Antiquariat

19.04.2010Meinung

Antiquariatsbuchhandel auf verlorenem Posten?

Wachen Sie auf, meine Damen und Herren! Der Kampf um die Zukunft des Antiquariats findet nicht im Internet statt – und vielleicht ist er sowieso schon verloren. Eine Schmähschrift von Herbert Meinke.

Pünktlich zur Eröffnung von Buchmessen (Frankfurt und/oder Leipzig) oder Antiquariatsmessen (wahlweise Stuttgart, Ludwigsburg, Zürich, Köln, Berlin, Hamburg, "München diesmal nicht") werden wieder einige ältere Herren vollmundig erklären, "um die Zukunft des Buches mache man sich keine Sorgen". Man sollte sich auch nicht "Sorgen", sondern endlich mal die Augen aufmachen.

Schon der Versuch eines Blicks in die Zukunft stimmt mich hoffnungslos. Auf diesem Markt scheint nichts mehr zu stimmen. Die alten Strukturen sind mit einer solchen Geschwindigkeit zerbröselt, die ich so nicht erwartet hatte. Natürlich werden noch beeindruckende Umsätze erzielt, die Mediantis AG (das ist das ZVAB) nennt einen Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 2009 von circa 4,5 Millionen Euro, wobei aber nicht aufgeschlüsselt ist, wie viel davon Tonträger oder Neubücher sind. Aber mit klassischem Antiquariat hat das nichts zu tun, das ZVAB ist in erster Linie eine Vermittlungsplattform für Gebrauchtbücher.

Die Zahlen der anderen Plattformen sind mir nicht bekannt, werden aber sicherlich geringer sein. Was und in welcher Umsatzgröße bei Ebay 'vertickert' wird, kann ich gar nicht einschätzen. Auf den über zehn deutschen Buchauktionen werden immer noch Millionenbeträge umgesetzt, was da aber nach Abzug der Kosten noch übrig bleibt, weiß ich nach über zehnjähriger Tätigkeit im Auktionswesen nur zu gut. Diesen auf den ersten Blick beachtlichen Umsätzen stehen eben auch immense Kosten gegenüber. Dazu kommt, dass die insgesamt wohl relativ konstante Umsatzhöhe auf eine größere Zahl von Anbietern aufzuteilen ist, wobei der Anteil der Privatleute und Schattenhändler eher mehr als weniger geworden ist.

 

In der Sackgasse

Offenbar steckt das bestehende Antiquariatsgewerbe in einer Sackgasse. So wie es ist, kann es ökonomisch nicht sinnvoll weitergehen, aber Erfolg versprechende alternative Strategien sind nicht in Sicht. Der Handel zerfleischt sich in Debatten über Datenhoheit von eigenen Beständen im Verhältnis zu den Verwertungsplattformen und/oder versucht, sich in Rückzugsgefechten die Illusion einer Autonomie zu erhalten. Doch das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen, die Hilflosigkeit des Handels, mit der bestehenden Situation fertig zu werden, ist erschreckend.

Was hat sich in den letzten fünf Jahren so massiv geändert, dass die Situation aussichtslos erscheint? Zum einen hat sich durch die scheinbare Transparenz des Marktes das Kaufverhalten der Kunden grundlegend verändert. Ich sage mit Absicht 'scheinbare Transparenz', denn das Auswahlkriterium ist jetzt offenbar der Preis und nicht die Qualität. Daran ist der Handel sicherlich mit schuld, denn die Qualität lässt viel zu oft zu wünschen übrig. Dazu kommt, dass der bisherige Kundenstamm der Antiquare überaltert ist oder sich mit diesen neuen Vertriebsformen nicht anfreunden will. Was wiederum verständlich ist, wenn der Kunde jeden Tag den Preisverfall seiner in den letzten 20 Jahren gekauften Bücher jedes Mal neu vor Augen geführt wird.

Das junge Publikum – wenn es den überhaupt nachwächst, ich habe da meine Zweifel – kennt scheinbar nur noch das Internet und weiß den Kontakt mit dem berufserfahrenen Händler nicht zu schätzen. Was ich ihm auch nicht verübeln kann, da sich im Handel auch eine große Anzahl von fachlich Inkompetenten herumtreibt, deren Ausführungen oft eine erschreckende Unbildung belegen.

 

Selbstdarsteller und ihre Anhänger

Jetzt bemühen sich einige Kollegen redlich, dieser trostlosen Tendenz entgegenzuwirken. Sie machen dies teils mit dem traditionellen Mittel des gedruckten Katalogs oder mit verstärkter Präsenz auf Messen. Beides jedoch sind allein keine Standbeine, die das Überleben garantieren. Andere versuchen es mit ausführlicher Selbstdarstellung im Internet. Und diese Präsentationen sind in meinen Augen oft sehr problematisch, zumal wenn sich diese Antiquare immer wieder bei aufflackernden Strohfeuern 'so richtig aus dem Fenster hängen'. Sicherlich werden diese Selbstdarsteller auch ihre Anhänger finden, mir rücken sie aber oft zu nahe und teilen mir Dinge und Vorlieben mit, die ich eigentlich gar nicht wissen will.

Das gilt insbesondere für die Leute, die dieses gerade modische Medium Twitter benutzen, um möglichst schnell und (nach meiner Meinung gewollt) aktuell zu sein. Nur leider haben diese Leute scheinbar gar nicht mehr im Blick, dass auch andere diese Kurzmitteilungen mitlesen können, ohne dass sie es merken. Und dann erschreckt es mich auch, wenn ich aus den Hinweisen auf gewisse Meldungen oder Links zu anderen Seiten auf eine mir fragwürdig erscheinende politische und gesellschaftliche Ausrichtung schließen kann, die sich mit dem Berufsethos nur schwer vereinbaren lässt. Da ist mir die klare Trennung zwischen Funktion (Beruf) und Meinung lieber. Sicher finden die sich im Netz produzierenden Kollegen auch ihre 'Follower' (das ist so was wie ein treuer Adressat dieser Gedankenblitze), ob dies aber auch (regelmäßige) Kunden sein werden, wage ich zu bezweifeln. Wenn ich jeden Tag ein "Buch des Tages" annonciere, isoliere ich den Titel aus dem Gesamtangebot, und oft scheint zum Beispiel die Preisgestaltung nur schwer nachvollziehbar.

Meine Meinung zu den wenigen Blogs, die sich mit dem Antiquariat beschäftigen, will ich ungern äußern, weil ich Namen nennen müsste – und Feinde habe ich schon genug. Teils bewundere ich aber den Aufwand, den die Kollegen zusätzlich zu ihrem Betrieb leisten, teils wundere ich mich aber auch über die Empfindlichkeit, wenn einmal Widerworte fallen.

Andere Kollegen versuchen, sich mit ihrem Bücherbestand auf eigenen Seiten im Internet zu präsentieren in der Hoffnung, dadurch nicht von den Angebotsplattformen abhängig zu sein. Dass einige dies auch noch mit Hinweisen auf Seiten ähnlich motivierter Kollegen verbinden, ist lobenswert. Ob dies zu mehr Verkäufen führt, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich konkret weiß, was ich suche, benutze ich Suchmaschinen, die eine größere Anzahl von Datenbanken durchsucht – und ärgere mich, dass die Titel zu oft als Dublette erscheinen. Stöbern, wie das früher so nett hieß, kann ich nirgendwo mehr mit Vergnügen. Viel wichtiger ist mir aber die Frage, wie soll der Kunde (sprich potenzielle Käufer) diese isolierten Seiten eigentlich finden – und warum sollte er sie suchen? All diese Versuche, sich im Internet zu präsentieren, scheinen mir die Hilflosigkeit gegenüber den objektiven Bedingungen nur zu bestätigen.

 

Ausbleibende Käufer

Betrachten wir aber nicht immer nur die Seite des Handels, die schon trostlos genug ist. Wie sieht es denn auf der Seite der Käufer aus? Natürlich hat jeder Händler schon mal einen Kunden unter 30 Jahren gesehen, ich weiß… Aber ehrlich muss man wohl doch eingestehen, dass die Zahl der Abgänge um vieles höher ist als die nachwachsende Zahl. Das wundert mich auch nicht, wenn ich mir das soziale Umfeld in Deutschland ansehe. Hier ist nicht mehr viel vorhanden von bürgerlichem Bildungsniveau und Wertschätzung von Traditionslinien, das Alte wird eher als Belastung denn Verpflichtung gesehen. Wenn schon die Produktion von neuen Büchern – oder das was scheinbar manche Verlage dafür halten – von so schrecklicher Qualität ist, dass man sich nur fragen kann, wer dieses 'Zeug' eigentlich kaufen soll, und diese 'Ware' wird dann noch in einer Geschwindigkeit wieder verramscht, dass sich der Käufer nur noch an der Nase herumgeführt fühlt.

Wenn den Menschen Publikationen angeboten werden, die eine Verfallszeit haben, die in Monaten und nicht in Jahren gezählt werden müssen, erscheint die Publikationsform auf elektronischem Weg sinnvoller als das gedruckte Buch. Und das wird schneller gehen, als wir uns das vorstellen können. Und wo kann der Nachwuchs dann noch lernen oder besser erfahren, was und wo Qualität ist? In Bibliotheken? Das was uns heute an Kultur und Wissen verkauft werden soll, wird von selbsternannten Experten auf "Leuchttürme" reduziert, das Niveau der allgemeinen Bildung entspricht dem Niveau unserer Politiker. Es ist offensichtlich, dass die, die uns führen wollen und 'retten' sollen, von der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderung überfordert sind. Und bei dem kläglichen Versuch der ökonomischen Besitzstandswahrung fallen die Kulturaufgaben – auch wenn sie im Grundgesetz eigentlich festgeschrieben und verankert sind, den Sachzwängen des Sparens zum Opfer.

Und da glauben wir, dass gerade das Antiquariat überleben wird? Ist nicht der rapide Preisverfall für alte Bücher der schlagende Beweis für diese Entwicklung? Und der Preisverfall ist noch lange nicht zu Ende. Kommen Sie mir jetzt nicht mit den üblichen Argumenten: A. Gutes wird sich immer durchsetzen. Wenn nur noch wenige das Gute erkennen, gibt’s auch keinen guten Preis mehr. Das erfahren Sie spätestens, wenn Sie zu verkaufen versuchen. B. Seltenes wird noch seltener und damit teurer. Mittlerweile sind die Käufer für Seltenheiten seltener als die Ware. C. Der Geschmack wird sich wieder ändern, neue Moden werden entstehen und damit immer wieder neue Interessenten. Sicherlich ist das richtig, aber die nächsten Generationen werden die Erfahrungen haben, dass diese Wechsel und Veränderungen immer schneller von statten gehen und der Wertverfall dieser Modeerscheinungen wird vielleicht nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

Und noch etwas Grundsätzliches: Der seriöse Handel mit alten und wertvollen Gegenständen ist schon von der Sache her etwas Langsames. Er verlangt Zeit, Muße, Geduld, Erfahrung – und ausreichend Kapital auf Seite der Käufer wie auch der Verkäufer. Diese Grundvoraussetzungen scheinen mir aber nicht mehr ausreichend vorhanden zu sein und sie sind mit dem immer wichtiger werdenden Medium des Internets nicht wirklich kompatibel. Der Akt ist beschränkt auf Angebot und Kauf eines einzelnen Objekts, Käufer und Verkäufer bleiben sich fremd, sie gehen keine engeren Bindungen ein, wie sie im klassischen Antiquariat möglich und sinnvoll waren. Der Käufer hat kaum eine Chance, 'seinen' Antiquar im Internet zu finden, da sich sein Suchen nur selten über die großen Datenbanken hinaus bewegen wird. Der kluge Antiquar hingegen wird nicht alle seine Bestände im Internet präsentieren, die besseren und selteneren Titel wird er, wenn er sich das leisten kann, nicht so einfach in den großen Sumpf werfen. Weil nämlich dort hemmungslos abgekupfert wird und sich gleich noch jemand findet, der billiger anbieten kann und will.

 

Verwertungsmaschinen

Datenbanken sind keine Antiquariate. Sie sind Verwertungsmaschinen und geeignet für mehr oder weniger unkomplizierte Massenware. Massenware können auch teure Objekte sein wie eine Chagall-Bibel oder Helmut Newtons "Sumo". Und Datenbanken und Qualität sind ein Widerspruch in sich selbst, das werden auch genossenschaftlich oder wie auch immer von Antiquaren betriebene Plattformen nicht ändern können, denn für Qualität, die auch inhaltlich und nicht nur formal definiert werden muss, kann es zwar Kriterien, aber keine Kontrollinstanz geben. Die neue Vertriebsform für das klassisch aufgestellte breite Antiquariat jenseits der Kataloge oder Messen ist nicht in Sicht.

Eins weiß ich aber sicher, der vor sich hin allein wurschtelnde Antiquar wird im Spagat zwischen Massenware über Datenbanken und dem Bewahrenwollen seiner herbeigebeteten Autonomie verhungern oder sich spätestens dann lächerlich machen, wenn er seinen Anspruch in der Öffentlichkeit präsentiert und mit mittelmäßiger Ware oder fragwürdiger Preisgestaltung aufwartet. Aber vielleicht hat er Glück und wird im Netz einfach nicht gefunden. Dann stirbt er wenigstens nicht öffentlich und macht sich zum Gespött.

Herbert Meinke

Der Beitrag ist in gedruckter Form in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" erschienen (Neue Folge 8, 2010, Nr. 2).

Schlagworte:
Herbert Meinke, Twitter

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70 Kommentar/e

1. RF Meyer 19.04.2010 11:13h http://meyerbuch.wordpress.com/2010/04/17/streifschusse-auf-verlorenem-posten/

Unter der obigen Adresse finden Sie eine Erwiderung.

2. Buchhöker 19.04.2010 12:37h

Hmmh,
viel, viel Text, wenig Inhalt. Ging es eher um das Zeilenhonorar?

"...Viel wichtiger ist mir aber die Frage, wie soll der Kunde (sprich potenzielle Käufer) diese isolierten Seiten eigentlich finden..."
Hier werden Sie geholfen: http://www.google.de

3. krämer 19.04.2010 19:51h

Was ist mit der Rentnergeneration, die jetzt kommt, die nächsten 10 bis 30 Jahre, die sind vermögend, dem Internet gegenüber eher kritisch eingestellt, und lieben Bücher, oder könnten es lernen. Erst danach, kann ich den kritischen Einbruch erkennen. Sich an den jungen Menschen zu orientieren, ist vorerst falsch. Wir sind eine alternde Gesellschaft, und man muß nachsehen, wo für welche Ware, es ein Kundenpotential gibt, oder geben kann. Die jüngeren Internet-, Händy-, und Twitterfans, sind nicht diejenigen, die das Antiquariat über die nächsten Jahrzehnte, noch alimentieren, sondern eher, bildungsbeflissene Rentner, wie mit den immer beliebter werdenden Senioren-Studiengängen, wo die Hörsäle prall gefüllt sind, auch die Kasse der Universitäten klingelt.

4. krämer 19.04.2010 21:27h

Nicht die ebooks, sind eine Gefahr, für den klassischen Buchhandel, und auch für das Antiquariat, (für den Handel mit vergriffenen Titeln), sondern Book-on-Demand.

Ganz sicher, Book-on-Demand, bedeutet eine große Umwälzung. Und bei ebooks, die kompakte, sofortige, und auch preiswerte, Papierkopie, zu Haus, oder erstmal noch, in Print-on-Demand-Shops.

Das betrifft den Buchhandel insgesamt.

Um 1900 gab es noch "Schreiber", das waren in einem Kontor Angestellte, die die Buchhaltung, Geschäftsbriefe usw., mit Feder und Pinsel bedienten. Ein etwas größerer Kaufmann, hatte einen Saal, mit 10 bis 30 Tintentunkern.

Das Buch, wie es unsere Kultur seit Gutenberg bestimmt hat, gehört der Vergangenheit an. Mit dem Computerwesen, ist eine Umwälzung im Gange.

Das zukünftige Print-on-Demand-Buch ist ein ganz anderes Ding, kein Buch, im traditionellen Verständnis.

5. krämer 19.04.2010 22:26h

Die Frage wurde schon öfter gestellt, was eigentlich ein "antiquarisches" Buch sei, und darauf kommt keine schlüssige Antwort.

Warum nicht?

Erst mal die Hausaufgaben machen, was ein Buch ist, bzw. war.

Drei Aspekte sind offensichtlich.

