175 Jahre Steinmetz'sche Buchhandlung in Offenbach

"Salto immortale des Buches"

Ein Jubiläum der besonderen Art: Zur Feier des 175-jährigen Bestehens der Steinmetz'schen Buchhandlung in Offenbach sorgte eine Gleichaltrige für den musikalischen Rahmen. Es gab Romantisches mit einer Bass-Tuba, einem Instrument, das im Jahr 1835 patentiert worden war.

Schwindelerregende Zukunft? Nein, turmhohe Sammlung von Druckwerken in der Stadtbibliothek Offenbach.

Schwindelerregende Zukunft? Nein, turmhohe Sammlung von Druckwerken in der Stadtbibliothek Offenbach. © Rainer Rüffer

Rosemarie Fendel, Inhaber Lothar Franck und Geschäftsführerin Helma Fischer (v.l.)

Rosemarie Fendel, Inhaber Lothar Franck und Geschäftsführerin Helma Fischer (v.l.) © Rainer Rüffer

Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir: "Vielleicht ist das Buch stapelhoch überlegen"

Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir: "Vielleicht ist das Buch stapelhoch überlegen" © Rainer Rüffer

Traditionsreich: Steinmetz'sche Buchhandlung in Offenbach

Traditionsreich: Steinmetz'sche Buchhandlung in Offenbach © Rainer Rüffer

Geschäftsführerin Helma Fischer hatte die Idee, diesen besonderen "Gast" zur Feierstunde am Sonntag Abend in die Stadtbibliothek Offenbach einzuladen. Von dem Blasinstrument einmal abgesehen, ging es aber hauptsächlich um Zukunft: die des inhabergeführten Buchhandels wie auch die des Buches als Medium.

Letzterem stellte zunächst Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider in seinem Grußwort eine günstige Prognose. Es habe das Kino und das Fernsehen unbeschadet überlebt und werde nun auch durch die digitalen Medien nicht verdrängt werden. Schneider betonte auch die wichtige Rolle des mittelständischen Einzelhandels für die regionale Wirtschaft: »Filialisten kommen und gehen. Aber Unternehmen wie das Ihre bilden das Rückgrat unserer Städte«, sagte der Oberbürgermeister an die Adresse Fischers. "Wir sind stolz auf unsere Steinmetz'sche!"

Helma Fischer hatte sich zuvor bereits bei ihren treuen Kunden bedankt, "unseren Leserinnen und Lesern, jung und alt, ohne die es zu diesem Jubiläum nie gekommen wäre". Dazu passte es wunderbar, dass die Schauspielerin Rosemarie Fendel – in ein leuchtend rotes Strickkleid gewandet – Texte über die besondere Faszination des Lesens vortrug. Zauberhaft die Suleyker Erzählung von Siegfried Lenz über den alten Hamilkar Schaß, der selbst angesichts heranrückender Gefahr – versunken in seine Lektüre – darauf bestand, »nur noch dies Kapitelchen« zuende zu lesen.

In seiner Festrede knüpfte Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir an Schneiders Zukunftsoptimismus für das gedruckte Buch an. Das Medium habe in den vergangenen fünf Jahrzehnten reichlich Gelegenheit gehabt, sich an die Vorhersagen seines baldigen Ablebens zu gewöhnen. Alle bisher ausgegebenen Todesdaten seien jedoch ereignislos verstrichen. Neuerdings versammle man sich "in abergläubischen Elektroniker-Zirkeln zum Totengedenken für Print" – die x-te "kassandrische Wiederholungssendung". Im Immergleichen sehe er, Casimir, allerdings eine deutliche Entwicklung: "Der Ton der Prognostiker wird wütender. Erfolglosigkeit geht eben auf die Nerven."

Zwar würden mit den neuen medientechnischen Möglichkeiten der digitalen Zeit auch neue Ansprüche an das Lesen, an die Beschaffung und Aufbewahrung von Texten gestellt. Gleichzeitig wachse aber der Bedarf nach "intensiver, vertiefender, nachhaltiger, genussvoller Mediennutzung". Auf diesem Gebiet – dem im Internet unter dem Titel "Slow Media" Anfang dieses Jahres ein lesenswertes Manifest gewidmet worden sei – sieht Casimir den ungebrochenen Führungsanspruch des "Langtextmediums" Buch. "Vielleicht erleben wir all der Rückstandsvorwürfe zum Trotz schon bald so eine Art Salto immortale des Buches: vom hoffnungslos rückständigen zum stapelhoch überlegenen Medium, das sich wohltuend unterscheidet von den kalten, imprägnierten, langweilenden Oberflächen der monitorealen Welt."

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