtigt sind die Direktverkäufe der Verlage. Nach Angabe der Marktforscher liegt die Marktabdeckung im Hörbuch­bereich bei 95 Prozent.  Der Gesamt­umsatz der Warengruppe über alle Vertriebswege hinweg wird auf gut 200 Millionen Euro geschätzt. Der Anteil der Audiobooks am gesamten Buchmarkt ist Media Control GfK International zufolge im vergangenen Jahr von 4,8 auf 4,3 Prozent zurückgegangen.

Ein Teil der Stagnation dürfte auf den Preisverfall zurückzuführen sein. Der Durchschnittspreis für ein Hörbuch ist von 13,45 auf 12,92 Euro gesunken, so die Berechnungen der Marktforscher. Preiswerte Editionen und Aktionstitel sind in allen Programmen zu finden, doch einige Verlage bieten auch aufwendig produzierte Novitäten für kleines Geld an. Was Johannes Stricker von Hörbuch Hamburg mit dem Satz kommentiert: "Einen BMW sollte man nicht zum Preis eines Dacias verkaufen." Der Verlag gehört mit einem Durchschnittspreis von über 19 Euro bei nahezu allen Bestsellern zu den Preisführern.

Im Ranking der zehn größten Hörbuchverlage hält dagegen der Hörverlag unverändert die Spitzenposition, dann folgt Random House Audio. Ob Lübbe, Argon oder Hörbuch Hamburg – alle haben sie das Jahr 2009 mit einem kleinen oder größeren Plus abgeschlossen. Richtig gut gelaufen ist es für den Eichborn Verlag, dank Eckart von Hirschhausen, der gleich mit drei Titeln in den Top 10 der bestverkauften Hörbücher 2009 vertreten ist. Jumbo Neue Medien – traditionell stark im Kaufhausgeschäft – musste einen Umsatzrückgang hinnehmen, sieht sich Verlegerin Gabriele Swiderski zufolge aber für 2010 sehr gut aufgestellt, nicht zuletzt durch den Ausbau der All-Age-Schiene.

Bei den Vertriebswegen gewinnt in vielen Verlagen das Internet ein paar Prozentpunkte hinzu – oder entwickelt sich gar zum Hauptvertriebsweg, wie bei Radioropa (hoerbuchnetz.de). Random House Audio hat seine Netzaktivitäten ausgebaut. Das Ergebnis: plus 40 Prozent bei den Downloads im vierten Quartal 2009, wie Karl-Heinz Pütz bilanziert. Auch Lübbe Audio ist mit der Entwicklung des Downloadmarkts sehr zufrieden; das Plus betrage 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nachholbedarf sehen die Produzenten im stationären Buchhandel. "Apotheken? Tankstellen? Outdoorgeschäfte – kann man alles machen. Aber am meisten Potenzial liegt im Sortiment", sagt Argon-Verleger Kilian Kissling, "insbesondere da, wo er zum Hörbuchfachhandel wird." Das Hörbuch sei bis auf einige Top-10-Titel im Buchhandel "massiv unterrepräsentiert", meint gar Thomas Bernik, Geschäftsführer beim Audio Media Verlag. Jeder Verlag mit qualitativem Anspruch sehe seine Hörbücher am liebsten im Buchhandel, betont Bernik. Das Sortiment ist für die Mehrzahl der befragten Verlage erste Wahl. Bei den Backlistverkäufen allerdings ist der Absatz über die Internetshops bei vielen Verlagen überproportional hoch. Das liegt zum einen an der besseren Auffindbarkeit im Netz, zum anderen aber auch an der Einkaufspolitik im Buchhandel. Unisono appellieren die Hörbuchverlage an das Sortiment: Der Buchhandel solle im Einkauf doch auch die gut gehende Backlist berücksichtigen und die Angebotsbreite nicht den Online-Anbietern überlassen.

Für mehr Nachfrage bei Händlern und Kunden soll eine Werbekampagne des Arbeitskreises Hörbuchverlage im Börsenverein sorgen. Das im Sommer 2009 beim Jahrestreffen des AK Hörbuchverlage erstmals vorgestellte Branchenmarketing sei noch nicht endgültig abgestimmt, heißt es aus dem Arbeitskreis. Zudem gehe jetzt noch ein zweiter Konzeptvorschlag ins Rennen. "Vielleicht wird man nicht alle Hörbuchverlage unter einen Hut bekommen, aber doch eine entscheidende Gruppe", hofft nicht nur Johannes Stricker.

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Schlagworte:
Hörbuch, Umsatz, Hörbücher, Markt

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