© Holger Andre
30.03.2010Sortiment
Boykottaufruf gegen Liza Marklund
Gegen das Buch der Krimiautorin Liza Marklund "Letzter Gruß" (Limes Verlag) läuft derzeit eine E-Mail-Aktion im Buchhandel. Anlass: Marklund hat sich in einem Artikel der "FAZ"gegen die Preisbindung ausgesprochen.
"Bücher soll es einfach überall zu kaufen geben. Der kleine Buchhändler interessiert mich null. Soll er verschwinden - wen kümmert das?" Es sei doch eine Fehlinterpretation, dass Bestseller der guten Literatur Leser wegnähmen. "Es ist genau umgekehrt: Ohne Bestseller geht doch keiner in einen Buchladen", so Marklund.
Hier ist der komplette Artikel.
1. Oliver Tekolf 30.03.2010 18:02h
Zugegeben - das ist keine besonders schlaue oder nette Äußerung von Frau Marklund, im Gegenteil, sie ist sogar reichlich borniert. Aber es ist eben ihre Meinung: Diese gilt genauso wie die jedes anderen. Deshalb zum Boykott aufzurufen, finde ich fast ebenso schädlich, denn die Kundinnen und Kunden werden das kaum goutieren. Die Kolleginnen und Kollegen schneiden sich damit ins eigene Fleisch. Ich glaube auch kaum, dass der deutsche Verlag von LM jetzt versuchen wird, die Preisbindung für ihre Bücher aufzuheben.
2. Gunvald 30.03.2010 18:23h
Was da wieder für ein Wind gemacht wird! Außerdem handelt es sich nicht um "Lebenslänglich", sondern "Letzter Gruß", zusammen verfasst mit James Patterson. Der ganze FAZ-Artikel ist in einem spöttischen Unterton geschrieben, wobei man fast denken könnte, der Journalist ist neidisch auf Pattersons Millionen. Marklund und Patterson wissen eben, wie man Geld scheffelt, und das Buch ist meiner Meinung nach solides Handwerk, mehr aber auch nicht. Allerdings schließe mich mich meinem Vorgänger an: Marklund benimmt sich wie der Elefant im Porzellanladen, allerdings stellt sich die Frage, ob sie das wirklich so gesagt hat. Das Buch wird sich trotzdem verkaufen.
3. Uwe Metz 30.03.2010 18:59h
Maklunds markige Äußerung ist so geistreich wie die eines Dieter Bohlen am Jurytisch von DSDS. Nur eben dass sie sich in keiner befindet. Es kann ihr doch gleich sein, unter welchen Preis-Bedingungen ihr Buch gekauft wird. Oder wo. Ich fürchte, dass man Marklunds Ego mit einem Boykott eher schmeichelt. Viel Feind viel Ehr. Wie bei Dieter Bohlen eben.
4. Susanne Martin 30.03.2010 22:47h http://www.schiller-buch.de
Ich habe Liza Marklund immer gerne verkauft und empfohlen, ja sie sogar einmal bei einer erfolgreichen Lesung in der Buchhandlung gehabt. Sie war hier in Deutschland nicht von Anfang an eine Bestsellerautorin, sondern sie wurde es auch durch das Engagement und die Begeisterung vieler BuchhändlerInnen in kleinen und großen Buchhandlungen. Begeisterung und Engagement sind mir jedoch nach der Lektüre des Artikels gründlich vergangen. Es gibt viele andere gute skandinavische KirmiautorInnen, die ich verkaufen und empfehlen kann - das müssen nicht die Bücher von Liza Marklund sein.
5. Redaktion Börsenblatt 31.03.2010 10:19h
@ Gunvald: Danke für den Hinweis. Wir haben den Titel geändert.
6. David Mesche 31.03.2010 11:34h
Nur noch auf den Profit sehen: Da passen Frau Marklund und die großen Ketten sicher gut zusammen. Auch ihr Verleger in Hamburg hat überzeugende Alternativen im Programm. Also ab in die Remi-Kiste!
7. Andrea 31.03.2010 12:37h
Nun lesen wir alle mal die aktuelle Stellungnahme von Fr. Marklund - und dann beruhigen sich die Gemüter wieder.
Wie man sich so auf eine Pressemeldung stürzen kann, ohne die Aussage mit eigenen Ohren gehört zu haben, und gleich zum Boykott aufzurufen erscheint mir vorschnell. Zumal man wirklich in Betracht ziehen muß, dass Frau Marklund sich sicher besser im skandinavischen Buchhandel und ev. noch im amerikanischen auskennt. Das sie gezielt den deutschen Buchhändler eins überbraten wollte, kann ich nicht glauben.
8. Ede 31.03.2010 18:31h
@ Andrea: Also dürfen wir den Pressemeldungen nicht mehr glauben? Müssen wir erst mal bei Fr. Marklund/der Kanzlerin/dem US-Präsidenten nachfragen, bevor wir da was kritisieren? Ich glaube auch nicht, daß Fr. Marklund gezielt uns kleinen deutschen Buchhändlern was überbraten wollte - ich gehe davon aus, sie meint wirklich alle kleinen Buchhandlungen. Egal wie die KollegInnen im skandinavischen oder amerikanischen Buchhandel arbeiten, ich hoffe, daß es die kleinen Buchhandlungen auch dort noch lange gibt!
9. Markus Groß 01.04.2010 12:41h
Man muß sich mit den Mitteln die man hat zur Wehr setzen. So wie ich die Atompolitik der Großen Stromversorger boykottiere, indem ich mit Firma und privat zu Naturstrom AG gewechselt bin (und die im Buchladen auch bewerbe) und so wie ich das Buch von Hegemann nicht führe, genauso werde ich keine Bücher von Marklund mehr im Angebot führen. Soll sie doch Ihre Bestseller verramschen wo sie will ... Bestellungen auf Kundenwunsch führe ich gerne aus ..ansonsten gibt es genug tolle Autoren, mit denen ich meine Regale undd as Fenster füllen kann. Schade, dass bei solchen Sachen nicht mal ein paar Tausend ..naja Hundert Buchhändler an einem Strang ziehen.
10. Markus Pfeffer 06.04.2010 12:13h
@Markus Groß: Naja, manche verkaufen eben, was SIE wollen, und manche das, was die KUNDEN wollen. Jedem das seine.
Das aber Frau Marklund, die sicher kaum eine fachkundige Ahnung von der spezifischen Situation des deutschen Buchhandels hat, eine Aussage gegen etwas macht, das für Außenstehende zwangsläufig wie ein Preiskartell aussehen muss, halte ich aber für keinen bemerkenswert großen Aufreger...
11. Markus Groß 06.04.2010 17:35h
@Markus Pfeffer Wer lesen kann ist klar im Vorteil: Ich schrieb: Bestellungen auf Kundenwunsch führe ich gerne aus
12. Markus Pfeffer 06.04.2010 20:35h
Ist mir bewusst gewesen, nur ist es meine persönliche Meinung, dass unter "dem Kundenwunsch entsprechen" mehr zu verstehen ist, als das bloße Bestellen.