Antiquariat
28.07.2010Antiquariatsmessen
5. Kölner Antiquariatstage fallen aus
2009 hatten sich 27 Aussteller in den Räumen des Stadtmuseums eingefunden, in diesem Jahr war nach Aussage von Ulrich Heider gegenüber boersenblatt.net die Resonanz im Vorfeld einfach zu gering, um die Verkaufsveranstaltung durchzuführen.
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1. H. Kraft 29.07.2010 23:33h
Insgesamt gesehen ist es schon für die Initiativen und Mühen des Veranstalters enttäuschend, wenn leider diese 5. Antiquariatstage in Köln wegen zu wenigen Ausstellern abgesagt wurden.
Das ganze Antiquariatsgeschehen hat sich irgendwie auch in das Internet verlagert. Trotzdem sind bei solchen Antiquariatstagen immer auch die Standgebühren und andere Unkosten zu sehen.
Antiquariatstage und Antiquariatsmessen haben ja auch den Hintergrundgedanken, dass einmal jüngere Sammler und Sammlerinnen zum alten Buch finden werden. Gerade innerhalb dieser Messen und Antiquariatstage wäre es sicher gut, wenn Bücherstände für jüngere Büchersammler aufgestellt würden. Vor Jahren wurde dies einmal in München beim Münchner Buch u. Graphikmarkt praktiziert.
Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass doch einmal wieder Antiquariatstage in Köln stattfinden können.
Auch für München wäre eine Fortsetzung der MonaLibri im Künstlerhaus am Lenbachplatz wünschenswert.
Messen und Antiquariatstage sind immer wichtig für das Gespräch und den eigentlichen Zugang zum Sammler und haben eben außerdem eine Langzeitwirkung, die nicht zu unterschätzen ist. In erster Linie ist da an den Ausbau der Kundenkartei zu denken. Dadurch ist eine bessere Kontaktpflege zu den Buchsammlern möglich und Angebote von Suchwünsche können gezielt unterbreitet und bearbeitet werden.
An dieser Stelle ist einmal den Antiquaren Dank zu sagen, die sich in Ausschüssen und Beratungen für die Durchführung von Antiquariatstagen und auch Antiquariatsmessen einsetzen.
H. Kraft, München
2. krämer 30.07.2010 20:41h
"Antiquariatstage und Antiquariatsmessen haben ja auch den Hintergrundgedanken, dass einmal jüngere Sammler und Sammlerinnen zum alten Buch finden werden. Gerade innerhalb dieser Messen und Antiquariatstage wäre es sicher gut, wenn Bücherstände für jüngere Büchersammler aufgestellt würden."
Da es sich um ein kulturelle Veranstaltung handelt, warum nicht dann auch versuchen, Zuschüsse aus öffentlichen Geldern zu erhalten.
3. H. Kraft 30.07.2010 23:12h
zu 2. krämer:
Besten Dank für Ihren Aspekt, der sicher zur Diskussion anregt.
Bei Messen und Antiquariatstagen sind auch die Standgebühren zu erwähnen. Die genaue Größenordnung und Berechnungen sind mir nicht bekannt.
Es geht sicher nach der jeweiligen Größe des Standes.
Auf kulturellem Gebiet wird eben auch in manchen Bereichen gespart oder eingespart.
Es wäre auch einmal sicher zu überlegen, wie die Plattform von Messen u. a. wieder besser gestaltet werden könnte. Ein großer Teilbereich des Antiquariats, des Buchhandels und der Kunden hat sich auf das Internet verlagert. Auch da müssten Vergleiche in der Kosten- und Nutzenrechnung aufgestellt werden. Wo sind die Vor- und Nachteile vom Internet und der stationären Messen und Märkte zu sehen. Was für Anstrengungen sollten unternommen werden, dass junge Sammler und Sammlerinnen wieder einen besseren Zugang zum alten Buch finden könnten? Zu unterscheiden sind da sicher Flohmärkte und Antiquariatstage. Bis zu welchem Alter sind jüngere Sammler als ,jung` anzusehen? Wäre dies in der Spanne von 25 Jahren bis ca. zwischen 45 und 50 Jahren zu betrachten? Es kann auch anders beurteilt werden.
