Literarisches Leben

Fiera del Libro per Ragazzi in BolognaFiera del Libro per Ragazzi in Bologna© Stefan Hauck

23.03.2010Kinder- und Jugendbuch

Jugendbuchmesse in Bologna startet

Heute beginnt die 47. Internationale Jugendbuchmesse in Bologna, auf der in den kommenden vier Tagen mehr als 1.200 Aussteller aus 60 Ländern ihre Novitäten zeigen und über Lizenzen verhandeln. Rund 4.000 Fachbesucher werden erwartet.

Die Mitarbeiter der deutschsprachigen Verlage und die damit verbundene Jugendbuchszene traf sich am Vorabend zum traditionellen Auftakt im Istituto di Cultura Germanica, wo die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) zum Empfang geladen hatte. Avj-Vorsitzender Ulrich Störiko-Blume bejahte entschieden in seiner Rede die Frage, ob man in Zukunft noch Verlage brauche. "Wir wählen Geschichten aus, bringen sie in Form und handeln mit ihnen. Das ist der fundamentale Unterschied zu allen modernen Formen des Chattens, Bloggens, Twitterns – wir quasseln nicht drauflos, sondern bringen die Geschichten in Form: die Konstruktion, Sprache, sachliche Richtigkeit, Illustration, Gestaltung und Satz, auch Druck, Pappier, Bindung." Keinesfalls wolle er das Internet und weitere zu erwartende Errungenschaften der digitalen Medien geringschätzen. "Allerdings wage ich die Prognose: Wir werden uns hier auch in zehn Jahren mit den Kinderbuchverlagen der Welt treffen und uns gegenseitig neue Geschichten anbieten – die meisten nach wie vor auf Papier, einige sicher auch in immer beeindruckenderen Formen auf elektronischen Medien."

Störiko-Blume hob hervor, die Jugendbuchverlage seien nach wie vor Import-Weltmeister. "Aber wir schicken uns an, auch beim Export eine größere Rolle zu spielen. Mit 25 Prozent (2008: 21,5 Prozent) stellten die Jugendbuchverlage 2009 den größten Anteil aller ins Ausland verkauften Lizenzen, fast doppelt soviel wie wie die Belletristik mit 14,5 Prozent." Der Marktanteil des Kinder- und Jugendbuchbuchs habe von 2004 an um fast ein Viertel auf 15,7 Prozent zugenommen: "Wir sind nicht nur eine nette Branche, wir sind ein Wirtschaftsfaktor Nr. 1 innerhalb des gesamten Buchmarkts. Und wir wollen uns nicht damit bescheiden, sondern das weiter ausbauen." Gerade weil Kinder von einem zunehmenden Angebot an elektronischen Medien vom "immer raffinierteren Daddelgerät bis zum hilfreichen Internet-Portal" umzingelt würden, müsste die Bedeutung von Büchern verstärkt werden. "Lassen wir uns nicht von dem jämmerlichen Gesäusel beirren, das die Zukunft des Buchs in Gefahr sieht. Wir tragen schließlich auch noch Hosen, trinken Milch – und kochen mit Wasser ..."

Insgesamt sind in Bologna 64 deutsche Verlage, acht österreichische und zwölf Schweizer Verlage sowie sechs literarische Agenturen. 27 der Verlage sind am deutschen Gemeinschaftsstand, der von der avj und der Frankfurter Buchmesse organisiert wird – sechs weniger als im vergangenen Jahr. "Die Didacta und die Leipziger Buchmesse waren in diesem Jahr direkt vor Bologna, und kleinere Verlage entscheiden sich bei der Gedrängtheit der Termine dann eben für eine Messe", erläutert Gioia Russo von der Frankfurter Buchmesse. Erstmals sind der Helle Freude Verlag, Die Buchpiloten, Bloomsbury sowie die Fachhochschule Münster dabei. Der Gemeinschaftsstand bietet ebenso wie einige Verlage Mappendurchsichten für Illustratoren (Christine Paxmann) und Meetings mit Mitarbeitern von arabischen und brasilianischen Kinderbuchverlagen (Bärbel Becker) an.

Kommentar schreiben

Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden offline gestellt. Netiquette
Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

Ihr Kommentar

(E-Mail wird nicht veröffentlicht)

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

* Pflichtfeld

Anzeige