Das Buch ist ein Ersatz, oder Ergänzung, zur Mündlichkeit. In früheren Zeiten, gab es die Übermittlung von Mund zu Ohr, einmal unmittelbar, und dann aber sehr mittelbar, aber jedenfalls mündlich. Und Bewahrung im Gedächtnis.

Das Buch ist die Niederlegung mittels Schrift, Papier usw. im Sinne von Speicherung, des räumlichen Transportes, und des Überdauerns über die Zeit.

Das Buch ist Veröffentlichlung, eines Inhalts von Wert, der Allgemeinheit, "allen" Menschen, bekannt gegeben.

Zusätzlich noch, schon mit Luther, nicht nur Veröffentlichung, sondern Bekämpfung, des Geheimwesens, nicht das Publikum angesprochen, sondern diejenigen, die Wissen vorenthalten, um damit Macht ausüben, das Volk dumm halten, um es weiter zu melken.





6. Roman Heuberger 19.04.2010 23:13h

Der oberflächliche Betrachter unserer Branche - egal, ob Händler oder Kunde, ob Antiquar oder Gebrauchtbuchhändler - möge Herbert Meinkes Ausführungen als das Produkt selektiver Negativwahrnehmungen empfinden. Leider ist dem nicht so, weil nur zu wahr. Natürlich sind Meinkes Erkenntnisse nicht neu, dennoch wert, immer und immer wieder aufs Tapet gebracht zu werden. Bis auch der naivste unter den Akteuren erkannt hat, daß hier nichts anderes als die bittere Wahrheit ausgesprochen wird. Wer dies in Abrede stellen will, muß entweder ein besonders sonniges Gemüt besitzen oder sein Gewerbe als Antiquar in einem Zustand völlig wirtschaftlicher Unabhängigkeit betreiben. Ich selbst, Vollzeitantiquar mit Angestellten und einem sonnigen Gemüt, in das allerdings oft bereits arge Schatten fallen, erlebe Meinkes Darstellungen Tag für Tag am eigenen Buchdeckel. Ich kann lesen. So auch Zahlen. Und die bestätigen mir schon seit langem, daß es um unsere Branche nicht gut bestellt ist.

Mir geht es nicht so sehr um den Unterschied zwischen klassischem Antiquariat und Gebrauchtbuchhandel. In einem haben beide Zweige eines gemeinsam: nämlich ihren Unverstand, mit dem "neuen" Medium Internet sinnvoll umzugehen. Die systematische Zerstörung von Preisen und das verloren gegangene Interesse von Sammlern an Büchern haben die Händler selbst verursacht durch die zumeist sinnlose weltweite Präsentierung ihrer Bestände. Der klassische Antiquar, der stolz seine Bücher, vor allem die mit dem beliebten "selten und gesucht" als angehängtes Trüffel ins Internet gesetzt und dann schnell gemerkt hat, daß sein Cranachscher Hamlet erstens nicht selten und zweitens auch nicht mehr gesucht ist und dann der Gebrauchtbuchhändler, der mit 30.000 mehr oder weniger verranzten Flohmarktbüchern sein Glück mit Masse machen wollte. Auch der hat sehr bald gemerkt, daß er im Vergleich zu anderen, die schnell nachschoben, nur noch Kleinanbieter geworden ist. Wo das Angebot die Nachfrage um das 900fache übersteigt, ist der Preisverfall vorprogrammiert.

Dieser Preisverfall ist in fast allen Bereichen des antiquarischen und gebrauchten Buches schon seit Jahren festzustellen. In letzter Zeit allerdings spüre ich in der gesamten Branche eine zunehmende Nervosität dahingehend, daß nunmehr offenbar allmählich der Punkt erreicht ist, an dem sich für den Vollzeitantiquar das Ganze betriebswirtschaftlich nicht mehr recht rentiert und dem Nebenherantiquar es keinen Spaß mehr macht.

Die Misere ganz und gar dem Internet zuzuschreiben, wäre natürlich ein wenig zu kurz gedacht. Dafür ist das Ganze zu komplex. So glaube ich, daß das antiquarische Buch in seiner (zumindest von mir persönlich definierten) kongenialen Gesamt-Ästhetik von Inhalt, Satz, Papier, Einband etc, keinen bedeutenden kulturellen Stellenwert innerhalb einer ansonsten kulturell durchaus ambitionierten Bevölkerungsschicht mehr einnimmt. Benvenuto Cellinis Leben in der zweibändigen Georg Müller-Ausgabe von 1908 in der VA mit den ansprechenden auberginefarbenen Ganzlederbänden in der Ausstattung von Paul Renner und dann noch zusammen in der mit schönem Glanzpapier überzogenen Original-Kassette (nur ein kleines Beispiel) lockt dem gewöhnlichen und auch auch durchaus bibliophil angehauchten Besucher auch nur noch ein "sieht aber schön aus" hervor. Mehr aber auch nicht. Die Zielgruppe, die sich auf so etwas noch gestürzt hat, ist entweder schon tot oder bereits weitestgehend bewegungsunfähig geworden. In mehrfacher Hinsicht. Deren oft grandiose Bibliotheken wandern schon seit Jahren verstärkt in den Handel, was heißt, das auch in diesem Segment bereits ein Überangebot herrscht. Hier liegt die Ursache nicht so sehr am Internet (das beschleunigt es höchstens), sondern an der Tatsache, daß viele noch lebende Sammler hauptsächlich schon saturiert sind und die nachfolgende Sammlergeneration fehlt. Die will eben Vaters oder Großvaters Sammlung nicht bewahren oder gar weiter ausbauen sondern sich mit dem Verkauf lieber einen Damian Hurst kaufen. Darf man nicht kritisieren.

Die Zukunft? Oder bereits Gegenwart? Das teure (nicht unbedingt wertvolle) antiquarische Buch als Antiquität mit demselben Stellenwert eines Modigliani, Giacometti oder Roentgen-Möbels wird seine Abnehmer nachwievor haben. Doch dies ist die Baustelle der wenigsten unter uns. Der noch im Jetzt agierende Antiquar mit seinem Gemischtwarenladen von schöner aber gewöhnlicher bis doch recht anspruchsvoller und nicht sehr häufiger Ware muß eines wissen: die Schere zwischen beiden Gruppen klafft immer mehr auseinander. Erstere wird zur Flohmarktware oder zum 1 Euro-Internetartikel werden (und ist es bereits zum großen Teil geworden), letztere ist zwar nachwievor nicht häufig, dennoch zumeist nicht gesucht.

Warum ich diesen durchaus angebrachten Pessimismus teile und dennoch weitermache? Erstens, weil ich mit meinen zarten 62 Jahren und einer noch langen Zukunft vor mir denke, ich werde die Bücherwelt auch fürderhin noch ein wenig aufmischen (wie, weiß ich auch nicht immer genau, aber ich tu's) und zweitens, ich kann nichts anderes als mit alten Büchern zu handeln. Also, Augen auf und durch!












7. icke 20.04.2010 08:37h

Also meine Herren (Damen natürlich auch ;-)

Manchmal denke ich, daß die hier vesammelten Antiquare
zuviel Zeit damit verbringen, hier rumzumöppern, anstatt sich vernünftig zu organisieren...

8. Riepenhausen 20.04.2010 13:08h

kurz an herrn heuberger, lieber herr heuberger, genau diese etwas genauere betrachtung und ein wenig weniger polemisch hätte ich es mir von hr. meinke gewünscht. nur ist es ja nicht der erste rundumkahlschlag und ich weiß beim besten willen nicht was uns das allen bringen soll. auch ich bin seit jahren auf der suche nach dem vernünftigem weg im antiquarsbereich, werde ihn aber auch nicht entgültig finden. es bieten sich dennoch immer mal wieder kleine auswege und lichtblicke. ein weg könnte sein sich deutlicher abzugrenzen von massenanbietern und nebenbeiantiquaren. es mag elitär klingen ist aber wohl der einzige weg unseren berufsstand zu retten. die hauptsächlichen probleme die ich sehe sind der rapide preisverfall, der an und für sich nicht so dramatisch wäre wenn er nicht dem sammler das sammeln von hochwertigen büchern verleiden würde, denn wer sieht schon gerne seine teuer erstandenen cemelien in staub zerfallen. der 2. ist der nachwuchs. ich möchte auf einige kollegen hinweisen die zur neuen generation der antiquare gehören: ow plocher, hr. tautenhahn, herr hesse, hr. schäfer etc. sicher sind es nicht viele aber doch einige die sich hier neu positionieren und vielleicht sollte die alte zunft um hr. meinke mal ein wenig basisarbeit mit all seinem ganzen wissen und können bieten!

9. Herbert Meinke 20.04.2010 16:31h

Es ist mir klar, dass ich in meiner Schmähschrift nicht wirklich Neues geschrieben habe. Wichtig war mir aber, die aktuelle Situation noch einmal zu beschreiben und auf den Punkt zu bringen.

Mir geht es nicht darum, Pessimismus zu verbreiten, aber ein wenig mehr Reflexion über die Situation des Antiquariats wäre nicht von Übel. Wenig hilfreich sind da Selbstdarstellungen, um wie viel man doch besser sei als andere.

Einige Problemkreise sind aber doch deutlich geworden:

A. Die Kunden (für das klassische Antiquariat) wachsen nicht in „ausreichender“ Anzahl nach. Was kann man dagegen tun?
B. Der Preis- und damit der Wertverfall ist vom Handel mit verursacht – lässt er sich denn durch nichts mehr aufhalten?
C. Die Darstellung und Selbstdarstellung des Antiquariats ist nicht auf der Höhe der Zeit, die Kollegen scheinen den Herausforderungen durch das Internet, Datenbanken etc. immer noch reaktiv statt aktiv gegenüber zu stehen.
D. Es fehlen offensichtlich Multiplikatoren in den Medien für die „Werte“ von alten Büchern oder besser Texten in alten bzw. zeitgenössischen Ausgaben.
E. Die zur Zeit vorhandenen Organisationen (Verband der Antiquare, Antiquare im Börsenverein, Genossenschaft / GIAG, AG der Internetantiquare) verwalten nur Interessen, betreiben aber keine wirkliche Öffentlichkeitsarbeit.
F. Und das ist mein ganz persönlicher Eindruck: Manche Kollegen haben offensichtlich Probleme mit ihrem Ego und stehen sich bei einer solidarischen Kritik nur selbst im Weg.


Ich danke dem Kollegen Heuberger für seine klaren Worte, die meine Einschätzung der Situation begleitet haben. Auch sie sind nicht neu – und trotzdem richtig.

Ich beobachte die Arbeit der jüngeren Kollegen mit großem Interesse und bemerke schon, wie z.B. der Kollege Plocher die Fahne von Qualität und persönlichem Engagement hoch zu halten versucht – auch wenn mir dabei Einiges wiederum zu bieder erscheint. Mit den Anwürfen von Rainer Meyer und Peter Mulzer kann ich leben, sie kochen beide nur mit Wasser und werden eben auch an ihren eigenen Ansprüchen gemessen. Und da beide zu Schnellschüssen neigen, geht eben auch mal was daneben.

Wenn der Kollege Riepenhausen bei mir anmahnt, ich solle Basisarbeit leisten und mein Wissen zur Verfügung stellen, komme ich dem gerne nach – aber wer will denn wirklich etwas von mir wissen und wo ist das Forum, in dem nicht nur Geschwätz und persönliche Animositäten verbreitet werden.

Der Kollegen Meyer und der „Buchhöker“ (wer immer das auch ist) schreiben zu meinem Beitrag etwas von „Zeilenschinden“ und vermuten, dass ich dies um des Honorars willen täte. Das Honorar für solche Beiträge hat die Höhe von Aufwandsentschädigung. Falls die Kollegen mir aber ein förderungswürdiges Projekt nennen könnten, wäre ich sogar bereit, dieses Geld dafür zu geben – spätestens dann werden sie sehen, wie weit man damit kommt.

Im Übrigen würde sich besonders Herr Biester sehr darüber freuen, wenn aus dem Kollegenkreismehr Beiträge zur Diskussion kämen – es steht jedem frei sich zu beteiligen. Vielleicht merken Sie dann, wie schwer es ist, einen Sachverhalt klar darzustellen, und wie leicht es ist, dafür angegriffen zu werden.

10. Riepenhausen 20.04.2010 18:17h

sehr geehrter herr meinke, danke für die ausführlichen ergänzungen, sie tun gut! ich denke in letzter zeit tatsächlich darüber nach, wie es wohl gehen könnte uns "jung-antiquare" besser in szene zu setzen. es ist ja nun mal so, daß wir schon aus demographischen gründen ein wenig näher am puls der nachfolgenden generationen sind. ich merke es selbst mit meinen anfang-vierziger jahren wie der kontakt zu den ganz jungen lesern wegbröckelt, deshalb wäre es doch eigentlich ganz gut uns näher an die alt-antiquare zu binden. ich habe die letzten jahre oft die nöte und klagen der in die jahre gekommenen antiquare angehört, oft konnte ich durchaus auch tips geben und viel öfter habe ich durchs zuhören gelernt. aber: es ist halt extremst schwer zuzuhören und zu lernen, wenn einem vor den spiegel gehalten wird wie hoffnungslos verzweifelt die lage ist, sie ist es nicht. ich würde mir einen überregionalen stammtisch wünschen, also eine erweiterung der hamburger veranstaltung, vielleicht zu einer zentralen messe, ev. der frankfurter, ich glaube in farbe und analog kämen sich einige kollegen viel näher als es jetzt schon der fall ist.

beste grüsse volker riepenhausen

11. Herbert Meinke 20.04.2010 20:13h

Sehr geehrter Herr Riepenhausen,

einen guten Tip kann ich Ihnen auf jeden Fall geben.

Gehen Sie auf Messen (nicht nur als Aussteller) und gehen Sie auf Auktionen - dort treffen Sie Kollegen, mit denen man sich austauschen kann. Machen Sie Kataloge (auch Gemeinschaftskataloge - sehr wichtig) - und trauen Sie keinem Kollegen, der nur immer wieder erzählt, wie erfolgreich er ist.

Sie werden erleben, dass es viele Kollegen gibt, mit denemn man sich austauschen kann - und man kann immer was lernen.

Ich bin jetzt kurz vor 60 und lerne immer noch (gerne).

12. krämer 20.04.2010 20:27h

"B. Der Preis- und damit der Wertverfall ist vom Handel mit verursacht – lässt er sich denn durch nichts mehr aufhalten?"

Jedenfalls nicht, wenn die Händler, in Existenznot, für sich alleine handeln, und dann mit dem Preis weiter runter gehen müssen, um noch das Existenzminimum zu erhalten.

Ist es ähnlich wie bei den Aktien, wenn erstmal die Talfahrt begonnen hat, gibt es kein Halten mehr?

Wann geht es wieder aufwärts mit den Preisen? Es ist doch eine sehr schwierige Aufgabe, für einen Verband der Antiquare, ganz allgemein, gegen den Trend anzukämpfen, wie sollte das möglich sein, dafür ist die Lage doch vielleicht zu komplex.

Z.B. die jüngere Generation ist mobil, muß häufig umziehen, schon allein aus solchen Gründen, ist doch eine größere Bibliothek eine Unmöglichkeit.

Auch fehlt jüngeren Menschen oft das Geld, um teurere Stücke zu erwerben.

Und wenn es neue, jüngere Sammler gibt, dann erkennen die doch gleich, die Situation, daß die Preise runter gehen. Sie brauchen nur zu warten, denn morgen ist es noch günstiger.

Wenn es auf den Wert ankommt, bei einer Wiederveräußerung, oder die Option dazu, also Wertanlage, ist es im Moment doch sehr schwierig, die zukünftige Entwicklung einzuschätzen, und auch das führt zu Kaufzurückhaltung, von jüngeren, noch unerfahrenen Sammlern.

Wo sich tatsächlich ein Überangebot gezeigt hat, wo "selten und gesucht", nicht mehr haltbar ist, weil es viel zu viel von solcher Ware gibt, da wird der Preis entsprechend niedrig bleiben. Dagegen könnte auch nicht PR-Arbeit, Marketing usw., Werbung für das alte Buch, für die Kultur des Sammelns usw., nicht ankommen. Wenn es zu viele Exemplare gibt, dann läßt sich der ehemalige Lokal-Preis nicht mehr erzielen, dagegen gibt es kein Mittel, außer nicht zu verkaufen.

