Verband

Wulf D. v. LuciusWulf D. v. Lucius© privat

Tilman SieglinTilman Sieglin© Martin Steiner

Ursula HilberathUrsula Hilberath© Stephan Eickerhoff / WAZ FotoPool

Annemarie SchneiderAnnemarie Schneider© Harald Schröder

Rosemarie von dem KnesebeckRosemarie von dem Knesebeck© Günter Distler

22.02.2010Umfrage

Straffere Organisation versus Mitgliedernähe?

Der Landesverband Nordrhein-Westfalen im Börsenverein hat eine Modernisierungsdebatte angestoßen mit der Absicht, die Fusion des Landesverbands mit dem Bundesverband zu prüfen. Der richtige Weg zu mehr Effizienz bei schlankeren Strukturen oder das Aus für den Mitgliederservice vor Ort? Diskutieren Sie auf boersenblatt.net.

Tilman Sieglin, Buchhandlung Werner Sieglin, Bremen 

"Ich habe Erfahrung mit Fusionen. Nach dem Zusammengehen des Landesverbands Bremen-Unterweser mit dem Landesverband Niedersachsen findet der Verband in Bremen faktisch nicht mehr statt. Die Entfremdung nimmt einfach mit der Entfernung zu, das ist einfach so. Der Bundesverband in Frankfurt nützt mir mit meinen Problemen als kleiner Sortimenter nichts, dort fühle ich mich nicht einmal ernst genommen. Faktisch haben wir im Moment Sortimenter-Verbände auf Landesebene und einen Verlegerverband in Frankfurt. Und übrigens: Es ist sehr schlechter Stil einfach mal so vorzupreschen ohne die Meinungen aus den anderen Landesverbänden einzuholen."

 

Ursula Hilberath, Buchhandlung Hilberath & Lange, Mülheim/Ruhr

"Zunächst soll ja geprüft werden, ob eine Fusion überhaupt sinnvoll ist. Eine Möglichkeit wäre das Zusammengehen für mich nur denn, wenn gewährleistet ist, dass die excellente Arbeit des Landesverbands NRW im Bundesverband weitergeführt wird. Als Sortimenterin muss ich sagen: Der Landesverband genießt mein absolutes Vertrauen, der Bundesverband nicht. Nach einer ersten gemeinsamen Sitzung mit den Vorständen vom Bundesverband glaube ich aber, dass wir durchaus auf Augenhöhe verhandeln können."

 

Annemarie Schneider, Buchhandlung Eulenspiegel, Hochheim:

"Das Zusammengehen mit dem Bundesverband halte ich für eine gute Idee. Schließlich wird das Geld immer knapper. Der Service vor Ort sollte erhalten bleiben. Wie die Aufgaben im einzelnen verteilt werden, muss noch geklärt werden."

 

 

 

Rosemarie von dem Knesebeck, Kneseck Verlag, München:

"Ich bin der Meinung, dass es auch für den Börsenverein an der Zeit ist, zu strafferen Organisationen über zu gehen, insofern begrüße ich die Initiative der NRW und eine Diskussion darüber. Zudem vertrete ich zunehmend die Auffassung, dass der Börsenverein inzwischen zu viele wirtschaftliche Unternehmen betreibt, die zwar gut gemeint sind, aber stets hinter der rasanten Entwicklung der Veränderung am Markt hinterher hinken. Private Wirtschaftsunternehmen können das besser und Mitgliedsbeiträge sollten im wesentlichen für PR und Lobbyarbeit aufgewandt werden."

Wulf D. v. Lucius, Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft, Stuttgart

"Die Initiative des Landesverbandes NRW ist sehr zu begrüßen — schon lange konnte der zweistufige Aufbau von buchhändlerischen Verbänden nicht mehr überzeugen, und das nicht nur aus Kostengründen. Diese sind aber sowohl auf Verbandsebene wie für die Mitgliedsfirmen immer drängender. Bereits in den ausführlichen Verhandlungen der Kommission für die Satzungsreform, der ich als Vorsitzender diente, wurde dieses Thema immer wieder angesprochen. Alle Mitglieder der Kommission waren im Grundsatz für eine solche Reform. Dieser weitgehende Schritt lang damals aber nicht in unserem Auftrag. Umso erfreulicher, dass er jetzt von einem Landesverband ausgeht! Ich bin sicher, dass es kein Grundsatzproblem sein wird, die lokal bzw. regional zu erbringenden Verbandsdienstleistungen aufrechtzuerhalten, eventuell sogar zu stärken."

