05.03.2010Kommentar zu E-Books im Buchhandel
Offerte zur passenden Zeit
Da kommt was in Bewegung: Nach libreka! will jetzt auch Libri dem Buchhandel die Türen zur digitalen Welt öffnen. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteurin Tamara Weise.
Jeder Buchhändler soll in der Lage sein, E-Books direkt im Laden zu verkaufen (und nicht mehr nur über die eigene Website). Der Kunde zahlt, bekommt per E-Mail einen Download-Link zugeschickt ... Will das überhaupt jemand? Kaum, zumindest im Moment. Einfach wegdrehen sollte sich dennoch niemand: Denn der Zug rollt schneller als gedacht. Buchhändler, die über das umständliche Download-Prozedere stöhnen, mögen im Augenblick recht haben – liegen aber trotzdem falsch. Was jetzt sichtbar wird, ist lediglich eine erste, kleine Markterhebung. Nicht weniger, nicht mehr. Die Geschäftsmodelle werden sich in einem noch kaum vorstellbaren Ausmaß wandeln. Libreka! und Libri starten ihre Offerten genau zur passenden Zeit. Jetzt muss sich der Buchhandel nur noch inspirieren lassen – zu echten (eigenen) Innovationen.
1. Mister eBook 05.03.2010 10:06h
Ein guter Beitrag und er trifft die -baldige- Zukunft. Doch welche echten (eigenen) Innovationen soll er entwicklen?? Die Konkurrenz ist groß und gut gerüstet. Für den Sortimenter sehe ich da keine Möglichkeiten, das eBook Geschäft an sich zu reißen. Man kann dem Buchhandel nur wünschen, das sich die Kunden überzeugen lassen, Content tatsächlich über die Website ihres Buchhändlers zu ziehen...
2. Erwin Müller 05.03.2010 10:23h -
In Zukunft wird die elektronische Variante des gekauften Buches beim Buchhändler GRATIS per Stick mitgegeben. Es wird gar kein E-Book Geschäft geben.
3. le-ebook 05.03.2010 13:27h
Vielleicht so: dem Leser wirklich von einigen Titeln beim Kauf eines Print-Buchs das Gratis-E-Book anbieten, welches er per E-Mail-Link bekommt. Dann hat man seine E-Mail-Adresse, kennt den Kunden und kann ihn weiter bewerben. Natürlich kann man mit diesem Link ihn auch schon auf den eigenen Shop und deren Vorteile aufmerksam machen. Der Kunde muss das positive Einkaufserlebnis aus Ihrem Laden auf Ihren Web-Laden übertragen. Dann könnte das klappen.
Und es muss ja nicht gratis sein. Das erste e-Book zum gekauften Print-Buch mit einem kleinen Aufschlag geht auch und man hat nur die Intressenten, die sich für E-Books interessieren.
War nur so eine Idee ...
4. Johannes 05.03.2010 18:20h http://www.lesen.net
"Jetzt muss sich der Buchhandel nur noch inspirieren lassen – zu echten (eigenen) Innovationen."
Das liegt wohl kaum im Ermessen des Buchhandels. Solange die Verlage ihre eBooks mit DRM verstümmeln, gibt es keine praktikablere Alternative zu den tatsächlich wenig sinnigen Optionen von Libreka und Libri - fragt mal Hugendubel nach ihren (geplanten, aber eben nicht realisierbaren) "echten" Download-Terminals.
Also mal bitte nicht den Gärtner zum (Sünden)bock machen hier.
Ciao
Johannes
5. Dieter Frieß 07.03.2010 10:30h http://www.dieter-friess-verlag.de
Welcher Mensch, der es geschafft hat ein E-Buch auf seinem PC zu lesen oder einem sonstigen Lesegerät, sollte jemals eine Buchhandlung bereten um dort ein E-Buch zu kaufen?
Kein Mensch! E-Bücher werden ausschließlich über das Internet gekauft. In Buchhandlungen werden Bücher verkauft, jetzt und in Zukunft.
6. Susanne Martin 07.03.2010 11:34h http://www.schiller-buch.de
Sicher ist es nicht unbedingt das Optimum, wenn ich meinen Kundinnen und Kunden lediglich einen Link nach Hause schicken kann - aber das liegt nicht in meiner Hand.
Aber ich kann die Möglichkeit wahrnehmen, denjenigen, die es schätzen, sich mit mir über Bücher zu unterhalten und die Anregungen bei mir suchen, die aber trotzdem gerne digital lesen wollen, im Laden eine Lösung anzubieten. Und genau darum geht es mir, wenn ich mich LIBRI digital anschließe: Ich möchte meine inhaltliche Kompetenz weiter zeigen und vielleicht lädt dann der eine oder andere eben doch auch andere digitale Inhalte über meine Seite herunter.