Es sind ja nicht zu Exemplare überhaupt, sondern es kommen zu viele auf den Markt. Und bei Sammlerware, wenn das alles auf den Markt kommt, bei fallenden Preisen, dreht sich das Karusell immer schneller.

Aber wieviel Vertrauen haben die Antiquare selbst, zu dem Wert ihrer Ware. Wenn sie sehen, daß die aktuellen Marktpreise weit unter dem tatsächlichen Wert liegen, der mittelfristig doch höher sein sollte, dann warum nicht die Situation nutzen, zum Ankauf.

Solcher Ankauf würde dann doch auch die Preise stabilisieren.


13. krämer 20.04.2010 21:52h

Bevor der Antiquar, sich Hoffnung machen kann, auf Sammlernachwuchs, wie steht es mit der eigenen Sammlerleidenschaft.

Wie ich schon gesagt hatte, das Computerwesen, und Internet, macht dem Buch im herkömmlichen Sinne, den Garaus.

Sollte das antiquarische, bibliophile Buch, davon verschont sein?

Die Entwertung des klassischen Buches, diskrediert die Bibliophilie.

Bei den von mir oben genannten Definitionskriterien, was ein Buch sei, sind diese Funktionen des Buches komplett vom Intenet übernommen worden.

Das Internet, hat heute (neben anderen Wirkungen, die weniger begrüßenswert sind), eine Funktion, wie sie das Buch hatte.

14. krämer 20.04.2010 22:27h

Und wenn alte Bücher, ihren Wert haben, wozu Anitquariate, die diese Bücher wechseln, um Geschäft zu machen.

Nichts gegen die alten Bücher, aber im Antiquariat, werden sie gehandelt, für Geld.

15. Ehemaliger Sammler 20.04.2010 22:57h

Herr Meinke könnte in seine sehr gute und aus meiner Sicht auch völlig zutreffende Zusammenfassung durchaus noch den wichtigen Aspekt aufnehmen, den sein Kollege Heuberger ansprach: die immer deutlich sichtbar werdende Tatsache, daß vieles, was früheren Sammler- und Gelehrtengenerationen sammelnswert erschien, z. B. Georg Müller-Bücher (Abtei Thelem), vieles aus dem Bereich der sog. Buchkunst, ältere geisteswissenschaftliche Werke (z.B. aus den Bereichen Germanistik, Philosophie, Theologie, Psychologie, Soziologie, Geschichte), Weltliteratur, Sozialismus usw. sich nur noch schlecht an den Mann bringen läßt. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder, aber die verdecken eher das Problem, daß es seit Jahren, Jahrzehnten, einen Schritt vor und zwei Schritte zurück geht. Die Kinder sammeln, vielleicht erstmals, nicht mehr brav das, was ihre Väter und Großväter gesammelt haben. Zu leistungsfähig ist auch der Verlagssektor mit der aktuellen Produktion (nicht nur hinsichtlich des immer schneller verfallenden Wissensstandes, der laufend neue Standardwerke produziert, sondern auch durch seine Verzahnung mit Werbemedien).

Natürlich gab es immer schon Umbrüche, aber wohl noch nie zuvor einen so umfassenden. Nicht nur nach und nach Stufen, sondern mehr oder weniger schlagartig wird eine ganze Etage, für die meisten sogar das Erdgeschoß, demnächst wegbrechen, wenn Google und andere Giganten ihre Pläne im E-Book-Bereich, im Bereich digitaler Sammlungen etc. umgesetzt haben werden.

Maßnahmen?

Sehr schwierig. Vor allem Standfestigkeit und Präsenz beweisen im realen Raum! Kooperationen auf jeder Ebene, nicht nur mittels Gemeinschaftskatalogen. Zusammen ansprechende Läden in interessanten Lagen gründen, Veranstaltungen etc. Sich vom Bodensatz befreien.. Ist natürlich einfacher schnell mal dahingesagt als getan.

16. krämer 21.04.2010 00:10h

Ich finds jedenfalls unangebracht, wenn so Typen wie Heuberger rumjammern, die schon lange ihre Schäflein ins Trocknene gebraucht haben, und es ist auch unververantwortlich, für ein Geschäft zu werben, das keine Zukunft hat.

17. krämer 21.04.2010 00:26h

"und es ist auch unververantwortlich, für ein Geschäft zu werben, das keine Zukunft hat."

Damit meine ich nicht Herrn Heuberger, der ja abrät, aber andere, die was quasseln, das ganze Nachwuchsgequatsche.

18. krämer 21.04.2010 00:47h

Denn geht es noch beknackteRr.

Es wird über fehlenden Nachwuchs gejammert. Die Gründe sind bekannt, und es sind keine guten, und sie stellen den Antiquariatshandel in das Zwielicht, daß er verdient.

Sammelhaftung. Zu leicht befunden. Insgesamt, eine große Blase gewesen, zeitweise am edlen haptischen festgehalten, ne Puffnummer, wenn es pickt, dann platzt es-

19. krämer 21.04.2010 01:12h

Schon länger, habt ihr, gegenüber, der Feststellung, was ein Buch ist, bzw. war, den antiquarischen Bestandteil, oder Aspekt, hevorgehoben, aber soll dafür der Kunde 3000 Euro, und was sonst für die haptische Qualität, veranschlagt, wird, zahlen.

20. krämer 21.04.2010 01:26h

Hat das Gesamtkunstwerk Buch den Makel, daß es ein Geschäft ist?

Was raus geht, verdaut, mit Surplus, für den fetten Bauch.

21. Aurel 21.04.2010 08:52h

Will mal einen ersten Stein ins Wasser werfen, nämlich die Behauptung, daß sich auch in einem Markt mit fallenden Preisen Geld verdienen lässt! Nach meiner Ansicht genausoviel oder wenig wie in einem Markt mit stabilen Preisen. Möglicherweise muß man sein Verhalten am Markt verändern. So ist ein umfangreicher Lagerbestand, der nach alten Preisen bewertet ist natürlich nachteilig.

Wobei man vielleicht den angeblichen Preisverfall mal genauer diskutieren müsste: In welchem Segment findet er statt und wo nicht. Wie schnell erfolgt der Verfall der Preise. Ist das so eindeutig? Oder ist nicht vielmehr eine chaotische Preissituation zu beobachten? Ich beobachte, dass Auktionen bei ebay oft weit unter den bei ZVAB etc fix verlangten Preisen enden. Ich beobachte aber auch das Gegenteil.

Vielleicht sollten solche Fragen analysiert werden, bevor mit allgemeinen Behauptungen vom Preisverfall depressive Stimmung gemacht wird.

Preisverfall an sich kann genauso gut positiv genutzt werden, nämlich dadurch, dass der Einstieg in ein Sammelgebiet sehr erleichtert wird. UNd: In einem Markt mit fallenden Preisen verfällt auchd er Einkaufspreis .. die Marge muß darunter nicht leiden. Bei niedrigerem Preisniveau ist genausogut zu beobachten, dass Margen steigen können.

Ganz so einfach ist das nämlich alles nicht. Aber spannend!

Markus Groß
AUREL Buchladen







22. Buchhöker 21.04.2010 10:22h

Eine lustige Ansammlung ist das hier schon, oder?

Man stelle sich nur mal vor, Herr "Aldi", Herr "Lidl" und Herr "Edeka" würden sich in Kommentaren zu Meldungen der Lebensmittelzeitung über die sinkende Nachfrage nach gepökelten Rinderzungen ausweinen ...

Liebe Leute, manchmal hilft es schon weiter, wenn man sich und seine Situation ein wenig "von außen" betrachtet.
Wieviele von Ihnen arbeiten denn von 8-10 Stunden täglich fließend durch?

Ich meine -> durcharbeiten <- !

So wie jemand bei VW am Montageband. Frühstückspause, Mittagspause, ansonsten bitte: diszipliniert und flüssig arbeiten! Ich persönlich kenne -> keinen <- Antiquar, der das im o.g. Maßstab tut.
Es gibt, abgesehen von einer weit verbreiteten Vorliebe für trinkbare Rotweine, offenbar 2 unverrückbare Leidenschaften der Antiquare: 1. müßig durch den Tag schlendern, und 2. das Elend der Welt, insbesondere den Untergang Ihrer Spezies beklagen.

23. Otto W. Plocher 21.04.2010 11:35h http://owplocher.blogspot.com

Ganz schön frech, lieber Buchhökerer. Ich erinnere mich an den Beitrag eines Kollegen (einer der eher Stillen im Lande) in einem anderen Forum, der detailliert und ohne zu klagen beschrieben hat, daß er statt früher 8-9 Stunden am Tag für denselben Umsatz heute 10-12 Stunden arbeiten müsse.

Wenn ich mein eigenes Leben betrachte, so dreht es sich zum weitaus überwiegenden Teil des Tages um die Arbeit mit Büchern oder für Bücher. Derzeit baue ich wieder einmal für Bücher (Lagerräume). Bald fahre ich wieder 1000 Kilometer für Bücher. Ich habe einen 1,5-Tonnen Anhänger für Büchertransporte (und Baumaterial, mit dem ein Lager für Bücher entsteht usw.). Abends gehe ich dann weniger "produktiven" Tätigkeiten nach (im ökonom. Sinne) wie Bibliographieren, Monographien weglesen, Regale bauen, mich im Internet streiten usw.

Das Antiquariat ist doch zumindest für einige Kollegen eine Existenzform, nicht nur ein Beruf, in dem man 8 Stunden was wegarbeitet. Meine 11jährige Tochter amüsiert sich immer über die Väter ihrer Freundinnen, die aus der Bank oder Versicherung nach Hause kommen, "ihre Arbeit fertig" haben und die Paisley-Cravatte gegen Adidas und Sportschau tauschen.

Das Problem ist vielmehr -und hier ist der allgemeinen Tendenz des Artikels von Herrn Meinke leider zuzustimmen- daß gerade das "Antiquariat als geistige Lebensform" (wenn ich mich so ausdrücken darf) nicht mehr honoriert wird; sehr wohl aber das Massenverknallen von mittelmässig beschriebenen Beständen bei Ebay mit beigefügtem Preisvorschlagsbutton.

Ich fordere eine Propellerinsel für Antiquare in Jules-Verne- und Arno-Schmidt-Manier, aber mit nur einem Motor (bei zweien gibt's gleich wieder Streit: Die einen wollen nach Amazonien, die anderen den Main hoch nach Schweinfurt zu Otto Schäfer).

Gruß OWP

24. Sammlerin 21.04.2010 16:08h

Ich bin 23 Jahre alt und sammle leidenschaftlich Bücher. Ich habe keine Sammlung geerbt, ich bin nicht durch eine PR-Aktionen von Antiquaren darauf gekommen sondern aus persönlichem Interesse und reiner Bibliomanie. Ich kaufe Bücher im Internet - ich kaufe Bücher aber auch in Antiquariaten. Gerade wenn es teurer wird, würde ich lieber 2 Stunden fahren und mit dem Händler sprechen, dass Buch in den Händen halten und mich dann für den Kauf entscheiden, als es 'auf gut Glück' im Internet zu bestellen.
Natürlich ist mir klar, dass ich unter meinen GenerationsgenossInnen mit diesem Hobby eher eine Exotin bin - ich sehe es ja an den Reaktionen meiner Bekannten. Aber vielleicht kann ich Ihnen ein wenig Hoffnung geben.
Der Gebrauchtbuchhandel im Internet wird weiter florieren - gebrauchte Massenware muss in teuer gemieteten Geschäften nun wirklich keinen Lagerplatz einnehmen. Und an billiger Einsteigerliteratur ist doch auch nichts auszusetzen, hier ist doch das Internet einfach ein übersichtlicherer Flohmarkt.
Aber wirkliche Qualität und profundes Fachwissen ist für mich als (beinahe) digital native nicht mit der schnell-und-billig-Kaufmentalität im Internet vereinbar. Ich kaufe fast aussschließlich online: Kleidung, Drogerieartikel, CDs, neue Bücher - alle Artikel, bei denen ich mich selbst beraten kann, die ich nicht ausprobieren muss und bei denen es keinen qualitativen Unterschied bringt, ob ich sie im Geschäft kaufe oder im Internet. In nicht allzu langer Zeit werde ich wahrscheinlich auch Lebensmittel online bestellen. Vielleicht werde ich das sogar tun - aber mein Gemüse kaufe ich trotzdem auf dem Wochenmarkt, damit ich es sehe und den Verkäufer meines Vertrauens fragen kann, welche Tomaten heute besonders gut sind.
Schädlich sind doch nach meinem Verständnis die Kollegen, die echte Qualität zu niedrigen Preisen im Internet anbieten. Denn wenn ich als Kunde meine Beratung im Geschäft erhalte, mir die Sache noch einmal überlegen möchte und darüber noch einmal im Internet surfe, hier das gleiche Buch ohne Beratung für € 3,54 statt € 26,00 finde, dann wird es schwer, sich gegen den Online-Kauf zu entscheiden. Denn um die Welt zu verbessern bin ich leider zu arm.

25. AUREL 21.04.2010 17:57h

Ich kann dieses Früher-war-Alles-besser Gejammer nicht mehr hören. Der depressive Rundumschlag des Herrn Meinke fordert mich heraus. Wollen wir doch mal schauen, WAS denn inhaltlich in seinen Ausführungen steckt. (sorry, das wird nicht schön .. und länger)

Also, fangen wir mal an:
„Schon der Versuch eines Blicks in die Zukunft stimmt mich hoffnungslos“

Das ist unschwer dem gesamten Tenor des Textes zu entnehmen, wollen mal sehen, was den Herrn Meinke denn so hoffnungslos sein läßt.

„Die alten Strukturen sind mit einer solchen Geschwindigkeit zerbröselt, die ich so nicht erwartet hatte“

Welche alten Strukturen genau? Da werden Internet-Plattformen erwähnt und es wird der „beeinruckende“ Umsatz des ZVAB erwähnt. Eigentlich sollte man erwarten, daß die hohen Online-Umsätze über ZVAB und andere ein hoffnungsfrohes Zeichen sind. Positiv gewertet werden – weil doch der Antiquar dadurch in der Lage ist Umsätze zu tätigen, die er ‚früher‘ nicht erzielt hat. Meinke schafft es aber sogleich, dieses positive Zeichen eines lebendigen Marktes abzuwerten:

„Aber mit klassischem Antiquariat hat das nichts zu tun, das ZVAB ist in erster Linie eine Vermittlungsplattform für Gebrauchtbücher“

Das ist wieder mal so eine Behauptung. Überprüfen wir mal: Ich habe mal mit der ZVAB Volltextsuche gespielt. Als Stichwort habe ich gewählt einmal ‚Napoleon‘ und dann ‚Goethe‘ (sorry, das wird länger aber bei den pauschalen Aussagen von Herrn Meinke ist das notwendig)

Angebote Napoloen 39.300 Angebot Goethe 95.318 % Angabe jew. in Klammern

Davon >1.000 Euro 371 = 0,9% (0,5 %)
500 – 999 374 = 0,9% (0,6 %)
200 – 499 1.456 = 3,7 % (1,9 %)

30 – 199 12.615 = 32,2 % ( 19,5 %)

10 - 29,99 15.564 = 39,2 % ( 42,0 %)
unter 10 8.923 = 22,8 % ( 35,6 %)

Nun sieht es auf den ersten Blick so aus, als könnte Herr Meinke Recht haben.
62 - 77 % der Angebote im Niedrigpreissegment, 19 - 32 % im mittleren Preissegment und 3 - 5,5 % im Hochpreissegment.

Aber man muß genauer hinsehen. Denn angeboten werden bei ZVAB auch gebrauchte Bücher aus dem Jahr 1971 etc. Verfeinert man die Suche und beschränkt sie – bei gleichem Stichwort – auf angebotene Bücher die bis 1945 bzw. bis 1900 erschienen sind – viel eher das, was als ‚antiquarisches‘ Buch bezeichnet wird, dann ergibt sich folgendes Bild:


Napoleon bis 1945 12.210 Angebote – Goethe bis 1945 29.095 Bücher

Davon >1.000 Euro 248 = 2,0 % (0,9 %)
500 – 999 222 = 1,8 % (1,1 %)
200 – 499 880 = 7,2 % ( 3,8 %)

30 – 199 5.154 = 42,2 % ( 25,8 %)

10 - 29,99 4.276 = 35,0 % ( 45,0 %)
unter 10 1.428 = 11,7 % ( 23,4 %)

Schon ändert sich das Bild, Niedrigpreissegment 47 - 68 %. Mittleres Segment – 25 – 42 %, hochpreisiges Segment 5,8 – 11 %.