 

 

 

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5 Kommentar/e

1. w.huettermann 22.02.2010 15:44h

Für mich ist es ausserordentlich schwer, die Tätigkeiten oder Schweigeminuten unzähliger Untervereine zu würdigen. Ich war seit Beginn meiner Selbständigkeit gegen zusätzliche Ausgaben, deren Verwendung man nie kontrollieren kann, besonders hinsichtlich des Nutzens für den normalen" Sortimenter. Es gibt in Deutschland nicht wenige Organisationen, die in erster Linie Selbstzweck sind. Nicht ohne Grund stösst zur selben Zeit der Kieler OB das Thema Bundesländer an. Warum die meisten, die mit Verlust arbeiten, nicht längst zu wenigen Ländern vereinigt worden sind und die Milliarden "Selbstkosten" nicht dazu dienen, die weniger erfolgreichen Ländern von ihren Schulden zu befreien, das wissen die Götter. So sehe ich auch die Grundübel der "Nebenkosten" wie
Berufsgenossenschaft, IHK und Versicherungen .
Letzterer Hilfe sah z.B. so aus, daß im Schadensfall
zu wenig bezahlt wurde und sofort gekündigt wurde.
Unser BV ist da ein klasse Gegenbeispiel - auch ohne Landesverbände.

2. Ulrich Hopp, be.bra verlag, Berlin 22.02.2010 15:59h www.bebraverlag.de

Unser Verband hat einen sehr hohen Anteil an kleineren und mittleren Unternehmen. Diese Unternehmen können sich hauptsächlich in den Regionen organisieren und tatkräftig an der Verbandsarbeit mitwirken. Für viele kleine Unternehmen ist ein Engagement außerhalb der Region schlicht nicht leistbar. Das wird auf den Buchtagen in Berlin sehr deutlich.

Würden nun die Landesverbände aufgelöst, hätte das zur Folge, dass sich das Gros der Mitgliedsunternehmen nicht mehr repräsentiert fühlen würde – der Sinn einer Mitgliedschaft im Börsenverein in Frage steht. Im fernen Frankfurt werden nur noch die Interessen der großen Mitgliedsfirmen wahrgenommen und die Verbandspolitik schliest per se die Kleinen aus.

Gerade die vielfältige Organisation, der Bundesverband mit seinen regional stark organisierten Landesverbänden, ist doch in der Lage von der regionalen politischen Ebene bis zu Bundespolitik die gesamte Klaviatur zu bespielen. Die Nähe zu den Mitgliedern sichert doch die Branchenkommunikation und deren Engagement. Ein Außenbüro des Börsenvereins kann das alles nicht leisten und wenn doch, dann nicht billiger.

