Michael Roesler-Graichen© Nicole Hoehne
09.07.2010Kommentar
E-Reader: Zukunftstechnologie fürs Museum
Die überzeugenden Argumente für E-Book-Lesegeräte mit elektronischer Tinte sind der Branche noch frisch in Erinnerung: ihr gestochen scharfes, ruhiges Schriftbild, ihre hohe Energieeffizienz, ihre nicht reflektierenden Displays, die Lesen bei jedem Lichteinfall ermöglichen. Seit der mit Apples iPad ausgerufenen Tablet-Revolution scheint dies alles wie weggeblasen. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.
Farbe, Multimedialität und ein Online-Buchladen mit iTunes-Anbindung binden die Kunden mehr als jede Nachhaltigkeitskampagne. Zugleich droht das Konzept, eigenständige, nur zum Lesen geeignete mobile Endgeräte auf den Markt zu bringen, zu scheitern. E-Ink-Reader – Kandidaten fürs Museum? Selbst die neuen Billig-Reader dürften kaum einen Nachfrageschub auslösen. Ob die Tablet-Produzenten die Gewinner der aktuellen Situation sein werden? Man sollte keine Wetten darauf abschließen. Vielleicht ist Google mit seinen Browser-E-Books der lachende Dritte.
1. Klaus Wrede 09.07.2010 10:56h www.symposion.de
Hallo Herr Roesler-Graichen,
das erinnert mich an einen Kommentar, den ich im Jahr 2008 für das Börsenblatt zm Thema E-Book-Reader geschrieben habe und den Sie hier finden:
http://www.boersenblatt.net/285181/
2. Peter 09.07.2010 14:25h
Was ist denn ein eReader? Ein Gerät das digitalformatige Texte darstellt.
eInk in der derzeitigen Form wird - natürlich - nicht bleiben.
eReader werden auf jeden Fall bleiben und in der Verbreitung zunehmen.
Es dürfen bei der Diskussion nicht - Displaytechniken - (und darum ging und geht es bei grau/schwarz eInk und den derzeitigen eReadern) und - Geräteklassen - (Telefone, Tablets (wie das ipad letztlich eines ist) und Laptops) vermischt werden.
Die technische Entwicklung wird zu einer ganz erheblichen Verbreitung und schließlich zum Siegeszug von Displays führen, die wie die derzeitigen eInk-Displays durch ein besseres Anzeigebild für "ruhende" Inhalte wie Text sowie gleichzeitig gegebener Möglichkeit von Videodarstellung bei erheblich geringerem Energieverbrauch glänzen.
Derzeitige Schritte auf dem Weg: farbige eInk, PixelQi und Mirasol-Displays (Websuche ist Ihr Freund ;o)
Und diese wird dann auch Apple in seine pads einbauen. Und auch die werden eReader sein, wie viele andere Telefone, Tablets und Laptops auch ...
Das wird zu einer noch weiteren Verbreitung von Texten in digitalem Datenformat führen als der Verlagsindustrie derzeit vorstellbar ist.
Aber, dauern wirds schon noch ein wenig .. ;ol)
Zeit genug für weiter Kommetare bleibt.
3. Peterle 09.07.2010 14:58h
Klar ist das iPad sexyer (schreibt man das so?) als ein eReader, das Problem ist nur, dass er deshalb beliebter ist, weil die meisten User ihn kaum je dafür benutzen werden, was der werte Kommentator erhofft, nämlich Bücher lesen ... Das ideale Gerät zur Internet-Benutzung, zum Filme kucken (und was Apple sonst noch via iTunes zulässt) .. ich bezweifle, dass ein nennenswerter Prozentsatz der Käufer auch nur ein eBook dazu kaufen wird.
4. Turtle 10.07.2010 01:38h
Ich vermute, dass die Zukunft der E-Reader, abgesehen von sich bessernden noch gegenwärtigen technischen Problemen, in der Kombination E-Reader und Anbindung an einen Cloud Server zu finden ist, der wie die baldige De-Mail lebenslanger Begleiter eines Lesers wird. Was macht der Leser mit seiner Cloud-Anbindung. Dort in der Cloud hat der Leser sein jeweiliges Bücherregal. Die Bücher, die er in seiner zu kleinen Wohnung nicht haben kann, hat er nun in der Cloud im Regal. Und hierfür braucht der Leser einen E-Reader.
Die baldige sich verbessernde Displaytechnik der Tablet-Pcs gefährdet jedoch den E-Reader mit E-Ink-Display, da neuere Displaytechniken das Entspiegeln bereits während dem Herstellungsprozess preisgünstiger machen werden (hierzu gibt es eine Studie vom Frauenhofer-Institut, die sich am Design von Mottenaugen anlehnt). Trotzdem halte ich die Weiterentwicklung von E-Ink Displays für interessant, da die elektronische Tinte dem bisherigen Lesegewohnheiten am gedruckten Buch geübt sehr nahe kommt und meiner Meinung nach das Lesen in den Vordergrund bringt, während das Lesen mit einem Tablet-Pc oder iPad zur angenehmen Nebensache wird, hier ist wohl das Lesen des Internets mehr vordergründig.
Der E-Reader ist noch nicht ein Museumsstück, sondern eher bislang das archaische Rechenwerk der alten Griechen. Unsere gegenwärtige Kultur wird jedoch das mechanische Liebhaberstück zu einem Allerweltsprodukt für fast Jedermann machen, der sich neben den monatlichen Kommunikationskosten auch noch die Kosten für die Cloud leisten will. Bereits heute weiß es der Sesselleser zu schätzen, mal weg vom Schreibtischdisplay und hinein in das Buch, neben dem Sessel das Glas Wasser, den Wein oder den Kaffee. Dies sind die Vorzüge der E-Reader Technologie, die man über zehn Jahre vermissen musste, seit der Home-Pc in das Wohnzimmer Einzug hielt. Ich halte es für keine Errungenschaft unserer Lesekultur die Literatur am Schreibtischdisplay lesen zu müssen. So gesehen wird der Bildschirm auf dem Schreibtisch ins Museum wandern.
5. Matthias Lätzsch 11.07.2010 21:57h
Meiner Meinung nach ist der oben gezogene Vergleich einer zwischen Äpfeln und Birnen.
Der EReader ist genau das ein Lesegerät und selbst das kann mp3 abspielen, Fotos anzeigen und Notizen speichern.
Die Tablets dieser Welt sind ganz einfach Tastatur befreite Netbooks und vom Anwendungsbereich vielfältiger und anders ausgerichtet. Es sind nett aussehende Arbeitsgeräte und der EReader soll zur Freizeitbeschäftigung dienen.
Vor dem Kauf überlegt sich der Kunde was er braucht und wofür und danach entscheidet er/sie.
Es läuft ja auch (noch) nicht jeder mit einem Smartphone rum, weil einigen Menschen Telefon und SMS reicht.
Doch wer hier im Web kommentiert und Sozial Network betreibt, hat wohl ein Smartphone und ist potentieller iPad Kunde.
Fragt mal Eure Eltern oder technik ferne Bekannte was diese haben möchten.