Schränkt man die Suche auf Bücher mit Erscheinungsdatum bis 1900 ein, ergibt sich folgendes Bild:

Napoleon bis 1900 6.497 und Goethe bis 1900 7.827 Angebote

Davon >1.000 Euro 228 = 3,5 % (2,6 %)
500 – 999 203 = 3,1 % (3,0 %)
200 – 499 797 = 12,3 % (9,5 %)

30 – 199 3.718 = 57,2 % ( 41,7 %)

10 - 29,99 1.368 = 21,1 % ( 33,5 %)
unter 10 1.428 = 2,8 % ( 9,8 %)

Jetzt, wenn man sich doch die eigentlichen ‚antiquarischen‘ Bücher ansieht verschiebt sich das Bild noch eindeutiger: Niedrigpreissegment: 23 – 43 %, mittleres Niveau 41 – 57 % und Hochpreisniveau 15 - 18 %

Ja, man kann die Wahl der Stichworte diskutieren und lamentieren, dass doch mittleres Preisniveau bei 45 Euro anfängt etc .. hier geht es darum, Meinkes PAUSCHALURTEIL wenigstens ein Stück weit zu relativieren und durch Zahlen ein wenig zu versachlichen.

Wer mal nicht an die Antiquare denkt, die nur wenige und hochpreisige Bücher anbieten, sondern sich ein normales, gut sortiertes Ladenantiquariat anschaut, wird der nicht eine ähnliche Preisstruktur dort vorfinden, wie in meinen ZVAB Beispielen? Sicherlich!

Meinkes Behauptung ist meiner Ansicht nach schlicht falsch. Für andere Plattformen wird mehr oder weniger ähnliches gelten. Vor allem für ‚antiquarische‘ Plattformen – bei booklooker und Amazon, wo die Mehrzahl der Pprivatanbieter sich tummelt, mag das anders aussehen. Aber früher hat Herr Meinke ja auch nicht Antiquariat und Flohmarkt in einen Topf geworfen und sich bei der Kommune beschwert, wenn sie einen Flohmarkt erlaubt hat … oder??

Nächstes Zitat:
„Was und in welcher Umsatzgröße bei Ebay 'vertickert' wird, kann ich gar nicht einschätzen“

Na, vielleicht sollte man einfach mal hinschauen:

Angebot an antiquarischen Büchern heute 15 Uhr (gerundet):

215.000 davon 122.000 ohne Altersangabe, von den restlichen knapp 100.000 waren 54.000 nach 1950 und weitere 30.000 zwischen 1900 und 1950. Das bedeutet:
nur ca. 8.000 antiquarische Angebote vor 1900. Davon Niedrigpreis: 3.800, mittlerer Preis 3.100 mittleres Segment und 1.000 hochpreisig.

Ein Profianbieter wie welsprofi (Heininger) aus der Schweiz, der viel über ebay verkauft hat im Monat April bisher 187 Bewertungen bekommen (nicht jeder Käufer bewertet). Zählt man die Verkaufspreise zusammen kommt man auf ca. 16.400 Euro Umsatz. Hochgerechnet aufs Jahr kommen sehr nennenswerte Summen zusammen. Aber: Gibt es viele so erfolgreiche Antiquare dort? Schwer zu sagen.

Na, gehen wir weiter im Text.

Nun erwähnt Meinke klassische Buchauktionen: „Auf den über zehn deutschen Buchauktionen werden immer noch Millionenbeträge umgesetzt, was da aber nach Abzug der Kosten noch übrig bleibt, weiß ich nach über zehnjähriger Tätigkeit im Auktionswesen nur zu gut. Diesen auf den ersten Blick beachtlichen Umsätzen stehen eben auch immense Kosten gegenüber“

Ja und?? Was hat das mit seinem Thema zu tun? War das früher anders?

Weiter: „Dazu kommt, dass die insgesamt wohl relativ konstante Umsatzhöhe auf eine größere Zahl von Anbietern aufzuteilen ist, wobei der Anteil der Privatleute und Schattenhändler eher mehr als weniger geworden ist.“

Woher die Vermutung die Umsätze seien konstant geblieben? Seit wann? Ist es wirklich realistisch anzunehmen, daß seitdem Amazon, ebay, ZVAB etc etc genutzt werden der Umsatz ‚antiquarisches Buch‘ nur konstant geblieben ist? Unwahrscheinlich.

Dann wieder die ewige Klage eines typischen deutschen Antiquars: Die bösen bösen Privatleute die jetzt auch Bücher verkaufen oh oh .. und die bösen neuen Händler, die es jetzt gibt. Pöse Konkurrenz – sowasmüssteverboten werden. Wir leben in einer Gesellschaft in der nunmal jeder selbständig geschäftlich tätig werden darf. Sogar als reiner Onlinehändler. Sogar nebenberuflich. Sogar ohne Erlaubnis der Herren Alt-Antiquare. Ich bin diese Klage und Jammerei so SATT.

Wenn Sie Wettbewerb nicht ertragen, suchen Sie sich nen Posten wo es keinen Wettbewerb gibt. Punkt.

Jetzt wieder eine weitere Behauptung, die ebenfalls durch Wiederholung nicht besser wird:
„Offenbar steckt das bestehende Antiquariatsgewerbe in einer Sackgasse. So wie es ist, kann es ökonomisch nicht sinnvoll weitergehen, aber Erfolg versprechende alternative Strategien sind nicht in Sicht.

Das ‚bestehende‘ Antiquariat in der Sackgasse? Pauschal? Alle? Oder vielleicht nur die, die keine Anpassung mehr wollen oder können? Die sich eingerichtet haben im Staub ihrer Schätze und nun die Welt nicht mehr verstehen.

Mein Unternehmen wächst. Meine antiquarischen Umsätze wachsen. Und doch bin ich noch ganz am Anfang. Und taste und versuche und probiere und ändere und gestalte und und und. Spannend das.

Alternative Strategien sind nicht in Sicht? Doch, die gibt es. ZB sich mit dem Internet und seinen Chancen auseinandersetzen. Seinen Horizont erweitern. Und wenn keine Strategien in Sicht sind, dann muß man eben welche entwickeln und ausprobieren und vielleicht verwerfen und neues probieren, statt in Resignation zu versinken und alles über einen Kamm zu scheren.

Noch so’n Satz:
„Der Handel zerfleischt sich in Debatten über Datenhoheit von eigenen Beständen im Verhältnis zu den Verwertungsplattformen und/oder versucht, sich in Rückzugsgefechten die Illusion einer Autonomie zu erhalten“

Was soll das? Gerade auch dadurch daß Antiquare sich soweit wie möglich die Hoheit über ihre Daten sichern, erhalten sie ihre Autonomie. Wo ist denn meine Autonomie gefährdet? Ich wähle meine Strategie. Ich entscheide über das ob und wie des Einsatzes von Plattformen. Ich entscheide über einen Einkauf und mein Angebot. Meine Autonomie ist durch das Finanzamt, den 24-Stundentag und mein Schlafbedürfnis begrenzt. Aber sonst?

„Doch das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen, die Hilflosigkeit des Handels, mit der bestehenden Situation fertig zu werden, ist erschreckend.“

Hören Sie doch einfach auf, für mich mitzureden! Wenn Sie hilflos sind, Herr Meinke, ok. Was können wir tun um Ihnen zu helfen? Aber behaupten Sie doch nicht pauschal ‚der Handel sei hilflos‘ - ‚der‘ Handel muß sich auf veränderte und sich weiter verändernde gegebenheiten einstellen. Das mußte die Autoindustrie und die Plattenindustrie auch. Selbst Bischof Mixa .. aber lassen wir das…

„ Was hat sich in den letzten fünf Jahren so massiv geändert, dass die Situation aussichtslos erscheint?“

Jetzt aber, Butter bei die Fische .. gespannt wartend lese ich:

„Zum einen hat sich durch die scheinbare Transparenz des Marktes das Kaufverhalten der Kunden grundlegend verändert. Ich sage mit Absicht 'scheinbare Transparenz', denn das Auswahlkriterium ist jetzt offenbar der Preis und nicht die Qualität.

Klar, ohne die jetzt erreichte Transparenz wäre es viel einfacher. Und weil mich diese Jammerei so ärgert werde ich nun mal böse und unfair: Ohne die Transparenz, die das Internet jetzt bietet, konnte ich natürlich früher dem Kunden viel einfacher überteuerte Ware aufschwatzen. Konnte ich meine einzigartige Arbeit und Leistung als Antiquar natürlich unwiedersprochen und unüberprüfbar anpreisen. Haben doch alle Kunden früher so sehr von den Antiquaren profitiert udn werden durch die erreichte Transparenz ja eh nur verwirrt oder kommen gar auf die Idee bei irgend so einem Newcomer zu kaufen. Pöse Welt, pöses Internet, pöse Konkurrenz.

(Transparenz übrigens bei Preis UND Qualität, denn ich kann wenn ich zB bei ZVAB ein Buch suche beides miteinander vergleichen und mich als Kunde für das für mich richtige Verhältnis von Preis und Qualität (und Lieferbedingungen und Porto und Service – hat der Antiquar ein Bild hochgeladen oder nicht – entscheiden). Aber früher war die Welt – zugegeben – viel einfacher. Gut daß das heute nicht mehr so ist!

Noch‘n Zitat:
„Dazu kommt, dass der bisherige Kundenstamm der Antiquare überaltert ist oder sich mit diesen neuen Vertriebsformen nicht anfreunden will. Was wiederum verständlich ist, wenn der Kunde jeden Tag den Preisverfall seiner in den letzten 20 Jahren gekauften Bücher jedes Mal neu vor Augen geführt wird.“

Ist das denn das Internet schuld, daß der Kundenstamm überaltert ist? Oder die neue Konkurrenz? Oder der Antiquar an sich? Ist es nicht vielmehr auch eine Chance, daß die Menschen älter werden, länger sammeln können, durch Preis- und Qualtätstransparenz vielleicht viel einfacher eine Sammlung aufbauen können. Schätzen Kunden die Transparenz nicht vielmehr.

Und: Was hat denn der gemeine Antiquar bisher dafür getan, neue und vor allem junge Menschen ans Sammeln alter Bücher zu bringen. Und: Wäre es nicht langsam Zeit, damit anzufangen? Welttag des Buches. Welcher Antiquar hat denn Schulklassen in seinen Laden eingeladen? Ich werde ca. 200 Schüler begrüßen in den nächsten 2 Wochen. Und natürlich werden die sich nicht nur neue Bücher, sondern auch gebrauchte und antiquarische Bücher ansehen und diese gezeigt bekommen.
Warum stellen Antiquare nicht einen Katalog sagen wir zum Sammelgebiet: Römische Geschichte zusammen. Mit Büchern ab 5 Euro und kontaktieren Hochschulen, um mit den dort beschäftigten und Studenten in Kontakt zu kommen. Was weiß ich was für Ideen geboren werden könnten, wenn mal die Jammerei aufhört und das brainstormen anfangen würde.

Der Kunde will sich mit neuen Vertriebsformen nicht anfreunden wegen des Preisverfalls. Logisch!? Ne…

Noch so’n Pauschalurteil:
„Das junge Publikum – wenn es den überhaupt nachwächst, ich habe da meine Zweifel – kennt scheinbar nur noch das Internet und weiß den Kontakt mit dem berufserfahrenen Händler nicht zu schätzen“

Das die Bevölkerungspyramide sich verändert haben alle mitbekommen. Wächst also weniger Jungvolk nach. Das heute zusätzliche Dinge (Internet, Musik, chats, Spiele) um die Aufmerksamkeit der Kids konkurrieren – einverstanden. Was tun aber auch viele Buchläden nicht alles, um junge Menschen in die Neu-Buchhandlungen zu bekommen. Was tun denn Antiquare so um neue junge Kunden anzulocken? Depressiv herum jammern? Vielleicht reicht das nicht. Wo findet denn das junge Publikum den Antiquar? Muß nicht vielleicht der Antiquar sich auf den Weg machen, statt in seiner Höhle zu hocken und die Welt zu betrauern?

Einer meiner Lieblinsgsätze, den man so und so ähnlich oft hört:
„Was ich ihm auch nicht verübeln kann, da sich im Handel auch eine große Anzahl von fachlich Inkompetenten herumtreibt, deren Ausführungen oft eine erschreckende Unbildung belegen“

Wenn ich so was lese, platzt mir der Kragen. Ja, es gibt Leute die sind keine Fachleute und die finden in Omas Bücherschrabnk ne alte Bibel und werfen die auf den Markt, ohne sie fachmännisch mit möglichst vielen Abkürzungen zu beschreiben. Und wenn die Bibel noch dazu mehr Geld einbringt als zunächst erwartet, dann erwacht der Geschäftstrieb. Und dann wird auch Opas und mPapas Regal geplündert und dann hat der Nachbar noch ne Haushaltsauflösung etc .. früher sind diese Sachen auf den Flohmärkten vertickt worden und manch alteingesessener Antiquör hat so manches Schnäppchen gemacht, weils die Leute nicht besser wußten. Die wurden über den Tisch gezogen. Heute verhidnert das – teilweise – die oben erwähnte Transparenz. Passt Ihnen nicht? Egal!

Und aus manch einem, der Omas Bibel als erstes Stück verkooft hat, wurde einer, der heute dem altantquer Konkurrenz macht. So ist die Welt.
Wenn ich aber die Ergüsse von Meinke hier lese – stellvertretend für etliche andere – dann frage ich mich wo denn da die Unbildung und Inkompetenz wirklich liegt. Wer ein Antiquariat betreibt ist Kaufmann und nimmt am kapitalistischen Wirtschaftsleben teil. Wer aber nicht mal in der Lage ist, auf schwierige, sich verändernde Marktgegebenheiten anders als mit jammervollen Litaneien zu reagieren, dem werfe ich Inkompetenz vor. Drehen wir den Spieß doch mal um: Wieviele Alt-Antiquare gibt es wohl, die nichts wissen über Kundenbindung, Service, Neukundengewinnung, Werbung, Marketing, Selbstvermarktung und und und … Aus dem depressiven die-Welt-ist-schlecht Artikel von herrn Meinke kann ich nur schließen: Sie WOLLEN NICHT mit der Zeit gehen, oder Ihnen fehlt die notwendige Kompetenz das zu versuchen.
So! Es war mal Zeit den ewig gleichen Sermon über Inkompetenz und Unbildung etc. an den Absender zurückzugeben.

Jetzt, Meinke sieht einen Lichtblick:

„Jetzt bemühen sich einige Kollegen redlich, dieser trostlosen Tendenz entgegenzuwirken. Sie machen dies teils mit dem traditionellen Mittel des gedruckten Katalogs oder mit verstärkter Präsenz auf Messen“

Ja, genau. Erkannt, solche Kollegen gibt es, die etwas probieren. Toll … oder?

Meinke fährt fort: „Beides jedoch sind allein keine Standbeine, die das Überleben garantieren.“

WAS SOLL DAS? Was soll der geneigte Leser mit so nem dummen Spruch anfangen? Keiner der Kollegen, die etwas ausprobieren fordert Garantien. Wen n Sie, Herr Meinke das tun, sind sie im falschen Gewerbe. So Leute sind früher aufs Amt oder zur Post gegangen.