Das Spektrum des Sammelns wirft viele Fragen auf, die sicher nicht schnell gelöst werden können.
Beim Findungsprozess zum alten Buch geht es auch um eine Erhaltung des kulturellen Wertes der Bücher in der Vielzahl unserer gegenwärtigen Medien. Auf die Zukunft hin ist da noch viel Überzeugungsarbeit notwendig.
Wichtig erscheint mir eine weitere Bereitschaft der Antiquare zur Abhaltung von Antiquariatstagen und Antiquariatsmessen. Auch da wären die Gründe dafür und dagegen abzuwägen. Was ist besser: Bücher zum Verkauf und Angebot über Plattformen in das Internet zu setzen, oder den großen Einsatz von Messen u. a. zu verfolgen? Da sollte es zu Klarheiten kommen. Es ist nicht Sinn der Sache, sich an Antiquariatstagen (u. a.) nicht zu beteiligen, sodass diese dann vom Veranstalter abgesagt werden müssen. Da gibt es dann Enttäuschungen.
Notwendig wäre einmal ein genaues Aufzeigen vielleicht verschiedener konstruktiver Meinungsbilder, um da auf die Dauer und für die Zukunft zu Lösungen zu gelangen.
H. Kraft, München
4. H. Kraft 30.07.2010 23:56h
Ergänzung:
Es ist eben sicher für Sammler und Sammlerinnen ein haptisch besseres Gefühl ihre auf Antiquariatstagen und Messen gefundenen Bücher in den Händen zu halten, als Bücher nur im Internet zu kaufen. Da fehlt doch dann irgendwie der Überraschungseffekt auf der Suche nach einem bestimmten Buch zur Ergänzung eines Sammelgebietes. Und über das Internet ist ja überhaupt keine Kommunikation mit dem Antiquar und Buchhändler möglich. Da fehlen doch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die wieder neu im Umgang zwischen Antiquar und Buchsammler auf den Messen u. a. gepflegt und gelernt werden sollten. Heute werden Dinge aus der Anonymität des Internets heraus erledigt. Der Mensch verlernt da eigentlich die Verbindung zum Anderen, sei es über Gespräche mit Freunden über das eigene Steckenpferd des Sammelns. Der Mensch ist in unseren Tagen auf die Schnelle und Hektik angelegt. Beim Besuch von Antiquariatstagen benötige ich als Sammler schon etwas Zeit um mich auch etwas bei Büchern und Graphiken umzusehen und zudem mit manchem Antiquar in ein Gespräch zu kommen.
So bleiben manche Fragen und Problemstellungen nach vorne offen, die eben jetzt nur frei in einen bestimmten Rahmen gestellt werden können.
H. Kraft, München
5. RF Meyer 31.07.2010 08:54h http://www.meyerbuch.com/
Der gemeine Antiquar ist, man muß es leider realistisch sehen, kein gemeinnütziges Unternehmen. Ein Messeveranstalter ebensowenig.
Also liegt jeder Messebeteiligung eine Kalkulation zugrunde, in die Standgebühren (bei den Hauptmessen so ab 1000 € aufwärts), Anreise, Unterkunft, evtl. Stellvertretung im Laden, eingehen. Dagegen steht der zu erwartende Erfolg. Diesen kann man errechnen aus der letzten Beteiligung plus Vorhersage des Oberhausener Kraken plus Interpolation aus Gesprächen mit Kollegen plus Rücksprache mit Kunden (ob sie denn zu kommen gewillt seien).
Allgemein gesagt: Messen mit einer geringen Beteiligung an Ausstellern, also einer geringen Auswahl an Büchern, haben kaum die Chance, daß ausreichend Kunden anreisen. Ergo ist die mögliche Käuferschar recht begrenzt. Man könnte das sicherlich in einer Minimaxkurve darstellen.
Dem von Herrn Krämer (Institoris?) angesprochenem Punkt ‚Zuschüsse’, ergo Subventionen, ergo Abhängigkeiten, kann nur energisch widersprochen werden: was soll denn noch alles subventioniert werden – und wer soll all diese Subventionen bezahlen? In den mäßig weitsichtigen Augen unserer mäßig Verantwortlichen, vulgo: Politiker, steht eh zur Zeit die Digitalisierung, da Mode, im Vordergrund, man möchte doch gern up-to-date sein, oder so, ‚Kultur’ bewahren, allgemein zugänglich machen und dergleichen.