Besser, ich probiere solche Modelle aus, als ich gebe gleich auf!
7. Mr eBook 08.03.2010 08:48h
Frau Martin hat Recht. Besser man versucht als Sortimenter gelegentlich ein eBook über die eigene Site abzusetzen als die Hände in den Schoß zu legen. Problematisch ist nicht unbedingt die Furcht der Sortimenter sich auf eBooks einzustellen (dies erledigt irgendwann der Ökonomische Druck von ganz allein), sondern die geringen Spannen im Bereich eBook. Je höher der Titelabfluß im Segement eBook destso mehr Umsatz geht im Bereich Print flöten. Die Schwierigkeit ist: Die Kompensation von Rückgang Print durch Mehrverkauf eBook gelingt nicht, da wie oben bereits erwähnt die Marge nicht stimmt.
8. Sebastian 08.03.2010 17:39h http://ridcully.info
Als Kunde finde ich den Kauf von eBooks im Ladengeschäft durchaus interessant. Ich liebe es im Geschäft zu stöbern und einige Bücher einzupacken, die ich "angelesen" habe. Das geht in einem Ladengeschäft viel besser, als online.
Nur eBooks im Laden kaufen, geht mit der aktuellen Technik absolut nicht. Ich will nicht mein Reader mitnehmen, um da was drauf zu spielen. Ich will aber auch keine eMails bekommen. Ich will ein Medium vor Ort einpacken können und gut ist. Quasi eine CD, oder ein USB-Stick. Etwas, was ich real in der Hand Halten kann.
Das Problem hier ist, wie Johannes bemerkt hat, dass es dank DRM nicht einfach so möglich ist. Eine lange Prozedur um die gekauften Bücher dann lesen zu können, will niemand. Und im Endeffekt passiert das aktuell bei jedem Ladengeschäft digitaler Werke.
Was macht man z. B. mit dem Opa, der ein eReader nutzen würde, aber kein Internet hat? Er könnte so ein Gerät sicherlich bedienen - genau wie den Fernseher, oder Video-Recorder, aber er hat, oder will kein Internet. So lange er also keinen USB-Stick mit seinem Buch hat, das angezeigt wird, wenn er es in den Reader steckt, wird er auch nichts im Ladengeschäft kaufen.
Ich denke, dass mit diesem realen Objekt, das man mit einem Reader kombinieren kann, auch viele neue Kunden leichter vom digitalen Buch überzeugt werden können. Es ist etwas, was man in der Hand halten kann, und was funktioniert, ohne dass man viel machen muss...
Oder sagen wir mal so... Funktionieren könnte...
9. Heiner Müller 10.03.2010 17:31h
Warum nicht? In England sind auch lange Zeit Heizer auf E-Loks mit gefahren.
Sony hat im Geschäft mit Musikdownloads versucht, über den Einzelhandel Rubbelkarten zu verkaufen, mit denen Downloads freigeschaltet werden konnten.
Kein großer Erfolg, so weit ich mich erinnere.
10. Sebastian 18.03.2010 15:08h http://ridcully.info
Weil es zu kompliziert ist. Ich _muss_ bei einem eBook immer an irgendeiner Stelle online gehen, und das eBook runter laden, oder freischalten. Ich muss es dann in irgendeine Management-Software laden, die ich vorher registriert haben muss. Erst danach kann ich das ganze auf meinen eReader packen.
Das ist auch das Problem, warum die Sony Downloads nie funktionieren konnten. Kunden im Laden sind andere, als Kunden online. Die einen können, und _wollen_ damit umgehen, die anderen wollen mit Online einfach nichts zu tun haben.
Wenn ich mit meinem Reader in ein Ladengeschäft gehe, krieg ich das Buch da nicht drauf. Sollte es dann mal drauf sein, krieg ich es aber nicht wieder runter. Das ist ein technisches Problem, was so nicht funktioniert.
Ich habe Internet, aber nicht jeder, der potentieller Kunde ist, hat Internet. Oder kann die Technik ausreichend bedienen. Die Hürden sind einfach zu groß. So lange das der Fall ist, wird das klassische Buch nicht aussterben.
Das Dumme ist halt, die Hürden müssten nicht sein. Es gibt genug Techniken, die auch offline und automatisch funktionieren würden. Aber das wollen die Rechteinhaber einfach nicht. Und deswegen sind Sie, meiner Meinung nach, Ihrem eigenen Erfolg im Weg...