Antiquariat
09.04.2010Online-Buchhandel
Umfrage: ZVAB umsatzstärkste Antiquariats-Plattform
Die anonym durchführte Umfrage ist innerhalb von 24 Stunden 99 Mal beantwortet worden, 89 Mal vollständig (knapp 90 Prozent). Die Verteilung des Links zur Umfrage erfolgte direkt und zusätzlich in Foren, die ausschließlich Branchenteilnehmern zugänglich sind. Die Umfrage erhebt natürlich nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein – aber sie bietet wohl eine interpretationsfähige Ansicht der gegenwärtigen Marktsituation des Online-Handels.
Die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen:
Frage 1: Welche Plattform ist für Sie gegenwärtig die umsatzstärkste?
Abebooks 2,1 %
Amazon 18,6 %
Booklooker 3,1 %
Ebay 10,3 %
ZVAB 66 %
andere 9,3 %
97 Antworten; davon acht Antworten mit Mehrfachnennungen, die aufgrund einer Fehleinstellung des Umfrage-Tools zugelassen wurden: Abebooks/ZVAB, Abebooks/Ebay, Amazon/ZVAB, Amazon/ZVAB, Amazon/ZVAB, Booklooker/ZVAB, Ebay/ZVAB, Amazon/Ebay/andere (deshalb ergibt die Zusammenzählung der Werte oben etwas mehr als 100 %).
Frage 2: Anzahl der Plattformen, auf denen Sie anbieten (ohne eigene Website)?
1 2,1 %
2 10,3 %
3 11,3 %
4 21,6 %
5 28,9 %
mehr 25,8 %
97 Antworten
Frage 3: Welchen ungefähren Anteil haben Umsätze über Plattformen an Ihrem Gesamtumsatz?
Die Spannweite der 89 abgegebenen Antworten ist erheblich, wie zu erwarten; die überwiegende Mehrheit gibt Werte von 70 bis 80 Prozent an, bei einer ganzen Anzahl von Teilnehmern liegt der Plattform-Umsatzanteil bei 90 bis 100 Prozent. Zum Vergleich: die Umsatzstatistik Antiquariat der Arbeitsgemeinschaft Antiquariat im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ermittelte für 2009 einen Online-Anteil von 53 Prozent (inkl. eigener Websites), allerdings auf schmaler statistischer Grundlage. Fast niemand hat die Möglichkeit einer freien Antwort genutzt (Ausnahmen: "weniger als die Hälfte", "25 % Rechnungskunden, Ladenumsatz nicht eingerechnet!").
Herzlichen Dank allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern (und an alle, die den Umfrage-Link verteilt haben)! Eine zweite Online-Umfrage befindet sich in Vorbereitung.

1. Michael Stein 09.04.2010 10:54h http://www.film-literature.com/
Eigentlich keine Überraschung, trotzdem ein schöner Überblick. Auch wenn sich mit einem großen Ankauf bestimmter Ware (fremdsprachig, niedrigpreisig) für den Antiquar zeitweilige Verschiebungen zur einen oder anderen Plattform ergeben werden: Das ZVAB hat nach meinen Erfahrungen das beste Standing bei Akademikern in Deutschland. Keine andere Plattform bringt mir mehr Bestellungen von Titelträgern und Hochschulen. Der Umsatz dieser Kunden ist im Vergleich zu Kunden anderer Plattformen eher höher, da z.B. enstprechend Fachbücher geordert werden. Das "anspruchsvollere" und damit teurere Buch wird offensichtlich immer noch übers ZVAB gekauft.
2. Buchhöker 09.04.2010 10:55h
Liebe Redaktion,
ich möchte ja hier durch die Häufigkeit und ggf. Länge meiner Kommentare nicht die vakante Stelle eines süddeutschen Reptils einnehmen, aber Ihre Überschrift
"ZVAB umsatzstärkste Antiquariats-Plattform"
kann so nicht im Raum stehen bleiben.
Es mag ja sein, dass für die 89 Teilnehmer, die die Umfrage vollständig beantwortet haben, die meisten Bestellungen über das ZVAB generiert werden. Daraus aber eine Überschrift abzuleiten, in der das ZVAB als umsatzstärkste Plattform schlechthin bezeichnet wird ist schlichtweg gefährlich. Gefährlich deshalb, weil sich auf Grund solcher Aussagen diverse Kolleginnen und Kollegen in einer trügerischen Sicherheit wähnen könnten, die von der Realität meilenweit entfernt ist.
Tatsache ist, dass bei vielen "alten Hasen" das Anbieten über ebay und amazon als Sündenfall gilt, viele andere sind dazu technisch oder von der Qualität ihrer Auftragsentwicklung etc. schlicht gar nicht erst in der Lage. Diese Gruppe generiert also über ebay und amazon gar keine Umsätze, gefolgt von einer nennenswerten Anzahl von Kolleginnen und Kollegen, die ebay und amazon zwar über irgendwelche "Hilfskrücken" anbieten und damit "Dienstleister" bereichern, sich selbst aber kein Bild von den Notwendigkeiten für eine erfolgreiche geschäftliche Betätigung auf diesen beiden Plattformen gemacht haben.