Last not least, niemand wird daran gehindert, ein Telephon in die Hand zu nehmen, um den Antiquar oder die Antiquarin anzurufen, einen Termin auszumachen. Bei dieser Gelegenheit darf man sicherlich das eine oder andere Buch genauer betrachten. Das Internet hat nicht alle Möglichkeiten persönlicher Beziehungen gekappt.
6. krämer 04.08.2010 19:47h
"Dem von Herrn Krämer (Institoris?) angesprochenem Punkt ‚Zuschüsse’, ergo Subventionen, ergo Abhängigkeiten, kann nur energisch widersprochen werden: was soll denn noch alles subventioniert werden – und wer soll all diese Subventionen bezahlen?"
Das ist eine ganz falsche Sichtweise. Die Kulturförderung ist im eigenen Interesse des Staates.
7. H. Kraft 08.08.2010 01:45h
Ein schwieriges Thema ist die hier angesprochene Kulturförderung.
Eine Überlegung wäre: Benötigen wir in der Zukunft Antiquariatstage und Antiquariatsmessen?
Würden die ,Stuttgarter Antiquariatsmesse` , die als große Fachmesse für den Antiquariatshandel anzusehen ist, und die in Ludwigsburg abgehaltene ,Antiquaria`, die beide im Januar stattfinden, als Messen für Sammler genügen?
Welche Städte eignen sich für Antiquariatstage oder Antiquariatsmessen?
Solche Fragestellungen solllten einmal zum Beispiel in einem Rundbrief zwischen Antiquaren besprochen werden.
Ist dazu die Gründung eines Messeausschusses notwendig?
Es ist auch festzustellen, dass in den letzten Jahren ein Generationswechsel auch unter den Antiquaren eingetreten ist.
Welche Richtungen und Wege sind da einzuschlagen?
Ein ganz anderer Aspekt:
Sehr gut fand ich den vor einiger Zeit den ,Gemeinschaftskatalog der Antiquare 2010`, der von der GIAQ zusammengestellt wurde. Also ein großes Lob für diesen Katalog, der immerhin fast 80 Antiquariate aufweist. Sammler können sich durch diesen sehr ausführlichen Katalog informieren und mit den darin verzeichneten Antiquariaten in Kontakt treten. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Erscheinen des Gemeinschaftskataloges beibehalten wird.
Zum Abschluss meines Kommentares möchte ich ein Zitat von Goethe erwähnen: ,Sammler sind glückliche Menschen`.
(Meine Meinung zu Goethe und zum endgültigen Ende dieses Themas für mich: Ich selber benötige oftmals nur ein Buch um ein kleines Glück zu erleben.)
H. Kraft, München
8. krämer 10.08.2010 01:10h
"Ein schwieriges Thema ist die hier angesprochene Kulturförderung."
Aus guten Gründen wird das nicht weiter ausgeführt,. Aber man kann sich wohl nichts förderungswürdigeres im Kulturbereich vorstellen, als das "Buch" im kulturellen Sinne, und gerade was auch auf solchen Messen angeboten wird, sind Exemplare, Symbole des Buches, und unserer Buchkultur. Aber es spricht für diese unsere Welt, daß keine aggressive Lobby tätig ist, aber doch versucht wird, den kulturellen Wert des Buches zu halten, zu bewahren, und weiter anzubieten, für diejenigen, die verstehen, was das "Buch" wert ist bzw. war.
9. H. Kraft 14.08.2010 23:59h
Zu 8.)
Besten Dank für Ihren Kommentar.
Wie stellen Sie sich diese ,aggressive Lobby` vor und welche Gruppe soll sie bilden?
Im Börsenverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Antiquariat. Überlegenswert wäre, z. B. auch eine Förderung von dieser Seite.
