avj-Hauptversammlung in Berlin

"Das Kinderbuch ist unverzichtbar"

Ach, die niedlichen Kinderbücher – vom Image als Hersteller schöner Nebensächlichkeiten haben Kinder- und Jugendbuchverleger genug. Sie sehen sich als Kultur- und Bildungsvermittler. Und wollen auch so behandelt werden. Ulrich Störiko-Blume, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), im Interview. VON INTERVIEW: SANDRA SCHüSSEL

Ulrich Störiko-Blume

Ulrich Störiko-Blume © Stefan Hauck

Ein kurzer Rückblick: Wie lief das letzte Geschäftsjahr für die Kinder- und Jugendbuchverleger?
Ulrich Störiko-Blume: Es war ein gutes Jahr. Wir konnten zur Leipziger Messe verkünden, dass der Marktanteil der Kinder- und Jugendbücher jetzt bei etwa 15 Prozent liegt.

Trotzdem sank der Umsatz im Kinder- und Jugendbuch laut Branchenmonitor Buch im April um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im Februar sogar um 27 Prozent.
Monatliche Betrachtungsweisen sind so hilfreich wie aktuelle Börsenkurse für die Bewertung der wirklichen Substanz von Unternehmen. Der langfristige Trend ist interessant. Das Jahr hat zwar etwas verhalten angefangen, aber was ich von den Mitgliedern höre, sieht das zweite Quartal recht positiv aus.

Mit der "Berliner Erklärung" appelliert die avj an die Politik, dem Kinderbuch einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einzuräumen. Haben Sie da nicht schlechte Karten in Zeiten von Sparrunden?

Wir verlangen keine Subventionen für Verlage. Vielmehr fordern wir eine Politik, die das Kinderbuch als unverzichtbaren Beitrag zu Kulturvermittlung und Bildung sieht. In Nordrhein-Westfalen gibt es die Initiative "Ein Instrument für jedes Kind", in den USA das Projekt "No Child left Behind". Ein kleines Land wie Holland veranstaltet eine nationale Kinderbuchwoche. Das sind die Initiativen, die wir brauchen. In Ganztagsschulen, die ich mir sehr wünsche, müsste es Lesezirkel geben.

Klingt sehr altmodisch in Zeiten von Playstation und Nintendo.
Wir leben mit der Gleichzeitigkeit alter und neuer Medien. Natürlich ist Nintendo ein Riesending. Aber Computerspiele werden das Buch nicht verdrängen. Umfragen belegen, dass das Lesen immer im oberen Drittel der liebsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern ist.

Heute sah ich eine junge Mutter in der Straßenbahn, die ihrem Kind kein Pixibuch gereicht hat, sondern ein Handy mit einem Song. Gefahr oder Chance für Kinderbuchverlage?
Das Thema, welche digitalen Medien Kinderbuchverlage entwickeln können, hat die Teilnehmer der avj-Tagung sehr beschäftigt. So sehr, dass wir beschlossen haben, bis Ende des Jahres eine Fachtagung zum Thema E-Publishing für Kinderbuchverlage auf die Beine stellen.

Welche weiteren Pläne hat die avj?
Wir wollen uns enger mit anderen Gremien im Börsenverein vernetzen, insbesondere mit dem Verlegerausschuss. Zudem werden wir mit unseren Forderungen stärker an die Öffentlichkeit treten. Eine erste Fingerübung haben wir in der Auseinandersetzung mit der "Zeit" gemacht, die das Kinder- und Jugendbuch aus dem Feuilleton geworfen hat. In Windeseile haben wir praktisch alle deutschen Kinder- und Jugendbuchverlage zur Unterschrift gewinnen können. Wir sehen es als unsere Aufgabe, solche Debatten weiterhin zu führen. Auf der Frankfurter Buchmesse planen wir eine Podiumsdiskussion zum Thema "Was ist die Rolle der Kinderbuchkritik in Zeitungen?"

Die avj ist der Fachverband für Verlage, die Kinder- und Jugendbücher, aber auch audiovisuelle Medien, Kalender, BuchPlus-Produkte und vieles mehr für Kinder und Jugendliche herausgeben. Sie wurde im Jahre 1950 gegründet. Mittlerweile gehören ihr über 80 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Am Mittwoch fand die jährliche Hauptversammlung in Berlin statt. 

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3 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    ,Das Kinderbuch ist unverzichtbar`
    Diese Worte kann ich nur unterstützen.
    Es ist sehr entscheidend, ob in einem Elternhaus das Lesen von Büchern gepflegt wird oder nicht.
    Die Liebe zu Büchern geht vom Elternhaus aus.
    Herr Ulrich Störiko-Blume, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (AVJ), sagt in diesem Interview den Satz:,Wir leben mit der Gleichzeitigkeit alter und neuer Medien`.
    Dies ist heute nicht zu übersehen.
    Die Buchhandlungen sollten eine kleine Kinderbuchecke oder eine Abteilung für Kinderbücher haben.
    Wenn sich die Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und die Familien für die Lektüre von Büchern einsetzen, dann hat das Buch in der Vielfalt unserer Medien auch eine Zukunft.
    Bei der Auswahl der Medien für Kinder und Jugendliche sollte man sich auch vom Gedanken der Vernunft leiten lassen.
    H. Kraft, München

  • Tine

    Tine

    Heute sah ich eine junge Mutter in der Straßenbahn, die ihrem Kind kein Pixibuch gereicht hat, sondern ein Handy mit einem Song. Gefahr oder Chance für Kinderbuchverlage?
    Das Thema, welche digitalen Medien Kinderbuchverlage entwickeln können, hat die Teilnehmer der avj-Tagung sehr beschäftigt. So sehr, dass wir beschlossen haben, bis Ende des Jahres eine Fachtagung zum Thema E-Publishing für Kinderbuchverlage auf die Beine stellen.


    Also das ist ja mal eine ziemlich unnütze Antwort. Es ging in der Frage auch darum, dass einige Eltern ihren kleinen Kindern nicht mehr vorlesen. Eine Mutter oder ein Vater, der seinem Kind ein Handy oder Music-Player zur Beschäftigung reicht, ist kein Kandidat für Ebooks.

  • Ulrich Maske, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH

    Ulrich Maske, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH

    Die sprach- und sprechfördernden Möglichkeiten von Hörbüchern wurden - trotz entsprechender Mitgliedschaften in der avj - wieder mal überhört - oder überlesen? Hörbücher und Lieder, also gesungene Gedichte, erreichen die Leser/innen von morgen schon lange vor deren Lese-Einstiegsalter. Wir JUMBOs können ein Lied davon singen ...

    • ...

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