3. Manfred Keiper 22.02.2010 17:18h www.anderebuchhandlung.de

"Never change a running system" war für mich mal aus dem Kreis von Computerfachleuten zu hören. Auf der anderen Seite gibt es das 3. Gesetz der Thermodynamik. Beides gäbe es zu beherzigen!
Wenn das Konstrukt Landesverbände - Bundesverband nicht mehr funktioniert, muss es verändert werden, wandeln wird es sich immer müssen, denn nicht nur die Zeit schreitet voran, auch die Verhältnisse ändern sich.
Der Aufschrei aus NRW deutet auf eine Unzufriedenheit hin. Unzufriedenheit mit unseren Verbänden gibt es schon sehr lange. Ich finde das gut so, denn ich habe das unbestimmte Gefühl, dass diese Unzufriedenheit Veränderungen mit sich gebracht hat. Noch nicht genug Veränderung! Zugegeben: Ganz meine Meinung!
Aber wenn man der Diskussion folgt, dann sind die Unzufriedenheit doch sehr unterschiedlichen Charakters, welche es aber sind, dazu steht in den Beiträgen nur wenig oder schwammiges.
Und da liegt mir eher das Problem: Die Probleme zu benennen und die inhaltlichen Konflikte auszutragen. Dass war vor der "Verbandsreform" so, und ist es gegenwärtig immer noch. Die Strukturen jetzt ändern zu wollen hieße, das Pferd von hinten aufzuzäumen.
Die Literatur, unser Geschäftsgegenstand, steht für das freie Wort. Wir sollten es auch selbst nutzen! Wenn die Probleme auf den Tisch gepackt sind, und wir dann feststellen, dass wir zur Lösung andere Strukturen brauchen, dann sollten wir sie ändern. Also, Herr- und Frauschaften, worum geht´s eigentlich?
Unsere Verbände sollen Interessensvertretung sein! Die kleineren Unternehmen - so die Litanei - benutzen mehr die Landesverbände, die größeren Unternehmen und solche, die überregional agieren, benutzen eher den Bundesverband. Auf allen Ebenen werden immer wieder Defizite an dem angemeldet, was ich als "demokratische Kultur" bezeichne. Seltsam, denn Unternehmen sind i.d.R. undemokratisch organisiert. Das wird also immer ein mentales Problem bleiben. Andererseits sind Unternehmerzusammenkünfte ein Haufen von Alpha-Tieren - jeder hält sich für den Ersten und Besten und alle anderen blicken ohnehin nicht so durch. In Unternehmerverbänden - so etwas ist unser Börsenverein - sind i.d.R. die "Großen" auch die größeren Alpha-Tiere, im Börsenverein scheint mir nur, dass die kleineren Alpha-Tiere (ich bin auch eins davon) mehr von sich her machen - das ist Ausdruck von a bissel mehr demokratischer Kultur, die wir entwickelt haben. Aber auch ich bin mehr Meinung, dass das Erreichte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist.
Wenn hier Meinungen vertreten, dass der Verband straffer werden muss, dann würde ich auch gerne hören, wo denn die schlaffen Stellen sind, warum sie zu schlaff sind, aber auch, wie es straffer werden kann. Wenn gespart werden muss, wo unnötig Geld ausgegeben wird.
Oh, es gäbe noch viele weitere Fragen. Fragen, die ich mir schon lange gestellt habe - und eine entscheidende Konsequenz gezogen habe: Ich bin aktiv in diesem Verband geworden, den ich für wichtig, aber nicht effektiv genug halte!

4. Fred Schirrmacher 22.02.2010 21:45h

Wenn Herr Könemann (Zwischenbuchhandel) keine Lust mehr hat auf das „Klein-klein“ in NRW, bitteschön. Aber die Argumentation ist so faul, daß es zum Himmel stinkt. „Rationalisierung“ ist kein Wert an sich, sondern ein ökonomischer Prozeßbegriff. Wenn etwas rationalisiert wird, dann bedeutet das „Kostenersparnis“. Es gibt aber Dinge, die sich nicht in Zahlen (und damit: Kosten) ausdrücken lassen. Engagement, Loyalität, Solidarität sind solche Begriffe. Und auch: politische Willensbildung. Es liegt auf der Hand, daß die von Frankfurt bezahlte Leiterin eines „Regionalbüros“ auch dann nicht gegen Frankfurt argumentieren wird, wenn der Mitgliederwille im Land den Vorgaben des Bundesverbandes widerspricht. Glaubt im Ernst jemand, daß ein Prozeß „Buchhandlung Wienacker gegen amazon.de“ geführt worden wäre, wenn es die Landesverbände nicht gäbe? Die jüngst angestoßene Debatte mag ökonomisch vernünftig sein (wobei: wie hoch sind eigentlich die Bezüge der hauptamtlichen Geschäftsführer in den Landesverbänden?), sie ist nicht im Interesse der deutlich überwiegenden Mehrheit (80%) der Börsenvereinsmitglieder, der kleinen und mittleren Buchhandlungen der Republik. Und was die angebliche Notwendigkeit einer „großen Strukturreform“ im Land betrifft: angesichts der hinlänglich bekannten massiven Geldverbrennungsmaßnahmen in Frankfurt (MVB, libreka) : wäre es nicht besser, der Börsenverein löste sich auf und verschmölze mit den Landesverbänden? Oder man gäbe das heilige Dogma der „Dreispartigkeit“ endlich auf, und die Buchhändler (4.500) gründeten ihren eigenen Bundesverband? Der Gedanke ist so naheliegend, daß am Ende der angestrebten „Verschmelzung“ das Ende des Börsenvereins stehen wird. Keine 12 Jahre mehr, wetten…?!

5. V.Sommer 01.03.2010 16:45h

Sehr geehrte(r) Frau/ Herr W.Huettermann,

ich kann Ihren Worten nur zustimmen. Wann hat jemand vom Landesverband mit uns Kontakt aufgenommen? Wo kann uns der LV wirklich helfen? In vielen Bereichen hat sich diese angebliche "Nähe" zur Basis verselbständigt und das Ergebnis ist ... der Wasserkopf wird immer größer.

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