Es ist auch zu erwähnen, dass es innerhalb im Antiquariatsbereich Vereinigungen für die Bibliophilie gibt oder gab. Zu erinnern ist dabei an die Bibliophilenvereinigung in Köln, die leider im Mai d. J. aus Überalterung der Mitglieder aufhören musste. Solche Vereinigungen, wie die noch existierende Münchner Vereinigung ,Die Mappe` verschreiben sich dem von Ihnen angesprochenen ,kulturellen Wert des Buches`.
Zum Thema ,Antiquariatsmessen, wohin?` vom 03. 08. 2010 in der Sparte ,Antiquariat` (boersenblatt.net) habe ich auch einige Kommentare verfasst.
Kulturförderung aus welchem Fond? Das heißt: Wer soll da einen Zuschuss bezahlen? Wie lassen sich Standgebühren auf Messen verkleinern? Wie lassen sich Antiquariatsmessen wieder beleben? - Ein anderer Aspekt: In Nettesheim an der Nordeifel versuchte seit November 2009 Frau Brigitta Brand ihr eigenes Antiquariat zu starten.
Doch es fehlte in dieser Gegend die Kundschaft. Jetzt kommt das Ende ihres Antiquariats. (siehe - kleine Meldung vom 11. 08. 2010). Dies nur jetzt am Rande.
Vielleicht werden Antiquariatsmessen nur noch etwa in großen Städten, wie in Frankfurt/Main und Stuttgart stattfinden können. Eventuell wären also da dann vielleicht solche Städte die Förderer.
Ein anderer Punkt ist, dass der Sammler/die Sammlerin auch im Internet Zugang zu Büchern und Graphiken haben, die kaufbar sind. Außerdem wird dort auch gute Qualität angeboten.
Werden dadurch langsam die Antiquariatsmessen überflüssig? Dieser Zustand wäre einmal mit guten Argumenten zu analysieren.
Zu den Antiquariatsmessen und Antiquariatstagen kommen noch die Flohmärkte dazu. Dieser Zweig ist der Vollständigkeit halber, auch noch zu erwähnen.
Es ist dann auch so, dass bei vielen Sammlern die Bücherschränke voll sind und somit auch ein Sättigungsgrad in den Wünschen erreicht ist. Es fehlt jetzt vielleicht noch ein ,i- Tüpfelchen` für die Buch- oder Graphiksammlung zu einer Vollständigkeit.
In diesen Tagen sind jetzt manche Dinge, so auch im gesamten Buchhandel, etwas in Bewegung. Ich würde jetzt einmal vorschlagen, die weitere Lage einmal abzuwarten, wie es sich auch im Bereich der Messen entwickeln wird. In vielen Gebieten sind auch die Grenzen im Handel erreicht und so sicher auch im Buchhandel und im Antiquariat. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise bei uns ist noch nicht vorbei und das Buch, sei es jetzt alt oder neu, hat einen anderen Stellenwert. Postiv zu sehen ist, dass es Nachfragen zum alten Buch gibt. Es wird aber in der Zukunft sicher nicht so sein, dass Sammler Antiquariatsmessen, gleich wo diese stattfinden werden, weiterhin als eine Art ,Leistungsschau` sehen werden. Davon sollten die Antiquare sich einmal verabschieden.
Antiquariatstage und Antiquariatsmessen haben nur dann überhaupt einen Sinn, wenn sie annahmbare Preise zeigen. Standkosten lassen sich nicht nur auf die Buchpreise umlegen. Die ,Pflanze` Antiquariatsmesse ist also wieder neu aufzustellen. Es erfordert also ein Umdenken in vielen Fragen, die bis jetzt noch nach vorne offen sind.
Zusatz in eigener Sache:
Ich selber kann leider in meinen Kommentaren nicht immer wieder da erneut zum Thema Antiquariatstage und Antiquariatsmessen eingehen. Auch würden sich vielleicht Zusammenhänge wiederholen. Zudem möchte und will ich kein ,Dauerbrenner` sein. Es sollte im Rahmen der Vernunft bleiben.
Deshalb war dies in diesem Bereich mein letzter Beitrag.
Es bleibt aber zu hoffen, dass manche meiner Überlegungen zum Nachdenken anregen mögen.
(Herrn RF Meyer und Herrn Krämer besten Dank für Ihre
Beiträge).
H. Kraft, München