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Sandra SchüsselSandra Schüssel© Nicole Hoehne

28.07.2010Kommentar

Wylie: Fauler Deal für Autoren

Das technisch Mögliche ist nicht immer das wirtschaftlich Erwünschte. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteurin Sandra Schüssel.

Mit dem E-Book verbanden viele einst Freiheit: Buch­inhalte können schnell und einfach einer großen Anzahl von Menschen zugänglich gemacht werden. Schöner Traum, ausgeträumt. Das technisch Mögliche ist nicht immer das wirtschaftlich Erwünschte. Hinter dem Vorstoß des Agenten Wylie, eine E-Book-Edi­tion direkt und ausschließlich über Amazon zu vertreiben, stecken handfeste monetäre Interessen. Entfernt man ein Glied in der Handelskette – die Verlage –, bleibt deutlich mehr für den Agenten und für die Autoren. Kein Wunder, dass der amerikanische Autoren-Verband auf den Zug aufspringt und die Wylie-Initiative als Druckmittel gegen die Verlage einsetzt. Zahlt uns mehr, dann verhindert ihr, dass wir euch den Rücken kehren. Aber sind Verlage wirklich entbehrlich? Nein. Verlage investieren viel in Lektorat, Marketing und Layout, wovon auch das E-Book profitiert. Verzichtet man als Autor darauf, müssten diese Veredelungsleis­tungen in Eigenregie hinzugekauft werden. Das kostet auch Geld.

Es verwundert, dass sich renommierte Autoren überhaupt auf einen Deal einlassen, der ihnen nur einen einzigen Handelskanal, nämlich Amazon, erlaubt. Was, wenn der Online-Händler die Konditionen ändert oder Bücher aus dem Shop verschwinden lässt, wie schon vorgekommen? Autoren sind auf ihr Publikum angewiesen, mindestens genauso wie auf hohe Margen. Und das Publikum kauft eben nicht nur bei Amazon. In Deutschland wird das Modell Wylie wohl vorerst nicht Schule machen. Dennoch ist es ein Signal für Verlage, über die gerechte Margenverteilung bei E-Books aufs Neue nachzudenken.

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Schlagworte:
Kommentar, Wylie, Amazon

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3 Kommentar/e

1. Linus 28.07.2010 17:27h

LOL, da bekommt wohl jemand Angst, weil er gemerkt hat dass er obsolet geworden ist. Bye bye, Verlage :)

2. M.Hoene 28.07.2010 20:58h

Wie Verlage mit dem Handel, so jetzt die Autor mit den Verlagen? Verlage umgehen den Groß- und Einzelhandel im ebook- Business. Wird es jetzt eng für die Verleger?Der gesamte Markt kommt in Bewegung. Jeden Tag neue Ideen. Aber auch Autoren müssen sich in Zukunft die Leser weiter teilen. Dank dem Internet drängen eine Vielzahl von neuen Autoren auf den Markt. Jeder kann heute sein (e)Buch auf auf einfachste Weise veröffentlichen. Mal gespannt wie die Leser auf diesen Wandel reagieren.

3. Sebastian 29.07.2010 13:45h http://ridcully.info

Das Problem ist meiner Meinung nach hier nicht der Verlag als solcher, sondern einfach, dass der etablierte Verlag als Institution einfach zu unflexibel auf die Wünsche der Autoren, und auch auf die Wünsche des Kunden eingeht.

Auch der Deal von Wylie geht ja nicht komplett an den Verlagen vorbei. Vielmehr geht er an den etablierten Verlagen vorbei. Lektorat und Satz wird durch einen neu gegründeten rein auf eBooks spezialisierten Verlag übernommen. Was sich ändert ist, dass die Geldmittel geinger geworden sind, mit denen ein Verlag aufgebaut werden kann!

Das das einzelnen nicht schmeckt ist klar. Verlieren schließlich die großen an Stellungswert. Nur ist die Frage hier wohl eher, warum sie das tun...

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