Dann: „Andere versuchen es mit ausführlicher Selbstdarstellung im Internet.“

Wieder erwähnt Meinke eine der möglichen Strategien, sich als Antiquar im Internet zu präsentieren .. aber natürlich muß unser Autor das wieder ins Negative ziehen, mit persönlicher Befindlichkeit und reiner Unterstellung (‚Strohfeuer‘)

„Und diese Präsentationen sind in meinen Augen oft sehr problematisch, zumal wenn sich diese Antiquare immer wieder bei aufflackernden Strohfeuern 'so richtig aus dem Fenster hängen'. Sicherlich werden diese Selbstdarsteller auch ihre Anhänger finden, mir rücken sie aber oft zu nahe und teilen mir Dinge und Vorlieben mit, die ich eigentlich gar nicht wissen will.“ (So gehts mir hinsichtlich des Meinke Textes auch)

Dann noch so’n Spruch:
„Das gilt insbesondere für die Leute, die dieses gerade modische Medium Twitter benutzen, um möglichst schnell und (nach meiner Meinung gewollt) aktuell zu sein. Nur leider haben diese Leute scheinbar gar nicht mehr im Blick, dass auch andere diese Kurzmitteilungen mitlesen können, ohne dass sie es merken. „

Doch Herr meinke, diejenigen die Twitter nutzen, denen ist schon klar, daß auch andere mitlesen können, das ist ja irgendwie der Sinn davon … herrjeh…

Einer meiner Lieblingssätze:
„teils wundere ich mich aber auch über die Empfindlichkeit, wenn einmal Widerworte fallen.“

Na dann bin ich ja mal gespannt…. ;)

Dann:
„Andere Kollegen versuchen, sich mit ihrem Bücherbestand auf eigenen Seiten im Internet zu präsentieren in der Hoffnung, dadurch nicht von den Angebotsplattformen abhängig zu sein. Dass einige dies auch noch mit Hinweisen auf Seiten ähnlich motivierter Kollegen verbinden, ist lobenswert. Ob dies zu mehr Verkäufen führt, kann ich nicht beurteilen“

Na, zu weniger Verkäufen dürfte das nun nicht führen. Eigentlich ein guter Ansatz über den man als Teil einer Strategie nachdenken muß – da das aber nicht ins gewünschte Bild des Autors paßt, muß gemäkelt werden. So fährt Meinke also fort:

„Wenn ich konkret weiß, was ich suche, benutze ich Suchmaschinen, die eine größere Anzahl von Datenbanken durchsucht – und ärgere mich, dass die Titel zu oft als Dublette erscheinen. Stöbern, wie das früher so nett hieß, kann ich nirgendwo mehr mit Vergnügen.“

Ihre eigene Befindlichkeit in allen Ehren und suchen dürfen Sie wie sie das für richtig halten. Aber es muß doch selbst Ihnen in Ihren negativsten Minuten klar sein, daß das was einige Antiquare mit ihrer Internetpräsenz versuchen, eine mögliche Strategie ist, die Erfolg verspricht. Aber Sie wollen sich in Ihrer Negativität suhlen und fahren fort:

„Viel wichtiger ist mir aber die Frage, wie soll der Kunde (sprich potenzielle Käufer) diese isolierten Seiten eigentlich finden – und warum sollte er sie suchen? All diese Versuche, sich im Internet zu präsentieren, scheinen mir die Hilflosigkeit gegenüber den objektiven Bedingungen nur zu bestätigen“

Finden? Google oder eine andere Suchmaschine ..klappt prima, sollten Sie versuchen. Aber eine Internetpräsenz zeigt nur die Hilflosigkeit. Am Besten gibt man also sofort ganz auf. Toll, daß Sie dafür so viel Platz in der Fachzeitschrift bekommen haben.

Dann, nachdem die Aussichtslosigkeit allen Handelns bewiesen wurde, der Schwenk zur Kundenseite. Na, vielleicht ja dort etwas, was Hoffnung macht.

„Natürlich hat jeder Händler schon mal einen Kunden unter 30 Jahren gesehen, ich weiß… Aber ehrlich muss man wohl doch eingestehen, dass die Zahl der Abgänge um vieles höher ist als die nachwachsende Zahl“

In der Tat, ich habe schon mal einen unter 30 gesehen. Gerade eben vpr 3 Minuten erst war eine 11 jährige Stammkundin hier. Sie hat ein neues Buch gekauft. Weia, gar keinen alten Goethe. Hm .. aber vor 2 Wochen, da hat eine 18jährige eine alte Shakespeare Ausgabe gekauft. Geht also doch.

Weiter gehts mit typischen Stammtisch-Altherrengeschwätz (ja,ja, nicht alle sind so &#61514; ) :
„Das wundert mich auch nicht, wenn ich mir das soziale Umfeld in Deutschland ansehe. Hier ist nicht mehr viel vorhanden von bürgerlichem Bildungsniveau und Wertschätzung von Traditionslinien, das Alte wird eher als Belastung denn Verpflichtung gesehen“

noch so einer:

„Wenn schon die Produktion von neuen Büchern – oder das was scheinbar manche Verlage dafür halten – von so schrecklicher Qualität ist, dass man sich nur fragen kann, wer dieses 'Zeug' eigentlich kaufen soll, und diese 'Ware' wird dann noch in einer Geschwindigkeit wieder verramscht, dass sich der Käufer nur noch an der Nase herumgeführt fühlt.“

Statt sich zu fragen was nicht nur Buchhändler, sondern vielleicht sogar Antiquare selbst tun könnten, um die Lesekultur zu verbessern. Wenn Antiquare nur darauf warten und hoffen, daß Neubuchhändler sich schon darum kümmern werden, Leser zu produzieren, die dann vielleicht ,mal Sammler werden, dann reicht das nicht. Nirgends lese ich von Ideen wie man Kinder zu Lesern macht. Vielleicht ist der Ansatz neue und alte Bücher unter einem Dach anzubieten auch deshalb gar nicht so falsch. Obwohl: Ob man Kinder wirklich an so richtige, echte Antiquare heran lassen sollte, zumal wenn die depressiv sind .. eher nicht.

„Wenn den Menschen Publikationen angeboten werden, die eine Verfallszeit haben, die in Monaten und nicht in Jahren gezählt werden müssen, erscheint die Publikationsform auf elektronischem Weg sinnvoller als das gedruckte Buch“

Liest eigentlich in der Redaktion von: ‚Aus dem Antiquariat‘ irgendwer die texte vor dem Druck oder sind die so froh, daß überhaupt wer was schreibt, daß alle ungeprüft gedruckt wird?

„Und wo kann der Nachwuchs dann noch lernen oder besser erfahren, was und wo Qualität ist? In Bibliotheken? Das was uns heute an Kultur und Wissen verkauft werden soll, wird von selbsternannten Experten auf "Leuchttürme" reduziert, das Niveau der allgemeinen Bildung entspricht dem Niveau unserer Politiker.“

Was für ein Geschwätz!

„Es ist offensichtlich, dass die, die uns führen wollen und 'retten' sollen, von der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderung überfordert sind.“
Ich sehe – ganz offensichtlich – hier nur einen der von den Verändrungen überfordert ist. Gell, Herr Meinke.

„Und da glauben wir, dass gerade das Antiquariat überleben wird? Ist nicht der rapide Preisverfall für alte Bücher der schlagende Beweis für diese Entwicklung?“

Was soll der Preisverfall isoliert beweisen? Sind nicht verglichen mit den Einkommen fast alle Waren billiger geworden??? Kann man deshalb mit Kühlschränken oder Schuhen kein Geld mehr verdienen?

„Kommen Sie mir jetzt nicht mit den üblichen Argumenten: A. Gutes wird sich immer durchsetzen. Wenn nur noch wenige das Gute erkennen, gibt’s auch keinen guten Preis mehr. Das erfahren Sie spätestens, wenn Sie zu verkaufen versuchen.“

Ja, mag sein, daß es weniger Sammler gibt, der Markt auch teilweise gesättigt ist und die Preise niedriger sind. Niedrigere Preise heißt auch: Niedrigere Ankaufspreise. Die Marge muß sich nicht ändern. Trotzdem wird sich Gutes durchsetzen. Vielleicht muß man aber Bedarf wecken. Gezieltere Angebote machen. Sich anders als bisher spezialisieren.

„B. Seltenes wird noch seltener und damit teurer. Mittlerweile sind die Käufer für Seltenheiten seltener als die Ware“

Da ist was dran. Und vielleicht kommt da das ganze Lamento her: Exklusive, teure Bücher, die von den Antiquaren, die ich gerne Edel-Antiquare nenne &#61514; angeboten werden, die werden schwerer zu verkaufen sein. Da könnte die Luft dünn werden. Wenn es bisher schon für ein Spezialgebiet nur eine Handvoll Sammler gab und sich diese zahl ohne ausreichenden Nachwuchs reduziert, dann merken das diese Antiquare sehr schnell.

„ Und noch etwas Grundsätzliches: Der seriöse Handel mit alten und wertvollen Gegenständen ist schon von der Sache her etwas Langsames. Er verlangt Zeit, Muße, Geduld, Erfahrung – und ausreichend Kapital auf Seite der Käufer wie auch der Verkäufer. Diese Grundvoraussetzungen scheinen mir aber nicht mehr ausreichend vorhanden zu sein und sie sind mit dem immer wichtiger werdenden Medium des Internets nicht wirklich kompatibel.“
Steckt hier tatsächlich Pudels Kern? Handelt es sich bei dem ganzen Klage-Artikel um das Jammern auf Edel-Antiquariats Niveau? Wer mit Ferrari handelt mag auf Golf Käufer und vor allem auf VW Händler herabblicken. Edel-Antiquare sollten das lamentieren dann aber vielleicht im Golf-Club unter ihresgleichen betreiben, statt auch allen anderen Antiquaren mit ihrem depressiven Geschreibsel auf den Wecker zu gehen. Edel-Antiquariat und Internet mag in Teilen nicht kompatibel sein. Was hat das mit mir zu tun?

Aber vielleicht meint Meinke ja tatsächlich: Antiquariatshandel ist mit Internet nicht kompatibel, denn:

„Der Akt ist beschränkt auf Angebot und Kauf eines einzelnen Objekts, Käufer und Verkäufer bleiben sich fremd, sie gehen keine engeren Bindungen ein, wie sie im klassischen Antiquariat möglich und sinnvoll waren.“

Hängt das nicht vielleicht davon ab, wie und ob ich mit den einzelnen Käufern vielleicht doch eine Kundenbindung herstellen kann. Vielleicht brauchts da andere Fähigkeiten als früher.

„Der Käufer hat kaum eine Chance, 'seinen' Antiquar im Internet zu finden, da sich sein Suchen nur selten über die großen Datenbanken hinaus bewegen wird.“

Doch, doch, den Käufern traue ich das durchaus zu.

„Der kluge Antiquar hingegen wird nicht alle seine Bestände im Internet präsentieren, die besseren und selteneren Titel wird er, wenn er sich das leisten kann, nicht so einfach in den großen Sumpf werfen. Weil nämlich dort hemmungslos abgekupfert wird und sich gleich noch jemand findet, der billiger anbieten kann und will.“

Nein, der kluge Antiquar wird sich zu hause in seinem Kämmerlein verstecken, ab und an mal die Nase herausstrecken und hoffen, daß zufällig der richtige Käufer vorbeikommt. Und: Was wird denn im Internet abgekupfert? Die wunderbare, in Stunden ausgedachte, mit feinsten Abkürzungen hantierende Beschreibung? Weia, wie beängstigend. Und es könnte einen Konkurrenten geben, der das gleiche anbietet. Menno, ist das gemein! Dabei: Der andere würde das Buch ja vielleicht sowieso im Internet anbieten. Und der potentielle Käufer hat dann – weil der depressive Antiquar sein Buch gar nicht online stehen hat – auch gar nicht die Freiheit zu entscheiden, welches Buch er kaufen möchte. Das ist echter Kundenservice .. aber mit Service haben wir es ja eh nicht so sehr, richtig.

„Datenbanken sind keine Antiquariate. Sie sind Verwertungsmaschinen und geeignet für mehr oder weniger unkomplizierte Massenware.“

Datenbanken sind keine Antiquariate, hm, ein Hammersatz. Den muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Aber Antiquariatskataloge waren doch auch nie Antiquariate? Genausowenig wie eine Auktion oder eine Messe. Die Frage ist doch was man will: Möglichst viele potentielle Kunden erreichen? Dann ist die ZVAB oder andere Datenbanken EIN Weg. Unbenommen daneben noch eine homepage zu betreiben, Bücher auch über herkömmliche Kataloge zu bewerben oder im fenster auszustellen. Datenbanken sind die Fortsetzung des klassischen Kataloges mit mehr Hilfen für Käufer. Was sie doch in Wirklichkeit beklagen ist die Transparenz. Dieser Kundennutzen geht Ihnen gegen den Strich. Müssen Sie sich aber mit abfinden. Denn die Konkurrenz wird die Datenbanken weiter nutzen.

„Und Datenbanken und Qualität sind ein Widerspruch in sich selbst, das werden auch genossenschaftlich oder wie auch immer von Antiquaren betriebene Plattformen nicht ändern können, denn für Qualität, die auch inhaltlich und nicht nur formal definiert werden muss, kann es zwar Kriterien, aber keine Kontrollinstanz geben.“

Das ist, mit Verlaub nichts als hanebüchener Unsinn!

„Die neue Vertriebsform für das klassisch aufgestellte breite Antiquariat jenseits der Kataloge oder Messen ist nicht in Sicht.“

Vergessen haben Sie den Laden, aber: Die neue Vertriebsform gibt es längst. Es ist das Internet – eine zusätzliche und chancenreiche Vertriebsform, die aber vielleicht soviel Umdenken erfordert, daß der Ein und der Andere das nicht mehr bewältigen will oder kann. Aber alles über einen Kamm zu scheren und zu verallgemeinern ist Quatsch.

Sie kennen den Spruch: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Für manchen Alt-Antiquar ist es vielleicht Zeit, in diesem Sinne tschüß zu sagen.

Abschließend:
Ja, ich bin sauer und ich bin es satt, immer wieder solche Ergüsse wie den von Herrn Meinke – noch dazu im Fachblatt ‚Aus dem Antiquar‘ - lesen zu müssen.

Ja, es braucht neue Ideen und neue Wege. Das ist aber in allen Branchen und immer so. Ich selbst werde den Weg weitergehen, mehrere felder unter einem dach zu vereinen und langsam auszubauen: Neubuch, Gebrauchtbuch, antiquarisches Buch plus Verlag. Alles stationär und online. Dazu die ein oder andere Zusatzidee und das wird schon.

Wer sich wegen meines Beitrages angegriffen fühlt sollte vielleicht darüber nachdenken warum ich so schreibe.

26. RF Meyer 21.04.2010 18:46h http://www.meyerbuch.com/

Ad 25.
Sehr geehrter Herr Groß,
langer Beitrag, hat aber Spaß gemacht, ihn zu lesen.
In den meisten Punkten würde ich Ihnen recht geben.

Wenn man die Realität nicht ändern kann, muß man sich selbst ändern.

27. Antiquariat Michael Eschmann 21.04.2010 18:56h http://www.antiquariate-rhein-main.de

Ad 25.
Sehr geehrter Herr Aurel,
langer Beitrag, hat aber keinen Spaß gemacht, ihn zu lesen. In den meisten Punkten würde ich Ihnen nicht recht geben.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, jedoch die
meisten vertragen sie nicht.

28. krämer 21.04.2010 19:02h

Was Herr Plocher sagte, das Antiquariat als geistige Lebensform, stimme ich zu, aber nicht in der Wortwahl, eine geistige Lebensform gibt es nicht. Der lebendige Geist sucht sich seine Formen, und wenn die tot sind, dann weht es woanders, in neuen Formen.
Ich finde besonders die beiden Beiträge inspirierend, von dem Nicht-Mehr-Sammler, und von der jungen Sammlerin, da zeigt sich eine Erneuerung, für die alternde Antiquare, nicht mehr Geist genug haben.

29. krämer 21.04.2010 20:41h

Humboldt sagte über Schiller. Keinen hab ich geliebt wie ihn.
Warum wohl?
Und Goethe, sagt, lies aus dem Buch der Natur.

30. Dereserchen 21.04.2010 20:53h

Sehr geehrter Herr Aurel,

ich fand Ihren Beitrag sehr erfrischend und Sie haben mir absolut aus der Seele gesprochen :-)

Vielen Dank dafür

31. krämer 21.04.2010 21:27h

Ist es die Reinkranation des Marc Aurel?



32. Roman Heuberger 21.04.2010 21:38h

ad 25:

Lieber Herr Groß,

mit Ihren langen Ausführungen haben Sie wirklich aus der Seele gesprochen - hauptsächlich Ihrer eigenen. Gewissenhaft haben Sie Herbert Meinkes Bericht aus Ihrer Sicht der Dinge aufgedröselt und Gegenstandpunkte aufgestellt. Nun könnte man hingehen und Ihre Standpunkte hinwiederum aufdröseln. Futter genug würde der Inhalt Ihres Aufsatzes liefern, es wäre jedoch müßig, weil dies in einen Teufelskreis münden würde.

Eines aber gestatte ich mir doch festzustellen: Ihr Napoleon/Goethe-Beispiel hat leider absolut keine Aussagekraft. Weil nämlich ein entscheidendes Kriterium fehlt, das für den potentiellen Käufer immens wichtig ist: nämlich die Qualität des angebotenen Objekts. Hauptsächlich Zustand, aber auch zahreiche andere Bestandteile der Beschreibung. Da ist der Preis tatsächlich sekundär, natürlich innerhalb vernünftiger Parameter. Und durch die immensen Preisunterschiede für ein und denselben vergleichbaren Titel verschwimmen die von Ihnen definierten Preiskategorien ohnehin zu einem reinen Zahlenbrei ohne Sinn.