Für die befragte Gruppe mag subjektiv also zwar das ZVAB die umsatzstärkste Plattform sein, für den Gesamtmarkt kann dies aber so keinesfalls abgeleitet werden.
Während manche Antiquarinnen und Antiquare philosophierend den Untergang des Abendlandes beklagen, werden sie von vielen anderen Marktteilnehmern, bevorzugt aus der Generation der Digital-Natives, überholt.
Vielleicht wäre es interessant einmal die Kollegen Marc Daniel Kretzer ( Antiquar und GIAQ Vorstand ) und Hasso Bräuer ( Antiquar und Dozent ) zu diesen Fragen zu interviewen.
Beide tummeln sich m.E. recht rege in "beiden Welten".
3. Wolfgang Höfs 09.04.2010 12:04h
Die zwanzig größten Gebrauchtbuchhändler auf Amazon.de (exklusiv) generieren genauso viele Bestellungen wie das ZVAB mit über 4000 gelisteten Händlern weltweit. Natürlich dominiert Amazon den Markt, nicht in den Nischen des Antiquariatsbuchhandels (bisher), aber sicher im aktuellen Gebrauchtbuch- und MA-Bereich.
4. Klaus Erthal 09.04.2010 14:58h
Guten Tag Herr Höfs,
da braucht es keine zwanzig Händler. Über das ZVAB werden ca. 5.000 Bücher pro Tag verkauft. Die zwei größten Momox (ca. 3.000) und Happy-Book (ca. 1.000) stellen schon 4.000 Verkäufe pro Tag auf amazon. Da der Durchschnittspreis beim ZVAB etwas höher liegen dürfte als bei amazon, schätze ich, daß die 5 - 10 größten Händler bei amazon den gleichen Umsatz wie das ZVAB insgesamt machen. Ebay liegt in Stückzahl und Umsatz auch weit vor dem ZVAB, aber amazon ist eindeutig Spitzenreiter.
5. Loschwitz 09.04.2010 17:36h
Bei der Art der Befragung und der Zahl der Antworten liegt die Fehlerquote bei 100%, d.h. die Aussagekraft bei Null. Das hat mit dem Inhalt der Befragung gar nichts zu tun, sondern ist einfach nur Statistik. Die Antwort hätte auch lauten können: ZVAB ist die umsatzschwächste Antiquariats-Plattform und wäre genau so richtig/falsch gewesen.
6. Roland Samsz 09.04.2010 17:41h http://geizmonster.de
Es hängt doch alles nur von meinem Angebot ab.
Als Restverwerter von relativ aktueller Ware werde ich sicher den größten Umsatz über Amazon und Ebay machen.
Habe ich ein "edles" Angebot werde ich bestimmt mehr über das ZVAB abwickeln.
7. Redaktion 09.04.2010 19:53h
Danke für Kommentare und Anmerkungen. Ja, ein shift liegt in der Luft (Ebay, Amazon & Co.), aber er ist ziemlich schwer zu fassen – abgesehen natürlich von der Momox-Schiene etc., aber das würde ich nicht als "Antiquariat" bezeichnen.
Abgesehen davon: viel wirklich bedeutender Handel findet heute nach wie vor offline statt, oben geht es aber nur um Online-Handel. Das muss man auch mal festhalten.
8. bookmarathon 09.04.2010 20:28h
Wow!!! Sie stellen das Ergebnis einer Umfrage ins Netz. Um dann auf die leicht zweifelnden Kommentare mit dem letzten Satz zu Antworten:
"Abgesehen davon: viel wirklich bedeutender Handel findet heute nach wie vor offline statt, oben geht es aber nur um Online-Handel. Das muss man auch mal festhalten."
Respekt, Liebe Redaktion. Da bleibt dann nur noch eine Frage: Was sollte die Überschrift und die Umfrage?)
Äh, nee, eine Frage hätte ich doch mal an die Redaktion:
Könnten Sie mal das antiquarische Buch und Antiquariat definieren? Die Antiquariate mit denen ich bisher zu tun hatte, haben bei gut einem Euro angefangen, und gingen dann bis zu mehreren hundert Euro das Buch rauf. Das zig tausend Euro Buch ist wohl eher nicht das Alltagsgeschäft des Antiquars, glaube ich.
Superteure wirkliche Topware ist sicher nichts was im Netz zu verkauft werden mus. Aber ich fürchte, Liebe Redaktion, Sie haben auch bei Ihren Mitgliedern doch eher mit den Durchschnittsverdienern zu tun, die auch Durchschnittsware haben.