Ihr Beitrag hat zumindest eines deutlich gemacht: Das Unverständnis innerhalb unserer Branche untereinander. Woran das genau liegt, weiß ich nicht genau, ich find's halt schade. Vielleicht liegt es teilweise ein wenig daran, daß sich der Antiquar mit dem Internet zwar verträgt, oft nicht so recht weiß, was das eigentlich ist, aber dennoch mitspielt, während das Internet sich häufig aber nicht mit dem Antiquar verträgt, auch nicht so recht weiß, was das eigentlich ist, aber dennoch mitspielt.

33. bookmarathon 21.04.2010 22:07h

@32

"mit Ihren langen Ausführungen haben Sie wirklich aus der Seele gesprochen - hauptsächlich Ihrer eigenen"

Nein, es sind wohl schon ein paar mehr, Herr Heuberger. Da lebt jemand, da bewegt sich einer und er scheint bei Ihnen anerkannt zu sein. Wissen Sie noch was Leben ist?



34. bibliomanie 21.04.2010 22:49h

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Preise fuer gebrauchte Buecher duerften sich unaufhaltsam in die immer selbe Richtung entwickeln. Mir fallen hierzu spontan mehrere Gruende ein:

1. Amazon ist der groesste Aggregator auf dem deutschen Gebrauchtbuchmarkt und sortiert die Angebote zu einem Titel aufsteigend nach dem Preis. Dies in Verbindung mit unserer Leserichtung und der Fungibilitaet des Buches fuehrt dazu, dass Angebote mit prominenter (weil billiger) Positionierung haeufiger gekauft werden.

2. Die Position des eigenen Angebotes auf dem Amazon Marktplatz kann nur ueber den Verkaufspreis beeinflusst werden. Dies fuehrt uns zu einer banalen Schlussfolgerung (aus der Spieltheorie), naemlich: die Loesungen dieses nicht kooperativen Spiels ist nicht optimal. Oder anders: sinkende Preise sind schlecht fuer alle.

3. Die Markteintrittsbarrieren fuer den Verkauf von Buechern sind dank diverser Softwareanbieter drastisch gesunken. Die Marktaustrittsbarrieren wiederum sind Dank des Herzblutes mit dem nicht zuletzt Sie, meine Herren, an Ihrer Profession und Ihren Buechern haengen hoeher als in anderen Branchen. Dies fuehrt zu einer stetig wachsenden Zahl an Anbietern und Angeboten.

4. Konzentration und Skaleneffekte
Im Gebrauchtbuchhandel kommt es seit einiger Zeit zu Konzentrationen denen sich auch der hochpreisige Bereich auf Dauer nicht entziehen koennen wird. Die groessere Effizienz dieser Haendler in der Abwicklung von An- und Verkauf und Lagerung wird vermutlich zu weiter sinkenden Preisen fuehren.

35. krämer 21.04.2010 23:08h

"Wissen Sie noch was Leben ist?"

Mir mißfällt die Vergangenheitsform.

Wissen Sie noch, also, es wurde gewußt.
Und Leben ist keine "ist"-Geschichte..Herr Plocher hat ja eingeladen, Antiquariat als Lebensf

Mrorm.

36. krämer 21.04.2010 23:21h

Mrom also, im Kontrast zum Aum.

37. krämer 21.04.2010 23:37h

Was das Mrorm ist, im Unterschied zum Aum, hat Kierkegaard untersucht.

Mehr lesen, gründlicher studieren, und weniger rumquatschen.

38. krämer 21.04.2010 23:54h

Nun ja, es sei gesagt:

Mrorm.

39. ratlos 21.04.2010 23:56h

"Pünktlich zur Eröffnung von Buchmessen (Frankfurt und/oder Leipzig) oder Antiquariatsmessen (wahlweise Stuttgart, Ludwigsburg, Zürich, Köln, Berlin, Hamburg, "München diesmal nicht")" - Was soll das dumme Gewäsch? War da nicht gerade was mit Büchern in Paris, kurz vorher auch in Neu York?
Habe nicht weitergelesen, wozu denn?

40. krämer 22.04.2010 00:02h

Wozu, wozu?

Sehr wahr, wozu, wozu.

wau, wau.

41. ratlos 22.04.2010 00:29h

wessenthalben?

42. ratlos 22.04.2010 00:49h

Scherz beiseite, das Internet bietet doch einige Möglichkeiten: z. B. so: http://le-bibliomane.blogspot.com/

43. Ehemaliger Sammler 22.04.2010 01:00h

Für die Art und Weise, wie Herr Meinke hier abgewatscht wurde, fehlt mir jegliches Verständnis.

----------

Wurden hier nicht vor ziemlich genau zwei Jahren drei wagemutige junge Ladenantiquare - Sibylle Wieduwilt, Walter S. Klügel und Stefan Schuelke - anläßlich ihrer Geschäftsgründungen vorgestellt? Wäre in diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant, bei den Dreien nachzufragen, ob sich ihre Erwartungen, ihre Hoffnungen erfüllt haben. Vor allem Herrn Schuelkes Konzept fand ich sehr interessant und vielversprechend, da man ja weiß, daß im Bereich der Gegenwartskunst viel Geld vorhanden ist und auch neue Sammler aufgetaucht sind.

44. rabe 22.04.2010 04:46h

Hallo Herr Groß,
Ihre Kritik an H. Meinkes Artikel ist berechtigt und oberflächlich zugleich, natürlich ist dieser Artikel ein wiederholter Aufguss allseits bekannter Beobachtungen, natürlich kann man dem Artikel vorwerfen , die Vorteile des Vertriebswegs Internet nicht zu sehen, aber es reicht - mir reicht es nicht - mit ebay oder amazon Statistiken zu hantieren.
All zu oft endet Ihre Argumentation in das "ewige Gejammere", aber Sie denken die Probleme - und es gibt sie - nicht zu Ende. Auch in Vor-Internet-Zeiten hat es Omas Bibelverkäufer gegeben, Hauswedel- oder Radtke-Preise unter dem Arm den Laden betretend und entsprechende Forderungen stellend, ja diese Anbieter haben es heute einfacher, brauchen keine allgemeinen AGBs verfassen und auch kein Rückgaberecht einzuhalten, von Steuern schreibe ich mal nichts , sonst müssen Sie vielleicht wieder über das Jammern schreiben.
Es würde mir durchaus gefallen, mich diesem anarchischen Gedanken Geld-verdienen-ohne-Gewerbeschein hinzugeben, oder besser gleich „Privatmakler für Südseeinseln“, große Freiheit Internet - wer verliert ist selbst schuld, war wohl zu unbeweglich... , vermutlich zu kurz gedacht.
Das Internet hat Strukturen verändert, es ist mehr als nur ein neuer Vertriebsweg, es hat positive Elemente – viele neue Kunden , weltweit, einfache Recherche usw,. Der Vertriebsweg Internet hat aber, je mehr man beobachtet und nachdenkt, eine Büchse der Pandora geöffnet.
Der Preisverfall ist ein Fakt, vielleicht ist er berechtigt, aber die größte Auswirkung in der Preisgestaltung geht von der scheinbaren Verfügbarkeit großer, virtuell aufgeblähter Büchermengen aus. (Zahlen bei eurobuch oder Treffermengen bei google sind immer virtuell potenziert – aber den Kunden , den Interessenten erschlagen sie), Preise im Netz kennen scheinbar nur ein Kriterium: Wie oft gelistet ... , Auswirkung: Bücher anerkannter Substanz werden von Händler beachtet, daher häufiger gelistet, Folge: der Preis geht herunter. Gegenteiliger Effekt: Willi Müllers selbst verlegtes Werk über das schönste Himmelfahrts.-Besäufnis erfährt eine ungeheure Wertschätzung, weil nicht angeboten... schöne neue Internetwelt, es kann ein jeder machen was er will, Hauptsache er hat ein Preistool-Programm.
Ihre Argumentation hat zwei Grundelemente: Es ist doch schön, wenn Bücher billig sind, mit Verlaub, dies erinnert an die Geiz-ist-geil Welle, billige Preise sind endlich, und wenn der Preis völlig im Keller ist , kann man nur noch an Versandkosten verdienen, seriöse Händler sollten anders arbeiten.
Es reicht zum anderen nicht aus , Klagen über sich wandelnde oder selbstzerstörende Strukturen im Netz mit dem Hinweis auf sozioökonomischen Klassenkampf zu begegnen, nicht jede webzweinull Erfindung ist der Bewegung wert, nicht jedes Gezwitschere über umfallende Kaffeetassen auf Antiquarstischen dient der Identitätsverbreitung. Sie , lieber Herr Groß, machen es sich zu einfach, wenn Sie Beweglichkeit einfordern und Probleme verursacht durch das Internet damit bemänteln.
Ob junge Sammler zum Buch stossen weiß ich auch nicht, zumindest kann man dies nicht faktisch belegen oder widerlegen, aber belegen kann man die Verunsicherung von Sammlern durch Entwicklungen im Internet. Preisspannen von – bis, Phantasiepreise nach unten und nach oben - jederzeit und überall im Netz zu beobachten – schrecken Sammler ab. Die Häufigkeit des Sammelobjektes - hochgespült durch das Netz, verhindert die Lust am Sammeln, Muscheln vor der Haustür machen das Sammeln von Muscheln im Urlaub uninteressant. Diese „Zerstörung“ der Sammlerstruktur lässt sich nicht durch Beweglichkeit aufhalten.
Das Netz schafft eine neue, virtuelle Buchpräsentation und zerstört die reale Buchpräsentation. Es gibt viele bunte Bilder von Büchern im Netz, aber immer weniger Antiquariate / Buchläden in der zugänglichen öffentlichen Realwelt, ein Fakt und eine Folge des Vertriebsweges Internet, ich denke, man darf und muss diese Folge bejammern, Innenstädte mit Filialisten fördern keine Buchkultur.
Das Internet entwertet, es entwertet Kenntnisse und Arbeit, Sie Herr Groß, wischen das Kopieren von Daten und Recherchen beiseite, ist eben so, schöne neue Internetwelt, soll halt jeder klauen was er will, im Rahmen der Fähigkeiten seiner Tastatur. Kenntnisse über Bücher, über Inhalte und Zusammenhänge, unwichtig, Amazon-ranking auslesen und schon habe ich den maschinellen Antiquar, an der einen oder anderen Stelle noch etwas unbeholfen, aber demnächst , mit noch mehr Rechnerleistung und ein wenig mehr Unschärfelogik wird das schon werden, Antiquare überflüssig, Automaten und Programme an die Internet-Front, könnte eigentlich schon wieder jammern... ,
In Vor-Internetzeiten gab es Fachantiquariate, es gibt sie auch heute noch, nur ihre Bedeutung ist nicht mehr gegeben. Viele Kollegen setzen auf Spezialisierung und Kompetenz, mit Sicherheit ein richtiger und sinniger Schritt, nur das Internet ist das größere Fachantiquariat und der interessanteste Spezialanbieter wird durch Angebote im Netz überholt.
Man kann all diese Strukturverschiebungen nicht leugnen und zu Ende gedacht, machen Sie den Antiquar und erst recht den Gebrauchtbuch- und Massenbuchanbieter überflüssig, weil seine Arbeit noch schneller technisch zu übernehmen ist. By the way, der Gebrauchtbuch- und Massenanbieter wird schneller noch von on-demand Wellen und E-reading Wellen überspült werden, vielleicht genießt der Antiquar ein wenig länger Artenschutz, er hat vielleicht noch ein paar ältere Originale.
Es sind schon berechtigte Zeiten zum Jammern, noch mehr aber zum Aufpassen und Nachdenken über Entwicklungen , die nur auf den ersten Blick allen dienlich – weil umsonst und billig - sind, und es macht erst recht keinen Sinn, sich gegenseitig handgestricktes Gazellenleder und Flohmarktkisten um die Ohren zu schlagen.

Mann , Frau kann letztlich vieles tun, um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken, Erfolg nicht garantiert, jeder muss für sich entscheiden, wie öffentlich real er präsent sein möchte mit seinem Buchangebot, wer nur noch virtuell handelt und lebt hat schon verloren,
rabenschwarze Grüße

45. Buchhöker 22.04.2010 08:50h

Werte Bildungsgemeinde,

wie heißt es schon im Phönizischen:

"Jammern ist der Gruß der Kaufleute"

Amen.

46. Generation X 22.04.2010 10:07h

Intelligenz ist die Fähigkeit, sich einer neuen Situation anzupassen.

In der Regel heisst das, sich nach einem neuen Job umzusehen, wenn man mit den niedrigen Margen im Antiquariatsbuchhandel nicht mehr auskommt.

Die goldenen Zeiten sind definitiv vorbei.

47. Aurel 22.04.2010 14:02h

@27
Schade Herr Eschmann, wäre schon interessant zu wissen, was Sie anders sehen.

@32
Lieber Herr Heuberger,

das aufdröseln der verschiedenen Standpunkte könnte uns ja insgesamt weiterbringen. Weiter jedenfalls als nur das pauschale Jammern und Klagen. Dem habe ich einfach eine andere Sicht gegenübergestellt.

Mit dem ZVAB Beispiel habe ich nichts anderes im Sinn gehabt, als der Behauptung von Herrn Meinke: „das ZVAB ist in erster Linie eine Vermittlungsplattform für Gebrauchtbücher.“ entgegenzutreten. Seine These ist nämlich falsch. Von Qualität war bei Herrn Meinke im Zuhang mit dem ZVAB nicht die Rede. Aber vielleicht sollte man das ZVAB mal daraufhin untersuchen. Vielleicht wäre ja die Einführung eines Mindestpreises bei ZVAB ein Weg der ein bischen helfen könnte.

Ich denke Antiquar und Internet könnten sich hervorragend verstehen. Datenbanken eine Art erweiterter Katalog. Präsentationsmöglichkeiten ohne Ende. Transparenz müssen wir als Chance begreifen. Wenn wir nicht vom Kunden her denken, wie wollen wir erfolgreich sein?

Markus Groß

48. H.Meinke 22.04.2010 20:01h

Wer einen Schmähschrift schreibt, darf sich über harsche Reaktionen nicht wundern, besonders wenn er einige Passage bewusst provokativ formuliert.

Von daher kann und will ich mich auch nicht beklagen.

Ich betrachte deshalb die Replik von Markus Gross auch nicht als „abwatschen“, sie ist vielmehr gut geschrieben, in sich logisch aufgebaut und die persönlichen Anmerkungen zu meinen Darstellungen gehen für mich nicht zu weit. Zudem empfinde ich es als sehr gut, dass Markus Gross im Gegensatz zu anderen nicht anonym oder pseudonym auftritt. Das hat er bei der Qualität seines Beitrages auch wirklich nicht nötig. Und da er in vielen Punkten eine andere Sicht auf die aktuelle Situation des Buchhandels hat, würde ich mich freuen, häufiger von ihm lesen zu können.

Dass ich vieles anders sehe als er und damit auch nicht allein stehe, sollte nichts Ehrenrühriges sein – weder für ihn noch für mich.

Wichtig ist mir aber doch, Einiges klarzustellen:
Ich träume nicht von Rückkehr alter Zeiten, die übrigens nicht besser waren, sondern nur andere Probleme hatten, die auch nicht weniger existenziell waren.

Ich halte das Internet für eine großartige Entwicklung. Vieles ist einfacher, schneller und effektiver geworden. Das ein neues Medium auch neue Anforderungen stellt, ist selbstverständlich – aber das neue Situationen nicht immer nur positive Ergebnisse bringen auch. Darauf hinzuweisen sollte doch kein Verbrechen sein.

Ich lehne neue Kommunikationsformen wie twitter, facebook etc. nicht per se ab – ich erlaube mir nur, nachzufragen, ob sie in der z.Zt. von einigen Kollegen genutzter Form sinnvoll bzw. effektiv sind. An Rückmeldungen, was diese relativ neue Kommunikationsstrukturen wirklich bringen, sind außer mir sicher auch viele Andere interessiert.

Rainer Meyer schreibt in seinem Blog heute: Tatsache bleibt, daß es nur subjektive Aussagen zu den Verhältnissen des antiquarischen Buchhandels in den Zeiten des Internetzes gibt. Die Basis der paar geführten Statistiken ist zu klein; die Plattformen rücken ihre Daten nicht heraus. - Was ich Herrn Meinke angekreidet habe und immer noch tue, ist, daß er seine Sicht schildert, ohne sie durch Fakten zu belegen.

Wenn jemand seine Sicht also durch Fakten belegen zu können glaubt, die ja offensichtlich nicht ausreichen belegbar sind und die jeder dann auch anders interpretiert, möge er das bitte tun – und nicht nur dies von anderen fordern.

PS. Im Statement von Michael Glatthor wird mir ein bisschen zu viel „Wirkung“ gegeben. Für so wichtig halte ich mich nicht.

49. Klaus Erthal 22.04.2010 21:30h

Ich bin erst seit 4 Jahren mit dem Verkauf von Büchern zugange und war zuvor hauptsächlich im Vertrieb von IT und der dazugehörigen Dienstleistungen aktiv. Daher setze ich jetzt mal die vertriebliche Brille auf und dann fällt mir so einiges auf.

Grundsätzlich kann man Produkte, Wissen oder Dienstleistungen verkaufen. Man kann sich auf das Produkt konzentrieren, aber der Antiquar bringt auch sein Wissen ein und erbringt auch in gewisser Weise eine Dienstleistung, um das Buch teurer verkaufen zu können, das ist ja legitim. Das Produkt verkauft man auf einem Markt. Das ist für alle gleich, alle haben erstmal die gleichen Möglichkeiten. Es ist nützlich, diesen Markt zu kennen und permanent zu beobachten, gerade wenn er sich wandelt. Der Qualitätsfaktor (den jeder für sich übrigens nach eigenem Gusto definiert) ist bei weitem nicht so entscheidend für den geschäftlichen Erfolg wie im gemeinhin angenommen wird, nicht nur bei Antiquaren. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Um etwa den Faktor 10 wichtiger ist die Ausbreitung. Daher finden Sie in jedem größeren Unternehmen die bestbezahlten Mitarbeiter im Vertrieb und im Marketing. Sie können der beste Antiquar der Welt sein, die entscheidende Frage ist ganz simpel: Wer weiss davon? Wenn das niemand weiss, werden Sie kein einziges Buch verkaufen. Wenn das jeder weiss, kommen die Kunden zu Ihnen und Sie können zu jedem Preis verkaufen. Genaugenommen müssen Sie nicht einmal der Beste sein, es reicht aus vertrieblicher Sicht völlig aus, wenn alle das glauben.

Deshalb werden bei der Formel 1 so viele Millionen verbraten. Wenn Sie da einen kleinen Schriftzug auf einem Auto buchen, haben Sie die größte Reichweite bzw. Ausbreitung weltweit schlechthin. Daher springen im Fernsehen auch bei der Werbung so schöne und glückliche Menschen durch die Gegend. Die Botschaft ist einfach und wird vom Unterbewusstsein geschluckt, ob Sie das wollen oder nicht. Kaufe das Produkt und Dir geht es ebenso. Nimm das Parfum und die Frauen werfen sich wimmernd vor Dir auf den Boden. Jeder weiss, daß im Supermarkt die teuren Produkte auf Augenhöhe stehen und für das billigere aber oft genauso gute Produkt, daß dazu noch aus der gleichen Fabrik kommt, muss man sich bücken. Sie laufen im Supermarkt genau den Weg, den man Ihnen vorgibt, Sie registrieren das in aller Regel nicht mal. Und wenn an der Kasse die Kinder quengeln, dann ist oh Wunder griffbereit ein Schokoriegel platziert. Den dürfen Sie dann auch gleich verfüttern und die Verpackung zum Scannen aufs Band legen, das ist allgemein akzeptiert. Jeder weiss das und trotzdem funktioniert das wunderbar.

Bis es aber soweit ist, daß Sie alle diese Tricks beherrschen und der Beste auf dem Markt sind und die Kunden zu Ihnen kommen, müssen Sie selbst daran arbeiten, die Kunden zu finden, die Sie gerne haben möchten und nur Sie selbst und niemand anders ist für das Ergebnis verantwortlich. Und nur Sie selbst und niemand anders setzt die Ziele fest, die Sie erreichen wollen. Dabei ist es völlig unerheblich in welchem Segment oder in welcher Nische Sie tätig sind, ob Edelantiquar oder amazon-mit-Scanner-200-ISBN-Bücher-die-Stunde-Reinklopfer. Ob man auf Plattformen seine Umsätze macht, auf Messen und Auktionen oder im Laden oder die schönsten Kataloge im stillen Kämmerlein strickt.

Aber es ist absolut erforderlich, daß Sie Selbstvertrauen besitzen und Energie investieren. Und der weniger gelehrte Kollege mit den schlechteren Beschreibungen kann durchaus mehr Energie einbringen und für eine größere Ausbreitung sorgen, er kann auch fleissiger sein und die bessere Verkaufsstrategie haben. Und daher ist es noch viel wichtiger, daß Sie die Verantwortung für Ihr Tun und die daraus resultierenden Ergebnisse übernehmen. Am einfachsten sieht man das jeden Tag am Kontostand, der ist unbestechlich. Das ist das eigentliche Problem beim Jammern. Immer hat irgendwer anderes Schuld. Die bösen Plattformen, das Internet, die anderen Händler, die die Preise in den Keller treiben und keine gescheite Beschreibung hinkriegen, usw..

Es ist ganz simpel: Wem Sie die Schuld geben, dem geben Sie auch die Macht und die Verantwortung für Ihr Leben und Ihren geschäftlichen Erfolg. Ich würde das gerne fünfmal schreiben und fettgedruckt, aber das verbietet sich von selbst. Sollte man das nicht besser selbst in die Hand nehmen? Warum ist da so? Das klingt doch nicht sehr logisch. Natürlich, Sie sind nicht dafür verantwortlich, was amazon macht oder was die Mitbewerber machen. Sie sind nicht dafür verantwortlich, wie sich der Markt entwickelt oder die Kunden. Sie sind aber sehr wohl verantwortlich für Ihre Reaktion darauf. Diesen Satz bitte zehnmal und fettgedruckt. Das war schon das ganze Geheimnis des Erfolgs.

Wann immer man also jammert und die äußeren Umstände beklagt, beraubt man sich selbst. Man beraubt sich seiner Energie, man beraubt sich seines Selbstwertgefühls, man beraubt sich seiner Freude am Leben. Man verhindert damit den eigenen Erfolg, gleich in welchem Markt mit welchem Produkt und mit welcher Geisteshaltung man etwas verkaufen will. Man kann natürlich diese Dinge diskutieren, aber die Tendenz, die ich immer wieder lese geht unverkennbar in die falsche Richtung. Und zwar viel zu oft. Und da stimme ich absolut mit Herrn Groß überein. Und da verstehe ich auch sehr gut, daß ihm der Kragen ein bisschen geplatzt ist.

Das alles spielt sich übrigens nur im Köpfchen ab und hat nichts aber auch gar nichts mit der Qualität der Beschreibung, des Kollationierens und des Bibliographierens und der Qualität der Ware zu tun, die man verkauft. Und natürlich, es gilt nicht nur für Bücher.

50. bookmarathon 22.04.2010 22:00h

@49

Erinnert mich an eine PR-Schulung, die ich mal vor einigen Jahren besucht hatte.

Klasse geschrieben und genau so ist es. Aber ob das ankommen wird?




51. ratlos 22.04.2010 22:19h

Liest sich ja nett, aber.. Sie können in Ihrem Köpfchen abspielen, was Sie wollen, wenn Sie auf (richtigen) Auktionen verkaufen, merkt das keiner.
Qualität des Kollationierens? Sehr witzig.
Qualität der Ware spielt keine Rolle?

52. Riepenhausen 22.04.2010 22:37h

sehr geehrter herr meinke, ich würde gerne einmal diesen nebensatz, früher war auch nicht alles rosa (oder so ähnlich) aufgreifen. vielleicht sollten wir doch einmal den schritt zurückgehen und uns fragen ob es in den goldenen 80ern eigentlich wirklich so famos war. ich glaube: ja! wenn auch sehr egoistisch gedacht. vergleichen wir heute die preise von erstausgaben wie beispielsweise denen von arno schmidt und vielen vielen anderen, merken wir, daß die 80er jahre vergleichbar sind mit den apothekerpreisen der jetztzeit. die erste sparte die durch das zvab komplett eingebrochen ist, war die der erstausgaben des 20. jahrhunderts. war das eigentlich schlimm? dieses sachgebiet war von vornherein völlig überbewertet, weil es schlicht und ergreifend keinerlei preistransparenz gab. andere bereiche lassen sich sicherlich auch finden, nehmen wir brockhaus-reisewerke wie die von hedin etc. der seltenste supplementband zu nacht und eis von nansen kann eigentlich so auch nicht mehr benannt werden, bei einigen signierten büchern kann man eigentlich nur sagen (ich klau jetzt mal zitatmäßig bei kollege hartwig aus berlin): selten unsigniert! in vielen fällen läßt sich also nicht verneinen, daß das internet eine art bereinigung eines völlig zu unrecht aufgebauschten marktes war. beste grüsse volker riepenhausen

53. Klaus Erthal 22.04.2010 23:59h

@50

Danke, Vertrieb ist mein Metier, PR und Marketing sind eher Feindbilder, das ist aber ein natürliches Spannungsfeld.

@51

Ich habe nicht geschrieben, daß die Qualität der Ware keine Rolle spielt. Wir können aber auch bei Adam und Eva anfangen und natürlich verkauft man die beste Qualität mit einer hohen Marge, warum sollte man sich das Leben unnötig schwer machen oder was sollte sonst das Ziel sein?. Mit minderwertiger Ware Leute über den Tisch ziehen war nie mein Geschäft und wird es auch nie sein. Man muss aber auch günstig an die beste Ware rankommen und da trennt sich bereits die Spreu vom Weizen. Das alleine reicht nicht, man muss auch gut verkaufen.

Auktionen kann man manipulieren, genauso wie man Kunden manipulieren kann. Es ist dabei IMMER entscheidend, was im Köpfchen bzw. im Herzchen (je nach Definition) der Beteiligten vorgeht und wie gut die Ihren jeweiligen Job machen.

54. ratlos 23.04.2010 00:17h

Auktionen kann man manipulieren...

Kann man das? Als Einlieferer? Auf "richtigen" Auktionen?
Interessant.

55. ratlos 23.04.2010 00:32h

Nur zur Erinnerung: "Das alles spielt sich übrigens nur im Köpfchen ab und hat nichts aber auch gar nichts mit der Qualität der Beschreibung, des Kollationierens und des Bibliographierens und der Qualität der Ware zu tun, die man verkauft."
Die Qualität der "Ware" spielt also doch eine Rolle, schön.
Was aber meinen Sie mit Qualität des Kollationierens?
Je besser kollationiert, desto vollständiger?

56. Klaus Erthal 23.04.2010 01:01h

@ratlos

Je mehr, desto viel. Sie können eine Arbeit immer gut oder schlecht machen.

Beschäftigen Sie sich mit Flavio Briatore und Sie werden feststellen, daß man auch ein Formel 1 Rennen manipulieren kann. Das ist einer der seltenen Fälle, wo Sie nicht nur die Spitze des Eisbergs sehen können, sondern auch ein Stück weit darunter.

Es gibt Geschäfte, wo ein Vermittler/Makler zwischengeschaltet ist, wie z. B. bei Auktionen. Egal ob Sie günstig einkaufen oder möglichst teuer verkaufen wollen, natürlich kann man da was "fummeln". Das werde ich aber nicht näher erläutern. Fragen Sie doch mal Flavio, wie das geht.

57. ratlos 23.04.2010 01:02h

Ist ja auch egal, da es sich eh nur im Köpfchen abspielt.

58. RF Meyer 23.04.2010 08:02h http://www.meyerbuch.com/

Ad 49.
Korrekt.

Meinkes Artikel war deprimierende Eigenbestandaufnahme, rufschädigend für das Antiquariat, Sammler-vergraulend.
Falls die Redaktion des Börsenblattes in Gestalt von Herrn Glatthor nun meint, diesem flauen Beitrag späte Rechtfertigung verschaffen zu können per Anzahl der sich streitenden Kommentatoren, dann ist dies Vorgehen einigermaßen zweifelhaft.

Jedem Antiquar sind die auch von Herrn Riepenhausen (#52) angeführten Veränderungen bewußt. Sie hat es gegeben, solange ich mich halbwegs bewußt mit Sammeln und Verkaufen alter Bücher etc. beschäftige.

Wie jeder von uns Altbuchhändlern den Anforderungen neuer Vertriebswege, neuen Möglichkeiten der Selbstdarstellung, Werbung etc. begegnet, ist sein persönlicher Ansatz.
Niemand sollte von vornherein etwas ausschließen, besser mehr erproben als zu wenig.
Für abschließende Bestandaufnahmen in Sachen Twitter, Blogs, Facebook und was noch alles kommen wird, ist es jedenfalls zu früh.
Wir müssen uns Wege offenhalten, nicht verbauen.

59. Antiquariat Michael Eschmann 23.04.2010 08:59h http://www.antiquariate-rhein-main.de

ad. 58
Sehr geehrter Herr Kollege Meyer,

bei diesem Kommentar fällt es schwer, ruhig und sachlich zu bleiben. Ich will es dennoch versuchen.
Bisher habe ich Ihre Beiträge in der Regel sehr geschätzt, die Bemerkung jedoch: "Meinkes Artikel war deprimierende Eigenbestandaufnahme, rufschädigend für das Antiquariat, Sammler-vergraulend" ist derart subjektiv überzogen, unbelegbar und dadurch unwahr, dass ich mich darüber nur noch ärgern kann.

Welcher Ruf von welchem Antiquar wurde durch den Artikel geschädigt? Welcher Sammler wurde vergrault? Bitte nennen Sie konkrete und überprüfbare Fakten, bevor Sie derartige Behauptungen in ein öffentliches Forum stellen.

Es muss doch noch erlaubt sein, eine Meinung, auch wenn sie eine pessimistische (für mich ist sie realistisch!) ist, öffentlich zu äußern?. Das ist doch kein Unrecht, auch dann nicht, wenn viele Kollegen dies anders sehen und empfinden. Natürlich gilt auch dies
umgekehrt zu respektieren. Dies ist ja auch der Sinn der ganzen Diskusssion, dass man Meinungen austauscht, reflektiert und (vielleicht) dadurch etwas (Neues?) hinzulernt.



60. Redaktion 23.04.2010 09:17h

Dokumentation
Heute war die Zuschrift eines Antiquars in der Post: "Die Schmähschrift von Herrn Meinke hat mich sehr berührt und meine Gedanken vollinhaltlich bestätigt." Dem Kollegen geht außerdem, wie er schreibt, die "Gesundbeterei unseres schwerkranken Berufsstandes auf die Nerven".

61. Buchhöker 23.04.2010 09:51h

Meine Güte,
es sind ganz normale Veränderungen der beruflichen Anforderungen zu beobachten. Sonst gar nichts.

Ich kenne nun z.B. Herrn Meinke nicht persönlich. Aber dennoch sei eine Nachfrage erlaubt:
Herr Meinke, wann haben Sie sich zuletzt mit Datenbanktechnologie beschäftigt? Wann zuletzt ein aktuelles Buch über Marketing gelesen? Vielleicht eine Weiterbildung in E-Commerce besucht? Vielleicht haben Sie dies ja alles gemacht. Aus Ihrer "Schmähschrift" erreicht mich der gegenteilige Eindruck.

Die beruflichen Anforderungen haben sich verändert. Das ist vollkommen normal! Das passierte und passiert in allen Branchen. Die, die damit nicht zurecht kommen, die gehen unter, andere Marktteilnehmer kommen auf und sind erfolgreich. Das ist der Lauf der Welt. Egal in welcher Branche. Und es wird auch denen passieren, die heute munter mithalten können.

Natürlich beklagt Herr Eschmann den Untergang des Abendlandes. Und natürlich ist es für ihn frustrierend, wenn das Zentralantiquariat Leipzig den von Herrn Eschmann angebotenen Titel

Blau: Die nasalen Reflexneurosen und ihre Behandlung

auf antiquariat.de für 4 Euro, statt der von Herrn Eschmann bevorzugten 45 Euro anbietet. Aber: wo ist das Problem? Einfach ankaufen, das gute 32seitige Stück. Dann ist es vom Markt, und die 45 Euro Forderung sieht nicht mehr so putzig aus. ( Zu spät! )

Wie dem auch sei: es handelt sich nicht um eine Diskussion, sondern um das Gegenüberstehen zweier Generationen von Antiquaren. Ein Austausch zwischen diesen Gruppe ist eigentlich nicht erkennbar.

Die eine Seite freut sich über das Vorankommen in einem ihr relativ verschlossenen Markt, die andere Seite bejammert den ständigen Verlust ihrer ehemals als sicher empfundenen Pfründe. Wie war das doch früher: meine Handbibliothek ist meine Altersversorgung? Aha.

62. Buchhöker 23.04.2010 09:55h

Korrektur:

Im letzten Absatz muß es natürlich heißen

"Die eine Seite freut sich über das Vorankommen in einem ihr e h e m a l s relativ verschlossenen Markt"

Entschuldigung!

63. Antiquariat Michael Eschmann 23.04.2010 10:36h http://www.antiquariate-rhein-main.de/

Sehr geehrter Herr Kollege "Buchhöker",

wenn Sie Ihr schönes, aussagefähiges Pseudonym lüften würden, hätte ich auch die Möglichkeit, Ihre Preise im Netz
zu durchforsten.

Leider gönnen Sie mir diese Möglichkeit nicht.

Wenn Sie so erfolgreich sind, wie Sie schreiben, warum
verbergen Sie sich?

64. RF Meyer 23.04.2010 11:11h http://meyerbuch.wordpress.com/

Ad 60.
„schwerkranker Berufsstand“ – schlage Dinosaurierfete vor. Und danach begraben wir uns gemeinschaftlich unter den Bücherbergen.

Ist das wirklich so schwer zu verstehen: Wir müssen Wege entwickeln, mit den neuen Medien/Entwicklungen/Zeitläuften etc umzugehen – sonst: erst Jammern, dann Dinos.

Lageanalysen gab es genug, Meinkes Beitrag war der letzte in einer Reihe, nicht der erste, und nicht der erste, der sich mit der Lage des Antiquariats im Zeitalter des Internetzes befaßt.
Und reagiert wurde bereits – und das auf positive Weise! – vor Jahren, mit Antbo, mit Zusammenschlüssen, mit Homepages etc.

Das Börsenblatt/Antiquariat z.B. sollte in die Zukunft schauen, neue Sammler, Sammelgebiete, Vertriebsmethoden vorstellen. Krisenberichterstattung gibt es auf den Mainstreammedien genügend.
Wie Kollege Haucke gestern so nett auf meinem Blog schrieb: „doch wird es noch schöner aufgebaut“, das Antiquariat.

65. Buchhöker 23.04.2010 11:11h

Lieber Herr Eschmann,
wenn Sie z.B. die Diskussionen um Facebook beobachtet haben, so werden Sie die Risiken des nie vergessenden Netzes kennen. Wenn schon die Library of Congress die Twitter-Tweets gekauft hat ...

Über meinen persönlichen Erfolg habe ich nicht geschrieben, sondern darüber, dass die Marktteilnehmer immer wieder wechseln, je nach den Entwicklungen des Marktes.

66. Christoph Schäfer 23.04.2010 12:35h www.heineantiquariat.de

Was den "nur" online Lesenden als wichtige Zusatzinformation bisher schamhaft verschwiegen worden ist, sollte hiermit nachgetragen werden, da wohl außerhalb Berlins nicht unbedingt allgemein bekannt.

Unser geschätzter Ex-Kollege Meinke hat doch für sich schon vor Jahren entschieden nicht mehr als aktiver Antiquar tätig zu sein: er betreibt eine Pension in Berlin.

Dies soll nun seine Meinung nicht diffamieren, aber relativiert doch vielleicht auch die eine oder andere Einschätzung.

Ich bin übrigens mit dem Kollegen RF Meyer sehr einverstanden, der Luther's Apfelbäumchen ins Spiel bringt und verhalten optimistisch, was Nischenveranstaltungen wie z.B. Läden und Kataloge betrifft.

Alle Aktivitäten, die das Netz betreffen, sollten von Antiquaren übrigens so gestaltet werden, daß ihre Unabhängigkeit gewahrt bleibt.

67. Gastleser 23.04.2010 16:31h

Guten Tag,

da ich selbst ein relativ junger Sammler bin finde ich die derzeitige Markt/Preisbereinigung natürlich sehr positiv. Eröffnet diese mir doch Möglichkeiten die in dieser Form noch vor 10 Jahren undenkbar war, auch da mein Interesse ausschließlich Werke von vor 1800 umfasst.

In vielen Beiträgen hier vernehme ich eine starke Zukunftsangst, was den Büchermarkt an sich betrifft. Ein Beitrag bezog sich gar auf O. Spenglers „Untergang d. Abendlandes“.

Und in der Tat befindet sich der Markt an einem generativen Umbruch.
Selbst denke ich, daß das gedruckte Wort, gerade in der frühen Form, nach dieser eben stattfindenden transparenten Marktbereinigung, in vielleicht ca. 20 Jahren enormen Wertzuwachs gewinnen wird.

Warum?

Durch die baldigst nur noch elektronische Textübermittlung und Texterstellung wird der physische Buchhandel immer mehr schwinden. Bis er zum gänzlichen erliegen kommt.
Über eine kostenlose „Anlesung“ des Textes auf einer individuellen Internetseite, mit anschließend weiterführender kommerzieller Öffnung des Gesamtinhaltes, werden
Verlage dann nahezu unnötig werden, da jeder selbst im Internet veröffentlichen kann.

Klar dies ist einer Prophezeiung ähnlich, jedoch ist sie insofern logisch als das diese Entwicklung auch schon teilweise heute offen an den Tag tritt. So werden auch Buchläden mit der Zeit verschwinden. Wohl traurig… aber real.

Im Umkehrschluss werden alte originale Schriften, als Quelle und Beleg, im Wert steigen. Hier spielt das Ursprüngliche, wie auch das alte „Habtische Gefühl“ eine große Rolle.
Auch das begehren wird zunehmen, nicht in Deutschland vielleicht, jedoch Global.
Das Internet verbindet die Gesamte Kugel!
Mögliche Textmanipulationen, wie in wikipedia oder sonstigen Enzyklopädien heute schon zu bewundern sind, können dann nur aufgrund der Urschriften entlarvt werden.

Da dann eine Erstellung einer Sammlung nicht mehr möglich sein wird tut man wohl gut daran die derzeitige günstige Lage, welche mit der allgemeinen Deflationären (nicht wie allseits fälschlich gedacht Inflationären!) Lage zusammenhängt, auszunutzen.

Sollte dieses Szenario nicht eintreffen so wäre das sicherlich zu begrüßen.
Unabhängig davon wird sich der Markt aber über eine längst nötige und stattfindende preisliche Transparenz International einpendeln.
Es ist wohl vollkommen normal, daß sich die etablierten Antiquariate dagegen sträuben. Zurückbilden werden sie die Lage nicht!

68. AUREL 23.04.2010 18:13h

@44 Lieber Rabe – ich wollte auf Ihren Beitrag schon früher antworten, hab es aber nicht geschafft. Kurz zu einigen Ihrer Punkte:

Ich sage nicht: Es ist GUT, daß die Preise im Keller sind. Ich sage: es gibt –möglicherweise - zu nutzende Chancen, die in dem Preisverfall liegen, nämlich neue Sammler zu gewinnen. Außerdem sage ich: Vom Kunden aus gesehen ist Preis- und Qualitätstransparenz ein Vorteil. Und wenn wir am Markt bestehen wollen, dann müssen wir kundenorientiert denken und handeln (lernen).

Ich denke nicht, daß ich es mir zu einfach machen mit den Problemen, die durch das Internet verursacht werden, zB der Preisverfall. Ich/wir werde ihn aber nicht aufhalten können. Also nutzt es mir doch nichts, mich zu beklagen, sondern es hilft doch nur Ideen zu entwickeln, wie wir reagieren – wenn wir denn nicht aufgeben wollen.

„Das Netz schafft eine neue, virtuelle Buchpräsentation und zerstört die reale Buchpräsentation … Innenstädte mit Filialisten fördern keine Buchkultur.“

Zunächst schafft das Internet nur die Möglichkeit eine zusätzliche Plattform zur Präsentation und zum Verkauf zu bieten. Nicht das Internet schließt Buchläden sondern die Antiquare und Buchhändler selbst. Ich sehe im Verschwinden der Ladenantiquare (und auch der kleinen und mittleren Buchläden im Neubuchbereich) eine viel größere Gefahr für die Buchkultur, als im Internet.
Wie kann dem nun begegnet werden, DAS wäre eine spannende Frage.
Mein Versuch sieht so aus, daß ich neues, gebrauchtes und antiquarisches Buch – online und als Ladenangebot plus Kleinverlag unter einem Dach anbiete. Die Kundenstruktur hier vor Ort, die Wettbewerbssituation hier etc. wird auf das Endergebnis genauso Einfluß haben, wie die Welt da draußen.

Läge in solchen Kombinationen oder Teilkombinationen, oder in Läden die nur eine gewisse Zeit bestehen oder oder oder .. nicht eine Chance? Gegen die Massenanbieter in den Plattformen, gegen die Macht der amazonsgooglesebays, gegen die Filialisten kann jedenfalls nur bestehen, wer KUNDENORIENTIERT arbeitet. Den Beitrag von Herrn Erthal @49 finde ich ebenfalls sehr bedenkenswert.

„soll halt jeder klauen was er will“ Ich würde dazu gerne ausführlich antworten, aber ich habe schon einen langen Text produziert. Desh. nur: Wer meine Beiträge verfolgt hat weiß, daß ich entschieden gegen die Forderungen nach kostenlosem download und Verletzungen des Urheberrechts argumentiere.


@48 Lieber Herr Meinke, wenn Ihr Beitrag und meine Replik am Ende ein wenig dazu beitragen, daß die Zunft über Ideen für die Zukunft diskutiert und die Rückschau sagen wir: einschränkt, dann wäre was gewonnen.

Markus Groß, Daun

69. H.Meinke 23.04.2010 19:41h http://www.hotel-pension-muenchen-in-berlin.de

Sehr geehrter Herr Kollege Schäfer,

die Informationen zu meiner Person standen in der gedruckten Ausgabe des AdA – dass sie online „schamhaft“ verschwiegen wurden, habe ich nicht zu verantworten. Sie hätten dann aber doch auch darauf hinweisen können, dass ich immer noch Gutachten erstelle und auch weiterhin vermittelnd tätig bin….

Es ist von Vorteil, wenn man nicht immer vom Tagesgeschäft bestimmt ist, das schärft auch den Blick. Ein weiterer Vorteil ist, dass mir viele Kollegen in Gesprächen sehr viel offener gegenüber treten, gerade weil sie mich nicht als Konkurrenz empfinden.

Und wenn schon auf meine jetzige Tätigkeit hingewiesen wird, will ich auch Eigenwerbung machen: kommen Sie (und alle anderen, die mich kennen lernen wollen) nach Berlin. Das lohnt sich – vielleicht weniger wegen der Antiquariate, obwohl es immer noch einige gute Geschäfte gibt. Aber die Museumslandschaft ist überragend und ein Besuch in der Staatsbibliothek kann für Antiquare nicht schaden.

http://www.hotel-pension-muenchen-in-berlin.de


Und jetzt verabschiede ich mich wirklich aus diesem Forum…

70. Helmer Pardun 25.04.2010 01:00h

Verehrte Kollegen. Ich habe gestern abend in den Kommentar von Herrn Glatthor hinein kommentiert unter Maßgabe, dass ich dessen Beitrag als langjähriger Journalist kritisiere, dass ich mich als 64-jährigre Jungantiquar jedoch bei weitem noch nicht alt genug fühle, über Exzellenz und Esoterik von Antiquar und Antiquariat heute umfassend mitzudiskutieren.

Dennoch, in die lange Liste ergiebiger Kommentare an dieser Stele hier, möchte ich mich dennoch mit einer Momentaufname meiner Überlegungen einbringen.

Ich bin derzeit in Überlegungen, inwieweit "das Antiquariat" eine neue Verortung in einer sich allmählich festigenden Buchwissenschaft aber auch in einer sich rapide ändernden Welt braucht, um daraus unter modernen Bedingungen aktuelle Zukunftsorientierungen zu gewinnen.

Ohne ansonsten einzelne in dieser Kommentarliste hier anzusprechen nehme ich AURELs Hinwies auf, es könnte länger werden.

Eventuell braucht man eine neue Philosophie der Branche des Antiquariatsbuchhandels – oder ein (neues) Theorie-Praxis-Modell, um wenigsten die subjektiven Meinungen und Erfahrungen von den objektiven Daten und Fakten zumindest analytisch zu trennen, vielleicht auch, um sie erst einmal verbindlich zu erheben, um sie dann für sich selbst oder gemeinsam zu neuen Handlungsalternativen zusammenzusetzen. Antiquare sind Unternehmer und Antiquariate die dazugehörigen Unternehmen. Aber es gibt Unterschiede – es gibt Unternehmer, die sorgen dafür, dass etwas geschieht; es gibt solche, die zusehen, was alles passiert; es gibt solche, die sich wundern, was alles passieren konnte.

Meine bisherigen Kenntnisse von und Erfahrungen mit Antiquaren und Antiquariaten sind, aller Anfang ist die erfolgreiche Direktvermarktung des eigenen Antiquariats durch eine aktive und möglich direkte Vermittlung zwischen Publikation und Publikum.

Mit dem zunehmenden Wettbewerb im Netz scheint sich der gemeine Gebrauchtbuchhandel mehr und mehr vom herkömmlichen Antiquariatsbuchhandelsladen zu trennen. Der findet sich als Geschäft mehr und mehr eingequetscht zwischen Buchkettenläden, offenen Gebrauchsbuch-Handelsplätzen in der gemischte Zusammensetzung von Kaufhallen, Tankstellen oder Kiosken und dem offenen Internethandel mit Drucksachen aller Art.

Bücher werden zu Daten, Bestände zu Datenbanken und die exakte Expertise und Bibliografie wird abgelöst durch die bessere Beherrschung suchmaschinenfreundlicher Eingaben und Engines, und einer möglichst vollständigen Bestückung zwischengeschalteter Vermarktungsplattformen, die allesamt ihre Eigenheiten haben, und sich dennoch alle in den fließbandartigen Abläufen von Informationsvermittlung-, Katalogisierungs- und Verkaufstechniken gleichen.

Breite und Tiefe des Angebots, Vielfalt an Wissen und Expertise sind für die Effizienz des herkömmlichen Antiquariatsbuchhandels mit realen Büchern bei weitem nicht mehr so wichtig wie das Beherrschen der neuen technische Methoden des schnell drehenden Verkaufs virtueller Bücher im Internet.

Damit wird jeder auf Erfolg setzende Buchhändler nicht mehr umhin kommen heute, nicht nur die ihm zu s e i n e r Verfügung stehenden, sondern a l l e allen zur Verfügung stehenden Werkzeuge und Wege für eine direkte Vermarktung in einer geeigneten Mischung unmittelbarer Vertriebskanäle praktisch zu verwenden.

Weder Stümperhaftigkeit noch Unvollständigkeit, weder Ungereimtheiten noch hanebüchene Irrtümer werden den schwunghaften Handel an allen Ecken und Enden des Internets eindämmen werden.

Erfolgreich werden in Zukunft der, die, das sein, wo der Eigner immer zuerst das Seine einsetzt und das selbst Beherrschte für sich nutzt. Man muss frei sein und direkt dabei sein, um sich praktisch von Kollegen und Konkurrenten zu unterscheiden und den direkten Weg finden, ohne mögliche Umwege potenziell auf die eigene Klientel zu treffen. Man muss von drinnen gewinnen.

Im Internet sind das die gepflegte und übersichtlich nutzbare Website, der immer aktuell eingepflegte Content in Form von Wort, Bild und Ton zum Beispiel bei Blogs und der eigene unmittelbare und kundenfreundliche Shop. Die äußeren Wege haben die meisten längst gefunden und gehen sie auch weiterhin.

Der quantitative Gebrauchtbuchhandel und der qualitative Handel mit antiquarischen Büchern werden sich als Geschäftsmodelle mehr und mehr voneinander trennen und wenn gemeinsam, dann nur in Kombination durch die geeignete Person des Unternehmers und die Persönlichkeit des Antiquars unter einem Dach zusammen Erfolge verbuchen.

Freundliche Grüße Helmer Pardun, radebeul

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